#41

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 21:34
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von ek40 im Beitrag #40
Zitat von DoreHolm im Beitrag #37
Zitat von ek40 im Beitrag #34
Zitat von SET800 im Beitrag #27
Hallo,
wieviel "Opfer" gäbe es ohne jede Aussicht diese Rolle zu Geld machen zu können?

Entschuldigung,eine ganz miese Aussage!
Genau solche Zeilen sind es,die auch verklären und man diffamiert Opfer dieses ehm. soz.Systems auf deutschem Boden.
ek40


Grün: So ganz von der Hand weisen würde ich das nicht. Wer von den wirklichen Opfern auch gleichzeitig Realist ist und das Emotionale mal etwas beiseite läßt, fühlt sich da nicht gemeint. Er weiß aber auch, daß es auch Leute gibt und die sind sicher z.T. auch in diesen Kreisen unter ihnen selbst als solche bekannt, die wirklich nur Trittbrettfahrer sind, um Vorteile für sich herauszuholen oder auch nur, um sich interessant zu machen. Solche Leute gibt es in allen Bereichen, ob nun Häftlinge (auch die nach heutiger Gesetzeslage auch zu denen gehören), Heiminsassen, Widerstandskämpfer im WK 2, verhinderte Studenten u. andere "Opfer der SED-Diktatur". Bevor hier ein Sturm der Entrüstung losbricht, ich meine ganz klar nur diejenigen, die kaum einer aus diesem Forum hier wirklich eine Opferrolle zugestehen würde. Wenn da eine Entschädigung in fünfstelliger Höhe winkt, ist das für so manchen eine Motivation, seine Biographie etwas zu frisieren und zu dramatisieren. Das zwar kein schöner Charakterzug, aber eben menschlich nachvollziehbar.

@DoreHolm,soweit,sogut,siehe rot,mir gefällt mal wieder diese Pauschalisierung nicht,gehen wir zumindest in dieser Beziehung konform?
Klar gibt es Trittbrettfahrer,wie überall.
Aber die echten Opfer werden in diesem Satz ebenfalls verhönt.
Nur darum ging es mir.
Man kann sich natürlich auch alles schönreden.
ek40


Lila: In dieser Beziehung gehen wir konform. Das Thema "wer ist ein Opfer" hatten wir, wimre, schon mal und die Übergänge sind fließend, wem Entschädigung zusteht und wem noch nicht. Da gehen halt die Ansichten auseinander und es wird auch in diesen Kreisen durch Neid und Mißgunst hervorgerufene Diskussionen geben. Unserem Gauckler würde ich z.B. keine Opferrolle zubilligen. Um jemand als Opfer anzuerkennen, muß man wirklich diesen Menschen auch privat sehr gut kennen und Akten durchblättern und nicht nur daraus schließen, was er erzählt. Die wenigsten würden sich hier, was ihre Rolle in der Bürgerbewegung und vorher betrifft, in Bescheidenheit üben.



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#42

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 21:38
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #37
Zitat von ek40 im Beitrag #34
Zitat von SET800 im Beitrag #27
Hallo,
wieviel "Opfer" gäbe es ohne jede Aussicht diese Rolle zu Geld machen zu können?

Entschuldigung,eine ganz miese Aussage!
Genau solche Zeilen sind es,die auch verklären und man diffamiert Opfer dieses ehm. soz.Systems auf deutschem Boden.
ek40


Grün: So ganz von der Hand weisen würde ich das nicht. Wer von den wirklichen Opfern auch gleichzeitig Realist ist und das Emotionale mal etwas beiseite läßt, fühlt sich da nicht gemeint. Er weiß aber auch, daß es auch Leute gibt und die sind sicher z.T. auch in diesen Kreisen unter ihnen selbst als solche bekannt, die wirklich nur Trittbrettfahrer sind, um Vorteile für sich herauszuholen oder auch nur, um sich interessant zu machen. Solche Leute gibt es in allen Bereichen, ob nun Häftlinge (auch die nach heutiger Gesetzeslage auch zu denen gehören), Heiminsassen, Widerstandskämpfer im WK 2, verhinderte Studenten u. andere "Opfer der SED-Diktatur". Bevor hier ein Sturm der Entrüstung losbricht, ich meine ganz klar nur diejenigen, die kaum einer aus diesem Forum hier wirklich eine Opferrolle zugestehen würde. Wenn da eine Entschädigung in fünfstelliger Höhe winkt, ist das für so manchen eine Motivation, seine Biographie etwas zu frisieren und zu dramatisieren. Das zwar kein schöner Charakterzug, aber eben menschlich nachvollziehbar.


@DoreHolm, Du hast recht, wen ich Opfer der SED-Diktatur gewesen wäre, würde ich mich freuen wen es etwas Kohle gibt und natürlich würde ich auch noch etwas dazu tun um vielleicht etwas mehr raus zu holen, wem ist es zu verdenken! Das Hemd ist nun mal jeden näher als die Hose! Oder? Leide hat mich das DDR Regime auch verfolgt, aber leider nur halt so als einfacher Gegner! Bekomme nix!! Kann damit leben, was soll es! Man hat mir ja nicht so viel Leid zu gefügt das ich darauf bestehe könnte! Wurde halt nur von lieben (Freunden) überwacht und angeschwärtzt! Was soll es, das hat mir mehr weh getan, als alles was ich bis heute in meinen Leben kennen gelernt habe und ich muß sagen ich habe einiges erlebt, vor allem auch privat! Aber damit konnte und musste ich leben.
Grüsse Steffen52


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#43

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 21:50
von Kurt | 933 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #42

@DoreHolm, Du hast recht, wen ich Opfer der SED-Diktatur gewesen wäre, würde ich mich freuen wen es etwas Kohle gibt und natürlich würde ich auch noch etwas dazu tun um vielleicht etwas mehr raus zu holen, wem ist es zu verdenken! Das Hemd ist nun mal jeden näher als die Hose! Oder? Leide hat mich das DDR Regime auch verfolgt, aber leider nur halt so als einfacher Gegner! Bekomme nix!! Kann damit leben, was soll es! Man hat mir ja nicht so viel Leid zu gefügt das ich darauf bestehe könnte! Wurde halt nur von lieben (Freunden) überwacht und angeschwärtzt! Was soll es, das hat mir mehr weh getan, als alles was ich bis heute in meinen Leben kennen gelernt habe und ich muß sagen ich habe einiges erlebt, vor allem auch privat! Aber damit konnte und musste ich leben.
Grüsse Steffen52


Hallo Steffen52,

Genau das ist der Punkt! Wenn Du im öffentlichen Dienst arbeitest und aus Deiner Meinung keinen Hehl machst, braucht es nur einen Herrn Grafe, um Deinem Leben die materielle Grundlage zu entziehen.
Die hier angefügten Zeitungsartikel legen doch den miesen Charakter dieses Herren offen. Allein der eingeschränkte Widerspruch (sie wies nur auf die Einseitigkeit seiner Aussagen hin) der Lehrerin führt bei dem staatlich bezahlten Meinungsmacher dazu, daß er einen ungeahnten Eifer an den Tag legt, um die Frau aus dem Schuldienst zu katapultieren.

Gruß, Kurt


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#44

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 22:04
von LO-Wahnsinn | 3.492 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #35
@LO-Wahnsinn,
nie mal dran gedacht,hier ist was faul in der DDR?
Lutze


Ich persönlich nie Lutze, zumindest nicht in dem Sinne das ich die DDR verlassen müsste oder mich auflehnen bis mein Leben verpfuscht ist.
Meine Zeit als Kind und Jugendlicher war geprägt von Schule und Sport, danach in der Restfreizeit meine Kumpels und Kumpelinen.
Als mir die ersten Haare am Sack wuchsen, interessierten mich dann neben Schule und Sport die Mädchen, die Mädchen um mich herum, nicht die Mädchen ferner Länder, obgleich auch die mir gefielen.
Politische Sichtweisen hatte ich damals keine, ich war mit meinem Leben zufrieden, ich war hineingeboren und hineingewachsen in die politische und soziale Landschaft der DDR der 70er und 80er Jahre als 1964 geborener.

Als ich Anfang 20 war und man ja auch etwas reifer und vielseitig interessierter wird, da habe ich durchaus Dinge gesehn die mir nicht gefielen und hab dann auch Hintergründe verstanden.
Diese waren aber für mich kein Grund die DDR verlassen zu wollen oder eine Revolution auszurufen, zumal ich selber nicht betroffen war.
Als damals junges SED Mitglied wurden solche Dinge in Parteiversammlungen auch beredet.
Allerdings merkte ich dann schnell, dass nur die Basis reden wollte, schon Teile der Parteileitung waren weniger interessiert, vielleicht aus dem Wissen heraus es wird sich nichts ändern, zumindest in dem Bereich der über ihre Parteigruppe hinaus geht.
Innerhalb des Betriebes wurden Missstände durchaus offen angesprochen und diskutiert und es wurde versucht Abhilfe zu schaffen, wie schwer das in vielen Fällen war weis jeder der die DDR erlebt hat.

All das gehörte aber für mich sozusagen zur politischen Kultur, eine Auseinandersetzung mit dem täglichen Leben.
Ich fühlte mich zu keiner Zeit unterdrückt, ich hatte gerade durch den Sport schon von Kind auf gelernt, dass man sich auch mal unterordnen muss, Kompromisse machen muss.
Viele Dinge die andere Bürger als Mangel erlebten, empfand ich nicht als Mangel.
Das man nicht Richtung Westen konnte, bzw. nur in ausgewählte Länder war für mich damals kein Problem.
Vielleicht wäre es das ja später mit zunehmenden Alter mal geworden, aber bis zur Wende erlebte ich das nie als Mangel, und ich hätte mir bei meinem guten Verdienst als lediger junger Mann jede Reise leisten können.
Mängel in der Versorgung waren zwar manchmal nervig, anderseits auch wieder Gewinn bringend, da man so kreativ sein musste, man neue Menschen kennen lernte etc.pp. gute und schlechte Seiten.
Hungern musste aber keiner, Suppenküchen wie heute brauchte keiner, den Mangel konnte man mit Kreativität umgehen, Armut und Hunger aber nicht wie es ihn in der heutigen Überfluss- und Wegwerfgesellschaft gibt.
Ich brauch diese viel zu vielen Supermärkte nicht, auch nicht die 100 Sorten Butter etc.pp.
Und auch wenn ich heute an einem sehr schönen Leistungsstarken Laptop sitze, der in der DDR sicher noch ganz lange ein Traum geblieben wäre, es ginge auch ohne, ging ja früher auch.
Dann geht man wieder mehr unter Menschen, Vorteil oder Nachteil? Soll sich jeder für sich selber beantworten.

Frau und Kinder hatte ich nicht, das Thema Wohnung stellte sich so für mich also nicht dringend.
Mein Leben gestaltete sich damals nicht anders wie heute.
Ich begann zeitig früh meine Arbeit, 12 Stunden Tag normal, den Rest der Freizeit nutzte ich für privates, Politik und andere Länder haben mich kaum interessiert, dazu war mein Tag auch viel zu ausgefüllt.
Auch heute muss ich meine Fresse halten oder gehn, Kritiken werden genauso nicht oder nur ganz leise gehört, nur halt nicht im Sinne des Systems selber sondern im Sinne meiner Arbeit.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
Damals87, Wahlhausener, SEG15D und DoreHolm haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#45

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 22:14
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #44
.....Politik und andere Länder haben mich kaum interessiert, dazu war mein Tag auch viel zu ausgefüllt....

Jetzt verstehe ich,warum Du SED-Mitglied warst.....


Pit 59, LO-Wahnsinn und Gert haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#46

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 22:17
von LO-Wahnsinn | 3.492 Beiträge

Zitat von Kurt im Beitrag #43
Zitat von steffen52 im Beitrag #42

@DoreHolm, Du hast recht, wen ich Opfer der SED-Diktatur gewesen wäre, würde ich mich freuen wen es etwas Kohle gibt und natürlich würde ich auch noch etwas dazu tun um vielleicht etwas mehr raus zu holen, wem ist es zu verdenken! Das Hemd ist nun mal jeden näher als die Hose! Oder? Leide hat mich das DDR Regime auch verfolgt, aber leider nur halt so als einfacher Gegner! Bekomme nix!! Kann damit leben, was soll es! Man hat mir ja nicht so viel Leid zu gefügt das ich darauf bestehe könnte! Wurde halt nur von lieben (Freunden) überwacht und angeschwärtzt! Was soll es, das hat mir mehr weh getan, als alles was ich bis heute in meinen Leben kennen gelernt habe und ich muß sagen ich habe einiges erlebt, vor allem auch privat! Aber damit konnte und musste ich leben.
Grüsse Steffen52


Hallo Steffen52,

Genau das ist der Punkt! Wenn Du im öffentlichen Dienst arbeitest und aus Deiner Meinung keinen Hehl machst, braucht es nur einen Herrn Grafe, um Deinem Leben die materielle Grundlage zu entziehen.
Die hier angefügten Zeitungsartikel legen doch den miesen Charakter dieses Herren offen. Allein der eingeschränkte Widerspruch (sie wies nur auf die Einseitigkeit seiner Aussagen hin) der Lehrerin führt bei dem staatlich bezahlten Meinungsmacher dazu, daß er einen ungeahnten Eifer an den Tag legt, um die Frau aus dem Schuldienst zu katapultieren.

Gruß, Kurt


Und das stellt ihn auf eine Stufe mit all den Denunzianten, all die in der DDR, die ihre Freunde Nachbarn und Kollegen wegen kritischen und ehrlichen Meinungen angezinkt haben.
Nur der Herr Grafe merkt das nicht, er kämpft ja fürs Gute.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
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#47

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 22:18
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #26
hat jemand das DDR-Unrecht richtig kennengelernt?,
nicht nur rummeckern auf die DDR,
sondern auch etwas dagegen zu tun,
das waren leider die wenigsten
Lutze

Ja ich habe es erlebt, den 2.Teil deiner Frage kann ich nur mit der Gegenfrage beantworten: war ich Don Quichote ?


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#48

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 22:54
von LO-Wahnsinn | 3.492 Beiträge

Zitat von ek40 im Beitrag #45
Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #44
.....Politik und andere Länder haben mich kaum interessiert, dazu war mein Tag auch viel zu ausgefüllt....

Jetzt verstehe ich,warum Du SED-Mitglied warst.....



Dafür hat mein Interesse noch gereicht.

Ich kann Dir aber die Gründe nennen, Revoluzer war ich jedenfalls nicht.
Wie schonmal irgendwo beschrieben, ich wuchs in einem Umfeld auf, welches geprägt war von Polizei, Offizieren, Russischen Offizieren, MfS Leute, Trapo Leute, Parteisekretäre, Leute vom Rat des Kreises, vom MDI usw. usf.
Dieses Umfeld war das Umfeld meines Vaters und das Umfeld des Sports den ich ausübte.
Ich wurde also schon von Kind an mit dem System vertraut, ich kannte diese Leute auch grösstenteils privat, ich damals natürlich immernoch als Kind, als Papakind was ich ja war.
Durch den Sport war ich die meiste Zeit des Tages mit meinem Vater zusammen und hatte so zwangsläufig mit all den Menschen immer Kontakt.

Wie das Leben so spielt, ist heute nicht viel anders, man sucht erstmal im nahem vertrauten Umfeld "Fachkräfte".
Da ich als Papakind beste sozialistische Erziehung genossen hatte und mein Vater in vielen Kreisen höchstes Vertrauen -auch privat- genoss, war ich bei all den oben beschriebenen Leuten permanent als Zukunftskader auf der Agenda.
Die Türen für eine militärische, geheimdienstliche oder politische Laufbahn standen mir durchaus offen.
Allerdings wollte ich garnicht dahin hinaus, sonst hätte ich ja schon bei den GT aufkohlen können, darum ist daraus nichts geworden, mein Interesse fehlte einfach, ich hatte anderes im Sinn.
Natürlich gehörte dazu auch, die Zukunft eines sozialistisch konformen Kaders mit einer Mitgliedschaft in der SED zu versilbern, was ich dann auch tat.
300% Überzeugung waren das bei mir nicht, ich war ein schüchternen Junge und Jugendlicher, eher hab ich mich zur Mitgliedschaft im Ausblick auf die Zukunft überrumpeln lassen.
Ich wollte ja schon damals Fernfahrer werden, lernte dann aber im Kraftverkehr erstmal Autoschlosser.
Man legte mir damals auch nahe, wenn ich ins Ausland fahren wolle, wäre eine Mitgliedschaft in der SED von Vorteil für die Zulassung.
Natürlich war auch dort im Betrieb mein Vater bestens bekannt, und man brachte mir meine gute Erziehung wieder auf den Tisch.
So habe ich zugestimmt und wurde Kandidat und dann Mitglied.
Wenn man so will, ich gebe das gern offen zu, der Eigennutz war nicht unerheblich, politische Ansichten waren nicht die Tragpfeiler, dazu verstand ich vom System und von den Systemen in der Welt viel zu wenig, Geschichtsunterricht und Staatsbürgerkunde waren für mich völlig uninteressante Schulfächer.


Ein Volk, das sich einem fremden Geist fügt,
verliert schließlich alle guten Eigenschaften und damit sich selbst.
Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
matloh, thomas 48 und Wahlhausener haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#49

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 23:31
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #48
Zitat von ek40 im Beitrag #45
Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #44
.....Politik und andere Länder haben mich kaum interessiert, dazu war mein Tag auch viel zu ausgefüllt....

Jetzt verstehe ich,warum Du SED-Mitglied warst.....



Dafür hat mein Interesse noch gereicht.

Ich kann Dir aber die Gründe nennen, Revoluzer war ich jedenfalls nicht.
Wie schonmal irgendwo beschrieben, ich wuchs in einem Umfeld auf, welches geprägt war von Polizei, Offizieren, Russischen Offizieren, MfS Leute, Trapo Leute, Parteisekretäre, Leute vom Rat des Kreises, vom MDI usw. usf.
Dieses Umfeld war das Umfeld meines Vaters und das Umfeld des Sports den ich ausübte.
Ich wurde also schon von Kind an mit dem System vertraut, ich kannte diese Leute auch grösstenteils privat, ich damals natürlich immernoch als Kind, als Papakind was ich ja war.
Durch den Sport war ich die meiste Zeit des Tages mit meinem Vater zusammen und hatte so zwangsläufig mit all den Menschen immer Kontakt.

Wie das Leben so spielt, ist heute nicht viel anders, man sucht erstmal im nahem vertrauten Umfeld "Fachkräfte".
Da ich als Papakind beste sozialistische Erziehung genossen hatte und mein Vater in vielen Kreisen höchstes Vertrauen -auch privat- genoss, war ich bei all den oben beschriebenen Leuten permanent als Zukunftskader auf der Agenda.
Die Türen für eine militärische, geheimdienstliche oder politische Laufbahn standen mir durchaus offen.
Allerdings wollte ich garnicht dahin hinaus, sonst hätte ich ja schon bei den GT aufkohlen können, darum ist daraus nichts geworden, mein Interesse fehlte einfach, ich hatte anderes im Sinn.
Natürlich gehörte dazu auch, die Zukunft eines sozialistisch konformen Kaders mit einer Mitgliedschaft in der SED zu versilbern, was ich dann auch tat.
300% Überzeugung waren das bei mir nicht, ich war ein schüchternen Junge und Jugendlicher, eher hab ich mich zur Mitgliedschaft im Ausblick auf die Zukunft überrumpeln lassen.
Ich wollte ja schon damals Fernfahrer werden, lernte dann aber im Kraftverkehr erstmal Autoschlosser.
Man legte mir damals auch nahe, wenn ich ins Ausland fahren wolle, wäre eine Mitgliedschaft in der SED von Vorteil für die Zulassung.
Natürlich war auch dort im Betrieb mein Vater bestens bekannt, und man brachte mir meine gute Erziehung wieder auf den Tisch.
So habe ich zugestimmt und wurde Kandidat und dann Mitglied.
Wenn man so will, ich gebe das gern offen zu, der Eigennutz war nicht unerheblich, politische Ansichten waren nicht die Tragpfeiler, dazu verstand ich vom System und von den Systemen in der Welt viel zu wenig, Geschichtsunterricht und Staatsbürgerkunde waren für mich völlig uninteressante Schulfächer.

@LO-Wahnsinn, wen ich Deinen Beitrag so lese , muss ich sagen, hast eigentlich was Deiner Person betrifft nix falsch gemacht! Du hattest ja ein gewisses Ziel, das Dir leider verwehrt wurde, warum auch ! Jeden damaligen Bürger der DDR ,hat ja versucht das beste aus seinen Leben zu machen. Der Eine so der Andere so! Mache ich keinen einen Vorwurf! Auch ich wollte mit dem Arsch an der Wand sehen das man durch das sogenannte schöne System ohne anzuecken kommt, leider hatte ich Westverwandschaft und war zu DDR-Zeiten mehr mals in denn so genannten Bruderländern( CSSR,Bulgarien, Rumänien und Ungarn) und in diesen sogenannten Bruderländern, wurde ich leider eines besseren belehrt, wer dort der gute war, die DDR-Bürger nicht. Wenn ich an Bulgarien denke, dann wird mir übel! Wir als sogenanntes Brudervolk, mussten in kleinen Hütten hausen und die bösen Unfreunde(BRD) in schönen Hotels! Schon hatte ich wieder meine Meinung über den wunderschönen Sozialismus und was eben so alles dazu gehörte, gebildet! Dazu kam noch, das wir , der Klassenfeind, getrennt durch eine Tür, gemeinsam das Frühstück ein genommen haben, die Kellner aber bei uns vorbei laufen mussten.Wir konnten nun sehen, was der böse Kapitalist bekam und der gute Bruder! Einen Scheiß war das was die guten DDR-Freunde bekammen! Ich muß sagen, es waren in der Reisegruppe einige gute Genossen und auch Leute des MfS dabei, aber auch denen ist der Hut hoch gekommen, wie man so 2 Klassen hatte! Ja, auch für die sogenannten Freunde war die D-Mark mehr wert als die Freunde aus der DDR! Solche Sachen haben mich halt für mein späteres Leben mit geprägt! Könnte noch einige Sachen mit bei tragen, wie so und warum, für und wieder der DDR!
Aber es ist spät und ich mache für Heute Schluss!! Schlaft alle, die ihr noch da seid , schön und denkt mal über viele Dinge die heute geschrieben wurden, nach!! Eine schöne Nachtruhe, bis morgen, so Gott will!!! Der alte Mann, geht jetzt schlafen!!
Grüsse Steffen52


EK 70, LO-Wahnsinn und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.02.2014 23:34 | nach oben springen

#50

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 15.02.2014 23:37
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #48
Zitat von ek40 im Beitrag #45
Zitat von LO-Wahnsinn im Beitrag #44
.....Politik und andere Länder haben mich kaum interessiert, dazu war mein Tag auch viel zu ausgefüllt....

Jetzt verstehe ich,warum Du SED-Mitglied warst.....



Dafür hat mein Interesse noch gereicht.


Trotzdem hast Du Dich ja vorher selbst wiedersprochen....
Nun gut,hast ja anschließend doch noch die "Politik-Interessen-Kurve" bekommen und erklärt.

ek40


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#51

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 12:17
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von ek40 im Beitrag #34
[quote=SET800|p332744]
Genau solche Zeilen sind es,die auch verklären und man diffamiert Opfer dieses ehm. soz.Systems auf deutschem Boden.
ek40


Hallo,
Opfer? Wer denn überhaupt und warum? Bei den Waldheimprozessen unter der Hilde Benjamin und in der Zeit, da gab es Opfer, Menschen die im Schnellverfahren ausgeguckt wurden weil die UdSSR Arbeitssklaven brauchte, NS-Schuldhaftigkeit ohne gründliche Prüfung angenommen wurde oder als Machdemonstration gegen Aktivisten der ersten Stunden und Bürgerliche Politiker.

Personen die wegen von einem IM gemeldeten illegalen Ausreisebvorbereitungen von der StaSi vorgangsmäßig bearbeitet wurden sind für mich KEINE Opfer.
Und galt nicht immer das als deutlichem Hinweis öffentlich gestellte unangenehme Fragen an Staat und SED Partei deutlich beantwortet wurden mit "Gute Frage, nächste Frage"?



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#52

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 13:54
von thomas 48 | 3.580 Beiträge

Steffen 52,
alles was du in soz. Ländern erlebt hast, habe ich auch gesehen. Sogar in der glorreichen Sowjetunion wo ich mehrmals war


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#53

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 14:04
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #47
Zitat von Lutze im Beitrag #26
hat jemand das DDR-Unrecht richtig kennengelernt?,
nicht nur rummeckern auf die DDR,
sondern auch etwas dagegen zu tun,
das waren leider die wenigsten
Lutze

Ja ich habe es erlebt, den 2.Teil deiner Frage kann ich nur mit der Gegenfrage beantworten: war ich Don Quichote ?



den Unrechtsstaat wirklich erlebt?,
vom Acker hast du dich gemacht
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#54

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 17:57
von Gert | 12.356 Beiträge

gelöscht da doppelt


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 16.02.2014 18:08 | nach oben springen

#55

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 17:59
von Gert | 12.356 Beiträge

gelöscht da doppelt


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 16.02.2014 18:07 | nach oben springen

#56

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 18:05
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #55
Zitat von Lutze im Beitrag #53
Zitat von Gert im Beitrag #47
Zitat von Lutze im Beitrag #26
hat jemand das DDR-Unrecht richtig kennengelernt?,
nicht nur rummeckern auf die DDR,
sondern auch etwas dagegen zu tun,
das waren leider die wenigsten
Lutze

Ja ich habe es erlebt, den 2.Teil deiner Frage kann ich nur mit der Gegenfrage beantworten: war ich Don Quichote ?



den Unrechtsstaat wirklich erlebt?,
vom Acker hast du dich gemacht
Lutze


Zitat von Lutze im Beitrag #53
Zitat von Gert im Beitrag #47
Zitat von Lutze im Beitrag #26
hat jemand das DDR-Unrecht richtig kennengelernt?,
nicht nur rummeckern auf die DDR,
sondern auch etwas dagegen zu tun,
das waren leider die wenigsten
Lutze

Ja ich habe es erlebt, den 2.Teil deiner Frage kann ich nur mit der Gegenfrage beantworten: war ich Don Quichote ?



den Unrechtsstaat wirklich erlebt?,
vom Acker hast du dich gemacht
Lutze


@Lutze nun , als ich mich vom Acker machte, hast du gerade das Licht der Welt erblickt. Vergleiche mal deinen Geburtstag mit meinem.
Ich habe die Hardcore Version DDR unter Ulbricht erlebt. Nach allem was ich hier so gelernt habe bist du in eine DDR light Version aufgewachsen. Das ist der Unterschied zwischen uns.


.
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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#57

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 18:06
von Gert | 12.356 Beiträge

gelöscht da doppelt


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
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#58

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 19:27
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Moskwitschka im Beitrag #16
Ich habe mir jetzt mal den Artikel von Roman Grafe in der ZEIT durchgelesen.

Wie erkläre ich als ostdeutsche Mutter, als ostdeutscher Vater meinen Kindern, aus was für einem Land ich stamme? Um diese Frage ging es kürzlich. Aber nicht nur zu Hause ist es schwierig, über die DDR zu sprechen. Auch im Unterricht gibt es dieses Problem: Sprachlosigkeit. Ein Erfahrungsbericht

Ist es wirklich schwierig zu hause mit seinen Kindern über die DDR zu sprechen? Herrscht bei euch Sprachlosigkeit?

Ein klares Nein!

Ich lese den rund fünfzig Schülern aus meinem Buch Die Grenze durch Deutschland vor, der Geschichte eines tödlich gescheiterten Fluchtversuchs aus der DDR. Danach erzähle ich ihnen von Tätern, Opfern und Mitläufern der SED-Diktatur: dass niemand gezwungen wurde, zu den Grenztruppen zu gehen. Dass es für Grenzsoldaten Vergünstigungen gab, dass sie bei der Studienplatzvergabe bevorzugt wurden, mehr Ausgang hatten. Dass Denunzianten Prämien bekamen.

Ein großer Gewissenskonflikt in vier Zeitungszeilen gepresst.

Nicht nur das,auch steht teilweise Blödsinn geschrieben....Ausgang? Denn konnte ich wohl in 12 Monaten an einer Hand abzählen.

Ich erzähle ihnen, dass gescheiterte DDR-Flüchtlinge in der Regel mehrjährige Haftstrafen durchleiden mussten und DDR-Bürgern nicht nur die Reisefreiheit verweigert wurde, sondern auch andere elementare Menschenrechte, wie Presse- und Meinungsfreiheit, Religions- oder Versammlungsfreiheit.

Elementare Menschenrechte - da sollte Herr Grafe vielleicht mal bei den elementaren Grundbedürnissen eines Menschen beginnen und sich dann die Maslowsche Bedürfnisspyramide emporarbeiten. Vielleicht versteht er dann den ehemaligen DDR - Bürger etwas besser.

Da ist etwas dran,hier kann ich dem Autor zustimmen.

Ich sage ihnen, dass man auch in der Diktatur die Wahl hat, ob man als Mittäter oder Mitläufer die Machthaber unterstützt oder versucht, sich weitestgehend zu verweigern.

Und damit schlägt er jeden k.o. und man verstummt. Denn wenn man nicht Täter oder sich weitestgehend verweigert hat, dann war man Mitläufer. Egal wie man es dreht, man war der Depp in der DDR. Und da wundert sich Herr Grafe über die Sprachlosigkeit?

Treffend formuliert,@Moskwitschka.

http://www.zeit.de/2014/05/lehrer-ostdeu...le-ddr-diktatur

Richtig die Sprache hat es mir verschlagen, als ich die ersten 50 Kommentare zu dem Artikel gelesen habe. Ich jammre der DDR weiß Gott nicht hinterher. Aber was mir andem Artikel in der ZEIT fehlt, wahrscheinlich weil es Herrn Grafe fehlt, das Wissen und Verständnis, dass sich in den letzten 25 Jahren unzählige aktiv mit ihrer Vergangenheit auseinander gesetzt haben. Das nicht wenige einen zum Teil schmerzlichen Erkenntnisprozess durchlaufen haben, wird nicht erwähnt.

Was also bleibt? Ein undifferenziertes Bild. Dagegen anzuschreiben fällt schwer. Daher vezetteln wir uns nicht in immer wiederkehrende Schlagabtausche, sondern erzählen unsere Geschichte.

Richtig!

LG von der Moskwitschka

PS Das fiel mir beim Lesen meines Beitrages erst richtig auf - ich bin seit fast 25 ahren bundesdeutsche Mutter mit ostdeutschen Wurzeln.

Und nicht nur Du.....



Danke für die Zeilen.

ek40


Hans hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#59

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 19:43
von manudave | 390 Beiträge

Ich halte Roman Grafe für einen guten und auch hartnäckigen Journalisten. Das muss man immer wieder mal betonen - er ist ein Journalist.

Sein Buch "Die Grenze durch Deutschland" wird in allen möglichen Foren von Grenzsoldaten, Grenzbewohnern und Historikern sehr gelobt. Es kommen sehr viele Zeitzeugen der verschiedenen Epochen zu Wort - zeitgleich wird der weltpolitische Kontext hergestellt - sprich wer ist, wann, wo und warum an der Macht und was löste dies aus.

Das Buch "Die Schuld der Mitläufer" - was man übrigens unter diesem Titel nicht bei der Bundeszentrale für politische Bildung bekommt - da hat es tatsächlich einen anderen Titel - zwingt den Leser fast dazu, sich irgendwo einzuordnen. Das finde ich grundsätzlich gar nicht schlecht, kann aber auch die große Kritik dazu verstehen. Wer überprüft sich schon gern selbst? Um dann vielleicht auch noch festzustellen, dass man sich in das Mitläufertum einordnen könnte, weil man seine private Nische in der DDR geschaffen hat und mit der ganzen Grütze von oben nix zu schaffen hatte... Ist das tatsächlich Mitläufertum? Verdammt - warum gibt der Autor mir als Bürger nicht mehr Möglichkeiten zum einordnen? Es war doch viel facettenreicher gewesen... Aber irgendwie - es ist schon was dran... All das könnten Gedanken dazu sein - da ist es doch am leichtesten den Autor zu kritisieren, sein Leben und seinen Beruf - all dies erlebt er jeden Tag. Und er liest trotzdem überall im Osten weiter...guter Mann.

Übrigens hat das Buch viele Verfasser. Biermann, Klier und Krawczyk sind einige Beispiele.

Das Buch über die Mauerschützenprozesse ist eigentlich nur das Niederschreiben von Prozessbeobachtungen.

Die Bewertung über die Gerechtigkeit der Urteile muss jeder selbst treffen, das nimmt er auch niemandem ab.

Diese Woche stellte er auf Point Alpha mit einem Co-Autoren das Buch "Schöne Grüße aus der DDR" vor. Zahlreiche schwarz-weiß Bilder aus der Zeit vor 89 mit kurzen Begleittexten von Grafe. Ich musste oft grinsen, weil ich meine Kindheit in diesen Bildern wiederfand. Kleine Kinder in der Zink-Badewanne auf der Wiese - ein Bockwurststand mit Schlange davor - ABC-Schützen beim Pioniernachmittag - die Tür einer Wertstoffhandlung, all das hatte ich ja selbst erlebt. Aber selbst solche manchmal romantisch ostalgisch erscheinenden Bilder wurden wohl bei zahlreichen Lesungen kritisiert. "So hat die DDR nicht ausgesehen" - "Warum sind die Bilder nicht bunt?" - das sind z.B. Aussagen, welche aufkamen. Zumindest die zweite Frage wurde vom Publikum selbst beantwortet: "...das hätte in bunt doch viel schlimmer ausgesehen, als in schwarz-weiß..." Die Frage kam auf, warum nicht schönere Bilder von der DDR gezeigt wurden. "Welche würden sie vorschlagen?" war die Gegenfrage, die unbeantwortet blieb...

Weiterhin gibt es von ihm und einigen Mitstreitern eine Internetseitewww.sportmordwaffen.de , auf welcher das Verbot von Sportwaffen gefordert wird, die eigentlich einem anderen Zweck dienen - dem Verletzen und Töten von Menschen. Nicht von Luftgewehren und Laserpistolen, aber warum Pumpguns als Sportwaffe bei Schützenvereinen benutzt werden, erschließt sich auch mir nicht. Auf der Seite findet man viele Argument der Waffenlobby und die Gegendarstellungen dazu.

Auch hier im Forum gibt es ja eine Diskussion dazu, Scorn kennt sich da gut aus :-)

Aktuell ist er öfter im TV, weil in einer Schule in Dessau nach einer Lesung die Lehrerin meinte, es war doch gut in der DDR und wer sich angepasst hat, musste nichts befürchten. Ich persönlich habe bei solchen Aussagen sofort den Nationalsozialismus im Kopf - wäre es doch auch eine Begründung gewesen. Bei beiden Systemen darf man solche Aussagen nicht unkommentiert stehen lassen. Im Falle der Lehrerin ging die Sache nun bis zum Schulamt und eine aktuelle Stunde im Landtag dazu folgt auch noch.

Es ist schon bedenklich, wenn man aus den Erzählungen Grafes erfährt, wie der Bildungsstand der Schüler ist, wenn es um die zweite Diktatur auf deutschem Boden geht. Da ging gestern mehrmals lautes Raunen durch das Publikum, so absurd sind manche Aussagen von jungen Schülern. Aber wer will denen was vorwerfen? Sie bekommen die Infos von außen...

Letztendlich bin ich der Meinung, dass es in Deutschland einfach solche Menschen braucht. Die einfach den Gegenpart zur Geschichtsfälschung der "Knüppelroten" darstellen, die es zweifellos noch reichlich gibt. Es ist sehr gefährlich, wenn das private und vielleicht durchaus glückliche Leben in der DDR mit der Politik einer Diktatur vermischt wird.
Es war nicht alles schlecht - kann jeder hier im Forum bedenkenlos unterschreiben - aber es war eben auch nicht alles gut. Und bei dieser Unterschrift tun sich bestimmt einige schwer...


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#60

RE: DDR-Unrecht

in Themen vom Tage 16.02.2014 19:55
von Gelöschtes Mitglied
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So,dann will ich Euch die nächsten Schlagzeilen und Meinungen nicht vorenthalten.
Der Artikel zum Thema DDR-Unrecht heißt diesmal,"So denken die Sachsen-Anhalter",....bin ja auch Einer...
Es kommen in dem Artikel 2 Personen zu Wort und ich kann euch nur wieder empfehlen,diese Seite zu lesen.
Überraschen tut mich dann die 2.Person,ein Arzt,aus Westdeutschland stammend.
(Einfach immer die Links anklicken)

Der Erste ist ein 89 jähriger Berufsschullehrer aus der ehem. DDR.

Er sagt z.B.,

"Natürlich gab es Dinge in der DDR, die mir nicht gefielen. So fand ich es beschämend und undemokratisch, dass die Bürger dazu angehalten wurden, bei Wahlen ihre Stimme offen abzugeben. Der Umgang mit Kritikern, das Verhalten der Behörden bei Reise- und Ausreisewünschen, die Abschottung durch die Mauer und manches andere billigte ich nicht. Aber dagegen stand auch die Überlegung, dass ich kaum in einem anderen Land der Erde als einfacher Arbeiterjunge eine solche Laufbahn hätte machen können. Ich fühlte mich zu Dank verpflichtet und konnte nicht verstehen, dass nicht wenige junge Bürger zwar ihr Studium noch in der DDR absolvierten, dann aber flugs in den Westen verschwanden. Inzwischen ist mir die Bundesrepublik ans Herz gewachsen. Sie hat mich fair behandelt und sie gehört nach meiner Einschätzung zu den demokratischsten Staaten der Erde. Wenn Sie mich fragten, welches ihr größter Vorzug sei, würde ich antworten: der Umstand, dass ich diesen Brief schreiben kann in der Hoffnung, er wird veröffentlicht, also Toleranz. Jeder sieht die Welt durch das Prisma seiner Erfahrungen. Wir müssen die Meinung des anderen nicht teilen, aber wir müssen sie akzeptieren."
"Inzwischen ist mir die Bundesrepublik ans Herz gewachsen"


Hier alles lesen: http://www.volksstimme.de/nachrichten/sa...?em_cnt=1226517

Desweiteren kommt nun der med.Direktor eines Krankenhauses zu Wort.
Dieser stammt aus der westdeutschen Stadt Hamm und ist seit 1995 Arzt in Stendal.
Auch seine Worte sind sehr lesenswert.

Ich zitiere wieder einen Teil seiner Aussage:

"Wer nie in der DDR gelebt hat, sollte endlich aufhören, das Verhalten seiner Bürger zu beurteilen. Die dummdreiste Überheblichkeit mancher West- den Ostdeutschen gegenüber, die sich teilweise aus der verachtenswerten Überzeugung vermeintlich moralischer Überlegenheit speist, weist auf die fehlende Bereitschaft hin, rechtschaffenes Verhalten der ehemaligen DDR-Bürger anzuerkennen und entsprechend zu würdigen. Die Folge ist das, was wir alle bedauern: ein Graben zwischen Ost und West."

"Vielleicht sollten wir darüber nachdenken, ob es nicht auch der stets gen Osten emporgestreckte, anklagende westliche Zeigefinger ist, der durch Aushöhlung des Selbstwertgefühls Widerstand hervorruft und dadurch den Blick auf die DDR-Realität, insbesondere derjenigen ehemaligen DDR-Bürger trübt, die die dunkle Seite nicht erlebt haben."

Hier geht es weiter: http://www.volksstimme.de/nachrichten/sa...7&em_cnt_page=2

Also meine Hochachtung haben die Beiden,so kann es auch gehen.

ek40


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