#301

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 09:12
von utkieker | 2.920 Beiträge

An den Erweiterten Oberschulen Rostocks wurden als dritte Fremdsprachen Französisch, Spanisch, Polnisch und Latein angeboten!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#302

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 09:26
von Gelöschtes Mitglied
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Vielleicht war es so mit den Fremdsprachen , russisch an allen Schulen ab 5 Klasse Hauptfach , an den EOS - gab es englisch , franz. als Wahlfach.

Dann gab es doch noch die Zirkel , wie fleißiger Halstuchträger , aber auch Fremdsprachen wurden in den Zirkeln gelehrt.
Meine Schwiegertochter lernte tschechisch.
Ein Kollege von mir damals nach Mosambik , portugiesisch mußte er vorher lernen . , wo ??????????????


zuletzt bearbeitet 04.02.2014 09:27 | nach oben springen

#303

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 09:36
von Mike59 | 7.965 Beiträge

Also das mit dem engl. Unterricht hatten wir hier Englischuntericht unter Ulbricht verboten? schon mal.
Die anderen Sprachen konnten in der DDR u.a. im Naumburg erlernt werden, allerdings auch nicht für jedermann.


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#304

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 09:38
von Rostocker | 7.720 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #300
Zitat von linamax im Beitrag #295
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #293
Wie weltläufig war doch unsere DDR.
An meiner Schule gab es keinen Französischunterricht , sondern nur Englisch.
Und für den normalen DDR Bürger , der in den Genuss von Fremdsprachenunterricht in Englisch oder Französisch kam, hatten sich die Anwendungsmöglichkeiten der erworbenen Kenntnisse mit der Beendigung der Schulausbildung sowieso fast vollständig erledigt und fielen dem Vergessen anheim.



Hallo schnatterinchen
Ich durfte nicht englisch lernen als zweite Fremdsprache weil ich in russisch immer eine glatte fünf hatte . Das war in den 60iger Jahren .




Ja genau, das war bei uns auch so, daß da nicht alle bei Englisch mitmachen durften.
Das war so 80. Ich weiß garnicht mehr was die Ausgeschlossenen in der Zeit gemacht haben und wenn ich mir das überlege, da hat keiner von den Eltern der vom Englischunterricht ausgeschlossenen aufgemuckt. War halt DDR. Da wurde wegen solcher Petitessen nicht gemuckt.
Was das mit der "Mode" spanisch und portugiesisch anbetrifft , kann ich mir nur so erklären , das in dieser Zeit der antiimperialistische Kampf in Übersee- Ländern mit diesen Sprachen erfolgreich erschien.
Ich kenne niemanden, der spanisch oder portugiesisch in der Schule lernen konnte.



Dann muss ja heute kräftig--afganisch gelernt werden--wegen den antiterroristischen Kampf in Übersee.


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#305

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 09:42
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Also ich habe zu DDR-Zeiten Lieder auf Deutsch, Russisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Griechisch und eins sogar auf Finnisch gesungen. Aber ich war Polit-Offizier und somit ist meine Bemerkung nicht OT.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#306

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 11:52
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von Rainman2 im Beitrag #299
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #256
Die Drecksarbeit haben wir niedrigen Dienstgrade gemacht, da saß der Polit meist im Dienstzimmer, seltenst wirklich mal auf der Führungsstelle.

Ah, wie ich diese Stubengequatsche doch liebe ... reflektiert, durchsetzt von tiefer Kenntnis der Materie, wertvoll ...

Meine letzte Woche an der Grenze?!
Kompaniechef im Urlaub. Der Stellvertreter KC führte. Ich musste 2 Nächte in Folge die Übernahme und Übergabe der beiden Bauabschnitte (Grenzsignalzaun und Minendemontage) persönlich durchführen. Das hieß kaum Schlaf bei vollem Dienst am Tag. In der dritten Nacht konnte ich dann langsam mal ins Bett gehen. Ich flog kurz nach dem Einschlafen wieder raus. Ein Grenzposten hatte auf einer Wiese freundwärts des Grenzsignalzauns neben einem Scheinwerfer einen Schatten gesehen (Nachts, Anfang Oktober, mit einer Lampe schnell drübergeleuchtet, auf mehr als 100 Meter). Der StKC übernahm die Führung auf der Führungsstelle, ich übernahm die Führung in der Einheit. Nach und nach flog die ganze Kompanie raus, selbst die Küchenbesatzung musste mit raus zur Verstärkung der Abriegelung. Es blieben der UvD, die Wache, 6 trunkene Ausgänger und ich. Dann kam eine Kontrolle vom Grenzkommando Süd. Die durfte ich von Nachts um 2 Uhr bis morgens bespaßen, denn sie konnten weder in den Abschnitt, noch bekamen sie einen Kaffee. Nach der Lage und der Planungsvorbereitung schickte mich der StKC gegen 9:30 Uhr erst einmal ins Bett, die Lage war inzwischen aufgehoben - ergebnislos.

Ich legte mich gegen 10:00 Uhr hin. Um 11:00 wurde ich geweckt. Im Bereich der "Schattenlage" waren eine Untergrabung am Grenzsignalzaun und Spuren auf dem K2 gefunden worden. Ich sprang in die Felddienstuniform, rannte an der Küche vorbei, ließ mir ein Brötchen und eine Boulette in die Hand drücken, schwang mich zu einem Grenzaufklärer auf das Motorrad und wir fuhren zu der Stelle. Es war auf den ersten Blick klar, dass es sich um eine alte, freigespülte Spur handelte und die Untergrabung stammte von einem Fuchs. Ich musste bis 16:00 Uhr am Ort bleiben, da noch ein Stellvertreter des Bataillonskommandeurs die Sache untersuchen und bestätigen sollte. Ich rief danach die Führungsstelle an und teilte meinen Entschluss mit, zur Einheit zurück zu handeln. Ich erhielt aber den Befehl auf die Führungsstelle zu kommen. Dort teilte mir der Leutnant, einer unserer Zugführer mit, ich hätte den Befehl die Führung auf der Führungsstelle zu übernehmen bis sechs Uhr. Ich schaute auf meine Uhr, es war etwa 16:30 Uhr und murmelte, dass das ja nicht mehr lange hin sei. Da kam die Präzisierung: Morgens um 6:00 Uhr. Da wir an dem Tag wieder aus dem durch die Lage verschobenen Dienstzyklus in den geplanten zurückkehren wollten, waren die Schichten verschoben. Gegen 24:00 Uhr erfolgte eine Ablösung im Abschnitt. Ich bat, für mich die Postenversorgung mitzugeben. Es waren 2 kleine Äpfelchen, denn der Aufzug war offiziell unter 6 Stunden. Am Morgen kam ich in die Kompanie. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich an 5 Tagen gerade mal insgesamt 5 Stunden geschlafen - nicht zusammenhängend.

Da kam der Befehl: Kontrolle des K6 durch Offiziere der Kompanieführung. Das ließ darauf schließen, dass "jemand Drüben angekommen war" - das konnte aber sogar mehrere Regimentsabschnitte umfassen. der StKC und ich teilten uns den Abschnitt auf. Ich ging zusammen mit einem eigenen Posten und dem eigentlichen K6-Kontrollposten den K6 ab. Inzwischen war ich so übermüdet, dass ich zwischendurch in einer Halluzination ein Minenwarnschild sich in einen Mann im weißen Anzug verwandeln sah, der über den K6 ging. Ich hielt die Streife kurz an und wusch mir erst einmal in der nächsten Pfütze das Gesicht ab. Als wir fertig waren, bekam ich einen Anschiss, warum das mit der Streife so lange gedauert hätte. Zurück in der Einheit aß ich erst einmal etwas. Wie das weiter über den Tag ging, weiß ich nicht mehr. Für die Nacht war ich als Diensthabender Stellvertreter eingesetzt. Ich konnte wenigstens schlafen. Ich legte mich gleich in der Kompanie in ein Bett.

Nachts wurde ich durch eine Lage geweckt. Eine Auslösung Grenzsignalzaun, glaube ich, die der Kommandeur Grenzsicherung führen konnte. Plötzlich gab es ein Problem: Das Auto der befohlenen Kontrollstreife sprang nicht an. Ich wurde wieder geweckt und befahl, halb schlaftrunken, der Fahrer der KMS solle fahren. Dieser kam zu mir, ließ sich die Bestätigung im Fahrtenbuch unterschreiben, sagte mir etwas, dass er morgens in den Regimentsstab fahren solle. Ich antwortete irgendwas mit Vorrang der Grenzsicherung. Die Lage dauerte länger, ich schlief derweilen wieder, etwas anderes konnte ich nicht tun. Der Fahrer kam morgens in die Kompanie zurück und traf den Fähnrich, mit dem er in den Regimentsstab fahren sollte. Er verweigerte die Fahrt, da er nicht genügend Schlaf gehabt hätte. Statt mich nun zu wecken, was korrekt gewesen wäre, rief der Fähnrich im Bataillonsstab an. Von dort wurde ich geweckt und angeschnauzt, ob ich mir schon mal überlegt hätte, ob ich den richtigen Beruf gewählt hätte. Morgens bei der Lage kam der nächste Anschiss. Einer der Stellvertreter des Bataillonskommandeurs ließ mich ans Telefon holen und faltete mich persönlich zusammen. Beim Auflegen sprach ich dann meinen Spruch: Wenn das hier so weitergeht, frühstücke ich bald in Weimarschmieden.

Sorry, das musst ich nochmal loswerden. @Grenzwolf62 : Der Dreck, durch den wir bisweilen durchmussten klebte nicht zwingend an den Stiefeln.

ciao Rainman


Ok, da habe ich wohl zu viel verallgemeinert, meinen persönlichen Polit-Betreuer hab ich aber tatsächlich nur einmal in Felddienst zu Gesicht bekommen
als er zu heilig Abend zur Turm-Beschehrung kam.
War halt überall anders.


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#307

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 12:43
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #248
Zitat von seaman im Beitrag #208
Für mich stellen sich diese Fragen nicht,RUnger.
Habe in allen drei Teilen des geteilten Deutschlands gelebt und gearbeitet.Westberlin,DDR,BRD.
Später dann auch noch das geeinte Deutschland erlebt.
Kann für mich persönlich vergleichen und meine Fragen beantworten.
Lebenserfahrung pur,die kann mir keiner nehmen.

seaman



Warst du nicht eher da um einen Auftrag zu erfüllen, kann man das Leben nennen?



Steht doch deutlich da-gelebt und gearbeitet.Jeder der arbeitet erfüllt doch einen Auftrag, oder?
So ist doch das Leben und so nennt man es auch.
Kann man das Leben nennen.......denkst Du ich hab tot rumgelegen?
Alles andere ist Deine Spekulation.Ist auch hier nicht das Thema.

seaman


zuletzt bearbeitet 04.02.2014 12:44 | nach oben springen

#308

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 15:19
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Beitrag gelöscht bzw. in ein anderes Thema verschoben.

N.


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

zuletzt bearbeitet 04.02.2014 15:23 | nach oben springen

#309

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 18:02
von ABV | 4.202 Beiträge

Es ist schwer, oder sogar unmöglich, ein umfassendes, allgemein gültiges Urteil über Politoffiziere zu fällen. Weil es ganz einfach den Politoffizier nie gegeben hat!
Was bereits bei der Betrachtung der "normalen"Grenzsoldaten. MfS-Mitarbeitern, Volkspolizisten und so weiter, gesagt wurde, gilt auch für die Politoffiziere: Jeder einzelne Politoffizier war eine eigene Persönlichkeit. Mit ganz eigenem Charakter, eigener Intelligenz und nicht zuletzt eigener Auffassung vom Dienst.
Abhängig von den oben genannten Kriterien wurde jeder einzelne Politoffizier von den Unterstellten wahrgenommen. Ein "denkfauler" Polit, der ständig mit Phrasen jonglierte, ansonsten jeder Diskussion aus dem Weg ging, wurde völlig anders wahr genommen, als ein aufgeschlossener Politoffizier, der sich obendrein um die persönlichen Belange seiner Soldaten kümmerte.
Es gab eben wie überall, "solche und solche". Natürlich war die Grundaufgabenstellung der "Politniks", die es nicht nur bei NVA /GT sondern bei allen "bewaffneten Organen" gab, überall gleich. Entscheidend war, was der einzelne aus seiner Aufgabe machte.

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#310

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 18:08
von Schuddelkind | 3.512 Beiträge

Danke nochmals ausdrücklich an @Rainman2 für die Einblicke in das reale Leben eines Polits! Für mich mehr als interessant.


Intellektuelle spielen Telecaster
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#311

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 18:27
von ABV | 4.202 Beiträge

Wir hatten bei uns im VPKA ebenfalls einen Politoffizier. Major Artur B,. ein kleiner dicker gemütlicher Endvierziger. Menschlich lasse ich auf ihn heute noch nichts kommen. Als Politoffizier war er jedoch eine absolute Fehlbesetzung. Das zeigte sich mit absoluter Deutlichkeit während der Wendemonate. Während überall " der Bär steppte", verschanzte sich Major B. in seinem Dienstzimmer. Ohne vorgedruckte Argumentationshilfen erwies sich der Mann als hilflos. Gerade in dieser bewegten Zeit hätten wir ihn jedoch gebraucht!
Bei der letzten Parteiversammlung, im Dezember 1989, brach der Zorn einiger Mitarbeiter über ihn herein. Völlig mit den Nerven am Ende, fing der gestandene Mann an zu weinen und stammelte: " Ich habe doch auch daran geglaubt, was Hager und die anderen gesagt haben.Die haben mich doch ebenfalls belogen."
Deutlicher konnte sich ein Politoffizier nicht selbst demontieren. Was mich interessiert: Gibt es Beispiele von Politoffizieren, die ihre Unterstellten souverän durch die Wendewirren führten?

Gruß an alle
Uwe


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#312

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 18:59
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Tut mir Leid Uwe, ich nicht, denn mein Polit im Polizeirevier Leipzig Mitte hat sich nach der Wende das Leben genommen.
Er kam mit der Wende nicht klar, hieß es jedenfals.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#313

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 19:49
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #310
Danke nochmals ausdrücklich an @Rainman2 für die Einblicke in das reale Leben eines Polits! Für mich mehr als interessant.


Diesem ausdrücklichen Dank schliesse ich mich gerne an. Schon die Schilderung des Werdeganges, wie er dazu kam, ist sehr aufschlussreich.



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#314

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 19:54
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #311
Wir hatten bei uns im VPKA ebenfalls einen Politoffizier. Major Artur B,. ein kleiner dicker gemütlicher Endvierziger. Menschlich lasse ich auf ihn heute noch nichts kommen. Als Politoffizier war er jedoch eine absolute Fehlbesetzung. Das zeigte sich mit absoluter Deutlichkeit während der Wendemonate. Während überall " der Bär steppte", verschanzte sich Major B. in seinem Dienstzimmer. Ohne vorgedruckte Argumentationshilfen erwies sich der Mann als hilflos. Gerade in dieser bewegten Zeit hätten wir ihn jedoch gebraucht!
Bei der letzten Parteiversammlung, im Dezember 1989, brach der Zorn einiger Mitarbeiter über ihn herein. Völlig mit den Nerven am Ende, fing der gestandene Mann an zu weinen und stammelte: " Ich habe doch auch daran geglaubt, was Hager und die anderen gesagt haben.Die haben mich doch ebenfalls belogen."
Deutlicher konnte sich ein Politoffizier nicht selbst demontieren. Was mich interessiert: Gibt es Beispiele von Politoffizieren, die ihre Unterstellten souverän durch die Wendewirren führten?

Gruß an alle
Uwe



Na wenigstens hat der Mann aus seiner Sicht gesehen aber doch wohl die Wahrheit gesagt und sich incidenter wohl auch sein eigenes Versagen an dieser Stelle in der Vergangenheit eingestanden.

Dazu sind sehr viele bis heute noch nicht fähig, wie man augenscheinlich an der einen oder anderen Stelle zur Kenntnis nehmen muss.



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#315

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 19:58
von exgakl | 7.236 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #314
Zitat von ABV im Beitrag #311
Wir hatten bei uns im VPKA ebenfalls einen Politoffizier. Major Artur B,. ein kleiner dicker gemütlicher Endvierziger. Menschlich lasse ich auf ihn heute noch nichts kommen. Als Politoffizier war er jedoch eine absolute Fehlbesetzung. Das zeigte sich mit absoluter Deutlichkeit während der Wendemonate. Während überall " der Bär steppte", verschanzte sich Major B. in seinem Dienstzimmer. Ohne vorgedruckte Argumentationshilfen erwies sich der Mann als hilflos. Gerade in dieser bewegten Zeit hätten wir ihn jedoch gebraucht!
Bei der letzten Parteiversammlung, im Dezember 1989, brach der Zorn einiger Mitarbeiter über ihn herein. Völlig mit den Nerven am Ende, fing der gestandene Mann an zu weinen und stammelte: " Ich habe doch auch daran geglaubt, was Hager und die anderen gesagt haben.Die haben mich doch ebenfalls belogen."
Deutlicher konnte sich ein Politoffizier nicht selbst demontieren. Was mich interessiert: Gibt es Beispiele von Politoffizieren, die ihre Unterstellten souverän durch die Wendewirren führten?

Gruß an alle
Uwe



Na wenigstens hat der Mann aus seiner Sicht gesehen aber doch wohl die Wahrheit gesagt und sich incidenter wohl auch sein eigenes Versagen an dieser Stelle in der Vergangenheit eingestanden.

Dazu sind sehr viele bis heute noch nicht fähig, wie man augenscheinlich an der einen oder anderen Stelle zur Kenntnis nehmen muss.


was hat es mit Versagen zu tun, wenn man Dinge für richtig hält, die es in gewissem Maße nicht waren?


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#316

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 20:41
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #311
... Völlig mit den Nerven am Ende, fing der gestandene Mann an zu weinen und stammelte: " Ich habe doch auch daran geglaubt, was Hager und die anderen gesagt haben.Die haben mich doch ebenfalls belogen."
Deutlicher konnte sich ein Politoffizier nicht selbst demontieren. Was mich interessiert: Gibt es Beispiele von Politoffizieren, die ihre Unterstellten souverän durch die Wendewirren führten? ...

Hallo ABV,

tja, was hätte er denn anderes sagen sollen. Es war die niederschmetternde Erfahrung, dass der Fisch tatsächlich am Kopf stank. Viele hatten es uns gesagt, aber wir wollten das nicht wahrhaben. Ich für meinen Teil bin sehr froh, in der Zeit der Wende in Berlin gewesen zu sein. Ich hatte keine Führungsverantwortung, in der Studiengruppe hatte ich Leute, die von Anfang an kritisch mit der Entwicklung umgegangen waren, mit denen man sich also austauschen konnte und die nicht an Resignation dahinsiechten. Geweint haben in der Zeit einige. Sehr unangenehm für mich war der Auftritt des Kommandeurs der Militärpolitischen Hochschule, der sich unter Tränen für seine harte Gangart und seinen schwer zu akzeptierenden Führungsstil entschuldigte.

Ich habe nochmal in meiner Erinnerung gekramt. Das einzige Ereignis, das mich an die Wende im Zusammenhang mit dem Truppendienst heran geführt hat, war meine Einsatz Ende September/Anfang Oktober 1989 in Bärenstein an der tschechischen Grenze. 2 Kompanien waren dort in einem Objekt untergebracht. Die ein war eine komplette Kompanie, mit der wir nur im Rahmen der Planung zu tun hatten. Die andere war zusammengewürfelt aus verschiedenen Zügen. Ich war von der Militärpolitischen Hochschule dorthin kommandiert worden zur Unterstützung der politischen Arbeit. Tatsächlich übernahm ich die Rolle des Politstellvertreters der zusammengewürfelten Einheit. Ich machte dort die aktuell politischen Informationen, versuchte eine irgendwie geartete Parteiarbeit zu organisieren, sollte Kulturveranstaltungen über den 07. Oktober stattfinden lassen - wir organisierten einen Kinotag und ich gab einen Liedernachmittag (war sogar ganz gut besucht), aber vor allem mischte ich mich in die Grenzdienstplanung ein. Wenn man das einmal in der Kompaniesicherung machen musste, verlernt man das nicht mehr. Ich brüllte irgendwann im Beisein eines Fähnrichs (Zugführer der Grenzaufklärer) den Major vor Ort an, weil er die Postenschemen ohne Ablösezeiten rechnen wollte und das Prinzip meiner Zeitberechnung partout nicht begreifen wollte. Einen Tag später hörte ich, wie der Fähnrich seinen Kompaniechef, einen völlig überforderten Hauptmann, anbrüllte. Ich hatte da wohl irgendwie den falschen Kommunikationsimpuls gesetzt.

Was mich, der ich aus einer Atmosphäre der Diskussion und Reflexion ohne den Zwang des Truppendienstes aus Berlin kam, nahezu entsetzte, war die mechanistische Auffassung von dem, was in der politischen Arbeit vermittelt werden sollte. Mit dem Parteisekretär hatte ich mich mehr als einmal in der Wolle. Natürlich wollte auch ich eine politische Arbeit gemäß der Vorgaben, aber man konnte doch nicht an der Entwicklung im Land und in der Region vorbeidiskutieren. Bei den Soldaten war eine Mischung aus Apathie und Unruhe zu spüren. Sie hatten durchaus viele Fragen, aber kein Vertrauen, dass eine ordentliche Antwort kommt.

Ich nahm mir dort auch eine Freiheit: Ich nahm an zwei Tagen an einigen Vernehmungen Festgenommener teil. Das war nicht gestattet, aber auch nicht verboten. Ich ging in eines der Vernehmungszimmer, sagte dem Fähnrich, dass ich zuhören wollte und er nickte nur. Am ersten Tag hatten wir eine Gruppe festgenommen. Die Leute waren nicht sehr gesprächig. Es war eine Mischung aus Zorn, Trotz und Angst zu spüren. Die Antworten kamen nur einsilbig und nur zu den Sachfragen. Am zweiten Tag wurde ein junges Paar festgenommen. Ausgerechnet der Parteisekretär hatte die Festnahme gemacht und rief noch in Hörweite der beiden, dass er jetzt auch an die Wandzeitung kommen wolle. Dort gab es eine Rubrik mit denen, die Festnahmen gemacht hatten. Die Durchsuchung der beiden hatte ergeben, dass sie weder Geld, noch Schecks, noch Wertsachen, noch Gepäck dabei hatten. Das war schon untypisch. Sie antworteten offen und unbefangen auf alle Fragen. Es stellte sich für uns schnell der Eindruck heraus, dass sie nicht mit der Absicht gekommen waren, über die Grenze zu gehen. Der Fähnrich war etwas unsicher und versuchte mich zu konsultieren. Ich hatte zwar nichts zu sagen, bestätigte aber seine Einschätzung. Darauf wies er auch am Telefon hin und wir bekamen die Genehmigung, die beiden wieder frei zu lassen. Das soll jetzt keine Bitte um Rehabilitation sein, es fühlte sich in diesem Moment einfach nur richtig an.

Eine erhoffte Antwort auf die Frage, warum die Menschen konkret weg wollten, bekam ich nicht. Mein Einsatz endete dann auch kurz darauf und auf der Rückfahrt nach Berlin erfuhren wir von den Ergebnissen der Sitzung des Politbüros vom 10./11. Oktober. Ich erinnere mich an die Nacht, die diesen Nachrichten folgte. Wir wollten irgendwie aus der Sache Optimismus ziehen. Aber diese Nacht in irgendeinem Gästehaus sah mich schlaflos. Ich habe noch das Bild vor Augen, wie durch einen Spalt in der Gardine immer wieder die Scheinwerferkegel der vorbeifahrenden Autos an der Wand entlangwanderten, an der mein Bett stand. Mit diesem Bild ist ein Gefühl von Einsamkeit, von Verlorenheit verbunden.

Wie gesagt, ich war froh, dass das mein letzter Einsatz bei den Grenztruppen im Truppendienst war.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


RudiEK89, ABV und Rothaut haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.02.2014 20:42 | nach oben springen

#317

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 21:08
von studfri | 762 Beiträge

@exgakl schrieb: "was hat es mit Versagen zu tun, wenn man Dinge für richtig hält, die es in gewissem Maße nicht waren?"

Weil man das vlt zuvor erkannt hat oder hätte erkennen müssen? Gerade das ist die Grundproblematik, die untersucht werden müsste.



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#318

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 21:08
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von seaman im Beitrag #307
Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #248
Zitat von seaman im Beitrag #208
Für mich stellen sich diese Fragen nicht,RUnger.
Habe in allen drei Teilen des geteilten Deutschlands gelebt und gearbeitet.Westberlin,DDR,BRD.
Später dann auch noch das geeinte Deutschland erlebt.
Kann für mich persönlich vergleichen und meine Fragen beantworten.
Lebenserfahrung pur,die kann mir keiner nehmen.

seaman



Warst du nicht eher da um einen Auftrag zu erfüllen, kann man das Leben nennen?



Steht doch deutlich da-gelebt und gearbeitet.Jeder der arbeitet erfüllt doch einen Auftrag, oder?
So ist doch das Leben und so nennt man es auch.
Kann man das Leben nennen.......denkst Du ich hab tot rumgelegen?
Alles andere ist Deine Spekulation.Ist auch hier nicht das Thema.

seaman




Falls ich dir zu nahe getreten sein sollte mit meinem Einwurf, Entschuldigung.
Man macht sich halt Gedanken wie so etwas geht, sich irgendwo mit einer geborgten oder gebauten Vita zu integrieren, ich könnte das nicht, dazu bin ich charakterlich zu grundehrlich.
Aber was solls, ist wirklich OT.


zuletzt bearbeitet 04.02.2014 21:12 | nach oben springen

#319

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 21:15
von Lutze | 8.034 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #312
Tut mir Leid Uwe, ich nicht, denn mein Polit im Polizeirevier Leipzig Mitte hat sich nach der Wende das Leben genommen.
Er kam mit der Wende nicht klar, hieß es jedenfals.

hat keiner von euch versucht,
ihn zu unterstützen?,
oder hat er sich nichts anmerken lassen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
zuletzt bearbeitet 04.02.2014 21:17 | nach oben springen

#320

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 04.02.2014 21:24
von Fritze (gelöscht)
avatar

Zitat von Lutze im Beitrag #319
Zitat von RudiEK89 im Beitrag #312
Tut mir Leid Uwe, ich nicht, denn mein Polit im Polizeirevier Leipzig Mitte hat sich nach der Wende das Leben genommen.
Er kam mit der Wende nicht klar, hieß es jedenfals.

hat keiner von euch versucht,
ihn zu unterstützen?,
oder hat er sich nichts anmerken lassen
Lutze



Ach Lutze , ein jeder hatte doch auch mit sich selbst zu schaffen ! Jeden Tag gab es eine neue Situation (Habe extra nicht Lage geschrieben )
Dann die Fragen ,die die Bürger an dich stellten. Und Dienst also Streifendienst musste auch gemacht werden . Die Ganoven waren ja nun nicht gerade gerührt und machten weiter mit Straftaten. Kann mich erinnern ,daß gerade im November , Dezember ein Anstieg der Diebstahl -und Einbruchdelikte stattfand .

MfG Fritze


Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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