#1

Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 17:21
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Um den Thread um Hohenschönhausen nicht unnötig in die Richtung der Diskussion um die Militarisierung der DDR Gesellschaft abgleiten zu lassen habe ich diesen hier eröffnet.

Über das Thema ist bereits an verschiedenen Stellen diskutiert worden. Meist waren/sind es einzelne Schwerpunkte gewesen wie zum Beispiel der Wehrkundeunterricht.

Nur wie machte sich eine/die permanente Militarisierung der Gesellschaft im alltäglichen Leben bemerkbar, wie nahm ich es vor 25 und mehr Jahren wahr?

Das erste was mir dazu einfällt ist die Präsenz von Uniformen im Strassenbild.
Kaum ein offizielles Foto, selbst auf privaten Bildern, auf welchem nicht mindestens ein oder mehrere Soldaten in Ausgehuniform zu sehen sind.
Da es damals zum alltäglichem Anblick wurde hat man es irgendwann nicht mehr bewußt registriert.

Einige Jahre fuhr ich mit der Bahn eine Strecke vom Süden in Richtung Norden und der Zug tangierte auch Perleberg. Am Sonntagabend bestand der Hauptteil der Reisenden, so im Rückblick, aus jungen Männern in Uniform welche in Wittenberg? fast alle den Zug verließen. Der Rest stieg meist in Ludwigslust aus .....
Freitags enterten sie den Zug wieder um Heimwärts zu fahren ......

Soldaten der Sowjetarmee traten, wenn überhaupt, in großen Gruppen auf mit befohlender Zurückhaltung zur Bevölkerung.

Neben den vielen Uniformierten im öffentlichen Raum waren es die irgendwann nicht mehr wahrgenommenen Losungen in Form von Transparenten, Plakaten auf denen in der Erinnerung hauptsächlich zwei Begriffe überdurchschnittlich oft vertreten waren; "Kampf" und "Frieden".

Selbst der simple Arbeitsplatz mutierte in den Achtzigern zum "Kampfplatz für den Frieden".

Rückblickend habe ich das Gefühl das diese Art der offenen Militarisierung der Gesellschaft, Grundlage dafür war wohl die These das sich der Klassenkampf und die Auseinandersetzung mit dem Imperialismus immer weiter verschärfe, selbige Gesellschaft letztlich in zwei große Gruppen teilte.
Die Einen die das nicht tatenlos hinnahmen und sich, sofern sie den Mut hatten, in den verschiedensten Friedensgruppen und Kreisen engagierten und denen die das 'offizielle' so ziemlich herzlich egal war. Die das ziemlich pragmatisch sahen, es gehörte dazu war aber nicht ihres.

Sich öffentlich oder halböffentlich zum Pazifismus zu bekennen kam in seiner Wertung durch die "Organe" gleich nach dem Aufruf zur Abschaffung bestehender staatlicher Machtstrukturen.

Nebenbei ist es interessant das im Ost-West Konflikt und im Rahmen der Nachrüstungsbeschlüsse in den 80zigern in den westlichen Ländern massiv versucht wurde die pazifistische Bewegung als linke Spinner zu diskreditieren, währen sie in der DDR als willfährige Werkzeuge des Imperialismus stigmatisiert und verfolgt wurden.

Mich würden die Erfahrungen und Erinnerungen der Forumsmitglieder zu der Thematik der Wahrnehmung der militarisierten Gesellschaft im alltäglichen Leben interessieren.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

Eddy und diegrenzgängerin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 17:45
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #1


Das erste was mir dazu einfällt ist die Präsenz von Uniformen im Strassenbild.
Kaum ein offizielles Foto, selbst auf privaten Bildern, auf welchem nicht mindestens ein oder mehrere Soldaten in Ausgehuniform zu sehen sind.




In welcher Gegend bist du nur aufgewachsen bzw hast du gelebt ? Ich habe auf meinen Fotos keine Uniformen, nicht mal die eigene.

Mir ist das damals in Berlin nicht aufgefallen, man hat die Leute einfach nicht bewußt registriert, weil es Alltag war,hier und da "Urlauber" zu sehen.
Als "militarisiert" habe ich das nicht empfunden, denn sie waren in einer ganz verschwindenden Minderheit.
Und als "Urlauber" trug doch zu Hause während der Urlaubstage so gut wie niemand die Kluft, egal ob Zivilerlaubnis oder nicht.
Rotarmisten waren ebenfalls eher Mangelware, hier und da mal Gruppenausgang, arme Schweine, knüppeldürr !
Einzig in den S-Bahnen z,B. von Oranienburg richtung Stadt fielen die Offz-Frauen auf, aber nicht wegen Militarisierung, sondern eher
wegen Überschminkung.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#3

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 18:02
von Vogtländer (gelöscht)
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Also mir fielen damals in Berlin weniger die NVA- und ähnliche Unis auf,sondern mehr die der Aliierten (und da meine ich alle 4).In meinem privaten Fotoarchiv gibt es kein Bild mit deutschen bzw. andren Unis.
Aber nun gut,andre Gegenden,andre Sitten und Möglichkeiten!
Kampf für den Frieden und Millitarisierung?Passt irgendwie nicht ganz zusammen,aber das ist wohl ne Frage der Betrachtung und Definition.


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#4

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 18:09
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #1
Selbst der simple Arbeitsplatz mutierte in den Achtzigern zum "Kampfplatz für den Frieden".
Oh Mann, der Arbeitsplatz als Kampfplatz für den Frieden! … und auf den Feldern schlugen die LPG-Bauern jährliche Ernteschlachten.
Das konnte einem schon auf den Keks gehen, man traute sich schon gar nicht mehr 'ne Konservendose zu öffnen, weil man zu befürchten glaubte, dass sich dort auch so eine Parole verbergen könnte.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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#5

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 18:15
von Vogtländer (gelöscht)
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Ja,die LPG Aktivist Rote Rübe hatte doch den Parteiauftrag dazu!Und der Partei wiederspricht man nicht!
Oder haste das etwa vergessen?


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#6

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 18:18
von Eddy | 83 Beiträge

@Nostalgiker,
wir sind ein Jahrgang und ich denke Du hast das Problem, Militarisierung des Lebens in der DDR schon fast auf den Punkt gebracht. Vergleichen wir doch mal unseren Werdegang. Einschulung, Fahnenappell, Antreten in drei Gliedern, Still gestanden, Meldung an den Freundschaftsratsvorsitzenden, Begrüßung: Für den Frieden und Sozialismus, seit bereit? Antwort: Immer bereit! Es machte uns im gewissen Sinne Spaß, diese Abläufe, wurden wir doch auch zur Disziplin und Ordnung erzogen, die Lehrer waren Autoritätspersonen ( nicht wie heute!). Alle Abläufe waren geplant, nach dem Unterricht begann für die Meisten der Freizeitsport in irgend einer Sportart. Ich trainierte zum Beispiel drei Mal die Woche Leichtathletik und vertrat die Schule von der 3. bis zur 10. Klasse bei Meisterschaften im Kreis und Bezirk.
Nun kommt noch dazu, dass man im täglichen Leben Uniformen gar nicht so seltsam fand, jedenfalls ich nicht. Reichsbahn, Busfahrer, Postangestellte, Volkspolizei, GST, FDJ und Pionierorganisation. Später Kampfgruppen und Zivilverteidigung, letztlich NVA. Alles war allgegenwärtig und nicht abwegig. Diejenigen, die sich diesem Prozess nicht unterordneten, im Kindesalter nicht durften, auch das gab es, waren meist in Elternhäusern zu Hause, die kirchlichen Interessen nachgingen.
Nun, mit den Fotos in DDR-Zeit, auf denen meist auch Uniformen zu sehen waren, ist das sicher regional bedingt. Ich habe in meiner früheren ländlichen, sächsischen Heimat keine Uniformen auf Privatfotos, in den Städten war das natürlich möglich aber ich denke auch nur in Städten, wo Armee stationiert war. In unserer Kreisstadt Döbeln, in der ich drei Jahre zur Lehre ging war es so. Hier konnte man gehen und stehen wo man wollte, überall waren NVA-Uniformen zu sehen. Wir standen 1968, als die Jungs von der Grenze zur CSSR zurück kamen auch an der Straße und winkten und begrüßten diese Helden, sie hatten schließlich den Frieden gerettet. Während diese CSSR-Krise war ja der gesamte Bezirk Karl-Marx-Stadt abgeriegelt. In der Nacht vom 20. zum 21. August 1968 fuhren von Riesa kommend 400 Panzer auf der F 169 (heute B 169) ohne Rücksicht auf Verluste. Bei Ortsdurchfahrten wurden Mauern eingerissen, Bäume an der Straße umgefahren, liegen gebliebene LKW entladen und in den Graben geschoben und die Straßen zerfahren. Wir hören in unserem Dorf die ganze Nacht diese Panzermotoren, werde ich nie vergessen. Am 21.08. früh, wir hatten ja Ferien, kam meine Mutter von der Arbeit kurz nach Hause um uns Kindern zu sagen, es gibt vielleicht Krieg. Wir 18-jährigen schwangen uns auf unsere Mopeds und fuhren zum südwestlichen Ausgang unseres Tales, dort begann der Bezirk Karl-Marx-Stadt. Just an dieser Kreuzung am Ende des Tales fanden wir einen Posten der Sowjetarmee. Heute weiß ich es, es waren ein Unteroffizier und drei Soldaten, bewaffnet mit LMG und drei MPi´s. Marschverpflegung, ich denke für etwa eine Woche, ein kleines Zelt. Wir besuchten die Männer täglich und versorgten sie mit Tee und anderen "wärmenden" Getränken. Dafür durften wir uns auch die Waffen ansehen, sie zeigten uns wie man damit umgeht und wir saßen abends am Feuer zusammen. Auf der Straße stand ein extra Stopp-Schild und alle Fahrzeuge hielten an und wurden kontrolliert. Am dritten Tag passierte es dann, gegen 20:00 Uhr, wir "unterhielten" uns am Feuer, plötzlich ertönten drei Feuerstöße aus dem LMG, was an der Straße eingerichtet war. Wir sprangen alle auf, die Soldaten zur Straße, wir Jugendlichen in den Wald. Wir zitterten und erwarteten die Erwiderung des Feuerstoßes. Nichts. Wir wurden gerufen und verließen sehr zögerlich den Wald. Was wir sahen war eigentlich lustig aber wir lachten nicht. Ein PKW, Marke Mercedes mit BRD-Kennzeichen hatte das Stopp-Schild nicht beachtet und war in den Bezirk Karl-Marx-Stadt eingefahren. Der Posten hatte sofort das Feuer ins Heck des Autos eröffnet, Reifen und Kofferraum sahen furchtbar aus, Fahrer und Beifahrer standen mit erhobenen Händen neben ihrem "Schrott". Die Beiden und ihr Schrott wurden am gleichen Abend noch von sowjetischen Fahrzeugen abgeholt und wieder war Frieden.
Das bloß mal so als Gedanken zu Deinem Eröffnungsbeitrag. Es war alles allgegenwärtig aber richtig realisiert habe ich es jedenfalls damals nicht. Heute denkt man darüber nach, weil man hört, diese Gesellschaft war durchweg militarisiert.
Eddy


Der lebende Zeitzeuge ist der Alptraum eines Historikers.
zuletzt bearbeitet 11.03.2014 18:20 | nach oben springen

#7

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 18:29
von berlin3321 | 2.520 Beiträge

Hallo Forum,

mir als Wessi und im kleinen Grenzverkehr fielen diese Uniformen auch auf.

Los ging es an der Grenze, dann die VP, der Busfahrer(?), Post, Helfer VP, undundund.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#8

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 18:52
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

@Eddy,

ich, und nicht nur ich, habe die von Dir geschilderte Realität anders aufgenommen, nämlich als geforderte Routine ohne innere Begeisterung.
Das hatte mit Opposition lange nichts zu tun. Man ließ die Apelle lustlos über sich ergehen - ebenso wie die Vorbeimärsche zum 1. Mai.
Dieser innere Widerspruch zwischen offiziell und tatsächlich war weit verbreitet *
Der geringe bis fehlende Fanatismus war ein Unterschied zur Nazizeit.
Deshalb fand ich Uniformträger in der Öffentlichkeit nie als militant, zumindest im Alltag. Über die Vopos hat man eher Witze gemacht.
Die (oft) Dickbäuche der "Kampfgruppe" waren auch keine martialische Erscheinung und genossen vor allem das gemeinsame Feiern nach den "Manövern",
Und nimm uns Grenzer selbst. "Wessis" haben mir stets gesagt, daß sie Angst vor uns hatten. Was soll ich dazu sagen...
Nur Paraden und Offiziere in Ohrenhosen erinnerten fatal an alte Zeiten zuvor.

In der zivilen öffentlichkeit war die Aufmerksamkeit gegenüber der Armee ähnlich gleichgültig wie heutzutage.

Den Respekt vorm Lehrer hattest Du im Westen ebenso in früheren Zeiten. Darin sehe ich nichts militärisches.
Die Freizeit verbrachte ich wie viele Andere lieber individuell, ohne Aufsicht.

* Kabarettistisch überhöht hörte sich das so an:

Man verlangt oft viel von mir
Wozu ich keine Lust verspür
Und ich sitze im Büro und ich stier
Aufs Papier, aufs Papier, aufs Papier.
Ich sag niemals, was ich denk
Weil ich mich in mich versenk
Meine Kräfte die verschenk ich an mich
So bin ich, so bin ich, so bin ich!

Und wenn ich schaffe, schafft nur ein Teil von mir
Und der andre schafft bei mir zu Haus
Und wenn ich rede, spricht nur ein Teil von mir
Und der andre schweigt sich aus.

Geh ich zur Arbeit, geht nur ein Teil von mir
Und der andre bleibt bei mir zu Haus.
Und wenn ich lache, lacht nur ein Teil von mir
Und der andre lacht Euch aus!

(Academixer, wenn ich mich recht erinnere)

Ernst genommen hat das Getue die Parteiführung bis zuletzt. Sie ließ sich von den jubelnden Massen täuschen.

Gruß
Micha


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
GKUS64 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.03.2014 19:14 | nach oben springen

#9

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 18:52
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Doppelposting.............


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 11.03.2014 18:53 | nach oben springen

#10

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 19:00
von exgakl | 7.238 Beiträge

Zitat von Vogtländer im Beitrag #5
Ja,die LPG Aktivist Rote Rübe hatte doch den Parteiauftrag dazu!Und der Partei wiederspricht man nicht!
Oder haste das etwa vergessen?


warst du dabei?


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#11

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 19:13
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #7
Hallo Forum,

mir als Wessi und im kleinen Grenzverkehr fielen diese Uniformen auch auf.

Los ging es an der Grenze, dann die VP, der Busfahrer(?), Post, Helfer VP, undundund.

MfG Berlin


Die West-BVG, die Deutsche Bundespost, Bundesbahn, Pfadfinder, Heilsarmee.......hatten auch Uniformen, fielen die nicht auf ?
Oder liefen alle rum wie die Lunpenpuddel, in Jogginghosen ?
Im "fremden" Land fällt alles auf, zu Hause wird man betriebsblind.


.
.
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#12

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 19:19
von damals wars | 12.215 Beiträge

Auch die Wasserwirtschaft hatte eigene Uniformen.
Die Hosen wurden auch nach der Wende noch aufgetragen,
war eben eine Arbeitsbekleidung, so wie heute die ewig gleichen Blaumänner.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#13

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 19:31
von berlin3321 | 2.520 Beiträge

Zitat
Im "fremden" Land fällt alles auf, zu Hause wird man betriebsblind.



Das allerdings stimmt. Allerdings, wenn ich an Reisen nach F und I denke, nee, die fielen m.E. nach nicht so auf, lag aber vielleicht auch daran das die Grenzer "ziviler" waren.

Mir ist die Türkei 86 im Gedächtnis, da war es ähnlich. Überall Polente, nur der Deutsche (ich) nahm sie nicht für voll (aufgrund von Tipps der Einheimischen.

Allerdings, es liefen da auch Militärpolizisten mit MPI oder G3 rum, mit denen war nicht gut Kirschen essen, da war man lieber still und machte das was die wollten.

YU, der Autoput war im Nachhinein unter dieser Betrachtung in der Erinnerung auch nicht ohne.

MfG Berlin


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#14

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 19:36
von Alfred | 6.861 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #7
Hallo Forum,

mir als Wessi und im kleinen Grenzverkehr fielen diese Uniformen auch auf.

Los ging es an der Grenze, dann die VP, der Busfahrer(?), Post, Helfer VP, undundund.

MfG Berlin


Post hat ja nun nichts mit "militärischer Gesellschaft " zu tun.
Wie sollte ich denn sonst heute, die Post, UPS, DPD, Hermes und Co einstufen ?
Übrigens, es wäre heute positiv, wenn einiges an einheitlicher Kleidung getragen würde, wenn ich sehe, wie heute einige Damen und Herren auftreten.


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#15

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.03.2014 20:01
von berlin3321 | 2.520 Beiträge

UPS, Post und Co ist heute nicht mit der Kleidung von "damals" zu vergleichen. Man müsste dann auch den Schmied, der Arbeitskleidung im einheitlichen Design stellt oder die Leute von Mc Doof in diese Schiene packen.

Der Trend geht heute glücklicherweise dahin, dass einheitliche Arbeitsbekleidung von den Arbeitgebern gestellt wird und diese auch entsprechend Werbewirksam ist. Das hat aber mit Uniform im herkömmlichen Sinn überhaupt nichts zu tun.

Zu den DDR Zeiten waren die "Uniformen" mit den Schulterstücken schon markant wie eben auch die der Träger z.B. in der Türkei.

Aber man kann auch das (wieder wie fast alles) schönreden, keine Frage.

MfG Berlin

Edit: Ergänzung


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zuletzt bearbeitet 11.03.2014 20:03 | nach oben springen

#16

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 12.03.2014 10:52
von andyman | 1.882 Beiträge

Hallo@all.Die militarisierungder Gesellschaft war für mich als Kind sichtbar in streng organisatorischen Abläufen z.B.Auf-und Abmarsch zum Fahnenappell,singen von Liedern die mit Klassenkampf zu tun hatten,gestalten der Wandzeitung mit Glorifizierung unserer NVA usw.Als Jugendlicher die GST-Zeit nähere Ausführungen erspare ich mir und die Zeit der Vorbereitung WD.Das begann in der 9.Klasse mit den Gesprächen OaZ,UaZ,BU usw.für die männlichen Schüler und die Drohung EOS nur für Offiziersbewerber der Jungs.Für mich kam es auf Grund der Noten nicht infrage aber ich mußte miterleben das ein sehr guter Schüler nicht zu EOS durfte weil er kirchlich erzogen war und keine Waffe in die Hand nehmen wollte.Diese Erlebnisse haben mir schon zu denken gegeben.An eine besondere Präsenz von Uniformträgern kann ich mich nicht erinnern bei uns gab es nur eine med.OHS.Grün mark Würde ich mir heute öfter wünschen um eine abschreckende Wirkung zu erzielen,aber das ist schon OT.Lgandyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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#17

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 12.03.2014 16:18
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

In der Tat kann man von einer hohen Präsenz und verordneter Akzeptanz der NVA aber auch der Sowjetarmee im Alltag der DDR sprechen und zwar unabhängig vom Heimatort.
Ich erinnere mich an die Pflichtgesänge im Musikunterricht ("Soldaten sind vorbeimarschiert...und wenn wir groß sind, marschieren wir mit..."), an die Kanonenschüsse auf dem Sportplatz im Ort anläßlich der 30. Jahrestages der DDR (das hat noch tagelang in den Ohren gepfiffen), ich erinnere mich an die Rekrutierungsversuche der Offiziere, die unsere Schule in zyklischen Abständen zu verschiedensten Anlässen aufsuchten, an die Russenzüge (Erfurt- Brest) am Bahnsteig in Halle/ Hbf mit unzähligen Holzkisten zum Abtransport aller möglichen Gegenstände, an die Sowjetsoldaten, die ganze Züge, z. B. den durchgehenden Cottbusser in Beschlag nahmen, an die Militärzug- Rangierarbeiten auf dem Bahnhof Angersdorf, die endlos langen Fahrzeugkolonnen durch meinen Heimatort, zu welchem Anlaß auch immer, ich erinnere mich an die nervigen Militärhubschrauber und Überschallflugzeuge mit ihrem Lärm...all das war Alltag.
Es ist aber nicht so, daß einen das krank gemacht hat, auch hat das in keinster Weise Widerstand gegen den Staat hervorgerufen, wir alle sahen ein, daß es sein mußte, daran hat sich bis heute nichts geändert.
Problematischer waren da schon die Angaben zum Militärhaushalt, hier wurde in den 1980er Jahren konstant Beträge jenseits der 10 Mrd.- Grenze (zweitgrößter Posten hinter den Sozialausgaben (über 30 Mrd.) ausgewiesen und das machte schon eher nachdenklich.
Heute ist der Lärm zumindest hier in meiner Heimat verschwunden, das liegt wahrscheinlich daran, daß es 25 Jahre nach Beginn des Morgenthau- Planes zur Entindustrialisierung Ostdeutschlands nichts mehr zu bewachen gibt, aber die Präsenz des Militärs in den Medien ist geblieben.
Die Attacke der von der Leyen auf den Staatshaushalt (besondere Familienförderung der Bundeswehrangestellten aus Steuermitteln zu Lasten konkurrierender Firmen, die solche Hätscheleien unter Marktbedingungen erwirtschaften müssen) läßt aber eine gewisse Schutzmacht gegenüber solchem Irrsinn schon wieder schmerzhaft vermissen.



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#18

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 12.03.2014 16:28
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #15
UPS, Post und Co ist heute nicht mit der Kleidung von "damals" zu vergleichen. Man müsste dann auch den Schmied, der Arbeitskleidung im einheitlichen Design stellt oder die Leute von Mc Doof in diese Schiene packen.

Der Trend geht heute glücklicherweise dahin, dass einheitliche Arbeitsbekleidung von den Arbeitgebern gestellt wird und diese auch entsprechend Werbewirksam ist. Das hat aber mit Uniform im herkömmlichen Sinn überhaupt nichts zu tun.

Zu den DDR Zeiten waren die "Uniformen" mit den Schulterstücken schon markant wie eben auch die der Träger z.B. in der Türkei.

Aber man kann auch das (wieder wie fast alles) schönreden, keine Frage.

MfG Berlin

Edit: Ergänzung


Apropos Schiene, die DR stand wohl der NVA im Bezug auf die Uniformpflicht um nichts nach, zumindest so lange man Lehrling, Prüfling, Aufsteiger oder Teilnehmer einer Festveranstaltung war.
Auch die Frage der Dienstränge wurde sehr streng gehandhabt und dokumentierte auch die militärische Struktur dieses Staats im Staate.
Auf der Lokfahrschule (Z- Bak) Weißenfels sangen übrigens bis 1990 noch Anwärter vor der ersten Stunde alte Kampflieder, ich war selbst dabei.
Im Moment der Erreichung aller beruflichen Ziele zog aber selbst bei Ausbildungslokführern eine gewisse Lockerheit ein und nur wenige trugen zur Nachwendezeit noch alle Uniformteile gemäß der Kleiderordnung, spätestens ab dem Zusammenschluß DR- DB 1994 waren im Güterzugdienst nur noch Zivilisten unterwegs.
Als die Divisionalisierung der Bahn- Geschäftsbereiche noch nicht vollzogen war, gab es auch Ereignisse, wo man sich nach der uniformierten Reichsbahnzeit aber zurück sehnte.
So löste mich einmal am Bahnsteig Halle eine Person am Interregio Dessau- Kassel ab, der einen Rucksack auf den Rücken und Wanderschuhe an hatte, ich überlegte angestrengt, den nach seinem Ausweis zu fragen, ich fand das damals nicht lustig, was der Kassler Kollege mir da zumutete.



zuletzt bearbeitet 12.03.2014 18:14 | nach oben springen

#19

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 12.03.2014 17:44
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Durchmilitarisiert war die DDR rückblickend schon. Das ging bereits im Kindergarten los – "mein großer Bruder ist Soldat" usw. usf.
In der Schule setzte sich das doch fort; von einem Forenmitglied wurde dies weiter oben eingehend verdeutlicht.
Ich denke hier auch an das unter uns Knaben gar nicht so unbeliebte "Manöver Schneeflocke". Da durfte man schon mal in Obhut von Soldaten mit Platzern ballern.
Später im Schulverlauf kreuzten dann Armeeoffiziere (bei uns einer, der im Dorf wohnte) auf, die sozusagen die Werbetrommel für VEB Gleichschritt emsig rührten. Schweigen war das Resultat als es ans Fragenstellen ging, was zur Folge hatte, das dem "Interesse" nachgeholfen wurde.
Obwohl es zu meiner Schulzeit noch keinen Wehrkundeunterricht gab es jedoch eine Art Vorläufer. Sicher werden sich etliche von euch noch an die Arbeitsgemeinschaften erinnern, in denen wir Teile unserer Freizeit verplempern durften. Nun, manche der Sparten waren durchaus neutral, wie Biologie oder Elektronik. Doch nach einer Schulzusammenlegung gingen solche Themen flöten und es standen für uns nur noch Philosophie (nichts anderes als Staatsbürgerkunde & Marxismus-Leninismus unter der Ägide eines ideologischen Scharfmachers) oder Wehrerziehung zur Auswahl – ich war sauer und versuchte mich der Arbeitsgemeinschafterei zu entziehen, was nicht fruchtete.
Widerstrebend als auch notgedrungen landete ich bei der Soldatspielerei und hatte Glück, denn der zuständige Lehrer erkrankte auf Dauer und die Sache war für mich gestorben.
Aber parallel zu meinem Glück ging man uns damit auf den Zünder, uns den damals neuen Beruf des Fähnrichs und auch sonstiger Profis nahe zu bringen.
Nach der Schulzeit ging es planmäßig in die vom GST-Lager verseuchte Lehre – auch jetzt stellte man uns die Frage, zu welcher Dienstzeit bei den bewaffneten Organen man sich verpflichtet hätte und blablabla.
Nebenbei wurde ich mit einigen anderen Jugendlichen ins Gemeindeamt beordert, um von ABV & Co. bekniet zu werden einen auf Uniformist zu machen.
Mittlerweile war ich natürlich in die Räder der unumgänglichen Musterungs- und Wehrerfassungsmaschinerie geraten …
Mann, Mann, Mann! Sechsmal wurde ich zum Wehrkreiskommando zitiert, wo man mich zu einem Langzeitdienenden machen wollte.
Am Ende saß ich zwischen fünf gehirnwaschenden Typen, die zwei stundenlang mit allen Tricks versuchten mich zu überzeugen und etwas zu unterschreiben. Aber ich blieb standhaft und ließ mich nicht umkrempeln.
"Dann ziehen wir dich eben zur Grenze!!!" war das Letzte, was man mir entgegenschmetterte.
Nun, der Wehrdienst an der Grenze, während welchem man mich für nachwehrdienstliche Zeit auch noch zum Zoll zerren wollte, kam und ging – das Debakel der Militarisierung blieb.
Kaum, dass ich von der Asche nach Hause zurückkehrte, meldeten sich die üblichen Verdächtigen; es nahm einfach kein Ende.
Bald hatte ich die Leute von den Kampgruppen am Hals. Irgendwelche verkalkten oder unbeleckten Affen wollten mir etwas von Landesverteidigung usw. verklickern.
Demonstrativ gelangweilt tuend meinte ich in etwa: "Ich habe meinen Wehrdienst mit scharfer Munition und Waffe in der Hand an der Grenze absolviert, was wollt ihr mir eigentlich erzählen?"
Damit hätte das Kapitel Militarisierung in der DDR für mich eigentlich abgeschlossen sein sollen, aber denkste!
Irgendwelche Idioten in den oberen Gremien kamen auf die bescheuerte Idee alle ehemaligen Grundwehrdienstler so oft und so lange zum Reservistendienst einzuberufen bis sie insgesamt drei Jahre Militärdienst hinter sich gebracht und damit den Dienstgrad eines Unteroffiziers erreicht hätten.
Im Zuge dieses Vorhabens wurde ich wie unzählige andere Leidensgefährten zum total sinnlosen Reservistendienst einberufen.
Im Vorfeld kapitelte ich mich gewaltig mit einer medizinischen Kommission und dem meine Person "behandelnden" Raupenschlepper (ein widerliches Subjekt ersten Ranges), dem ich rhetorisch mehr als ebenbürtig war, lautstark herum.
Ob man es wahrhaben will oder nicht, nach meinem dreimonatigen Reservistendienst kam es zu einem Großbrand in der Firma, in der ich beschäftigt war.
… ergo rückte die Kripo an und verhörte einschließlich meiner Wenigkeit alles was laufen konnte.
Geraume Zeit nach den Vernehmungen wurde ich eines Tages ins Meisterbüro gerufen, wo sich lediglich ein mir fremder Mann aufhielt, der sich als Kriminalpolizist auswies und mir das interessante Angebot machte seinem Berufsstand beizutreten.
So übel war das Angebot zuerst nicht, doch der Haken ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten, denn ich hätte erst mal zwei Jahre als Streifenpolizist ableisten müssen. Nein danke!
Na ja, ich wurde danach wieder zum Wehrkreiskommando befohlen, wo man mir irgendwelchen Mobilmachungsbefehle an die Kniescheibe nagelte.
Ich hatte die Schnauze gestrichen voll, zumal ich erleben musste, dass ebenfalls betroffene Arbeitskollegen immer mal wieder für mehrere Tage zu sinnlosen Kriegsspielereien gezerrt wurden.
Erst mit dem Mauerfall 1989 hörte dieser unsägliche Mist auf.

ES GAB SIE ALSO, DIE MILITARISIERUNG IN DER DDR.


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


andyman und matloh haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#20

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 12.03.2014 19:29
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Bei uns auf der Dorfschule gab es eine AG "Junge Soldaten", hatte ein Lehrer über der mal längerdienender Soldat gewesen war, natürlich sind wir Jungs da mit 12 eingetreten, war ja spannend, mein Vater hat mir dann verboten da weiter mitzumachen, habe ich ihm damals richtig übel genommen, jetzt weiß ich das er recht hatte, er war ja auch mal ein richtiger junger Soldat gewesen mit 19.


zuletzt bearbeitet 12.03.2014 19:33 | nach oben springen



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