#321

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 21:25
von Mike59 | 7.939 Beiträge

@Rainman2 - ich kann mich wirklich noch gut an diese Zeit erinnern. Wie so vieles hatten wir auch das schon sehr ausführlich im Forum.
Die Polits waren doch die Erklärer - heute wäre es der Erklärbär - nur so lustig war es damals eben nicht. Wir aus den GR 3 landeten damals in Posseck. Bei uns war die Politabteilung der Fhr. Ausb. der OHS. welche zur Betreuung eingesetzt wurde. Da waren durchaus Menschen dabei die meine Achtung hatten.
Aber Sie konnten keine unsere Fragen beantworten.
Es begann eine neue Zeit, wir suchten und fanden unsere eigenen Antworten.


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#322

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 21:34
von RudiEK89 | 1.949 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #319
Zitat von RudiEK89 im Beitrag #312
Tut mir Leid Uwe, ich nicht, denn mein Polit im Polizeirevier Leipzig Mitte hat sich nach der Wende das Leben genommen.
Er kam mit der Wende nicht klar, hieß es jedenfals.

hat keiner von euch versucht,
ihn zu unterstützen?,
oder hat er sich nichts anmerken lassen
Lutze

Ja Lutze, man kann nur jemanden unterstützen und helfen, wenn man weiß, was den anderen beschäftigt. Dazu muss man sich offenbaren.
Das hat er nicht getan.
Das Leben im Dienst ging weiter, wie es Fritze schrieb.
Es kamen die "Flüchtlinge" zurück nach Leipzig, tauschten das erhaltene Geld aus dem "Westen" 1:10 und ließen in Leipzig
jedenfalls die "Sau" raus. Da hatten wir genug zu tun.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#323

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 22:01
von RudiEK89 | 1.949 Beiträge

Was ich noch loswerden wollte. An den Polit konnte man sich als junger Mensch auch mit persönlichen Problemen wenden.
Er hörte mir zu und gab mir Ratschläge. Die Mutter der Kompanie war der KC. War der nicht da, war es der Polit. Wo würdet ihr euch heute hinwenden, Probleme habt? Mir fällt da niemand ein außer du bist eine Frau, da gibt es eine Frauenbeauftragte, die dir zuhört oder auch nicht.
Ist zwar etwas OT. aber was solls.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#324

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 22:04
von Lutze | 8.027 Beiträge

zur Wendezeit,wenn ich ehrlich bin,
haben mir die Polizisten echt leid getan,
eine Frage an Rudi hätte ich,
wie seit ihr damals aus eurer Sicht mit solchen Leuten umgegangen?,
die alte DDR-Dienstkleidung noch an,
die Wiedervereinigung steht vor der Tür,
kann mir vorstellen,das so mancher Polizist nicht ernst genommen wurde,
das muß bitter für manchen gewesen sein,
der Kriminalität mußte trotzdem nachgegangen werden
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#325

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 22:08
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von RudiEK89 im Beitrag #323
Was ich noch loswerden wollte. An den Polit konnte man sich als junger Mensch auch mit persönlichen Problemen wenden.
Er hörte mir zu und gab mir Ratschläge. Die Mutter der Kompanie war der KC. War der nicht da, war es der Polit. Wo würdet ihr euch heute hinwenden, Probleme habt? Mir fällt da niemand ein außer du bist eine Frau, da gibt es eine Frauenbeauftragte, die dir zuhört oder auch nicht.
Ist zwar etwas OT. aber was solls.


Echte Freunde?
So was soll es ab und an noch geben.


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zuletzt bearbeitet 04.02.2014 22:09 | nach oben springen

#326

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 22:10
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #318
Zitat von seaman im Beitrag #307
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #248
Zitat von seaman im Beitrag #208
Für mich stellen sich diese Fragen nicht,RUnger.
Habe in allen drei Teilen des geteilten Deutschlands gelebt und gearbeitet.Westberlin,DDR,BRD.
Später dann auch noch das geeinte Deutschland erlebt.
Kann für mich persönlich vergleichen und meine Fragen beantworten.
Lebenserfahrung pur,die kann mir keiner nehmen.

seaman



Warst du nicht eher da um einen Auftrag zu erfüllen, kann man das Leben nennen?



Steht doch deutlich da-gelebt und gearbeitet.Jeder der arbeitet erfüllt doch einen Auftrag, oder?
So ist doch das Leben und so nennt man es auch.
Kann man das Leben nennen.......denkst Du ich hab tot rumgelegen?
Alles andere ist Deine Spekulation.Ist auch hier nicht das Thema.

seaman




Falls ich dir zu nahe getreten sein sollte mit meinem Einwurf, Entschuldigung.
Man macht sich halt Gedanken wie so etwas geht, sich irgendwo mit einer geborgten oder gebauten Vita zu integrieren, ich könnte das nicht, dazu bin ich charakterlich zu grundehrlich.
Aber was solls, ist wirklich OT.




Alles klar,grenzwolf62.
Verstehe Dich schon.
Lass uns fair weitermachen in diesem Forum.

seaman


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#327

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 22:16
von RudiEK89 | 1.949 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #325
Zitat von RudiEK89 im Beitrag #323
Was ich noch loswerden wollte. An den Polit konnte man sich als junger Mensch auch mit persönlichen Problemen wenden.
Er hörte mir zu und gab mir Ratschläge. Die Mutter der Kompanie war der KC. War der nicht da, war es der Polit. Wo würdet ihr euch heute hinwenden, Probleme habt? Mir fällt da niemand ein außer du bist eine Frau, da gibt es eine Frauenbeauftragte, die dir zuhört oder auch nicht.
Ist zwar etwas OT. aber was solls.


Echte Freunde?
So was soll es ab und an noch geben.

Ja Grenzwolf, wir sind immer noch echte Freunde, ich verstand mich damals mit dem Polit und heute auch noch.
Diesen Mensch möchte ich nicht missen. Und das nenne ich Freundschaft auch über alle Staatsformen hinweg.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#328

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 22:20
von RudiEK89 | 1.949 Beiträge

@Lutze,
lies mal das Thema Volkspolizei dein Freund und Helfer. Wenn deine Frage damit nicht beantwortet ist, dann beantworte ich
diese hier.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#329

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 22:31
von exgakl | 7.223 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #317
@exgakl schrieb: "was hat es mit Versagen zu tun, wenn man Dinge für richtig hält, die es in gewissem Maße nicht waren?"

Weil man das vlt zuvor erkannt hat oder hätte erkennen müssen? Gerade das ist die Grundproblematik, die untersucht werden müsste.




nein @studfri , die Grundproblematik ist die, das man zu damaliger Zeit pers. eine ganz andere Denkweise und Sicht auf verschiedene Dinge als heute hatte. Aus heutiger Sicht würde ich auch sagen "hätte man doch merken müssen"... ja heute, damals aber eben nicht, du gehst in Deinem heutigen Leben auch davon aus, das du das, was du tust in gutem Gewissen machst und schon alles so ok ist.... das muß nicht zwangsläufig so bleiben


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#330

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 23:58
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von exgakl im Beitrag #329
Zitat von studfri im Beitrag #317
@exgakl schrieb: "was hat es mit Versagen zu tun, wenn man Dinge für richtig hält, die es in gewissem Maße nicht waren?"

Weil man das vlt zuvor erkannt hat oder hätte erkennen müssen? Gerade das ist die Grundproblematik, die untersucht werden müsste.




nein @studfri , die Grundproblematik ist die, das man zu damaliger Zeit pers. eine ganz andere Denkweise und Sicht auf verschiedene Dinge als heute hatte. Aus heutiger Sicht würde ich auch sagen "hätte man doch merken müssen"... ja heute, damals aber eben nicht, du gehst in Deinem heutigen Leben auch davon aus, das du das, was du tust in gutem Gewissen machst und schon alles so ok ist.... das muß nicht zwangsläufig so bleiben




Falscher Post.


zuletzt bearbeitet 05.02.2014 00:40 | nach oben springen

#331

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 05.02.2014 06:55
von manudave | 390 Beiträge

Schöner Thread - als Leser sage Ich mal Danke für die guten Beiträge.


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#332

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 05.02.2014 09:09
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #317
@exgakl schrieb: "was hat es mit Versagen zu tun, wenn man Dinge für richtig hält, die es in gewissem Maße nicht waren?"

Weil man das vlt zuvor erkannt hat oder hätte erkennen müssen? Gerade das ist die Grundproblematik, die untersucht werden müsste.




Guten Tag,

Für Deine Untersuchung, so meine ich, ist auch die Theorie der baïonnette intelligente von Bedeutung. Selbst in einem freien Land wie Frankreich ist die Verweigerung des Gehorsams delikat. Diese Theorie ist ein Klassik im Studium des Rechts ( arrêt Langneur, CE 10 novembre 1944 ).

Denke bitte auch an die Beamten der drei Corps des öffentlichen Dienstes in Frankreich ( Verweigerung des Gehorsams ). Es gibt dazu auch jüngere Urteile.

Du solltest, wenn das möglich ist, mit Deiner Mutter ( Deine Vita - da Du es geschrieben hast ) darüber sprechen. Ich weiss leider nicht mehr, ob dieses Urteil in der heutigen Ausgabe von « Les Grands Arrêts De La Jurisprudence Administrative » ( DALLOZ ) enthalten ist. Du musst ein wenig suchen, im Internet gibt gewiss einiges zur Theorie.

Das Problem liegt auch im Krieg in Algerien - die Folter durch französische Militärs...

Dieses Thema berührt auch das Thread « Einsicht durch Erfahrung »

Generell : Desertion und Ungehorsam werden auch in den westlichen Demokratien bestraft. Das sollte beim Urteil über die DDR-Beamten und Militärs wichtig sein. Es ist so : Im Konfort unseres Lebens heute ist das Urteil über das Leben gestern leicht, weil es unserem Konfort nicht gleich ist.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#333

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 05.02.2014 14:39
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #332
Zitat von studfri im Beitrag #317
@exgakl schrieb: "was hat es mit Versagen zu tun, wenn man Dinge für richtig hält, die es in gewissem Maße nicht waren?"

Weil man das vlt zuvor erkannt hat oder hätte erkennen müssen? Gerade das ist die Grundproblematik, die untersucht werden müsste.




Guten Tag,

Für Deine Untersuchung, so meine ich, ist auch die Theorie der baïonnette intelligente von Bedeutung. Selbst in einem freien Land wie Frankreich ist die Verweigerung des Gehorsams delikat. Diese Theorie ist ein Klassik im Studium des Rechts ( arrêt Langneur, CE 10 novembre 1944 ).

Denke bitte auch an die Beamten der drei Corps des öffentlichen Dienstes in Frankreich ( Verweigerung des Gehorsams ). Es gibt dazu auch jüngere Urteile.

Du solltest, wenn das möglich ist, mit Deiner Mutter ( Deine Vita - da Du es geschrieben hast ) darüber sprechen. Ich weiss leider nicht mehr, ob dieses Urteil in der heutigen Ausgabe von « Les Grands Arrêts De La Jurisprudence Administrative » ( DALLOZ ) enthalten ist. Du musst ein wenig suchen, im Internet gibt gewiss einiges zur Theorie.

Das Problem liegt auch im Krieg in Algerien - die Folter durch französische Militärs...

Dieses Thema berührt auch das Thread « Einsicht durch Erfahrung »

Generell : Desertion und Ungehorsam werden auch in den westlichen Demokratien bestraft. Das sollte beim Urteil über die DDR-Beamten und Militärs wichtig sein. Es ist so : Im Konfort unseres Lebens heute ist das Urteil über das Leben gestern leicht, weil es unserem Konfort nicht gleich ist.

Stringer49


Soweit würde ich ja noch gar nicht mal gehen wollen, zumindest nicht generell und überall. Doch zwischen Mitmachen, Mitlaufen und sich verweigern/Desertieren ist es ein sehr weites Feld, was es bei der Betrachtung "DDR" zu "beackern"gilt.

Comme tu sais la droit administrative de la France?



zuletzt bearbeitet 05.02.2014 14:41 | nach oben springen

#334

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 05.02.2014 16:56
von Freienhagener | 3.855 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #327

Ja Grenzwolf, wir sind immer noch echte Freunde, ich verstand mich damals mit dem Polit und heute auch noch.
Diesen Mensch möchte ich nicht missen. Und das nenne ich Freundschaft auch über alle Staatsformen hinweg.


Das ist was persönliches, nichts systematisches - eher die Ausnahme.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#335

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 05.02.2014 19:36
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #299
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #256
Die Drecksarbeit haben wir niedrigen Dienstgrade gemacht, da saß der Polit meist im Dienstzimmer, seltenst wirklich mal auf der Führungsstelle.

Ah, wie ich diese Stubengequatsche doch liebe ... reflektiert, durchsetzt von tiefer Kenntnis der Materie, wertvoll ...

Meine letzte Woche an der Grenze?!
Kompaniechef im Urlaub. Der Stellvertreter KC führte. Ich musste 2 Nächte in Folge die Übernahme und Übergabe der beiden Bauabschnitte (Grenzsignalzaun und Minendemontage) persönlich durchführen. Das hieß kaum Schlaf bei vollem Dienst am Tag. In der dritten Nacht konnte ich dann langsam mal ins Bett gehen. Ich flog kurz nach dem Einschlafen wieder raus. Ein Grenzposten hatte auf einer Wiese freundwärts des Grenzsignalzauns neben einem Scheinwerfer einen Schatten gesehen (Nachts, Anfang Oktober, mit einer Lampe schnell drübergeleuchtet, auf mehr als 100 Meter). Der StKC übernahm die Führung auf der Führungsstelle, ich übernahm die Führung in der Einheit. Nach und nach flog die ganze Kompanie raus, selbst die Küchenbesatzung musste mit raus zur Verstärkung der Abriegelung. Es blieben der UvD, die Wache, 6 trunkene Ausgänger und ich. Dann kam eine Kontrolle vom Grenzkommando Süd. Die durfte ich von Nachts um 2 Uhr bis morgens bespaßen, denn sie konnten weder in den Abschnitt, noch bekamen sie einen Kaffee. Nach der Lage und der Planungsvorbereitung schickte mich der StKC gegen 9:30 Uhr erst einmal ins Bett, die Lage war inzwischen aufgehoben - ergebnislos.

Ich legte mich gegen 10:00 Uhr hin. Um 11:00 wurde ich geweckt. Im Bereich der "Schattenlage" waren eine Untergrabung am Grenzsignalzaun und Spuren auf dem K2 gefunden worden. Ich sprang in die Felddienstuniform, rannte an der Küche vorbei, ließ mir ein Brötchen und eine Boulette in die Hand drücken, schwang mich zu einem Grenzaufklärer auf das Motorrad und wir fuhren zu der Stelle. Es war auf den ersten Blick klar, dass es sich um eine alte, freigespülte Spur handelte und die Untergrabung stammte von einem Fuchs. Ich musste bis 16:00 Uhr am Ort bleiben, da noch ein Stellvertreter des Bataillonskommandeurs die Sache untersuchen und bestätigen sollte. Ich rief danach die Führungsstelle an und teilte meinen Entschluss mit, zur Einheit zurück zu handeln. Ich erhielt aber den Befehl auf die Führungsstelle zu kommen. Dort teilte mir der Leutnant, einer unserer Zugführer mit, ich hätte den Befehl die Führung auf der Führungsstelle zu übernehmen bis sechs Uhr. Ich schaute auf meine Uhr, es war etwa 16:30 Uhr und murmelte, dass das ja nicht mehr lange hin sei. Da kam die Präzisierung: Morgens um 6:00 Uhr. Da wir an dem Tag wieder aus dem durch die Lage verschobenen Dienstzyklus in den geplanten zurückkehren wollten, waren die Schichten verschoben. Gegen 24:00 Uhr erfolgte eine Ablösung im Abschnitt. Ich bat, für mich die Postenversorgung mitzugeben. Es waren 2 kleine Äpfelchen, denn der Aufzug war offiziell unter 6 Stunden. Am Morgen kam ich in die Kompanie. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich an 5 Tagen gerade mal insgesamt 5 Stunden geschlafen - nicht zusammenhängend.

Da kam der Befehl: Kontrolle des K6 durch Offiziere der Kompanieführung. Das ließ darauf schließen, dass "jemand Drüben angekommen war" - das konnte aber sogar mehrere Regimentsabschnitte umfassen. der StKC und ich teilten uns den Abschnitt auf. Ich ging zusammen mit einem eigenen Posten und dem eigentlichen K6-Kontrollposten den K6 ab. Inzwischen war ich so übermüdet, dass ich zwischendurch in einer Halluzination ein Minenwarnschild sich in einen Mann im weißen Anzug verwandeln sah, der über den K6 ging. Ich hielt die Streife kurz an und wusch mir erst einmal in der nächsten Pfütze das Gesicht ab. Als wir fertig waren, bekam ich einen Anschiss, warum das mit der Streife so lange gedauert hätte. Zurück in der Einheit aß ich erst einmal etwas. Wie das weiter über den Tag ging, weiß ich nicht mehr. Für die Nacht war ich als Diensthabender Stellvertreter eingesetzt. Ich konnte wenigstens schlafen. Ich legte mich gleich in der Kompanie in ein Bett.

Nachts wurde ich durch eine Lage geweckt. Eine Auslösung Grenzsignalzaun, glaube ich, die der Kommandeur Grenzsicherung führen konnte. Plötzlich gab es ein Problem: Das Auto der befohlenen Kontrollstreife sprang nicht an. Ich wurde wieder geweckt und befahl, halb schlaftrunken, der Fahrer der KMS solle fahren. Dieser kam zu mir, ließ sich die Bestätigung im Fahrtenbuch unterschreiben, sagte mir etwas, dass er morgens in den Regimentsstab fahren solle. Ich antwortete irgendwas mit Vorrang der Grenzsicherung. Die Lage dauerte länger, ich schlief derweilen wieder, etwas anderes konnte ich nicht tun. Der Fahrer kam morgens in die Kompanie zurück und traf den Fähnrich, mit dem er in den Regimentsstab fahren sollte. Er verweigerte die Fahrt, da er nicht genügend Schlaf gehabt hätte. Statt mich nun zu wecken, was korrekt gewesen wäre, rief der Fähnrich im Bataillonsstab an. Von dort wurde ich geweckt und angeschnauzt, ob ich mir schon mal überlegt hätte, ob ich den richtigen Beruf gewählt hätte. Morgens bei der Lage kam der nächste Anschiss. Einer der Stellvertreter des Bataillonskommandeurs ließ mich ans Telefon holen und faltete mich persönlich zusammen. Beim Auflegen sprach ich dann meinen Spruch: Wenn das hier so weitergeht, frühstücke ich bald in Weimarschmieden.

Sorry, das musst ich nochmal loswerden. @Grenzwolf62 : Der Dreck, durch den wir bisweilen durchmussten klebte nicht zwingend an den Stiefeln.

ciao Rainman
Na da warste nicht zu beneiden,@Rainman2.
Aber für Dein fürstliches Gehalt mussteste halt in den sauren Apfel beissen....

Ich kann mich gut erinnern,dass unser "roter Koko" (Polit),öfters auf der Führungsstelle saß.

ek40


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#336

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 05.02.2014 20:43
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #333
Zitat von Stringer49 im Beitrag #332
Zitat von studfri im Beitrag #317
@exgakl schrieb: "was hat es mit Versagen zu tun, wenn man Dinge für richtig hält, die es in gewissem Maße nicht waren?"

Weil man das vlt zuvor erkannt hat oder hätte erkennen müssen? Gerade das ist die Grundproblematik, die untersucht werden müsste.




Guten Tag,

Für Deine Untersuchung, so meine ich, ist auch die Theorie der baïonnette intelligente von Bedeutung. Selbst in einem freien Land wie Frankreich ist die Verweigerung des Gehorsams delikat. Diese Theorie ist ein Klassik im Studium des Rechts ( arrêt Langneur, CE 10 novembre 1944 ).

Denke bitte auch an die Beamten der drei Corps des öffentlichen Dienstes in Frankreich ( Verweigerung des Gehorsams ). Es gibt dazu auch jüngere Urteile.

Du solltest, wenn das möglich ist, mit Deiner Mutter ( Deine Vita - da Du es geschrieben hast ) darüber sprechen. Ich weiss leider nicht mehr, ob dieses Urteil in der heutigen Ausgabe von « Les Grands Arrêts De La Jurisprudence Administrative » ( DALLOZ ) enthalten ist. Du musst ein wenig suchen, im Internet gibt gewiss einiges zur Theorie.

Das Problem liegt auch im Krieg in Algerien - die Folter durch französische Militärs...

Dieses Thema berührt auch das Thread « Einsicht durch Erfahrung »

Generell : Desertion und Ungehorsam werden auch in den westlichen Demokratien bestraft. Das sollte beim Urteil über die DDR-Beamten und Militärs wichtig sein. Es ist so : Im Konfort unseres Lebens heute ist das Urteil über das Leben gestern leicht, weil es unserem Konfort nicht gleich ist.

Stringer49


Soweit würde ich ja noch gar nicht mal gehen wollen, zumindest nicht generell und überall. Doch zwischen Mitmachen, Mitlaufen und sich verweigern/Desertieren ist es ein sehr weites Feld, was es bei der Betrachtung "DDR" zu "beackern"gilt.

Comme tu sais la droit administrative de la France?



Le droit administratif - das französische Verwaltungsrecht ? Ich habe es gelernt, wie auch die anderen Rechtsbereiche. Das ist nicht immer sehr lustig, aber es geht. Il faut s'y mettre. Man muss sich an die Arbeit machen.

Never make anything simple and efficient when a way can be found to make it complex and wonderful. (Murphy's law)

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#337

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 05.02.2014 21:09
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von Stringer49 im Beitrag #336
Zitat von studfri im Beitrag #333
Zitat von Stringer49 im Beitrag #332
Zitat von studfri im Beitrag #317
@exgakl schrieb: "was hat es mit Versagen zu tun, wenn man Dinge für richtig hält, die es in gewissem Maße nicht waren?"

Weil man das vlt zuvor erkannt hat oder hätte erkennen müssen? Gerade das ist die Grundproblematik, die untersucht werden müsste.




Guten Tag,

Für Deine Untersuchung, so meine ich, ist auch die Theorie der baïonnette intelligente von Bedeutung. Selbst in einem freien Land wie Frankreich ist die Verweigerung des Gehorsams delikat. Diese Theorie ist ein Klassik im Studium des Rechts ( arrêt Langneur, CE 10 novembre 1944 ).

Denke bitte auch an die Beamten der drei Corps des öffentlichen Dienstes in Frankreich ( Verweigerung des Gehorsams ). Es gibt dazu auch jüngere Urteile.

Du solltest, wenn das möglich ist, mit Deiner Mutter ( Deine Vita - da Du es geschrieben hast ) darüber sprechen. Ich weiss leider nicht mehr, ob dieses Urteil in der heutigen Ausgabe von « Les Grands Arrêts De La Jurisprudence Administrative » ( DALLOZ ) enthalten ist. Du musst ein wenig suchen, im Internet gibt gewiss einiges zur Theorie.

Das Problem liegt auch im Krieg in Algerien - die Folter durch französische Militärs...

Dieses Thema berührt auch das Thread « Einsicht durch Erfahrung »

Generell : Desertion und Ungehorsam werden auch in den westlichen Demokratien bestraft. Das sollte beim Urteil über die DDR-Beamten und Militärs wichtig sein. Es ist so : Im Konfort unseres Lebens heute ist das Urteil über das Leben gestern leicht, weil es unserem Konfort nicht gleich ist.

Stringer49


Soweit würde ich ja noch gar nicht mal gehen wollen, zumindest nicht generell und überall. Doch zwischen Mitmachen, Mitlaufen und sich verweigern/Desertieren ist es ein sehr weites Feld, was es bei der Betrachtung "DDR" zu "beackern"gilt.

Comme tu sais la droit administrative de la France?



Le droit administratif - das französische Verwaltungsrecht ? Ich habe es gelernt, wie auch die anderen Rechtsbereiche. Das ist nicht immer sehr lustig, aber es geht. Il faut s'y mettre. Man muss sich an die Arbeit machen.

Never make anything simple and efficient when a way can be found to make it complex and wonderful. (Murphy's law)

Stringer49



Ah, oui oui, c´est ca. J´ai lu ta profile. Tu es un Francais, non? bienvenue!!



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#338

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 05.02.2014 21:26
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #337


[...]


Ah, oui oui, c´est ca. J´ai lu ta profile. Tu es un Francais, non? bienvenue!!


@studfri : « Ah, ja, ja, das ist es. Ich habe Dein Profil gelesen. Du bist ein Franzose ? Willkommen.»

Das wäre zu einfach. Deshalb habe ich die Quote von Murphy's Law geschrieben...

Aber sprechen wir nicht von mir. Ich bin nicht so wichtig. Kehren wir um zu unserem Thema.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#339

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 30.11.2014 10:07
von G. Michael (gelöscht)
avatar

Zitat von 94 im Beitrag #78
Oder ein anderer 'befähigter' 'Vorgesetzter'. Also so blöd wie's och klingen mag, die Szene aus NVA kommt der Realität schon ziemlich nahe. Die Spatis waren aber schon was 'Besonders', kannten sie doch keine Diensthalbjahre und damit auch keinen Ansatz einer E-Bewegung. Einige haben sich im Netz zusammengefunden und lassen dort sogar ihren ehemals Major und Offizier für kulturpolitische Arbeit im Stab des PiBB Mukran zu Wort kommen, einfach mal reinschauen ...
http://www.proraer-bausoldaten.de/html/lothar_kuhne1.html

Ansonsten gab es auch am Kanten 'Totalverweigerer', also irgendwie zumindest. In Vitze hatte es mal einen Grundwehrdiener, der ist irgendwie durch alle Raster gefallen, der hat echt keine Waffe angerühert. War so bissel ein Catch-22-Typ, aber in der Küche gings mit ihm.


@94, danke für diesen Beitrag, vom Kanten kann ich nicht sprechen, denn ich war nie an der Linie. Im GAR 5 Glöwen hatten wir auch solch einen Fall.
Der "Genosse" Schu....., der hat nicht einmal Uniform getragen. Als gelernter Schumacher hat er seine 18 Monate im Trainingsanzug und Kittel seine
Zeit in der Schuhmacherwerkstatt verbracht. Nach den 18 Monaten hat er "aufgekohlt" und ist als Zivilbeschäftigter in Glöwen geblieben.
G. M.


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#340

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 30.11.2014 13:13
von damals wars | 12.113 Beiträge

Der Polit. als Stelli des KC führte bei uns regelmäßig die Kompanie in den Grenzdienst. Der Posten hatte bei uns den Nachteil, das er nebenbei als Mutter der Kompanie fungierte, der die Fehler des KC bei der Menschenführung ausbügeln durfte. major Ü zeichnete sich nicht gerade durch Einfühlungsvermögen aus.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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