#21

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.02.2014 08:54
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Bezeichnung Angst deswegen bei Trapo und Reichsbahnern, da alle Angst hatten, eventuell mitschuldig zu sein wenn so ein Zug zum Stillstand kam. Ich hab damals in Eisenach auf einem Stellwerk gearbeitet. Ein strenger Verweis war das Mindeste was einen erwartete, falls man die "Angst" behinderte.
Wenn die "Angst" in Erfurt umgespannt wurde (Diesellok/E-Lok) stand dieser Zug abseits der Bahnsteige und war mit Transportpolizei umstellt, um jeglichen unbefugten Zugang oder Kontakt zu verhindern.


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zuletzt bearbeitet 21.02.2014 09:04 | nach oben springen

#22

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.02.2014 09:54
von Hans | 2.166 Beiträge

Hallo, Burkhard
1.Hieß der Interzonenzug bei Euch "Angst" und warum? Angst hatten doch nur wir!
2.ZBK nehme ich mal an sind die Zugbegleiter. Waren die militärisch organisiert, wenn sie zum Transportkommando gehörten?
Wem waren sie unterstellt?
Von wem wurde das ZBK kontrolliert?
3.Ist es richtig, dass die Passkontrolleinheiten MfS Leute waren?
4.Gab es daneben noch den Zoll?

5.Kann man die weiblichen Beamten, die mit dem besonders herben Ton, dem Zoll oder PKE oder oder... zuordnen?
6.Ich habe in Erinnerung, dass wir oft länger als 45 Minuten warten mussten.
7.Wer hat entscheiden, wann ein Zug weiterfahren durfte?
Ein ganzer Sack voll. Na, probier ichs mal:
1: Zitteraal - auch Angst -seltener- waren die Züge nach Transitabkommen. Eisenbahner haben für alles mögliche die tollsten Bezeichnungen. Im Berliner Raum sagte mann eher Zitteraal. Die Fahrplantreue dieser Züge war recht hoch angebunden, da sollte man schon keine Verspätungen usw. "bauen", das konnte schon Ärger machen - hat Ärger gemacht. -- Warum hattet ihr "Angst" ? Im Transiter ? Währ mal interessant, das zu wissen.
2: Das ZBK = Transportpolizei . Was ist militärisch organisiert ? Wenn Polizei bei Dir "Militärisch ist, bitteschön, m.M. nach gibts da gewaltige Unterschiede.
3: Ja.
4: Auch ja, eben da, wo eine Zollkontrolle nötig, vorgesehen usw.war.
5: Ja, wie soll man das beantworten. Zuordnen - an Hand der Uniform, die sie ja trugen. Übrigens : Komischerweise kommt diese Erklärung Immer - unabhängig vom Ursprungsland- bei Polizistinnen, Zöllnerinnen usw. -auch heute - und eben überall. Es gibt und gab nachweislich beide Sorten weiblicher Menschen, nette und weniger nette. (die männliche Ausführung auch).
6:Es gab einen Fahrplan - und oh Wunder - meist wurde er eingehalten. Die Standzeit in der Güst war so durchkalkuliert, das die Zeit schon ausreichte.
Und eben - besondere Ereignisse - jeder Art- außen vor, die gab es immer und wird es immer geben.
7: Antwort nur für Friedrichstraße, aber so ähnlich wohl auf jeder Güst : Zug ist kontrolliert - (wohlgemerkt-Zug in Ri.West) - Meldung an Güst-Kommandant - wohl eher der DH der PKE, dieser betätigt die "Schlüsseltaste, der Stellwerker, Fahrdienstleiter der DR kann das Signal zur Abfahrt geben. (Vereinfachte Darstellung!)
Hilfts?
73 Hans


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#23

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.02.2014 10:50
von Oberkellner | 36 Beiträge

Nochmal, kurz zurück,zu den zivilen Begleitern,ich habe eben nochmal mit einem damaligen Wegbegleiter gesprochen und um es ganz deutlich zu sagen,diese Ereignisse gab es bestimmt nicht so häufig,aber es konnte schon vorkommen,dass man spez. Mitreisende aus dem Transitzug ,in WB auf dem Bahnhof(besser Bahnsteig) sah,nach Rücksprache ist der Zeitraum auf Sommer 1987 festzumachen,an zwei Mal erinnern wir uns aus versch. Gründen beide sehr genau !
Allerdings,ist natürlich nicht zu sagen,aus welchem genauen Arbeitsbereich,die kamen,wir haben uns gewundert und da wir eh keine Nachfragekompetenzen bei irgendjemand gehabt hätten,war das Motto-jeder fährt wohin er muß oder soll-na gut,damit war das Thema damals erledigt-natürlich ist mir klar,das für nennen wir sie normalen Begleitkräfte eine Reise nach WB ausgeschlossen war,naja es gab da schon manches zu erleben,ist auch schon 25 Jahre her,Wahnsinn !


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#24

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.02.2014 11:15
von eisenringtheo | 9.169 Beiträge

Zum Betriebsablauf im Bahnhof Schwanheide
http://www.norbert-weise.de/fdl-wsa.htm
Interessant ist auch der Bildfahrplan (Feld anklicken)
Um 08.54 Uhr kommt der Transitzug I337 in Schwanheide an, Halt nur zum Aussteigen, zur Weiterfahrt nach Berlin um 08.59 Uhr. Um 09.17 der D437 zur Weiterfahrt um 09.57 mit erstem fahrplanmässigem Halt in Hagenowland um 10 Uhr 21 Minuten und 30 Sekunden, zur Weiterfahrt um 10.26 Uhr (wahrscheinlich) nach Magdeburg. Um 10.29 Uhr fährt der I338 von Berlin nach Büchen ohne Halt durch Hagenow Land.
Die I Züge sind offenbar die Transitzüge von Berlin nach der BRD und umgekehrt. Es wäre interessant zu wissen, ob der D437 im Falle einer Verspätung die Durchfahrt des I338 am Einfahrtssignal abwarten musste, bzw. andenfalls der I338 die Duchfahrt erst bekam, wenn der D437 in Hagenow Land abgefahren war.
Die andere Frage ist, ob man bei der Reichsbahn wirklich auf sechs Sekunden genau fahren konnte, der Bildfahrplan lässt das fast vermuten.
Theo


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#25

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.02.2014 11:19
von UvD815 | 619 Beiträge

Nach Schilderung eines Koll. welcher vor 1990 beim ZBK der Trapo war, erfolgte u.a. beim Verlassen des Transitzuges in Gerstungen die Kontrolle der
Trapo ( ZBK ) durch PKE !!! Es wurden die Kartentaschen bzw. mitgeführten Aktentaschen nach westl. Erzeugnissen durchsucht. Soviel Vertrauen also untereinander.
Ein Omstr. der Trapo hatte jedoch eine BILD unter der Jacke, wurde gefilzt und bestraft. Fuhr nie wieder Transit !!!


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#26

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.02.2014 11:26
von Udo | 1.261 Beiträge

Diese Interzonenzüge fuhren ja auch durch Wittenberge. Kurz vor der Einfahrt wurde der gesamte Bahnsteig gesperrt und von der Trapo besetzt. War der Zug durch, konnte man wieder auf den Bahnsteig.


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#27

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.02.2014 11:55
von MIG21 | 60 Beiträge

Danke Hans, ja Deine Ausführungen helfen natürlich.
zu
1: Interessant, so eine ähnliche Frage hat mir schon mal der 94er gestellt.
Also, Angst zu schüren und Macht zu demonstrieren war ja wohl so von DDR Seite beabsichtigt und geplant.
Als mein Vater einmal etwas hinterfragte bekam er sofort zur Antwort: Sie brauchen ja hier nicht einzureisen und wir müssen Sie auch nicht einreisen lassen. So einfach war das. Wir wollten auch überhaupt nicht einreisen, aber mein Vater wollte halt seine Mutter und seine Schwestern sehen und mal wieder inden Arm nehmen. Dafür hat er "gerne" diesen Preis bezahlt. Gefühlsmäßig und per Zwangsumtausch.
Da das den DDR Behörden klar war, konnten Sie mit dieser unserer Abhängigkeit doch spielen wie sie wollten.
Warum wir das so fühlten? Weil wir etwas menschliches wollten und dazu brauchten wir das okay der DDR.
U.a. hatten wir natürlich Angst, das uns die einreise hätte uns verwehrt werden können. Dann hätten wir die wartenden Omas etc. nicht einmal benachrichtigen können.
Ich habe oft erlebt, dass scheinbar willkürlich irgendwelche Mitreisenden aus den Zügen geholt wurden und bis zur Weiterfahrt nicht mehr aufgetaucht sind. Wir wurden nicht aufgeklärt, was mit denen passiert ist.
Also haben wir uns in eine Abhängigkeit begeben, die von Willkür geprägt war. Für uns war der Eingang zur DDR auch erst einmal der Eingang in einen für uns rechtsfreien Raum, der vielleicht später durch die ständige Vertretung in der DDR aufgefangen wurde. Aber wie hätten wir die hätten erreichen sollen oder jemanden in der BRD anrufen können? Wieder wären wir von den Behörden der DDR abhängig gewesen.
Zusammenfassend heißt das für mich, die Taktik der Einschüchterung durch Tonfall, Waffenpräsenz, Menge an Uniformierten, Abstellgleis, Aufbau der Grenzanlage soweit sichtbar mit Türmen, Stacheldraht und Mauern, Mimik ohne den Anflug eines Lächelns, Einzug des Passes hat funktioniert. Ohnmacht, Einschüchterung und Waffendrohung löst nun einmal Angst aus. Bei mir zumindet.
Dazu kam noch das Wissen (oder sagen wir besser Gefühl) dass so mancher Diensthabende gerne mit ausgereist wäre. Das konnte er aber aus den bekannten Gründen nicht. Da ist doch sicherlich, zumindest im Unterbewußtsein, so mancher Frust in Neid und Wut umgeschlagen, den dann die zu spüren bekamen, die weiterfahren durften. Für uns war das alles einfach unberechenbar, wir hatten keinen Einfluss auf die Geschehnisse. Die langen Wartezeiten hatten auch noch etwas zermürbendes. Wir wußten nie, wann es vorbei ist oder ob und wer als nächtes gefilzt wurde.
Lange Rede kurzer Sinn und mit ein wenig Abstand nach all den Jahren:
Es war beschissen für beide Seiten, sicherlich auf verschiedenen Ebnen und aus unterschiedlichen Gründen.

2: Polizei zugehörig war mir nicht klar und ist für mich auch nicht militärich.
5. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen in ihrer Wesensart (viele sind ja auch Mütter) einfühlsamer sind und es in in Konkurrenz zu Männern besonders gut und recht machen wollen. Da kommt dann m.E. oft eine übersteigerte Härte zum Vorschein, die nach außen getragen wird.
Meine persönliche Meinung, ich finde Frauen toller als Männer, insbesondere meine eigene
6. ich hatte das Gefühl, dass die Standzeiten bei der Ausreise länger waren. Vielleicht, weil dies dann niemand mehr in der DDR interessierte, wenn unser Fahrplan durcheinander kommt.
7: In Marienborn saß ich 2012 auf dem FüST-Turm. Da wurde mir ein Knopf gezeigt, mit dem der Kommandierende die Fahrzeugsperren zufahren und die ganze GüSt lahmlegen konnte. Also da war die Macht in einer Hand und konnte von einer Person ausgeführt und zurückgenommen werden.

Und jetzt das Schlusswort: Auf meiner Wanderung auf dem Kolonnenweg (Kante wie ich gelernt habe) hatte ich Gelegenheit, mit vielen Menschen zu sprechen.
Darunter waren Leute vom BGS, Zoll und den GT, die dort geheiratet haben und wohnhaft wurden Alle hat die unsägliche Grenze in irgendeiner Form verbunden und manche hat die Grenze bis heute nicht los gelassen. Jeh nach Erziehung, Alter und wohl auch ehemaligem Dienstrang herrscht in einigen Köpfen weiterhin Begrenztheit. Aber ich durfte auch die Menschen dahinter kennenlernen und habe festgestellt, wir sprechen doch ein und dieselbe Sprache. Und wenn man versucht, Bewertungen und Vorwürfe außen vor zu lassen, dann kann und hat so manche Bgegnung mit einer Portion Verständnis und einer leichten Umarmung geendet.
Gut so!
Aber eigentlich wollte ich das alles in mein Buch schreiben...

Burkhard


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#28

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.02.2014 12:35
von eisenringtheo | 9.169 Beiträge

Zitat von MIG21 im Beitrag #27
Danke Hans, ja Deine Ausführungen helfen natürlich.
(...)
6. ich hatte das Gefühl, dass die Standzeiten bei der Ausreise länger waren. Vielleicht, weil dies dann niemand mehr in der DDR interessierte, wenn unser Fahrplan durcheinander kommt.
(...)
Burkhard


Das Gefühl hatte ich auch, aber meine Uhr sagte was anderes...Die Anspannung der (fast immer älteren Mitreisenden) im Abteil war höher, was offenbar dazu führte, dass die Uhren subjektiv langsamer liefen.
Einmal erlebte ich auch eine genauere Kontrolle. Die Mitreisenden wurden auf den Gang geschickt und die Vorhänge zugezogen. Das war etwas beängstigend. Die Zollfrau sagte mir aber, "die anderen Fahrgäste geht das nichts an, was sie im Koffer haben.." Das hat mich wieder etwas beruhigt. Gefilzt wurde ich nicht, ich musste das von den Zöllnern Gewünschte nämlich selber auspacken und und ihnen teilweise dicht vor ihren Augen halten. Denn die haben nichts selber angefasst. Dienstvorschrift oder Faulheit? Keine Ahnung.
Ja und es wurden ab und zu Leute vom Zug weggeführt. Was mit denen war, keine Ahnung, aber es galt wohl auch der Grundsatz, "die anderen Fahrgäste geht das nichts". Versuchter ungesetzlicher Grenzübertritt, fehlende Papiere oder Visa, Weiterreise mit dem nächsten Zug, Rückweisung in die BRD, vorläufige Festnahme? Alles möglich. Da bin ich etwas ins Grübeln gekommen.
Theo


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#29

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 21.02.2014 12:44
von Hans | 2.166 Beiträge

Mahlzeit, Gemeinde.....
Hi, Burkhard, Deiner Nr. 5 muß ich natürlich voll zustimmen - habe eine davon ( nicht nur Frau - eine"Trapojanerin ) geheiratet- immer noch glücklich.
Die "1" : Das ich da nicht der einzige bin, der sich diese Frage so stellt, verwundert mich nicht. Das "Angst zu schüren, würde ich ausschließen - Macht zu demonstrieren - ja - letzlich ist jede Grenzkontrolle - jede "Aktion" eines Staatsorgans" - egal wann-und wo - eine Art "Machtdemonstration" - oder die Ausübung staatlichen Gewaltmonopols - ne- das ist ne Formulierung von Heute - nicht DDR-
Ich habe oft erlebt, dass scheinbar willkürlich irgendwelche Mitreisenden aus den Zügen geholt wurden und bis zur Weiterfahrt nicht mehr aufgetaucht sind. Wir wurden nicht aufgeklärt, was mit denen passiert ist. Ja - welcher Grenzer ,welcher Polizist erklärt einem Außenstehenden den Sinn seiner Maßnahmen - Kennst Du da einen ? Ich nicht. Und Mitreisende sind Außenstehende.
Und die Nr 7 : Eisenbahntechnik ist komplizirter als man denkt . Mit auf ein Knöpchen drücken und der "Pfiffi" rollt, geht es dort nicht. Die Fahrstraße und die Signale usw. mußten schon durch den FDL "gelegt werden". Die Einflußnahme der jeweiligen Führungsstelle war da auf das "Erlauben" -mittels Schlüsseltaste- beschränkt. -Ohne diese Schlüsseltaste gings nicht.
Kämpf Dich mal durch den von Theo eingestellten Link, der beschreibts -Beispielhaft- ganz gut. -Auch wenns sehr "Eisenbahndeutsch" ist .
Einfügung - -den Eisenbahntechnischen Teil mein ich -überden Rest - na ja --.Und - So wie Theo das in seinem "letzten" beschreibt - so sehe ich es auch - und um die dabei auftretente Frage zu beantworten: Der Reisende führt sein Gepäck vor -nicht der Zöllner wühlt das Gepäck durch - ist (fast) überall DV beim Zoll (- sogar in Japan-eigene Erfahrung - Selbst kennengelernte Ausnahmen Ukraine und Marokko.)
Letzte Bemerkung zu Theo- es geht mit den 30 sec. Takt - manchmal. Und ich glaub, Du hast den eingebauten Fehler in dem Bildplan gefunden.
73 Hans
Edit: Einfügung


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
zuletzt bearbeitet 21.02.2014 13:32 | nach oben springen

#30

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 22.02.2014 00:09
von der glatte | 1.356 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #10
Was ist denn mit dem Transitzug Vindobona? Berlin Ostbahnhof-Wien bin ich im Transit damit gefahren (und zurück). Der hielt auch in Dresden, Bad Schandau, Prag.


Ich komme einmal kurz auf den Vindobona zurück. Dieser Zug war zwischen Berlin-Ostbahnhof/Hauptbahnhof und Dresden Hbf. für DDR Bürger für den Binnenverkehr freigegeben.

Der Halt in Bad Schandau diente nicht für Reisende zum Zu- oder Aussteigen! Bad Schandau galt hier als Grenzbahnhof, meist stiegen hier die DDR-Grenz- und Zollorgane aus und die Tschechoslowakischen Organe stiegen ein und kontrollierten den Zug während der Fahrt bis zum Grenzbahnhof Děčín hl. n.
(hl. n. steht für Hlavní Nádraží = Hauptbahnhof).



Das bedeutet, wer in die Sächsische Schweiz wollte und mit dem Zug Vindobona bis Bad Schandau reiste um dort auszusteigen bekam Ärger. Einge machten das und ignorierten die Lautsprecher-Durchsagen in Dresden Hbf. Wer dann nur eine Fahrkarte nach Bad Schandau in der Tasche hatte, musste sich etwas einfallen lassen. War allerdings nicht so schlimm, meist wurde gemeckert und dann wurde man in Bad Schandau aus den Zug verwiesen. Nur selten wurde man zu einer besonderen Audienz bei Grenzer und Zoll eingeladen.

Allerdings war es ohne Probleme möglich mit einer gültigen Fahrkarte und Personalausweis, in dem Zug weiter bis Prag zu fahren. In České Velenice war aber wirklich dann Schluss mit lustig.

Weiterhin gab es noch Züge nach Malmö / Schweden, auch diese waren für den Binnenverkehr ab/bis Sassnitz freigegeben.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


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#31

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 22.02.2014 01:03
von der glatte | 1.356 Beiträge

Tja, aus dem Zug geholt oder aufgefordert auszusteigen und die Leute, welche weiterfahren "durften", erfuhren nichts vom Verbleib und Schicksal des betroffenen Fahrgastes!

Ist immer so eine Sache. Dazu einmal eine Begebenheit, die ich selbst im Zug nach Prag im Dezember 1990, damals schon als Bürger der Bundesrepublik, erlebt habe.

Ich fuhr mit einem D-Zug von Berlin nach Prag. Im Bahnhof Dresden Hbf. war planmäßig für ca. 20 Minuten Halt und die deutschen und damals auch schon die tschechoslowakischen Grenz- und Zollleute stiegen ein. In mein Abteil kam ein Herr und setzte sich. Kurz darauf kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass der Herr ein Schweizer Bürger war und nach dem ehemaligen Aussig an der Elbe, heute Ústí nad Labem wollte. Wir plauderten und der Zug fuhr ab. Während der Fahrt nach Bad Schandau kamen die deutschen Beamten und kontrollierten die Dokumente. Die Kollegen aus der Tschechoslowakei waren nicht zu sehen. Alles ging sehr schnell, die Abteiltür ging auf und wir hielten beide unsere Pässe hoch, der Beamte nickte und wünschte eine gute Reise. Danach kam ein Beamter vom Zoll durch den Gang und nahm von uns keine Notiz. Kurze Zeit später Ankunft in Bad Schandau. Die deutschen Beamten stiegen hier aus und ihre tschechischen Kollegen waren nun im Wagen zu hören, allerdings kontrollierten sie nicht, während der Zug im Bad Schandau stand. Hier im Bahnhof wurde die Lok gewechselt und wir bekamen eine Zweistrom-Lokomotive der CSD angehangen. Kurz darauf ging die Fahrt in Richtung Děčín weiter. Nun erfolgte die Grenz- und Zollkontrolle der tschechischen Beamten. Bei mir keine Probleme, aber mein Abteilnachbar aus der Schweiz wurde nach einem Visum gefragt. Offenbar hatte er keins im Pass aber brauchte eins.

"Sie dürfen nicht nach Tschechoslowakische Republik" hörte ich den Grenzbeamten sagen. Der zweite Herr vom Zoll mischte sich nun ein und sagte zu mir "Ihre Koffer? Bitte kommen Sie, hier wenig Platz." Er zeigte dabei zum Nebenabteil, das war leer. Dort wurde mein Koffer in Augenschein genommen und ich bekam nun nicht mehr mit, was drüben gerade verhandelt wurde. Kurz darauf ging ich wieder in mein Abteil zurück, der Herr war noch da und sagte mir, dass er in Děčín aussteigen muss und mit dem Gegenzug wieder nach Deutschland fahren soll.

Man fährt von Bad Schandau nicht lange bis nach Děčín. Kurz vor der Ankunft waren die beiden Beamten wieder da, der Herr wurde aus dem Zug begleitet und verschwand mit beiden Begleitern im Bahnhofsgebäude.

Auch ich erfuhr damals nichts über den Verbleib des Herren aus der Schweiz, warum und wem hätte ich auch fragen sollen?



Hätten die deutschen Beamten die Pässe richtig kontrolliert, dann wäre das fehlende Visum, oder was weiß ich, sicherlich aufgefallen. Das allein ging mir damals durch den Kopf. Eine Gefahr sah ich aber nicht, eher einen normalen Alltag an einem Grenzübergang.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


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#32

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 22.02.2014 06:52
von Major Tom | 851 Beiträge

Zitat von Hans im Beitrag #29
Der Reisende führt sein Gepäck vor -nicht der Zöllner wühlt das Gepäck durch - ist (fast) überall DV beim Zoll (- sogar in Japan-eigene Erfahrung - Selbst kennengelernte Ausnahmen Ukraine und Marokko.)


Wenn ich in Frankfurt vom Zoll gefilzt werde heisst es - bitte einen Schritt zurueck - und dann geht das Gewuehle des Zoellners los, der Fluggast darf nichts anfassen...


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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#33

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 22.02.2014 21:59
von chantre | 425 Beiträge

Ich habe mich erst sehr spät in diesen Thread eingeklinkt. Von 1968 bis 1970 war ich im Zugbegleitdienst (Fahrmeisterei Dresden Hbf, Zugführer; Zugschaffner) tätig. Durch uns wurde auch Züge im internationalen Verkehr begleitet. Görlitz - Leipzig (D-Zug Warschau - Frankfurt/M.), Berlin - Bad Schandau (Züge nach Ungarn, Bulgarien, Rumänien), Aber auch Züge im Wechselverkehr BRD - DDR. Ich kann mich nicht erinnern, daß für diese Züge eine besondere Zulassung nötig war. Ich war "Prozente-Mann", das heißt Urlaub- und Krankenvertretung. Ich fuhr also keine feste Plangruppe, sondern immer dann, wenn personal fehlte, und es fehlte immer und sehr viel. Züge im Wechselverkehr wurden meist 1/2 gefahren, ein Zugführer, zwei Schaffner.
Personalwechsel fanden je nach Fahrplan unterschiedlich statt. Bei Abfahrt in Dresden, wurde der Park in Dresden-Altstadt übernommen und als Leerpark nach Dresden Hbf gefahren und am Bahnsteig bereitgestellt. Die Vorbereitung umfaßte das Aufschreiben(Wagenzettel)(Zugführer), Kennzeichnen der reservierten Plätze (Zugschaffner). In Dresden Hbf erfolgte nach Kuppeln der Zuglok die Bremsberechnung (Zugführer). Der Bremszettel wurde dem Lokführer übergeben, danach erfolgte die Bremsprobe (Wagenmeister oder Zugpersonal). Der Zustieg der Mitropa erfolgte meist auch schon in der Abstellanlage. In den Jahren bis 1971 wurden die Leerparks unbegleitet durch Trapo gefahren.

Die Halte der internationalen Züge hatten relativ wenig mit der Grenzkontrolle zu tun, sondern dienten in erster Linie dem Personal- und Lokwechsel.
Es erfolgte eine gemeinsame Abfertigung zwischen Decin bzw Bad Schandau und Dresden, sowie Dresden - Bad Schandau/Decin. ob das Zoll und PKE in Bad Schandau oder Decin wechselten war, meiner Meinung nach fahrplantechnisch bedingt. Die Abfertigung im Güterverkehr erfolgte in Richtung Osten durch CSD und DR sowie Zoll in BadSchandau-Ost, in Richtung West in Decin. Ein Verwandter von mir hat als DR-Zollaufnehmer über 20 Jahre in Decin gearbeitet. Schichtverkehr erfolgte mit einem Robur-Bus. Tagegeld 30 Kcs, Durch Zoll argwöhnisch überwachter Einkauf in Decin
möglich, Waschmittel, Zigaretten, Bier, Glas, Werkzeuge (Widia-Bohrer)

Zurück zum Wechselverkehr. Ab 1970 war ich als Schutzpolizist beim TPR Dresden Hbf. Es muß etwa 1972/73 gewesen sein als in den Schichten
Leute für die Kontrolle der Wechselzüge bestätigt wurden. Dieser Krug ging aus welchen Gründen auch immer an mir vorbei, ich wurde nicht bestätigt.
Bei Ankunft eines Wechselzuges stieg nach Ausstieg der Reisenden eine Gruppe von 1/3 bzw 1/4 zu. Auf der Fahrt als Leerpark in die Abstellanlage
wurden Abfallkörbe, Deckenklappen, Hohlräume kontrolliert. Presseerzeugnisse wurden eingesammelt. Es war auch immer ein Wettlauf mit büchsen- und flaschensammelnden Eisenbahnern (Flaschensammeln war ein beliebter Sport, der sogar soweit ging, daß betriebliche Aufgaben vernachlässigt wurden. Einige Rangierer sollen sich vom Flaschengeld ein Auto gekauft haben). Über Nacht stand der Leerpark dann unbewacht in der Abstellanlage, unregelmäßig bestreift durch die Streife vor Ort, wenn vorhanden. Abstellanlage war ein nicht planmäßiger Streifenbereich und wurde nur von Hundeführer oder Streckenstreife angelaufen.
Vor der Abfahrt in Richtung Westen am nächsten Tag, fuhr die Kontrollgruppe, dann wieder nach Altstadt und führte erneut eine Kontrolle durch. Die Kontrollgruppe begleitete dann den Leerpark nach Dresden Hbf, wo dann am Bahnsteig ZBK 3 in Zivil zustieg. Vielleicht kann @BSG Chemie etwas zu den Aufgaben von ZBK 3 sagen, ich bin da nicht so gut informiert. In Dresden gab es noch ZBK 2, aber m. M. nach hatten die Jungs nur wenig mit Zugbegleitung zu tun, eher etwas mit gezielter Observation.
Die Züge im Wechselverkehr waren im DDR-Gebiet für den Binnenverkehr freigegeben, meist bis zum vorletzten Halt vor der Grenze. Die Benutzung dieser Züge war Angehörigen der bewaffneten Organe weisungsgemäß untersagt, wurde aber meist großzügig gehandhabt. In Zivil sowieso und in Uniform na ja? Ich selbst habe diese Züge auch in Uniform immer dann benutzt wenn ich schnell zu Hause sein wollte. Probleme gab es nur dann, wenn sich neues Personal profilieren wollte. Die dienstliche Reaktion wirkte eher genervt und hielt sich in Grenzen.

In meiner Zeit in Magdeburg hatte ich dann nur in sehr begrenzten Fällen mit den Transitzügen zu tun. Kam es in den Transitzügen zu Straftaten, war die Transportpolizei örtlich und fachlich zuständig, wenn sich der Tatort und die Tatzeit dem Transitabschnitt zwischen Griebnitzsee und Marienborn bzw. Staaken Oebisfelde zuordnen ließ. Es erfolgte eine Funkmeldung durch das ZBK, der K-Dienst stieg dann in Magdeburg Hbf zu und hatte Zeit bis zum Grenzbahnhof, meist etwa 20 min. Der Geschädigte wurde gefragt, ob er eine Anzeige erstatten möchte, wenn ja, dann müßte er nach der TO- und Beweismittelsicherung in Marienborn aussteigen. damit hatte sich dieses Problem meist gelöst, es wurde verzichtet. Nur bei bestimmten Delikten, wie Schmierereien oder Straftaten gegen Leben und Gesundheit, hattest Du dann als K-Dienst ein enormes Zeitproblem.

Das soll es erst mal gewesen sein. Vielleicht fällt mir später noch etwa ein, oder fragt einfach, ich antworte gern, soweit es mir möglich ist.


Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky
MIG21, Harzwanderer und Stringer49 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.02.2014 18:46 | nach oben springen

#34

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 23.02.2014 00:02
von Sperrbrecher | 1.654 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #31

Hätten die deutschen Beamten die Pässe richtig kontrolliert, dann wäre das fehlende Visum, oder was weiß ich, sicherlich aufgefallen. Das allein ging mir damals durch den Kopf. Eine Gefahr sah ich aber nicht, eher einen normalen Alltag an einem Grenzübergang.

Es ist doch nicht Sache der deutschen Grenzbeamten bei der Ausreise zu kontrollieren, ob der Reisende eine Einreiseberechtigung für das Zielland hat.

Es gibt doch auch andere Einreiseberechtigungen als ein Visum.
So reisen z.B. Doppelstaater mit dem einen Pass aus einem Land aus und mit dem anderen Pass in das andere Land ein.
Das müssen sie sogar so machen, wenn sie diese beiden Staatsangehörigkeiten innehaben.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 23.02.2014 00:05 | nach oben springen

#35

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2014 06:53
von seaman | 3.487 Beiträge

Interessantes Thema.
Schade,das keiner berichtet,wie es mit diesen Zügen bei der Einreise in die Bundesrepublik weiter ging.
Wie war z.b. die Abfertigung in Büchen?

seaman


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#36

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2014 13:53
von Sperrbrecher | 1.654 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #35

Schade,das keiner berichtet,wie es mit diesen Zügen bei der Einreise in die Bundesrepublik weiter ging.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich bei der Einreise in die Bundesrepublik aus der DDR kommend,
kontrolliert worden bin. Die Kontrollen fanden, wenn überhaupt, wahrscheinlich ebenso lasch und bestenfalls sporadisch statt,
wie bei der Einreise aus Holland, Frankreich oder anderen westlichen Nachbarländern.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 24.02.2014 13:58 | nach oben springen

#37

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2014 14:07
von icke46 | 2.593 Beiträge

Kontrollen gab es schon, aber, wie der Vorschreiber richtig schrieb, waren sie eher oberflächlich.

Auf der Strecke Berlin -Hannover war es so, dass der ZGD in Helmstedt einstieg und normalerweise in Braunschweig oder Hannover wieder ausstieg, mit anderen Worten, sie hatten gerade zwischen 20 Minuten und etwas über einer Stunde Zeit, im Zug zu kontrollieren.

Die Kontrolle beschränkte sich mehr oder weniger auf das Hochhalten der Pässe, wobei dann Leuten mit DDR-Pässen (logischerweise meistens Rentner) etwas mehr Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

Gruss

icke



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#38

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2014 14:13
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

War bei solch laxen Kontrollen nicht der Einschleusung von unliebsamen Besuchern seitens der DDR Tür und Tor geöffnet?


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#39

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2014 14:18
von icke46 | 2.593 Beiträge

Naja, ich nehme an, wenn jemand mit DDR-Pass wedelte und nicht ihn das übliche Altersraster passte (sprich Rentenalter), wurde wohl genauer hingesehen. Allerdings hatte ich bei meinen Fahrten immer nur DDR-Rentner im Abteil, kann also dazu nichts sagen.

Vielleicht weiss einer, der damals Dienstreisen DDR-BRD gemacht hat, mehr darüber.

Gruss

icke



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#40

RE: Interzonenzüge Abfertigung

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 24.02.2014 14:21
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Daran hatte ich auch gedacht , aber die Genossen haben da sicher keinen Mittvierziger mit DDR Pass in den Zug gesetzt.
Die konnten doch sicher auch Pässe anderer Staaten nachmachen oder besorgen.


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