#21

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 12.02.2014 04:22
von Diskus303 | 485 Beiträge

Hallo Lutze,

Zitat von Lutze im Beitrag #18
seit wann gab es die Regelung mit den Bausoldaten?,
zur Gründung der DDR kann ich mir das nicht vorstellen
Lutze


lies Dir doch mal #6 hier genau durch ...


Gruß Axel
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#22

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 12.02.2014 19:57
von Moskwitschka (gelöscht)
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Irgendwie hatte ich in Erinnerung, dass ich Bausoldaten in Berlin auf Großbaustellen gesehen habe. Mit Sicherheit konnte ich das nicht sagen und habe deshalb mal im Netz gesucht und folgende Seite gefunden:

http://www.proraer-bausoldaten.de/index.html

LG von der Moskwitschka


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zuletzt bearbeitet 12.02.2014 19:57 | nach oben springen

#23

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 12.02.2014 23:11
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

nabend, während meiner Dienstzeit durfte ich eine ganze Bau(Soldaten)-Kompanie etwa ein halbes Jahr erleben. Auf dem Gelände des Battalionsstabes in Hessen bei Halberstadt wurde 1987 etwa vom Mai bis November ein Kompaniegebäude errichtet. Das war direkt vor der Hundezwingeranlage. Es waren schätzungsweise 60 Soldaten mit abgewetzten Sommer-Schwarzkombies. Das war für sich eine geschlossene Einheit. Es gab nur einen Vorgesetzten der da das Sagen hatte, vom Dienstgrad ein Hauptmann. Sehr oft habe ich das Treiben beobachtet, der konnte sehr gut mit den Leuten um, die haben absolut pariert ! Von Hand ! wurde das Fundament ausgehoben, mit Schubkarren abtransportiert, es sah immer aus wie auf einem Ameisenhaufen, die Jungs waren immer nur in Bewegung.
Es gab keine Baumaschinen, außer, 2 Kras-Kipper die mal Kies und Mauersteine gebracht haben, sowie 4 Mischer. Es wurde alles mit den Schubkarren verteilt, wie Fundament gießen, Unterbeton und Estrich einbringen. Jeder hatte seine Aufgabe, jeder konnte alles. Als der Bau fertig war konnten wir einziehen, Sanitär und Malerarbeiten, alles von der Baukompanie.
Nie sah man welche quatschen, nie hat man mal Gelächter gehört. Ich habe mich gewundert wie der Mann seine Leute so motivieren konnte!!

Ich höre ihn noch wie er seine Leute geweckt hat jeden Morgen mit einem gaaanz schnodddrigen Barliener Dialekt wa: "Bausoldaten, aufstehen---Nachtruhe beenden RAUS mit´n Arsch aus den Betten"

Am WE waren die immer verschwunden, jeden Freitag Mittag fuhren sie in ihre Einheit, habe keine Ahnung wo die sich befand.
Abends nach Dienstende habe ich oft mit dem Hauptmann zusammen gesessen, so manches mal mit ner Pulle...
Er wollte einen Schäferhund Welpen mit nach Hause nehmen, er fragte ob das ginge...
als der Bau fertig war ist er mit einem Karton mit Löchern oben drin aus dem Tor gegangen, weiß nicht was da drin war

Es ist mir heute noch ein Rätsel wieviel Respekt und Achtung er genoss, obwohl er mit seinen Leuten so kumpelhaft und offen umging, oder war es gerade deswegen??

das waren meine Erfahrungen mit Bausoldaten

gruß h.


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#24

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 13.02.2014 08:25
von GeMi | 556 Beiträge

Hallo,

einen Standort von Bausoldaten gab es in Merseburg, rechts am Ortsausgang in Richtung Weissenfels und direkt an der alten F91. Die Baracken sind heute ganz verschwunden.
In den Leuna-Werken hat man sie oft gesehen. Meist haben sie Erdarbeiten ausgeführt. Kontakt hatten man selten mit ihnen und sie haben sich in Gesprächen sehr zurückgehalten.
Auch kein Ruhmesblatt für die DDR.


Die Menschheit besteht aus einigen wenigen Vorläufern, sehr vielen Mitläufern und einer unübersehbaren Zahl von Nachläufern.

Jean Cocteau
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#25

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 13.02.2014 08:37
von Freienhagener | 3.860 Beiträge

Um Ansehen zu erlangen, muß man erst mal bekannt sein.

Offiziell wurden die quasi Verweigerer eher verschwiegen.
Daß die Soldaten ohne Waffe waren, hat vielleicht nicht jeder Bürger erkannt, weil auch die Bausoldaten Uniformen trugen.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#26

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 13.02.2014 08:39
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #25
Um Ansehen zu erlangen, muß man erst mal bekannt sein.

Offiziell wurden die quasi Verweigerer eher verschwiegen.
Daß die Soldaten ohne Waffe waren, hat vielleicht nicht jeder Bürger erkannt, weil auch die Bausoldaten Uniformen trugen.


moin @ Freienhagener, erkannt hat man sie an den Schulterstücken.

gruß h.


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#27

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 13.02.2014 08:44
von Freienhagener | 3.860 Beiträge

Ja, Insider. Aber nicht jeder Bürger.
Vor der Armee war mir die Bedeutung des kleinen Spatensymbols auch nicht klar.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#28

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 13.02.2014 09:04
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #27
Ja, Insider. Aber nicht jeder Bürger.
Vor der Armee war mit die Bedeutung des kleinen Spatensymbols auch nicht klar.


Ist doch aber normal.
Dienstlaufbahnzeichen anderer Waffengattungen waren sicherlich(etwa VM) auch weitestgehend unbekannt.
Spatensoldaten waren nicht so häufig optisch vertreten und Werbung hat man dafür auch nicht betrieben.
Spatensoldaten lagen unter 1 % aller Wehrpflichtigen in der DDR.
Die Möglichkeit ohne Waffe zu Dienen war im Warschauer Vertrag einmalig.
In den Standorten wo Spatensoldaten dienten,waren diese Schulterstücke bekannt.So etwa in Prora und Umgebung.
Dort waren sie in den Urlauberzügen häufiger mal auszumachen und gehörten zum normalen Bild Uniformierter z.b. am Hbf.Stralsund.Waren bei Bedarf auch gesprächsbereit.
Trotzdem sollte man dabei an die "Hackordnung" der verschiedenen Waffengattungen denken.Da rangierten sie im Ansehen am Ende der optischen Wahrnehmung......
Gab Uniformen, die waren für den Träger attraktiver.

seaman

Ergänzung:

Bei uns nannte man sie ugs."Spati bzw. Spatis".
Dieser Begriff war neutral besetzt und war keine Herabwürdigung.
So,wie wie man auch die Begriffe "Mollis und Fallis" z.b.ugs.benutzte.


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zuletzt bearbeitet 13.02.2014 09:30 | nach oben springen

#29

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 13.02.2014 09:17
von Moskwitschka (gelöscht)
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Also ich weiß nicht, wo ihr gelebt hat. Auch wenn man persönlich keine Bausoldaten in der Öffentichkeit wahr genommen hat, so wußte man dass es sie gibt. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis kam öffter mal das Gespräch auf sie, nicht zuletzt als Alternative zum Wehrdienst. Und wie so oft in der DDR, wenn man nichts genaues wußte oder keinen (ehemaligen) Bausoldaten kannte, rankten sich viele Gerüchte um sie. Waren sie doch mehr oder weniger Außenseiter.

LG von der Moskwitschka


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#30

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 02.07.2014 15:02
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

In Merseburg gibt es in der Nähe des Amtsgerichtes einen ,,Platz der Bausoldaten,,. Er wird unter anderem vom Sachsen-Anhalt Kulturminister Stephan Dorgerloh (ehemaliger Bausoldat) eröffnet.
In der Hochschule gibt es eine Ausstellung ,Briefe von der waffenlose Front,,
Hauptgebäude bis 8.8. montags-freitags 8-20 Uhr geöffnet.
Prora-Zentum
Schau ,,Militärstandort Prora- Opposition und Widerstand,,
Prora-Zentrum, Mukraner Str. 12
geöffnet bis zum 28.8


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#31

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 02.07.2014 16:23
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Hallo miteinander,

gab es nicht mal einen prominenten Bausoldaten ?
Rainer Eppelmann , der Minister für "Verteidigung und Abrüstung" der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maiziere...
http://www.deutschlandradiokultur.de/wir...ticle_id=146294

Ich weiss, jetzt werden einige der ehemaligen Berufssoldaten stöhnen "nicht schon wieder ..."

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#32

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 02.07.2014 16:43
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Alles klar.
Habe ich heute in der TLZ gefunden


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#33

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 02.07.2014 23:27
von Gelöschtes Mitglied
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Beim Lesen der Beiträge wurde ich an ein Lied erinnert, dass ich in meiner revolutionären Phase Ende der 60er oft gesungen (und einmal auch von Hannes Wader gehört) habe: http://www.youtube.com/watch?v=nTKBJgkVe8o

Ich weiß, es passt nicht so ganz. Aber der Spaten grub die Erinnerung aus.


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#34

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 03.07.2014 18:18
von kirsche.ndh | 109 Beiträge

1981 in Heiligenstadt PIK 4 im GR 4 auf dem Richteberg.
Wir Pios hatten 2 Baracken. Eine für uns allein und die untere zusammen mit Spatensoldaten.
Die mussten genauso arbeiten wie wir nur eben nicht am Kanten.
Klamotten waren gleich Felddienst schwarz gefärbt aus der gleichen Wäscheausgabe nur andere Schulterstücken.
Verpflegung gleiche wie wir, auch das 2. Frühstück auf den Bau wir bei uns am Kanten.
Die hatten allerdings jeden Tag viel früher Feierabend wie wir.
Der Ausbau war damals in der Nähe von Zwinge und die Rückfahrt von dort war nie vor 18.00 Uhr.
Nach meiner Dienstzeit ist die PIK nach Weilrode gezogen in Zelte um Fahrzeit einzusparen.
Hatte mich mit einen Spatensoldaten angefreundet und immer mal Sport gemacht.
Der war nicht religiös oder Waffenverweigerer, nach seiner Aussage hatte er tätlichen Ärger mit seinen Vorgesetzten und durfte den Rest seiner Dienstzeit dort abdienen.
Auch von den anderen auf der Bude kam kein kirchliches religiöses Gerede.
Es herrschte dort eigentlich ein rauherer Ton wie bei uns.

Übrigends hatten wir in der Kompanie Eichsfelder die immer Sonntags Vormittag Ausgang bekamen.
Offiziell nicht für den Kirchgang aber jeder wusste wo die hin sind.

Auch bedingt durch die Mangelwirtschaft haben wir sehr viel in den Grenzorten geholfen.
Da mal ein Zaun, mal ein Fundament, mal der Kran oder ein Kipper mit Kies.


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#35

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 03.07.2014 18:25
von Pit 59 | 10.136 Beiträge

Es soll auch welche gegeben haben die den Dienst mit der Waffe Verweigert haben,und Heute Leiter einer Polizeiinspektion sind

Ansonsten Alle Achtung vor diesen Jungs


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#36

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 04.07.2014 21:24
von Freienhagener | 3.860 Beiträge

Eppelmann war sogar Verteidigungsminister.

Waffentragen ist nicht neutral.

Das ist Dialektik:
Was auf der einen Seite schlecht ist, das ist auf der anderen gut. Das Gut und Schlecht ist abhängig vom Standpunkt.
Haben wir doch gelernt...


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 04.07.2014 21:26 | nach oben springen

#37

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 05.07.2014 11:50
von PF75 | 3.292 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #36
Eppelmann war sogar Verteidigungsminister.

Waffentragen ist nicht neutral.

Das ist Dialektik:
Was auf der einen Seite schlecht ist, das ist auf der anderen gut. Das Gut und Schlecht ist abhängig vom Standpunkt.
Haben wir doch gelernt...



Hieß das zur Zeit Eppelmanns nicht Minister für Abrüstung und Verteidigung , mit Betonung auf dem ersten Wort ?


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#38

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 05.07.2014 11:58
von Freienhagener | 3.860 Beiträge

Gut, dann nimm den Gauck, oder den ominösen Polizeichef.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 05.07.2014 12:00 | nach oben springen

#39

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 06.07.2014 08:37
von Harsberg | 3.247 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #32
Alles klar.
Habe ich heute in der TLZ gefunden



Was bitte schön?


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#40

RE: Ansehen der Bausoldaten

in DDR Zeiten 06.07.2014 10:56
von HG19801 | 1.613 Beiträge

Jüngst über Bausoldaten in der Mitteldeutschen Zeitung zu lesen:

KLICK 1

KLICK 2


"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit,
aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher." – Albert Einstein


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