#261

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 00:04
von Moskwitschka (gelöscht)
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So weit sind wir vom Thema garnicht entfernt. Wann und wo ist der Knick in der Aufarbeitung entstanden?

LG von der Moskwitschka


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#262

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 06:58
von exgakl | 7.238 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #212
Zitat von exgakl im Beitrag #207
Zitat von rei im Beitrag #206
Ich kann mich noch gut errinnen,das es vor jeden Grenzdienst eine Vereidigung gab.In der hieß es,jeder Grenzdurchbruch ist mit allen Mittel zu verhindern.
Im Hinterkopf der meist jungen Grenzsoldaten,war immer der Gedanke,wenn ein Grenzdurchbruch erfolgreich war,gehst Du 4 Jahre nach Schwedt ins Lager und Du darfst die Zeit nachdienen.Keiner sehnte sich danach.



ja genau so war es


Findest Du diese Antwort ok? Warum kannst Du nicht einfach sagen wie das aus Deiner Sicht damals war? Als ehemaliger Grenzaufklärer wirst Du das doch ziemlich genau wissen.



ja finde ich.... alles andere kann man im Forum nachlesen!


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#263

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 07:05
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #241
Nochmal eine Frage, dann dürft ihr euch weiterkloppen.......
Es konnte also passieren, das ein Wehrpflichtiger bei der Aussprache "Nein" sagte, trotzdem an die Grenze versetzt wurde und dann, wenn er nicht schoss, dafür nach Schwedt gehen?
Danke @Rainman2 , das mit der Masse leuchtet mir ein.
Gab es eigentlich ein Regelwerk, das jedem Wehrpflichtigen zugänglich war, wo er nachlesen konnte, was seine Rechte waren bzw. wie die Gesetzeslage aussah?

Man darf bei bestimmten Threads nicht zu früh ins Bett gehen ...

Hallo @Schuddelkind ,

die Fragen sind im wesentlichen ja schon beantwortet worden. Ich ergänze mal aus meiner Sicht noch zwei Dinge:
Ich war früher davon ausgegangen, dass der Befehl 44 (u.a. Erstaussprache) überall durchgesetzt wurde. Das Gespräch und die Antwort waren nachweispflichtig, da konnte man nicht einfach so tricksen. Durch das Forum hier habe ich erfahren, dass das nicht überall so gemacht wurde und dass wohl auch vereinzelt Leute eingesetzt worden sein sollen, die erklärt hatten, die Schusswaffe nicht einsetzen zu wollen. Das waren formal Verstöße gegen geltende Befehle. Da ist es schwer, das zu beurteilen. Gehen wir also mal ruhig zunächst vom Regelfall aus: Wer Nein sagte wurde nicht im Grenzdienst eingesetzt. In dem Fall wussten diese Soldaten aber noch nicht, wie es mit ihnen weiter ging. Die Regel wäre dann die Abversetzung in die Stabskompanie des Regiments gewesen und dann Wache schieben bis zum Ende der Dienstzeit.

Zu den Rechten und den Gesetzen wurde auch schon gesagt, dass diese weitestgehend bekannt gemacht waren. Im übrigen wurde so etwas auch immer mal wieder in Aktuell Politischen Informationen oder in der Politschulung thematisiert. Aber die einen schliefen und die anderen schenkten dem Polit keinen Glauben, wie wir erfahren haben. Aber der konkrete Einzelfall konnte natürlich nicht beschrieben werden. Bei einem Grenzdurchbruch konnte dem Posten durchaus nachgewiesen werden, dass er durch mangelnde Wachsamkeit nicht richtig gehandelt hat. Zu dieser Einschätzung konnten aber fast nur Annahmen und Indizien herangezogen werden. Bisweilen hing das auch von der "politischen Großwetterlage" ab. Ich habe keinen solchen Fall persönlich erlebt und kenne nur ein paar Erzählungen aus älteren Zeiten. Fakt ist, dass man bei beiden Grenzdurchbrüchen in unserem Abschnitt Mängel bei der Handlung der Grenzposten festgestellt hatte, aber es keine Bestrafungen dafür gab.

Noch einen Gedanken zur Gerüchteküche um Bestrafungen und Schwedt. Ich hatte schon auf die Theorie der kongnitiven Dissonanz hingewiesen. Wie entstand diese Theorie eigentlich? Nach einem Erdbeben in Indien war auch ein Forscherteam aus dem Bereich Soziologie/Kommunikationsforschung dort. Sie machten eine Feststellung, die keinen Soldaten überrascht hätte, der den Begriff Latrinenparolen kannte. Die Menschen im Erdbebengebiet erhielten seitens der Forschungsorganisationen von Seiten der Regierung und der Hilfsorganisationen die Information, dass keine Nachbeben mehr zu erwarten seien. Die Menschen glaubten das aber in der Masse nicht. Kam irgendein anderer und erzählte etwas von den Strafen der Götter und dass es weitere Beben geben werde, wurden seine Worte nahezu von allen geglaubt. Wie gesagt, das ist der normale Ablauf bei den Latrinenparolen auch. Jetzt untersuchten die Forscher diesen Effekt aber mal genauer. Das interessante Ergebnis lautete: Die Menschen hatten Angst und wollten diese Angst bestätigt wissen. Angst kann tatsächlich als eine unterbewusste Entscheidung angesehen werden. Die Tatsache, dass ich keine Angst haben muss, sorgt für eine Dissonanz, übt einen Druck auf unser Entscheidungsverhalten aus. Wir neigen aber dazu, in unserem Kommunikationsverhalten, diesen Druck verringern zu wollen. Das heißt, ich gehe unbewusst auf die Suche nach den Informationen und damit auch nach den Informationsgebern, die meine Entscheidung bestätigen. Das die mir kürzest mögliche Fassung dieses komplexen Prozesses.

Ich gehe somit soweit, die These aufzustellen, dass sich vieles in der Angst um Schwedt genau auf solche Kommunikationsmechanismen zurückführen lassen müsste. Das Dumme daran: Das ist aus heutiger Sicht kaum noch zu untersuchen.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#264

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 08:22
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Tja @Rainman2 , wie heißt es so schön, Angst ist immer ein schlechter Berater........ich kann aber deine Ausführungen nachvollziehen und die Sache klingt in sich logisch. Ich denke, solche Mechanismen kann man heute an jedem Arbeitsplatz beobachten. Die große Masse begehrt nicht gegen neue Weisungen oder Veränderungen auf, auch wenn sie zum eigenen Nachteil sind, aus Angst, noch viel größere Nachteile (Versetzung, Arbeitsplatzverlust) in Kauf nehmen zu müssen. Obwohl dies ja in den meisten Fällen unbegründet ist. Auch kann man feststellen, wie erschreckend wenig die Leute über ihre eigenen Rechte wissen. Soweit die Kurve zur Jetztzeit.
Wie war das eigentlich bei einem geglückten Grenzdurchbruch? Auf welche Seite schlug sich der Polit? Auf die der Vorgesetzten oder auf die des Soldaten? Gab es so was wie ein Fürsprecher für den Soldaten? Konstruieren wir mal den Fall, ein Soldat hatte laut Befehl 44 "Ja" gesagt, kam in die Situation eines Grenzdurchbruches, schoß auch, traf aber nicht. Rein militärisch hatte er "versagt" und gemäß deinen Ausführungen hätte man versucht, ihm auf alle Fälle ein bewusstes Fehlverhalten nachzuweisen. Aber rein "politisch" hatte er ja eigentlich alles richtig gemacht.......wäre es da nicht Aufgabe des Polits gewesen, zumindest zu versuchen, etwas für den Soldaten zu tun? Die Vorgesetzten und die 2000ner hatte er ja sowieso an der Backe. Du verstehst, was ich meine?


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#265

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 09:19
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #264
... Wie war das eigentlich bei einem geglückten Grenzdurchbruch? Auf welche Seite schlug sich der Polit? Auf die der Vorgesetzten oder auf die des Soldaten? Gab es so was wie ein Fürsprecher für den Soldaten? Konstruieren wir mal den Fall, ein Soldat hatte laut Befehl 44 "Ja" gesagt, kam in die Situation eines Grenzdurchbruches, schoß auch, traf aber nicht. Rein militärisch hatte er "versagt" und gemäß deinen Ausführungen hätte man versucht, ihm auf alle Fälle ein bewusstes Fehlverhalten nachzuweisen. Aber rein "politisch" hatte er ja eigentlich alles richtig gemacht.......wäre es da nicht Aufgabe des Polits gewesen, zumindest zu versuchen, etwas für den Soldaten zu tun? Die Vorgesetzten und die 2000ner hatte er ja sowieso an der Backe. Du verstehst, was ich meine?

Hallo @Schuddelkind ,

zunächst: Du überschätzt die Rolle des Politstellvertreters im Rahmen der Untersuchung eines Grenzdurchbruchs. Da kam eine Untersuchungsgruppe auf die Kompanie (noch am Tag des Durchbruchs) und analysierte beginnend von der kriminaltechnischen Spurensicherung im Gelände bis hin zur Untersuchung des Dienstablaufes in der Kompanie, auch der politischen Arbeit, so ziemlich jedes Detail. Es wurden Vernehmungen mit allen unmittelbar Beteiligten geführt und die Vorgesetzten der Einheit wurden befragt. Am Ende stand ein Untersuchungsbericht, auf den kein Offizier der Kompanieführung noch unmittelbaren Einfluss hatte, denn er wurde in der Kompanie gar nicht vorgelegt. Wir kannten somit auch nicht die Einschätzungen zu Schuld oder Unschuld. Fakt ist: Bei unseren beiden Durchbrüchen wurde kein Unterstellter bestraft. Lediglich der Kompaniechef und ich, der Polit, wurden bestraft.

Die Frage nach der Anwendung der Schusswaffe und Treffen oder Nichttreffen ist viel zu hypothetisch, als dass ich mich da auf eine Spekulation einlassen würde. Da bliebe nur, die Einzelfälle akribisch nachzuprüfen. Alles andere führt zu nichts. Da ich kein archäologisch, archivarisch oder museal veranlagter Typ bin, habe ich dazu auch keine Detailsammlung. Tut mir leid.

ciao Rainman


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#266

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 09:22
von DoreHolm | 7.708 Beiträge

Zitat von Damals87 im Beitrag #250
Hallo,

@Rainman2 , danke für Deine Beschreibung des Mechanismus der forcierten Entscheidung, imho allgemeingültig, insbesondere für Armeen.

Aber, liebe Beitreter, Ihr werdet Euch früher oder später alle den südwestdeutschen Aufarbeitungstribunalen stellen müssen! Seid froh, daß Ihr Eure Fahrerlaubnisse behalten durftet!

Grüße aus Hessen

Edit: Korrektur


Rot: Da hat es doch tatsächlich in der Zeit der Wiedervereinigung einen CDU oder CSU-Politiker gegeben, der gefordert hatte, daß alle DDR-Bürger noch mal den Führerschein machen müßten.



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#267

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 10:52
von thomas 48 | 3.580 Beiträge

saemann
du gibst oft nur Stichpunkte oder kritisierst die Laien die manche Fragen stellen.
Berichte doch mal einiges über deine Vergangenheit, du bist doch auch ein Zeitzeuge und hast einiges für den Sozialismus getan


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#268

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 11:23
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #267
saemann
du gibst oft nur Stichpunkte oder kritisierst die Laien die manche Fragen stellen.
Berichte doch mal einiges über deine Vergangenheit, du bist doch auch ein Zeitzeuge und hast einiges für den Sozialismus getan


Vielleicht kommt das nur falsch rüber mit dem Kritisieren.Ich meine das nicht so.
Wenn was grundsätzlich falsch hier dargestellt wird, dann erhebe ich Einspruch, damit nichts Falsches für die Nachwelt übermittelt wird.
Keiner hat das Monopol auf die absolute Wahrheit gepachtet und ich maße mir auch nicht an Andere zu belehren.
Berichten kann ich nur darüber,was ich selbst erlebt habe und lasse mich damit aber nicht in Schubladen einordnen.
Zu meiner Vergangenheit:
Obwohl ich in diesem Forum schon mal eine jahrelange Pause einlegte,habe ich mittlerweile hier über 2000 Beiträge hinterlassen.
Sehr viele mit persönlichem Bezug.
Aus meinem Profil kann man entnehmen,bei welcher Waffengattung ich diente und welche Hobbys ich habe.
Habe hier im Forum ausführlich über meine Kindheit berichtet.Meine Erlebnisse in Übersiedlungslagern Ost wie West beschrieben.
Über meinen beruflichen Werdegang bei der Seefahrt und damit verbundenen, für mich prägenden Ereignissen,über mehrere Seiten ausführlich geschrieben.Kriegserlebnisse,Schiffsuntergang u.ä..
Damit,denke ich, habe ich als Zeitzeuge einiges hier beigetragen.
Sicherlich hätte ich hier schon auch andere Fragen aufgegriffen,solange aber systematisch hier die Themen geschreddert werden,ist mir die Zeit zu schade.

Soweit erstmal-
seaman


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zuletzt bearbeitet 06.02.2014 11:48 | nach oben springen

#269

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 11:59
von turtle | 6.961 Beiträge

Zunächst erst einmal Danke Andy für Deinen Bericht, Habe einmal einen Satz herausgegriffen: und entpflichteten ihn schriftlich von einer Zusammenarbeit mit dem MfS, der er nie wirklich zugestimmt hat. Die Akte dazu wurde archiviert, aber es wurde nach der Kontaktaufnahme auch ein IM-Vorlauf angelegt. Damit war er im System als IM abgelegt, obwohl er es niemals war. und entpflichteten ihn schriftlich von einer Zusammenarbeit mit dem MfS, der er nie wirklich zugestimmt hat. Die Akte dazu wurde archiviert, aber es wurde nach der Kontaktaufnahme auch ein IM-Vorlauf angelegt. Damit war er im System als IM abgelegt, obwohl er es niemals war.

Genau das ist das Problem, im System bleibt er IM .Wie es Zustande gekommen ist und ob er wirklich jemanden geschadet hat interessiert kaum. Mir sind Fälle von so genannten Opfern die auch „Täter“ waren bekannt. Bisher war es so das eine Mitarbeit als IM bei der Abt. K1 der VP oder der Stasi genügte um Haftentschädigungen oder die Opferrente zu verweigern. Das zählte auch dann wenn nicht zu erkennen war ob er mit seinen Berichten jemanden Schaden zugefügt hat. Der Ablehnungsgrund ist (Verstoß gegen die Grundsätze der Menschlichkeit oder Rechtsstaatlichkeit, Stellung in die schwerwiegende Maße zum eigenen Vorteil oder zum Nachteil anderer missbraucht zu haben. Eine persönliche Anhörung des so genannten IM fand nicht statt. Nicht einmal dann wenn die Sachlage sehr strittig war.
Dabei sagt das Gesetz auch: An der Schuld im Sinne von § 16 Abs. 2 StrRehaG fehlt es allerdings dann, wenn die Zusammenarbeit unfreiwillig erfolgte. Hierfür genügt nicht jede subjektiv empfundene Zwangslage. Von einem die Freiwilligkeit ausschließenden Druck kann nur dann gesprochen werden, wenn er unerträglich war, das heißt, wenn von dem Betroffenen auch unter Berücksichtigung des durch die Spitzeltätigkeit mutmaßlich angerichteten Schadens nicht erwartet bzw. verlangt werden konnte, sich zu widersetzen.
Maßgeblich kommt es hierfür auf die Schwere des Übels an, dessen Zufügung ihm im Fall der Verweigerung drohte. Standen keine zumutbaren Handlungsalternativen zur Verfügung, erfolgte die Mitarbeit zum Beispiel zum Schutz vor Verfolgung oder zur Abwendung von Gefahren für Freiheit, Leib oder Leben sowie der drohenden Vernichtung der Existenz, lässt sich die Spitzelarbeit entschuldigen (BVerwG NJW 2002, 2486, 2487


Wer zu einem gegen die Grundsätze der Menschlichkeit oder Rechtsstaatlichkeit verstoßenden Handeln gezwungen wurde, erfüllt den Tatbestand nicht. Nach allgemeinen Rechtsgrundsätzen braucht sich derjenige sein Verhalten nicht anrechnen zu lassen, der unter Zwang gehandelt hat. Der Zwang kann dabei in einer unmittelbaren Drohung oder im Ausnutzen einer Zwangslage (z. B. Haftsituation) bestanden haben; stets sind aber an den Zwang nicht unerhebliche Anforderungen zu stellen."

Für die Frage, ob dem Inoffiziellen Mitarbeiter zuzumuten war, dem Druck des MfS zu widerstehen, kommt es entscheidender noch auf die Schwere des Übels an, dessen Zufügung ihm im Fall der Verweigerung drohte. An der Freiwilligkeit fehlt es, wenn keine zumutbaren Handlungsalternativen zur Verfügung standen und die Mitarbeit z. B. zum Schutz vor Verfolgung oder zur Abwendung von Gefahren für Freiheit, Leib oder Leben sowie der drohenden Vernichtung der Existenz erfolgte


Ich bin noch in einem Forum für so genannte Stasiopfer. Da ist es oft nicht leicht sachlich aufzuklären. Wie auch immer ich möchte nicht über Schuld oder Sühne urteilen wenn ich nicht alle Umstände für eine Mitarbeit als IM kenne. Mir sind fast nur Fälle bekannt wo § 16 Abs. 2 StrRehaG nicht die geringste Bedeutung hatte. Nun hat das Landesverfassungsgericht in Potsdam einem Kläger der Opfer und Täter war Recht gesprochen. Eine persönliche Anhörung muss in jedem Fall erfolgen. Das wird Signalwirkung auf kommende Verfahren haben. Für abgeschlossene Fälle kommt das Urteil wohl zu spät. Ich bin der Meinung auch das wäre wieder Unrecht und zweierlei Maß . Auch wenn ich von einigen jetzt Schelte bekomme da ich selber politisches Opfer in der DDR war. Es wird Zeit Stasi, IM , Kundschafter zu überdenken. Selbst Mörder sind nach 25 Jahren wieder frei. Verbrecher im herkömmlichen Sinn waren bestimmt die Wenigsten und eine persönliche politische Ansicht solange sie mit den Gesetzen im Einklang ist, ist jedem seine Sache.


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zuletzt bearbeitet 06.02.2014 13:24 | nach oben springen

#270

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 15:41
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Diese Befragung ob man die Waffe einsetzten würde, ich kann mich nur noch vage daran erinnern.
Was wurde da konkret gefragt, nur allgemein ob man die Waffe einsetzt, kann ja praktisch nur der Warnschuß sein, oder ob man gezielt auf Grenzverletzer schießen würde?


zuletzt bearbeitet 06.02.2014 15:41 | nach oben springen

#271

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 15:57
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Gab es denn nicht bereits bei der Musterung so eine "Spreu vom Weizen" trennende Frage zum Schusswaffengebrauch? So ganz dunkel ist mir da noch etwas in Erinnerung, bin mir da aber nicht ganz sicher.


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#272

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 16:13
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #271
Gab es denn nicht bereits bei der Musterung so eine "Spreu vom Weizen" trennende Frage zum Schusswaffengebrauch? So ganz dunkel ist mir da noch etwas in Erinnerung, bin mir da aber nicht ganz sicher.


Nein, beim Musterungsgespräch hätte man den Waffengebrauch wohl von sich aus ablehnen müssen.
Bei mir, Musterung im Jahre 1968, gab es während des Gesprächs allgemeine Phrasen, ob ich mich nicht für länger bereit erklären will,
warum nicht," na sehen sie mal, das wäre dann so und so", und "sie hätten diese oder jene Vorteile". Blah blah blah.
Als ich dann die abschließende Frage, wie ich mich denn nun entschieden hätte, beantwortete : Ich bleibe dabei, 18 Monate, fiel die
Klappe und es hieß kurz und knapp ----> Mot-Schützen !
Ganz überrascht hielt ich dann die Einberufung mitte Oktober -68 in der Hand : Grenztruppen ! 4. November, morgens um 5 Uhr, Parkaue Lichtenberg,
an damaligen Haus der Jungen Pioniere.
Damit war die Sache klar, nur wohin konkret wußte niemand. Das klärte sich dann bis zum Abend, als wir die Letzten im Sonderzug waren, Ziel
Johanngeorgenstadt. Unterwegs wurden immer Mal ein Wagen abgehängt oder einige "Mitreisende" befehlsmäßig ausgeladen.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
zuletzt bearbeitet 06.02.2014 16:13 | nach oben springen

#273

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 16:26
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #259
So kenne ich Dich garnicht.

Na vielleicht habsch nur einfach den Wink verstanden? Also ich wäre schon ä bissel angefressen an Deiner Stelle, wenn mir der Thread so vertrollt wurde. Und außerdem wollte ich gerade über selbstgelötete Mützenringe berichten, also nochmal *tschuldschung*


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#274

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 17:37
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #270
Diese Befragung ob man die Waffe einsetzten würde, ich kann mich nur noch vage daran erinnern.
Was wurde da konkret gefragt, nur allgemein ob man die Waffe einsetzt, kann ja praktisch nur der Warnschuß sein, oder ob man gezielt auf Grenzverletzer schießen würde?

Hallo Grenzwolf,

Die Frage in der Erstaussprache in der Grenzkompanie vor dem ersten Grenzdienst hatte laut Befehl 44 zu lauten: "Sind Sie bereit, in Ausübung Ihrer Dienstpflicht die Schusswaffe einzusetzen?"

Anderslautende Fragen waren lt. Befehl 44 nicht zu stellen, das heißt nicht, dass man sie nicht stellen durfte. Wenn der Vorgesetzte sich entschied, eine sozio-politische Tiefenforschung anzustellen und dann solche Fragen kamen, ob jemand bereit sei auf den eigenen Bruder zu schießen, dann war das die persönliche Entscheidung des jeweiligen Vorgesetzten. Die Antworten darauf waren dann auch nicht zwingend aktenkundig zu machen und mussten auch nicht zwingend Folgen im Sinne einer Abversetzung haben.

Wie gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob man sich überall an diesen Befehl 44 gehalten hat. Ich weiß auch nicht genau, seit wann der Befehl 44 in Kraft war. Die erste mir bekannte Version war 44/75 und die letzte mir bekannte 44/85.

ciao Rainman


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#275

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 17:41
von exgakl | 7.238 Beiträge

Was die Erstbefragung betrifft, ich denke, dass es vielleicht bei dem einen oder anderen auch etwas untergegangen ist. Es wurde ja im Erstgespräch nicht nur danach gefragt, ob die Bereitschaft besteht die Schußwaffe anzuwenden, es ging auch darum, wie man sich in den ersten Tagen eingelebt hat usw. in der Regel also ein relativ zwangloses Gespräch.

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#276

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 17:51
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Zitat von exgakl im Beitrag #275
Was die Erstbefragung betrifft, ich denke, dass es vielleicht bei dem einen oder anderen auch etwas untergegangen ist. Es wurde ja im Erstgespräch nicht nur danach gefragt, ob die Bereitschaft besteht die Schußwaffe anzuwenden, es ging auch darum, wie man sich in den ersten Tagen eingelebt hat usw. in der Regel also ein relativ zwangloses Gespräch.

VG exgakl

Soviel fürsorgliches Gehabe habe ich nicht kennengelernt. Vielleicht hatten wir damals noch keine Psychologen in den GK.



Und bei mir ist nichts "untergegangen".

Motto war : Augen zu und durch !
Ich wundere mich immer wieder, was es doch alles für Neuerungen gab nach meiner Zeit. Naja, ist auch schon laaaange her.


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
zuletzt bearbeitet 06.02.2014 17:53 | nach oben springen

#277

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 17:53
von exgakl | 7.238 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #276
Zitat von exgakl im Beitrag #275
Was die Erstbefragung betrifft, ich denke, dass es vielleicht bei dem einen oder anderen auch etwas untergegangen ist. Es wurde ja im Erstgespräch nicht nur danach gefragt, ob die Bereitschaft besteht die Schußwaffe anzuwenden, es ging auch darum, wie man sich in den ersten Tagen eingelebt hat usw. in der Regel also ein relativ zwangloses Gespräch.

VG exgakl

Soviel fürsorgliches Gehabe habe ich nicht kennengelernt. Vielleicht hatten wir damals noch keine Psychologen in den GK.



Und bei mir ist nichts "untergegangen".


ich kann nur darüber sprechen, wie es Anfang, Mitte der 80iger war... beachte bitte dabei auch den Zeitraum, seit wann es den Befehl 44 gab also wie es jetzt auf den Grenzkompanien so kurz nach dem Krieg gehalten wurde weis ich nicht...

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#278

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 20:31
von andyman | 1.882 Beiträge

Zitat von Heckenhaus im Beitrag #276
Zitat von exgakl im Beitrag #275
Was die Erstbefragung betrifft, ich denke, dass es vielleicht bei dem einen oder anderen auch etwas untergegangen ist. Es wurde ja im Erstgespräch nicht nur danach gefragt, ob die Bereitschaft besteht die Schußwaffe anzuwenden, es ging auch darum, wie man sich in den ersten Tagen eingelebt hat usw. in der Regel also ein relativ zwangloses Gespräch.

VG exgakl

Soviel fürsorgliches Gehabe habe ich nicht kennengelernt. Vielleicht hatten wir damals noch keine Psychologen in den GK.


Motto war : Augen zu und durch !
Ich wundere mich immer wieder, was es doch alles für Neuerungen gab nach meiner Zeit. Naja, ist auch schon laaaange her.


Hallo.Zwanglose Gespräche gab es bei uns nur unter Gleichgestellten ansonsten wurde streng auf die Hierachie geachtet,es gab auch Ausnahmen nach Feierlichkeiten z.B.jagdausflüge o.ä. wenn nach ein paar Stunden die Taxis der Kompanie ausrückten und nicht mehr fahrtüchtige Raupenschlepper nach Hause fahren mussten.Da gabs dann schon mal Schulterklopfer die ganz ungeniert von Eheproblemen erzählt haben.Tags darauf war die Ordnung aber wieder hergestellt.LGandyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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#279

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 20:35
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Und was war mit den Urlaubsgesprächen nach dem KU oder VKU, die der Zugführer oder Stellv. geführt hat?


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#280

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 06.02.2014 20:46
von andyman | 1.882 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #279
Und was war mit den Urlaubsgesprächen nach dem KU oder VKU, die der Zugführer oder Stellv. geführt hat?


Wie ich schon sagte,zwanglos war es nicht.LGandyman


Gruß aus Südschweden
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