#161

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 10:53
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von g.s.26 im Beitrag #158
Das die Grenze eher freundwärts gesichert war, hast du bestimmt in deiner aktiven Zeit gemerkt. So meine Denkweise wenn ich heute die Modelle/Bilder der Grenze sehe. Gab es da bei dir/euch ein Grübeln? Und wenn ja, wie erklärt man das seinen Soldaten?



Hallo g.s.26,

Ideologeme funktionieren in der Regel in sich geschlossen. Beispiel:
Der Imperialismus ist in seinem Wesen aggressiv und friedensfeindlich --> Der Sozialismus ist in seinem Wesen friedenserhaltend --> Deshalb wird im Sozialismus die Grenze entschlossen gesichert --> Dass die Grenze von Seiten der Imperialisten nicht konsequent gesichert wird, ist ein Beweis für die Aggressivität und Friedensfeindlichkeit desselben --> Also, auch daraus ergibt sich: Der Imperialismus ist in seinem Wesen aggressiv und friedensfeindlich ... etc.
In ein solches System kommst Du von außen, mit Detailfragen oder spitzfindigen Hinweisen, nicht rein. Nur die grundsätzliche Erschütterung eines Teils dieses Glaubens bricht diese Kette auf und führt in den Zweifel oder noch weiter.

Nimm bitte diese Passage aus meinem vorherigen Post:
Zitat von Rainman2 im Beitrag #157
... Es galt für mich als Beweis der Friedensfeindlichkeit des Imperialismus, dass Streitkräfte der NATO mit schweren Waffen bis an die Grenze herangelassen wurden, dass jeder mögliche Provokateur bis an die Grenze herangelassen wurde. So etwas gab es bei uns nicht, denn wir setzten uns uneingeschränkt und konsequent für den Frieden ein. ...

Ich habe mir gestattet, das entscheidende Wort hervorzuheben. Bist Du einmal überzeugt, dass es so ist, ordnest Du alles was Du siehst und hörst der scheinbar sicheren, stabilen Erkenntnis unter. An dieser Stelle bist Du nicht mehr zu erschüttern und das gibt Dir selber das Gefühl von Kraft. Du bist nun in der Lage, auf der Basis eines festen Standpunktes andere zu überzeugen.

So habe ich als Polit im Grundprinzip funktioniert. Und das war auch der Sinn hinter dem Versuch, Grundüberzeugungen auszuprägen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


harzstreuner hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#162

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 11:10
von Freienhagener | 3.861 Beiträge

Bezüglich der "Grenzverletzer" gibt es natürlich Standpunkte jenseits des Extremen.

Es ist sicherlich nachvollziehbar, daß Grenzer auch für unbewaffnete Flüchtlinge wenig Verständnis aufbrachten, weil sie Ärger und Lebensgefahr verursachten.
Aber sie als "Feinde" zu betrachten und ohne Gewissensbisse zu schießen - das war sicherlich die Ausnahme.

Hatten wir nicht eher eine Scheißangst vor solch einer Situation - ganz einfach, weil das Töten von Menschen ein Tabubruch ist, ganz unabhängig von Befehlen und weil diese Befehle einen in Gewissenskonflikte brachten.

Selbst im Krieg gegen bewaffnete Feinde zermürben solche Skrupel die Persönlichkeit von Soldaten.

Gruß
Micha


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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zuletzt bearbeitet 02.02.2014 11:13 | nach oben springen

#163

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 11:26
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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An solche Geschichten wie "Achtung hier kommt ein Mörder" habe ich damals schon nicht geglaubt, mir war schon klar (auch ohne Polit) das kein DDR-Bürger illegal die DDR verlassen durfte und ich das wo ich stand per Befehl zu verhindern habe und die meisten davon Otto-Normal waren und allein durch den Fluchtvorgang zu "Verbrechern" wurden.
Ganz so verblödet von der Propaganda waren wir nun auch nicht als das es nicht zu einer eigenen Denke gereicht hätte.
Obwohl, bei manchen


Hapedi und Grenzverletzerin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.02.2014 11:41 | nach oben springen

#164

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 13:04
von DoreHolm | 7.695 Beiträge

Bezüglich sich Gedanken machen, daß die Grenze vor allem freundwäts gesichert war, was die Behauptung vom bösen Klassenfeind, vor dem man sich schützen muß, in Frage stellte, war uns schon klar, daß es vor allem um GV von Ost nach West ging und nicht vorrangig um Verhinderung von Eindringen des Klassenfeindes zu uns. Diese Tatsache hat eigentlich wenig dazu beigetragen, uns zum Zweifeln am Sinn unserer Präsenz an der Grenze zu bringen. Diese GWDler wären nach der Grundausbildung beim Gespräch gar nicht erst zur Grenze gekommen und in der Ausbildungskompanie verblieben.



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#165

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 13:46
von Freienhagener | 3.861 Beiträge

Wer hat schon sein Innerstes offenbart bei derartigen Gesprächen.............

Zum Sinn der Präsenz:
Eine alleinige Sicherung gen Westen hätte genauso erfolgen können wie beim BGS, d.h. nicht ununterbrochen, jede Minute mit hohem Personaleinsatz vor Ort.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 02.02.2014 13:58 | nach oben springen

#166

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 14:58
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Wie stark konnte ein Polit überhaupt auf die Motivation und die Leistung der Truppe einwirken? Und wie konnte man seine Leistung messen? In der Produktion ist es einfach. Eine gute Arbeit des (sozialistischen) Kaders äussert sich in besserer Erfüllung und Übererfüllung der Pläne. Das kann man messen und bewerten.
Bei der Armee kann ich mir das gar nicht so gut vorstellen.
Theo


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#167

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 15:08
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #166
Wie stark konnte ein Polit überhaupt auf die Motivation und die Leistung der Truppe einwirken? Und wie konnte man seine Leistung messen? In der Produktion ist es einfach. Eine gute Arbeit des (sozialistischen) Kaders äussert sich in besserer Erfüllung und Übererfüllung der Pläne. Das kann man messen und bewerten.
Bei der Armee kann ich mir das gar nicht so gut vorstellen.
Theo


Das Produkt eines stehenden Heeres heisst Sicherheit.
Das verursacht Kosten,ist aber nur bedingt messbar.

Zur Frage,wie ein Polit Motivation und Leistung bei der Truppe erzeugt,denke ich gerade an den im II WK angewendeten Kommissarsbefehl.
Warum wurden gefangengenommene Politoffiziere der Roten Armee von der Wehrmacht erschossen?

seaman


zuletzt bearbeitet 02.02.2014 15:13 | nach oben springen

#168

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 15:39
von eisenringtheo | 9.171 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #167
(..)

Zur Frage,wie ein Polit Motivation und Leistung bei der Truppe erzeugt,denke ich gerade an den im II WK angewendeten Kommissarsbefehl.
Warum wurden gefangengenommene Politoffiziere der Roten Armee von der Wehrmacht erschossen?

seaman






Das ist mir auch in den Sinn gekommen, allerdings können die Motivationen der Nazi keine Antwort auf die Frage sein. Der Umstand, dass man den Befehl wieder aufheben musste, beweist nur, dass die Polit damals im vaterländischen Krieg ein höheres Ansehen bei den Soldaten hatten, als man bei den Deutschen gedacht hat.
Aber wie sah es im Kalten Krieg aus? Hat Politunterricht eine Wirkung bei den GWD leistenden gehabt, oder haben sie ihre Ohren und ihr Hirn auf Durchzug gestellt.
Theo


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#169

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 16:05
von linamax | 2.019 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #168
Zitat von seaman im Beitrag #167
(..)

Zur Frage,wie ein Polit Motivation und Leistung bei der Truppe erzeugt,denke ich gerade an den im II WK angewendeten Kommissarsbefehl.
Warum wurden gefangengenommene Politoffiziere der Roten Armee von der Wehrmacht erschossen?

seaman






Das ist mir auch in den Sinn gekommen, allerdings können die Motivationen der Nazi keine Antwort auf die Frage sein. Der Umstand, dass man den Befehl wieder aufheben musste, beweist nur, dass die Polit damals im vaterländischen Krieg ein höheres Ansehen bei den Soldaten hatten, als man bei den Deutschen gedacht hat.
Aber wie sah es im Kalten Krieg aus? Hat Politunterricht eine Wirkung bei den GWD leistenden gehabt, oder haben sie ihre Ohren und ihr Hirn auf Durchzug gestellt.
Theo

Hallo eisenringtheo
Der Politunterricht hat bei mir keine Wirkung gezeigt nur dummes Geschwätz . Mich würde mal interessieren ob die Polits auch an den Blödsinn geglaubt haben den sie uns erzählt haben .


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#170

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 16:16
von Pit 59 | 10.138 Beiträge

Aber wie sah es im Kalten Krieg aus? Hat Politunterricht eine Wirkung bei den GWD leistenden gehabt, oder haben sie ihre Ohren und ihr Hirn auf Durchzug gestellt.
Theo

Da bin ich mir fast sicher das es eine positive Wirkung bei einigen gab,bei solchen die durch Mama und Papa schon" vorbelastet "waren.
Aber die meisten haben ,wie linamax schon schrieb auf Durchzug gestellt,denn das" Gesappere" konnte man sich auch einfach nicht Anhören.
Vorausgesetzt war dabei das man wusste wie der "Feind" Lebt,und was im "Feindesland" alles möglich ist.


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#171

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 16:20
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von linamax im Beitrag #169
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #168
Zitat von seaman im Beitrag #167
(..)

Zur Frage,wie ein Polit Motivation und Leistung bei der Truppe erzeugt,denke ich gerade an den im II WK angewendeten Kommissarsbefehl.
Warum wurden gefangengenommene Politoffiziere der Roten Armee von der Wehrmacht erschossen?

seaman






Das ist mir auch in den Sinn gekommen, allerdings können die Motivationen der Nazi keine Antwort auf die Frage sein. Der Umstand, dass man den Befehl wieder aufheben musste, beweist nur, dass die Polit damals im vaterländischen Krieg ein höheres Ansehen bei den Soldaten hatten, als man bei den Deutschen gedacht hat.
Aber wie sah es im Kalten Krieg aus? Hat Politunterricht eine Wirkung bei den GWD leistenden gehabt, oder haben sie ihre Ohren und ihr Hirn auf Durchzug gestellt.
Theo

Hallo eisenringtheo
Der Politunterricht hat bei mir keine Wirkung gezeigt nur dummes Geschwätz . Mich würde mal interessieren ob die Polits auch an den Blödsinn geglaubt haben den sie uns erzählt haben .

ja,@linamax,
das ist bei mir auch ein Punkt,
einen schönen Beruf erlernt,wo mancher Jugendlicher nur von träumen durfte,
und man landet als Polit-Offizier
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#172

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 16:20
von linamax | 2.019 Beiträge

Zitat von Pit 59 im Beitrag #170
Aber wie sah es im Kalten Krieg aus? Hat Politunterricht eine Wirkung bei den GWD leistenden gehabt, oder haben sie ihre Ohren und ihr Hirn auf Durchzug gestellt.
Theo

Da bin ich mir fast sicher das es eine positive Wirkung bei einigen gab,bei solchen die durch Mama und Papa schon" vorbelastet "waren.
Aber die meisten haben ,wie linamax schon schrieb auf Durchzug gestellt,denn das" Gesappere" konnte man sich auch einfach nicht Anhören.
Vorausgesetzt war dabei das man wusste wie der "Feind" Lebt,und was im "Feindesland" alles möglich ist.

Hallo Pit
Und diese Herren erzählen uns heute wo der Hammer hängt .


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#173

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 17:01
von Gert | 12.354 Beiträge

ich habe es bei der 6.GBK genauso erlebt wie Pit 59, Linamax und andere. Politunterricht war eine hinzunehmende Notwendigkeit. Aber Bedarf diese Inhalte, die der Politoffizier dort zum besten gab, aufzunehmen oder zu glauben, waren bei mir gleich 0. Mein Klassenstandpunkt war zu diesem Zeitpunkt bereits ganz gut gefestigt, es war aber nicht der Klassenstandpunkt, den dieser Oberleutnant dort vertrat.
Nur einmal hatte ich Freude. Zu meinem Erstaunen packte der Polit ein Tonbandgerät aus und betätigte den Startknopf. Welch eine Überraschung, aus den Lautsprechern kam flotte Musik der Beatles und eine anschließende Stationsansage des Senders "Radio Luxemburg", Vorläufer von RTL: Ich erlaubte mir ein ganz spontanes lautes "wauhh", als ich meinen Lieblingssender hörte. Den Rest könnt ihr euch denken. Der hatte das nicht zur Truppenbetreuung vorgespielt, sondern um die "ideolgische, imperialistische Kriegsführung" des Gegners zu dokumentieren. Wohlgemerkt, mit einem privat organisierten, profitorientierten Sender aus dem kleine Großherzogtum Luxemburg. ( Habe später meine "Imperialisten" in Luxemburg mal besucht, die waren so was von nett und überhaupt nicht kriegslüstern )

Soviel zu meiner Erfahrung mit Polits und ihrem Horizont, den sie im Politunterricht positionierten (@Rainman2 vergib mir aber andere Erfahrung habe ich nicht mit Polits )

edit Wort ergänzt weil sinnentstellend


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
zuletzt bearbeitet 02.02.2014 17:16 | nach oben springen

#174

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 19:00
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Zitat von eisenringtheo im Beitrag #166
Wie stark konnte ein Polit überhaupt auf die Motivation und die Leistung der Truppe einwirken? Und wie konnte man seine Leistung messen? In der Produktion ist es einfach. Eine gute Arbeit des (sozialistischen) Kaders äussert sich in besserer Erfüllung und Übererfüllung der Pläne. Das kann man messen und bewerten.
Bei der Armee kann ich mir das gar nicht so gut vorstellen.
Theo

Ein sehr schöne Frage, Theo!

Simpel und einfach gesprochen: Gar nicht!

Lief alles und gab es keine oder nur wenige Vorkommnisse, dann musste folglich der politisch-moralische Zustand der Einheit gut sein, also war auch die Arbeit des Polits gut. Gab es Vorkommnisse, musste es genau umgekehrt sein und der Polit bekam Ärger. Bei fast jedem größeren Vorkommnis stand man als Polit mit auf der Matte und wurde oft auch mit bestraft. Kontrollen durch die Politabteilungen vorgesetzter Stäbe befragten Soldaten, wie das mit dem Politunterricht und der Agitation lief. Die Überraschung: Diese Gespräche liefen alle glimpflich ab, obwohl ich zum Beispiel eine Zeitlang die "Tägliche Aktuell-Politische Lageinformation" vor dem Grenzdienst (20 Minuten befohlener Bestandteil der Vorbereitungszeit) hatte schleifen lassen. Und der Grund für die Rückendeckung: Kein Unterstellter fällt seinem Vorgesetzten ohne Not in den Rücken. Ich ließ sie etwas länger in Ruhe und sie fielen mir nicht in den Rücken. Ansonsten schauten die Kontrolloffiziere in die Dienstbücher der Polits, auf die ausgehängten Arbeitspläne und auf die Wandzeitung. War das halbwegs in Ordnung, galt die politische Arbeit als gut. Das brachte noch keine Prämie, aber auch noch keinen Anschiss.

Ansonsten muss ich schon ein wenig schmunzeln, wenn ich hier so lese, wie der Eindruck einer flächendeckenden Widerstandsbewegung aus den Soldatenstuben erzeugt werden soll. Das waren genau solche Bengelchen zwischen 20 und 25 wie ich seinerzeit. Die meisten kamen halbwegs eingeschüchtert aus der Ausbildung, versuchten dann zwischen EK's und Vorgesetzten eine Balance zu finden, um nirgends zu sehr anzuecken und wurden dann bisweilen als EK's selbst unausstehlich, wobei auch die meisten an den pünktlichen Heimgang dachten und eine Menge mitmachten. Die Reaktion auf "Rotlichtbestrahlungen" war tatsächlich flächendeckende Apathie. Manchmal guckte einer frech unterm Pantoffel vor, manchmal diskutierte einer mehr, als die anderen. Aber das waren überschaubare Grenzen. Einen wirklich auf andere übergreifenden offenen Widerstand habe ich nicht erlebt.

Und eines noch: Wir hatten ein Informationsmonopol. Sicher wurde das durch heimliches Hören von Westsendern unterlaufen, aber, es erschient mir auch erwähnenswert, dass nicht von allen alles geglaubt wurde, was da rüber kam. Der entscheidende Ansatzpunkt für den Politstellvertreter war die Grundorganisation der SED in seinem Bereich. Dort konnte wesentlich mehr für die Motivation der gesamten Einheit geleistet werden, als in den Schulungen und Agitationsveranstaltungen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


eisenringtheo, Pitti53, 80er und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.02.2014 19:01 | nach oben springen

#175

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 19:05
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Auch wenn es eventuell blöd klingt, hätte man 50% der Zeit die für die politische Formung des Soldaten aufgewendet wurde in eine ordentliche Schieß-Ausbildung investiert, dann würden heute etliche Leute noch leben.
Wie geschrieben, was ich machen musste wusste ich auch so, beim Fall der Fälle hätt ich aber lieber in die Beine getroffen als weiter oberhalb.


harzstreuner hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.02.2014 19:07 | nach oben springen

#176

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 19:17
von Lutze | 8.034 Beiträge

es gab doch solche abartigen Spielchen,
die Musikbox fällt mir dazu ein,
sowas ist menschenunwürdig,
ein Polit-Offizier war doch nicht blöd,
ist das nicht beim Polit aufgefallen?,
bei sowas kann man doch nicht wegschauen,
konnte man daran auch zweifeln?,
auch wenn es mehr von der EK-Bwegung kam
Lutze


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wer nicht kämpft hat schon verloren
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#177

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 19:19
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Bis jetzt habe ich mich aus diesem Thread herausgehalten weil es für mich ein Widerspruch in sich ist; auf der einen Seite Polit-Offizier zu sein und auf der anderen Seite Zweifel an den zu vermittelnden Inhalten zu haben.
Das geht aus meiner Sicht nicht, der Gewissenskonflikt würde mit der Zeit so groß, der Leidensdruck damit auch, so dass dieser Politnik letztendlich durchdrehen müßte .......

Die Argumentationskette von @Rainman2 als Beispiel bezüglich des "aggressiven Charakters" der Nato Armeen, einfach weil sie ihre Grenze so lax sicherten kann ich allerdings nachvollziehen.
Nicht bei der Armee aber in anderen Bereichen sind mir solche verquer denkenden Menschen durchaus begegnet. Nicht nur das sie soetwas geäußert haben, sie waren auch noch felsenfest von der Richtigkeit ihrer Aussagen überzeugt.
Wer es wagte solche prinzipiellen Aussagen auch nur sachte anzuzweifeln wurde sofort mit einem Argument der revolutionären Wachsamkeit; "mangelnder und/oder fehlender Klassenstandpunkt" festgenagelt.

An anderer Stelle hatte ich, glaube ich jedenfalls, über eine offiziell vorgebrachte Meinung einer Kollegin im Zusammenhang mit der Entführung der Landshut gebracht. Nachdem sie gefragt wurde ob wir in der DDR nicht auch unser Mitgefühl und Bangen mit den entführten Bürgern der BRD bekunden können antwortete sie sinngemäß; das es sich hierbei um Bürger eines kapitalistischen, uns feindlich gesinntem System handle und sie aus diesem Grunde keinerlei Mitleid und Mitgefühl mit diesen Menschen habe. Da stände ihr jeder Mensch in unserem Bruderland SU emotional wesentlich näher ......
Was sollte man damals darauf sagen?

Oder unsere Stabü-Lehrerin an der Schule welche voller Stolz im Oktober '69 von ihrer Teilnahme an der großen Demo in Berlin erzählte und voller Stolz verkündete das sie mit dem großen Sowjetstern welchen sie tragen durfte und der mit so einer reflektierenden Folie überzogen war, durch das Brandenburger Tor in Richtung Westen funkelte um es den bösen Kapitalisten mal so richtig zu zeigen .....
Auch diese Frau war Überzeugt .....
So und gerade beim letzten Beispiel wie soll ich als Schüler mit so eine fanatischen Gläubigen im Unterricht anfangen zu diskutieren?
Selbstmörderisch war keiner von uns in der Klasse veranlagt, alle wollten ihr Abitur.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#178

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 19:23
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #176
es gab doch solche abartigen Spielchen,
die Musikbox fällt mir dazu ein,
sowas ist menschenunwürdig,
ein Polit-Offizier war doch nicht blöd,
ist das nicht beim Polit aufgefallen?,
bei sowas kann man doch nicht wegschauen,
konnte man daran auch zweifeln?,
auch wenn es mehr von der EK-Bwegung kam
Lutze

Die Musikbox gab es in der Grenzkompanie nicht. Hier musste sich einer auf den anderen verlassen können.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#179

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 19:24
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Pit 59 im Beitrag #170
Aber wie sah es im Kalten Krieg aus? Hat Politunterricht eine Wirkung bei den GWD leistenden gehabt, oder haben sie ihre Ohren und ihr Hirn auf Durchzug gestellt.
Theo

Da bin ich mir fast sicher das es eine positive Wirkung bei einigen gab,bei solchen die durch Mama und Papa schon" vorbelastet "waren.
Aber die meisten haben ,wie linamax schon schrieb auf Durchzug gestellt,denn das" Gesappere" konnte man sich auch einfach nicht Anhören.
Vorausgesetzt war dabei das man wusste wie der "Feind" Lebt,und was im "Feindesland" alles möglich ist.


Dann werde ich mal etwas in den Erinnerungen von damals wühlen .
Wie war es denn mit der Parteigruppe in den Grenzkompanien , habt ihr uns nicht Parteigenossen , nach euren Versammlungen, erst mal links liegen lassen . Jeder Genosse von euch sollte doch Vorbild aller Grenzer sein . Wir hatten einen Politoffiz. , wenn er mal auf Kontrolle draußen war ,hat er zu erst gefragt , wer ist Genosse, war einer dabei , sind sie zur Seite gegangen und haben getuschelt.
Auf politische Gespräche hat sich doch keiner eingelassen .
Mensch Lutze , wo es eine richtige EK -Bewegung in der Kompanie gab , da ging die Post ab . bei uns wurden alle neu Ankömmlinge als Rotärsche bezeichnet , es hat sich keiner Beschwert , das was man bekommen hat , wurde weiter gegeben .

MfG ratata


zuletzt bearbeitet 02.02.2014 19:33 | nach oben springen

#180

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 19:33
von mibau83 | 821 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #178
Zitat von Lutze im Beitrag #176
es gab doch solche abartigen Spielchen,
die Musikbox fällt mir dazu ein,
sowas ist menschenunwürdig,
ein Polit-Offizier war doch nicht blöd,
ist das nicht beim Polit aufgefallen?,
bei sowas kann man doch nicht wegschauen,
konnte man daran auch zweifeln?,
auch wenn es mehr von der EK-Bwegung kam
Lutze

Die Musikbox gab es in der Grenzkompanie nicht. Hier musste sich einer auf den anderen verlassen können.



das kann ich auch nur bestätigen. lutze was hätte eine derartige sache gebracht, wenn der gedemütigte am nächsten tag neben dir mit einer kalaschnikow und 40 schuss steht ?
auf einer gk war eigentlich ständig jeder übermütet, dass galt für offiziere und mannschaft. ständig wechselnde schichten, grenzalarme und zusätzliche sicherungsaufgaben wenn irgendwo im abschnitt gebaut wurde sind nur einige beispiele.
in der wenigen freien zeit die einem blieb, schlief man lieber als mit anderen musikbox zu spielen.


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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