#141

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 00:34
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #135
@Rainman2 Deinem Beitrag entnehme ich, das Aufarbeiten "Verstehen wollen" voraussetzt oder?


Das ist eine der Grundvoraussetzungen jeder Aufarbeitung, ob individuell oder allgemein.



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#142

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 00:36
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #135
@ Rainman2 Deinem Beitrag entnehme ich, das Aufarbeiten "Verstehen wollen" voraussetzt oder?

Hallo @Schuddelkind ,

eindeutig: Ja! Das Verstehen setzt dabei für mich zuerst bei mir selbst an. Ich bin nicht mehr der 23-jährige Bengel mit erstem Lametta auf den Schultern und dem Glauben, er sei ein Rädchen im Getriebe der Weltrevolution. Aber ich kann den Burschen nicht verleugnen, denn er ist ein Teil des Weges, den ich hinter mir habe. Seine Meinungen kann ich wegschmeißen. Meinungen sind wertloses Zeug. Aber seine quasi mit der Muttermilch eingesogenen Haltungen und Ideale, die stecken mir noch tief in den Knochen. Da ich nie einen Grund gefunden habe, die Menschen, die mich großzogen zu verleugnen, nehme ich diese Haltungen ernst. Es lohnt schon, darüber nachzudenken, wie ein Mensch, der mit dem - ja ich nenne es mal Axiom aufwuchs: "Mag's uns gehen wie es will, Hauptsache keinen Krieg mehr", aus dieser Grundhaltung heraus zu einem wurde, der andere erziehen, agitieren und dazu kommandieren wollte, auf andere Menschen zu schießen, der es scheinbar ungerührt akzeptierte, dass Menschen von Minen verletzt oder gar getötet wurden. Es war nicht leicht, sich dieses Widerspruchs bewusst zu werden. Es war eine Last, ihn zu spüren. Und es ist schwer, in dem Wust aus inneren und äußeren Bedingungen und Umständen herauszufiltern, was mich wirklich auf diesen Weg geführt hat.

Ich glaube, es begann mit der Kritiklosigkeit. Wir, meine Großmutter, meine Mutter und ich, hatten nicht viel. Die Sitzgarnitur im Wohnzimmer und der Fernseher stammten aus einer Erbschaft. Aber Oma sah ihre Kinder an Fachschulen lernen, sie sah ihre Enkel an Hochschulen lernen und sah ihr Lebensziel - den Kindern soll's mal besser gehen, sie sollen lernen können - erfüllt. Meine Mutter wurde als Arbeiterkind gefördert, kam an die ABF, konnte dann ihren Traumberuf, Tänzerin, lernen und arbeitete ihr Berufsleben lang an einer Ballettschule. Wenn etwas schief lief um uns herum, schimpften sie nicht. Sie lehrten mich Gründe zu finden, Verständnis zu haben - geht halt nicht so schnell mit der neuen Gesellschaft. Und so begann ich, mit Kritiklosigkeit und Idealen aufzuwachsen. Soweit bin ich schon mal in der Aufarbeitung, immerhin.

Wenn nun aber "Verstehen wollen" bedeutet, auch anderen zuzuhören und sie zu verstehen, dann wird es schwerer. Der Lärm ist angewachsen und wächst bisweilen noch weiter. Dann werde ich müde und suche nach einem kuschligen Plätzchen mit einer angenehmen Stimme. Das muss nicht immer die gleiche Stimme sein. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich die Beiträge von @turtle mag und bisweilen richtiggehend brauche, auch wenn sie sicher nicht immer den Rang eines Evangeliums erreichen. Aber heute zum Beispiel habe ich mich so über @Gert 's Beitrag hier gefreut, dass ich glatt vergessen könnte, dass mir sein Pauschalrundumschlag nicht ins Konzept passt. Was soll's - das System und die Leute in einen Topf zu schmeißen ist nicht meine Meinung, das steht auch irgendwo schon mehrfach, da muss ich mir die Freude über seine Rückkehr nicht durch vermiesen lassen. Würde ich anders denken, wenn ich ihn nicht beim letzten Treffen in Eisenach persönlich kennengelernt hätte? Weiß nicht, aber möglich wäre es.

Soweit dazu, muss ins Bett, denn die Liebste will bereits um sechs frühstücken. Das ist der Fluch, wenn man die Küche zu seinem Revier erklärt hat.

Bis neulich wieder!
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Eisenacher, vs1400, Schuddelkind, DoreHolm, turtle, Pzella 82 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#143

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 03:00
von seaman | 3.487 Beiträge

Wollte mich zwischendurch schon mal für die zahlreichen Antworten bedanken.
Wie die Resonanz zeigt scheint das Thema auch für andere User nicht uninteressant zu sein.
Danke.

seaman

Kleine Bitte- bleibt beim Thema!


zuletzt bearbeitet 29.01.2014 08:01 | nach oben springen

#144

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 06:54
von Schuddelkind | 3.515 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #138
Ich glaube nicht ,das Klitschko und Timoschenko das aus ihrer Privatbörse finanzieren, z. B. die Waffenfabrik auf den Maidan, von der die ARD Reporterin so begeistert war, in der laut ihren Aussagen freiwillige Molotowcocktais produzieren.


Warum fällt mir bei deinen Worten nur eine Textzeile vom "Rauch-Haus-Song" von TSS ein........
"Und vier Monate spter stand in Springer's heiem Blatt,
das Georg-von-Rauch-Haus hat eine Bombenwerkstatt.
Und die deutlichen Beweise sind zehn leere Flaschen Wein
und zehn leere Flaschen können schnell zehn Mollies sein. "


Intellektuelle spielen Telecaster
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#145

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 07:52
von Küchenbulle 79 | 533 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #143
Wollte mich zwischendurch schon mal für die zahlreichen Antworten bedanken.
Wie die Resonanz zeigt scheint das Thema auch für andere User nicht uninteressant zu sein.
Danke.

seaman



Jip,ist ein gutes Thema,aber wie immer mutiert es schon wieder zum hauseigenen Kalten Krieg.Sie Ukraine, Alt-SED-Fraktioner,einseitiger Schuldzuweisung,ich weiß es besser wie du,usw.
Solange das arg gebeutelte Thema Aufarbeitung in der Öffentlichkeit durch voreingenommene Historiker,heldenhaften Systemkritikern, die es ja auf einmal zu Hauf gibt und neuklugen Altbundesbürgern dominiert wird,kann daraus nichts werden.
Dein Ansatz war gut,da hier jede Seite und jede einzelne Meinung zum Ausdruck kommen kann und das nenne ich eine realistische Aufarbeitung.Zu mal hier alle Schichten der DDR anwesend sind.
Leider Gottes,werden dann auch wieder die bösen Geister gerufen und vorbei ist es mit der sachlichen Aufarbeitung.Da können wir noch so strampeln,aber das Ding kriegen wir nie gebacken.


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#146

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 08:11
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #119


Aus welchem "Knabengarten" hast du das wieder ausgegraben..... , wenn es gegen Diktaturen geht, warum wehrt sich heute keiner?

Muß mal im Keller ein paar Artikel aus dem "Neuen Deutschland" ausgraben, die hatten noch mehr Niveau



Wie gut , daß es Hubertus Knabe gibt, ansonsten hätte man ihn erfinden müssen.
Es gibt aber auch noch andere Leute @Bürger der DDR , die sich kompetent und sachlich mit der DDR Geschichte auseinandersetzen.


zuletzt bearbeitet 29.01.2014 08:13 | nach oben springen

#147

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 08:21
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #146

Es gibt aber auch noch andere Leute @Bürger der DDR , die sich kompetent und sachlich mit der DDR Geschichte auseinandersetzen.



Stimmt.
Denke da zum Beispiel an:

Erich Schmidt-Eenboom,Bodo Wegmann,Remo Kroll,Klaus Storkmann usw.
Aufarbeitung,wie sie sein sollte.
Die wirst Du aber garantiert nicht kennen,wie manche Deiner Beiträge vermuten lassen.


seaman


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zuletzt bearbeitet 29.01.2014 08:26 | nach oben springen

#148

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 08:45
von schnatterinchen (gelöscht)
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Tja seemann,

bei Deiner einseitigen Auswahl merkt man gleich aus welchem Stall du kommst.
Ich für meine Person halte mich da mehr an Leute die sich mit den Vorgängen in der zivilen DDR Gesellschaft beschäftigen.


zuletzt bearbeitet 29.01.2014 08:50 | nach oben springen

#149

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 08:46
von SCORN | 1.456 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #147
Zitat von schnatterinchen im Beitrag #146

Es gibt aber auch noch andere Leute @Bürger der DDR , die sich kompetent und sachlich mit der DDR Geschichte auseinandersetzen.



Die wirst Du aber garantiert nicht kennen,wie manche Deiner Beiträge vermuten lassen.


seaman




Die Bücher dieser Herren decken sich nicht mit dem offiziell "erwünschten und vermittelten Geschichtsbild" daher sind sie für eine bestimmte Klientel absolut nicht relevant!
Wer einen Hubertus Knabe bejubelt aber andere Historiker und Autoren nicht mal dem Namen nach kennt, bei dem wundert mich auch der Inhalt seiner Beiträge nicht!


seaman, Küchenbulle 79, DoreHolm und elster427 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#150

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 08:52
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #148
Tja seemann,

bei Deiner einseitigen Auswahl merkt man gleich aus welchem Stall du kommst.
Ich für meine Person halte mich da mehr an Leute die sich mit den Vorgängen in der zivilen DDR Gesellschaft beschäftigen.



Naja,
was die zivile Gesellschaft betrifft bist Du auch nicht immer gerade faktensicher.
Recht hast Du allerdings,ich interessiere mich für die Geschichte des Militärs und der Geheimdienste im geteilten Deutschland.
Denke,da bin ich hier im Forum gut angesiedelt.
Die Interessenlage ist eben unterschiedlich gelagert.Dafür ist hier alles vertreten,von U-Bahnhöfen bis Kochrezepte und Grenzerthemen..
Jeder findet etwas für sich.

seaman


zuletzt bearbeitet 29.01.2014 08:56 | nach oben springen

#151

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 08:58
von schnatterinchen (gelöscht)
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........"was die zivile Gesellschaft betrifft bist Du auch nicht immer gerade faktensicher."

Ist so! Ich war ja schließlich noch recht jung als sich die DDR verabschiedete.
Habe ich noch einiges nachzuholen. Der DDR Geschichtsunterricht war nur bedingt hilfreich, die eigene Geschichte zu verstehen.


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#152

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 09:02
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #151
........"was die zivile Gesellschaft betrifft bist Du auch nicht immer gerade faktensicher."

Ist so! Ich war ja schließlich noch recht jung als sich die DDR verabschiedete.
Habe ich noch einiges nachzuholen. Der DDR Geschichtsunterricht war nur bedingt hilfreich, die eigene Geschichte zu verstehen.


Das ist verständlich.
Trotzdem wundere ich mich manchmal mit welcher Inbrunst Du Unwahrheiten raushaust.Ist mir schon paar mal aufgefallen.
Jüngstes Beispiel die "Geiselkinder"von mitfahrenden Ehefrauen bei der DSR.
Das lesen auch Jugendliche z.b.,die denken das stimmt,der muss das wissen,hat dort gelebt.

seaman


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zuletzt bearbeitet 29.01.2014 09:04 | nach oben springen

#153

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 09:37
von Gert | 12.354 Beiträge

@seaman
also so abwegig ist das mit den "Geiseln" nicht. Die DDR hat immer darauf bestanden, dass Bürger die in den NSW Raum fuhren, "Geiseln" da liessen ( lassen mussten). Das wurde erst etwas liberaler gehandelt in den Jahren vor der Wende. Ich verstehe aber sehr gut, dass du das damals nicht so mitbekommen hast, da du ja vermutlich undercover oder auf hoher See unterwegs warst


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#154

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 09:41
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #153

@seaman
also so abwegig ist das mit den "Geiseln" nicht. Die DDR hat immer darauf bestanden, dass Bürger die in den NSW Raum fuhren, "Geiseln" da liessen ( lassen mussten). Das wurde erst etwas liberaler gehandelt in den Jahren vor der Wende. Ich verstehe aber sehr gut, dass du das damals nicht so mitbekommen hast, da du ja vermutlich undercover oder auf hoher See unterwegs warst




Gerd,
diese Aussage von Dir ist nicht richtig.
Kannst Du aber nicht wissen,da Du bereits in einer anderen Region Deinen Lebensmittelpunkt hattest.
Im Falle der DDR-Reederei DSR gab es von Beginn an nicht diese Beauflagungen.

seaman


zuletzt bearbeitet 29.01.2014 09:47 | nach oben springen

#155

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 10:02
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #129
Zitat von DoreHolm im Beitrag #109
Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #96
Zitat von DoreHolm im Beitrag #92
Zitat von Grenzverletzerin im Beitrag #84
@DoreHolm , machst du es dir mit deiner Aussage nicht etwas zu einfach? Wenn es denn so viele SED - Mitglieder gab, denen der 'Mist' bewusst war...ja warum habt ihr dann nix geändert (?) - zum Wohle des Volkes.



Hatte es schon mal woanders geschrieben, aber hier in Kürzester Kurzfassung:
1. Illusionen, etwas bewegen zu können.
2. Mehr oder weniger eingebunden in eine Ideologie, die keine radikalen Schritte zulies. Auch aus dem Wissen, wo solche Schritte hinführen können.
3. Ignorierung von Zustandsinfos durch die Regierenden und Disziplinierung von Abweichlern.

Reichts vorerst in der Kurzfassung ?


Naja...ok...reicht !

zu 1.) Bewegen kann man nur mit dem Volk - nicht gegen das Volk
zu 2.) das Jahr 89 hat doch gezeigt, es geht ohne radikalen Schritte
zu 3.) Also doch: Die Partei hat immer Recht?!



So weit, so gut. Mit radikalen Schritten, und das ist wieder ein Mißverstehen und das weist Du, meinte ich nicht gewaltsame Änderungen. Ein radikaler Schritt war es trotzdem, weil es genau zu dem geführt hat, was wir jetzt haben, nämlich einen Kapitalismus, bei dem nur noch das Geld zählt und der, wenn es sein muß, auch über Leichen gehen würde.
Zu 3. Was soll das schon wieder ? Wo habe ich das gesagt ? Natürlich hatten die unteren Organe an der Basis weitestgehend Recht mit ihren Einschätzungen der Situation in der Bevölkerung und der Wirtschaft. Du unterstellst hier wieder, daß damit die oberste Führung gemeint war, mit dem Recht haben, oder ?

Verstehend lesen, bitte und nicht auslegend bis es passt.



Also bei Pkt. 3 habe ich den Zwinker-.Dingens vergessen...es ist für mich schon nachvollziehbar, dass die oberste Riege, informationsresistent war. Nur wenn ich es dann auf deine andere Aussage anwende - eine Menge SED - Mitglieder usw. u.s.f. - dann müssen die meisten schon resigniert haben oder/und ihren Auftrag nicht mehr ernst genommen haben - und das ist mein Vorwurf. Dieser ist aber nicht persönlich zu nehmen, da ich dich in deiner Funktion als BPO weder kannte und deshalb auch nicht beurteilen kann.

Zu dem 'radikalen' Schritt...der wäre gar nicht nötig gewesen...das Volk wollte verstanden und ernst genommen werden. Kleine Zugeständnisse mit steigender Tendenz, hätte Wunder bewirken können - und damit meine ich nicht die Bananen - die waren mir echt schnuppe. Aber das wurde bereits in anderen Tröts hinlänglich diskutiert.

Liebe @Moskwitschka , die Vokabel 'Knabe' löst bei mir mittlerweile Brechreiz aus - sie wird hier überstrapaziert!!



Rot: In der Tat, diesen Eindruck hatte ich so manches mal, wenn die BPO-Sekretäre zu den monatlichen Beratungen in die Stadtbezirksleitung gerufen waren. Dort wurde neben dem allgemeinen Blabla und aber auch interessanten Informationen zu gesellschaftlichen Fragen des In- und Auslandes auch Kritik geübt. Kritik am Betrieb, weil irgendwelche Plankennziffern nicht erfüllt werden, weil es dort anscheinend ideologische Probleme gäbe (das betraf dann Kritik an den BPO-Sekretär) u.s.w. Ich gehörte zu denen, die das nicht widerspruchlos hinnahmen und ich weiß, daß ich so manchmal von einem Nachbarn unter dem Tisch einen Tritt an´s Schienbein bekam, ich solle doch den Mund halten, bringt sowieso nichts. Dementsprechend wurden in den Monatsberichten zum Punkt "Stimmungen und Meinungen" von vielen Sekretären eben nicht Klartext gesprochen, um sich Scherereinen zu ersparen und seine Ruhe zu haben. Ist zwar menschlich nachvollziehbar, wer hat noch nie Unangenehmes unter den Tisch gekehrt, um vor Vorgesetzten oder Behörden seine Ruhe zu haben, aber damit werden eben Probleme nur vor sich hergeschoben und nicht gelöst. Zu mir sagte mal der 1. Sekretär sinngemäß "Von Dir kommen ja sowieso immer solche Berichte", will heißen, nicht gerade dazu geeignet, um als Erfolgsmeldung nach weiter oben berichtet zu werden. Diesen Vorwurf des Verschweigens von Problemen und Zuständen muß ich mir nicht zum Vorwurf machen lassen, wenngleich ich aus heutiger Sicht natürlich weiß, daß ich in vielen Fällen noch deutlicher hätte sein sollen. Das Resultat wäre eine baldige Ablösung als BPO-Sekretär gewesen wegen Untragbarkeit und nicht gefestigtem Klassenstandpunkt. Eigentlich, aus heutiger Sicht, hätte es mir recht sein sollen, da ich nicht an dieser Funktion geklebt hatte und mit meinen fachlichen Aufgaben ziemlich ausgelastet war (BfN, WAO, Normung, PWT, Ratiomittelbau).

Grün: Da rennst Du bei mir offene Türen ein. Gestern war eine interessante Doku im ZDF über die DDR. Der zweite Teil kommt nächsten Dienstag. Da kamen Dinge zum Ausdruck, die auch schon von unseren MfS-Leuten hier mehr als einmal als völliger Blödsinn bezeichnet wurden, nämlich insbes. vor den 80ern gegen alles in irgendeiner Weise vorzugehen, was seinen Ursprung im Westen, besonders in den USA hatte. Vor allem betraf das Erscheinungen in Kultur, Mode und Kunst.



Grenzverletzerin hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#156

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 10:02
von Heckenhaus | 5.142 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #140
Ja das ist ja alles auf einem wirklich guten Weg hier. Ich muss gestehen, da kommt mehr als ich gedacht hätte.

Meiner Meinung nach muss/sollte man an diese Thematik der Aufarbeitung auf zwei Wegen herangehen: Eine individuelle Aufarbeitung, die im Grunde nur jeder mit sich selbst ausmachen kann und eine allgemeine oder besser gesagt, eine verallgemeinernde.

Individuell wird man die Fragen stellen müssen:
Was habe ich damals da gemacht? Warum habe ich das gemacht?
Was hätte ich ggf. unterlassen sollen und warum?
Was hätte ich anders/besser machen können?

Allgemein wird man fragen müssen.
Was war für wen und (ggf. wie) erkennbar?
Wie hat man darauf reagieren können (Tun oder Unterlassen)?
Welche Möglichkeiten gab es insoweit und wann setzte man sich welchen Gefahren aus.
Insbesondere: Welchen Zwängen begegnete man und ob und wie hat man ihnen ausweichen können?

So würde ich als ganz grobes Gerüst diese Thematik bearbeiten


Was habe ich damals da gemacht? Warum habe ich das gemacht?..........Meine ganz normale Arbeit wie jeder im Westen auch.
Was hätte ich ggf. unterlassen sollen und warum? ........................................Nichts.
Was hätte ich anders/besser machen können?..............................................Auch nichts.

Was war für wen und (ggf. wie) erkennbar?.....................................................Der drohende Kollaps, Zunahme der Mangelwirtschaft
Wie hat man darauf reagieren können (Tun oder Unterlassen)?...................Erdulden, keine Beeinflussung möglich. Auch nicht mit Wahlboykott.
Welche Möglichkeiten gab es insoweit und wann setzte man sich
welchen Gefahren aus. .......................................................................................In meinem Wohnumfeld keine als Selbständiger.
Insbesondere: Welchen Zwängen begegnete man und ob und wie
hat man ihnen ausweichen können?.................................................................Grundwehrdienst, mit 18 kamen da noch keine Gedanken.

Das sind meine ganz persönlichen Eindrücke, die keine Allgemeingültigkeit haben.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
zuletzt bearbeitet 29.01.2014 10:03 | nach oben springen

#157

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 10:04
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Gert im Beitrag #42
Eigentlich wollte ich hier nichts mehr schreiben wie ich es vor 4 Wochen in einem Post angekündigt habe.
Nun hat aber mein spezieller Freund @seaman eine Flasche aufgemacht, dessen entweichender Geist mich inspiriert, hierzu etwas zu schreiben. Ich mache eine Ausnahme.

Es geht um die Verantwortlichkeit für alles, was die SED von 1946 bis zu ihrer Auflösung getan hat.
Das Dasein der SED fing schon mit einer Straftat an, nämlich Erpressung mit Gewaltandrohung durch die Sowjetarmee und hier speziell durch ihren Terrorarm NKWD, für die Mitglieder der SPD in diese Einheitspartei einzutreten. Einige Widersacher haben bitter für ihren Widerstand bezahlt.

Daraufhin arbeitet die SED an der Staatsgründung der DDR die dann 1949 durchgeführt wurde. Im Vorfeld fanden schon durch die Sowjets später aber auch durch die SED zahlreiche Enteignungen von Produktionsmitteln statt, daruafhin flüchteten viele Firmen nach WD, der Rest verschwand als Reparation irgendwo in Karaganda und verrottete in der Steppe.
Unter diesen schlimmen Bedingungen geschah der Wiederaufbau. Da dieser dem Einpeitscher Ulbricht nicht schnell genug ging, beschloss er und seine SED die Arbeiter noch mehr auszubeuten, in dem man die Arbeitsnormen ständig hochsetzte. Eine Normerhöhung ist / war faktisch eine Lohnkürzung. Das ging bis zum 17.Juni 53 gut, dann kam es zum Arbeiteraufstand. Der Grund für diese Revolte wurde seitens der SED natürlich bei den reaktionärsten Kreisen im Westen, bei den Imperialisten und Kriegstreibern in WD geortet.
( Das übliche Spielchen)
Es wurde überharte Urteile gegen vermeintliche oder tatsächliche Rädelsführer von dem kommunistischen Fallbeil H. Benjamin und ihren Genossen erlassen und vollstreckt. Danach trat Friedhofsruhe ein in der DDR. Die SED regierte mit harter Hand unter dem Schutz der Sowjetarmee. In den Folgejahren kam es zu weiteren Einschnitten, wie Mauerbau, rigide bis tödliche Grenzbefestigungen, weitere Enteignungwellen von PM, bis 1972 quasi die letzte Zeitungsbude verstaatlicht war.
Die Folge: eine ineffiziente Warenproduktion und Verteilung führte zu einem unbefriedigendem Lebensstandard der wiederum eine Vetternwirtschaft und Korruption hervorbrachte. Der Abstand im Lebensstandard zu WD wuchs und wuchs und mit ihr die Unzufriedenheit der Leute und die Menschen hatten keine Alternative zu dieser miserablen Politik, weil sie gewaltsam eingesperrt waren.
Der Staat gerierte sich, wie ein Monopolist sich eben zu geben pflegt nämlich anmaßend, herrisch, ungerecht, strafend auf allen Ebenen gegenüber denen, die nur einen Millimeter von den vom Staat vorgegebenen Normen abwichen. Der Bürger war quasi entmündigt auf vielen Positionen und Ebenen.
Wer war also hierfür verantwortlich? Ich vermeide das Wort Täter. Nach meiner Einschätzung ist dies in erster Linie die SED und damit meine ich nicht nur das ZK und das Politbüro sondern jedes einzelne Mitglied der SED ist mitverantwortlich. Es gab keine „ Mitläufer „ so wie es sie auch in der Nazizeit nicht gab. Jeder der das Bonbon am Revers trug ist für mich in der Verantwortung für diese miserable Entwicklung dieses Staates aber auch für die Menschenrechtsverletzungen, für Morde, Unterdrückung, Erpressung und andere Straftaten, die der Staatsapparat anordnete. Mit- und hauptverantwortlich ist natürlich aus meiner Sicht an 2.Stelle auch der Sicherheitsapparat der SED, das ist vor allem das MfS. Das war der verlängerte Arm der Partei und der hat gnadenlos zugeschlagen, wo es die Partei für richtig hielt. Da das MfS keine Wehrpflichtigen beschäftigte, sind das für mich alles aktive und voll verantwortliche Beteiligte an diesen Vorgängen. Denn sie waren ja auch gleichzeitig ohne Ausnahme SED Mitglieder!


Im Falle der wehrpflichtigen Grenzsoldaten sehe ich da keine direkte Mitverantwortung, denn sie hatten zu gehorchen, ansonsten siehe oben. Ich selbst habe ja auch 18 Monate Grenzdienst gemacht und in dieser Zeit eine Festnahme eines Flüchtlings gehabt. Also war ich auch ein Rädchen in diesem von der SED zu verantwortenden Sicherheitsapparat für sie, für das Volk aber auch Terrorapparat. Ich stand aber innerlich nicht dahinter. So wie ich auch die Offizieren damals nicht als meine Genossen ansah, vor allem nicht den Politeinpeitscher.
So nun kann sich jeder heraussuchen, wo er stand und wo er heute steht.

Ich möchte noch eine Bemerkung zu den vielen Angriffen, denen sich der User studfrie hier ausgesetzt sieht, machen. Wenn ich das richtig sehe, waren in seinen Posts keine persönlichen Beleidigungen anderer User enthalten, umgekehrt hatte er aber einiges einzustecken, dass ich als sehr grenzwertig ansehe. Vor allem wird auf den Umstand reflektiert, dass er jung ist und die meisten seiner „Gegner „ alt sind.

Leute, es ist keine Verdienst ein alter Sack zu sein, es ist auch kein Ausweis von Intelligenz ein alter Sack zu sein. Es besteht überhaupt keine Veranlassung, sein Lebensalter als Qualitätsmerkmal in diese Diskussionen zu bringen. Ich kenne einige dumme „ alte Säcke „ und ich kenne auch einige sehr kluge aber noch junge Menschen. Ich finde, in diese Diskussion sollte mehr Sachlichkeit einziehen und auf die Inhalte bezogen gesprochen werden.





Gert, zu den beiden letzten Abschnitten deines Beitrags:

Er hat die Haltung "stell dich nackt auf den Marktplatz, ich will dich mit Steinen bewerfen - und danach gebe ich dir eine Haltungsnote."

Das ist das Gegenteil von Aufarbeitung. Das ist Tribunal von der unangenehmsten Sorte, für das ich mich z.B. "fremdschäme". Damit konterkariert man seinen eigenen "aufklärerischen" Anspruch und tut quasi das, was man vermeintlich anprangert.

Möchte nicht wissen, wir er sich stellen würde, wenn wir mal das Thema "Verdränger-Vergangenheit" in der ehm. BRD - als Beispiel die Übernahme von Nazi-Richtern - in die junge Demokratie, aufgreifen würden. Von der deutschen Richterschaft ist dieses Thema nie bearbeitet worden, oder ?? dazu Buchempfehlung: Ursula Krechel: Landgericht.

Oder die Kolonialpolitik der Franzosen, die von Schweinereien sondersgleichen geprägt ist und deren Auswirkungen bis heute wirksam sind.
Dazu: sprich mal mit frankophonen Afrikanern oder lies mal afrikanische Soziologen.

Nein, so einfach ist das alles nicht, und gerade wenn man als Student einen wissenschaftllichen Anspruch hat, muss man sich auch daran messen lassen.
Ich bin eigentlich erstaunt, wie gelassen hier letztlich mit ihm umgegangen wird, ich hätte ihn längst rausgeschmissen.
.


seaman, Küchenbulle 79, DoreHolm, ABV und exgakl haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#158

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 10:05
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von elster427 im Beitrag #86

Wie bezeichnet man eigentlich die Leute , welche sich für drei Jahre zum Wehrersatzdienst zum MfS für
die Wach und Sicherungseinheiten bzw zum WR FED verpflichtet hatten?



@elster427, bitte nicht alles unkontrolliert nachquatschen was vom @94´er kam... oder selbst nochmal im wehrdienstgesetz der ddr von 1982 nachlesen


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#159

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 10:09
von DoreHolm | 7.698 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #140
Ja das ist ja alles auf einem wirklich guten Weg hier. Ich muss gestehen, da kommt mehr als ich gedacht hätte.

Meiner Meinung nach muss/sollte man an diese Thematik der Aufarbeitung auf zwei Wegen herangehen: Eine individuelle Aufarbeitung, die im Grunde nur jeder mit sich selbst ausmachen kann und eine allgemeine oder besser gesagt, eine verallgemeinernde.

Individuell wird man die Fragen stellen müssen:
Was habe ich damals da gemacht? Warum habe ich das gemacht?
Was hätte ich ggf. unterlassen sollen und warum?
Was hätte ich anders/besser machen können?

Allgemein wird man fragen müssen.
Was war für wen und (ggf. wie) erkennbar?
Wie hat man darauf reagieren können (Tun oder Unterlassen)?
Welche Möglichkeiten gab es insoweit und wann setzte man sich welchen Gefahren aus.
Insbesondere: Welchen Zwängen begegnete man und ob und wie hat man ihnen ausweichen können?

So würde ich als ganz grobes Gerüst diese Thematik bearbeiten



studfri, wo Du recht hast, hast Du recht. Diese Fragestellung ist schon in Ordnung. Wäre sogar verallgemeinerbar auf alle Generationen in allen Gesellschaften, von denen sich später herausstellt, daß es da generell oder zumindest zeitweise mehr oder weniger große durch die Staatsführung zu verantwortende Schweinereien gegeben hat. Bin mir sicher, daß sich auch die heute Jungen und Aktiven einmal diese Fragen stellen müssen bezüglich heutiger Regierungen und ihren Entscheidungen.



Küchenbulle 79 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#160

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 29.01.2014 10:33
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #143
Wollte mich zwischendurch schon mal für die zahlreichen Antworten bedanken.
Wie die Resonanz zeigt scheint das Thema auch für andere User nicht uninteressant zu sein.
Danke.

seaman

Kleine Bitte- bleibt beim Thema!


Genau meine Meinung!

Ich mach mal weiter, wo ich aufgehört hatte - bei der Allianz von Kritiklosigkeit und Idealen. Ich hatte, wie schon beschrieben (siehe Aufarbeitung) , in meinem unmittelbaren Umfeld erlebt und gelernt, sich nicht zuerst kritisch mit einem Mangel oder einem Widerspruch auseinanderzusetzen, sondern zuerst die Gründe oder Ursachen dafür zu suchen und damit ggf. den Mangel oder Widerspruch zu akzeptieren. Nun wird es bereits spekulativ, aber warum nicht. Ich fand als Kind und Jugendlicher natürlich nicht immer so schnell eine Antwort. Ging ich zu den Menschen meines Umfeldes, dann hatten sie diese Antwort. Das beeindruckte mich. Auf der anderen Seite erlebte ich Teile meiner Verwandtschaft, die zum Beispiel eine schöne Geburtstagsfeier meiner Großmutter mit einem ellenlangen Disput über fehlende Autoersatzteile sprengten. Wir hatten kein Auto, brauchten keins, hätten uns auch keins leisten können. Ich verstand nicht, wie man sich so kleinbürgerlich verhalten konnte (wobei ich nicht weiß, ob ich damals - ich war noch ein Kind - diesen Begriff schon dafür verwendete). In der Folge zog es mich mehr zu Menschen hin, die Antworten suchten und fanden. Menschen, die immer nur meckerten und kritisierten, wurden mir zunehmend suspekt.

Aus der Tatsache, dass ich nicht immer selbst die Antworten fand, die ich suchte, dass ich mir irgendwann immer weniger zutraute, die "richtigen Antworten" überhaupt zu finden, erwuchs eine Unsicherheit (genau das ist der spekulative Teil). Dazu kam, ich wurde mit zunehmender Pubertät zwar auch immer komplizierter, aber auch zugleich immer zurückhaltender. Als Kind war ich eine Rampensau. Als Jugendlicher begriff ich zunächst nicht mehr, dass das mein eigentlicher Drang hätte bleiben sollen. Sicher, meine Anläufe, Musik "ordentlich zu erlernen" gingen schief und den Beruf des Bühnentänzers redete mir meine Mutter erfolgreich aus (ich bin ihr heute noch dankbar dafür). Als Künstler schien ich nicht zu taugen, also musste eine neue Idee her. Bevor ich mit 16 Jahren begreifen lernte, dass ich keine "Musik ordentlich lernen" musste, sondern es gereicht hätte, erst einmal einfach damit anzufangen, hatte ich mit 15 Jahren bereits die Idee, Offizier zu werden. Hatte das auch mit der oben erwähnten Unsicherheit und Zurückhaltung, man darf es auch Schüchternheit nennen, zu tun? Ich denke schon. Ich hatte das Gefühl, aus dieser Haut heraus zu müssen, ein ganzer Kerl werden zu müssen. Dafür schien mir die Armee geeignet. Dazu kam noch das Gefühl "irgendetwas für diesen Sozialismus tun zu müssen", der für mich damals noch als ein Ideal und zugleich als erreichbare Utopie erschien. Die Grenze war der vorderste Graben, die Grenztruppen waren der Vorposten im Kampf gegen die Feinde des Sozialismus, die Feinde des Krieges. Ich fürchte, ich war damals sehr pathetisch. Und irgendwie fällt mir da gerade eine Passage aus Goethes "Prometheus" ein:
"... Da ich ein Kind war,
Nicht wusste, wo aus, wo ein,
Kehrt' ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen. ..."


Nun, nun - "des Bedrängten" - schon wieder Pathos? Nein, glaube ich nicht. Die Bedrängung fand eben nur nicht ideologisch statt. Es war die Bedrängtheit einer Seele, die ihre ursprüngliche Ausdrucksform verloren und noch nicht wiedergefunden hatte. Und so wandte ich mich selbst denjenigen zu, zu denen ich schon immer Vertrauen gehabt hatte.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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