#61

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 17.03.2014 14:06
von matloh | 1.203 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #59
Dieses damalige Kampf-Getöse wegen fast jeder Sache, auch eigentlich ganz normalen wie halt eine Ernte, war schon auffällig.
Frage mich warum das unbedingt so sein musste.
War's eventuell das Wissen das man den Leuten doch relativ wenig bieten konnte und gab man ihnen deshalb was zum kämpfen?
Ich glaube diese Kinderei hat auch das Gegenteil bewirkt und kräftig mit zum Ende beigetragen weil die Leute dann mal die Schnauze voll hatten vom ständigen Rumkämpfen.
Ich könnte mir vorstellen, dass aufgrund des, dem Kommunismus systemimmanenten Mangels an Motivationsmöglichkeiten, es notwendig wurde mit solchen Aktionen die Produktivität ein wenig zu pushen. Viele dachten wahrscheinlich, sie würden das wirklich für den Frieden machen, dabei haben sie nur den - sowieso unvermeidlichen - Untergang hinausgezögert...

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#62

RE: Die militärische Gesellschaft

in DDR Staat und Regime 11.04.2014 19:38
von diegrenzgängerin | 65 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #1
Um den Thread um Hohenschönhausen nicht unnötig in die Richtung der Diskussion um die Militarisierung der DDR Gesellschaft abgleiten zu lassen habe ich diesen hier eröffnet.

Über das Thema ist bereits an verschiedenen Stellen diskutiert worden. Meist waren/sind es einzelne Schwerpunkte gewesen wie zum Beispiel der Wehrkundeunterricht.

Nur wie machte sich eine/die permanente Militarisierung der Gesellschaft im alltäglichen Leben bemerkbar, wie nahm ich es vor 25 und mehr Jahren wahr?

Das erste was mir dazu einfällt ist die Präsenz von Uniformen im Strassenbild.
Kaum ein offizielles Foto, selbst auf privaten Bildern, auf welchem nicht mindestens ein oder mehrere Soldaten in Ausgehuniform zu sehen sind.
Da es damals zum alltäglichem Anblick wurde hat man es irgendwann nicht mehr bewußt registriert.

Einige Jahre fuhr ich mit der Bahn eine Strecke vom Süden in Richtung Norden und der Zug tangierte auch Perleberg. Am Sonntagabend bestand der Hauptteil der Reisenden, so im Rückblick, aus jungen Männern in Uniform welche in Wittenberg? fast alle den Zug verließen. Der Rest stieg meist in Ludwigslust aus .....
Freitags enterten sie den Zug wieder um Heimwärts zu fahren ......

Soldaten der Sowjetarmee traten, wenn überhaupt, in großen Gruppen auf mit befohlender Zurückhaltung zur Bevölkerung.

Neben den vielen Uniformierten im öffentlichen Raum waren es die irgendwann nicht mehr wahrgenommenen Losungen in Form von Transparenten, Plakaten auf denen in der Erinnerung hauptsächlich zwei Begriffe überdurchschnittlich oft vertreten waren; "Kampf" und "Frieden".

Selbst der simple Arbeitsplatz mutierte in den Achtzigern zum "Kampfplatz für den Frieden".

Rückblickend habe ich das Gefühl das diese Art der offenen Militarisierung der Gesellschaft, Grundlage dafür war wohl die These das sich der Klassenkampf und die Auseinandersetzung mit dem Imperialismus immer weiter verschärfe, selbige Gesellschaft letztlich in zwei große Gruppen teilte.
Die Einen die das nicht tatenlos hinnahmen und sich, sofern sie den Mut hatten, in den verschiedensten Friedensgruppen und Kreisen engagierten und denen die das 'offizielle' so ziemlich herzlich egal war. Die das ziemlich pragmatisch sahen, es gehörte dazu war aber nicht ihres.

Sich öffentlich oder halböffentlich zum Pazifismus zu bekennen kam in seiner Wertung durch die "Organe" gleich nach dem Aufruf zur Abschaffung bestehender staatlicher Machtstrukturen.

Nebenbei ist es interessant das im Ost-West Konflikt und im Rahmen der Nachrüstungsbeschlüsse in den 80zigern in den westlichen Ländern massiv versucht wurde die pazifistische Bewegung als linke Spinner zu diskreditieren, währen sie in der DDR als willfährige Werkzeuge des Imperialismus stigmatisiert und verfolgt wurden.

Mich würden die Erfahrungen und Erinnerungen der Forumsmitglieder zu der Thematik der Wahrnehmung der militarisierten Gesellschaft im alltäglichen Leben interessieren.

Gruß
Nostalgiker


Schon immer hat das Militär mit all seinem Brimbambrorium, der Marschmusik, den feschen Uniformen die "Menschen" fasziniert. Vor allem die, die daheim blieben und für "Gott und Vaterland" 1. Weltkrieg und "Volk und Vaterland" 2.Weltkrieg, ihre Pflicht für die feschen "Retter und Verteidiger" zu leisten hatten. Natürlich machten sie das gern, weil es die Männer/Ernäher waren, für die die daheim gebliebenen sorgten. Die Bäuerinnen im ersten Weltkrieg bekamen, wenn sie Glück hatten, eine Franzosen oder Russen als Helfer, als die Kriegszeiten noch auf Deutschlands Seite waren. Russen, Polen, Franzosen wurden zwangsweise in bäuerliche Wirtschaften des 3. Reiches als billige Zwangsarbeiter, ohne Rechte eingesetzt. Will damit sagen, dass die Deutschen und ihre über Jahrhunderte währende Orientierung auf den Krieg und seine Bedürfnisse (alter Fritz und so weiter), den Boden bereitet hat dafür, dem Krieg und dem Militär mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als dem LEBEN und den daraus resultierenden Bedürfnissen, die notwendige Achtung entgegen zu bringen. In der Vergangenheit zu schwelgen, bringt keinen weiter. Die Botschaft der Zeit zu sehen, schon.
Sag, was Du machen willst, mit den Antworten. Frag bitte, wofür sie heute nützlich sind, in einer Zeit, wo wir am Abgrund unserer Zivilisation stehen.
War ein Denkanstoß,
ganz ehrlich
die grenzgängerin


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