#1

Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 18.02.2014 10:40
von Moskwitschka (gelöscht)
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Als ich in der Nacht vom 9. zum 10. November nicht schlafen konnte, weil mich viele Gedanken quälten, wie ich meine Kinder unbeschadet durch die Wendezeit bringe und nach der Maueröffnung mich ganz neuen Problemen stellen musste, hätte ich im Traum nicht gedacht, dass Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus das beherrschende Thema für viele Jahre sein würde. Und noch weniger hätte ich gedacht, dass meine Kinder einmal unmittelbar betroffene sein würden. Mit allem habe ich damals gerechnet – Schwierigkeiten mit Schule und Berufswahl, Drogen und deren Begleiterscheinungen, Verführungen durch das glitzernde und vielfältige Konsumangebot, aber nicht mit dem Aufbrechen der Bösartigkeit der Menschen.

Wir wollten unsere Kinder schon immer zu selbstbewussten Menschen erziehen, für die Respekt, Toleranz und auch Mut im Alltag keine Fremdwörter sind – heute würde man Zivilcourage dazu sagen, die eine eigene Meinung haben und diese auch vertreten, die keine Duckmäuser und Nachplapperer werden. Sie sollten ihre Träume leben können und wenn es Schwierigkeiten geben sollte, nicht an ihren Träumen zerbrechen. Sehr bald merkten wir, dass das eine schweres Stück Arbeit werden würde, da die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die von der aktuellen Politik bestimmt wurden, es uns nicht einfach machen würden.

Schon bei der Vereinigung beider deutschen Staaten hat man auch nicht annähernd ausreichend darauf geachtet, Betriebe in Ostdeutschland zu sanieren und zu erhalten. Ganz andere Motive wie das Ausschalten von Konkurrenz für westliche Unternehmen oder die Demonstration der Minderwertigkeit der DDR- Wirtschaftsweise spielten die größere Rolle. Dies übertrug sich auf viele Ostdeutsche, die sich minderwertig gefühlt haben. Die Saat für Bösartigkeit war gelegt.

Es folgten weltpolitische Konflikte wie z.B. in Jugoslawien, die immer neue Flüchtlingsbewegungen zur Folge hatten.

Mit den Folgen der Politik der Europäischen Union, des Internationalen Währungsfonds und der EZB wurden die Menschen alleine gelassen. Sie konnten sich nur anpassen um nicht unter zu gehen. Nicht zuletzt Ursache neuer Wanderungsbewegungen innerhalb Deutschlands und Europas.

Mit den Jahren musste man den Eindruck gewinnen, dass die Politik sich heute kaum mehr für die Nord-Süd-Problematik interessiert und auch nur annähernd ausreichend viel tut, um das Leben der Menschen in Afrika z.B. zu verbessern.

Die Menschen wurden mit den Folgen der Globalisierung alleine gelassen. Viele haben sich diesem Prozess mehr oder weniger angepasst. In meiner Erinnerung entstanden damals zwei Strömungen, die Globalisierungsgegner, die nicht ernst genommen und belächelt und nur zu den G-8 Gipfeln wahr genommen wurden, wenn ihre Proteste mit massiver Polizeigewalt eingedämmt wurden und nicht selten eskalierten. Auf der anderen Seite sammelten rechtsnationle Organisationen in vielen europäischen Ländern die Unzufriedenen, die jeweils für ihr Land schnelle Lösungen forderten.

Es fand eine Radikalisierung statt, sowohl in der verbalen Auseinandersetzung, als auch auf der Straße. Wie ich das im Alltag erlebt habe, wie aus verbaler Bösartigkeit Gewalt wurde, die unsere Familie erleben musste, darüber möchte ich in den folgenden Beiträgen erzählen.

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


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#2

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 18.02.2014 12:42
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo Moskwitschka,

ich bin gespannt auf Deine Erzählung.
Nur stört mich in Deiner Einleitung die pauschale Verurteilung als Ausländerfeindlich für Menschen die sich eine andere Einwanderungspolitik wünschen. Das sind zwei verschiedene Begriffe. Ausländerfeindlich sind für mich Menschen die Ausländer bzw. Menschen aus anderen ethnischen oder religiösen Gruppen pauschal verurteilen.
Hier geht es nicht um pauschale Verurteilung dieser Gruppen, sondern um das Recht eines Staates den Zuzug bzw. Asylrecht selber frei zu gestalten.

Und auch ganz richtig, die Politik interessiert sich keinen Deut um die Probleme der Menschen in Afrika, nur müssen die Probleme auch dort und hier gelöst werden. Durch fairen Handel, durch eindämmen der Kriegsgefahr in der Region (nicht durch Waffenlieferung, sondern durch wirtschaftliche Hilfe).

Das schlimmste daran ist, die wirklich Armen können sich eine Flucht nach Europa gar nicht leisten (auch ein Platz im überfüllten Flüchtlingsboot kostet Geld).
Das viele dieser Menschen auch Ihre Religion und Rechtsbegriffe mitbringen ist wohl klar, nur führt das zu Kollisionen mit unserer Kultur. Wer möchte schon das die Scharia hier in Europa einzug hält?
Wenn diese Menschen als Gäste betrachtet werden, so ist das in Ordnung, nur mit dem Gastgeber und den Gästen, das hat so ein paar Probleme....

Auch höre ich Deine Sorge um rechte Einflüsse in der Politik heraus, das stimmt, nur machen wir die Rechten stark in dem wir ihnen eine Bühne geben, statt selber über eine Lösung der Asylpolitik nach zu denken.

Hast Du Dir auch mal Sorgen um Deine Kinder gemacht, wenn sie Opfer von Gewalttaten werden? Vergleiche mal die Anzahl der Gewalttaten gegen Ausländer und die Anzahl der Gewalttaten von ausländischen Mitbürgern.....

Ja nicht alle ausländischen Mitbürger sind so, stimmt wieder, das ist dann genauso verallgemeinert, wie wer eine andere Zuwanderungspolitik will ist eine "Rechter".

So nun will ich hier nicht länger stören, aber das lag mir auf der "Seele".....


LO-Wahnsinn und Bastler100 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#3

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 22.02.2014 10:03
von Moskwitschka (gelöscht)
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@Bürger der DDR Mir ist nicht bewusst, dass ich in meinem Eröffnungsbeitrag jemanden pauschal verurteilt habe. Ich habe mich bemüht sachlich an das Thema heranzuführen, dass meine Familie über lange Zeit unmittelbar beschäftigt hat. Aber ich fang einfach mal an, die Chronik der kleinen und großen Ereignisse aufzuschreiben.

Wenn ich so an die Zeit von 1990 bis 1992 zurückdenke, dann war man sehr viel mit sich selbst beschäftigt. In erster Linie mit beruflicher Orientierung. Nebenher mit Themen, die einen damals wichtig waren. Bei mir war es die Bildungspolitik. Bei 4 Kindern naheliegend. Aber das ist schon fast wieder ein eigenes Thema. Man war so mit sich selbst beschäftigt, dass viele Dinge, die in der Welt passierten, fast unter gegangen wären, wenn man nicht in dem Schmelztiegel Berlin gelebt hätte.

Ein großes Thema war damals Jugoslawien. Ganz weit weg, aber trotzdem nahe, weil die Flüchtlingsströme auch Berlin erreichten. Und da gab es zwei Gruppen, die Ex – Jugoslawen aus Bosnien, Kroatien, usw. die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum aufgefallen sind. Aufgefallen sind die Sinti und Roma, die aus der selben Region kamen. Waren es Anfang der 90-er noch Sinti und Roma, so setzte sich in der Öffentlichkeit immer mehr der Begriff „Zigeuner“ durch. Nicht zuletzt machte der Spiegel schon 1990 auf das Problem aufmerksam:

Alle hassen die Zigeuner

Auf der Suche nach Asyl kommen Zehntausende von rumänischen Zigeunern nach Deutschland. Unter dem Andrang der Roma wollen Politiker sogar das Grundrecht auf Asyl schleifen. Die Zigeuner, durch Jahrhunderte verfolgt, von den Nazis vergast, sind Opfer des Umsturzes in Osteuropa, der dort Rassismus freisetzte.


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13500312.html

Irgendwann in dieser Zeit war ich mit meiner jüngeren Tochter in der Schloßstraße in Steglitz unterwegs. Alle 100m wenn nicht sogar öfter saßen bettelnde Frauen mit ihren Kindern in den Hausaufgängen oder direkt auf dem Bürgersteig. Meiner damals 6-jährigen Tochter ging beim Anblick dieser Armut das Herz auf und hätte am liebsten in jede aufgehaltene Hand ein Geldstück gelegt. Wie erklärt man einem Kind sein eigenes Vorurteil, dass die bettelnden Frauen und Kinder wahrscheinlich nur vorgeschickt sind? Und wie erklärt man überhaupt einem Kind das Problem der Sinti und Roma? Ich war überfordert.

Da fiel mir spontan eine Lösung ein und ich fragte meine Tochter, was sich am meisten wünscht. Eine Barbie, war ihre spontane Antwort. Muss es denn unbedingt eine Barbie sein, fragte ich. Und machte den Vorschlag, zwei ähnliche Puppen zu kaufen, die weitaus billiger waren. Eine davon könne sie ja dem nächsten Roma – Mädchen schenken, dass uns auf unserem Weg begegnet. Meine Tochter war Feuer und Flamme und kurze Zeit später standen sich in der Schloßstraße zwei Mädchen mit glänzenden Augen gegenüber, die sich beide über ein Puppe freuten.

Diese Klippe war umschifft, doch das Problem blieb. Wie erkläre ich es meinem Kind? Durch ein weiteres Erlebnis wurde es noch schwieriger. Unser Haus war schon immer ein Haus der offenen Türen. Es muss ein paar Wochen später sein, als plötzlich eine Roma – Frau in unserer Küche stand. Ich habe mich mächtig erschrocken. Sie hielt mir einen Zettel hin, auf dem stand, dass sie 4 Kinder und kein Geld habe, um ihnen was zu essen zu kaufen. Daher verkaufe sie diese kleinen Teppiche. Bis ich ihr erklärte, dass ich auch 4 Kinder zu versorgen habe und keinen Teppich bräuchte verging einige Zeit. Nebenbei schüttete ich den Inhalt unserer Obstschale, die auf dem Küchentisch stand in eine Plastiktüte und räumte das Naschenfach leer. Als ich ihr die Tüte hin hielt, drehte sie sich um und verließ schimpfend unser Grundstück.

Meine Tochter beobachtet damals die ganze Szene. Und es gab daraufhin auch einen Auflauf der Nachbarn, die auch von der Roma – Frau besucht wurden. Erwachsene und Kinder standen so zusammen und der Grundtenor der Erwachsenen war – die wollen nur unser Geld. Ich konnte nichts dagegen setzen, denn in dieser Situation war es ja wirklich so.

Ich habe das kleine Erlebnis damals ganz schnell vergessen, bis zu einer Sendung im Fernsehen, die wir mit unseren Kindern gemeinsam geschaut haben.

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


der 39., Svenni1980, polsam, Pzella 82 und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#4

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 22.02.2014 13:37
von Moskwitschka (gelöscht)
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In Berlin dieser Tage herrschte eine eigenartige Stimmung. Fast täglich gab es in der Abendschau des SFB Berichte über Polenmärkte in Berlin und Stellungnahmen von Politikern, wie man das Problem in Griff bekommen könnte. Man ist aber nie oder kaum auf die Ursachen eingegangen, warum es in Berlin auf einmal so viele Polen gab, sondern wie man den Dreck bewältigt, den solche Märkte hinterlassen und wer dafür bezahlt ihn wegzuräumen.

Dem ist folgendes vorausgegangen, das z.B. Uwe Rada auf seiner Internetseite sehr gut beschreibt:

Es herrschte eine beinahe kollektive Hysterie vor dem 8. April 1991. Nicht nur beim damaligen Innensenator Dieter Heckelmann (CDU). Auch in Frankfurt (Oder) erwartete man für diesen Tag eine wahre "Polenflut". Jörg Kotterba, der Chef des Oderanzeigers in Frankfurt, fragte: "Schwappt die Händlerwoge, die zu einer sturmgepeitschten Welle ansteigen kann, in kürzester Zeit über Frankfurt?"

Grund für diese Hysterie war das Inkrafttreten des deutsch-polnischen Abkommens für eine visafreie Einreise für Touristen. Nachdem die alte Kontrollrats-Bestimmung mit der deutsch-deutschen Einheit und der völkerrechtlichen Souveränität der Bundesrepublik Deutschland weggefallen war, hatte es mehrere Monate gedauert, bis den Polen wieder eine visafreie Einreise erlaubt war. Als es schließlich wieder so weit war, war die Angst vor einem neuen Polenmarkt allerdings größer als die Freude über die neuerliche Grenzöffnung. So groß, dass polnische Reisebusse am Morgen des 8. April 1991 von Neonazis mit Steinen empfangen wurden.


http://www.uwe-rada.de/themen/polen_danzig.html

Wir saßen also alle gemütlich vor der Glotze und schauten uns den aktuellen Bericht an, als auf einmal meine Tochter, die vor einigen Monaten noch mit leuchtenden Augen einem Roma – Mädchen eine Puppe geschenkt hat sagte: „Scheiß Ausländer, die wollen doch nur unser Geld. Die sollen abhauen. Was wollen die in Deutschland.“ Ich war wie vom Schlag getroffen. Diese Worte von meinem kleinen Mädchen haben sich in mir eingebrannt.

Ich muss ziemlich wütend reagiert haben, als ich meiner kleinen Tochter entgegengeschleudert habe: „Dann willst Du also auch, dass ich auch aus Deutschland verschwinde.“ In dem Moment ist bei mir eine alte Wunde aufgebrochen, die vor langer Zeit entstanden ist, als mir Kinder „Russenkind“ hinterher gebrüllt haben.

Mir tat meine Tochter, die in dem Moment die Welt nicht mehr verstand, unheimlich leid. Ich habe sie damals in den Arm genommen und versucht zu erklären, warum man nicht so einfach auf andere Menschen schimpfen kann. Solche Worte, wie von ihr, sind erniedrigend und treffen im Alltag meist die falschen. Ich habe sie damals gefragt, ob sie den wüsste, woher denn ihr neue Schulfreundin kam, die einen typisch polnischen Nachnamen trug. Da ich deren Eltern kannte, wusste ich, dass die Familie nach dem Krieg in Berlin hängen geblieben ist.

Und so gab es immer wieder Gespräche, die sich um das Thema Ausländer in Deutschland bewegten. Nicht nur mit meiner jüngsten Tochter, sondern auch mit ihren älteren Geschwistern. Mir war nur eins wichtig, dass sie ihr Unverständnis über politische Entwicklungen nicht mit plumpen Sprüchen begegnen. Denn die betroffenen Menschen, konnten am aller wenigsten dafür. Eins ist mir damals klar geworden. Man kann darf seine Kinder nicht alleine lassen, man muss immer mit ihnen im Gespräch bleiben. Und man kann nicht früh genug anfangen.

Viele Wochen später, zu Weihnachten nach der Bescherung, kuschelte sich meine kleine Tochter bei mir an und sagte: „Mama, ich werde so etwas nie wieder sagen.“ Ich wusste in dem Moment gar nicht was sie meinte. „Na das mit den Ausländern.“

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


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zuletzt bearbeitet 22.02.2014 13:45 | nach oben springen

#5

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 22.02.2014 13:46
von Lutze | 8.033 Beiträge

deine Tochter ist ganz der Mama,
sie hat Tolleranz gezeigt,sowas zählt
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#6

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 22.02.2014 14:29
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #5
deine Tochter ist ganz der Mama,
sie hat Tolleranz gezeigt,sowas zählt
Lutze


@Lutze Mir ging es damals nicht vordergründig um Toleranz, erklär mal einem Kind was das ist. Sondern eher um Einsicht und Problembewusstsein, aus dem sich vielleicht später Toleranz und Respekt entwickeln können. Damals haben wir einfach Grenzen gesetzt in der Verantwortung als Eltern, denen solche Werte wichtig waren und sind.

Und @Lutze es wird noch ein weiter Weg werden, den ich noch in einigen Fortsetzungen beschreiben werde.

LG von der Moskwitschka


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#7

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 22.02.2014 15:00
von Lutze | 8.033 Beiträge

was ist Toleranz im Kinderalter?,
eine kleine Begebenheit in diesem Alter,
eine Schülerin aus meiner Klasse in der Unterstufe
hatte immer Tintenflecke in ihren Schulheften,
ich hab ihr meinen Pelikan-Füller geschenkt,
seitdem wurde es besser,
zu Hause gleich Ärger,wo ist dein Tintenschreiber?,
warum,wieso,,weshalb?,
regt euch nicht auf,und Oma hat mir einen neuen Füller
aus ihren nächsten Westbesuch mitgebracht,
fängt da Toleranz an?,obwohl man das Wort als Kind nicht kennt?
Lutze


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wer nicht kämpft hat schon verloren
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#8

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 22.02.2014 19:48
von Moskwitschka (gelöscht)
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Die Zeit verging und die meine beiden ältesten stürzten sich in die Pubertät. Und da war erst mal meine Toleranz gefordert. Wenn vorher EAV, Roxette und die Toten Hosen angesagt waren, wo ich ja noch folgen konnte, kamen jetzt Green Day und The Offspring dazu. Um nicht ganz abgehängt zu werden, habe ich mir zu Geburtstagen oder anderen Geschenktagen immer Listen mit den Wünschen aufschreiben lassen und bin zu WOM und habe sie mir von einem netten Verkäufer aus dem riesigen Angebot raus suchen lassen. So was hören sie, wurde ich dann immer gefragt. Nee meine Kinder. Coole Mutter, die ihren Kindern damit eine Freude macht. Und so kam ich ins Gespräch mit einem vollkommen unbeteiligten und habe Vorurteile abgebaut. Später dann auch über die Onkelz.

Parallel dazu änderte sich Kleidungsstil meiner Kinder. Mein ältester Sohn wurde immer punkiger, meine älteste Tochter immer anarchiger. Damit hatte ich schon mehr Probleme. Nicht zuletzt, weil sie sich dadurch angreifbar gemacht haben. Angreifbar auch für ihre ehemaligen Freunde z.B. aus dem Kindergarten, die mir auf einmal mit Glatze und in Bomberjacke und Springerstiefeln begegneten. Ich bin damals richtig ins Grübeln gekommen – war das Überzeugung, die sie zur Schau trugen oder Abgrenzung? Ich kannte sie von klein auf, als Baby, und auch ihre Eltern.

Aber auch mir erging es ja nicht anders. Richtig dicke kam es, als mein Sohn mir fast täglich in den Ohren lag, er würde gerne Dr. Martens haben wollen, die ich eindeutig in die Skin – Szene verortete. Was ist, wenn mein Sohn, mit seinen Stiefeln auf andere traf? Die einen hatten sie damals mit weißen Schnürsenkeln, die anderen mit roten geschnürt. O.K. dachte ich damals, sollen sie, dann aber mit allen Konsequenzen. Nachdem ich mit meinem Sohn fast 2 Stunden mit Anprobe und Metal - Beschallung in einem Schuhladen verbracht habe, bin ich anschließend zu unserer Hausbank und habe für ihn und meine Tochter zwei Konten eröffnet, auf das wir monatlich ihr Taschengeld überwiesen haben, das so berechnet war, dass sie davon alle Ausgaben von Kino über CD's bis Klamotten bestreiten konnten. Der Grund war nicht, dass ich keine Lust auf Auseinandersetzung zum Klamottenstil hatte oder Verantwortung los werden wollte, sondern sie sollten selbst Verantwortung übernehmen, auch wenn sie damals gerade 13 bzw. 14 Jahr jung waren. In dem Alter haben früher unsere Eltern bzw. Großeltern ihre Ausbildung begonnen und ihr erstes Geld verdient.

Zur gleichen Zeit häuften sich in Berlin und in anderen Städten rassistische Überfalle, die zum Teil in den Medien auftauchten, aber auch viele, denen keine Beachtung geschenkt wurden. Erst recht nicht, wenn es nur einfache Körperverletzungen waren. Zwei Zeilen in einer Zeitung unter Lokales über einen Überfall auf einen Afrikaner in der Berliner S – Bahn waren der Auslöser für eine kleine Aktion meines Sohnes und seines Freundes, was ich aber erst viel später erfuhr.

http://de.wikipedia.org/wiki/Todesopfer_..._in_Deutschland

Wie viele andere stand ich damals hilflos dem gegenüber. Nicht so mein ältester Sohn. Eines Tages tauchte er bei mir auf Arbeit auf und fragte, ob ich im 200 oder 300 mal seinen mit Freunden entworfenen Handzettel gegen Nazis kopieren könnte. Man war ich stolz auf meinen Sohn. Ohne zu fragen, wofür er den braucht, war ich sofort Feuer und Flamme. Also wenn, sagte ich damals, machen wir das richtig schick und nehmen gelbes, grünes, blaues und rotes Kopierpapier. Der Kopierer lief heiß. Die Kopien habe ich später bei der Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales abgerechnet. Eine kleine Rache dafür, dass die Politik tatenlos dem Treiben von kleinen Nazis zugeschaut hat. Man hatte damals vor 20 Jahren sehr stark den Eindruck – es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


der 39., Lutze, Pzella 82, exgakl, polsam und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.02.2014 19:57 | nach oben springen

#9

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 22.02.2014 20:18
von Sperrbrecher | 1.654 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #1
Mit allem habe ich damals gerechnet – Schwierigkeiten mit Schule und Berufswahl, Drogen und deren Begleiterscheinungen, Verführungen durch das glitzernde und vielfältige Konsumangebot, aber nicht mit dem Aufbrechen der Bösartigkeit der Menschen.

Nun ja, aber auch die DDR war nicht unbedingt ein Hort der Völkerfreundschaft, wie sie es immer im Munde geführt haben.
Da klafften Theorie und Realität, wie auch bei anderen Dingen, weit auseinander.
Das habe ich mit meiner (dunkelhäutigen) Frau bei unseren DDR-Besuchen häufig erleben müssen.
Die Ablehnung die uns da häufig entgegenschlug und die Behandlung durch Vertreter der Staatsmacht,
haben wir glücklicherweise in der Bundesrepublik nie erleben müssen.

Zum Thema Toleranz:
Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.
Das zugrundeliegende Verb tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“, „ertragen“) entlehnt.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#10

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 22.02.2014 20:55
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Lutze im Beitrag #7
was ist Toleranz im Kinderalter?,
ich hab ihr meinen Pelikan-Füller geschenkt,
seitdem wurde es besser,


Das geht für mich deutlich eher in Richtung Hilfsbereitschaft, meinetwegen auch Mitleid oder Einfühlungsvermögen. Toleranz ist für mich etwas anderes, aber das mag jeder für sich selber bestimmen.


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#11

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 00:59
von Moskwitschka (gelöscht)
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Was jetzt folgt, kann kein Drehbuchautor besser inszenieren.

An einem späten Samstagnachmittag im Herbst 1994, der Bundestagswahlkampf war in den letzten Zügen, fragte mich mein Sohn, ob er sich meinen Klammereimer, ein rotes 5l – Eimerchen ausleihen dürfe. Warum nicht. Er schnappte sich das Eimerchen, nachdem er die Klammern ausgekippt hat, schwang sich auf sein Fahrrad und ich konnte ihn gerade noch daran erinnern, dass er um 22 Uhr zu hause sein sollte.

Um 22.35 Uhr klingelte das Telefon. Ich war auf alle Ausreden meines Sohnes eingestellt – von Platten am Vorderrad des Fahrrades bis tolle Stimmung mit den Kumpels. Weit gefehlt. Es meldete sich ein Mitarbeiter des Polizeireviers und bat uns, unseren Sohn dort abzuholen. Mein Mann stink sauer und ich beunruhigt, setzten uns ins Auto, um den Sünder aus den Armen der Staatsmacht zu entreißen, ohne zu wissen, warum er dort gelandet ist.

Bei der Übergabe des Deliquenten wurde uns mitgeteilt, dass Mitarbeiter des „Staatsschutzes“ https://www.berlin.de/polizei/wir-ueber-...r/lka/lka5.html unseren Sohn der Sachbeschädigung überführt haben und ein Ermittlungsverfahren gegen ihn und seinen Freund eröffnet wird. Bei dem Wort „Staatsschutz“ war mein Mann schon milde gestimmt, ich verstand die Welt nicht mehr und wir fuhren schweigend nach hause. Zu hause angekommen, holte mein Mann drei Bier aus dem Kühlschrank und sagte nur: „Jetzt erzähl mal mein Junge.“ Was dann folgte – ich wusste nicht mehr, ob ich lachen oder heulen sollte.

Mein Sohn und sein Freund haben nach dem Anschlag auf den Afrikaner in der S – Bahn beschlossen, aktiv zu werden und die kopierten Handzettel in Niederschönhausen und Pankow nicht nur zu verteilen, sondern zu kleben. Sie haben sich an ihrer Schule verabredet, wo sie ihre Fahrräder angeschlossen haben und in meinem kleinen roten Klammereimer Tapetenkleister angerührt haben. Den Tapetenkleister und das Wasser hat der Kumpel in einem Kanister mitgebracht. Die Handzettel habe ich ja freundlicherweise kopiert und auch das Eimerchen spendiert.

Warum auch immer, die Aktion der beiden hat sich im Freundeskreis herumgesprochen. Und so waren sie nicht zu zweit, sondern es waren ca. 12 Jugendliche, die diese Aktion unterstützt haben. Und so zogen sie los und klebten überall „Gegen Nazis“. An Telefonzellen, bei Banken und Supermärkten. Besonders wirksam erschienen ihnen die Wahlplakate der zur Wahl stehenden Parteien. So zogen sie gemeinschaftlich von Niederschönhausen nach Pankow und klebten was das Zeug hielt und erreichten in Pankow Kirche das riesige Wahlplakat von Rudolf Scharping, dem sie auf die Brille links und rechts einen Handzettel klebten - „Gegen Nazis“.

Was sie nicht wussten oder als unbedeutend einstuften, dass genau an diesem Abend in ihrer Schule eine Wahlkampfveranstaltung der FDP mit Klaus Kinkel, dem damaligen Bundesaußenminister stattfand und Pankow einschließlich Niederschönhausen unter besonderer Beobachtung des „Staatsschutzes“ stand.

Auf dem Rückweg zur Schule, verabschiedete sich eine Kumpel nach dem anderen, so das sie zu zweit gerade ihr Fahrrad schnappen wollten, als neben ihnen mit quietschenden Reifen ein Auto hielt und sie nur noch hörten: „Wir haben sie!“ Dann ging alles sehr schnell. Die Beweisaufnahme endete vorläufig, als ein Beamter in mein Klammereimerchen mit Tapetenkleister griff und laut „Scheiße“ rief.

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


exgakl, DoreHolm, Lutze, polsam, Pzella 82 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.02.2014 01:07 | nach oben springen

#12

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 11:38
von Sperrbrecher | 1.654 Beiträge

Strafgesetzbuch

§ 303
Sachbeschädigung
.
(1) Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert.

(3) Der Versuch ist strafbar.


Vielleicht sollten sich die Eltern einmal fragen, welches Demokratie- und Rechtsverständnis sie ihren Kindern beigebracht haben ?


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


Heckenhaus hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.02.2014 14:12 | nach oben springen

#13

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 14:09
von Lutze | 8.033 Beiträge

welche Strafe hat dein Sohn und die anderen bekommen?
Lutze


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#14

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 14:21
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Welches Strafmaß würdest du denn vorschlagen @Lutze?


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#15

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 14:25
von passport | 2.631 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #9
Zitat von Moskwitschka im Beitrag #1
Mit allem habe ich damals gerechnet – Schwierigkeiten mit Schule und Berufswahl, Drogen und deren Begleiterscheinungen, Verführungen durch das glitzernde und vielfältige Konsumangebot, aber nicht mit dem Aufbrechen der Bösartigkeit der Menschen.

Nun ja, aber auch die DDR war nicht unbedingt ein Hort der Völkerfreundschaft, wie sie es immer im Munde geführt haben.
Da klafften Theorie und Realität, wie auch bei anderen Dingen, weit auseinander.
Das habe ich mit meiner (dunkelhäutigen) Frau bei unseren DDR-Besuchen häufig erleben müssen.
habeDie Ablehnung die uns da häufig entgegenschlug und die Behandlung durch Vertreter der Staatsmacht,
n wir glücklicherweise in der Bundesrepublik nie erleben müssen.

Zum Thema Toleranz:
Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.
Das zugrundeliegende Verb tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“, „ertragen“) entlehnt.



@Sperrbrecher

Na, dann berichte mal über deine Erlebnisse ! Für solche Dinge habe ich immer ein offenes Ohr !


passport


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#16

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 14:27
von Lutze | 8.033 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #14
Welches Strafmaß würdest du denn vorschlagen @Lutze?

ein paar Sozialstunden wären angebracht
Lutze


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#17

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 14:31
von Hans | 2.166 Beiträge

Mahlzeit, Gemeinde.....
Also...... An der Stelle mit dem Klammereimerchen mußte ich Ganz toll grinsen!
73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#18

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 15:29
von Moskwitschka (gelöscht)
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Die Höchststrafe war für ihn, dass er 4 Tage später in Begleitung eines Erziehungsberechtigten auf dem Polizeirevier zur Befragung erscheinen sollte. Er stand auf dem Standpunkt, dass es sein Ding gewesen sei und er das auch ohne Mama oder Papa durchsteht. Zumal er mich kannte und er befürchtete, dass ich mich einmischen würde. Auf dem Weg zum Polizeirevier habe ich dann auch Verhaltensregeln von meinem Sohn bekommen – Mama, du sagst nichts. Mein Mann ist daher lieber gleich im Auto geblieben.

Und da saßen wir nun beide dem Polizeibeamten gegenüber. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, teilte uns der Polizeibeamte die Erkenntnisse über den Hergang mit und ob mein Sohn dazu noch Ergänzungen hätte. Nein, sagte er. Auf de Frage, wer denn die anderen gewesen seien, die auch beobachtet wurden, sagte mein Sohn, dass er sie nicht kenne, da sie rein zufällig auf meinen Sohn und dessen Freund getroffen wären und spontan die Aktion unterstützt hätten. Dann kam die Frage, warum er diese Aktion durchgeführt hat. Im ruhigen Ton erklärte mein Sohn, dass er darauf aufmerksam machen wollte, dass es auch Menschen gibt, denen die Gewalt die von rechtsradikalen Jugendlichen ausgeht, nicht egal ist.

Die Befragung kippte in dem Moment, als der Polizeibeamte meinem Sohn empfahl, sich einer demokratischen Partei anzuschließen. Mein Sohn fragte nämlich darauf, ob er ihm ernsthaft den Vorschlag machen würde, sich der PDS anzuschließen. Der Beamte schluckte kurz und meinte, es gäbe ja noch andere. Mein Sohn darauf hin – Und genau die nehmen das Problem nicht ernst. Alle sind immer nur erschüttert, wenn was passiert.

Sowohl der Beamte als auch ich, waren erstaunt über die Reaktion meines Sohnes. Da er dem nichts entgegensetzen konnte, wurde ich ins Gespräch einbezogen. Ob es denn für mich normal sei, dass mein Sohn in der Nacht durch die Stadt zieht. Ich wies ihn darauf hin, dass es bei uns Regeln gibt, die mein Sohn einhält. Und wäre er nicht festgenommen worden, wäre er pünktlich um 22 Uhr wie verabredet zu hause gewesen. Ob ich denn wisse, was mein Sohn in seiner Freizeit macht. Ja war meine Antwort, aber nicht im Detail, was er minütlich denkt und macht. Ich kenne seine Freunde schon seit Jahren muss mir daher keine unnötigen Sorgen machen oder ständig kontrollieren. Ob ich den billigen würde, was mein Sohn getan hat. In dem Moment musste ich innerlich grinsen. Denn die Handzettel hatte ich ja vervielfältigt und auch mein Eimerchen spendiert.

Ich könne es nicht rückgängig machen, sagte ich. Es war eine Entscheidung meines Sohnes, bei der er mich nicht um Rat gebeten hat. Wahrscheinlich, weil ich ihm zu einen anderen Weg geraten hätte. Aber es sei das Recht der Jugend auf ihrem Weg auch Fehler zu machen. Es sei für ihn eine wichtige Erfahrung. Auch jetzt her bei ihnen zu sitzen und zu merken, dass alle hilflos dem Problem rechtsradikaler Gewalt gegenüber stehen.

Der Beamte klärte uns auf, dass die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eröffnet hat und wir dann vom Gericht Bescheid bekämen, ob und wann es zu einer Verhandlung kommt.

Einen Tag vor Weihnachten erhielten wir Post vom Staatsanwalt. Das Verfahren sei aufgehoben worden, weil alle Geschädigten auf eine Anzeige wegen Sachbeschädigung verzichtet haben und es das erste Mal gewesen sei, dass mein Sohn diesbezüglich auffällig und aktenkundig geworden sei.

Noch mal Glück gehabt, sagte ich zu meinem Sohn. Knapp ein halbes Jahr später war es kein Glück, auch kein Unglück, sondern pure Gewalt.

Fortsetzung folgt

LG von der Moskwitschka


Lutze, polsam, exgakl, Damals87 und Svenni1980 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 15:59
von Sperrbrecher | 1.654 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #15

@Sperrbrecher
Na, dann berichte mal über deine Erlebnisse ! Für solche Dinge habe ich immer ein offenes Ohr !
passport

Was soll denn das jetzt noch bringen ?
Was geschehen ist, ist geschehen, lässt sich nicht mehr rückgängig machen..

Meine Frau, die bereits vor unserer Eheschließung viel gereist war und sich mit den Gepflogenheiten der Grenzer/Zöllner
in etlichen Ländern auskannte, war vom rüden Umgangston der DDR-Grenz-Bediensteten jedenfalls geschockt.

Das hatte sie in einem Land, das sich sozialistisch nannte, nicht erwartet. Ihre politischen Ambitionen in Richtung
Sozialismus/Kommunismus hat sie dann nach ihren Erfahrungen im "real existierenden Sozialismus" auch recht
bald abgelegt. Da stellte sich dann doch etwas anders dar, als sie es in der einschlägigen Fachliteratur gelesen
und von den jeweiligen Parteifunktionären erzählt bekommen hatte.

Sicher habe ich mit meiner persönlichen Haltung zur DDR auch einiges dazu beigetragen, um sie
von ihrer vorherigen Fehleinschätzung zu kurieren.

Da die DDR das erste Land im damaligen Ostblock war, welches sie besuchte, hat der dort herrschende Sozialismus
und die gemachten Erfahrungen mit ihm, einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen.

Ebenso erging es ihr mit der Behandlung ihrer Person in der DDR-Gastronomie, wobei wir mit Sicherheit nicht in
irgendwelchen Kaschemmen verkehrten, sondern eher in der gehobenen Interhotel Umgebung. Die dort gemachten
Erfahrungen als Dunkelhäutige, hatte sie noch nirgendwo in einem anderen Land erlebt.

Natürlich hat sie diese Erkenntnisse beim nächsten Heimatbesuch, den sozialistisch Begeisterten Vertretern dieser
politischen Richtung auch prompt unter die Nase gerieben. Sie hat somit erhebliche Reklame für die DDR und dieses
politische System gemacht. Wenn auch etwas anders, als es wohl erwünscht gewesen wäre.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


zuletzt bearbeitet 23.02.2014 16:49 | nach oben springen

#20

RE: Aus dem Alltag einer Gutmenschin

in Themen vom Tage 23.02.2014 16:14
von Heckenhaus | 5.129 Beiträge

Der gute Willen und der Tiefere Sinn dieser Zettelaktion mag löblich sein, spontan einem unausgereiften Verstand entsprungen.
Glücklicherweise ohne größere Konsequenzen, aber: Würde jeder seine Meinungen, Proteste, Wünsche mittels Zettelkleben
offenbaren, sähe es in den Städten bald aus wie in der Bronx. Die Zeit der Wahlplakate genügt bereits, um aus einem sauberen
Stadtteil bald eine Papierhalde zu machen. Besonders, weil diese Plakate selten nach den Wahlen abgeräumt werden, was
mit den Anti-Nazi-Zetteln gewiß ebenfalls nie passiert wäre.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
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