#161

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 12.08.2014 20:20
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #160
Zum Abschöpfen Im Interzonenverkehr gab es nicht nur die Reisenden im Interzonenzug. Kraftfahrer des VEB Deutrans ,oder Binnenschiffer wenn auch ausgesiebt ,da waren denke ich auch Kandidaten zum Abschöpfen dabei. Umgekehrt dürfte es bei einigen auch gewesen sein. Infos gelangten über diese Personen in die DDR.


Hatte an anderer Stelle hier schon mal geschrieben das u.a. LKW-Fahrer,Binnenschiffer und Studenten("Zugvögel") für die westlichen Geheimdienste im Transitverkehr tätig waren.Selbst von Kümos waren Besatzungsmitglieder in östlichen Häfen tätig.

seaman


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#162

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 12.08.2014 21:01
von Harzwanderer | 2.930 Beiträge

Auch der Westen wusste: "Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen."


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#163

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 12.08.2014 21:21
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Na dat kann ja dann noch wat werden.


Harzwanderer hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#164

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.08.2014 11:18
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #142
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #141
Zitat von SET800 im Beitrag #127
Zitat von seaman im Beitrag #81

die Omas waren die Zielgruppe.....
seaman



Unterschätze nicht die "Omas", viele mit dem Alter 64, 65, 66 waren kurz vorher in den Betrieben und Dienststellen die sie jahrzehntelang kannten, teils eben auch als Vorabeiterin, Ökonom, Sekretärinnen, Kontakte zu Kaderabteilungen usw. Von daher waren die durchaus Zielgruppe, wer z.B. bearbeitete Zutrittsausweise, kannte die Akten usw.? Und Ingenieurinnen gabe auch nicht wenige.


Mag ja sein , das manche Ost-Oma einen Stimmungsbericht über die DDR abgeben konnte. Wenn ich mich jedoch an das Theater mit den so genannten Geheimnissträgern in der DDR erinnere kann ich mir nicht vorstellen, daß da vom Verfassungsschutz allzuviel zu holen war.



Der BND und Verfassungsschutz war da damals eindeutig anderer Meinung.
Bei wem vermute ich wohl jetzt mehr Sachverstand?

seaman



Auf die Frage zum Sachverstand, beim Fragesteller wohl nicht.


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#165

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.08.2014 11:23
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #129
Zitat von SET800 im Beitrag #127
Zitat von seaman im Beitrag #81

die Omas waren die Zielgruppe.....
seaman



Unterschätze nicht die "Omas", viele mit dem Alter 64, 65, 66 waren kurz vorher in den Betrieben und Dienststellen die sie jahrzehntelang kannten, teils eben auch als Vorabeiterin, Ökonom, Sekretärinnen, Kontakte zu Kaderabteilungen usw. Von daher waren die durchaus Zielgruppe, wer z.B. bearbeitete Zutrittsausweise, kannte die Akten usw.? Und Ingenieurinnen gabe auch nicht wenige.


Abgesehen von "interessanten" Omas+Opas waren in diesen Zügen auch immer genügend Personen die von Interesse für die Abschöpfkolonne von der anderen Feldpostnummer waren.Spätestens nach der Passkontrolle gingen die Hinweise an die Befrager.Oft wurden die Fahrgäste auch schon vorher getippt.
So mancher rollender TBK wurde am Grenzbahnhof West geleert.
Unter den DDR-Rentnern befand sich auch so mancher Kurier.....


seaman





Die Befragungen wurden zu Tausenden jeden Tag geführt, mit dem Leeren der TBK´s ist man nicht nachgekommen.
Soviele waren es.

Ja die Statistiken des MfS, die Rotlichtparolen und der tägliche Klassenkampf seitens der DDR, was da so alles Kund getan wurde.


Hauptsache man schreibt was!!!
Gelle!


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#166

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.08.2014 11:32
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #165
Zitat von seaman im Beitrag #129
Zitat von SET800 im Beitrag #127
Zitat von seaman im Beitrag #81

die Omas waren die Zielgruppe.....
seaman



Unterschätze nicht die "Omas", viele mit dem Alter 64, 65, 66 waren kurz vorher in den Betrieben und Dienststellen die sie jahrzehntelang kannten, teils eben auch als Vorabeiterin, Ökonom, Sekretärinnen, Kontakte zu Kaderabteilungen usw. Von daher waren die durchaus Zielgruppe, wer z.B. bearbeitete Zutrittsausweise, kannte die Akten usw.? Und Ingenieurinnen gabe auch nicht wenige.


Abgesehen von "interessanten" Omas+Opas waren in diesen Zügen auch immer genügend Personen die von Interesse für die Abschöpfkolonne von der anderen Feldpostnummer waren.Spätestens nach der Passkontrolle gingen die Hinweise an die Befrager.Oft wurden die Fahrgäste auch schon vorher getippt.
So mancher rollender TBK wurde am Grenzbahnhof West geleert.
Unter den DDR-Rentnern befand sich auch so mancher Kurier.....


seaman





Die Befragungen wurden zu Tausenden jeden Tag geführt, mit dem Leeren der TBK´s ist man nicht nachgekommen.
Soviele waren es.


Hat keiner behauptet.Personell nicht machbar.

Ja die Statistiken des MfS, die Rotlichtparolen und der tägliche Klassenkampf seitens der DDR, was da so alles Kund getan wurde.

Ist nicht meine Diskussionsgrundlage.


Hauptsache man schreibt was!!!
Gelle!


Ja,
sogar über Dinge über die man aus der Praxis etwas mehr weiß!



Zitat:
"Die Befragungen wurden verdeckt gegenüber DDR-Reisenden in der Eisenbahn auf westdeutschem Gebiet vorgenommen, auch mit offiziellen Reisesekadern der DDR,unter Übersiedlern,Flüchtlingen und im Wege der strategischen Postkontrolle.Ich hatte sie eingeleitet,weil ich 1985 ...."Zitat Ende
Hans-Georg Wieck-
Präsident BND 1985-1991



Gruss seaman


Georg hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.08.2014 12:30 | nach oben springen

#167

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.08.2014 14:40
von Georg | 1.031 Beiträge

@seamann !
Der Herr Wieck - als Präsi des BND - ist doch total unglaubwürdich und hat keine Sachkunde. Es ist nur ne Meinungsäußerung eines Einzelnen, die nicht mit den Zielen, Methoden usw. des Dienstes übereinstimmen muß.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#168

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.08.2014 14:47
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #167
@seamann !
Der Herr Wieck - als Präsi des BND - ist doch total unglaubwürdich und hat keine Sachkunde. Es ist nur ne Meinungsäußerung eines Einzelnen, die nicht mit den Zielen, Methoden usw. des Dienstes übereinstimmen muß.



Manchmal habe ich den Eindruck als wenn man vor diesen Machenschaften westlicher Dienste im Kalten Krieg einfach die Augen verschliessen möchte.
Andersrum bewahrheitet sich dabei wieder,der Zeitzeuge ist der grösste Feind des (Möchtegern)Historikers......
Deshalb werde ich weiter über solche Vorgänge berichten.Nicht jeder hatte damals diesen Einblick.




seaman


zuletzt bearbeitet 13.08.2014 15:00 | nach oben springen

#169

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.08.2014 20:56
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Thunderhorse im Beitrag #164
Zitat von seaman im Beitrag #142
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #141
Zitat von SET800 im Beitrag #127
Zitat von seaman im Beitrag #81

die Omas waren die Zielgruppe.....
seaman



Unterschätze nicht die "Omas", viele mit dem Alter 64, 65, 66 waren kurz vorher in den Betrieben und Dienststellen die sie jahrzehntelang kannten, teils eben auch als Vorabeiterin, Ökonom, Sekretärinnen, Kontakte zu Kaderabteilungen usw. Von daher waren die durchaus Zielgruppe, wer z.B. bearbeitete Zutrittsausweise, kannte die Akten usw.? Und Ingenieurinnen gabe auch nicht wenige.


Mag ja sein , das manche Ost-Oma einen Stimmungsbericht über die DDR abgeben konnte. Wenn ich mich jedoch an das Theater mit den so genannten Geheimnissträgern in der DDR erinnere kann ich mir nicht vorstellen, daß da vom Verfassungsschutz allzuviel zu holen war.



Der BND und Verfassungsschutz war da damals eindeutig anderer Meinung.
Bei wem vermute ich wohl jetzt mehr Sachverstand?

seaman



Auf die Frage zum Sachverstand, beim Fragesteller wohl nicht.


Versuche doch einfach mal Dich sachlich zum Thema zu äussern bzw. meine Beiträge mit Fakten zu widerlegen.

seaman


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#170

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.08.2014 21:04
von eisenringtheo | 9.182 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #166
(...)
Zitat:
"Die Befragungen wurden verdeckt gegenüber DDR-Reisenden in der Eisenbahn auf westdeutschem Gebiet vorgenommen, auch mit offiziellen Reisesekadern der DDR,unter Übersiedlern,Flüchtlingen und im Wege der strategischen Postkontrolle.Ich hatte sie eingeleitet,weil ich 1985 ...."Zitat Ende
Hans-Georg Wieck-
Präsident BND 1985-1991
Gruss seaman



Ich frage mich, wie man so eine verdeckte Befragung in der Eisenbahn durchführt.
Theo


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#171

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.08.2014 21:13
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #170
Zitat von seaman im Beitrag #166
(...)
Zitat:
"Die Befragungen wurden verdeckt gegenüber DDR-Reisenden in der Eisenbahn auf westdeutschem Gebiet vorgenommen, auch mit offiziellen Reisesekadern der DDR,unter Übersiedlern,Flüchtlingen und im Wege der strategischen Postkontrolle.Ich hatte sie eingeleitet,weil ich 1985 ...."Zitat Ende
Hans-Georg Wieck-
Präsident BND 1985-1991
Gruss seaman



Ich frage mich, wie man so eine verdeckte Befragung in der Eisenbahn durchführt.
Theo


Ich kann Dir das morgen gerne mal beschreiben....

seaman


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#172

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.08.2014 07:41
von seaman | 3.487 Beiträge

Zu den Befragungen:
Die Interzonenzüge waren immer im Blickfeld westlicher Dienste.Normal,das gehörte zu ihren Aufgaben.Ab 1985 wurden auf Vorgabe des damaligen BND-Chef Wieck die Befragungen von Reisenden aus der DDR intensiviert.Es wurde dafür ein spezieller Fragebogen für die "Zugbegleiter" erstellt der nach den Gesprächsanbahnungen ausgefüllt wurde.Hier flossen später auch Informationen anderer Grenzabfertigungskräfte mit ein(z.b. BGS).Dazu wurden in Zügen Reisende aus der DDR verdeckt von BND-Mitarbeitern befragt. Das betraf Reisegruppen und Einzelpersonen(Privatreisende bzw. Dienstreisende). Dieses Vorgehen war ein Puzzleteil, um mit der späteren Zusammenführung anderer Quellen sich ein Stimmungsbild über die DDR zu verschaffen.
Das will ich hier nicht weiter vertiefen.
Die Praxis:
Ich beziehe mich als Beispiel auf die Strecke Büchen-Hamburg(Hbf).Interzonenzug aus Rostock.
Der Zug läuft in Büchen ein.Am Bahnsteig verteilt stehen die Abfertigungskräfte von BGS und Zoll.Ein paar neue Fahrgäste.Eine Schwester der Bahnhofsmission.Ein vereinzelter Herr "Typ Lehrer",mitunter zwei Herren mittleren Alters mit Umhängetaschen Typ "Otto Normal".
Die Fahrgäste im Zug drücken sich neugierig an den Scheiben die Nasen platt.
BGS und Zoll steigen zu und nehmen höflich und korrekt,mitunter mit einem flotten Spruch,die Abfertigung vor."Wohin solls denn gehen?"
Die Fahrgäste sitzen wie festgestanzt auf ihren Plätzen.
Lehrertyp bzw. die Otto Normalos ziehen platzsuchend durch den Zug.Bis sie fündig werden.
Im Zug überwiegend ältere Personen,oft weiblich und ein paar Einzelreisende unterhalb des Rentenalters.
Da sitzen nun die Reiseomas z.b.im Wechselbad der Gefühle.Oft zum ersten mal beim "Klassenfeind" und dementsprechend aufgeregt.
Eine Zugabfertigung in der DDR erlebt,mit Hunden auf den Gleisen,Gepäckkontrolle und abgeschraubten Deckenverkleidungen.
Dann andere Autos,Häuser in der Glitzerwelt.Problemlos die Abfertigung West hinter sich gebracht.
Aufgeregt.Noch 30 min. und man wird in Hamburg am Bahnsteig von Verwandten abgeholt die man Jahrzehnte nicht gesehen hat.Man muss reden,soviel neue Eindrücke.
Dann setzt sich Typ Lehrer hinzu und spult versiert sein Programm ab:
Stressig diese Grenzabfertigung,ehemals beruflicher Hintergrund,wie lange dauerte die Reisegenehmigung,schlimm die deutsche Teilung,wäre Wiedervereinigung nicht besser?,Ausreiseanträge,der Ehepartner,Parteizugehörigkeit,Versorgungsmängel,Rente,Gorbatschow,Russen in der DDR........
Das Ganze verpackt in Floskeln über das Wetter,die Landschaft und Sehenswürdigkeiten in HH.Individuell geschickt zugeschnitten.Oma sprudelt.
Kompakt in 20 min.Oma kann die Ankunft in HH kaum noch erwarten.

Der Einzelreisende:
DDR-Reisender mit schiffbaulichen Hintergrund.In Zügen aus Rostock nicht selten.
Hier setzen sich die Otto Normalos mit ran.
Lockeres Gespräch,in Allgemeinplätzen eingebaut, beginnend mit der Frage wieso man unterhalb des Rentenalters reisen darf.
Ach ja,beruflich?Schiffbau?Das passt ja,wir arbeiten auch auf der Werft in HH.Ja,Schweißer.....
Ein Blick auf die gepflegten Hände hätte diese Aussage sofort in den Bereich der Fabel verweisen lassen.
Ing. sind sie?Was verdient so ein Ing. in der DDR? Oh,da haben wir als Schweißer West schon das Mehrfache.
Wie lange sind sie jetzt in Hamburg?Welches Hotel?Ja,soviel Devisen haben sie sicherlich nicht.
DDR-Bier und Holsten,welches schmeckt besser?Kennen sie Helgoland?Reeperbahn?DDR-Schiffe sind auch nicht schlecht....
Mitunter kam dann: Mal treffen auf ein Bier?
Mitunter aber auch: Ein neuer Mitarbeiter-Besuch im genannten Hotel......
Das Gespräch war oft eingebettet in aktuellem Fussball oder anderen internationalen Sportereignissen.Da traf man meist bei DDR-Bürgern auf offene Ohren.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Laut Aussage BND-Chef Wieck:

Der BND habe aus Befragungen der Bevölkerung der DDR ein relativ genaues Bild über die Befindlichkeiten dort gehabt .
Diese "psycho-politischen Lageberichte" wurden alle sechs Monate nach Bonn geschickt. Das Bild, das sich daraus ergab, war eindeutig:
Die DDR-Bevölkerung hielt an der Wiedervereinigung fest, hatte allerdings wenig Hoffnung, dass es so weit kommen könnte.

seaman


chantre, Lutze, furry, Georg, eisenringtheo und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.08.2014 07:53 | nach oben springen

#173

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.08.2014 07:49
von chantre | 425 Beiträge

Sehr treffend dargestellt. So lief es auch mit den Kräften auf östlicher Seite. Warum sollten es diese auch anders machen.
Genutzt wird, was sich bewährt.


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#174

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.08.2014 08:18
von Gelöschtes Mitglied
avatar

So oder so ähnlich dürfte es abgelaufen sein, auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann: Meine letzte Ausreise aus der DDR per Bahn war wohl 1968 oder 69 und ob die verdeckten Befragungen damals schon stattgefunden haben: Keine Ahnung.

Ich sehe diese Aktivitäten genau wie beschrieben: Als ein kleines, aber nicht unwichtiges Puzzlesteinchen bei dem Versuch, sich ein Gesamtbild über die Verhältnisse "drüben" zu machen: Ein großer Fluss speist sich auch nicht nur aus einer einzigen Quelle.


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#175

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.08.2014 08:26
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #174
So oder so ähnlich dürfte es abgelaufen sein, auch wenn ich mich nicht daran erinnern kann: Meine letzte Ausreise aus der DDR per Bahn war wohl 1968 oder 69 und ob die verdeckten Befragungen damals schon stattgefunden haben: Keine Ahnung.

.


Dandelion,
es ist ein Unterschied ob man diese Befragungen gezielt beobachtet oder als ahnungsloser Fahrgast von A nach B reisen möchte.
Der normale Fahrgast wird das nicht gecheckt haben.
Es ist so wie beschrieben abgelaufen.

seaman


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#176

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.08.2014 08:56
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Ich war damals bei meiner Jugendtourist- Reise nach Hamburg Anfang '89 recht überrascht, als mir ein DB- Kollege, den ich wenige Tage zuvor bei einem Treffen mit BRD- Jugendlichen kennen lernen durfte, eine Mitfahrt im Führerstand der Hamburger S- Bahn ermöglicht hatte.
Der Lokführer damals fing selbst das Gespräch an, während mein gleichaltriger "Vermittler- Kollege", nur danebenstand und zuhörte.
Ich hatte damals beim Gang zum Führerstand mehrmals gefragt, ob das denn kein Problem sei und ob alles abgesprochen wäre, was er verneinte (!) umso überraschter war ich, daß er ohne zu klopfen einfach den Steuerwagen vom Fahrgastraum her aufschloß und betrat, mich vorstellte als sei alles die normalste Sache der Welt.
So etwas hätte ich mir als Reichsbahnlokführer ohne ausdrückliche Zustimmung niemals gewagt, es war schon verboten, den interessierten Kollegen aus der Bw- eigenen Lokunterhaltung oder die Zugführerin vorn mitzunehmen, geschweige denn Personen aus dem Ausland.
Im Gespräch selbst ging es um Löhne, Lokbaureihen, Heimatregion wobei der fahrende Kollege eigentlich die Themen vorgab, mir aber auch meine Fragen beantwortete.
Der Tenor war, daß es "viel anders" bei der Bundesbahn auch nicht zuging und daß ich eigentlich genauso gut auch drüben hätte arbeiten können.
Interessehalber fragte ich natürlich, wie genau ein solches Prozedere um die Umschulung zum Bundesbahner ablaufen würde woraufhin er mir sagte, daß es eine Ausbildung analog zur Lokfahrschule gäbe und übergesiedelte DR- Leute nicht die komplette Lehre nachholen müßten.
Ob das die Wahrheit gewesen ist, weiß ich bis heute nicht aber das Gespräch war schon recht eigenartig.
In der Reisegruppe war übrigens auch ein Egon vom Verfassungsschutz dabei, schließlich war ja die FDJ drüben verboten.
Was ich nicht mehr weiß ist, ob der schon unterwegs am Grenzbahnhof zugestiegen war, auf jedem Fall war er ständig bei unseren Unternehmungen dabei und paßte nicht so recht in diese Touristengruppe mit maximal 35jährigen Teilnehmern.
Vielleicht hat jemand Kenntnis darüber, wo diese Hüter des Grundgesetzes jeweils zu solchen Reisegruppen dazugestoßen sind, fakt ist, daß sie immer dabei waren, so zumindest schilderte es Jahre später unser damaliger Reiseleiter, den ich mal zufällig wieder traf.



seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.08.2014 09:44 | nach oben springen

#177

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.08.2014 08:56
von planchetti | 37 Beiträge

Gerade bei Jugentourist-Reisegruppen waren doch immer ein paar "Aufpasser" dabei. Wenn dem MfS diese Praxis des Abschöpfens von Informationen bekannt war, wurden diese "Aufpasser" bestimmt auch geschult, genau solche Aktionen zu erkennen.

Stelle mir gerade spannend vor, wie der Eine versucht, Infos zu erhalten, während der Andere Versucht, den Fremden von seinen Schutzbefohlenen fernzuhalten oder abzuwimmeln.

Beide werden sich gegenseitig als "Berufskollegen" erkannt haben.

Edit zur Klarstellung: Ich habe zeitgleich mit @Hackel39 einen Beitrag geschrieben. Mit "Aufpasser" meinte ich MfS-Leute, die DDR-Reisegruppen im Westen begleiteten.


zuletzt bearbeitet 14.08.2014 12:05 | nach oben springen

#178

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.08.2014 08:57
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Ja, das ist bzw. war wohl so: Ein geschulter Beobachter dürfte die Technik und die Systematik der Fragen schnell erkannt haben. Ein ahnungsloser Fahrgast hingegen, der in seinem bisherigen Leben selten bis nie damit konfrontiert wurde, hat wohl nichts gemerkt.

Aber Dein Beitrag hat eine Erinnerung freigelegt: Ab den frühen 70ern bin ich ja nur noch mit dem Auto nach Salzwedel gefahren, um dort meine Verwandten zu besuchen. Die kürzeste Strecke führte über Bergen / Salzwedel, einem kleineren, nicht sonderlich stark frequentierten Grenzübergang. Bei der Rückkehr in die Bundesrepublik wurde ich von den Zoll- und/oder BGS-Beamten auch befragt. Nicht verdeckt und in einem als harmlos empfundenen Plausch eingebettet, sondern offen und direkt. An konkrete Fragen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber inhaltlich ging es wohl auch um die Stimmungslage in der DDR. Viele Fragen waren es nicht, vielleicht vier oder fünf, und ich habe sie auch im Auto sitzend beantwortet.

Schon damals war mir klar, dass die Fragen nicht aus persönlichem Interesse des Beamten gestellt wurden. Ich habe sie jedoch genauso offen beantwortet, wie sie gestellt wurden.


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#179

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.08.2014 09:21
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #178
Ja, das ist bzw. war wohl so: Ein geschulter Beobachter dürfte die Technik und die Systematik der Fragen schnell erkannt haben. Ein ahnungsloser Fahrgast hingegen, der in seinem bisherigen Leben selten bis nie damit konfrontiert wurde, hat wohl nichts gemerkt.

Aber Dein Beitrag hat eine Erinnerung freigelegt: Ab den frühen 70ern bin ich ja nur noch mit dem Auto nach Salzwedel gefahren, um dort meine Verwandten zu besuchen. Die kürzeste Strecke führte über Bergen / Salzwedel, einem kleineren, nicht sonderlich stark frequentierten Grenzübergang. Bei der Rückkehr in die Bundesrepublik wurde ich von den Zoll- und/oder BGS-Beamten auch befragt. Nicht verdeckt und in einem als harmlos empfundenen Plausch eingebettet, sondern offen und direkt. An konkrete Fragen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber inhaltlich ging es wohl auch um die Stimmungslage in der DDR. Viele Fragen waren es nicht, vielleicht vier oder fünf, und ich habe sie auch im Auto sitzend beantwortet.

Schon damals war mir klar, dass die Fragen nicht aus persönlichem Interesse des Beamten gestellt wurden. Ich habe sie jedoch genauso offen beantwortet, wie sie gestellt wurden.


So mancher Reisende berichtete frei weg von der ""Leber""!


"Mobility, Vigilance, Justice"
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#180

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.08.2014 09:27
von Thunderhorse | 4.016 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #168
Zitat von Georg im Beitrag #167
@seamann !
Der Herr Wieck - als Präsi des BND - ist doch total unglaubwürdich und hat keine Sachkunde. Es ist nur ne Meinungsäußerung eines Einzelnen, die nicht mit den Zielen, Methoden usw. des Dienstes übereinstimmen muß.



Manchmal habe ich den Eindruck als wenn man vor diesen Machenschaften westlicher Dienste im Kalten Krieg einfach die Augen verschliessen möchte.
Andersrum bewahrheitet sich dabei wieder,der Zeitzeuge ist der grösste Feind des (Möchtegern)Historikers......
Deshalb werde ich weiter über solche Vorgänge berichten.Nicht jeder hatte damals diesen Einblick.

seaman



Richtig erkannt, der ""Zeitzeuge"" ist dass größte Problem (""Feind"") für den Historiker, auch für die vielen Hobby-Historiker (naturlich auch die Möchtegern-Historiker, auch hier in diesem Forum) in den diversen Foren.
Wer sich nur auf die Aussagen verläßt, ist in der ganz großen Massender Darstellungen""verlassen"".


Beiträge, auch in diesem Forum belegen dies immer wieder!!
Insofern, sind die Beiträge nur ein kleines Puzzelteil, (Momentaufnahmen von meist kurzen Zeitabschnitten).


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