#1

Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.07.2009 12:19
von Heldrasteiner (gelöscht)
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Während einer Unterhaltung über niederländische Urlauber in der ehem. Bundesrepublik ergab sich folgende Frage:
Wie lief die Visumbeantragung für nicht BRD-Bürger ab, wenn sie in die DDR reisen wollten? Gab es besondere Formalitäten für den Transit nach Berlin?

Experten vor!
Danke!


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#2

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.07.2009 13:41
von karl143 (gelöscht)
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Du bringst jetzt zwei Sachen durcheinander: Wenn Niederländer nach West Berlin fuhren brauchten sie natürlich kein Visa. Sie fuhren ja, wie du schon schreibst auf dem Transitweg nach Westberlin. Die Vorgaben in Bezug auf Parken auf Autobahnparklätzen usw. galten für sie im selben Umfang wie für Bundesbürger. Ausnahmen gab es da nur für die Allierten, welche den Sonderstatus hatten. In Urlaub fuhren nicht mal die Holländer mit ihrem Campingwagen in die DDR. Und wenn Geschäftsreisen in die DDR durchgeführt werden mußten, dann hatten die Personen sich ein Visum zu besorgen. Das gab es zum Beispiel in der Botschaft der DDR in Amsterdam. Vor der Annerkennung der DDR, also bevor es die Botschaft dort gab, habe andere "befreundete" Staaten, diese Arbeit für die DDR erledigt. Der Zwangsumtausch betraf mMn die Niederländer genauso wie die Westdeutschen.


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#3

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.07.2009 17:13
von dein1945 (gelöscht)
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[quote="karl143"] Und wenn Geschäftsreisen in die DDR durchgeführt werden mußten, dann hatten die Personen sich ein Visum zu besorgen.
hallo karl143,
für Ostberlin erhielten Ausländer an den Übergangsstellen Checkpoint Charly und Friedrichstr. Tagesvisa zum 24 Stunden Aufenthalt, Zwangsumtausch wie wir, zum Schluß 25 DM
Gruß0 aus Berlin


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#4

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.07.2009 21:46
von manudave (gelöscht)
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Durfte man eigentlich mit jeder Art von Auto einreisen? Sprich auch z.B. mit einem Bentley o.ä. ?

Das hätte doch unglaubliche Aufmerksamkeit auf die Kiste gezogen...


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#5

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 27.07.2009 21:52
von dein1945 (gelöscht)
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Zitat von manudave
Durfte man eigentlich mit jeder Art von Auto einreisen? Sprich auch z.B. mit einem Bentley o.ä. ?

Das hätte doch unglaubliche Aufmerksamkeit auf die Kiste gezogen...

Hallo manudave,
eigentlich ja, ich glaube nur LKW waren ausgenommen, schon wegen der Kontrollen. Aber ich glaube je grösser der Wagen um so intensiver wurde konrolliert.
Schönen Abend aus Berlin


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#6

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.07.2009 14:23
von Frank (gelöscht)
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Zu der Autogeschichte fällt mir folgendes ein, dazu muss ich etwas ausholen:
Mein Bruder machte in den 80er Jahren regelmäßig in Ungarn seinen Sommerurlaub mit seiner damaligen Freundin.
Die beiden lernten dort ein Westberliner Päärchen kennen und fortan besuchten uns die beiden Westberliner so zwei mal im Jahr bei uns zu Hause in Sachsen.
Das war für mich als 14, 15 Jähriger natürlich ne große Sache wenn die kamen denn die hatten einen (damals schon 10 Jahre alten) Porsche 911. Ein Mitbringsel war für mich auch immer dabei und vor allem durfte ich mal im Porsche mitfahren.
Wenn das Auto bei uns vor dem Haus stand, erregte das natürlich Aufsehen bei Jung und Alt.
Nun war das so, dass mein Bruder seinen Besuch bei unseren Behörden (der Polizei) vorher anmelden musste, es gab da ein Formular wo die vollständigen Daten des Westbesuches eingetragen werden mussten, Name, Geburtsdatum, Wohnanschrift, Beruf; Dauer des Aufenthaltes, Fahrzeugtyp, KFZ-Kennzeichen usw.
Irgendwann wurde Jürgen (dem Westberliner) von Seiten der DDR-Behörden nahe gelegt nicht mehr mit diesem Auto in die DDR einzureisen, begründet wurde das mit "Verblendung" und "Zurschaustellung kapitalistischer Statussymbole".
Ich weiß noch wie wir alle gelacht und gleichzeitig mit dem Kopf geschüttelt haben als er uns das erzählte. Wir wollten es gar nicht glauben.
Tja, von da an kam er nur noch mit dem Corsa seiner Mutter.


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#7

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.07.2009 22:26
von Augenzeuge (gelöscht)
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Zitat von Frank

Irgendwann wurde Jürgen (dem Westberliner) von Seiten der DDR-Behörden nahe gelegt nicht mehr mit diesem Auto (Porsche 911)in die DDR einzureisen, begründet wurde das mit "Verblendung" und "Zurschaustellung kapitalistischer Statussymbole".
Ich weiß noch wie wir alle gelacht und gleichzeitig mit dem Kopf geschüttelt haben als er uns das erzählte. Wir wollten es gar nicht glauben.
Tja, von da an kam er nur noch mit dem Corsa seiner Mutter.


Ist ja irre, mehr fällt mir dazu nicht ein. Am besten einen Lada kaufen und ein Schild ans Rückfenster: Zu mehr habe ich kein Geld. Noch ein paar Aldi-Tüten dazu. Dann war man wohl willkommen?


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#8

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 30.07.2009 23:13
von Heldrasteiner (gelöscht)
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Nee, Augenzeuge!
Aldi ist ja auch Klassenfeind


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#9

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 13.11.2012 23:12
von passport | 2.634 Beiträge

Hab hier mal einen "uralten" Thread ausgegraben.

von karl143
Wenn Niederländer nach West Berlin fuhren brauchten sie natürlich kein Visa


Jede Person die über 18 jahre alt war und im vertragsgebundenen Transit BRD-WB fuhr, bekam ein Transitvisum. Der Unterschied war, das Ausländer ohne eine Aufenthaltsgenehmigung oder von max. 3 Monate für die BRD DM 5,- Visagebühren für eine einmalige Fahrt zu zahlen hatten. Als Ausländer bestand auch die Möglichkeit in der jeweiligen Botschaft Transit oder Einreise Visa zu beantragen.
Größere Grenzübergänge hatten eine Niederlassung des Reisebüro der DDR. Ausländische Bürger (keine BRD oder WB-Bürger) konnten hier einen Voucher (Hotel oder Campingplatz) erwerben. Auf Grundlage dieses Vouchers erteilte die PKE die Einreise-Visa. Zur Einreise waren alle PKW auch mit Campinganhänger oder Wohnmobile zugelassen.

von Frank
Irgendwann wurde Jürgen (dem Westberliner) von Seiten der DDR-Behörden nahe gelegt nicht mehr mit diesem Auto in die DDR einzureisen, begründet wurde das mit "Verblendung" und "Zurschaustellung kapitalistischer Statussymbole


Natürlich gab es keine Vorgaben durch DDR-Behörden mit welchen PKW-Typ die Bürger einreisten.


passport


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#10

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.01.2013 07:37
von Schuddelkind | 3.512 Beiträge

Mal eine Frage: Warum wurden die PKE vom MfS gestellt? Bei uns hat ja schließlich auch nicht der BND die Ausweiskontrolle vorgenommen..............


Intellektuelle spielen Telecaster
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#11

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.01.2013 09:29
von seaman | 3.487 Beiträge

Schuddelkind:

Begründet wird diese Maßnahme,die am 1.Juli 1962 in Kraft trat,wegen zwingender staatlicher Sicherheitsbedürfnisse der DDR.
Für diese Entscheidung war die damalige politische Situation maßgeblich,wobei verstärkte subversive Aktivitäten den Ausschlag gaben,dem MfS die Passkontrolle und Fahndungsprozesse zu übertragen.
Folgend die Verantwortungsbereiche und Aufgaben :

-Sicherung,Kontrolle und Überwachung des Einreise-und Ausreiseverkehrs sowie des Transitverkehrs an allen GÜST der DDR (Wasser-Luft-und Landwege) im Zusammenwirken mit Zoll und GT.

-Datenerfassung und zentrale Speicherführung sowie Recherche zum Reiseverkehr.

-Realisierung von Fahndungsmassnahmen zu Personen und Sachen mit dem Ziel der Verhinderung und Aufklärung des Missbrauchs des grenzüberschreitenden Verkehrs insbesondere zur Spionage,zu Terror-und anderen Gewaltakten, zum staatsfeindlichen Menschenhandel,zu gewaltsamen Grenzdurchbrüchen,zu Waffenschmuggel und anderen kriminellen Handlungen.

Ob punktuell der BND auch Ausweiskontrollen an der Grenze/West vornahm kann man vermuten.
Gesichert ist ,dass der BND als Geheimdienst West,an seinen Aussengrenzen während des Kalten Krieges ebenfalls sehr aktiv war.Das speziell an den Grenzen zu den Warschauer Paktstaaten mit Hauptschwerpunkt DDR.Hierbei stand der Einreiseverkehr aus der DDR besonders im Focus und wurde durch verschiedene Vorgaben im Laufe der Jahre bis zur Öffnung der Grenzen 1989 präzisiert.Auch die Landesämter für Verfassungschutz waren an den Grenzen der Bundesrepublik tätig.

seaman


passport hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 14.01.2013 09:55 | nach oben springen

#12

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.01.2013 13:44
von Gelöschtes Mitglied
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Ich kann mich noch erinnern, dass in Büchen der BGS und der Zoll zur Passkontrolle zustiegen, manchmal auch in Begleitung recht fragwürdiger Herren, die ein besonderes Intertesse hinsichtlich Ziel und Zweck der Reise zeigten. Auch seitens der BRD gab es eine diesbezügliche Fahndungskontrolle bei der Einreise. Ich glaube es bereits im einem anderem Beitrag geschrieben zu haben. Mein Vater stand zum Beispiel auf dieser Fahndungsliste, er war Anfang der 50iger Jahren wegen Unterstützung der KPD im Bundestagswahlkampf inhaftiert worden und war für einige Monate in Lübeck in U-Haft.
Bei jeder Einreise in die BRD wurde ich nach der Person meines Vaters befragt. Das änderte sich erst, als ich in späteren Jahren bei den Kontrollen einen anderen Reisepass der DDR vorlegte, der einem Immunität gewährte. Sie hätten mich dann schon zur Persona non grata erklären müssen, was aber nicht geschah.

Die Ein- und Ausreisekontrolle in der heutigen Bundesrepublik wird ja auch von einer Bundesbehörde, der Bundespolizei wahrgenommen, in die bekanntlich der BGS integriert wurde. Frage, welche Aufgaben hat denn diese Bundespolizei heute ???

Vierkrug


zuletzt bearbeitet 14.01.2013 13:46 | nach oben springen

#13

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.01.2013 14:26
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #12
Ich kann mich noch erinnern, dass in Büchen der BGS und der Zoll zur Passkontrolle zustiegen,(...)

Wie sie mir erklärten, führten diese Beamten bei Reisenden aus Ostdeutschland oder Berlin keine Grenz- , Pass- oder Zollkontrolle, sondern eine "gewöhnliche" Personenkontrolle durch. Das liess mich zwar staunen, aber ich zog es vor, nicht nochmals nachzufragen. Sie interessierten sich ganz offensichtlich für Personen in jüngeren oder mittleren Jahren (also nicht für Rentner) und bei diesem Personenkreis für Personen, die irgendwie "deutsch" aussahen oder wirkten.: Also für mich immer. Ich würde sagen, hätte man Rentner als "Botschafter des Friedens" angeworben und eingesetzt, hätte man erfolgreich und vom Westen unbemerkt, Aufklärung betreiben können..
Theo


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#14

RE: Einreise von Ausländern in die DDR

in Fragen und Antworten zur innerdeutschen Grenze 14.01.2013 14:37
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #13
Zitat von Vierkrug im Beitrag #12
Ich kann mich noch erinnern, dass in Büchen der BGS und der Zoll zur Passkontrolle zustiegen,(...)

Wie sie mir erklärten, führten diese Beamten bei Reisenden aus Ostdeutschland oder Berlin keine Grenz- , Pass- oder Zollkontrolle, sondern eine "gewöhnliche" Personenkontrolle durch. Das liess mich zwar staunen, aber ich zog es vor, nicht nochmals nachzufragen. Sie interessierten sich ganz offensichtlich für Personen in jüngeren oder mittleren Jahren (also nicht für Rentner) und bei diesem Personenkreis für Personen, die irgendwie "deutsch" aussahen oder wirkten.: Also für mich immer. Ich würde sagen, hätte man Rentner als "Botschafter des Friedens" angeworben und eingesetzt, hätte man erfolgreich und vom Westen unbemerkt, Aufklärung betreiben können..
Theo


Man hat erfolgreich....,Theo.
Mit Personen j e d e r Altersgruppe.
Wobei bei diesem Grenzverkehr manch Rentner für beide Seiten nicht ganz "ohne" war.

Gruss


zuletzt bearbeitet 14.01.2013 14:43 | nach oben springen



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