#81

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 16:59
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Dandelion im Beitrag #71
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #63
Doch empfohlen wird eine „letztmalige Überprüfung in ausgewählten Bereichen des öffentlichen Dienstes“. Genannt werden Abteilungsleiter in Ministerien, Chefs von Landesbehörden und Landesbetrieben, falls die noch nicht überprüft wurden. Und: „Die Überprüfung betrifft auch Vorsitzende Richter von Landes- und Oberlandesgerichten, Richter im Bereich der Rehabilitation von politisch Verfolgten und Benachteiligten sowie die Oberstaatsanwälte.“ Das empfiehlt auch Jürgens, Enbergs geht weiter, drängt auf eine „einmalige Überprüfung“ aller Brandenburger Richter, die 1990 bereits 18 Jahre alt waren. Außerdem plädiert der Stasi-Experte, der in der Berliner Jahn-Behörde angestellt ist, dafür, dass auch Rechtsanwälte und deren Kammern „Initiativen für Selbstauskünfte“ vornehmen.


Liebe Güte - das Ganze erinnert mich fatal an den sog. "Radikalenerlass" von 1972, als ernsthaft diskutiert wurde, ob ein Lokführer, der in seiner Jugend mal Mitglied einer kommunistischen Partei war, in den Staatsdienst aufgenommen bzw. in diesem verbleiben dürfe. Gegen diese Gesinnungsschnüffelei bin ich damals auf die Straße gegangen.

Ich bleibe dabei: Wer in den vergangenen 25 Jahren seine Aufgaben pflichtgemäß und tadelsfrei erledigt hat, der sollte das auch weiterhin tun (dürfen). Irgendwann muss Schluss sein - oder sind die Taten eines IM als schwerer zu bewerten als die eines Vergewaltigers, eines Totschlägers oder eines Wirtschaftskriminellen, der eine Vielzahl von einfachen Menschen um ihre Ersparnisse gebracht hat? Deren Taten sind mittlerweile verjährt und sie können unbeschwert leben: Das Damoklesschwert ist weg.



rot mark.

also, @Dandelion , man merkt du hast nie in der DDR gelebt. Dieser Vergleich hinkt ja sowas, das tut mir heute noch weh und damals habe ich für diese Typen erst recht kein Verständnis aufgebracht. Ich habe diese Zeiten nach 68 auch hier erlebt. Erst mal ging es den jungen Leuten damals um etwas anderes als nun die DDR zu kopieren. Ich finde da hat der bundesrepublikanische Staat etwas überreagiert. Mehr Gelassenheit wäre gut gewesen. Allerdings habe ich für diese 68 er , RAF , Revolutionäre Zellen und wie die Spinner damals sonst noch hiessen, null Verständnis aufgebracht. Dass sie nicht in den Staatsdienst mit späterer Pensionsberechtigung aufgenommen wurden ist doch völlig in Ordnung . Ich kann doch nicht etwas bekämpfen und dann verlangen, dass man mich von dieser Seite alimentiert. Es gab genug Arbeitsplätze in der Wirtschaft, wo sie sich verwirklichen konnten. OK ist OT, bin schon wech


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#82

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 17:09
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #77
Gehe mal in die Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen und lasse dich mal informieren, wie so ein Plausch bei Kaffee und Kuchen zwischen einem MfS Vernehmer und einem "Aufmüpfigen" aussah .


Hallo,
ich war dort jetzt in diesem Monat. Und ein dort ehemalig Inhaftierter der uns herumführte betonte auch, daß weder Essensentzug noch physische Gewalt, Schlafentzug, Waterbording usw. angewandt wurde. Tricks und Druckmittel waren Variationen der "Freundlichkeit" und Lautstärke, mehr aber auch nicht. Also auch kein Verstoß gegen äquivalente Beschränkungen westdeutscher Ermittler.



Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#83

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 17:11
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von SET800 im Beitrag #82
Zitat von Gert im Beitrag #77
Gehe mal in die Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen und lasse dich mal informieren, wie so ein Plausch bei Kaffee und Kuchen zwischen einem MfS Vernehmer und einem "Aufmüpfigen" aussah .


Hallo,
ich war dort jetzt in diesem Monat. Und ein dort ehemalig Inhaftierter der uns herumführte betonte auch, daß weder Essensentzug noch physische Gewalt, Schlafentzug, Waterbording usw. angewandt wurde. Tricks und Druckmittel waren Variationen der "Freundlichkeit" und Lautstärke, mehr aber auch nicht. Also auch kein Verstoß gegen äquivalente Beschränkungen westdeutscher Ermittler.

na dafür bekommst du jetzt gleich jede Menge Häkchen


.
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John F.Kennedy 1963 in Berlin
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#84

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 18:11
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Gert im Beitrag #76
Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #70
@schuddelkind, ich finde nicht das die DDR eine Diktatur war. das Thema hatten wir im Forum zur genüge....

Die sog. "freiheitliche demokratische Grundordnung" ist für mich eine Diktatur, die Diktatur des Kapitals, bemäntelt mit Friede, Freude, Eierkuchendemokratie.

@Bürger der DDR , ja wenn das vom Standpunkt bestimmt wird, die Sicht der Dinge( siehe #69), dann musst du wohl auf dem Mount Everest zur Zeit hocken.

edit Ergänzung


@gert , danke das Du mir so viel Überblick andichtest....

Nur leider hat der Überblick oder die Sichtweise nichts mit der physikalischen Angabe der Höhe zu tun, es sind eher andere Dinge....


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#85

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 18:23
von Moskwitschka (gelöscht)
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Die immer wiederkehrenden Schlagabtausche, die ich jetzt einfach mal so stehen lasse. Daher bin ich veröffentlichte Meinungen zum Thema sammeln gegangen.

In der evangelische Kirchenzeitung die Kirche äußerte sich Richard Schröder zur Zukunft der BStU

(...) Im Jahre 2019 sollen die Überprüfungen auf Stasimitarbeit beendet werden. Wer 1989 25 Jahre alt war, ist 2019 55 Jahre alt. In diesem Alter wird selten jemand in den öffentlichen Dienst eintreten oder Abgeordneter werden und wenn doch, muss man ihn nach seinen letzten 30 Lebensjahren und nicht nach seinen Jugendsünden beurteilen. Individuell muss es einen Schlussstrich geben, die Verjährung. Für das kollektive Gedächtnis sind Schlussstriche absurd und undurchführbar.

Wenn die Überprüfungen wegfallen, können die übrigen Aufgaben des BStU übernommen werden vom Bundesarchiv, der Stiftung Aufarbeitung, den Zentralen für politische Bildung und den zeitgeschichtlichen Forschungseinrichtungen. Man müsste diese Einrichtungen dafür allerdings rechtlich und finanziell ausstatten. Das Bundesarchiv hat sich glänzend bewährt im Umgang mit den Akten der Parteien und Massenorganisationen der DDR. (...)


http://www.die-kirche.de/artikel-details...den-stasi-akten

Es ist also ein Thema, das nicht wenige beschäftigt.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 20.02.2014 18:27 | nach oben springen

#86

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 18:37
von Moskwitschka (gelöscht)
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Auch Thomas Krüger ist für die Schließung:

Die neue schwarz-rote Regierung will eine Kommission einsetzen, die bis 2015 über die Zukunft der Behörde beraten soll. Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, sagte der Berliner Zeitung: „Man braucht keine eigene Behörde.“

Dass eine Bundesbehörde Forschungen anstelle, sei ohnehin nicht der Normalfall. „Es gibt sehr viele hochkompetente zeitgeschichtliche Institute, die diese Aufgabe wahrnehmen können.“ Die Aufklärung über die DDR könnten auch die Bundeszentrale und die Landeszentralen für politische Bildung erledigen.

„Und was die Unterlagen selbst betrifft, gibt es eine ganz wesentliche Aufgabe, die so nicht mehr im Mittelpunkt steht: Das ist die Überprüfung der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst und der Abgeordneten in Parlamenten.“ Zentrale Aufgabe sei künftig, die Stasi-Akten zu archivieren und den öffentlichen Zugang zu gewährleisten.


http://www.berliner-zeitung.de/politik/b...8,25875636.html

LG von der Moskwitschka


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#87

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 18:51
von Moskwitschka (gelöscht)
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Und im Beirat der BStU scheinen auch die Fetzen zu fliegen:

Stasi-Unterlagen Beirat der Jahn-Behörde verärgert über Beiratschef Schröder

Berlin. Im Beirat der Stasi-Unterlagen-Behörde gibt es Unmut über dessen Vorsitzenden Richard Schröder. Anlass ist Schröders jetzt vom "Spiegel" veröffentlichter Brief an den Behörden-Leiter Roland Jahn. "Herr Schröder wurde im Beirat bereits ermahnt, Angelegenheiten im Gremium zu klären und nicht in der Öffentlichkeit - zumal Herr Schröder dem Gremium vorsteht", sagte der thüringische FDP-Generalsekretär Patrick Kurth, der dem Beirat angehört, der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". "Der Vorsitzende nimmt erneut Schäden an der Glaubwürdigkeit des Beirates in Kauf, wenn er über einen großen Verteiler und den Spiegel seinen Gedanken freien Lauf lässt."

Kurth fügte hinzu: "Als Mitglied lasse ich mich nicht so durch den Vorsitzenden behandeln. Schröder ist in dieser Frage Wiederholungstäter. Der Beirat wird sich mit diesem Verhalten erneut auseinandersetzen." Der sächsische Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Lutz Rathenow, erklärte dem Blatt: "Der Beirat soll eigentlich helfen. Was soll das werden?" In dem Brief an Jahn wirft Schröder ihm vor, gesetzwidrig Original-Stasi-Akten besessen zu haben, und schließt mit den Worten: "Wenn diese Geschichte vor Ihrer Wahl bekannt geworden wäre, wären Sie nicht gewählt worden."

Nach Angaben des "Spiegel" wurde der Brief, der schon vom Oktober stammt, an die übrigen Beiratsmitglieder verschickt. Schröder hat Jahn seit dessen Amtsantritt im März 2011 nahezu durchgängig kritisiert. Hauptgründe waren die Forderung Jahns, 47 ehemalige Stasi-Mitarbeiter aus der Behörde zu versetzen, und dessen Absicht, in der früheren Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg einen "Campus der Demokratie" zu errichten. Zuletzt hatte der Beirats-Vorsitzende mehrfach gefordert, die Stasi-Unterlagen-Behörde 2019 zu schließen. +++ fuldainfo


http://www.fuldainfo.de/index.php?type=s...ticles&id=32767

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 20.02.2014 18:52 | nach oben springen

#88

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 19:15
von Gelöschtes Mitglied
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Bei der eingangs aufgestellten Frage sollte man bedenken, dass der ehemalige Bürger in der DDR zunächst gar nicht wußte, ob bzw. dass er von Seiten des MfS bespitzelt wurde.
Zweitens war dem normalen Bürger überhaupt nicht bekannt, wie mit den durch die Stasi erhobenen Spitzel-Befunden umgegangen wurde.
Drittens wußte der normale DDR-Bürger wohl nichts über die Speicherung und Archivierung von erspitzelten Daten.

Diese, wohl unvollständigen Argumente, lassen nach meinem Eindruck die Begründung zu, dass zur gegenwärtigen Zeit über ein Ende der Tätigkeit der BStU nicht diskutiert werden sollte, sondern jene Behörde weiter arbeiten sollte, vor allem im Interesse ehemalig Betroffener.

Dass an dieser Stelle gebellt, geheult und geschimpft wird zu diesem Thema ist symptomatisch für dieses Forum, aber nicht für unser geliebtes wiedervereinigtes Vaterland!

Niemals vergessen, die Nazi-Zeit nicht und den Volksmassenbetrug in der DDR nicht, wenn auch beide nicht vergleichbar und im Wesen diametral verschieden, eben aber diktatorisch mit allen zu verachtenden Konsequenzen.

Beste Grüße an die Bellenden!

VG Klaus


zuletzt bearbeitet 20.02.2014 19:16 | nach oben springen

#89

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 20:18
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Hufklaus im Beitrag #88
Bei der eingangs aufgestellten Frage sollte man bedenken, dass der ehemalige Bürger in der DDR zunächst gar nicht wußte, ob bzw. dass er von Seiten des MfS bespitzelt wurde.


Das würde ich nicht so pauschachal sagen. Die fast schon geflüglten Bezeichnung von Horch Guck und Pauk Greifzu waren in meinem Bekannten - und Freundeskreis Normalität. Auch das wir beobachtet wurden. So z.B. 1977 hatten wir am Alex eine Stammkneipe, in der sich zu unserer Runde ein junger Mann gesellte. Als er am Abend für seine Zeche eine Quittung haben wollte, schellten bei uns die Alarmglocken. Mag sein, dass wir ihm damals unrecht taten, doch wir mieden seine Gegenwart. Und wenn es sich nicht vermeiden lies, unterhielten wir uns über unverfängliche Themen.

Und es gibt genug Zeitzeugen, die ähnlichen Verdachtsmomente und Erfahrungen äußerten und auch im nachhinein beschrieben haben.

Zitat von Hufklaus im Beitrag #88
Zweitens war dem normalen Bürger überhaupt nicht bekannt, wie mit den durch die Stasi erhobenen Spitzel-Befunden umgegangen wurde.


Auf jeden Fal war diesen betroffenen Menschen klar, dass es keine positiven Auswirkungen hat. Details waren natürlich nicht bekannt, solange man aus was für Gründen auch immer inhaftiert wurde.

Zitat von Hufklaus im Beitrag #88
Drittens wußte der normale DDR-Bürger wohl nichts über die Speicherung und Archivierung von erspitzelten Daten.


Da gebe ich Dir recht. Den Ausmaß der Informationsammlung war schon erschreckend. Aber nicht die Menge, sondern der Inhalt.

2019 werden 30 Jahre vergangen sein, um die Möglichkeit zu nutzen, seine persönlichen Fragen, die noch offen sind, zu klären, zumal jedes Schicksal das sich hinter jeder Akte verbirgt, sehr individuell ist. Und jeder geht damit auch sehr individuell um. Ich persönlich habe da auch meinen ganz persönlichen Weg gefunden. Mich interessierte nicht, wer IM X oder IM Y war. Mir war wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen, warum ich mein Leben lang bis 1989 keine Ruhe vor der Beobachtung durch das MfS hatte.

Die Akten werden ja nicht geschreddert, sondern sollen weiterhin zu Forschungszwecken zur Verfügung stehen. Seit dem ich meinen ganz persönlichen Weg der Aufarbeitung hier im Forum aufgeschrieben habe, überlege ich, ob ich die BStU darum bitte, diesen Bericht meiner Akte oder der meiner Familienangehörigen beizulegen. Damit später Historiker über meine Sicht der Dinge Kenntnis erhalten. Das ist nämlich mein größtes Problem - wie werten später Historiker, die über mich zusammen getragenen Fakten, die sehr subjektiv sind.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 20.02.2014 20:21 | nach oben springen

#90

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 20:37
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #89
Zitat von Hufklaus im Beitrag #88
Bei der eingangs aufgestellten Frage sollte man bedenken, dass der ehemalige Bürger in der DDR zunächst gar nicht wußte, ob bzw. dass er von Seiten des MfS bespitzelt wurde.


Das würde ich nicht so pauschachal sagen. Die fast schon geflüglten Bezeichnung von Horch Guck und Pauk Greifzu waren in meinem Bekannten - und Freundeskreis Normalität. Auch das wir beobachtet wurden. So z.B. 1977 hatten wir am Alex eine Stammkneipe, in der sich zu unserer Runde ein junger Mann gesellte. Als er am Abend für seine Zeche eine Quittung haben wollte, schellten bei uns die Alarmglocken. Mag sein, dass wir ihm damals unrecht taten, doch wir mieden seine Gegenwart. Und wenn es sich nicht vermeiden lies, unterhielten wir uns über unverfängliche Themen.

Und es gibt genug Zeitzeugen, die ähnlichen Verdachtsmomente und Erfahrungen äußerten und auch im nachhinein beschrieben haben.

Zitat von Hufklaus im Beitrag #88
Zweitens war dem normalen Bürger überhaupt nicht bekannt, wie mit den durch die Stasi erhobenen Spitzel-Befunden umgegangen wurde.


Auf jeden Fal war diesen betroffenen Menschen klar, dass es keine positiven Auswirkungen hat. Details waren natürlich nicht bekannt, solange man aus was für Gründen auch immer inhaftiert wurde.

Zitat von Hufklaus im Beitrag #88
Drittens wußte der normale DDR-Bürger wohl nichts über die Speicherung und Archivierung von erspitzelten Daten.


Da gebe ich Dir recht. Den Ausmaß der Informationsammlung war schon erschreckend. Aber nicht die Menge, sondern der Inhalt.

2019 werden 30 Jahre vergangen sein, um die Möglichkeit zu nutzen, seine persönlichen Fragen, die noch offen sind, zu klären, zumal jedes Schicksal das sich hinter jeder Akte verbirgt, sehr individuell ist. Und jeder geht damit auch sehr individuell um. Ich persönlich habe da auch meinen ganz persönlichen Weg gefunden. Mich interessierte nicht, wer IM X oder IM Y war. Mir war wichtig, den Ursachen auf den Grund zu gehen, warum ich mein Leben lang bis 1989 keine Ruhe vor der Beobachtung durch das MfS hatte.

Die Akten werden ja nicht geschreddert, sondern sollen weiterhin zu Forschungszwecken zur Verfügung stehen. Seit dem ich meinen ganz persönlichen Weg der Aufarbeitung hier im Forum aufgeschrieben habe, überlege ich, ob ich die BStU darum bitte, diesen Bericht meiner Akte oder der meiner Familienangehörigen beizulegen. Damit später Historiker über meine Sicht der Dinge Kenntnis erhalten. Das ist nämlich mein größtes Problem - wie werten später Historiker, die über mich zusammen getragenen Fakten, die sehr subjektiv sind.

LG von der Moskwitschka


Moskwitschka, mit dem das wir von der Firma Horch und Guck wussten, das war ja allgemein bekannt. Für mich war halt schlimm zu erfahren, das es eine sehr gut befreundete Familie, mit der wir nur Scheiß gemacht haben in der Jugend, diese waren, die eben alles weiter gegeben haben an die Firma
H.-G.! Gibt aber auch lustige Sachen zu lesen z.B. wo ich zu der und der Zeit war, wer dabei war, was getrunken wurde, wie viel, mit wem ich Fliesen gegen D-Mark beschafft habe , mit welcher Frau ich eine Beziehung hatte, wo und wann ich sie getroffen hatte und noch viele Dinge! Darüber habe ich geschmunzelt, weil ich nach so langen Jahren sie fast schon vergessen hatte! Gut das die Genossen alles schön fest gehalten haben, so kann ich meinen Enkel wenigsten mit Datum und Zeit dienen!
Grüsse Steffen52


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#91

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 20:53
von Lutze | 8.039 Beiträge

jeder wird auf Einsichtnahme seiner Akte anders reagieren,
verborgenes später mit ins Grab nehmen?,
und die eigenen Kinder,warum wollte Mutti das so?,
vielleicht mit den Kindern darüber sprechen?,
so würde ich es versuchen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#92

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 20:58
von Gelöschtes Mitglied
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Nach meiner Meinung relativiert nichts das Thema.
Selbstredend soll der Zugang zu den "Akten" nicht der Rache oder Selbstjustiz dienen, die Authentizität der Ereignisse im Großen, wie im Kleinen soll erhalten bleiben.
Dass uns irgendjemand belauscht, das war schon bekannt, das stimmt. Aber was man daraus machen konnte, das ist das verfluchte Thema!!!
Ohne hier ins Detail zu gehen, und das ist reiner Selbstschutz, den die Mehrheit dieses Forums gar nicht interessieren wird, ich lese schwarz auf weiß vor meinen Augen, wie so ein Stasi-Depp einen Teil meines Bewegungsprofils völlig falsch und ohne jeglichen Anhalt fehlinterpretiert und daraus einen Sachverhalt gezimmert wird, das schreit zum Himmel...
Glücklicherweise endete dies 1989/1990, aber die Frage sei nicht unbedenklich, was wäre geschehen, wenn nicht der Herbst 1989 gekommen wäre...?

Demzufolge null Toleranz und null "Verständnis" für dieses elende Gesindel charakterloser Spießgesellen, das auch in diesem Forum versucht, sich reinzuwaschen...

VG Klaus


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#93

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 21:09
von Lutze | 8.039 Beiträge

man sollte die Einsichtnahme beantragen,
später können die Kinder nicht mehr fragen,
stimmte das wirklich?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#94

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 21:13
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #93
man sollte die Einsichtnahme beantragen,
später können die Kinder nicht mehr fragen,
stimmte das wirklich?
Lutze


Die Akten vermisster oder verstorbener Personen sind in der Regel nicht zugänglich. Für nahe Angehörige von Vermissten oder Verstorbenen gelten jedoch Ausnahmeregelungen. Nahe Angehörige sind Ehegatten, Kinder, Enkelkinder, Eltern und Geschwister; unter bestimmten Voraussetzungen zählen auch adoptierte Kinder und deren leibliche Eltern dazu. Sind keine nahen Angehörigen mehr vorhanden, können auch Verwandte bis zum dritten Grad (also Großeltern, Urenkel, Onkel, Tanten, Nichten oder Neffen) Anträge stellen.

Die genannten nahen Angehörigen müssen ein berechtigtes Interesse glaubhaft machen und schlüssig darlegen, dass sie mit Hilfe eventuell vorhandener Stasi-Unterlagen im Zusammenhang mit dem DDR-Regime stehende Ereignisse oder staatliche Maßnahmen aufarbeiten möchten.


http://www.bstu.bund.de/DE/Akteneinsicht...sonen_node.html

LG von der Moskwitschka


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#95

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 21:21
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #94
Zitat von Lutze im Beitrag #93
man sollte die Einsichtnahme beantragen,
später können die Kinder nicht mehr fragen,
stimmte das wirklich?
Lutze


Die Akten vermisster oder verstorbener Personen sind in der Regel nicht zugänglich. Für nahe Angehörige von Vermissten oder Verstorbenen gelten jedoch Ausnahmeregelungen. Nahe Angehörige sind Ehegatten, Kinder, Enkelkinder, Eltern und Geschwister; unter bestimmten Voraussetzungen zählen auch adoptierte Kinder und deren leibliche Eltern dazu. Sind keine nahen Angehörigen mehr vorhanden, können auch Verwandte bis zum dritten Grad (also Großeltern, Urenkel, Onkel, Tanten, Nichten oder Neffen) Anträge stellen.

Die genannten nahen Angehörigen müssen ein berechtigtes Interesse glaubhaft machen und schlüssig darlegen, dass sie mit Hilfe eventuell vorhandener Stasi-Unterlagen im Zusammenhang mit dem DDR-Regime stehende Ereignisse oder staatliche Maßnahmen aufarbeiten möchten.


http://www.bstu.bund.de/DE/Akteneinsicht...sonen_node.html

LG von der Moskwitschka


ist mir bekannt,
möglicherweise stehen Dinge in den Akten,
worüber man selber erst überlegen muß,
was steht denn da für ein Blödsinn drin,
später kann man den Kindern das nicht mehr erklären
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#96

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 21:33
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Hufklaus im Beitrag #92
Nach meiner Meinung relativiert nichts das Thema.
Selbstredend soll der Zugang zu den "Akten" nicht der Rache oder Selbstjustiz dienen, die Authentizität der Ereignisse im Großen, wie im Kleinen soll erhalten bleiben.
Dass uns irgendjemand belauscht, das war schon bekannt, das stimmt. Aber was man daraus machen konnte, das ist das verfluchte Thema!!!
Ohne hier ins Detail zu gehen, und das ist reiner Selbstschutz, den die Mehrheit dieses Forums gar nicht interessieren wird, ich lese schwarz auf weiß vor meinen Augen, wie so ein Stasi-Depp einen Teil meines Bewegungsprofils völlig falsch und ohne jeglichen Anhalt fehlinterpretiert und daraus einen Sachverhalt gezimmert wird, das schreit zum Himmel...
Glücklicherweise endete dies 1989/1990, aber die Frage sei nicht unbedenklich, was wäre geschehen, wenn nicht der Herbst 1989 gekommen wäre...?

Demzufolge null Toleranz und null "Verständnis" für dieses elende Gesindel charakterloser Spießgesellen, das auch in diesem Forum versucht, sich reinzuwaschen...

VG Klaus

Hufklaus, wer in gewisser Art von diesen Leuten verfolgt wurde, hat schon einen Hals auf sie, aber ich setze mich gern mit diesen Leuten auseinander , auch versuche ich mich in sie hinein zu versetzen! Sie hatten damals eine politische Erziehung erhalten, so das sie glaubten, jeder der etwas nicht im Sinne der DDR tut und was sagt, was nicht in das DDR-Bild passte, Feinde sind! Wen hier solche Themen besprochen werden, dann hoffe ich von diesen Personen wenigstens, das sie zu hören können und sich bitte schön ohne alte Parolen zu dreschen, auch in die Lage des Anderen zu versetzen!
Das ist meiner Meinung, die einzige Möglichkeit, sich normal aus einander zusetzen! Sollten das natürlich manche nicht wollen, dann kann man es lassen, weil es dann nur mit gegenseitigen Beschimpfungen und Unterstellungen endet! Das finde ich nicht gut! Bei einer Auseinandersetzung muss man sich doch etwas respektieren und jede Meinung ordentlich darstellen! Sollte ich falsch liegen, bin für Kritik offen!
Grüsse Steffen52


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#97

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 21:33
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #95

ist mir bekannt,
möglicherweise stehen Dinge in den Akten,
worüber man selber erst überlegen muß,
was steht denn da für ein Blödsinn drin,
später kann man den Kindern das nicht mehr erklären
Lutze


Also wenn Dich Deine Kinder nach Aktenlage beurteilen oder Du Deine Eltern , dann muss ordentlich was schief gelaufen sein. Aber ich will solche Fälle nicht ausschließen, die bestimmt auch einen tragischen Hintergrund haben. Nur Spurensuche muss nicht immer Akteneinsicht bei der BStU sein.

Nur was machen die Kinder in Westdeutschland, in einer ähnlichen Situation, die ihren Familienwurzeln auf der Spur sind? Sind sie beneidens- oder bedauernswert.

Ein schwieriges Thema.

LG von der Moskwitschka


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#98

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 21:46
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #97
Zitat von Lutze im Beitrag #95

ist mir bekannt,
möglicherweise stehen Dinge in den Akten,
worüber man selber erst überlegen muß,
was steht denn da für ein Blödsinn drin,
später kann man den Kindern das nicht mehr erklären
Lutze


Also wenn Dich Deine Kinder nach Aktenlage beurteilen oder Du Deine Eltern , dann muss ordentlich was schief gelaufen sein. Aber ich will solche Fälle nicht ausschließen, die bestimmt auch einen tragischen Hintergrund haben. Nur Spurensuche muss nicht immer Akteneinsicht bei der BStU sein.

Nur was machen die Kinder in Westdeutschland, in einer ähnlichen Situation, die ihren Familienwurzeln auf der Spur sind? Sind sie beneidens- oder bedauernswert.

Ein schwieriges Thema.

LG von der Moskwitschka


ja ist es,und so wie ich dich kenne,
bist du neugierig auf deine Akte,
es wird deine persöhnliche Angelegenheit sein,
wirst du sie lesen?,weiter möchte ich nicht fragen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#99

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 22:08
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #98

ja ist es,und so wie ich dich kenne,
bist du neugierig auf deine Akte,
es wird deine persöhnliche Angelegenheit sein,
wirst du sie lesen?,weiter möchte ich nicht fragen
Lutze


Ich denke ich habe die Frage schon vor ein paar Tagen eindeutig beantwortet @Lutze Und auch begründet warum. Und an diesem Entschluss aus den frühen 90-er Jahren hat sich bis heute nichts geändert. Nein, ich werde sie nicht lesen. Und nein, ich bin nicht neugierig.

Ich werde sie höchstens ergänzen wollen Aber das ist wahrscheinlich gesetzlich nicht geregelt. Und da zitiere ich mich selbst noch mal aus diesem thread

Zitat
Seit dem ich meinen ganz persönlichen Weg der Aufarbeitung hier im Forum aufgeschrieben habe, überlege ich, ob ich die BStU darum bitte, diesen Bericht meiner Akte oder der meiner Familienangehörigen beizulegen. Damit später Historiker über meine Sicht der Dinge Kenntnis erhalten. Das ist nämlich mein größtes Problem - wie werten später Historiker, die über mich zusammen getragenen Fakten, die sehr subjektiv sind.



Ich habe diesen thread nicht eröffnet, um jetzt Einzelschicksale zu beleuchten. Das ist sehr schwer, denn das Thema spült unweigerlich Emotionen hoch. Ich wollte ausschließlich informieren, dass die Diskussion um die Zukunft der BStU Fahrt aufnimmt und jeder die Möglichkeit haben sollte, sich dazu zu äußern. Und wenn man sich mit einer z.B. Petition an den Bundestag wendet, um an der Entscheidung als Betroffener in welcher Art auch immer einbezogen wird. Nicht das wir uns in 10 Jahren wieder die Köppe einschlagen über das selbstherrliche Vorgehen der Eliten dieses Landes.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 20.02.2014 22:10 | nach oben springen

#100

RE: Die Zukunft der BStU

in Presse Artikel Grenze 20.02.2014 22:11
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
in der Vergangenheit rumwühlen frisst erheblich Arbeitskraft und Zeit, lenkt von aktuellen wichtigen Fragen ab. Aufklärung über die Abläufe ( um nicht Mauscheleien und Korruption zu sagen ) im Zusammanhang mit Public-Privat-Partnershaft, Berliner Wasserwerk, Toll-Collect, Cross-Border-Leasing fände ich viel wichtiger, inkl. der tonneweisen Geheimdokumente zu denen teils nichtmals Bundestagsabgeordnete Zugang haben.

Ähnlich lenkt das ewige Aufkochen der NS-Zeit in den Medien von aktuellen realfaschistischen Abläufen und Strukturen der imperialen Machtpolitik ab. Z.B. der "Zufall" daß fast alle Steuerparadiese letzendlich Britanien profitieren lassen.....



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