#101

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 20.07.2014 16:25
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von seaman im Beitrag #100

Das Einzige was mir dabei missfällt ist aber, wenn man ohne Kenntnis und eigene Erfahrung zu diesem Thema Stein und Bein behauptet,diese Geheimdienstaktivitäten westlicherseits gab es nicht.

seaman


Das missfällt (ein schon fast zu freundlicher Ausdruck) nicht nur Dir und nicht nur in Bezug auf die Geheimdienste. Es gibt hier aber schon den einen oder anderen User, der wenig Ahnung, aber eine feste Meinung hat.

Foren halt - damit muss man leben.


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#102

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 11:46
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich fuhr meistens mit dem Zug in die DDR. Gewissen Bammel hatte ich eigentlich nur nach meiner 1.Wiedereinreise nach meiner Flucht. Auch die Auskunft einer Behörde in der BRD „ich könne davon ausgehen wenn ich eine Einreisegenehmigung zum Empfang eines Visums erhalte würde mir nichts passieren“ konnte nicht alle Bedenken weg wischen. Ich wurde „Normal“ behandelt. Und doch war so eine Ein oder Ausreise nicht mit einer Reise wie z.B. Frankreich zu vergleichen. Bei der Hinreise war bis Büchen alles im Lot , Passkontrolle mehr nur ein kurzer Blick in den Pass ,und gute Weiterreise. Danach wurde es merklich stiller im Abteil. Verstohlene Blicke aus dem Fenster um etwas von den Sperranlagen zu erhaschen. Beim Einlaufen in Schwanheide hätte man das Husten aus drei Abteilen davor gehört. Kann aber nicht sagen dass ich etwas als besondere Schikane gesehen habe. Ja sicherlich wurde die Bild die herum lag eingezogen, Stichproben wurden gemacht.
Der Ton war zwar bestimmt aber nicht unhöflich. Das man mir etwas mehr Aufmerksamkeit schenkte mag an meinem sächsisch gelegen haben. Aber Angst im Sinne des Wortes hatte ich nicht. Dabei war ich tatsächlich ein Schmuggler. Gebe heute noch gern zum Besten wie ich die Zöllner überlistet habe. Ostmark tauschte bereits in Hamburg ein. Nur 50er . Ich arbeitete bei Van Houten ,so war es für mich kein Problem die 50er in einen passenden Clipverschlussbeutel zu tun. In der Eintafelei wurde eine Lücke gelassen, die Anlage kurz gestoppt .Ich platzierte meine Beutel in die Formen .Danach lief alles wie gewohnt weiter. Natürlich wussten die Mädchen Bescheid, dass sie nach der Lücke die Reihe nach dem Verpacken herausziehen mussten, sonst wären die in einem Laden gelandet.
Die konnten mich noch so oft kontrollieren, auf die Idee eine Tafel zu zerbrechen um rein zu schauen kamen die nicht. Wir hatten auch extra für Ostern und Weihnachten große Formen für Hasen und Weihnachtsmann. Die wurden mit Hand befüllt. Allerdings waren die nicht massiv gefüllt. Meine Figur schon. Ein ganzer Eimer Schokolade passte hinein. Bei der Kontrolle und dem Gewicht schauten die mich leicht ratlos an. Da hätte ja sonst was darin sein können. Doch ich durfte den Weihnachtsmann behalten. In Leipzig rannten die mit diesem Weihnachtsmann und dem Kind zum Fotografen. So viel Schokolade auf einem Haufen. Da war dann noch die Sache mit dem Buch vom Denver Clan. Ein Freund wollte das Buch gern haben. An der Grenze Kontrolle, ich mal wieder mit mehr Aufmerksamkeit. Natürlich fanden die das Buch. Das ist nicht gestattet. Wieso nicht ? Verstehe ich nicht, die DDR hat doch die Serie aufgekauft und wird demnächst auch bei Ihnen gesendet.
Woher haben sie das denn? Stand in der Zeitung! Augenblick bitte. Er quatschte mit einem Kollegen im Gang. Kam mit dem Buch zurück und gab es mir wieder. So kam das Buch zur Freude des Kumpels nach Leipzig.
So das war von mir zum Thema Einreise über Schwanheide.

In Berlin war das allerdings anders.

Über die Ausreise und kleine Storys dazu später. Jetzt muss Mittagessen machen.


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zuletzt bearbeitet 09.08.2014 11:48 | nach oben springen

#103

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 12:23
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Zitat von turtle im Beitrag #102
Ich fuhr meistens mit dem Zug in die DDR. (...)

Über die Ausreise und kleine Storys dazu später. Jetzt muss Mittagessen machen.


In welchem Jahr?
Theo


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#104

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 12:28
von Krelle (gelöscht)
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Ich habe hin und wieder im "D438" mitfahren müssen. Der Zug kam aus Richtung Rostock, wurde von Seiten der DDR in Herrnburg kontrolliert, bevor dieser dann seinen ersten Halt im "Westen", genauer gesagt im Lübecker Hauptbahnhof machte. Dort bin ich dann zugestiegen und habe mich um die zollrechtlichen Belange gekümmert (bis Hamburg Hauptbahnhof, wo ich ausstieg). So weit ich mich erinnere, ist zumindest ein Herr vom "Verfassungsschutz" mit mir in Lübeck zugestiegen, wo er sich dann zu Leuten ins Abteil gesellt und diese dann geschickt "ausgefragt" hat (Stimmungslage in der DDR etc.)


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zuletzt bearbeitet 09.08.2014 12:29 | nach oben springen

#105

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 12:35
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von turtle im Beitrag #102
Ich fuhr meistens mit dem Zug in die DDR. Gewissen Bammel hatte ich eigentlich nur nach meiner 1.Wiedereinreise nach meiner Flucht. Auch die Auskunft einer Behörde in der BRD „ich könne davon ausgehen wenn ich eine Einreisegenehmigung zum Empfang eines Visums erhalte würde mir nichts passieren“ konnte nicht alle Bedenken weg wischen. Ich wurde „Normal“ behandelt. Und doch war so eine Ein oder Ausreise nicht mit einer Reise wie z.B. Frankreich zu vergleichen. Bei der Hinreise war bis Büchen alles im Lot , Passkontrolle mehr nur ein kurzer Blick in den Pass ,und gute Weiterreise. Danach wurde es merklich stiller im Abteil. Verstohlene Blicke aus dem Fenster um etwas von den Sperranlagen zu erhaschen. Beim Einlaufen in Schwanheide hätte man das Husten aus drei Abteilen davor gehört. Kann aber nicht sagen dass ich etwas als besondere Schikane gesehen habe. Ja sicherlich wurde die Bild die herum lag eingezogen, Stichproben wurden gemacht.
Der Ton war zwar bestimmt aber nicht unhöflich. Das man mir etwas mehr Aufmerksamkeit schenkte mag an meinem sächsisch gelegen haben. Aber Angst im Sinne des Wortes hatte ich nicht. Dabei war ich tatsächlich ein Schmuggler. Gebe heute noch gern zum Besten wie ich die Zöllner überlistet habe. Ostmark tauschte bereits in Hamburg ein. Nur 50er . Ich arbeitete bei Van Houten ,so war es für mich kein Problem die 50er in einen passenden Clipverschlussbeutel zu tun. In der Eintafelei wurde eine Lücke gelassen, die Anlage kurz gestoppt .Ich platzierte meine Beutel in die Formen .Danach lief alles wie gewohnt weiter. Natürlich wussten die Mädchen Bescheid, dass sie nach der Lücke die Reihe nach dem Verpacken herausziehen mussten, sonst wären die in einem Laden gelandet.
Die konnten mich noch so oft kontrollieren, auf die Idee eine Tafel zu zerbrechen um rein zu schauen kamen die nicht. Wir hatten auch extra für Ostern und Weihnachten große Formen für Hasen und Weihnachtsmann. Die wurden mit Hand befüllt. Allerdings waren die nicht massiv gefüllt. Meine Figur schon. Ein ganzer Eimer Schokolade passte hinein. Bei der Kontrolle und dem Gewicht schauten die mich leicht ratlos an. Da hätte ja sonst was darin sein können. Doch ich durfte den Weihnachtsmann behalten. In Leipzig rannten die mit diesem Weihnachtsmann und dem Kind zum Fotografen. So viel Schokolade auf einem Haufen. Da war dann noch die Sache mit dem Buch vom Denver Clan. Ein Freund wollte das Buch gern haben. An der Grenze Kontrolle, ich mal wieder mit mehr Aufmerksamkeit. Natürlich fanden die das Buch. Das ist nicht gestattet. Wieso nicht ? Verstehe ich nicht, die DDR hat doch die Serie aufgekauft und wird demnächst auch bei Ihnen gesendet.
Woher haben sie das denn? Stand in der Zeitung! Augenblick bitte. Er quatschte mit einem Kollegen im Gang. Kam mit dem Buch zurück und gab es mir wieder. So kam das Buch zur Freude des Kumpels nach Leipzig.
So das war von mir zum Thema Einreise über Schwanheide.

In Berlin war das allerdings anders.

Über die Ausreise und kleine Storys dazu später. Jetzt muss Mittagessen machen.




Ist das coool mit der Schokolade und dem Denver-Clan - ausgerechnet Denver-Clan :-)))
.
.


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#106

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 12:43
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Krelle im Beitrag #104
Ich habe hin und wieder im "D438" mitfahren müssen. Der Zug kam aus Richtung Rostock, wurde von Seiten der DDR in Herrnburg kontrolliert, bevor dieser dann seinen ersten Halt im "Westen", genauer gesagt im Lübecker Hauptbahnhof machte. Dort bin ich dann zugestiegen und habe mich um die zollrechtlichen Belange gekümmert (bis Hamburg Hauptbahnhof, wo ich ausstieg). So weit ich mich erinnere, ist zumindest ein Herr vom "Verfassungsschutz" mit mir in Lübeck zugestiegen, wo er sich dann zu Leuten ins Abteil gesellt und diese dann geschickt "ausgefragt" hat (Stimmungslage in der DDR etc.)


Danke für diesen Beitrag.
Bestätigt er doch indirekt meine damaligen Erkenntnisse auf der Strecke von Büchen bis Hamburg (Hbf.)

seaman


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#107

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 12:57
von schnatterinchen (gelöscht)
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Kann mir gut vorstellen, das diese geschickten Befragungen der Omas aus der DDR sehr aufschlussreich für den Verfassungssschutz gewesen sein müßen.
Geschulte NSW Reisekader haben den Braten sicherlich gleich gerochen.Von wegen freundlicher Klassenfeind mit gesteigertem Interesse für die DDR.Lach ,lach!


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#108

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:01
von Alfred | 6.861 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #107
Kann mir gut vorstellen, das diese geschickten Befragungen der Omas aus der DDR sehr aufschlussreich für den Verfassungssschutz gewesen sein müßen.
Geschulte NSW Reisekader haben den Braten sicherlich gleich gerochen.Von wegen freundlicher Klassenfeind mit gesteigertem Interesse für die DDR.Lach ,lach!



Es sind ja nun nicht nur Omas und Opas gereist. Man wird sich bei entsprechenden Maßnahmen schon was gedacht haben.


zuletzt bearbeitet 09.08.2014 13:02 | nach oben springen

#109

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:02
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #103
Zitat von turtle im Beitrag #102
Ich fuhr meistens mit dem Zug in die DDR. (...)

Über die Ausreise und kleine Storys dazu später. Jetzt muss Mittagessen machen.


In welchem Jahr?
Theo


Flucht 1968 . Erste Wiedereinreise 1973 . Weitere Einreisen bis 1976 . Danach Sperre bis 1983 . Ab 1983 wieder .


zuletzt bearbeitet 09.08.2014 13:03 | nach oben springen

#110

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:15
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Wäre es damals im Januar '89 eigentlich erlaubt gewesen, einen Feldstecher von Carl Zeiss im Reisegepäck zu haben ?
Ich sagte mir damals, wer viel fragt, geht viel irre, meine Ausrede wäre gewesen, daß ich auch das sehen wollte, was uns die Reiseführer nicht zeigen wollen oder können.
Zu unserer Überraschung waren die in Schwanheide (oder Büchen...Hinfahrt nach HH ?) recht schnell fertig mit den Kontrollen, in mein Jugendtourist- Abteil haben sie nur reingeschnuppert, soweit ich mich erinnere.
Das Fernglas hatte ich in Hamburg dann in den second- hand- Shop gebracht, sonst hätte ich meinen Bürgen keine Geschenke mehr mitbringen können, da war aber nichts abgesprochen, das hatte ich spontan entschieden.
Ich denke mal, daß das knapp 400 Mark teure (10x50) Teil nicht subventioniert war, hatte somit auch kein schlechtes Gewissen, mein Umtauschkurs war übrigens 1:4, ich bakam 100 DM dafür, tags darauf stand es für 250 DM im Schaufenster, was daraus geworden ist weiß ich nicht, ich war zufrieden.



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#111

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:18
von Harzwanderer | 2.942 Beiträge

Die Ausfuhr von Zeiss-Ferngläsern aus der DDR für Westler war verboten. Hatte mal damit geliebäugelt, mir trotzdem ein Glas zu kaufen und fest im Osten zu stationieren. Die für mich interessanten waren aber schwer zu bekommen und auch sehr teuer. In Dresden gab es einen tollen Laden dafür.


zuletzt bearbeitet 09.08.2014 13:20 | nach oben springen

#112

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:25
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #111
Die Ausfuhr von Zeiss-Ferngläsern aus der DDR für Westler war verboten.


Einmal mehr bin ich froh, ein Ossi zu sein, aber so gesehen war es ja strafbar, da die Ware ja drüben geblieben ist aber immer noch besser wenn ich ohne das Fernglas zurück kam als das Fernglas ohne mich.
Dann bin ich effektiv ein Schmuggler gewesen ?
Die Verkaufsabsicht hatte ich ja da noch nicht, nur weil jemand aus der Gruppe damit anfing, auch die Bürgen zu belohnen für ihr Vertrauen, fühlte ich mich etwas im Zugzwang.
Was wäre denn passiert, wenn die das gefunden hätten, Beschlagnahme, Rückfahrt, Schlimmeres ?



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#113

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:27
von Harzwanderer | 2.942 Beiträge

Deinen DDR-Besitz kannste doch verkaufen? Das hätte wohl keine Probleme gemacht, außer es wäre ein Dienstglas oder so gewesen.
Hat die DDR auch offiziell gemacht, bei Quelle gab es viel DDR-Optik zum Beispiel.


Hapedi hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.08.2014 13:27 | nach oben springen

#114

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:28
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #111
Die Ausfuhr von Zeiss-Ferngläsern aus der DDR für Westler war verboten. Hatte mal damit geliebäugelt, mir trotzdem ein Glas zu kaufen und fest im Osten zu stationieren. Die für mich interessanten waren aber schwer zu bekommen und auch sehr teuer. In Dresden gab es einen tollen Laden dafür.

Bist du sicher? Inbesonders staatlich Subventioniertes war ausfuhrverboten; hochpreisige Güter eher nicht. - Was man davon ausführen wollte, musste man auf der "Zoll- und Devisenerklärung" angeben. Bei einer leeren Erklärung wurde man meistens noch extra gefragt, ob man was dabei habe. Die Zollgebühren waren so hoch, dass ein Kauf im Westen (oder im Intershop) billiger kam. Die Gebühr wurde immer vom EVP aus berechnet, auch bei Geschenken und gebrauchten Gegenständen. (RFT Geräte hat vermutlich keiner ausgeführt, wäre aber erlaubt gewesen)
http://www.chronik-der-mauer.de/index.ph...d/593852/page/2
Theo


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zuletzt bearbeitet 09.08.2014 13:30 | nach oben springen

#115

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:29
von Harzwanderer | 2.942 Beiträge

Ich meine, Ferngläser standen sogar irgendwo ausdrücklich in einer Verbotsliste. Im Westen gekaufte (Ost)-Zeiss-Gläser waren auch anders markiert, dass konnten die sofort erkennen.


zuletzt bearbeitet 09.08.2014 13:30 | nach oben springen

#116

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:31
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #113
Deinen DDR-Besitz kannste doch verkaufen? Das hätte wohl keine Probleme gemacht, außer es wäre ein Dienstglas oder so gewesen.
Hat die DDR auch offiziell gemacht, bei Quelle gab es viel DDR-Optik zum Beispiel.


Ganz so einfach war es wohl nicht.
Sonst hätte ja jeder DDR-Bürger der mehrfach kurzfristig in das NSW einreiste sich mit dem Erlös von verhökerten Fotokameras,Ferngläsern aus DDR-Produktion etc.einen Nebenerwerb an Devisen aufbauen können.

seaman


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#117

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:33
von Harzwanderer | 2.942 Beiträge

Wenn es Dein eigenes Zeug ist, müsste es gehen. Nur, wenn Du mit drei Kameras, vier Feldstechern und fünf Glashütter Uhren ankommst, wird der Zoll langsam hellhörig. Sozusagen Privatverkauf. Gewerblich ist es anders. Vermutlich gibt es auch irgendwelche Warenwertgrenzen.

Lederwaren durfte man z.B. auch nicht aus der DDR ausführen.
Piko-Modellbahnloks aber doch.
Bei Fahrrädern weiss ich nicht mehr genau. Wollte mir mal ein Diamant-Rad nur zum Gebrauch innerhalb Ost-Berlins anschaffen. Aber dann habe ich mein Geld immer vertankt und hatte nicht mehr so viel übrig. Außerdem zogen die Preise in der DDR in den Achtzigern spürbar an. Der Mindestumtausch war nicht mehr so schwer auszugeben.


zuletzt bearbeitet 09.08.2014 13:38 | nach oben springen

#118

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 13:38
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #117
Wenn es Dein eigenes Zeug ist, müsste es gehen. Nur, wenn Du mit drei Kameras, vier Feldstechern und fünf Glashütter Uhren ankommst, wird der Zoll langsam hellhörig. Sozusagen Privatverkauf. Gewerblich ist es anders. Vermutlich gibt es auch irgendwelche Warenwertgrenzen.


Die NSW-Kader hatten normalerweise eine Zollerklärung zur Aus-und Einfuhr auszufüllen.Hier wurden solche Dinge wie Fotokameras und Ferngläser mit Nummer erfasst.

seaman


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#119

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 15:18
von turtle | 6.961 Beiträge

Wie angekündigt nach der Einreise etwas zur Ausreise aus der DDR ! Mit dem Ablaufdatum hieß es die DDR zu verlassen. Ich hatte immer irgendwelche Beziehungen, da fiel mir einmal schwer in den Zug zu steigen. Also ließ ich den letzten Zug nach Hamburg abfahren. Kaum war der Zug aus dem Bahnhof ging ich zur Trapo um mein Leid zu klagen. Taxi kam zu spät, Zug nicht geschafft. Nun machen sie sich mal nicht in die Hose. Tauschen sie nach und melden sie sich bei Pass und Meldewesen dann bekommen sie einen neuen Ausreisestempel. Aha dachte ich Hauptsache Devisen für die Staatskasse. Mal sehen was geht, musste sowieso noch einige Tage auf mein Schiff warten. Bei der Reederei hatte ich vorher vom Hauptpostamt angerufen. So tauschte ich nicht nur für einen Tag nach. Mit dem neuen Umtauschbeleg bekam ich den Ausreisestempel wie gewünscht. Der Mindestumtausch hat mich nie gestört da dieses Geld bei meinem Lebenswandel in Leipzig nie langte. In jeder Nachtbar kannte man mich, und die Kellner platzierten mich noch einen kleinen Obolus dementsprechend. Manchen gefallen konnte ich auch nicht abschlagen mit haste nicht mal 100 DM zum tauschen. 1-4 mehr nahm ich aber nie. Der Umtausch, das geschmuggelte Geld und dem „Schwarztausch“ ,da hatte ich reichlich um wilde Sau zu spielen. Die Familie bekam natürlich etwas davon ab. Aber was zurückschmuggeln ? Ich sammelte Briefmarken, daher klapperte ich die Briefmarken Läden nach guten Marken ab. Mit 20 DM zum Ostgeld dazu bekam ich auch Marken die nicht im Schaufenster waren. Normal war eine kleine Menge an Briefmarken bei der Ausreise als Souvenir erlaubt. Natürlich waren damit aktuelle Marken gemeint. Was ich machte war schon Devisenvergehen. Zum Glück sind Briefmarken nicht all zu groß oder schwer. Wo verstecken. Postfrische Marken am Körper ging nicht da war die Gefahr zu groß das die Marken durch transpirieren zusammenklebten. Zerknittern durften sie auch nicht. Aber so im Buch zwischen den Seiten ,ein Marke hier und da. Erich Honecker „aus meinem Leben“ fand ich würdig dafür. Dazu noch Kunst der DDR . Kontrolle: was anzumelden? Was haben sie erworben? Ich habe mir Bücher gekauft. Was für Bücher ? Erich Honecker aus meinem Leben und Kunst der DDR. Aufmachen erklang es barsch. Und siehe da oben lächelte ihn Erich an. Danke gute Weitereise. Die Bücher habe ich immer noch. Der Schwiegervater meines Bruders arbeitete in einer LPG. Der hatte für den Eigenbedarf 2 Schweine, einige Hühner und ein Schaf. Da ich Wurstfan bin schenkte er mir einige Gläser selbst gemachte Wurst. An der Grenze großer Ärger .Ja ich weiß das ich keine Fleisch und Wurstwaren ausführen darf. Doch diese hier habe ich nicht erworben wie sie sehen können. Habe nicht gedacht das dieses auch verboten ist. Na gut dann lasse ich die Gläser zurück und Spende es für die Volkssolidarität. Dafür benötigen wir die Gläser nicht. Das nächste Mal denken sie daran. Ich durfte die Wurst behalten. Doch zum Ablauf Ausreise allgemein. Leipzig- Hamburg .Bereits ab Magdeburg wurde schon genauer in die Abteile geschielt. Ab Ludwigslust oder schon Hagenow? durfte nur noch im Zug sitzen der auch durfte. Auch bei der Ausreise war es so je näher man Schwanheide kam umso ruhiger wurde es. Es war schon beklemmend, auf dem Bahnsteig standen sie parat. Hunde waren auch dabei.. Beim roten Kreuz der DDR konnte man noch das restliche Geld der DDR spenden. Die Ausfuhr war ja verboten. Gedenkmünzen wurde auch noch wie bei der Einreise angeboten. Dann kamen sie mit Spezialwerkzeug und Spiegeln wurde geöffnet was zu öffnen war und in jeden Winkel geschaut. Natürlich mussten wir vorher das Abteil verlassen. Hunde suchten unter dem Zug. Da fingen schon einige Omas an zu zittern. Logisch waren die als die Zöllner kamen noch nervöser. Sah immer einige mit ihrem Gebäck aussteigen. Nicht jeder davon erreichte vor der Weiterfahrt seinen Platz. Nach der Weiterfahrt wurde es laut alle mussten irgend etwas sagen. Die Erleichterung war klar zu sehen. In Büchen wurden wir mit einem freundlichen Willkommen begrüßt. Das rote Kreuz kam und spendierte Kaffee, Apfelsinen und Bananen.
Mir wurde auch angeboten, was ich ablehnte. Doch durch mein sächsisch dachten die wohl ich bin bescheiden. Na nehmen sie ruhig .Also nahm ich und gab es auch den Omas. Ich bin immer gern als Bundi nach Leipzig gefahren, das hatte schon große Vorteile als Wessi. Auch wenn ich später in meinen Unterlagen einiges erfahren musste ,es war es Wert.


seaman, eisenringtheo, Harzwanderer, Lutze, exgakl, Hapedi, hundemuchtel 88 0,5 und EK87II haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.08.2014 15:29 | nach oben springen

#120

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 09.08.2014 16:29
von Lutze | 8.042 Beiträge

hast du wenigstens das Buch von Erich Honecker mal
durchgelesen?,so wie ich dich kenne,staubt es immer noch
vor sich her
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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