#181

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 19:36
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #178
Zitat von Lutze im Beitrag #176
es gab doch solche abartigen Spielchen,
die Musikbox fällt mir dazu ein,
sowas ist menschenunwürdig,
ein Polit-Offizier war doch nicht blöd,
ist das nicht beim Polit aufgefallen?,
bei sowas kann man doch nicht wegschauen,
konnte man daran auch zweifeln?,
auch wenn es mehr von der EK-Bwegung kam
Lutze

Die Musikbox gab es in der Grenzkompanie nicht. Hier musste sich einer auf den anderen verlassen können.


so sollte es sein,
in den Tiefen des Forums gibt es auch anderes zu berichten,
bis zum Todesfall,vielleicht mal @Fritze fragen?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#182

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 20:05
von Fritze (gelöscht)
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@Lutze Dieser Vorfall mit dem Toten war aber bei der NVA !
In der Grenzkompanie habe ich vlt. mal ne E-Kugel erlebt ,aber das wars dann auch .


Fritze


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#183

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 20:51
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #176
es gab doch solche abartigen Spielchen,
die Musikbox fällt mir dazu ein,
sowas ist menschenunwürdig,
ein Polit-Offizier war doch nicht blöd,
ist das nicht beim Polit aufgefallen?,
bei sowas kann man doch nicht wegschauen,
konnte man daran auch zweifeln?,
auch wenn es mehr von der EK-Bwegung kam
Lutze

Hallo Lutze,

zur Musikbox wurde schon etwas beschrieben, das kann ich so nur bestätigen. Ansonsten ist es das leidige Problem: Als Offizier lässt man Dich schon gar nicht hinschauen. Also ist das Wegschauen nicht möglich. "Härtere Geschichten" bekam ich erst nach dem Heimgang der EK's von deren Nachfolgern erzählt. Das bezog sich aber weitestgehend auf Sachen die im Grenzdienst passiert waren. Das waren die hier von mir erwähnten persönlichen Gespräche oder auch mal in der Kneipe wurde einer zum Besten gegeben.

Wobei, sorry, aber es fällt mir gerade ein, einer hat mir mal vor dem Heimgang eine Sache erzählt, die er loswerden wollte. Ich hatte einen Stubendurchgang gemacht. Alle lagen brav in ihren Betten, was mich wunderte. Wie auch immer es geschah, über irgendeine Sache kam ich mit jemandem ins Schwatzen und hielt mich ein paar Minuten in dem Zimmer auf. Kurz vor dem Heimgang saß ich mit einigen der Gefreiten in der Kneipe bei einem oder mehr Bierchen. Plötzlich rückte einer an mich ran: "Genosse Leutnant, erinnern Sie sich noch an den Stubendurchgang vor x Wochen?" Ich sagte, dass ich mich vage erinnern könne. "Damals habe ich Sie gehasst!" Ich fragte wieso. "Ich hatte eine Schnapspulle und als Sie reinkamen, habe ich die schnell am Fußende meines Bettes mit dem Fuß gegen die Wand gedrückt und die Decke drüber geworfen. Und dann bleiben Sie drin und labern und labern. Ich hatte am Ende fast einen Krampf und musste einen anderen bitten, als Sie weg waren, dass er die Pulle von der Wand wegnimmt. Hätte ich mich bewegt, wäre sie runter gefallen." Was macht man da als Polit? Ich lachte und sagte: "Ich sehe darin so etwas wie Gerechtigkeit." Dann prosteten wir uns mit unseren Bieren zu und lachten beide.

Ich hatte selber als Offiziersschüler Alkohol ins Objekt geschmuggelt. In drei Jahren macht man viel Unsinn oder man macht ihn mit, wofür man andere später bestrafte. So ist das. Das durfte man nicht vergessen, auch wenn man dann Lametta getragen hat. Mit der EK-Bewegung war das nicht ganz unähnlich. Wir haben als Offiziersschüler auch die Tage bis zu unserer Ernennung gezählt. Das Bandmaß des EK war kein Problem. Nur wenn es zur Provokation oder in meinem Beisein in der Öffentlichkeit gezogen wurde, zog ich es ein. Die Jagden, die manche darauf veranstalteten, habe ich nie verstanden. Anders war es mit Ritualen der EK-Bewegung. Das einzige, was ich mitbekommen habe, war das Rollen der EK-Kugel. Was machst Du in einem Gebäude mit 3 Etagen, wenn Du in der untersten sitzt und hörst, irgendwo oben wird die Kugel gerollt? Das war immerhin eine Kugelstoßkugel mit über 7 kg auf Terazzo-Platten! Falsch: Du springst auf, rennst die Treppe hoch und versuchst die Übeltäter auf frischer Tat zu erwischen. Richtig: Du holst den UvD ran und befielst, dass er da oben für Ruhe zu sorgen hat. Warum ist das richtig? Ich kann davon ausgehen, dass der UvD weiß, wer da oben die Kugel rollt. Der UvD wiederum weiß, dass ich weiß, dass er weiß, wer die Kugel rollt. Er kann sich in dieser Situation "benachteiligt" fühlen. Aber ich habe ihm einen Befehl gegeben. Er steht zwischen Baum und Borke. Er will es sich mit den EK's nicht verderben, er will aber auch keine Bestrafung riskieren. Er wird also versuchen, zu einer Art Gentlemans Agreement zu kommen. Ergebnis, die Kugel hört auf zu rollen und ich habe darauf Einfluss genommen, ohne mich zum hin und her springenden Kasper zu machen.

Das war die Möglichkeit, mit den harmloseren Sachen umzugehen. Es gab auch schlimmere Sachen, aber von denen habe ich i.d.R. nichts erfahren oder eben zu spät und manchmal auch aus anderen Kanälen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


80er, Damals87, ABV und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#184

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 21:02
von Fritze (gelöscht)
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Mit der Kugel ist es einem kleinem RD-Leutnant übel ergangen . Der hatte nicht Deine Ruhe !


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#185

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 21:09
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #183
Zitat von Lutze im Beitrag #176
es gab doch solche abartigen Spielchen,
die Musikbox fällt mir dazu ein,
sowas ist menschenunwürdig,
ein Polit-Offizier war doch nicht blöd,
ist das nicht beim Polit aufgefallen?,
bei sowas kann man doch nicht wegschauen,
konnte man daran auch zweifeln?,
auch wenn es mehr von der EK-Bwegung kam
Lutze

Hallo Lutze,

zur Musikbox wurde schon etwas beschrieben, das kann ich so nur bestätigen. Ansonsten ist es das leidige Problem: Als Offizier lässt man Dich schon gar nicht hinschauen. Also ist das Wegschauen nicht möglich. "Härtere Geschichten" bekam ich erst nach dem Heimgang der EK's von deren Nachfolgern erzählt. Das bezog sich aber weitestgehend auf Sachen die im Grenzdienst passiert waren. Das waren die hier von mir erwähnten persönlichen Gespräche oder auch mal in der Kneipe wurde einer zum Besten gegeben.

Wobei, sorry, aber es fällt mir gerade ein, einer hat mir mal vor dem Heimgang eine Sache erzählt, die er loswerden wollte. Ich hatte einen Stubendurchgang gemacht. Alle lagen brav in ihren Betten, was mich wunderte. Wie auch immer es geschah, über irgendeine Sache kam ich mit jemandem ins Schwatzen und hielt mich ein paar Minuten in dem Zimmer auf. Kurz vor dem Heimgang saß ich mit einigen der Gefreiten in der Kneipe bei einem oder mehr Bierchen. Plötzlich rückte einer an mich ran: "Genosse Leutnant, erinnern Sie sich noch an den Stubendurchgang vor x Wochen?" Ich sagte, dass ich mich vage erinnern könne. "Damals habe ich Sie gehasst!" Ich fragte wieso. "Ich hatte eine Schnapspulle und als Sie reinkamen, habe ich die schnell am Fußende meines Bettes mit dem Fuß gegen die Wand gedrückt und die Decke drüber geworfen. Und dann bleiben Sie drin und labern und labern. Ich hatte am Ende fast einen Krampf und musste einen anderen bitten, als Sie weg waren, dass er die Pulle von der Wand wegnimmt. Hätte ich mich bewegt, wäre sie runter gefallen." Was macht man da als Polit? Ich lachte und sagte: "Ich sehe darin so etwas wie Gerechtigkeit." Dann prosteten wir uns mit unseren Bieren zu und lachten beide.

Ich hatte selber als Offiziersschüler Alkohol ins Objekt geschmuggelt. In drei Jahren macht man viel Unsinn oder man macht ihn mit, wofür man andere später bestrafte. So ist das. Das durfte man nicht vergessen, auch wenn man dann Lametta getragen hat. Mit der EK-Bewegung war das nicht ganz unähnlich. Wir haben als Offiziersschüler auch die Tage bis zu unserer Ernennung gezählt. Das Bandmaß des EK war kein Problem. Nur wenn es zur Provokation oder in meinem Beisein in der Öffentlichkeit gezogen wurde, zog ich es ein. Die Jagden, die manche darauf veranstalteten, habe ich nie verstanden. Anders war es mit Ritualen der EK-Bewegung. Das einzige, was ich mitbekommen habe, war das Rollen der EK-Kugel. Was machst Du in einem Gebäude mit 3 Etagen, wenn Du in der untersten sitzt und hörst, irgendwo oben wird die Kugel gerollt? Das war immerhin eine Kugelstoßkugel mit über 7 kg auf Terazzo-Platten! Falsch: Du springst auf, rennst die Treppe hoch und versuchst die Übeltäter auf frischer Tat zu erwischen. Richtig: Du holst den UvD ran und befielst, dass er da oben für Ruhe zu sorgen hat. Warum ist das richtig? Ich kann davon ausgehen, dass der UvD weiß, wer da oben die Kugel rollt. Der UvD wiederum weiß, dass ich weiß, dass er weiß, wer die Kugel rollt. Er kann sich in dieser Situation "benachteiligt" fühlen. Aber ich habe ihm einen Befehl gegeben. Er steht zwischen Baum und Borke. Er will es sich mit den EK's nicht verderben, er will aber auch keine Bestrafung riskieren. Er wird also versuchen, zu einer Art Gentlemans Agreement zu kommen. Ergebnis, die Kugel hört auf zu rollen und ich habe darauf Einfluss genommen, ohne mich zum hin und her springenden Kasper zu machen.

Das war die Möglichkeit, mit den harmloseren Sachen umzugehen. Es gab auch schlimmere Sachen, aber von denen habe ich i.d.R. nichts erfahren oder eben zu spät und manchmal auch aus anderen Kanälen.

ciao Rainman


@Rainman2, hatte in der Sache Bandmaß, auch eine schöne Erinnerung im GR 3, mit unseren Regimenter Oberst O....! Wir sollten Holz aus dem Wald im Sperrgebiet für ihn holen, wen ich mich noch richtig erinnere, brauchte er für einen Hochstand Stämme so stark und so lang. Nun wollte er messen hatte aber den Zollstock vergessen! Was war seine Frage an uns Gefreiten, bitte mal ihre Bandmaße zum messen, was wir natürlich verneinten ! Er sagte nur: Wir sollen uns nicht so haben, wir bekommen sie ja wieder und er hätte sie ja nicht gesehen. Da er ein Mann war der sein Wort hielt gaben sie wir raus! Er hatte es auch gehalten und wir konnten schön weiter schneiden! Glaube das passt zu Deinem Kommentar!
Grüsse Steffen52


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#186

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 21:11
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #169
Mich würde mal interessieren ob die Polits auch an den Blödsinn geglaubt haben den sie uns erzählt haben .

Wahrscheinlich nicht, wenn sie halbwegs intelligent waren.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#187

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 21:22
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #162
Bezüglich der "Grenzverletzer" gibt es natürlich Standpunkte jenseits des Extremen.

Es ist sicherlich nachvollziehbar, daß Grenzer auch für unbewaffnete Flüchtlinge wenig Verständnis aufbrachten, weil sie Ärger und Lebensgefahr verursachten.
Aber sie als "Feinde" zu betrachten und ohne Gewissensbisse zu schießen - das war sicherlich die Ausnahme.

Hatten wir nicht eher eine Scheißangst vor solch einer Situation - ganz einfach, weil das Töten von Menschen ein Tabubruch ist, ganz unabhängig von Befehlen und weil diese Befehle einen in Gewissenskonflikte brachten.

Selbst im Krieg gegen bewaffnete Feinde zermürben solche Skrupel die Persönlichkeit von Soldaten.

Gruß
Micha


So? Das würde ich nicht unbedingt so sehen.



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#188

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 21:39
von Sperrbrecher | 1.657 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #177
Oder unsere Stabü-Lehrerin an der Schule welche voller Stolz im Oktober '69 von ihrer Teilnahme an der großen Demo in Berlin erzählte und voller Stolz verkündete das sie mit dem großen Sowjetstern welchen sie tragen durfte und der mit so einer reflektierenden Folie überzogen war, durch das Brandenburger Tor in Richtung Westen funkelte um es den bösen Kapitalisten mal so richtig zu zeigen .....
Auch diese Frau war Überzeugt .....

....und wohl auch ziemlich schlicht gestrickt (um nicht zu sagen etwas dümmlich).
Die glaubte doch wohl nicht ernsthaft, dass sich irgend jemand in West-Berlin für eine solche Veranstaltung im "Sektor" überhaupt interessiert hat.
Ich habe von 1970 bis 78 in West-Berlin gewohnt, der Osten, der Sektor hat doch kaum einen interessiert. Vielen war ich mit meinen Interesse an den Ereignissen in Ost-Berlin bzw. der DDR eher noch suspekt.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#189

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 21:56
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #188
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #177
Oder unsere Stabü-Lehrerin an der Schule welche voller Stolz im Oktober '69 von ihrer Teilnahme an der großen Demo in Berlin erzählte und voller Stolz verkündete das sie mit dem großen Sowjetstern welchen sie tragen durfte und der mit so einer reflektierenden Folie überzogen war, durch das Brandenburger Tor in Richtung Westen funkelte um es den bösen Kapitalisten mal so richtig zu zeigen .....
Auch diese Frau war Überzeugt .....

....und wohl auch ziemlich schlicht gestrickt (um nicht zu sagen etwas dümmlich).
Die glaubte doch wohl nicht ernsthaft, dass sich irgend jemand in West-Berlin für eine solche Veranstaltung im "Sektor" überhaupt interessiert hat.
Ich habe von 1970 bis 78 in West-Berlin gewohnt, der Osten, der Sektor hat doch kaum einen interessiert. Vielen war ich mit meinen Interesse an den Ereignissen in Ost-Berlin bzw. der DDR eher noch suspekt.



Das ist das Stichwort zu dem "Imperialismus-Gedanken": Ist denn tatsächlich niemandem in der DDR aufgefallen, das sich der Westen -ich will es mal ganz drastisch formulieren- grundsätzlich einen Dreck um den Osten geschert hat? Niemand wollte da freiwillig hin ausser er hatte Verwandte dort. Niemand nahm von denen dort Kenntnis im Sinne vom Wecken oder gar noch Sprechen über Begehrlichkeiten. Den Westen intererssierte so rein gar nichts vom Osten: Weder Musik, Mode, Küche, Keller, alle Produkte im weitesten Sinne, alles war völlig uninteressant für den Westen (außer ein paar Dingen, die im Westen als Billigramsch in der untersten Preiskathegorie angeboten wurden, wie z.B. Pentacon-Produkte oder Orwo-Filme). Im Gegenteil: In Gegenrichtung gab es zahlreiche Begehrlichkeiten.

n



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#190

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 22:03
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #186
Zitat von linamax im Beitrag #169
Mich würde mal interessieren ob die Polits auch an den Blödsinn geglaubt haben den sie uns erzählt haben .

Wahrscheinlich nicht, wenn sie halbwegs intelligent waren.


Hallo Sperrbrecher,

nach meiner Auffassung und auch Erfahrung hat das nichts mit Intelligenz zu tun. Es beruht auf der Erziehung, dem daraus resultierenden Glauben, woraus sich wiederum u.a. die Art der Aneignung von Wissen, die Filterung des Wahrgenommenen sowie die Wertung aufgenommener Informationen und Meinungen ergab. Ich hatte hier schon zu einer der grundsätzlichen Gedankenschleifen (Aggressivität des Imperialismus - Grenzsicherung) geschrieben. Ähnlich verhielt es sich mit meiner Auffassung zur Parteiführung. Ich hatte ein Axiom für mich aufgestellt: "Die Führung einer Partei der Arbeiterklasse wird die Arbeiterklasse nicht verraten". Wenn ich diesen Satz heute lese, muss ich fast selbst an mir zweifeln, aber dieser Satz beherrschte, wie andere ähnliche mein Denken. Griff also jemand die Parteiführung an, oder meldete er auch nur Zweifel an selbiger an, wurde sofort meine "revolutionäre Wachsamkeit" auf den Plan gerufen. Irgendwann verfestigt sich das derart im eigenen Denken, dass man selbst die offensichtlichsten Wahrheiten nicht mehr erkennen kann, weil man sie nicht erkennen will. Die Mauer, die man im eigenen Kopf dazu gebaut hat, ist viel zu hoch und zu fest geworden, als das ein einzelnes Ereignis oder eine einfache konträre Meinung sie erschüttern konnte. Nur der Zusammenbruch des Systems konnte einen Einsturz des Glaubensgerüsts herbeiführen, bei mir zumindest.

Dennoch gab es Sachen, die machte man mit und erzählte sie, weil es "irgendwie dazu gehörte". Mein Lieblingsbeispiel: Der sozialistische Wettbewerb. Jeder wusste, dass das Ding nach oben eine Notlüge und nach unten eine Zwecklüge war. Ich habe trotzdem so getan, als wäre das wichtig und entscheidend. Warum? Wie kommt man mit dem Konflikt klar? Wenn ich mich recht entsinne, habe ich mir das innerlich so zurechtgebogen, dass ich das theoretische Konzept des Sozialistischen Wettbewerbes akzeptierte und als richtig bewertete, mich aber darüber hinweg trösten musste, dass die Gesellschaft noch nicht so weit war, denselben voll und richtig zu entfalten. Das klingt nicht sehr intelligent? Nun ja, zufällig kenne ich meinen Intelligenzgrad und kann daher ruhigen Gewissens sagen: An der Intelligenz liegt es nicht. Es liegt an der Fähigkeit bzw. Unfähigkeit, sie richtig einzusetzen. Also ist es fehlende Klugheit, fehlende Weltsicht, mangelnde Erfahrung. Das attestiere ich mir definitiv für die damalige Zeit (und zum Teil auch noch für heute - aber ein bisschen dumm geht schon in Ordnung).

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


studfri hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#191

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 22:20
von studfri | 762 Beiträge

Ich danke Dir @Rainman für dein offenes Statement.
Sei mir bitte nicht böse aber es fällt sehr sehr schwer, sich in diese "Denke" hineinzuversetzen.

Ich kann mir das überhaupt nur so vorstellen, als dass man vieles einfach ausblendet und/oder sich selbst belügt.

Ich will mal etwas fragen: Hast Du damals schon mal West-TV gesehen oder auch nur West-Musik gehört? Sind Dir die Unterschiede da nicht aufgefallen? Welche Erklärung hast Du dir dafür zurecht gelegt?.



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#192

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 22:25
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #189
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #188
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #177
Oder unsere Stabü-Lehrerin an der Schule welche voller Stolz im Oktober '69 von ihrer Teilnahme an der großen Demo in Berlin erzählte und voller Stolz verkündete das sie mit dem großen Sowjetstern welchen sie tragen durfte und der mit so einer reflektierenden Folie überzogen war, durch das Brandenburger Tor in Richtung Westen funkelte um es den bösen Kapitalisten mal so richtig zu zeigen .....
Auch diese Frau war Überzeugt .....

....und wohl auch ziemlich schlicht gestrickt (um nicht zu sagen etwas dümmlich).
Die glaubte doch wohl nicht ernsthaft, dass sich irgend jemand in West-Berlin für eine solche Veranstaltung im "Sektor" überhaupt interessiert hat.
Ich habe von 1970 bis 78 in West-Berlin gewohnt, der Osten, der Sektor hat doch kaum einen interessiert. Vielen war ich mit meinen Interesse an den Ereignissen in Ost-Berlin bzw. der DDR eher noch suspekt.



Das ist das Stichwort zu dem "Imperialismus-Gedanken": Ist denn tatsächlich niemandem in der DDR aufgefallen, das sich der Westen -ich will es mal ganz drastisch formulieren- grundsätzlich einen Dreck um den Osten geschert hat? Niemand wollte da freiwillig hin ausser er hatte Verwandte dort. Niemand nahm von denen dort Kenntnis im Sinne vom Wecken oder gar noch Sprechen über Begehrlichkeiten. Den Westen intererssierte so rein gar nichts vom Osten: Weder Musik, Mode, Küche, Keller, alle Produkte im weitesten Sinne, alles war völlig uninteressant für den Westen (außer ein paar Dingen, die im Westen als Billigramsch in der untersten Preiskathegorie angeboten wurden, wie z.B. Pentacon-Produkte oder Orwo-Filme). Im Gegenteil: In Gegenrichtung gab es zahlreiche Begehrlichkeiten.
n


Rot: In der Tat ist es so gewesen, daß bei politischen Schulungen oder Diskussionen schon mal die Frage gestellt wurde, wenn es den Arbeitslosen dort so schlecht ginge, warum sie dann nicht in die DDR übersiedeln. Diese Frage konnte keiner vernünftig beantworten, nur mit allgemeinen Floskeln oder Phrasen.
Grün: Bei alle Produkte und wenn dann nur Billigramsch liegst Du um einiges daneben. Bei vielen Konsumgütern wird es so gewesen sein, aber die Qualität war sicher nicht die Schlechteste. Die Schuhe von hier, unter Qualitätskontrolle der Salamander-Leute, wirst Du doch wohl nicht als Billigramsch betrachten. Unser Kleber, den wir in die Salamander-tuben (Saladur) füllten, hatte eine bessere Qualität als der Original-Salamanderklebstoff. Der Betrieb meines Vaters (Möbel) hatte umfangreiche Geschäftskontakte zu Händlern aus der BRD. Es wurden vielfach Importmaterialien verarbeitet. Diese Produkte standen vergleichbaren Möbeln aus dem Westen nicht nach. Daß sie etwas billiger verkauft wurden, hatte nichts mit der Qualität zu tun. In Leuna wurde Methanol produziert. Die Qualität entsprach höchsten Anforderungen, sodaß dieses exportiert wurde und dafür preisgünstigeres, aber von einer etwas niedrigeren Qualität importiert. Das sind nur ein paar Beispiele aus Gebieten, die ich kenne. Da wird es noch eine ganze Menge andere Beispiele geben. Deine Meinung zu den Ostprodukten halte ich deshalb für sehr oberflächlich.



zuletzt bearbeitet 02.02.2014 22:29 | nach oben springen

#193

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 22:31
von eisenringtheo | 9.178 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #189
(...)

Das ist das Stichwort zu dem "Imperialismus-Gedanken": Ist denn tatsächlich niemandem in der DDR aufgefallen, das sich der Westen -ich will es mal ganz drastisch formulieren- grundsätzlich einen Dreck um den Osten geschert hat?(...)
(...)



Die sozialistischen Staaten waren der "natürliche" Feind der freiheitlichen Marktwirtschaft; ein Irrläufer der Geschichte. Es war deshalb die Aufgabe der freien Welt, die unterdrückten Völker hinter dem eisernen Vorhang von ihrem schweren Joch zu befreien. Das war die Rede vieler Politiker und viele im Westen hatten deshalb Mitleid mit den Menschen im Osten. Vielleicht weniger die Deutschen mit Verwandten und Bekannten im Osten, aber viele andere ohne Bezug zum Osten, speziell die Amerikaner.

Theo


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#194

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 22:35
von studfri | 762 Beiträge

Mir ist natürlich bekannt, dass einige Westfirmen ihre Waren teilweise im Osten produzieren liessen. Ein Beispiel ist das Regalsystem "Billy" von Ikea.

Was Du sonst schreibst zu "Salamander-Schuhen" z.B.: Ok, ich korrigiere mich: Waren im unteren und untersten Preissektor. Da Du Dich ja mit Möbeln auskennst: Gute Ware hörte in Deutschland schon immer auf die Namen "Interlübke", "WK", "Hülsta", "Musterring" u.s.w.. Und die liessen ganz sicher nicht in der DDR produzieren.



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#195

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 22:38
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von studfri im Beitrag #189
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #188
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #177
Oder unsere Stabü-Lehrerin an der Schule welche voller Stolz im Oktober '69 von ihrer Teilnahme an der großen Demo in Berlin erzählte und voller Stolz verkündete das sie mit dem großen Sowjetstern welchen sie tragen durfte und der mit so einer reflektierenden Folie überzogen war, durch das Brandenburger Tor in Richtung Westen funkelte um es den bösen Kapitalisten mal so richtig zu zeigen .....
Auch diese Frau war Überzeugt .....

....und wohl auch ziemlich schlicht gestrickt (um nicht zu sagen etwas dümmlich).
Die glaubte doch wohl nicht ernsthaft, dass sich irgend jemand in West-Berlin für eine solche Veranstaltung im "Sektor" überhaupt interessiert hat.
Ich habe von 1970 bis 78 in West-Berlin gewohnt, der Osten, der Sektor hat doch kaum einen interessiert. Vielen war ich mit meinen Interesse an den Ereignissen in Ost-Berlin bzw. der DDR eher noch suspekt.



Das ist das Stichwort zu dem "Imperialismus-Gedanken": Ist denn tatsächlich niemandem in der DDR aufgefallen, das sich der Westen -ich will es mal ganz drastisch formulieren- grundsätzlich einen Dreck um den Osten geschert hat? Niemand wollte da freiwillig hin ausser er hatte Verwandte dort. Niemand nahm von denen dort Kenntnis im Sinne vom Wecken oder gar noch Sprechen über Begehrlichkeiten. Den Westen intererssierte so rein gar nichts vom Osten: Weder Musik, Mode, Küche, Keller, alle Produkte im weitesten Sinne, alles war völlig uninteressant für den Westen (außer ein paar Dingen, die im Westen als Billigramsch in der untersten Preiskathegorie angeboten wurden, wie z.B. Pentacon-Produkte oder Orwo-Filme). Im Gegenteil: In Gegenrichtung gab es zahlreiche Begehrlichkeiten.

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@studfri, also mit diesen Sätzen lehnst Du Dich ganz schön weit aus dem Fenster, den ganz so war es nicht! Ich hatte und habe in den alten Bundesländern viel Verwandschaft und die haben sich schon mit der DDR beschäftigt und haben es bedauert das recht gute Ware so billig verramscht wurde. Sie waren auch immer erstaunt, da sie ja pro Tag 25 D-Mark in DDR-Mark tauschen mußten und wollten nun das und jenes dafür kaufen, aber leider gab es das nicht. Aber sie wussten schon das viele Dinge in der BRD aus der DDR gab und hier nicht! Da haben sie sich schon ihre Gedanken gemacht. Also nicht alle über einen Kamm scheren! Klar, ist es so gewesen, das die ehemaligen DDR-Bürger sich etwas mehr mit der BRD beschäftigt haben als umgekehrt! Das Hauptproblem war aber auch, das man sich an die Teilung gewöhnt hatte und die wenigsten in der alten BRD geglaubt haben das es mal anders wird! Auch lebte man als Randzonengebiet nicht schlecht, es gab einen schönen Bonus vom Staat! Auch denke ich an die Westberliner Laubenpieper, den ihre Grundstücke an der Mauer endeten. Was für eine Ruhe hatten sie da, also alles bedenken.Wen sie dann auf Besuch in die DDR kamen, dann kam für uns der reiche Onkel aus den Westen und wir haben uns den Arsch auf gerissen um alles mögliche ran zu schaffen um etwas zu bieten! Dan kam der Spruch, was wollt ihr es gibt doch alles in der DDR, dann haben wir uns darüber unterhalten und am nächsten Tag sind sie selbst los. Haben sich dann selbst ein Bild von dem Angebot in diesen Staat gemacht! Das ist meine Erfahrung mit den damaligen Bundesbürgern. Also,studfri, ich bin bestimmt nicht einer der diesen Staat nachtrauert , hatte genug Probleme mit ihm, aber alles kann man nicht so stehen lassen, was Du schreibst!!!
Grüsse Steffen52


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#196

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 22:43
von Alfred | 6.849 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #189
Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #188
Zitat von Nostalgiker im Beitrag #177
Oder unsere Stabü-Lehrerin an der Schule welche voller Stolz im Oktober '69 von ihrer Teilnahme an der großen Demo in Berlin erzählte und voller Stolz verkündete das sie mit dem großen Sowjetstern welchen sie tragen durfte und der mit so einer reflektierenden Folie überzogen war, durch das Brandenburger Tor in Richtung Westen funkelte um es den bösen Kapitalisten mal so richtig zu zeigen .....
Auch diese Frau war Überzeugt .....

....und wohl auch ziemlich schlicht gestrickt (um nicht zu sagen etwas dümmlich).
Die glaubte doch wohl nicht ernsthaft, dass sich irgend jemand in West-Berlin für eine solche Veranstaltung im "Sektor" überhaupt interessiert hat.
Ich habe von 1970 bis 78 in West-Berlin gewohnt, der Osten, der Sektor hat doch kaum einen interessiert. Vielen war ich mit meinen Interesse an den Ereignissen in Ost-Berlin bzw. der DDR eher noch suspekt.



Das ist das Stichwort zu dem "Imperialismus-Gedanken": Ist denn tatsächlich niemandem in der DDR aufgefallen, das sich der Westen -ich will es mal ganz drastisch formulieren- grundsätzlich einen Dreck um den Osten geschert hat? Niemand wollte da freiwillig hin ausser er hatte Verwandte dort. Niemand nahm von denen dort Kenntnis im Sinne vom Wecken oder gar noch Sprechen über Begehrlichkeiten. Den Westen intererssierte so rein gar nichts vom Osten: Weder Musik, Mode, Küche, Keller, alle Produkte im weitesten Sinne, alles war völlig uninteressant für den Westen (außer ein paar Dingen, die im Westen als Billigramsch in der untersten Preiskathegorie angeboten wurden, wie z.B. Pentacon-Produkte oder Orwo-Filme). Im Gegenteil: In Gegenrichtung gab es zahlreiche Begehrlichkeiten.

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Meissner Porzellan BILLIG - Ramsch ?


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#197

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 22:45
von utkieker | 2.923 Beiträge

Im Sicherungszug GüSt Salzwedel hatten wir überhaupt keinen Polit, unser Zugführer Hptm. E. war alles in einer Person. Für unser Gruppenbuch sollte auch immer das "aktuell" politische Gespräch geführt werden. Dieses Gespräch, wenn es dann geführt worden ist war nie aktuell, denn das Thema wurde schon Monate zuvor bestimmt. Ich habe lange dagegen angestunken aber man hat keine Chance gegen verordnete Heuchelei anzugehen. Traute man einen Unteroffizier nicht zu, daß er in eigener Initiative auf aktuelle politische Ereignisse reagiert. Man vergibt sich Einiges, wenn man nur Schematismus gelten lässt und jede Art von Flexibilität, Kreativität und Phantasie unterbunden wird. Meine Respektlosigkeit gegen Vorgesetzte hat mir viel Ärger eingebracht. Aber Kritik muß doch erlaubt sein!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#198

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 22:47
von DoreHolm | 7.703 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #194
Mir ist natürlich bekannt, dass einige Westfirmen ihre Waren teilweise im Osten produzieren liessen. Ein Beispiel ist das Regalsystem "Billy" von Ikea.

Was Du sonst schreibst zu "Salamander-Schuhen" z.B.: Ok, ich korrigiere mich: Waren im unteren und untersten Preissektor. Da Du Dich ja mit Möbeln auskennst: Gute Ware hörte in Deutschland schon immer auf die Namen "Interlübke", "WK", "Hülsta", "Musterring" u.s.w.. Und die liessen ganz sicher nicht in der DDR produzieren.



Die Formulierunge "ließen in der DDR produzieren" ist m.E. etwas irreführend. Das klingt so nach der gegenwärtig unleidigen und blödsinnigen Medienschelte für Westfirmen, die Produkte aus der DDR kauften, natürlich mit Lieferauftrag, wenn man das als "produzieren ließen" bezeichnen möchte. Das waren damals ganz normale Handelsbeziehungen, oft auf Messen geknüpft. Wie heute auch. Da kann man heute eher von "ließen dort und dort" produzieren reden, wenn z.B. VW in Polen und Adidas in Asien produzieren lassen und diese Produktionsstätten gezielt gesucht werden, was damals nicht vordergründig der Fall war.



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#199

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 23:05
von 94 | 10.792 Beiträge

Weiß zwar nicht was Gestattungsproduktion und Inlandsexporte mit dem Thema zu tun haben, außer das man einen nicht so ganz sattelfesten Polit da schon mit ein zwei Nachfragen (a la Lutzle) gezielt ins Schleudern bekommen hätte können. Aber das Thema mit dem Profit beim Waffenexport hatten'mer ja schone mal etwas weiter oben (#108), also hier ein Exportschlager und da war 'Made in GDR' auch kein Geheimnis:


Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Merkel

Und billig waren (und sind auch heute noch) die Teile nun nicht gerad.
Als Beispiel mal nach einer Bockdoppelflinte 201 suchen und das ist noch eine der Billigeren.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 02.02.2014 23:06 | nach oben springen

#200

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 23:06
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Jaja, Kneisel-Ski wurden bei Germina hergestellt (hab sie selber in der Fertigung gesehen) ... aber das ist nicht das Thema. West-Produkte, die im Osten produziert wurden - ich glaube, dazu gibt es schon einen Thread.

Zitat von studfri im Beitrag #191
Ich danke Dir @Rainman für dein offenes Statement.
Sei mir bitte nicht böse aber es fällt sehr sehr schwer, sich in diese "Denke" hineinzuversetzen.

Ich kann mir das überhaupt nur so vorstellen, als dass man vieles einfach ausblendet und/oder sich selbst belügt.

Ich will mal etwas fragen: Hast Du damals schon mal West-TV gesehen oder auch nur West-Musik gehört? Sind Dir die Unterschiede da nicht aufgefallen? Welche Erklärung hast Du dir dafür zurecht gelegt?.

Hallo studfri,

Das mit dem Ausblenden bestätige ich. Das mit dem sich selbst belügen - da wäre ich vorsichtig. Das Problem in der Auseinandersetzung mit uns alten Roten Socken war und ist, dass uns immer wieder Lüge und Unehrlichkeit unterstellt wird. Nun plädiere ich nicht für Zimperlichkeit im Umgang mit mir, denn ich war früher auch nicht zimperlich, und da darf einiges auch wieder auf mein Haupt zurückkommen. Aber ich würde doch sagen, dass das Wort Selbstbetrug eher passt. Um sich selbst zu belügen, müsste man vorher in irgendeiner Form eine Wahrheit dazu gehabt haben. Für mich waren aber die hier genannten Axiome meine Wahrheit. Ich hatte keine andre akzeptiert und konnte somit nicht zu einer Lüge oder Selbstlüge kommen. Ich habe Sichten bewusst ausgeblendet, wenn sie mein einfaches, heiles, revolutionär-kuscheliges Weltbild angriffen oder gefährdeten. Dahinter steckte aber eher eine Naivität, als eine Lüge.

Im Übrigen: Ich habe Westsender und westliche Musik gehört. Ich bin mit den Nachrichten des Deutschlandfunks groß geworden - und dem immer wieder von meiner Großmutter dazu gemurmelten Satz: Die lügen wieder was zusammen. Die pragmatische Seite der Kapitalismuskritik seitens meiner Großmutter hatte ich an anderer Stelle schon mehrfach erwähnt. Die Parolen gegen den Westen kamen in meiner Familie nicht aus der sozialistischen Ideologie, sondern aus der Lebenserfahrung. Sie waren eine der wesentlichen Grundlagen für mein naives und einfaches Weltbild, das tatsächlich auf dem Schema Gut-Böse basierte. Insofern waren die Westsender in erster Linie für mich Feindsender. Ich habe mich selbst im Übrigen an das Verbot gehalten. Allerdings bei Besuchen bei meiner Mutter wurde dort auch Westfernsehen angeschaut. Bei den Nachrichten wirkte der Filter - trau keiner Information, die vom Feind kommt. Da kam nichts an mich ran, da kam kein Zweifel auf. Die Filme, die Musik - tja. Das war dann wohl so, wie mit dem Mann, der gegen die sexuelle Ausbeutung der Frauen plädiert und nebenher ins Bordell geht. Da war ein Reiz, dem ich mich schwer entziehen konnte. Das war ein Punkt, an dem ich mir sagen musste: Hier bist Du schwach, aber ideologisch wirst Du nicht einknicken. Das war ein Selbstbetrug, würde ich sagen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


studfri, vs1400 und 80er haben sich für diesen Beitrag bedankt
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