#201

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 30.01.2014 09:29
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #197
Zitat von Gert im Beitrag #174
Zitat von elster427 im Beitrag #169
@elster427 , also so wie ich es in Erinnerung habe, waren es Soldaten bzw. Uffze auf Zeit. Sie bekamen auch mehr Geld als ich als einfacher GWD Leistender. Ich bekam wimre 80 Mark Wehrsold. Kann aus eigener Erfahrung berichten, dass mich 1962 ein Bekannter aus einem Jugendclub, den ich immer besuchte um bestimmte Musik zu hören, ansprach und für das Wachregiment FD warb. Ich kann mich dunkel erinnern, dass er von 3 Jahren Dienstzeit und einem Gehalt sprach. Das sind ja doch für mich Berufssoldaten bzw. Soldaten auf Zeit und keine GWD Leistende.
Dass es parteilose Angehörige des Mfs gab, kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Natürlich beweisen bis zum letzten Mann kann ich es auch nicht. So wie man heute in Tendenzbetrieben wie Betrieben der kath. Kirche nicht arbeiten kann, wenn man nicht Katholik ist, so war das beim MfS als Parteiloser ebenso nicht möglich.

Hallo @Gert
zu den Dreiendern beim MfS, die bekamen kein Gehalt sondern Wehrsold und waren auch keine
Berufssoldaten.

Parteilose MA des MfS- Ich kann dir alleine von der Güst Drewitz etwa 7-8 Leute nennen , welche nicht Parteimitglieder waren.
Deren Höchster Dienstgrad an der Güst war dann der Oberfeldwebel.Sie mußten aber trotzdem an allen Parteiveranstaltungen teilnehmen
Weiter mit der Beförderung ging es nur als Parteimitglied.
Dazu kamen die vielen Handwerker, Gärtner,Verkäuferinnen, Köche, Kellnerinnen,Frisörinnen, Reinigungskräfte usw.
welche zwar Mitarbeiter des MfS waren , aber nicht unbedingt Parteimitglieder sein mußten.
Wir waren da weiter als die Kirche!
MfG Jan



Jan, an die Putze und den Koch hatte ich dabei nicht gedacht. Aber sag mal, wer war denn so unterbelichtet und hat sich für volle 3 Jahre verpflichtet für ein Taschengeld ( Wehrsold ) ? Ist für mich kaum vorstellbar. Oder gibt es noch ein anderes Motiv, von dem ich nichts weiss ?


700 Mark waren schon ein Haufen Geld,
selbst in der Ausbildung hatte ich mehr Geld, als ich(mangels Möglichkeiten) ausgeben konnte!
Kleidung, Essen kostenlos!
Und beim Studium gab es 100 Mark mehr Stip.
Alles im allem hat es sich gelohnt.


@damals wars , das ist natürlich eine andere Hausnummer und ist ja wohl von dem üblicherweise in der NVA gezahlten Wehrsold ne ganze Ecke entfernt. Ich schrieb ja, mir wurden 80 Mark zuteil, nicht am Tag, im Monat. Aufgrund dieser Information nehme ich die Wertung " unterbelichtet" mit dem größten Ausdruck des Bedauerns zurück.

@exgakl danke dir für die Gehaltstabelle, die du eingestellt hast. Ist ja interessant zu lesen. Ich wurde Ende der 70er Jahre in meiner neuen Heimat schon besser bezahlt, als der Armeegeneral der DDR. Das hat schon was. Da haben sich die paar Stunden Angst und Bange in der Rhön bezahlt gemacht.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#202

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 30.01.2014 12:51
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #199


[...]
Man merkt das, wenn man Bücher aus dieser Zeit ein zweites Mal liest oder Filme von damals anschaut.
Gute Schriftsteller und Kunstschaffende der DDR waren grundsätzlich keine D- Zugfahrer sondern Beobachter

[...]




Guten Tag

Vielleicht ist es OT. Durch Zufall, habe ich einen Hinweis auf das Buch « Die Entgleisung » von Inge v Wangenheim gefunden. Ich habe das Buch elektronisch gelesen. Am Anfang habe ich nicht gut verstanden, warum sie dieses Sujet ausgwählt hat. Aber dann war ich erstaunt, dass so etwas veröffentlicht wurde.

Ich glaube, diese Schrifstellerin war ein guter Beobachter.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#203

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 31.01.2014 19:10
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #79
Ahh, ihr ... also Die Anderen!

Ansonsten habe ich jetzt diesen erwähnten #49 vor und zurück gelesen, also der war wohl nicht gemeint @frank , odär?


na ja , sind wir doch auch 'hier' die 'anderen' die an allem schuld tragen !!
eben #42 , man weiß schon was ich meine !!!



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#204

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 31.01.2014 19:38
von 94 | 10.792 Beiträge

Jepp, alles schick!

Und vorab schone *tschuldschung*, ABER 42 ist jetzt och 'ne Steilvorlage *breites_grins*
Also ich verkneife mir mal den Doug Adams, na aber wenigstens der Stupedia-Link sein mir gestattet,... wie nicht? Na gut ...


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#205

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 31.01.2014 19:50
von frank | 1.753 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #107
Zitat von elster427 im Beitrag #86
[quote=Gert|p326878]

Da das MfS keine Wehrpflichtigen beschäftigte, sind das für mich alles aktive und voll verantwortliche Beteiligte an diesen Vorgängen. Denn sie waren ja auch gleichzeitig ohne Ausnahme SED Mitglieder!


Wie bezeichnet man eigentlich die Leute , welche sich für drei Jahre zum Wehrersatzdienst zum MfS für
die Wach und Sicherungseinheiten bzw zum WR FED verpflichtet hatten?

Und nicht alle MA des MfS waren Mitglieder der SED. Selbst an den Güst gab es parteilose MA!
Es ist aber einfacher, alle in einen Topf und dann wirds schon die Richtigen treffen.
Also alle SED Mitglieder ,vor allem das MfS waren an allem Schuld!
mfg jan






@elster427 , also so wie ich es in Erinnerung habe, waren es Soldaten bzw. Uffze auf Zeit. Sie bekamen auch mehr Geld als ich als einfacher GWD Leistender. Ich bekam wimre 80 Mark Wehrsold. Kann aus eigener Erfahrung berichten, dass mich 1962 ein Bekannter aus einem Jugendclub, den ich immer besuchte um bestimmte Musik zu hören, ansprach und für das Wachregiment FD warb. Ich kann mich dunkel erinnern, dass er von 3 Jahren Dienstzeit und einem Gehalt sprach. Das sind ja doch für mich Berufssoldaten bzw. Soldaten auf Zeit und keine GWD Leistende.
Dass es parteilose Angehörige des Mfs gab, kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Natürlich beweisen bis zum letzten Mann kann ich es auch nicht. So wie man heute in Tendenzbetrieben wie Betrieben der kath. Kirche nicht arbeiten kann, wenn man nicht Katholik ist, so war das beim MfS als Parteiloser ebenso nicht möglich.
Letztlich alle SED Mitglieder, um deine Frage zu beantworten, waren verantwortlich ( ich sprach nicht von Schuld) für die Entscheidungen, die in diesem Staat getroffen wurden, auch für die, die später als Gesetzesverstöße oder gar als Verbrechen klassifiziert wurden. Die Verantwortung kann man differenzieren, ein einfaches Mitglied ohne Funktion hatte natürlich weniger Einfluss als ein Parteisekretär.
Insofern potenziert sich die Verantwortlichkeit mit der ansteigenden Positionierung in diesem Parteiapparat. Die banale Ausrede, der Führer ( der Partei) ist an allem Schuld gilt nicht. Ohne das "Fussvolk" wäre das alles nicht möglich gewesen. Wie heisst das schöne deutsche Sprichwort :
Mitgegangen, mitgefangen, ........
Gruß Gert


ich schätze mal , die punkte bedeuten : mitgehangen !!
deine wiedersprüche und banalen pauschalisierungen und anspielungen auf vergangene deutsche zeiten im zusammenhang mit dem Mfs
gehen mir ehrlich gesagt auf den sack !!
entschuldige wenn ich solche ausdrücke benutze aber bei jedem statement von dir kommt dein persönlicher frust zu tage , den du dann auf die 'schergen' des mfs ablässt .
nur , das du diese menschen nie gesehen und kennen gelernt hast vorverurteilst du hier tausende von menschen pauschal ohne grund nur aus persönlichem hass !!
ich kannte viele dieser menschen !
wenn du sie auch gekannt hättest würdest du jetzt vor scham im erdboden versinken !!
das meine ich ernst und ist meine ganz persönliche meinung !!!



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#206

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:03
von Gelöschtes Mitglied
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Ich kann mich noch gut errinnen,das es vor jeden Grenzdienst eine Vereidigung gab.In der hieß es,jeder Grenzdurchbruch ist mit allen Mittel zu verhindern.
Im Hinterkopf der meist jungen Grenzsoldaten,war immer der Gedanke,wenn ein Grenzdurchbruch erfolgreich war,gehst Du 4 Jahre nach Schwedt ins Lager und Du darfst die Zeit nachdienen.Keiner sehnte sich danach.


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#207

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:07
von exgakl | 7.235 Beiträge

Zitat von rei im Beitrag #206
Ich kann mich noch gut errinnen,das es vor jeden Grenzdienst eine Vereidigung gab.In der hieß es,jeder Grenzdurchbruch ist mit allen Mittel zu verhindern.
Im Hinterkopf der meist jungen Grenzsoldaten,war immer der Gedanke,wenn ein Grenzdurchbruch erfolgreich war,gehst Du 4 Jahre nach Schwedt ins Lager und Du darfst die Zeit nachdienen.Keiner sehnte sich danach.



ja genau so war es


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#208

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:14
von Pzella 82 | 356 Beiträge

[quote=exgakl|p329704ach.
[/quote]

ja genau so war es[/quote]

...nee schlimmer......, wenn ick nur daran denke, wie oft mich meine damalige Freundin hätte besuchen können....ick hätt keen Hängolin jebraucht...


...poor man wanna be rich, rich man wanna be king
and a king ain´t satisfied ´til he rules everything....Bruce Springsteen
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#209

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:20
von Schuddelkind | 3.512 Beiträge

Also, ich muss mal kurz eine OT-Frage stellen: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wurde jeder GWDler vor Versetzung ins Grenzregiment gefragt, ob er bereit wäre, im Fall des Falles die Waffe einzusetzen, also zu schießen. Wurde das verneint, erfolgte ohne irgendwelche Repressalien der Einsatz in den nachgeschalteten Grenzkompanien, quasi in der Etappe. Soweit richtig?
Wurde der Waffeneinsatz bejaht, erfolgte der Einsatz am Kanten. Was ich nicht begreife, ist, warum dann Soldaten immer Angst hatten, nach Schwedt zu müssen, wenn sie daneben geschossen hätten. Galt da das Prinzip" Du hast einmal ja gesagt, also must du das Ding auch bis zum bitteren Ende durchziehen"?


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#210

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:32
von 94 | 10.792 Beiträge

Die Frage war eher, wofür ging's nach Schwedt? Da kommt das Theme 'Delikte im Grenzdienst' aufs Tapet. Für die Verneinung der Frage nach der Anwendung der Schußwaffe nach §27, ich kann mich konkret an einen Fall erinnern, gabs keine 'Repressalien'. Der Soldat kam in die Küche und gut wars.
Abversetzungen in die 'Etappe' konnten auch kurzzeitige familäre Hintergründe haben, zum Beispiel Westreisen naher Verwandter.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#211

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:38
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #210
Die Frage war eher, wofür ging's nach Schwedt?


Für das krankenhausreife Zurichten einer KD-Streife gab es 14 Monate Schwedt,Degradierung um einen Dienstgrad und Nachdienen mit Beförderungsstopp.
Kannte Deliquenten vor und nach Schwedt.
seaman


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#212

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:40
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von exgakl im Beitrag #207
Zitat von rei im Beitrag #206
Ich kann mich noch gut errinnen,das es vor jeden Grenzdienst eine Vereidigung gab.In der hieß es,jeder Grenzdurchbruch ist mit allen Mittel zu verhindern.
Im Hinterkopf der meist jungen Grenzsoldaten,war immer der Gedanke,wenn ein Grenzdurchbruch erfolgreich war,gehst Du 4 Jahre nach Schwedt ins Lager und Du darfst die Zeit nachdienen.Keiner sehnte sich danach.



ja genau so war es


Findest Du diese Antwort ok? Warum kannst Du nicht einfach sagen wie das aus Deiner Sicht damals war? Als ehemaliger Grenzaufklärer wirst Du das doch ziemlich genau wissen.



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#213

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:41
von DoreHolm | 7.692 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #209
Also, ich muss mal kurz eine OT-Frage stellen: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wurde jeder GWDler vor Versetzung ins Grenzregiment gefragt, ob er bereit wäre, im Fall des Falles die Waffe einzusetzen, also zu schießen. Wurde das verneint, erfolgte ohne irgendwelche Repressalien der Einsatz in den nachgeschalteten Grenzkompanien, quasi in der Etappe. Soweit richtig?
Wurde der Waffeneinsatz bejaht, erfolgte der Einsatz am Kanten. Was ich nicht begreife, ist, warum dann Soldaten immer Angst hatten, nach Schwedt zu müssen, wenn sie daneben geschossen hätten. Galt da das Prinzip" Du hast einmal ja gesagt, also must du das Ding auch bis zum bitteren Ende durchziehen"?


Schuddel, kann zwar nur für meine Erfahrungen in der relativ frühen Zeit am Kanten sprechen, aber bei uns war es so. Zum Ende der Grundausbildung wurde jeder gefragt, ob er bereit sei, als letztes Mittel die Waffe einzusetzen. Von "Totschießen" wurde wimre nicht gesprochen, aber jeder wußte, was es im Endeffekt bedeutete. Wer klar sagte, daß er nicht zum letzten Mittel bereit wäre, blieb ohne irgendwelche Nachteile in der Ausbildungskompanie und hatte, da dann schon Vize, nicht das schlechteste Leben hatten, nachdem die Pisser einrücken mußten. Warum nur ein so geringer Teil Nein sagte, frag mich was Einfacheres. "wird schon nicht so kommen, ist doch selten, den GV kriegen wir schon vorher (ein Klappern mit dem MPi-Schloss bewirkte da schon Wunder), hoffe, daß bei mir keiner kommt, ein "Nein" könnte mir Nachteile bringen (die es aber nicht gab, es wurde jeder individuell befragt) und sicher waren auch einige dabei, die überzeugt waren, daß ein GV eben ein Verbrecher sei. Ich zählte mich eher, rückblickend, zu denen, die die mögliche Endkonsequenz verdrängte und davon ausging, das es bei mir wohl nicht passierte. War ja auch so, daß es bei der Anzahl der Grenzer, die von 61 bis 89 am Kanten waren, nur eine Promille-Anteil getroffen hat, in diese sche... Situation kamen, gezielt zu schießen.
Was Schwedt betrifft, war uns das schon ein Begriff, aber ich muß ehrlich sagen, nicht so ein Angstwort, wie es vielleicht später empfunden wurde.



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zuletzt bearbeitet 05.02.2014 21:43 | nach oben springen

#214

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:50
von Mike59 | 7.959 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #209
Also, ich muss mal kurz eine OT-Frage stellen: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wurde jeder GWDler vor Versetzung ins Grenzregiment gefragt, ob er bereit wäre, im Fall des Falles die Waffe einzusetzen, also zu schießen. Wurde das verneint, erfolgte ohne irgendwelche Repressalien der Einsatz in den nachgeschalteten Grenzkompanien, quasi in der Etappe. Soweit richtig?
Wurde der Waffeneinsatz bejaht, erfolgte der Einsatz am Kanten. Was ich nicht begreife, ist, warum dann Soldaten immer Angst hatten, nach Schwedt zu müssen, wenn sie daneben geschossen hätten. Galt da das Prinzip" Du hast einmal ja gesagt, also must du das Ding auch bis zum bitteren Ende durchziehen"?


Keine Ahnung, so etwas waberte eben durch den damaligen Grenzerdunst. Etwas von Indiana Jones eben, die Legende lebt.

Wenn jemand nach einem Durchbruch die PLZ 133 angeben musste war die Ursache eher ein Vergehen im Grenzdienst welches den Durchbruch begünstigt hatte.
Eigentlich hätten die meisten Schützen nach Schwedt gehört - okay, heute lässt sich da leicht drüber schwatzen. War damals eben nicht so und der nicht wahrheitsgemäße Umgang mit der Disziplinar- und Strafvollzugsanstalt des MfV war einerseits der allgem. Unkenntnis geschuldet und brachte andererseits Disziplin in die Truppe, wenn auch nur durch Angst.


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#215

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:50
von Schuddelkind | 3.512 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #213
Zitat von Schuddelkind im Beitrag #209
Also, ich muss mal kurz eine OT-Frage stellen: Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wurde jeder GWDler vor Versetzung ins Grenzregiment gefragt, ob er bereit wäre, im Fall des Falles die Waffe einzusetzen, also zu schießen. Wurde das verneint, erfolgte ohne irgendwelche Repressalien der Einsatz in den nachgeschalteten Grenzkompanien, quasi in der Etappe. Soweit richtig?
Wurde der Waffeneinsatz bejaht, erfolgte der Einsatz am Kanten. Was ich nicht begreife, ist, warum dann Soldaten immer Angst hatten, nach Schwedt zu müssen, wenn sie daneben geschossen hätten. Galt da das Prinzip" Du hast einmal ja gesagt, also must du das Ding auch bis zum bitteren Ende durchziehen"?


Schuddel, kann zwar nur für meine Erfahrungen in der relativ frühen Zeit am Kanten sprechen, aber bei uns war es so. Zum Ende der Grundausbildung wurde jeder gefragt, ob er bereit sei, als letztes Mittel die Waffe einzusetzen. Von "Totschießen" wurde wimre nicht gesprochen, aber jeder wußte, was es im Endeffekt bedeutete. Wer klar sagte, daß er nicht zum letzten Mittel bereit wäre, blieb ohne irgendwelche Nachteile in der Ausbildungskompanie und hatte, da dann schon Vize, nicht das schlechteste Leben hatten, nachdem die Pisser einrücken mußten. Warum nur ein so geringer Teil Nein sagte, frag mich was Einfacheres. "wird schon nicht so kommen, ist doch selten, den GV kriegen wir schon vorher (ein Klappern mit dem MPi-Schloss bewirkte da schon Wunder), hoffe, daß bei mir keiner kommt, ein "Nein" könnte mir Nachteile bringen (die es aber nicht gab, es wurde jeder individuell befragt) und sicher waren auch einige dabei, die überzeugt waren, daß ein GV eben ein Verbrecher sei. Ich zählte mich eher, rückblickend, zu denen, die die mögliche Endkonsequenz verdrängte und davon ausging, das es bei mir wohl nicht passierte. War ja auch so, daß es bei der Anzahl der Grenzer, die von 61 bis 89 am Kanten waren, nur eine Promille-Anteil getroffen hat, in diese sche... Situation kamen, gezielt zu schießen.
Was Schwedt betrifft, war uns das schon ein Begriff, aber ich muß ehrlich sagen, nicht so ein Angstwort, wie es vielleicht später empfunden wurde.



Danke Dore! Rot wäre dann meine nächste Frage gewesen. War eigentlich allgemein bekannt, das man auch ohne Repressalien "Nein" sagen konnte?
Ich krieg das für mich immer noch nicht enttüddelt: Wenn man "Nein" sagte, war man quasi direkt an der Grenze nicht verwendungsfähig. Wenn ich es nicht gepackt habe, dann doch auf einen GV zu schießen, war ich doch eigentlich auch nicht verwendungsfähig......ich hab halt nur später auf eine andere Art "Nein" gesagt.......warum dann in diesem Fall Bestrafung? Könnt ihr mir folgen?


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#216

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:52
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo @Schuddelkind ,

hier treffen verschiedene Zeiten und Vorschriften und Haltungen aufeinander.

Ich denke mal, dass der User rei die Vergatterung und nicht die Vereidigung meinte.

Die Angst vor Schwedt war allgegenwärtig, nicht nur was das Schießen, Nichtschießen oder Danebenschießen betraf. Es gab übrigens auch Vorgesetzte, die die Angst vor Schwedt gezielt schürten. Und das war, richtig gemacht, wirksamer als jede Politschulung. Wobei auch schon die Androhung von Arrest reichte, den man ja nachdienen musste. Jeder wollte pünktlich nach Hause und hatte Angst, das etwas dazwischenkam. Alles, was diese Angst bestätigte, wurde bereitwilliger aufgenommen als das Gegenteil (siehe Theorie der kognitiven Dissonanz). Das ist die eine Seite und da ging es eben auch um die mögliche Frage, was passiert, wenn ich einen Grenzdurchbruch nicht verhindere und man mir nachweist, dass ich ihn hätte verhindern können. Die Antworten wären von Seiten der Vorgesetzten zu den verschiedenen Zeiten unterschiedlich ausgefallen, was aber nichts an der Ungewissheit und somit Angst der Unterstellten änderte (hatten wir an anderer Stelle schon ausführlich diskutiert z.B.: Wann darf man sich schon als Opfer fühlen? ).

Die Sache mit der Frage, ob man bereit wäre, im Dienst die Schusswaffe einzusetzen, war im Befehl 44 verankert. Wenn ein Angehöriger der Grenztruppen in eine Grenzsichernde Einheit versetzt wurde, musste ihm vor seinem ersten Grenzdienst diese Frage gestellt werden und nur bei Bejahung durfte er im Grenzdienst eingesetzt werden. Wenn er nein sagte, musste er von der Grenze weg versetzt werden (Bataillons- oder Regimentsstab). So zumindest hätte es Ende der 70er und in den 80er Jahren laufen sollen. Dass das aber auch nicht überall so lief, dass teilweise die Frage nicht gestellt wurde, oder bei Verneinung trotzdem der Einsatz im Grenzdienst erfolgte, hatten wie hier im Forum schon mehrfach festgestellt und diskutiert (u.a. Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern (12) ).

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Schuddelkind hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#217

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:53
von studfri | 762 Beiträge

Und nun stelle man sich mal vor, nur jeder 2. hätte "nein" gesagt. Da hätten die wahrscheinlich einpacken können mit ihrem Grenzregime, oder die höheren Dienstgrage hätten sich da selbst hinstellen müssen.



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#218

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:53
von 94 | 10.792 Beiträge

Nicht so richtig @Schuddel, welche Bestrafung?
Ahh, der Rainman war schneller.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 05.02.2014 22:04 | nach oben springen

#219

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:57
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #217
Und nun stelle man sich mal vor, nur jeder 2. hätte "nein" gesagt. Da hätten die wahrscheinlich einpacken können mit ihrem Grenzregime, oder die höheren Dienstgrage hätten sich da selbst hinstellen müssen.


Und wenn keiner zu den Grenztruppen gegangen wäre, hätte es nicht mal Grenztruppen gegeben.


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#220

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 05.02.2014 21:58
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #216
Hallo @Schuddelkind ,

hier treffen verschiedene Zeiten und Vorschriften und Haltungen aufeinander.

Ich denke mal, dass der User rei die Vergatterung und nicht die Vereidigung meinte.

Die Angst vor Schwedt war allgegenwärtig, nicht nur was das Schießen, Nichtschießen oder Danebenschießen betraf. Es gab übrigens auch Vorgesetzte, die die Angst vor Schwedt gezielt schürten. Und das war, richtig gemacht, wirksamer als jede Politschulung. Wobei auch schon die Androhung von Arrest reichte, den man ja nachdienen musste. Jeder wollte pünktlich nach Hause und hatte Angst, das etwas dazwischenkam. Alles, was diese Angst bestätigte, wurde bereitwilliger aufgenommen als das Gegenteil (siehe Theorie der kognitiven Dissonanz). Das ist die eine Seite und da ging es eben auch um die mögliche Frage, was passiert, wenn ich einen Grenzdurchbruch nicht verhindere und man mir nachweist, dass ich ihn hätte verhindern können. Die Antworten wären von Seiten der Vorgesetzten zu den verschiedenen Zeiten unterschiedlich ausgefallen, was aber nichts an der Ungewissheit und somit Angst der Unterstellten änderte (hatten wir an anderer Stelle schon ausführlich diskutiert z.B.: Wann darf man sich schon als Opfer fühlen? ).

Die Sache mit der Frage, ob man bereit wäre, im Dienst die Schusswaffe einzusetzen, war im Befehl 44 verankert. Wenn ein Angehöriger der Grenztruppen in eine Grenzsichernde Einheit versetzt wurde, musste ihm vor seinem ersten Grenzdienst diese Frage gestellt werden und nur bei Bejahung durfte er im Grenzdienst eingesetzt werden. Wenn er nein sagte, musste er von der Grenze weg versetzt werden (Bataillons- oder Regimentsstab). So zumindest hätte es Ende der 70er und in den 80er Jahren laufen sollen. Dass das aber auch nicht überall so lief, dass teilweise die Frage nicht gestellt wurde, oder bei Verneinung trotzdem der Einsatz im Grenzdienst erfolgte, hatten wie hier im Forum schon mehrfach festgestellt und diskutiert (u.a. Zögern Sie nicht, auch nicht bei Frauen und Kindern (12) ).

ciao Rainman




Das war tatsächlich so? Das bedeutet in der Konsequenz: Alles was da rumlief am "Kanten" definitiv jeder hatte vorher angegeben, dass er schießen würde!? Das gibt dann aber sehr zu denken und mich macht es betroffen.



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