#1

Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 20:46
von Lutze | 8.039 Beiträge

wie war das mit dem Eintreten in die SED?,
wer war überzeugt gewesen vom DDR System?,
wirklich alle SED-Mitglieder?,
stand die Überzeugung im Vordergrund?,
oder doch die Karriere?,
oder ich mußte eintreten,um meine Arbeit zu behalten?,
manche waren gleich mit 18 Jahren ein Kandidat,
einige auch später,
hat es besonderer Überzeugung bei manchen gekostet?
gruß Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#2

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 21:38
von Fritze (gelöscht)
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ja Lutze , es gab unter den SED-Mitgliedern auch welche ,die vom DDR System überzeugt waren .Ich war es damals !
Aber erstmal musste man Kandidat werden . Dazu brauchtest du 2 Bürgen (natürlich SED Mitglieder ).
Nach Ablauf eines Jahres entschied die Grundorganisation über die Aufnahme als Mitglied .
Bei zumindest Vielen stand die Überzeugung im Vordergrund aber es gab genügend , die es der Karriere wegen taten .Für einige Anstellungen (hab hier extra nicht Berufe geschrieben )war es notwendig in die SED einzutreten .
Und es gab auch Etliche ,die überzeugt wurden .

Eine Bitte ! Nur Antworten zu @Lutzes Fragen und den Thread nicht durch Schuldzuweisungen oder Anfeindungen zertrollen !

MfG Fritze


DoreHolm, schulzi, Küchenbulle 79 und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#3

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 21:40
von Harra318 | 2.514 Beiträge

Zitat von Fritze im Beitrag #2
ja Lutze , es gab unter den SED-Mitgliedern auch welche ,die vom DDR System überzeugt waren .Ich war es damals !
Aber erstmal musste man Kandidat werden . Dazu brauchtest du 2 Bürgen (natürlich SED Mitglieder ).
Nach Ablauf eines Jahres entschied die Grundorganisation über die Aufnahme als Mitglied .
Bei zumindest Vielen stand die Überzeugung im Vordergrund aber es gab genügend , die es der Karriere wegen taten .Für einige Anstellungen (hab hier extra nicht Berufe geschrieben )war es notwendig in die SED einzutreten .
Und es gab auch Etliche ,die überzeugt wurden .

Eine Bitte ! Nur Antworten zu @Lutzes Fragen und den Thread nicht durch Schuldzuweisungen oder Anfeindungen zertrollen !

MfG Fritze


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#4

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 21:53
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Vom DDR-System war ich zwar überzeugt, hatte aber nicht die Absicht, in die SED einzutreten und habe mich gestreubt, so lange es ging. Mein Vater wurde als staatlicher Leiter einer Firma deshalb schon einige Male gefragt, wie er denn seine Kinder erzogen hat, wenn die nicht in die SED eintreten wollen. Mein Hauptargument war immer: Wenn ich mit anderen über politische Dinge diskutiere, hat meine Stimme als Parteiloser mehr Gewicht als wenn jeder weiß, daß ich in der Parte bin und "eben so reden muß". In der GAK versuchte es mein Zugführer, aber ohne Erfolg. Erst in der GK war ich "weichgeklopft". Im Nachhinein vermute ich, daß ich bewußt so manche Schicht mit einem bestimmten Uffz auf Streife gelaufen bin, der mich entsprechend "überzeugt" hat. Eingebracht hat es mir zwei mal Sonderurlaub, um die Unterschriften für die Bürgschaft zu holen. Der Zugführer aus der GAK, der sich vergeblich bemüht hatte, war ein bischen sauer, daß er es nicht geschaft hatte, als ich ihn mal traf. Die haben also auch eine Art Zielvorgabe für die Werbung junger Genossen.
Übrigens, in der Zeit als ich BPO-Sekr. war, sagte mir eine kollegin, daß sie in die SED will. Habe das abgeblockt, weil mir ihre Gründe zu sehr zu nach Vorteilsberechnung rochen. Ich hatte auch meine "Zielvorgabe" der Werbung junger Kandidaten, die mich aber nicht interessiert hat. Wenn keiner da war, war eben keiner da.



zuletzt bearbeitet 07.02.2014 21:53 | nach oben springen

#5

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 21:58
von Gelöschtes Mitglied
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Wenn ich mich recht erinnere wurde ich gegen Ende der Lehrzeit Kandidat der SED. Nach der Lehre wurde ich zu den GT einberufen und dort wurde ich Mitglied der SED.
Als Grundwehrdienstlerin die SED aufgenommen zu werden oder schon Mitglied zu sein war oft nicht so prikelnd. man saß zwischen den "Stühlen", von den Kameraden wurde man eher mißtrauisch beäugt.


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#6

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 22:05
von mibau83 | 829 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #4
Vom DDR-System war ich zwar überzeugt, hatte aber nicht die Absicht, in die SED einzutreten und habe mich gestreubt, so lange es ging. Mein Vater wurde als staatlicher Leiter einer Firma deshalb schon einige Male gefragt, wie er denn seine Kinder erzogen hat, wenn die nicht in die SED eintreten wollen.


könnte glatt meine biographie sein ;-)
ja diese vergleiche mit vater (und bei mir auch noch mit dem ältesten bruder) kenne ich auch.
den werbenden hatte ich damals geantwortet, man kann auch ein guter kommunist sein wenn man nicht in der partei ist.das ging für ihn schonmal gar nicht!!
ich war auch bis zum schluß nicht in der partei :-)


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#7

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 22:06
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Auch ich war freiwillig mit 18 Kandidat der SED geworden, kurze Zeit später nahm ich auch noch den frei gewordenen Posten als ehrenamtlicher FDJ- Sekretär an.
Es war ein sehr großer Anteil von Dankbarkeit dafür enthalten, daß ich im Arbeiter- und Bauernstaat im Traumberuf arbeiten durfte aber auch die Lokführerkollegen, die ich als erstes im Bahnbetriebswerk kennen lernte waren Genossen.
Im Prinzip war die Führungsmannschaft des Betriebes, z. B. die Gruppenleiter TB (Triebfahrzeugbetrieb), TA (technische Anlagen), TU (Triebfahrzeugunterhaltung) aber auch der Kaderleiter, der ehrenamtliche Parteisekretär und natürlich auch der Leiter der Dienststelle ehemalige bzw. aktive Lokführer und durchweg SED- Mitglieder und als solche eben auch Vorbilder und Respektspersonen.
Das hatte auch einen großen Einfluß und wohl auch etwas mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit zu tun, immerhin hatte ich im Betrieb selbst keine Verwandten oder gute Bekannte und das war am Eisenbahnerdienstort keineswegs üblich, wo Kinder in die Fußstapfen der Eisenbahnereltern zu treten pflegten.
Das Kandidatengespräch fand noch während meiner Lehrzeit im verrauchten Arbeitszimmer des Kaderleiters und Beitragskassierers statt und dauerte in der Sache kaum fünf Minuten, in der Berufsschule in Halle fanden noch persönliche Gespräche zur Parteimitgliedschaft statt mit dem Hintergrund des verlängerten Wehrdienstes, aber hier endete schließlich meine Dankbarkeit.



damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#8

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 22:11
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Hallo zusammen,

ja, es war schon seltsam, dass man geworben hat für den "bewussten und organisierten Vortrupp" der Arbeiterklasse. Da sind auch einige "breitgequatscht" worden. Aus Karrieregründen sind vielleicht auch ein paar eingetreten, andere, um in der Masse mitzuschwimmen. Aber viele sind tatsächlich aus Überzeugung eingetreten. Ich hatte im November 1978 meinen 18. Geburtstag gefeiert und in der Mitgliederversammlung vom Dezember wurde mein Antrag zu Aufnahme verhandelt und angenommen. Das war noch in meiner Lehrzeit. Da ich Offiziersbewerber war, gab es auch keine großen Diskussionen und die Bürgen fanden sich auch schnell. Für mich gehörten beide Entscheidungen, Offizier zu werden und in die Partei einzutreten, zusammen. Im Dezember 1979 wurde ich dann an der Offiziershochschule als Mitglied aufgenommen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#9

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 22:13
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #4
Vom DDR-System war ich zwar überzeugt, hatte aber nicht die Absicht, in die SED einzutreten und habe mich gestreubt, so lange es ging. Mein Vater wurde als staatlicher Leiter einer Firma deshalb schon einige Male gefragt, wie er denn seine Kinder erzogen hat, wenn die nicht in die SED eintreten wollen. Mein Hauptargument war immer: Wenn ich mit anderen über politische Dinge diskutiere, hat meine Stimme als Parteiloser mehr Gewicht als wenn jeder weiß, daß ich in der Parte bin und "eben so reden muß". In der GAK versuchte es mein Zugführer, aber ohne Erfolg. Erst in der GK war ich "weichgeklopft". Im Nachhinein vermute ich, daß ich bewußt so manche Schicht mit einem bestimmten Uffz auf Streife gelaufen bin, der mich entsprechend "überzeugt" hat. Eingebracht hat es mir zwei mal Sonderurlaub, um die Unterschriften für die Bürgschaft zu holen. Der Zugführer aus der GAK, der sich vergeblich bemüht hatte, war ein bischen sauer, daß er es nicht geschaft hatte, als ich ihn mal traf. Die haben also auch eine Art Zielvorgabe für die Werbung junger Genossen.
Übrigens, in der Zeit als ich BPO-Sekr. war, sagte mir eine kollegin, daß sie in die SED will. Habe das abgeblockt, weil mir ihre Gründe zu sehr zu nach Vorteilsberechnung rochen. Ich hatte auch meine "Zielvorgabe" der Werbung junger Kandidaten, die mich aber nicht interessiert hat. Wenn keiner da war, war eben keiner da.


Interessant wäre es auch nachträglich noch zu erfahren, ob man bei der Kandidatengewinnung auch doppelt abrechnen konnte, z. B. seitens des Betriebes einerseits und zum anderen seitens der Ausbildungsstätte.
Ich konnte in meiner FDJ- Tätigkeit zwar auch Kandidaten "abrechnen", weiß aber nicht, ob die anderswo nochmals in eine Statistik eingingen.
Das wäre z. B. denkbar für den Betrieb selbst und zusätzlich für Delegierte zu Sondereinsätzen wie der Streckenelektrifizierung oder dem Rangieraufgebot.
Gemeint ist hier nur die Abrechnung für die betriebsinterne Bilanz und nicht die parteizentrale, da gingen solche Schummeleien ja schon rechnerisch nicht.



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#10

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 22:49
von polsam | 575 Beiträge

Wer ist mit 18 oder 19 Jahren "überzeugt"?
Klar hat man an den Sozialismus geglaubt, die meisten jungen Menschen hatten ja kaum die Möglichkeit sich anders zu orientieren.
Ich habe mit 18 den Aufnahmeantrag gestellt, nicht aus Überzeugung, sondern in der Hoffnung beruflich "etwas" weiter zu kommen.
Die Argumente, die unser Lehrmeister uns gegenüber ins Feld führte waren schon "überzeugend". Für uns Lehrlinge (Berufskraftfahrer/ Kfz-Schlosser) war es natürlich ein Ziel mal ins Ausland zu fahren.
Argument vom Lehrmeister (ehemaliger Major der NVA): alle Kollegen dieser Abteilung oder Brigade sind SED-Mitglieder. Da beisst du natürlich an.
Fast alle Lehrlinge haben damals den Aufnahmeantrag ausgefüllt, um die erforderlichen Bürgen brauchten wir uns nicht einmal selbst kümmern, das hat der Lehrmeister "gedreht".
Als wir dann Kanidat waren, haben wir auch einen Reisepass beantragen dürfen, alles über die Firma VEB Kraftverkehr organisiert.
Ich durfte dann auch mal als Beifahrer mit nach Polen. Andere Lehrlinge sind mit in die CSSR gefahren. Alles nur Touren über einen Tag.
War für uns Stifte schon ein Erlebnis. Das wars dann aber schon mit Ausland.
Hast du auch nicht weiter drüber nachgedacht. Die Begründungen die dann kamen waren ja auch plausibel: erst mal Berufserfahrung als Fahrer sammeln, Wehrdienst erst ableisten usw.
Na ja, dann kam mit 19 die Einberufung zum Wehrersatzdienst.
Da für mich schon vor der Einberufung fest stand, nach meinem Wehrdienst bei der DVP ein Studium an einer Offiziersschule auf zunehmen, war eine Kündigung der Mitgliedschaft ausgeschlossen.
DVP hat dann auch geklappt, aber aus kaderpolitischen Gründen (meine inzwischen in mein Leben getretene Angetraute hatte Westverwandte) war ein Besuch einer Offiziersschule und der Einsatz auf den Transitstrecken nicht möglich)
So hab ich dann als Genosse Streifenhörnchen meinen Dienst versehen.


zuletzt bearbeitet 07.02.2014 22:50 | nach oben springen

#11

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 22:57
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #9
Zitat von DoreHolm im Beitrag #4
Vom DDR-System war ich zwar überzeugt, hatte aber nicht die Absicht, in die SED einzutreten und habe mich gestreubt, so lange es ging. Mein Vater wurde als staatlicher Leiter einer Firma deshalb schon einige Male gefragt, wie er denn seine Kinder erzogen hat, wenn die nicht in die SED eintreten wollen. Mein Hauptargument war immer: Wenn ich mit anderen über politische Dinge diskutiere, hat meine Stimme als Parteiloser mehr Gewicht als wenn jeder weiß, daß ich in der Parte bin und "eben so reden muß". In der GAK versuchte es mein Zugführer, aber ohne Erfolg. Erst in der GK war ich "weichgeklopft". Im Nachhinein vermute ich, daß ich bewußt so manche Schicht mit einem bestimmten Uffz auf Streife gelaufen bin, der mich entsprechend "überzeugt" hat. Eingebracht hat es mir zwei mal Sonderurlaub, um die Unterschriften für die Bürgschaft zu holen. Der Zugführer aus der GAK, der sich vergeblich bemüht hatte, war ein bischen sauer, daß er es nicht geschaft hatte, als ich ihn mal traf. Die haben also auch eine Art Zielvorgabe für die Werbung junger Genossen.
Übrigens, in der Zeit als ich BPO-Sekr. war, sagte mir eine kollegin, daß sie in die SED will. Habe das abgeblockt, weil mir ihre Gründe zu sehr zu nach Vorteilsberechnung rochen. Ich hatte auch meine "Zielvorgabe" der Werbung junger Kandidaten, die mich aber nicht interessiert hat. Wenn keiner da war, war eben keiner da.


Interessant wäre es auch nachträglich noch zu erfahren, ob man bei der Kandidatengewinnung auch doppelt abrechnen konnte, z. B. seitens des Betriebes einerseits und zum anderen seitens der Ausbildungsstätte.
Ich konnte in meiner FDJ- Tätigkeit zwar auch Kandidaten "abrechnen", weiß aber nicht, ob die anderswo nochmals in eine Statistik eingingen.
Das wäre z. B. denkbar für den Betrieb selbst und zusätzlich für Delegierte zu Sondereinsätzen wie der Streckenelektrifizierung oder dem Rangieraufgebot.
Gemeint ist hier nur die Abrechnung für die betriebsinterne Bilanz und nicht die parteizentrale, da gingen solche Schummeleien ja schon rechnerisch nicht.



Grün: In der Tat, so wie in der DDR (vielleicht nicht nur dort) getrickst wurde, um in der Statistik gut dazustehen, halte ich das für möglich. Meines Wissens war man noch Betriebsangehöriger, denn wenn es um die jahre einer Betriebszugehörigkeit ging, der Kollege vor der NVA-Zeit und auch danach im gleichen Betrieb arbeitete, zählten doch die 18 Monate als Betriebszugehörigkeit, meine ich ? Die übergeordnete Parteileitung wird das wohl ebensowenig interessiert haben, denn die mußte ja auch wieder nach oben Berichten, wieviel Kandidaten neu geworben wurden, zumal das Ende der Kandidatenzeit dann schon wieder auf die Betriebszeit fiel. Bei mir war es aber ein anderer Betrieb als der vor der Armeezeit.



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#12

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 23:12
von Zermatt | 5.293 Beiträge

Gab es einen Mitgliedsbeitrag ?



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#13

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 23:20
von polsam | 575 Beiträge

Zitat von Zermatt im Beitrag #12
Gab es einen Mitgliedsbeitrag ?


ja, den gab es.
Wie sich der errechnete ist mir nicht mehr bekannt.
Aber das Mitgliedsbuch war schon ein schönes "Sparbuch".


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#14

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 23:34
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von polsam im Beitrag #10
Wer ist mit 18 oder 19 Jahren "überzeugt"?
Klar hat man an den Sozialismus geglaubt, die meisten jungen Menschen hatten ja kaum die Möglichkeit sich anders zu orientieren.
Ich habe mit 18 den Aufnahmeantrag gestellt, nicht aus Überzeugung, sondern in der Hoffnung beruflich "etwas" weiter zu kommen.
Die Argumente, die unser Lehrmeister uns gegenüber ins Feld führte waren schon "überzeugend". Für uns Lehrlinge (Berufskraftfahrer/ Kfz-Schlosser) war es natürlich ein Ziel mal ins Ausland zu fahren.
Argument vom Lehrmeister (ehemaliger Major der NVA): alle Kollegen dieser Abteilung oder Brigade sind SED-Mitglieder. Da beisst du natürlich an.
Fast alle Lehrlinge haben damals den Aufnahmeantrag ausgefüllt, um die erforderlichen Bürgen brauchten wir uns nicht einmal selbst kümmern, das hat der Lehrmeister "gedreht".
Als wir dann Kanidat waren, haben wir auch einen Reisepass beantragen dürfen, alles über die Firma VEB Kraftverkehr organisiert.
Ich durfte dann auch mal als Beifahrer mit nach Polen. Andere Lehrlinge sind mit in die CSSR gefahren. Alles nur Touren über einen Tag.
War für uns Stifte schon ein Erlebnis. Das wars dann aber schon mit Ausland.
Hast du auch nicht weiter drüber nachgedacht. Die Begründungen die dann kamen waren ja auch plausibel: erst mal Berufserfahrung als Fahrer sammeln, Wehrdienst erst ableisten usw.
Na ja, dann kam mit 19 die Einberufung zum Wehrersatzdienst.
Da für mich schon vor der Einberufung fest stand, nach meinem Wehrdienst bei der DVP ein Studium an einer Offiziersschule auf zunehmen, war eine Kündigung der Mitgliedschaft ausgeschlossen.
DVP hat dann auch geklappt, aber aus kaderpolitischen Gründen (meine inzwischen in mein Leben getretene Angetraute hatte Westverwandte) war ein Besuch einer Offiziersschule und der Einsatz auf den Transitstrecken nicht möglich)
So hab ich dann als Genosse Streifenhörnchen meinen Dienst versehen.




@polsam
wie kamst du mit dem Widerspruch zurecht, das dir der Besuch der Offiziersschule verwehrt wurde von einer Partei, der du angehörtest, obwohl du u mit 2 Bürgen aufgenommen wurdest, mit der Begründung deine Frau hat Verwandte in der Bundesrepublik ?
Mit dieser Entscheidung hat man ein Misstrauen gegen deine Person dokumentiert, für das du nicht einmal selbst verantwortlich warst, sondern dritte. Ich hätte einer Partei, der ich angehörte und die mir gegenüber so auftritt, das Parteibuch vor die Füsse geschmissen.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
Major Tom hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#15

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 23:34
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Aus einem anderen thread zitiere ich mal @Nostalgiker


Die monatlichen Mitgliedsbeiträge der Parteimitglieder und Kanditaten werden in Prozenten des Gesamtbruttoeinkommens (......) wie folgt festgelegt:

bis 600 M 0,5 Prozent
von 601 bis 700 M 1 Prozent
von 701 bis 800 M 1.5 Prozent
von 801 bis 1000 M 2 Prozent
über 1001 M 3 Prozent

Für Prämien, materielle Zuwendungen bei Auszeichnungen, Vergütungen für Erfindungen, Rationalisierungs- und Neuerervorschläge sowie persönliche Konten wurden keine Beiträge erhoben.


Was war eine Parteistrafe? (6)

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 07.02.2014 23:35 | nach oben springen

#16

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 07.02.2014 23:44
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #15
Aus einem anderen thread zitiere ich mal @Nostalgiker


Die monatlichen Mitgliedsbeiträge der Parteimitglieder und Kanditaten werden in Prozenten des Gesamtbruttoeinkommens (......) wie folgt festgelegt:

bis 600 M 0,5 Prozent
von 601 bis 700 M 1 Prozent
von 701 bis 800 M 1.5 Prozent
von 801 bis 1000 M 2 Prozent
über 1001 M 3 Prozent

Für Prämien, materielle Zuwendungen bei Auszeichnungen, Vergütungen für Erfindungen, Rationalisierungs- und Neuerervorschläge sowie persönliche Konten wurden keine Beiträge erhoben.


Was war eine Parteistrafe? (6)

LG von der Moskwitschka




Die Jahresendprämie war allerdings beitragspflichtig.
Auch hat man zumindest in meinem Betrieb nicht sorgfältig genug die Überstunden berücksichtigt, auf die eigentlich auch ein erhöhter Beitrag hätte fällig werden müssen.
Vermutlich war das dem Kassierer zu anstrengend, den stark schwankenden Betrag immer wieder neu zu ermitteln, da ging es bei mir um entweder 20-25 Mark (der sich kaum veränderte), hätte aber an bestimmten Monaten auch den Höchstbetrag (ca. 45 Mark) im Betrieb ergeben können, wenn es regulär zugegangen wäre.
Die Beitragslisten waren zudem für jeden Genossen einsehbar und es wurde im Bahnbetriebswerk monatlich in bar kassiert.
Womöglich hätten es die Chefs auch gar nicht gerne gesehen, von den eigenen Angestellten überholt zu werden.



schulzi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#17

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 00:01
von josy95 | 4.915 Beiträge

Ich hatte mir schon damals geschworen(!):

In die SED - nur über meine Leiche!

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
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#18

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 00:04
von polsam | 575 Beiträge

@polsam
wie kamst du mit dem Widerspruch zurecht, das dir der Besuch der Offiziersschule verwehrt wurde von einer Partei, der du angehörtest, obwohl du u mit 2 Bürgen aufgenommen wurdest, mit der Begründung deine Frau hat Verwandte in der Bundesrepublik ?
Mit dieser Entscheidung hat man ein Misstrauen gegen deine Person dokumentiert, für das du nicht einmal selbst verantwortlich warst, sondern dritte. Ich hätte einer Partei, der ich angehörte und die mir gegenüber so auftritt, das Parteibuch vor die Füsse geschmissen.[/quote]

@ Gert
Wie Schlau warst du mit 21-22 Jahren? Hast du da schon alle Dinge im Zusammenhang gesehen, ich glaube doch wohl nicht.
Mit dem Wissen und der Lebenserfahrung von heute kann ich auch Sprüche klopfen.

Für mich war das damals kein Widerspruch. Man hat mir die "Notwendigkeit" des Verzichts auf die Fachschule erläutert und hat mir einen Weg aufgezeichnet, der meinen persönlichen Interessen entsprach.

Heute sage ich mir, es war vielleicht garnicht so schlecht. Ich habe die Wende unbeschadet und sauber überstanden, habe meine Anpaasungsfortbildung mit doch recht ordentlichen Ergebnissen absolviert und bin verbeamtet worden.
Auf Grund meines Alters war dann allerdings in unserem Bundesland kein Schulbesuch mehr möglich.


Pitti53, Rainman2 und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#19

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 00:30
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von polsam im Beitrag #18

@polsam
wie kamst du mit dem Widerspruch zurecht, das dir der Besuch der Offiziersschule verwehrt wurde von einer Partei, der du angehörtest, obwohl du u mit 2 Bürgen aufgenommen wurdest, mit der Begründung deine Frau hat Verwandte in der Bundesrepublik ?
Mit dieser Entscheidung hat man ein Misstrauen gegen deine Person dokumentiert, für das du nicht einmal selbst verantwortlich warst, sondern dritte. Ich hätte einer Partei, der ich angehörte und die mir gegenüber so auftritt, das Parteibuch vor die Füsse geschmissen.


@ Gert
Wie Schlau warst du mit 21-22 Jahren? Hast du da schon alle Dinge im Zusammenhang gesehen, ich glaube doch wohl nicht.
Mit dem Wissen und der Lebenserfahrung von heute kann ich auch Sprüche klopfen.

Für mich war das damals kein Widerspruch. Man hat mir die "Notwendigkeit" des Verzichts auf die Fachschule erläutert und hat mir einen Weg aufgezeichnet, der meinen persönlichen Interessen entsprach.

Heute sage ich mir, es war vielleicht garnicht so schlecht. Ich habe die Wende unbeschadet und sauber überstanden, habe meine Anpaasungsfortbildung mit doch recht ordentlichen Ergebnissen absolviert und bin verbeamtet worden.
Auf Grund meines Alters war dann allerdings in unserem Bundesland kein Schulbesuch mehr möglich.
[/quote]


(rot mark)

Wer mich auch hier etwas besser kennt, weiß, das ich weder eingebildet bin noch unter sonstigen Bildungsalüren leide..., aber @Polsam, ich war, und das behaupte ich, ohne Wissen und Lebenserfahrung von heute damals, wie doch einige andere auch, ganz genau gewusst zu haben, was die SED ist. Es war die Reife eher eine Lebenserfahrung schon in ganz jungen Jahren, wie sie vielleicht nicht gerde der Durchschnitt der (jungen) DDR- Bürgers erleben musste. Ich war nicht der Durchschnítt - ich wa ein ideologisch geziehlt verpöhntes Kapitalistenkind. Und das hat man mich trotz aller gegenteiligen Beteuerungen hart, ganz hart spüren lassen. Und damit hat sich mein Bewußtsein sehr früh ausgeprägt: SED - nein, Danke!

Bin nachher aus persönlich- entwicklungstaktisch- beruflichen Gründen einer dieser s. g. Blockparteien beigetrteten und bekenne mich auch heute noch schuldig.

Bloß wofür...???

Möchte damit auch ausdrücken, das wohl einige auch in jüngeren Jahren schon ganz gut wussten, was die SED war.
M. Ea. eine perfide und völlg von Stalinisten gesteuerte diktatorische Zusammenrottung.
Zur Tarnung (und Verdummung breiter Massen) ausgestattet mit einem Antlitz von Humanismus, Gerechtigkeit oder auch Sozial (-lismus) genannt. Deshalb auch der hochtrabende Name; Soziaslistische... . Davon war diese Partei meilenweit entfernt...

josy95


Sternbild Krebs, eine seiner herausragenden Eigenschaften: Krebse kommen immer an ihr Ziel..., und wenn sie zei Schritt vorgehen und einen zurück...

Zu verstehen als Abmahnung an EINEN Admin... bitte lächeln!
zuletzt bearbeitet 08.02.2014 22:44 | nach oben springen

#20

RE: Eintritt in die SED

in DDR Zeiten 08.02.2014 00:39
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #16
Die Beitragslisten waren zudem für jeden Genossen einsehbar und es wurde im Bahnbetriebswerk monatlich in bar kassiert.
Grundsätzlich wurde der Parteibeitrag in bar entrichtet. Dabei durfte jeder Kandidat und jedes Mitglied selber auf dieser Liste unterschreiben, während der Kassierer der GO im Parteibuch (oder der Kandidatenkarte www.flickr.com/photos/realbilly/347805222) mit GO-Stempel und Unterschrift gegenzeichnete.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


Stringer49 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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