#141

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 15:16
von exgakl | 7.238 Beiträge

Zitat von zoll im Beitrag #139
Egal wie die Überschrift zu dieser Angelegenheit nun lautet. Wozu war ein Polit überhaupt erforderlich? Welche sinnvolle Tätigkeit sollte er denn ausüben? Woher hatte er denn seine Weisheiten? Wen konnte er denn beeindrucken?
Fragen über Fragen nach der Sinnlosigkeit dieses Regimes und seiner Amtsträger! Hätte man diese Planstelle ersatzlos gestrichen, wäre die DDR noch einige Monate länger überlebensfähig gewesen. Wer glaubt, dieser Dienstposten wäre damals nötig gewesen, der sollte endlich versuchen in der Realität anzukommen!
zoll


aha....


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#142

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 15:17
von Lutze | 8.042 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #140
Zitat von Lutze im Beitrag #133
Zitat von Pitti53 im Beitrag #132
Zitat von Lutze im Beitrag #131
er hat versagt,die haben versagt,
davon bin ich ausgegangen,
es stimmt,doch meine Schuld
Lutze


ICH habe es geändert

Wie soll es denn nun sein???


versagende Polit-Offiziere,damit wäre ich einverstanden
Lutze


Wem versagen sie etwas ? Hach ja, deutsche Sprache - schwere Sprache.


was mich verwundert,
viele können mit diesem Thema was anfangen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#143

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 19:14
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #136
... hat ein Polit-Offizier an seine Tätigkeit schon im Vorfeld
dran gezweifelt?,das glaube ich weniger,
im Nachhinein stellte sich doch raus,
habe ich gezweifelt?,
habe ich versagt?,
oder war ich verzweifelt gewesen?
Lutze

Hallo Lutze,

das mit den Zweifeln im Vorfeld ist gar nicht so uninteressant. Es öffnet die Tür zur Frage, wie man Politoffizier wurde. Ich kann nur für meinen Jahrgang und da auch nur für die wenigen sprechen, mit denen ich zusammen ausgewählt wurde. Ich hatte nie die Absicht geäußert, Politoffizier zu werden. Sicher, es gab Gespräche, in denen man dazu hätte etwas sagen können. Aber ich tat das nicht und viele andere, die dann Polits wurden, auch nicht. Bei mir war es die geplante Verwendung als Kulturoffizier, bei anderen war es das Auftreten in Versammlungen, die Leistungen in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern oder die gesellschaftliche Arbeit. Im zweiten Studienjahr erfuhren wir zunächst per Antreten, Namensnennung und das später nach dem Einrücken der Genannten in einen Hörsaal, dass wir die "auserwählten" des Jahrganges seien. Einige wirkten sehr überrascht. Mit mir hatte niemand im Vorfeld darüber gesprochen. Ich muss zugeben, ich war zuerst nicht sonderlich begeistert, aber es schlug auch sofort die Erziehung zu: Du dienst dort, wo die Partei dich hinstellt. Also fand ich mich damit ab. Irgendwie fand ich es dann im Lauf der Zeit auch schmeichelhaft, aber das dürfte Dissonanzminderung gewesen sein. Ich weiß bis heute nicht, ob dieses lange Schweigen über die künftige Verwendung Methode hatte oder einfach nur eine Schlamperei war.

Es gab auch Anfangs ein paar betroffene Gesichter unter den Auserwählten und ich schrieb ja schon, dass auch ich nicht sonderlich begeistert war. Warum? Man geht nicht für 25 Jahre zur Armee und stellt sich von Anfang an vor, als der Sabbelheini vom Dienst herumzulaufen. Man will Kommandeur sein, an der Karte stehen, mit dem Stift drauf kloppen und sagen: Da geht's lang. Man will aufsteigen in den Kommandopositionen, wenn es geht bis zum General. ... Naja gut, letzterer Zahn wurde einem schnell gezogen. Der bisweilen herrschende Gammel im Studium an der OHS war ein gutes Sieb für Leute, die sich selbst motivieren und vorankommen wollten, und solche, die einfach nur durchkommen wollten. Letzteres galt für die Masse. Wozu sich den Arsch aufreißen, wenn man mit Gut und Befriedigend auch durchkam? Also, die Sache mit dem General war da schon im 2. Studienjahr war da schon für die meisten vom Tisch. Aber dennoch wollte man Kommandeur werden, und nun das Malheur. Wie gesagt, die meisten fanden sich schnell damit ab, einige hat es nicht überrascht, vielleicht hatte man im Vorfeld mit ihnen gesprochen, vielleicht hatten sie es darauf angelegt oder aufgrund ihrer Noten geahnt. Ich weiß das nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass bei dieser Art der Auswahl bei einigen schon von vornherein Zweifel aufkommen konnten. Aber zurückgezogen hat keiner. Alle die ausgewählt wurden, sind zunächst in die Politlaufbahn gegangen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#144

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 19:27
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #143
Zitat von Lutze im Beitrag #136
... hat ein Polit-Offizier an seine Tätigkeit schon im Vorfeld
dran gezweifelt?,das glaube ich weniger,
im Nachhinein stellte sich doch raus,
habe ich gezweifelt?,
habe ich versagt?,
oder war ich verzweifelt gewesen?
Lutze

Hallo Lutze,

das mit den Zweifeln im Vorfeld ist gar nicht so uninteressant. Es öffnet die Tür zur Frage, wie man Politoffizier wurde. Ich kann nur für meinen Jahrgang und da auch nur für die wenigen sprechen, mit denen ich zusammen ausgewählt wurde. Ich hatte nie die Absicht geäußert, Politoffizier zu werden. Sicher, es gab Gespräche, in denen man dazu hätte etwas sagen können. Aber ich tat das nicht und viele andere, die dann Polits wurden, auch nicht. Bei mir war es die geplante Verwendung als Kulturoffizier, bei anderen war es das Auftreten in Versammlungen, die Leistungen in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern oder die gesellschaftliche Arbeit. Im zweiten Studienjahr erfuhren wir zunächst per Antreten, Namensnennung und das später nach dem Einrücken der Genannten in einen Hörsaal, dass wir die "auserwählten" des Jahrganges seien. Einige wirkten sehr überrascht. Mit mir hatte niemand im Vorfeld darüber gesprochen. Ich muss zugeben, ich war zuerst nicht sonderlich begeistert, aber es schlug auch sofort die Erziehung zu: Du dienst dort, wo die Partei dich hinstellt. Also fand ich mich damit ab. Irgendwie fand ich es dann im Lauf der Zeit auch schmeichelhaft, aber das dürfte Dissonanzminderung gewesen sein. Ich weiß bis heute nicht, ob dieses lange Schweigen über die künftige Verwendung Methode hatte oder einfach nur eine Schlamperei war.

Es gab auch Anfangs ein paar betroffene Gesichter unter den Auserwählten und ich schrieb ja schon, dass auch ich nicht sonderlich begeistert war. Warum? Man geht nicht für 25 Jahre zur Armee und stellt sich von Anfang an vor, als der Sabbelheini vom Dienst herumzulaufen. Man will Kommandeur sein, an der Karte stehen, mit dem Stift drauf kloppen und sagen: Da geht's lang. Man will aufsteigen in den Kommandopositionen, wenn es geht bis zum General. ... Naja gut, letzterer Zahn wurde einem schnell gezogen. Der bisweilen herrschende Gammel im Studium an der OHS war ein gutes Sieb für Leute, die sich selbst motivieren und vorankommen wollten, und solche, die einfach nur durchkommen wollten. Letzteres galt für die Masse. Wozu sich den Arsch aufreißen, wenn man mit Gut und Befriedigend auch durchkam? Also, die Sache mit dem General war da schon im 2. Studienjahr war da schon für die meisten vom Tisch. Aber dennoch wollte man Kommandeur werden, und nun das Malheur. Wie gesagt, die meisten fanden sich schnell damit ab, einige hat es nicht überrascht, vielleicht hatte man im Vorfeld mit ihnen gesprochen, vielleicht hatten sie es darauf angelegt oder aufgrund ihrer Noten geahnt. Ich weiß das nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass bei dieser Art der Auswahl bei einigen schon von vornherein Zweifel aufkommen konnten. Aber zurückgezogen hat keiner. Alle die ausgewählt wurden, sind zunächst in die Politlaufbahn gegangen.

ciao Rainman


Ja,
das wird wohl so funktionieren wie bei Zivilberufen auch.
Nicht jeder Nautiker wird Kapitän.
Eine Frage habe ich noch.
Politoffiziere(NVA) als Quereinsteiger.
An den BPS(Bezirksparteischulen) wurden Politoffiziere für die NVA geworben.
Soll bedeuten,Absolventen dieser Schule, die mindest ihren GWD abgeleistet hatten,sollten später als Leutnant bzw. Oberleutnant in der Funktion als Politoffizier in der NVA eingesetzt werden.
Wer hat dazu Kenntnis?In der Praxis erlebt?

seaman


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#145

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 19:30
von connies9 | 78 Beiträge

@Rainman2
Sehr interessant, was du schreibst. Ein paar Fragen habe ich auch.

Hattest du bei dir Leute, die mit ihren (politischen) Zweifeln bei dir Rat gesucht haben?
Wie weit wärst du bei den "Schweinen, die durch waren", gegangen, wenn du sie auf den letzten Metern hättest stellen können? Hattest du je darüber nachgedacht? Gab es für dich damals menschliche Verhaltensregeln im Umgang, die an der Grenze tabu waren?



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#146

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 19:39
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #143
Zitat von Lutze im Beitrag #136
... hat ein Polit-Offizier an seine Tätigkeit schon im Vorfeld
dran gezweifelt?,das glaube ich weniger,
im Nachhinein stellte sich doch raus,
habe ich gezweifelt?,
habe ich versagt?,
oder war ich verzweifelt gewesen?
Lutze

Hallo Lutze,

das mit den Zweifeln im Vorfeld ist gar nicht so uninteressant. Es öffnet die Tür zur Frage, wie man Politoffizier wurde. Ich kann nur für meinen Jahrgang und da auch nur für die wenigen sprechen, mit denen ich zusammen ausgewählt wurde. Ich hatte nie die Absicht geäußert, Politoffizier zu werden. Sicher, es gab Gespräche, in denen man dazu hätte etwas sagen können. Aber ich tat das nicht und viele andere, die dann Polits wurden, auch nicht. Bei mir war es die geplante Verwendung als Kulturoffizier, bei anderen war es das Auftreten in Versammlungen, die Leistungen in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern oder die gesellschaftliche Arbeit. Im zweiten Studienjahr erfuhren wir zunächst per Antreten, Namensnennung und das später nach dem Einrücken der Genannten in einen Hörsaal, dass wir die "auserwählten" des Jahrganges seien. Einige wirkten sehr überrascht. Mit mir hatte niemand im Vorfeld darüber gesprochen. Ich muss zugeben, ich war zuerst nicht sonderlich begeistert, aber es schlug auch sofort die Erziehung zu: Du dienst dort, wo die Partei dich hinstellt. Also fand ich mich damit ab. Irgendwie fand ich es dann im Lauf der Zeit auch schmeichelhaft, aber das dürfte Dissonanzminderung gewesen sein. Ich weiß bis heute nicht, ob dieses lange Schweigen über die künftige Verwendung Methode hatte oder einfach nur eine Schlamperei war.

Es gab auch Anfangs ein paar betroffene Gesichter unter den Auserwählten und ich schrieb ja schon, dass auch ich nicht sonderlich begeistert war. Warum? Man geht nicht für 25 Jahre zur Armee und stellt sich von Anfang an vor, als der Sabbelheini vom Dienst herumzulaufen. Man will Kommandeur sein, an der Karte stehen, mit dem Stift drauf kloppen und sagen: Da geht's lang. Man will aufsteigen in den Kommandopositionen, wenn es geht bis zum General. ... Naja gut, letzterer Zahn wurde einem schnell gezogen. Der bisweilen herrschende Gammel im Studium an der OHS war ein gutes Sieb für Leute, die sich selbst motivieren und vorankommen wollten, und solche, die einfach nur durchkommen wollten. Letzteres galt für die Masse. Wozu sich den Arsch aufreißen, wenn man mit Gut und Befriedigend auch durchkam? Also, die Sache mit dem General war da schon im 2. Studienjahr war da schon für die meisten vom Tisch. Aber dennoch wollte man Kommandeur werden, und nun das Malheur. Wie gesagt, die meisten fanden sich schnell damit ab, einige hat es nicht überrascht, vielleicht hatte man im Vorfeld mit ihnen gesprochen, vielleicht hatten sie es darauf angelegt oder aufgrund ihrer Noten geahnt. Ich weiß das nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass bei dieser Art der Auswahl bei einigen schon von vornherein Zweifel aufkommen konnten. Aber zurückgezogen hat keiner. Alle die ausgewählt wurden, sind zunächst in die Politlaufbahn gegangen.

ciao Rainman


Irgendwie sehe ich da einige Parallelen, wie es "draußen", also der Industrie, aussah. Danach gedrängelt, für die politische Arbeit in einem Betrieb zuständig zu sein, haben sich m.E. die wenigsten, die ansonsten auch auf ihrem Fachgebiet nicht auf den Kopf gefallen waren. Meinen Vor- Vorgänger in dieser Funktion habe ich als ungehobelten Sack mit schlechten Manieren und einigem Raffinstinkt betrachtet und nach massiven Beschwerden über ihn von ihm damals Rechenschaft gefordert.



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#147

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 19:52
von eisenringtheo | 9.190 Beiträge

Als Offizier muss man Truppenteile (Züge, Kompanien, Bataillone usw) befehlen und führen können. Bei einem Vorschlag zum Polit-, Kulturoffizier oder für andere spezielle Aufgaben wäre ich persönlcih ins Grübeln gekommen; Traut man mir es nicht zu, dass ich mich in einer eigentichen Kommandofunktion nicht behaupten kann? Und auch deshalb der Vorschlag?
Theo


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#148

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 19:55
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #147
Als Offizier muss man Truppenteile (Züge, Kompanien, Bataillone usw) befehlen und führen können. Bei einem Vorschlag zum Polit-, Kulturoffizier oder für andere spezielle Aufgaben wäre ich persönlcih ins Grübeln gekommen; Traut man mir es nicht zu, dass ich mich in einer eigentichen Kommandofunktion nicht behaupten kann? Und auch deshalb der Vorschlag?
Theo
Er sagte ja und es war seine damalige,offensichliche Überzeugung,dass er dort dient,wo er von der Partei hingestellt wird.
So habe ich es jedenfalls verstanden.


eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#149

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 19:56
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von ek40 im Beitrag #148
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #147
Als Offizier muss man Truppenteile (Züge, Kompanien, Bataillone usw) befehlen und führen können. Bei einem Vorschlag zum Polit-, Kulturoffizier oder für andere spezielle Aufgaben wäre ich persönlcih ins Grübeln gekommen; Traut man mir es nicht zu, dass ich mich in einer eigentichen Kommandofunktion nicht behaupten kann? Und auch deshalb der Vorschlag?
Theo
Er sagte ja und es war seine damalige,offensichliche Überzeugung,dass er dort dient,wo er von der Partei hingestellt wird.
So habe ich es jedenfalls verstanden.



Einsicht in die Notwendigkeit nannte man das.
seaman


eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#150

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 19:57
von Lutze | 8.042 Beiträge

am Katzentisch hätte ich noch viele Fragen in Eisenach,
zum Beispeil,der @Rainman2 hat einen
aus meiner Sicht sehr schönen Beruf erlernt,
da komme ich nicht weiter
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#151

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 21:09
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von connies9 im Beitrag #145
@ Rainman2
Sehr interessant, was du schreibst. Ein paar Fragen habe ich auch.

Hattest du bei dir Leute, die mit ihren (politischen) Zweifeln bei dir Rat gesucht haben? ...?

Hallo @connies9 ,

definitiv: Ja. Es wird ja gern der Grundwehrdienstleistende als Stereotyp dargestellt, aber das stimmt genauso wenig, wie alle Offiziere gleich waren. Es war ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Es gab einige, nicht viele, gerade junge Parteimitglieder, die sich hin und wieder von den Gesprächen auf den Zimmern lösen mussten. Meine Mankos: Ich war noch recht grün hinter den Ohren und kein Soldat trieb sich gern zu lange in der Nähe eines Offiziers herum - die Gerüchteküche kochte dann schnell. Dennoch kamen einige tatsächlich auch mit grundsätzlichen Problemen zu mir, also Fragen zur Politik der Partei zu aktuellen Problemen. Einige kamen zu mir, weil sie sich ein wenig über Musik unterhalten wollten. Ich kann mich an Gespräche von über einer Stunde erinnern, wo mir am Ende klar wurde, dass es demjenigen gar nicht um die Inhalte gegangen war, sondern dass er einfach nur mal aus dem drögen Geklöne auf der Bude raus wollte. Bei persönlichen Problemen kamen sowieso einige von selbst. Und was machst Du dann als unverheirateter Bengel, wenn ein Soldat vor Dir sitzt, Rotz und Wasser heult, Dir die Scheidungsklage seiner Frau vorlegt, wo drin steht, dass er sie vergewaltigt hat und Du auf Nachfrage von ihm die Bestätigung erhältst, dass es wirklich so war? Nein, das waren die nicht so angenehmen Momente während meines Dienstes (Da diese konkrete Geschichte Rückschlüsse auf die Person zuließe, belasse ich es bei der Erwähnung, ich möchte sie nicht weiter ausführen).

Ich muss gestehen, dass ich solche Gespräche auch für meine Arbeit direkt genutzt habe. Leute die einmal kamen und wieder kamen, erzählten mir auch Dinge, die ich über keinen anderen Weg hätte erfahren können. Hier habe ich mir damals bereits den Grundsatz zugelegt, dass alles, was in meinem Zimmer vertraulich besprochen wurde, auch vertraulich blieb. Es gab keine Meldungen oder eine direkte Verwendung dieser Informationen. Ich denke, so haben das viele Vorgesetzte gehandhabt, wenn sie die Möglichkeit hatten. Besonders in meiner Arbeit mit meinen Vorgesetzten, also meinen Kompaniechefs, war das eine der wichtigsten Informationsquellen für mich.

Abschließend dazu: Leute mit grundsätzlichen Zweifeln am System, an den Grenztruppen, an unserem Auftrag und ihrer eigenen Rolle darin, wären wahrscheinlich nicht zu mir gekommen. Es kamen eher die, die aus politischen oder menschlichen Gründen heraus Vertrauen zu mir hatten. Ich habe vor einigen Jahren in Berlin zufällig einen Mann getroffen, der als Soldat unter mir gedient hatte. Er konnte sich auch noch sehr gut an mich erinnern, so wie ich mich an ihn. Einer der Sätze die er sagte war: "Politisch hast Du durchgezogen, ooch im Politunterricht, da jab det nüscht, aber man konnte jederzeit mit Dir reden."

Zitat von connies9 im Beitrag #145
... Wie weit wärst du bei den "Schweinen, die durch waren", gegangen, wenn du sie auf den letzten Metern hättest stellen können? ...

Ich hätte versucht, sie festzunehmen. Die Schusswaffe galt als letztes uns äußerstes Mittel und das war nicht nur eine Phrase. Ich muss mir heute eingestehen, dass ich, wäre ich in die Situation gekommen, einen Grenzdurchbruch nur noch mit der Schusswaffe verhindern zu können, die Schusswaffe wahrscheinlich auch eingesetzt hätte. Ich konnte nicht als Politoffizier die großen Reden schwingen und hinterher aus damaliger Sicht inkonsequent handeln. Ich fürchte, dieser Gedanke hätte im letzten Zweifel den Ausschlag geben können. Ich habe es bereits an anderer Stelle oft beschrieben: Die Grenzverletzer waren für mich anonyme und gesichtslose Gestalten, die ich als Feinde ansah. Zum einen als Feinde des Systems, dem ich diente. Zum anderen auch als unmittelbare Feinde, die mich unter Umständen auch ausschalten würden. Es war die Erinnerung an diesen damals nur gedachten Satz, die mich in die Aufarbeitung meiner Geschichte trieb. An diesem Tag im Jahr 2002 trat zum ersten Mal einer aus dieser "grauen gesichtslosen Masse" heraus und erzählte mir, indirekt über die Geschichte in einem Buch, über wen konkret ich damals wie gedacht habe.

Zitat von connies9 im Beitrag #145
... Hattest du je darüber nachgedacht? Gab es für dich damals menschliche Verhaltensregeln im Umgang, die an der Grenze tabu waren?

Natürlich habe auch ich damals über diese Dinge nachgedacht. Allerdings mit anderen Paradigmen als heute. Hätte ich damals versucht, die möglichen oder wirklichen Schicksale der Menschen, die fliehen wollten, zu verstehen, dann hätte ich den Beruf sofort an den Nagel hängen müssen. Ein Gedanke, der mir damals nicht klar war. Über der Betrachtung der Menschen stand die Erfüllung der Aufgabe. Alles, was dienen konnte, diese Aufgabe klarer zu machen, war gut. Die fast wöchentlichen Fahndungen nach bewaffneten Soldaten der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, die im Dienst getöteten Grenzsoldaten ... das waren alles Informationen, die man bevorzugt wahrnahm, um mit sich selbst im Reinen zu bleiben. Aber letztlich schwebte über allem immer wieder der Gedanke: Hoffentlich komme ich nicht in diese Situation! Es war, wie ich heute feststellen muss, ein Gemenge aus Dissonanzminderung und Verdrängung. Die Rastlosigkeit des Dienstes tat ein übriges, dass man nicht zum wirklichen Nachdenken oder gar Reflektieren kam.

Tabus? Diese Frage kann ich so nicht beantworten. Ich habe in meinem Leben inzwischen einige Situationen erlebt, in denen es unter Angst zur Eskalation kam. Das ist unberechenbar und darauf kann man sich auch nicht theoretisch vorbereiten. Ich weiß auch nicht mehr, wie ich da konkret gedacht habe. Ich denke schon, dass ich so etwas wie einen Ehrenkodex in mir hatte, der eine gewisse "Ritterlichkeit" des Verhaltens nicht ausschloss. Aber da müsste ich ganz kräftig spekulieren. Verzeih, dass ich dazu jetzt nichts sagen kann.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#152

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 21:17
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #150
am Katzentisch hätte ich noch viele Fragen in Eisenach,
zum Beispeil,der @ Rainman2 hat einen
aus meiner Sicht sehr schönen Beruf erlernt,
da komme ich nicht weiter
Lutze

Hallo Lutze,

Du beziehst Dich da auf meinen Facharbeiterabschluss als Kfz.-Schlosser. Naja, den Beruf hatte ich nur genommen, weil ich einen Beruf lernen musste, bevor ich an die Offiziershochschule ging. Mein Interesse an Autos ist heute noch äußerst gering. Außerdem waren damals für mich die Alternativen (Chemieanlagenbauer in Böhlen oder Kabelgräbenzieher beim Fernmeldebauamt Leipzig) ziemlich lausig. ja, andere durften den Beruf nicht lernen, obwohl sie wollten und ich wurde hingeschickt, obwohl ich das nie werden wollte und auch nicht in diesem Beruf gearbeitet hätte. Das war ungerecht, aber letztlich nicht meine Schuld.

ciao Rainman


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(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#153

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 21:22
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #144
... Eine Frage habe ich noch.
Politoffiziere(NVA) als Quereinsteiger.
An den BPS(Bezirksparteischulen) wurden Politoffiziere für die NVA geworben.
Soll bedeuten,Absolventen dieser Schule, die mindest ihren GWD abgeleistet hatten,sollten später als Leutnant bzw. Oberleutnant in der Funktion als Politoffizier in der NVA eingesetzt werden.
Wer hat dazu Kenntnis?In der Praxis erlebt?

seaman


Hallo Seaman,

ich kann mich erinnern, von dieser Laufbahn damals gehört zu haben. Persönlich kenne ich niemanden, der über diesen Weg Politoffizier geworden ist. Ich denke auch, dass hier die Bedingungen in den 80er Jahren andere waren. Ab 1984 war die Richtung Politoffizier ein eigenständiger Diplomausbildungszweig an der Offiziershochschule der Grenztruppen. Es galt zwar immer noch, dass der Politoffizier in erster Linie ein Parteiarbeiter war, aber in zweiter Linie war er eben auch Militär und als solcher musste er das militärische Handwerk beherrschen. Bei den Grenztruppen unter der Bedingung der Kompaniesicherung galt das noch stärker als in anderen Waffengattungen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#154

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 22:40
von Gert | 12.362 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #149
Zitat von ek40 im Beitrag #148
Zitat von eisenringtheo im Beitrag #147
Als Offizier muss man Truppenteile (Züge, Kompanien, Bataillone usw) befehlen und führen können. Bei einem Vorschlag zum Polit-, Kulturoffizier oder für andere spezielle Aufgaben wäre ich persönlcih ins Grübeln gekommen; Traut man mir es nicht zu, dass ich mich in einer eigentichen Kommandofunktion nicht behaupten kann? Und auch deshalb der Vorschlag?
Theo
Er sagte ja und es war seine damalige,offensichliche Überzeugung,dass er dort dient,wo er von der Partei hingestellt wird.
So habe ich es jedenfalls verstanden.



Einsicht in die Notwendigkeit nannte man das.
seaman



eine sehr gute Umschreibung, wie "DDR geht". Vieles wurde nach dieser Formel "berechnet", wenn es auch nicht immer die gewünschten Ergebnisse gab, so wurden sie danach "hingebogen".


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#155

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 22:48
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #153
Zitat von seaman im Beitrag #144
... Eine Frage habe ich noch.
Politoffiziere(NVA) als Quereinsteiger.
An den BPS(Bezirksparteischulen) wurden Politoffiziere für die NVA geworben.
Soll bedeuten,Absolventen dieser Schule, die mindest ihren GWD abgeleistet hatten,sollten später als Leutnant bzw. Oberleutnant in der Funktion als Politoffizier in der NVA eingesetzt werden.
Wer hat dazu Kenntnis?In der Praxis erlebt?

seaman


Hallo Seaman,

ich kann mich erinnern, von dieser Laufbahn damals gehört zu haben. Persönlich kenne ich niemanden, der über diesen Weg Politoffizier geworden ist. Ich denke auch, dass hier die Bedingungen in den 80er Jahren andere waren. Ab 1984 war die Richtung Politoffizier ein eigenständiger Diplomausbildungszweig an der Offiziershochschule der Grenztruppen. Es galt zwar immer noch, dass der Politoffizier in erster Linie ein Parteiarbeiter war, aber in zweiter Linie war er eben auch Militär und als solcher musste er das militärische Handwerk beherrschen. Bei den Grenztruppen unter der Bedingung der Kompaniesicherung galt das noch stärker als in anderen Waffengattungen.

ciao Rainman


Danke für diese Auskunft!
Hilft mir bei einer Recherche.
seaman


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#156

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 23:59
von connies9 | 78 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #151
Die Grenzverletzer waren für mich anonyme und gesichtslose Gestalten, die ich als Feinde ansah.
ciao Rainman



Danke, Rainman2, ein guter und ehrlicher Beitrag. Aber auch ein nachdenklicher. Das Zitat oben macht deutlich, in welchen engen Bahnen die Verantwortlichen dachten, wie manipuliert sie durch das System waren.

Nimm mir das nicht übel. Menschen sind immer manipuliert, in jedem System. Auch heute. Aber ein BGS dachte damals nie so. Er sah in dem illegalen Grenzverletzer, auch nicht wenn er aus dem Westen kam, nie den Gegner auf diese Weise.

Ich vergleich das mit der heutigen Polizei. Man jagt den vermeintlichen Verbrecher, flieht er ohne Gewalt, komme ich an einen Punkt, wo ich erkennen muss, ich kann ihn nicht mehr aufhalten, dann lasse ich ihn laufen.

Diese Gedanken hattest du nicht. Vielleicht später, das weiß ich nicht.

Hättest du Verständnis gezeigt für einen einfachen Soldaten, der so wie ich gedacht hätte? Gerade wenn ich diesem System sehr nahe stehe, es als das Überlegene betrachte, umso weiter wäre ich davon weg, einen Flüchtling um jeden Preis zu töten als ihm auf den letzten Metern sein Ziel zuzugestehen. Denn das braucht mein System nicht zum Überleben. Ich habe mich jetzt mal in dich versetzt, du verstehst das. Stell dir bitte vor, ein Soldat hätte zu dir wie ich heute gesprochen, was hättest du ihm gesagt? Ich denke, ich kenne die Antwort. Er wäre für diese Zeit am falschen Ort gewesen.

connies9



Diskus303 und harzstreuner haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#157

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 00:48
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von connies9 im Beitrag #156
...
Hättest du Verständnis gezeigt für einen einfachen Soldaten, der so wie ich gedacht hätte? ...

Hallo connies9,

Erst mal kurz: Nein.

Es ist schwer, unsere oder meinetwegen nur meine damalige Sichtweise zu verstehen, wenn man die Grenze auf die Beziehung "Flüchtling der in die Freiheit will vs. Grenzer der ihn erschießen soll" reduziert. Verzeih mir die Überspitzung.

Mein damaliges Verständnis meiner Tätigkeit begann bei der Tatsache, dass sich an dieser Grenze eine Million Mann unter Waffen in höchster Gefechtsbereitschaft gegenüberstanden. Ich sah es als erste meiner Aufgaben an, dass es an dieser Grenze nicht zu Zwischenfällen kommt, die in der Eskalation eine Gefahr für den Frieden bedeuten könnten. Es galt für mich als Beweis der Friedensfeindlichkeit des Imperialismus, dass Streitkräfte der NATO mit schweren Waffen bis an die Grenze herangelassen wurden, dass jeder mögliche Provokateur bis an die Grenze herangelassen wurde. So etwas gab es bei uns nicht, denn wir setzten uns uneingeschränkt und konsequent für den Frieden ein.

Alles andere leitete sich von diesem Grundgedanken ab. Der Flüchtling erhielt darin eine Rolle, die ihn auf die Seite der Ausbeutung, Unterdrückung, Friedensfeindlichkeit stellte. Er war somit einer näheren Beschäftigung mit ihm nicht wert.

Das ist die Art, in der Ideologeme funktionieren.

Der einfache Soldat, der mit Zweifeln gekommen wäre, hätte von mir als erstes die "Klassenfrage" gestellt bekommen: Auf welcher Seite stehst Du? Und ich hätte mit allem sozialistischen Zorn und Eifer auf den Mann argumentativ eingedroschen, in der sicheren Überzeugung auf der richtigen Seite zu stehen und im Recht zu sein.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


seaman und eisenringtheo haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#158

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 02:03
von Gelöschtes Mitglied
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Das die Grenze eher freundwärts gesichert war, hast du bestimmt in deiner aktiven Zeit gemerkt. So meine Denkweise wenn ich heute die Modelle/Bilder der Grenze sehe. Gab es da bei dir/euch ein Grübeln? Und wenn ja, wie erklärt man das seinen Soldaten?


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#159

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 05:04
von schulzi | 1.765 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #153
Zitat von seaman im Beitrag #144
... Eine Frage habe ich noch.
Politoffiziere(NVA) als Quereinsteiger.
An den BPS(Bezirksparteischulen) wurden Politoffiziere für die NVA geworben.
Soll bedeuten,Absolventen dieser Schule, die mindest ihren GWD abgeleistet hatten,sollten später als Leutnant bzw. Oberleutnant in der Funktion als Politoffizier in der NVA eingesetzt werden.
Wer hat dazu Kenntnis?In der Praxis erlebt?

seaman


Hallo Seaman,

ich kann mich erinnern, von dieser Laufbahn damals gehört zu haben. Persönlich kenne ich niemanden, der über diesen Weg Politoffizier geworden ist. Ich denke auch, dass hier die Bedingungen in den 80er Jahren andere waren. Ab 1984 war die Richtung Politoffizier ein eigenständiger Diplomausbildungszweig an der Offiziershochschule der Grenztruppen. Es galt zwar immer noch, dass der Politoffizier in erster Linie ein Parteiarbeiter war, aber in zweiter Linie war er eben auch Militär und als solcher musste er das militärische Handwerk beherrschen. Bei den Grenztruppen unter der Bedingung der Kompaniesicherung galt das noch stärker als in anderen Waffengattungen.

ciao Rainman

Dazu kann ich berichten wir hatten in der Baumwollspinnerei einen hauptamtlichen FDJ-Sekretär der wurde nach dem Besuch der Parteihochschule von der notwendigkeit überzeugt als Politoffizier der Partei zu dienen.als ich ihn Ende der 80ziger traff(Besuchte öffter die Kollegen im Betrieb) war er im Rang eines Oberleutnant


seaman und Rainman2 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.02.2014 05:06 | nach oben springen

#160

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 10:35
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Zitat von connies9 im Beitrag #156
Zitat von Rainman2 im Beitrag #151
Die Grenzverletzer waren für mich anonyme und gesichtslose Gestalten, die ich als Feinde ansah.
ciao Rainman



Danke, Rainman2, ein guter und ehrlicher Beitrag. Aber auch ein nachdenklicher. Das Zitat oben macht deutlich, in welchen engen Bahnen die Verantwortlichen dachten, wie manipuliert sie durch das System waren.

Nimm mir das nicht übel. Menschen sind immer manipuliert, in jedem System. Auch heute. Aber ein BGS dachte damals nie so. Er sah in dem illegalen Grenzverletzer, auch nicht wenn er aus dem Westen kam, nie den Gegner auf diese Weise.

Ich vergleich das mit der heutigen Polizei. Man jagt den vermeintlichen Verbrecher, flieht er ohne Gewalt, komme ich an einen Punkt, wo ich erkennen muss, ich kann ihn nicht mehr aufhalten, dann lasse ich ihn laufen.

Diese Gedanken hattest du nicht. Vielleicht später, das weiß ich nicht.

Hättest du Verständnis gezeigt für einen einfachen Soldaten, der so wie ich gedacht hätte? Gerade wenn ich diesem System sehr nahe stehe, es als das Überlegene betrachte, umso weiter wäre ich davon weg, einen Flüchtling um jeden Preis zu töten als ihm auf den letzten Metern sein Ziel zuzugestehen. Denn das braucht mein System nicht zum Überleben. Ich habe mich jetzt mal in dich versetzt, du verstehst das. Stell dir bitte vor, ein Soldat hätte zu dir wie ich heute gesprochen, was hättest du ihm gesagt? Ich denke, ich kenne die Antwort. Er wäre für diese Zeit am falschen Ort gewesen.
connies9


Grün: Da bin ich aber sehr skeptisch, daß die Polizei nicht von der Schusswaffe Gebrauch macht, wenn ein Verbrecher flieht. Wenn ein Verbrechen begangen wurde, ein schweres Verbechen, dann meine ich, daß dann auch geschossen wird, auch wennd er Flüchtende nicht bewaffnet ist. Oder ist das anders ? Wie sind da die Richtlinien zum Schusswaffengebrauch ? Und hier kann ich rainman insofern zustimmen. Ich hatte es schon mal woanders geschrieben. Wir alle am Kanten wußten, in was für eine Situation wir kommen könnten und haben uns da schon vorher eine Art Selbstbegründung zur Beruhigung für den Fall der Fälle zurechtgebastelt. Für uns war erst mal jeder GV einer, der einen guten Grund haben mußte, sein Leben auf´s Spiel zu setzen und das war nicht nur, die Oma mal besuchen zu wollen. Also hat er möglicherweise ein Verbrechen begangen und da wird jeder Täter an der Flucht gehindert, bei Polizei und eben auch an der Grenze. Natürlich wußten wir, daß das nicht auf jeden GV zutraf, aber das weiß man nicht, wenn da einer läuft. Wir hatten immer mal wieder Situationen, bei denen wirkliche Verbrecher gesucht wurden, aus dem Knast ausgebrochen oder eben nach ihrer Tat flüchtig. Es wäre für den Grenzer, der nicht geschossen hatte, obwohl er durch Schusswaffengebrauch eine klare Möglichkeit zur Verhinderung der Flucht gehabt hätte, eine sehr bittere Pille gewesen: Möglicherweise Schwedt, was immer wie ein Damoklesschwert über uns hing und das dafür das Leben eines Schwerverbrechers, event. sogar Mörders, geschont zu haben. Das wäre rausgekommen, um was für eine Person es sich bei dem GV gehandelt hätte. Das waren eben auch unsere Gedanken, über die in langen Postennächten oder langweiligen BT-Schichten gesprochen wurde.



harzstreuner hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.02.2014 10:38 | nach oben springen



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