#201

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 23:18
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #164
Bezüglich sich Gedanken machen, daß die Grenze vor allem freundwäts gesichert war, was die Behauptung vom bösen Klassenfeind, vor dem man sich schützen muß, in Frage stellte, war uns schon klar, daß es vor allem um GV von Ost nach West ging und nicht vorrangig um Verhinderung von Eindringen des Klassenfeindes zu uns. Diese Tatsache hat eigentlich wenig dazu beigetragen, uns zum Zweifeln am Sinn unserer Präsenz an der Grenze zu bringen. Diese GWDler wären nach der Grundausbildung beim Gespräch gar nicht erst zur Grenze gekommen und in der Ausbildungskompanie verblieben.
Entschuldigung,lange nicht solchen Quatsch gelesen.
Und wer ist uns?
Wieviel dachten so wie Du?
Ich hatte viele Zweifel....und nicht nur ich.


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#202

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 23:28
von studfri | 762 Beiträge

Ja was soll ich sagen @Rainman, ein nicht nur offenes sondern auch von nicht unerheblicher Selbstkritik getragenes Statement. Eines der ganz wenigen Statements hier, in denen man Selbstrefeflektion und -kritik erkennen kann. Ich danke Dir dafür.

Jetzt will ich mal noch einen Schritt weiter gehen:

Wenn Du das heute so siehst und erkennst, erschrickst Du dich nicht manchmal selbst darüber, wie anscheinend "einfach" Menschen doch verführbar zu sein scheinen? Wie sie Dinge (die Realität) einfach ausblenden nur um nicht das (erlernte) Ideal in Frage stellen zu müssen?

Denn eines muss Dir ja klar sein: Damit hast Du zum Bestehen des "Systems DDR" beigetragen, wenn auch nur als ein winzig kleines Rädchen im riesigen Uhrwerk, aber es war in jedem Fall ein Beitrag dazu.



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#203

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 23:45
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von eisenringtheo im Beitrag #168

Aber wie sah es im Kalten Krieg aus? Hat Politunterricht eine Wirkung bei den GWD leistenden gehabt, oder haben sie ihre Ohren und ihr Hirn auf Durchzug gestellt.
Theo
DURCHZUG,diese Märchenstunden waren einfach nur ermüdend,wenn nicht sogar peinlich.
Manchmal fragte ich mich,ob die Politniks das selber glaubten,was sie uns predigten.
Und eigentlich müßten sie doch auch ,ich nenne es mal das Desintresse der GWDler, während diesen Politunterrichtsstunden mitbekommen haben. Diese Leute hatten es echt schwer, Soldaten mit ihrer Arbeit zu zu motivieren.


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#204

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 06:13
von furry | 3.580 Beiträge

An dieser Stelle möchte ich mich bei @Rainman2 für seine Berichte herzlich bedanken.
Soweit ich weiß, ist er aber nicht der einzige ehemalige Polit-Offizier hier im Forum. Andere, vielleicht auch abweichende Meinungen, wären sicher auch von Interesse.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#205

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 07:52
von Sperrbrecher | 1.658 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #196
]

Meissner Porzellan BILLIG - Ramsch ?



Das gab es natürlich auch in jeden Haushaltswarengeschäft, durfte aber nur ausgeführt werden, wenn es für Westmark
eingekauft wurde.


Wie war die allgemeine Stimmung in der DDR ? Sie hielt sich in Grenzen !


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#206

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 08:02
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von Sperrbrecher im Beitrag #205
Zitat von Alfred im Beitrag #196
]

Meissner Porzellan BILLIG - Ramsch ?



Das gab es natürlich auch in jeden Haushaltswarengeschäft, durfte aber nur ausgeführt werden, wenn es für Westmark
eingekauft wurde.




Ein kleiner Witz am MORGEN ......

Aber die Manufaktur ist ja hier nicht das Thema.


zuletzt bearbeitet 03.02.2014 08:16 | nach oben springen

#207

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 10:28
von RUnger | 66 Beiträge

Hallo Studfri

Jeder der in der DDR gelebt und gearbeitet hat hat sirekt oder indirekt mit dem bestehenden politischen System zu tun gehabt. Manchmal gewinnt man hier den Eindruck, als hätten das manche nicht. Heute unterstütze ich auch direkt oder indirekt das politische System der BRD. Da gibt es auch Gutes und Schlechtes zu berichten oder ?????

MfG RUnger



werner, Damals87 und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#208

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 10:42
von seaman | 3.487 Beiträge

Für mich stellen sich diese Fragen nicht,RUnger.
Habe in allen drei Teilen des geteilten Deutschlands gelebt und gearbeitet.Westberlin,DDR,BRD.
Später dann auch noch das geeinte Deutschland erlebt.
Kann für mich persönlich vergleichen und meine Fragen beantworten.
Lebenserfahrung pur,die kann mir keiner nehmen.

seaman


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zuletzt bearbeitet 03.02.2014 10:43 | nach oben springen

#209

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 11:42
von Freienhagener | 3.877 Beiträge

Zitat von RUnger im Beitrag #207

Jeder der in der DDR gelebt und gearbeitet hat hat sirekt oder indirekt mit dem bestehenden politischen System zu tun gehabt. Manchmal gewinnt man hier den Eindruck, als hätten das manche nicht. Heute unterstütze ich auch direkt oder indirekt das politische System der BRD. Da gibt es auch Gutes und Schlechtes zu berichten oder ?????



Stimmt.
Aber man muß ja existieren und nur Wenige eignen sich zum Märtyrer.
Jedenfalls kann man sich heute viel einfacher dem politischen System entziehen. Keiner bedrängt einen, mitzumachen.

Ja, Gutes und Schlechtes:
DDR-Kritik bedeutet nicht, daß man damit die BRD uneingeschränkt hochleben läßt. Das wäre die alte "Denke", daß jeder DDR-Kritiker automatisch ein "Lakai des Klassengegners" ist.

Die DDR-Erfahrung sollte eine kritische Einstellung zu jeder Obrigkeit erwirkt haben.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#210

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 12:13
von 80er | 572 Beiträge

Die Versuche, in Schule, Beruf, Wehrdienst und Studium, aus Menschen im Sinne der marx´schen/lenin´schen Doktrin "sozialistische Persönlichkeiten" zu erziehen, wurden von vielen zu Beglückenden allgemein als "Rotlicht" oder auch "Rotlichtbestrahlung" bezeichnet.
Waren die VermittlerInnen dann noch menschlich moralisch zweifelhaft, trug dies nicht gerade zur Akzeptanz der Person und der Theorie bei, die sie zu vermitteln hatten.

Um so mehr ist mir eine Begebenheit aus meiner Dienstzeit bei den GT erinnerlich, die zeigt, wie entscheidend es sein kann, wenn der Vorgesetzte auch menschlich handelt und so mit den Inhalten konform geht, für die er steht.

Als Fahrer eines W50 "Gefechtsfahrzeuges" neuerer Bauart (Lenkhilfe, Ballonreifen, genaue Bezeichnung weiss ich nicht mehr, LAA?) für die Nachrichteneinheit des GAR 11, hatte ich dieses an einem kalten Wintertag 1973/74 an die Rückseite des Kompaniegebäudes zu fahren, in dem der Nachrichtenzug untergebracht war. Es ging um die Wartung der funktechnischen Gerätschaften, die ich im Ernstfall zu befördern hatte.

Nach Beendigung der Wartungsarbeiten sollte ich das Fahrzeug zurück an dessen Standort im Gefechtspark bringen.

Jedoch, nach lösen der Handbremse bewegte sich der LKW keinen Zentimeter mehr von der Stelle. Den Anschisshammer sah ich kreisend schon über mir, da ich zu denen gehöre, die Fehler zunächst bei sich suchen, als -wie in diesem Fall- in der Tücke des Objekts, ging ich auf meine Kfz Kompanie, um Rat bzw. Hilfe zu holen.

Der "Giftzwerg", KC-Major, von dem ich den Anschiss erwartete, war zum Glück nicht anwesend. Stattdessen ging der Polit im übertragenen Sinne "die Ärmel hoch gekrempelt" mit mir zum Fahrzeug zurück und dies alles ohne Anschiss!

Im Gegensatz zu uns normalen Kraftfahrern, die technisch i.d.R. "Null Ahnung" von solchen Fahrzeugen hatten, kreiste er die Fehlerursache sofort ein: Im Drucksystem des Bremskraftverstärkers/Druckbehälters war Kondenswasser gefroren, was erklärte, weshalb sich die Bremsen nicht lösen ließen. Er erwähnte zwar, dass er eine Kfz Ausbildung gemacht hatte, aber als Offizier hätte er nicht mehr -wie geschehen- unter Fahrzeugen herum kriechen müssen!

Mit einer Lötlampe, die er aus der Kompanie geholt hatte, taute er die neuralgische Stelle der Bremshydraulik auf, wobei der Kolben am Bremszylinder hörbar in seine Ausgangsposition zurück schnappte und die Blockierung der Räder damit aufgehoben wurde - kleine Ursache, grosse Wirkung! Er erklärte mir ebenfalls noch, dass dieses Kondenswasser von Zeit zu Zeit an der Ablassschraube des Druckbehälters abgelassen werden sollte, um solchen Pannen vor zu beugen. Ausserdem sei es sinnvoller, im Winter einen Gang einzulegen, anstatt die Handbremse anzuziehen. So hatte ich zusätzlich noch eine viertel Stunde Nachhilfe in Kfz-Technik und er gab mir darüber hinaus das Gefühl, dass ich diese Dinge einfach nicht wissen konnte!

Ich erinnere mich ebenfalls daran, dass mich dieser Hauptmann, dessen Namen ich heute noch weiss -im Gegensatz zu dem Namen des Polit später in unserer GK- und den ich sogar in einem Brief an meine Eltern erwähnte, stark beeindruckt hat! Der Typ hat mich menschlich überzeugt. Stattdessen kann ich mich an seinen Politunterricht nun überhaupt nicht mehr erinnern ...


Erklärung des Begriffes "Gefechtsfahrzeug" für Zivilisten:

Das Gefährt ist, wie der Name sagt, nur für den Einsatz im Ernstfall vorgesehen, steht deswegen viel rum, muss aber dennoch in "Gefechtsbereitschaft" gehalten, d.h. gewartet und unterhalten werden.


Rainman2, eisenringtheo, Damals87, exgakl, DoreHolm, RudiEK89 und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.02.2014 12:17 | nach oben springen

#211

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 14:29
von Rainman2 | 5.763 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #202
...
Wenn Du das heute so siehst und erkennst, erschrickst Du dich nicht manchmal selbst darüber, wie anscheinend "einfach" Menschen doch verführbar zu sein scheinen? Wie sie Dinge (die Realität) einfach ausblenden nur um nicht das (erlernte) Ideal in Frage stellen zu müssen?
...


Hallo Studfri

Ja, und das ist auch der Grund für meine Auseinandersetzung mit dem Thema. Ich hatte mir als Kind und Jugendlicher ein Ideal gebastelt, einfach zu handhaben, aber mit Widerstand aus der Umgebung (mit einigen meiner Freunde und Mitschüler gab es durchaus Konflikte zu meinem Weltbild), der aber eher anstachelte, sich als "Revolutionär" zu fühlen. Das war letztlich wie ein Nasenring, an dem ich in die Arena geführt werden konnte. Kritiklose Ideale, Heile-Welt-Szenarien und Gut-Böse-Schemen sind der beste Nähboden, manipuliert und verführt zu werden. Die Kritik an mich und der Punkt mit dem ich in meiner eigenen Aufarbeitung noch lange nicht fertig bin ist der, dass mein Gefühl in den meisten Fällen am richtigen Platz war. Nur der Kopf wollte nicht aus dem Beton raus. Mein Selbstvertrauen reichte damals nicht aus, mir selbst, also meinem Bauchgefühl, zu vertrauen. Manches war auch eine "Sehnsucht nach Pathos".

Zitat von studfri im Beitrag #202
...
Denn eines muss Dir ja klar sein: Damit hast Du zum Bestehen des "Systems DDR" beigetragen, wenn auch nur als ein winzig kleines Rädchen im riesigen Uhrwerk, aber es war in jedem Fall ein Beitrag dazu.


Das ist die Sache, die ich mir weniger vorwerfe. Ich bin heute ein vorwiegend technischer Unternehmensberater. Ich trage heute auch zum Bestehen des Systems bei. Tja, wenn man nicht geht, ist man dabei. Ich weiß, Du meinst das anders, als ich es hier lax abhandle, aber der Begriff "System DDR" ist viel zu komplex, als das ich mich damit in Form eines Riesenklopses auseinandersetzen wollte. Ich brauche es Häppchenweise. Der Teil des Systems DDR, dem ich definitiv kritisch und selbstkritisch gegenüber stehe, ist der, dass dieser Staat, und damit meine ich die Oligarchie der Parteinomenklatura, zum einen Menschen aus dem Staat getrieben hat, ihnen zum anderen den Weg unter Androhung von Inhaftierung, Verletzung oder Tod verweigerte. Ich meine auch den Teil, der die eigenen Postulate predigte, sich aber andererseits darüber hinwegsetzte (Stichworte demokratischer Zentralismus, Führende Rolle der Partei - im Sinne der Partei und nicht der Parteiführung). Da hätte ich mehr erkennen können. Gesehen habe ich ja viel. Aber nicht in die richtigen Zusammenhänge gesetzt. Ich suchte immer nach "Einzelschuldigen" für Missstände und Versäumnisse. Das "Große und Ganze" stand nie in Frage.

Wie ich mich nun konkret dazu positioniere? Ich habe irgendwo geschrieben, dass ich mir für meinen Aufarbeitungsprozess kein Ziel setze und kein Ziel setzen lasse. Ich werde meinen Weg gehen und irgendwann werde ich nicht mehr weitergehen können. Der Punkt an dem ich dann angekommen bin, muss dann wohl als Ziel herhalten.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Damals87 und ABV haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#212

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 16:29
von Freienhagener | 3.877 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #211
..Ich bin heute ein vorwiegend technischer Unternehmensberater. Ich trage heute auch zum Bestehen des Systems bei.


Nur wenn Du zu denen gehörst, die Gutachten erstellen und damit Stellenabbau bewirken...........


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
80er hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.02.2014 16:50 | nach oben springen

#213

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 17:38
von Wolle76 (gelöscht)
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #130
....stimmt doch, versagende Polits.
Ist es doch nicht gelungen den Wehrpflichtigen der NVA die Gefährlichkeit des Klassenfeindes zu verinnerlichen.
Was haben wir heute : Hartz4,Suppenküchen, Kleiderkammern und eine Armee die bald wieder mordend und branschatzend durch aller Herren Länder ziehen soll.


Für den Fall das diese Aussage keine Ironie ist, solltest Du die Pillen wechseln.


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#214

RE: Zweifelnde Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 18:08
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von 80er im Beitrag #210
Die Versuche, in Schule, Beruf, Wehrdienst und Studium, aus Menschen im Sinne der marx´schen/lenin´schen Doktrin "sozialistische Persönlichkeiten" zu erziehen, wurden von vielen zu Beglückenden allgemein als "Rotlicht" oder auch "Rotlichtbestrahlung" bezeichnet.
Waren die VermittlerInnen dann noch menschlich moralisch zweifelhaft, trug dies nicht gerade zur Akzeptanz der Person und der Theorie bei, die sie zu vermitteln hatten.

Um so mehr ist mir eine Begebenheit aus meiner Dienstzeit bei den GT erinnerlich, die zeigt, wie entscheidend es sein kann, wenn der Vorgesetzte auch menschlich handelt und so mit den Inhalten konform geht, für die er steht.

Als Fahrer eines W50 "Gefechtsfahrzeuges" neuerer Bauart (Lenkhilfe, Ballonreifen, genaue Bezeichnung weiss ich nicht mehr, LAA?) für die Nachrichteneinheit des GAR 11, hatte ich dieses an einem kalten Wintertag 1973/74 an die Rückseite des Kompaniegebäudes zu fahren, in dem der Nachrichtenzug untergebracht war. Es ging um die Wartung der funktechnischen Gerätschaften, die ich im Ernstfall zu befördern hatte.

Nach Beendigung der Wartungsarbeiten sollte ich das Fahrzeug zurück an dessen Standort im Gefechtspark bringen.

Jedoch, nach lösen der Handbremse bewegte sich der LKW keinen Zentimeter mehr von der Stelle. Den Anschisshammer sah ich kreisend schon über mir, da ich zu denen gehöre, die Fehler zunächst bei sich suchen, als -wie in diesem Fall- in der Tücke des Objekts, ging ich auf meine Kfz Kompanie, um Rat bzw. Hilfe zu holen.

Der "Giftzwerg", KC-Major, von dem ich den Anschiss erwartete, war zum Glück nicht anwesend. Stattdessen ging der Polit im übertragenen Sinne "die Ärmel hoch gekrempelt" mit mir zum Fahrzeug zurück und dies alles ohne Anschiss!

Im Gegensatz zu uns normalen Kraftfahrern, die technisch i.d.R. "Null Ahnung" von solchen Fahrzeugen hatten, kreiste er die Fehlerursache sofort ein: Im Drucksystem des Bremskraftverstärkers/Druckbehälters war Kondenswasser gefroren, was erklärte, weshalb sich die Bremsen nicht lösen ließen. Er erwähnte zwar, dass er eine Kfz Ausbildung gemacht hatte, aber als Offizier hätte er nicht mehr -wie geschehen- unter Fahrzeugen herum kriechen müssen!

Mit einer Lötlampe, die er aus der Kompanie geholt hatte, taute er die neuralgische Stelle der Bremshydraulik auf, wobei der Kolben am Bremszylinder hörbar in seine Ausgangsposition zurück schnappte und die Blockierung der Räder damit aufgehoben wurde - kleine Ursache, grosse Wirkung! Er erklärte mir ebenfalls noch, dass dieses Kondenswasser von Zeit zu Zeit an der Ablassschraube des Druckbehälters abgelassen werden sollte, um solchen Pannen vor zu beugen. Ausserdem sei es sinnvoller, im Winter einen Gang einzulegen, anstatt die Handbremse anzuziehen. So hatte ich zusätzlich noch eine viertel Stunde Nachhilfe in Kfz-Technik und er gab mir darüber hinaus das Gefühl, dass ich diese Dinge einfach nicht wissen konnte!

Ich erinnere mich ebenfalls daran, dass mich dieser Hauptmann, dessen Namen ich heute noch weiss -im Gegensatz zu dem Namen des Polit später in unserer GK- und den ich sogar in einem Brief an meine Eltern erwähnte, stark beeindruckt hat! Der Typ hat mich menschlich überzeugt. Stattdessen kann ich mich an seinen Politunterricht nun überhaupt nicht mehr erinnern ...


Erklärung des Begriffes "Gefechtsfahrzeug" für Zivilisten:

Das Gefährt ist, wie der Name sagt, nur für den Einsatz im Ernstfall vorgesehen, steht deswegen viel rum, muss aber dennoch in "Gefechtsbereitschaft" gehalten, d.h. gewartet und unterhalten werden.

Und genau so war auch unser Polit in der Grenzkompanie. Immer Mensch bleiben, wir waren ja mit der Stärke von 100 Mann eine große Familie.
Lief es Innerbetrieblich in der Gk. und im Abschnitt glatt, hatte auch der Polit seine Ruhe.
Mein Bruder hatte 1988 Jugendweihe. Es kündigte sich ein Großonkel aus dem "Westen" an, an der Feier teilzunehmen.
Dies erfuhr ich durch den KC und den Polit im persönlichen Gespräch.
Der Polit stellte mich vor die Wahl, an der Feier teilzunehmen und viele Berichte über die dort geführten Gespräche zu schreiben oder
in der Gk. zu bleiben. Ich entschied mich für das Letztere.
Er hätte mich auch ins "offene Feuer" rennen lassen können.
Das fand ich toll an unserem Polit, er war einfach Mensch.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
Küchenbulle 79 und 80er haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#215

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 18:17
von zoll (gelöscht)
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Zitat von exgakl im Beitrag #141
Zitat von zoll im Beitrag #139
Egal wie die Überschrift zu dieser Angelegenheit nun lautet. Wozu war ein Polit überhaupt erforderlich? Welche sinnvolle Tätigkeit sollte er denn ausüben? Woher hatte er denn seine Weisheiten? Wen konnte er denn beeindrucken?
Fragen über Fragen nach der Sinnlosigkeit dieses Regimes und seiner Amtsträger! Hätte man diese Planstelle ersatzlos gestrichen, wäre die DDR noch einige Monate länger überlebensfähig gewesen. Wer glaubt, dieser Dienstposten wäre damals nötig gewesen, der sollte endlich versuchen in der Realität anzukommen!
zoll


aha....

Das auf meinen Beitrag nur ein aha erfolgte, zeigt mir, das der Beitrag nicht verstanden werden soll oder die unglaubliche Ingnoranz des Lesers. Aber, es zeigt auch, welche Rolle so`n Polit immer noch spielt.
Aus meiner Kenntnis erklärt sich dieser Dienstposten doch als "Verarscher" der Wehrpflichtigen. Die wollten doch nur ihren Dienst abreißen und nicht mit Propaganda besudelt werden. Was hat der Polit zu sagen gehabt: die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus und das musste er Euch in wechselnder Form in die Köpfe einhämmern. Bei einigen ist leider etwas hängen geblieben.
Ich hoffe nur, dass die Realisten einmal nachdenken und die Rolle dieser Hohlköpfe einmal neu überdenken. Dann wäre schon viel gewonnen.
zoll


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#216

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 18:29
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von zoll im Beitrag #215
Zitat von exgakl im Beitrag #141
Zitat von zoll im Beitrag #139
Egal wie die Überschrift zu dieser Angelegenheit nun lautet. Wozu war ein Polit überhaupt erforderlich? Welche sinnvolle Tätigkeit sollte er denn ausüben? Woher hatte er denn seine Weisheiten? Wen konnte er denn beeindrucken?
Fragen über Fragen nach der Sinnlosigkeit dieses Regimes und seiner Amtsträger! Hätte man diese Planstelle ersatzlos gestrichen, wäre die DDR noch einige Monate länger überlebensfähig gewesen. Wer glaubt, dieser Dienstposten wäre damals nötig gewesen, der sollte endlich versuchen in der Realität anzukommen!
zoll


aha....

Das auf meinen Beitrag nur ein aha erfolgte, zeigt mir, das der Beitrag nicht verstanden werden soll oder die unglaubliche Ingnoranz des Lesers. Aber, es zeigt auch, welche Rolle so`n Polit immer noch spielt.
Aus meiner Kenntnis erklärt sich dieser Dienstposten doch als "Verarscher" der Wehrpflichtigen. Die wollten doch nur ihren Dienst abreißen und nicht mit Propaganda besudelt werden. Was hat der Polit zu sagen gehabt: die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus und das musste er Euch in wechselnder Form in die Köpfe einhämmern. Bei einigen ist leider etwas hängen geblieben.
Ich hoffe nur, dass die Realisten einmal nachdenken und die Rolle dieser Hohlköpfe einmal neu überdenken. Dann wäre schon viel gewonnen.
zoll

Da muss ich dir widersprechen @zoll ,
wie in meinem Beitrag geschrieben waren die Politoffiziere in der Grenzkompanie Mensch geblieben.
Als ich aber die Polizeischule im März 1989 in Neustrelitz besuchte, paukte ich wirklich den Marismus / Leninismus.
Es wurde viel Wert auf diese Note gelegt. Naja, da konnte man seitens der Lehrerschaft auch nicht befürchten, dass jemand in den
"Westen" abhaut, weil es jemanden zuviel wurde.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.02.2014 18:30 | nach oben springen

#217

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 18:46
von LO-Fahrer | 607 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #86
...... Aber einen Unterschied machten wir durchaus: Im Kapitalismus werden Waffen hergestellt und es macht jemand damit Profit. Im Sozialismus macht niemand Gewinn durch Waffenproduktion. Ein wichtige Aussage, wenn es um die Aggressivität des Imperialismus ging......

ciao Rainman



Ganz so war es nicht. Das Projekt "Wieger 940" war von Anfang an auf den Export ausgerichtet, also um damit Profit zu erzielen!


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#218

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 18:50
von exgakl | 7.237 Beiträge

Zitat von zoll im Beitrag #215
Zitat von exgakl im Beitrag #141
Zitat von zoll im Beitrag #139
Egal wie die Überschrift zu dieser Angelegenheit nun lautet. Wozu war ein Polit überhaupt erforderlich? Welche sinnvolle Tätigkeit sollte er denn ausüben? Woher hatte er denn seine Weisheiten? Wen konnte er denn beeindrucken?
Fragen über Fragen nach der Sinnlosigkeit dieses Regimes und seiner Amtsträger! Hätte man diese Planstelle ersatzlos gestrichen, wäre die DDR noch einige Monate länger überlebensfähig gewesen. Wer glaubt, dieser Dienstposten wäre damals nötig gewesen, der sollte endlich versuchen in der Realität anzukommen!
zoll


aha....

Das auf meinen Beitrag nur ein aha erfolgte, zeigt mir, das der Beitrag nicht verstanden werden soll oder die unglaubliche Ingnoranz des Lesers. immer noch aha Aber, es zeigt auch, welche Rolle so`n Polit immer noch spielt. oh, jetzt wird es spannend
Aus meiner Kenntnis so ähnlich äußerte sich auch Schabowski erklärt sich dieser Dienstposten doch als "Verarscher" der Wehrpflichtigen. Die wollten doch nur ihren Dienst abreißen sicher? und nicht mit Propaganda besudelt werden. Was hat der Polit zu sagen gehabt: die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus und das musste er Euch in wechselnder Form in die Köpfe einhämmern. Bei einigen ist leider etwas hängen geblieben.
Ich hoffe nur, dass die Realisten einmal nachdenken ja das hoffe ich auch und die Rolle dieser Hohlköpfe welcher? einmal neu überdenken. Dann wäre schon viel gewonnen.
zoll



Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
zuletzt bearbeitet 03.02.2014 18:51 | nach oben springen

#219

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 19:04
von Pitti53 | 8.789 Beiträge

Zitat von zoll im Beitrag #215
Zitat von exgakl im Beitrag #141
Zitat von zoll im Beitrag #139
Egal wie die Überschrift zu dieser Angelegenheit nun lautet. Wozu war ein Polit überhaupt erforderlich? Welche sinnvolle Tätigkeit sollte er denn ausüben? Woher hatte er denn seine Weisheiten? Wen konnte er denn beeindrucken?
Fragen über Fragen nach der Sinnlosigkeit dieses Regimes und seiner Amtsträger! Hätte man diese Planstelle ersatzlos gestrichen, wäre die DDR noch einige Monate länger überlebensfähig gewesen. Wer glaubt, dieser Dienstposten wäre damals nötig gewesen, der sollte endlich versuchen in der Realität anzukommen!
zoll


aha....

Das auf meinen Beitrag nur ein aha erfolgte, zeigt mir, das der Beitrag nicht verstanden werden soll oder die unglaubliche Ingnoranz des Lesers. Aber, es zeigt auch, welche Rolle so`n Polit immer noch spielt.
Aus meiner Kenntnis erklärt sich dieser Dienstposten doch als "Verarscher" der Wehrpflichtigen. Die wollten doch nur ihren Dienst abreißen und nicht mit Propaganda besudelt werden. Was hat der Polit zu sagen gehabt: die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus und das musste er Euch in wechselnder Form in die Köpfe einhämmern. Bei einigen ist leider etwas hängen geblieben.
Ich hoffe nur, dass die Realisten einmal nachdenken und die Rolle dieser Hohlköpfe einmal neu überdenken. Dann wäre schon viel gewonnen.
zoll


Auch ein Aha......

Du erwartest doch darauf etwa nicht eine wirklich qualifizierte Antwort!?

Auch mal Polit gewesen


Alfred, DoreHolm und passport haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#220

RE: versagte Polit-Offiziere

in Grenztruppen der DDR 03.02.2014 19:14
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #219
Zitat von zoll im Beitrag #215
Zitat von exgakl im Beitrag #141
Zitat von zoll im Beitrag #139
Egal wie die Überschrift zu dieser Angelegenheit nun lautet. Wozu war ein Polit überhaupt erforderlich? Welche sinnvolle Tätigkeit sollte er denn ausüben? Woher hatte er denn seine Weisheiten? Wen konnte er denn beeindrucken?
Fragen über Fragen nach der Sinnlosigkeit dieses Regimes und seiner Amtsträger! Hätte man diese Planstelle ersatzlos gestrichen, wäre die DDR noch einige Monate länger überlebensfähig gewesen. Wer glaubt, dieser Dienstposten wäre damals nötig gewesen, der sollte endlich versuchen in der Realität anzukommen!
zoll


aha....

Das auf meinen Beitrag nur ein aha erfolgte, zeigt mir, das der Beitrag nicht verstanden werden soll oder die unglaubliche Ingnoranz des Lesers. Aber, es zeigt auch, welche Rolle so`n Polit immer noch spielt.
Aus meiner Kenntnis erklärt sich dieser Dienstposten doch als "Verarscher" der Wehrpflichtigen. Die wollten doch nur ihren Dienst abreißen und nicht mit Propaganda besudelt werden. Was hat der Polit zu sagen gehabt: die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem Kapitalismus und das musste er Euch in wechselnder Form in die Köpfe einhämmern. Bei einigen ist leider etwas hängen geblieben.
Ich hoffe nur, dass die Realisten einmal nachdenken und die Rolle dieser Hohlköpfe einmal neu überdenken. Dann wäre schon viel gewonnen.
zoll


Auch ein Aha......

Du erwartest doch darauf etwa nicht eine wirklich qualifizierte Antwort!?

Auch mal Polit gewesen


Warum denn nicht? Du bist doch sonst einer der immer gerne noch eine spezielle "Antwort" draufsetzt. Nun könntest Du Dich mal prolilieren. Oder hast Du Sorge, dass Du Dich mit Deiner Antwort noch mehr outen lkönntst, als das ohnehin schon der Fall ist?



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