#101

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.07.2009 15:49
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von manudave
@FSK-Veteran
Ich glaube, niemand hat (zumindest im Forum) hier vor, jemandem Vorwürfe zu machen und gleich gar nicht Pauschal.
Aber viele wollen eben auch die Hintergründe erfahren, warum jemand sich so hat einbinden lassen. Rainman z.B. gibt hier immer sehr gute Infos, wie und warum er zu seiner damaligen Meinung gekommen ist und wie er das heute sieht.
Ein Problem ist aber auch ein wenig, dass eine nur die Erste Diktatur sehen und die zweite als "frech" o.ä. bezeichnen und da geht eben vielen, die sich damit beschäftigen, die Hutschnurr hoch.


Hallo manudave,

und das nächste Problem ist, dass einige sich, obwohl sie der "zweiten Diktatur" dienten, als Antifaschisten verstanden haben und sich vielleicht heute auch noch so verstehen. Sie einfach pauschal in eine Ecke mit den Faschisten zu stellen, kann da schonmal zu einer Gemütsbewegung führen, oder: Da geht auch denen mal die Hutschnur hoch. Und auch wenn das vielleicht "frech" klingt: Wenn zwei das Gleiche tun, ist noch lange nicht dasselbe.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#102

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.07.2009 16:43
von trafo (gelöscht)
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na, mal zurück zum eigentlichen Übel !

Nach Kriegsende hat man unterschieden! Ansonsten hätten ja wohl kaum Männer der Wehrmacht wieder ein normales Leben führen können!
Wie verstehe ich also "Altnazi?( ein alter den Krieg überlebender Wehrmachtler) oder eher ein Nazi der alt geworden ist und heute noch "Sieg Heil ruft" ?????????

Zur Frage wer schlimmer ist, muß man also schon mal genau hinterfragen und das ist auch das Problem mit der Stasi!
Ich kenne einen Fall persönlich bei dem ein sehr guter Mitarbeiter innerhalb einer halben Stunde seinen Arbeitsplatz in einer Stadtverwaltung räumen mußte nur weil er drei Jahre im Wachregiment gedient hat. Er war Sportler und wollte unbedingt Sport weiter machen dieser "Stasilump".
Was mich beunruhigt ist die Pauschalisierung aller Nazi und Stasi Mitarbeiter, alles in einen Topf, vom Schreiber in der Wehrmacht oder dem Wachregiment bis zum "Ich Liebe Euch doch alle" und Adolf Hitler! Ich war nie bei der Stasi und hab nur meinen GWD gemacht, aber so lange noch selbst 20 Jahre nach der Wende, die kleinen die Prügel einstecken müssen und jeder Bonze nun seine eigene Firma hat, so lange trennt uns noch die Mauer, die Mauer in den Köpfen! Es ist an der Zeit endlich einen Frieden zu machen !
Also nicht fragen wer war schlimmer sondern Vergleichen, möglichst genau !!!!!!! und dann mal einen Schluss- Strich ziehen !!!!!!!!
In einer Demokratie wie sie die BRD vorweisen kann, sollte das doch möglich sein oder ?
Für mich persönlich sind Nazi und MFS, Instrumente der Herrschenden Klasse, Kapital und Diktatur des Proletariats!
Heute sind für mich die schlimmeren lumpen, sogenannte Manager die Millionen verdienen, saumäßig Arbeiten und skrubellos protzen, die schaden unserem Land mehr wie der Wehrmachtsschreiber und der MFS Mitarbeiter der bespitzelte !!!

Freiheit auch für anders Denkende !
nun endlich !!!!!!!!!



Gruß
Trafo



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#103

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.07.2009 18:09
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Zitat von manudave
Hallo Rainman,

wie schon einmal erwähnt, finde ich diesen Vergleich auch nicht angebracht. Vergleiche kann man sicher in einzelnen Bereichen ziehen, aber dass könnte man mit jedem Geheimdienst auf der Welt - sonst wären es ja keine.
Natürlich war die Gestapo ein todbringendes Instrument der Nazi-Diktatur und die Methoden von Folter und Internierung, um später massenhaft hingerichtet zu werden, unterscheidet natürlich diese beiden Geheimdienste.

Deshalb noch einmal: So ein Vergleich ist unsinnig.

Jedoch muss ich Zermatt widersprechen:

Auch wenn es nur ein Scherz war:

Die Stasi war alles andere als ein Knabenchor. Auch sie hat Leid, Tod und Unglück über viele Menschen gebracht - und das halte ich nicht für "frech" sondern für menschenverachtend.


Mein lieber manudave,jetzt verdreh mir bitte nicht die Wörter im Mund,das war kein Scherz,ich habe es nur "überspitzt"
formuliert.Natürlich hat das MFS Leid,Tod und Unglück gebracht,da sind wir uns einig.



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#104

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 30.07.2009 19:43
von manudave (gelöscht)
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In Antwort auf:
Sie einfach pauschal in eine Ecke mit den Faschisten zu stellen,


Na mein großer Admin-Kollege,

ich habe lang gesucht, um den Satz zu finden, in welchem das steht oder man das zwischen den Zeilen finden könnte.

Hab nix gefunden.

Vielmehr eher Texte die ausdrücklich das gegenteilige enthalten, sprich ein Vergleich oder gar eine Gleichstellung sind falsch.


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#105

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 08:01
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Zitat von Rainman2
Hallo manudave,

und das nächste Problem ist, dass einige sich, obwohl sie der "zweiten Diktatur" dienten, als Antifaschisten verstanden haben und sich vielleicht heute auch noch so verstehen. Sie einfach pauschal in eine Ecke mit den Faschisten zu stellen, kann da schonmal zu einer Gemütsbewegung führen, oder: Da geht auch denen mal die Hutschnur hoch. Und auch wenn das vielleicht "frech" klingt: Wenn zwei das Gleiche tun, ist noch lange nicht dasselbe.

ciao Rainman


Sofern diese "Antifaschisten" nach dem Krieg aus der Sowjetunion "importiert" wurden. Wo die Menschen teilweise einfach verreckt sind....
Nachdem diese "Antifaschisten" miterlebt haben, wie ohne Vorwarnung ein Genosse nach dem anderen in "Nacht und Nebel"-Aktionen abgeholt wurden.....

Egal, ob Ausländer oder Russe. Millionen von Sozialisten und Kommunisten.....

Die zum Teil mit dem Ruf "Es lebe Stalin" auf den Lippen in irgendwelchen Kellern erschossen wurden...

Diese "Antifaschisten", die also miterlebt haben, wie dieses System sich in einen Blutrausch u.a. gegen Humanisten und Idealisten aus dem eigenen Lager begeben hat...

Und diese "Antifaschisten" kommen nun nach Deutschland:
Und belügen und verblenden Schulkinder und Jugendliche durch Erzählungen von der gänzenden Sowjetunion und ihrem Genie J.W.Stalin...
...die es wert sind, auf ewig heiß geliebt zu werden....

.... diese "Antifaschisten" stelle ich aber ganz genau in eine Reihe mit jedem x-beliebeigen KZ-Aufseher. Der mir etwas erzählt von Ariern und Untermenschen. Und der der Ansicht ist, daß man die Gegner ausrotten muß, wie Ungeziefer. Der gleichen Ansicht war Stalin nämlich auch (obwohl es sich zu einem großen Teil bei diesem Irren nur um "eingebildete Gegener": weil nämlich um die eigenen Genossen handelte). Alle diese "Antifaschisten" in der SU, die fleissig Loblieder auf Stalin gesungen haben, je mehr Genossen er massenhaft zu "Geständnissen" foltern und schließlich hinrichten ließ....
"Antifaschisten", wie Erich Mielke, die Texte voll Liebe und Bewunderung gedichtet und vorgetragen haben. Und später in der DDR als "Vorzeige-Antifaschisten" allen ernstes behaupteten, daß es sich bei dem geliebten J.W.Stalin um den größten Führer der Arbeiterklasse aller Zeiten handelt...


Das kenne ich doch irgendwo her?

Ach ja:... GRÖ-FAZ!


Den "Gröfaz": so nannten die verbitterten Berliner in den Bombenkellern verächtlich Adolf Hitler.

Bedeutete: GRÖsster Führer Aller Zeiten....



zuletzt bearbeitet 31.07.2009 08:14 | nach oben springen
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#106

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 08:21
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo FSK-Veteran,

wir haben sehr unterschiedliche Auffassungen vom Begriff des Antifaschismus. Ein Streit zu diesem Thema lohnt sich nicht. Wahrscheinlich kenne ich mehr Leute mit dieser politischen Grundhaltung und habe dazu eine etwas differenziertere Auffassung. Es gab und gibt nicht nur Stalins und Mielkes.

Bis neulich im Forum
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#107

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 08:30
von sentry | 1.077 Beiträge

...mag ja alles richtig sein FSK. Aber vielleicht solltest Du nicht so auf dem Begriff "Antifaschisten" 'rumreiten. Damit verletzt Du viele Lebende und Toten ungerechtfertigt.

Auch unter den von Dir erwähnten "Millionen von Sozialisten und Kommunisten" waren sicher viele Antifaschisten. Denen tust Du mit Deiner pauschalen Abstrafe ordentlich unrecht - und sicher auch denen, wie vielleicht Rainman, die man allein schon wegen ihres Alters nicht unbedingt als Stalinisten, aber möglicherweise voll auf als Antifaschisten bezeichnen kann.

Also immer ruhig Blut, dann klappts auch mit dem, ääh der Diskussion.


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#108

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 08:30
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Lieber Rainman2

das mag sein. Wer jedoch aus dem Exil der Sowjetunion als "Antifaschist" nach Deutschland kam, hatte folgendes erlebt:

In Antwort auf:
Bis 1989 ließen sich die "weißen Flecken" in der Geschichte des Stalinismus wegen der verschlossenen russischen Archive nur unzureichend erforschen. Obgleich über Strukturen und Methoden der stalinistischen Herrschaft Wesentliches bekannt war, war es häufig nicht möglich, den Verlauf der Untersuchungen und die dabei angewandten Methoden detailliert nachvollziehen. Als nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und ihrer Satellitenstaaten in Osteuropa die Archive geöffnet wurden, kamen zahlreiche bis dahin unbekannte Details über Intentionen, Umfang, Struktur und Formen der Säuberung zu Tage. Zugleich enthüllten die nun zugänglichen Akten die erschreckenden Dimensionen des Terrors - insbesondere der stalinistischen Folterpraxis. Im Wesentlichen bestätigen die seither bekannt gewordenen Fakten, was bereits früher vor allem Leo Trotzki in seinen fundierten Analysen über die Funktion und die Mechanismen der stalinistischen Säuberungen ausgeführt hatte.

Es ist ein entscheidendes Charakteristikum des Stalinismus, das unter seiner Herrschaft vorrangig Mitglieder, Führer und Funktionäre der herrschenden (kommunistischen) Partei verfolgt und ermordet wurden. Der stalinistische Terror richtete sich jedoch nicht allein gegen Kommunisten mit KPdSU-Parteiausweis. Auch die Mitglieder und Funktionäre ausländischer kommunistischer Parteien, die auf der Flucht vor den Schergen Hitlers in der Sowjetunion Asyl gefunden hatten, wurden Opfer von Stalins Verfolgungen. Wer hoffte, in Stalins Reich vor Verfolgungen und Nachstellungen in Sicherheit zu sein, der erlag einer oft tödlich endenden Täuschung. Permanente Überwachung, gegenseitige Bespitzelung und traumatische Angst bestimmten den Alltag der Moskauer "Politemigranten". Eine erste Verfolgungswelle unter deutschen Kommunisten richtete sich 1934/35 gegen bereits zuvor als Versöhnler stigmatisierte Parteimitglieder. In den Konstrukten der stalinistischen Geheimpolizei NKWD wurden diese dann als "Rechte" mit den "Trotzkisten" zu einem fiktiven "rechtstrotzkistischen Block" vereinigt. Gleichzeitig gelang dem NKWD die "Aufdeckung" angeblicher "faschistischer Verschwörungen" zum Beispiel in der Redaktion der Deutschen Zentral-Zeitung.

Nach einer Anordnung des späteren Volkskommissars für Innere Angelegenheiten, Nicolai I. Jeshow, verschärfte das NKWD Mitte 1935 die Verfolgung der "Trotzkisten". Dabei sollten sämtliche "ehemaligen Trotzkisten" aufgespürt und "liquidiert" werden. Die nun anlaufende Verhaftungswelle diente auch dazu, angebliche Mittäter und "Geständnisse" für die Vorbereitung des geplanten Schauprozesses gegen das "trotzkistisch-sinowjewistische" Zentrum vorzubereiten, der schließlich im August 1936 stattfand. Nach verschiedenen von Stalin und dem Politbüro initiierten und bestätigten NKWD-Direktiven Anfang 1936 wurde auch unter den deutschen Politemigranten in der Wolgarepublik verstärkt nach Trotzkisten gesucht. Im Frühjahr 1936 glückte dem NKWD schließlich auch hier die "Aufdeckung" einer "trotzkistischen Verschwörung". Dem Konstrukt einer anfänglich aus zehn Personen bestehenden "konterrevolutionären, trotzkistisch-faschistischen, terroristischen Organisation" um Willi Leow wurden nach erfolterten Geständnissen und dem Prinzip der Kontaktschuld schließlich 47 Personen und 6 Gruppen zugeordnet. Ähnliche Gruppen deckte das NKWD in Leningrad, Moskau und der Ukraine auf. Im März 1938, in der Hochphase des Großen Terrors, hatten bereits 70 Prozent der KPD-Mitglieder in der Sowjetunion ihre Exil-Unterkunft mit einer Gefängnis- oder Kerkerzelle der stalinistischen Geheimpolizei vertauscht.



Quelle/der komplette Beitrag:
http://www.wsws.org/de/2002/mar2002/stal-m01.shtml

Wer angesichts dieser Kenntnisse die deutsche Jugend nach dem Kriege mit "Lobliedern und Gedichten der heißen Liebe" zu J.W Stalin malträtiert, ist ein Verführer. Eher ein Menschenfeind, als Menschenfreund....


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#109

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 08:41
von FSK-Veteran (gelöscht)
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@sentry:

Fakt ist für mich, daß der größte Teil der DDR-Führungselite nach allem, was in der SU passiert ist, weiterhin Stalin gelobpreist hat. Und ihn verehrt hat. Mielke wahrscheinlich bis zum Schluß.

Wenn man sich jetzt vom rein ideologischen Denken befreit, kann man nur feststellen: diese Leute haben bewußt einen Massenmörder und sein mörderisches System hofiert. Ihr größtes Glück wäre es gewesen, dieses mörderische System über die ganze Erdkugel auszubreiten....

"Germania" hätte dann wohl "Moskva-nia" geheißen..


zuletzt bearbeitet 31.07.2009 08:41 | nach oben springen
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#110

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 09:20
von wosch (gelöscht)
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Zitat von Rainman2
Hallo FSK-Veteran,

wir haben sehr unterschiedliche Auffassungen vom Begriff des Antifaschismus. Ein Streit zu diesem Thema lohnt sich nicht. Wahrscheinlich kenne ich mehr Leute mit dieser politischen Grundhaltung und habe dazu eine etwas differenziertere Auffassung. Es gab und gibt nicht nur Stalins und Mielkes.

Bis neulich im Forum
ciao Rainman


Hallo Rainman!
Im Namen des Antifaschismusses ist aber auch viel Unrecht fabriziert worden und der Begriff "Antifaschismus" ist gerade von jenen mißbraucht worden, die vorgaben eine Welt ohne Unrecht, zum Wohle der Menschheit zu schaffen! Wer von denen die Macht hatte, hatte nie Skrupel gleiche Methoden anzuwenden wie ihre schlimmen Vorgänger. Deswegen lohnt sich ein Streit über dieses Thema meines Erachtens gerade bei differenzierten Ansichten hierzu. Ich sehe darin auch keinen pauschalen Angriff auf alle sogenannten "Antifaschisten". Ja , es gab nicht nur Stalins und Mielkes, es gab auch noch die Ulbrichts und Honneckers und mehr als tausend Mauertote am, wie hieß der doch noch gleich: "Antifaschistischen Schutzwall"!
Schönen Gruß aus Kassel


zuletzt bearbeitet 31.07.2009 09:22 | nach oben springen
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#111

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 09:29
von FSK-Veteran (gelöscht)
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Zitat von wosch
....wie hieß der doch noch gleich: "Antifaschistischen Schutzwall"!
Schönen Gruß aus Kassel


...und da ich hinter diesem "Antifaschistischen Schutzwall" lebte, war ich dann wohl....

....ich wußte doch, daß irgendwas mit mir nicht ganz stimmt!


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#112

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 12:12
von sentry | 1.077 Beiträge

Na gut, meine Message war, vielleicht nicht so sehr auf dem Begriff "Antifaschismus" rumzureiten. Das scheint einigen erheblich schwerer zu fallen als gedacht. Die nachfolgenden Artikel machen im Grunde nur genau das.

Vielleicht ist es angebracht, mal über die eigentliche bedeutung des Wortes im Gegensatz zu der inflationären Nutzung in der DDR nachzudenken. Dass die Mauer vor Faschisten schützt, hat wahrscheinlich nicht mal Ulbricht geglaubt.

Aber, FSK, genauso dämlich wie es wäre, aus "Antifaschistischer Schutzwall" abzuleiten, alle die da hinter leben, sind Faschisten, wäre es doch auch zu sagen, weil die Elite-Antifaschisten alle Stailinisten waren, sind auch alle anderen Antifaschisten Stalinisten - macht das Sinn?

Vielleicht 'mal ein anderer Gedankengang: Warum haben sich denn die Super-Stalinisten in der DDR ("Mielke wahrscheinlich bis zum Schluß") nach Stalins Tod so schnell von allen Stalin-Bildern, Stalin-Alleen und allen anderen personenkultigen Andenken getrennt? Irgendwie passt das doch mit der dauerhaften Weiter-Lobpreisung nicht zusammen.
Haben die sich denn in Wandlitz vor dem Stalin-Schrein getroffen und zu Josef gebetet, oder wie lief das ab?
Ich hatte im täglichen Leben in den 70ern und 80ern eher den Eindruck, dass der Name Stalin genauso wenig in den Mund genommen wurde, wie Jesus oder Mao.


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#113

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 14:34
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Hallo sentry,

ich glaube, da hast Du Antifaschisten aus bürgerlichen, sozialdemokratischen, trotzkistischen und vielen anderen Kreisen aus dem Herzen gesprochen. Die politisch-ideologische Besetzung eines Begriffes kann den Begriff zwar in der entsprechenden Zeit verunklaren, aber die Nachfolgenden entscheiden, ob der Begriff wieder in eine klarere Form geführt werden kann. Ich denke, dass Antifaschisten um den Begriff des Antifaschismus bemüht sein werden. Das geht aber von dem Vergleich Alt-Nazis und Alt-Stasis weg.

@all:

Ich hätte mal noch paar Argumentchen am Rande zu diesem Thema. Die Härte, mit der die Herrschenden in der DDR gegen Andersdenkende und gegen nach ihrer Auffassung Feinde vorgegangen sind, hat ihre Ursachen nicht nur in einer einfachen Entartung von Macht, die es letztlich dann aber doch wurde und war. Die Erfahrungen der Oktoberrevolution und der Kämpfe der 30-er/40-er Jahre gegen den Faschismus haben bei vielen der alten Kämpfer Haltungen hervorgebracht, die später nicht revidiert wurden, schon garnicht als es immer mehr bergab ging.

Ich erinnere mich an einen Auftritt von Kurt Seibt(*) 1989 bei uns an der Militärpolitischen Hochschule. Nach seinem Vortrag wandte sich ein Studienfreund (ürigens Angehöriger des MfS) an mich und sagte: "Sag mal, das letzte, was der geschnallt hat, war doch wohl der Mauerbau!". Das war keine Provokation, es entsprach seiner Auffassung ebenso wie meiner. Es war die einzige unmittelbare Erfahrung, die ich mit einem der "alten Genossen" in der Führungsriege machen konnte. Selbst wir 30-jährigen Parteikader konnten den Grundhaltungen der alten Herren, so sie so offen postuliert wurden, nichts abgewinnen. Bei Seibt sagten wir uns, nun gut, er ist ein alter Mann ... Es ist erstaunlich, wie sehr es einen beeinflusst, wenn man bestimmte Dinge nicht sehen will. Hätte man uns damals gefragt, ob wir Antifaschisten sind, hätten wir, genau wie Kurt Seibt, sofort ohne mit der Winper zu zucken "Ja" geantwortet. Allerdings schloss unser Antifaschismus damals noch nicht das Wissen um unseren Missbrauch ein. Mein Studienfreund wandte sich im Mai 1989 mit dem Hinweis an mich, dass Mielke langsam durchdrehe und wenn das so weiterginge, wir bald auf die Straße gestellt würden, um auf die Leute zu schießen. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich dieser Schlussfolgerung wenig Glauben entgegen bringen, aber das Vorhaben war, diesbezügliche Befehle zu verweigern. Ich erinnere mich auch noch an den Empfang von Schlagstöcken und Knebelketten im Oktober 1989 bei meinem kurzen Einsatz an der tschechischen Grenze. Ich erinnere mich an mein Gefühl und an die Erneuerung meines Vorhabens, mich nicht gegen das Volk und seinen Protest einsetzen zu lassen.

Und das ist das Ergebnis eines wichtigen Unterschiedes zum Faschismus. Der Faschismus hat aus seinen Zielen (Nationalismus, Herrschaft über die Welt unter Einschluss von Krieg und Völkermord) keinen Hehl gemacht. Wer deutscher Faschist ist, will Deutschland an die Spitze in der Welt bringen, koste es, was es wolle. Wir sind in dem Glauben erzogen worden, der Sozialismus sei die bessere Zeit der Menschheit. Worte wie Frieden, Völkerverständigung, Solidarität, soziale Sicherheit mögen gesellschaftlich gesehen in der DDR schon Phrasen gewesen sein. Für mich und viele andere, die in ihrer Jugend bereit waren, Kader in der Partei, der Armee oder auch im MfS zu werden, waren solche Worte ein Programm für die Zukunft. An einer ganz bestimmten Stelle musste diese, unsere Überzeugung allerdings mit dem eigentlichen Kurs unserer Machthaber kollidieren und das tat sie spätestens im Herbst 1989. Unter anderem auch aus diesem Grund gab es bei uns, anders als in Rumänien, auch keine MfS-Leute, die aus eigenem Antrieb auf das Volk schossen. Aus diesem Grund war ein großer Teil des Offizierskorps, bis hin zu Generalen, nicht bereit, Truppen in Marsch zu setzen. Der Faschismus mit seinen Fanatikern musste durch die geballte militärische Kraft einer ganzen Welt zu Boden gerungen werden. Bei uns reichten das eigene Volk und friedliche Mittel.

Ich möchte nichts von dem beschönigen, was wir in unserer blinden Gläubigkeit an das System an Unrecht getan, oder in welcher Form wir das Unrecht mit gestützt haben. Nichts von den Verbrechen darf unter den Tisch geraten. In vielen anderen Bereichen dieses Forums laufen genau dazu ja auch schon Diskussionen. Aber hier geht es um einen ganz bestimmten Vergleich. Und das hier sollte mein Beitrag zu dem Vergleich sein.

ciao Rainman


(*)Kurt Seibt (1908-2002) - Mitglied des Zentralkomitees der SED, Vorsitzender der Zentralen Revisionskommission der SED und Vorsitzender des Solidaritätskomitees der DDR - zum Zeitpunkt seines Auftritts an der MPHS 81 Jahre alt.


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 31.07.2009 15:27 | nach oben springen
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#114

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 18:37
von dein1945 (gelöscht)
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[quote="sentry"]
Vielleicht 'mal ein anderer Gedankengang: Warum haben sich denn die Super-Stalinisten in der DDR ("Mielke wahrscheinlich bis zum Schluß") nach Stalins Tod so schnell von allen Stalin-Bildern, Stalin-Alleen und allen anderen personenkultigen Andenken getrennt? Irgendwie passt das doch mit der dauerhaften Weiter-Lobpreisung nicht zusammen.
Hallo sentry,
hatte eigentlich vor mich an diesem Thema nicht zu beteiligen, fehlt mir einfach das Wissen. Nur zur Info, die Stalin-Allee in Ostberlin wurde erst am 13.11.1961 in Karl-Marx-Allee umbenannt, also erst drei Monate nach dem Mauerbau, in gleicher Nacht wurde auch das Stalindenkmal abgerissen, wohlbemerkt NACHTS, es sollte wohl keiner mitbekommen. Da war Stalin allerdings schon achteinhalbjahre Tod. Wenn Du heute die Karl-Marx-Allee vom Strausberger Platz in Richtung Frankfurter Tor fährst, siehst Du rechts und links zurückgesetzt Plattenbauten, die nicht zu den Zuckerbäcker-Bauten passen. Rechts stand Stalin und links eine Sporthalle die man anläßlich der Jugendspiele 1951 errichtet hatte, nur soviel dazu,
schönen Abend aus Berlin


zuletzt bearbeitet 31.07.2009 18:41 | nach oben springen
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#115

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 20:17
von wosch (gelöscht)
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Unter anderem auch aus diesem Grund gab es bei uns, anders als in Rumänien, auch keine MfS-Leute, die aus eigenem Antrieb auf das Volk schossen. Aus diesem Grund war ein großer Teil des Offizierskorps, bis hin zu Generalen, nicht bereit, Truppen in Marsch zu setzen.

ciao Rainman

Hallo Rainman!
Den Hauptgrund dafür das nichts Schlimmeres passiert ist, sehe ich in erster Linie nicht in dem besonnenen Wesen einiger MfS-Generale, sondern in deren Wissen, daß sie diesmal keine "brüderliche Hilfe" von der Roten Armee (wie 1953)erwarten konnten. Gorbi hatte diesbezüglich deutliche Zeichen gesetzt!! Zur besseren Erinnerung: Bei den Aufständen am 17. Juni vermochte die DDR-Führung mit eigenen Kräften die Situation nicht in den Griff bekommen und ließ die Drecksarbeit die Russen machen. Die Machthaber 1989 wußten ganz genau, daß sie sich nicht auf ihre eigenen Soldaten zum Schiessen auf das eigene Volk verlassen konnten und wenn sie die "chinesische Lösung" versucht hätten, sie diese nicht durchstehen konnten. Budapest 1956 und Rumänien ein paar Jahre später hatte man nicht vergessen! Aus welchen Gründen auch immer, Es ist gut das nichts dergleichen passierte, aber in erster Linie ein großes Dankeschön an Michael Gorbatschow.
Schönen Gruß aus Kassel




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#116

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 21:48
von skbw | 216 Beiträge

Hallo wosch,

an eine "chinesische Lösung" möchte ich gar nicht denken. Doch die Gefahr bestand durchaus. Daß es nicht dazu kam, war zumindest am 09.11. nicht Gorbi`s Verdienst, sondern das der diensthabenden Grenzer und PKE-Kräfte (MfS). Durch die Dummheit Schabowski würden eben diese Kräfte unvorbereitet vor die Wahl gestellt. Grenzsicherung oder Grenzöffnung? Zur Erinnerung - In meiner Einheit musste ich die erhöhte Gefechtsbereitschaft herstellen. Es hätte auch anders kommen können. Rainman hat geschrieben, warum es nicht dazu kam.

Bis bald , skbw

PS: Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende auf der "Zissel". Leider muß ich arbeiten und werde das Drachenbootrennen verpassen.


" Man kann nur zu einer eigenen Meinung gelangen, wenn man offen sein kann und sich auch irren darf. "

Maxie Wander
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#117

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 22:28
von wosch (gelöscht)
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Hallo skbw!
Ich habe mit meinem Beitrag nicht die Vorgänge vom 9. November gemeint, sondern beziehe mich auf die großen Demonstrationen in Leipzig und anderswo als man rief: "Nieder mit der SED, Stasi in die Produktion, Wir sind das Volk und wir sind ein Volk"!!! Damals hätte so mancher von den Hohen Herren die chinesische Lösung vorgezogen, wenn die Rückendeckung aus Moskau da gewesen wäre. Dieses ist meine feste Überzeugung!! Übrigens gehört hatte ich später, daß gewisse Einheiten mit scharfer Munition im Leipziger Umland schon bereit gestanden hätten. Wie gesagt, das hatte ich von einem der dabei gewesen sein wollte nur gehört.
Ob das stimmte, vielleicht bekomme ich hier ja eine Antwort?!
Was den Zissel anbetrifft, das Wetter soll ja schön werden. Allerdings bin ich aus dem Alter mittlerweile auch schon raus und einmal rüberlaufen sollte für mich reichen.
Schönen Gruß aus und nach Kassel


zuletzt bearbeitet 31.07.2009 22:33 | nach oben springen
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#118

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 23:21
von skbw | 216 Beiträge

Hallo wosch,

bei den Demonstrationen in Leipzig u.a. habe ich eigentlich nur den Ruf: "Wir sind das Volk!" herausgehört. Es ging da noch vorallem um Reisefreiheit, freie Wahlen und andere grundlegende Rechte. Die anderen Passagen hätten meiner Meinung nach eine noch härtere Gegenreaktion Seitens der Ordnungshüter nach sich gezogen.
Wenn Rückendeckung aus Moskau bestanden hätte, dann wäre es nicht zu diesen Demonstrationen gekommen, weil es dann auch keine Perestroika in der SU gegeben hätte. Der Zerfall des soz. Lagers ging nicht von der DDR aus, sondern "schwappte" zu uns rüber.
Das bewaffnete Einheiten im Leipziger Umfeld bereit standen, habe ich auch gehört. Da ich aber im täglichen Grenzdienst war, wurden wir dafür nicht vorgesehen. Und das war auch gut so.

Bis bald, skbw


" Man kann nur zu einer eigenen Meinung gelangen, wenn man offen sein kann und sich auch irren darf. "

Maxie Wander
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#119

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 31.07.2009 23:53
von Rostocker | 7.717 Beiträge

"Wir sind das Volk!" war der Ruf----Wir sind ein Volk---die Losung kam erst nach H.Kohl seinen ersten Auftritt im Osten.Als Herr H.Kohl noch die Hand von Wolfgang Schnur hochhielt.Ja und ein Herr Schnur war plötzlich von der politischen Bühne verschwunden.Ja warum? Möchte mich nicht weiter dazu äußern.Aber da ging es schon um Wahlkampf.


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#120

RE: Die Alt-Nazis waren schlimmer als die Alt-Stasis

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.08.2009 00:08
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von skbw
Durch die Dummheit Schabowski würden eben diese Kräfte unvorbereitet vor die Wahl gestellt. Grenzsicherung oder Grenzöffnung? Zur Erinnerung - In meiner Einheit musste ich die erhöhte Gefechtsbereitschaft herstellen. Es hätte auch anders kommen können. Rainman hat geschrieben, warum es nicht dazu kam.



Naja, man könnte es aber auch etwas anders sehen. Wenn nun Schabo das nicht so explizit vorgelesen hätte, dann wäre es am Folgetag vielleicht geordneter abgelaufen. Sicher bin ich mir da aber nicht. Aber das Reisegesetz stand. Und das haben auch die härtesten PKEler an der Grenze erkannt. Wer kommt denn dann noch auf die Idee auf Leute zu schiessen, wenn klar ist, das sie in 10 Stunden doch eh rüber dürfen? Wer will denn da noch eine Sicherung machen? Zumal seit April 1989 gar nicht mehr so ohne weiteres geschossen werden durfte.
Ich sehe es so, das es mit dem Reisegesetz schon vorbei war. Und hier hätte vorab eine klare Info rausgehen müssen. Aber die Zeiten befanden sich eben im schnellen Wandel.
Und die Menschen konnten erstmals ihren gesunden Verstand einsetzen- freie Entscheidungen war doch ein DDR-Bürger gar nicht gewohnt, kein Russe oder eine von ihm geführte Marionette gab vor was zu tun war. Und genau deshalb war das mit der Gefechtsbereitschaft nur Makulatur.

Gruß, Augenzeuge


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