#21

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 12:40
von turtle | 6.961 Beiträge

Auch wenn viele hier Verständnis für einen Schützen zeigen würden muss das außerhalb des Forums nicht so sein. Menschen bloßzustellen und einen Auswischen ist nun einmal eine Charaktereigenschaft die uns Menschen nicht fremd ist. Lesen hier nur Forenmitglieder ? ? ?
Edel und gut der Mensch?


elster427, Küchenbulle 79 und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.01.2014 12:43 | nach oben springen

#22

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 12:43
von Küchenbulle 79 | 533 Beiträge

Zitat von WernerHolt im Beitrag #18
Zitat von Udo im Beitrag #16
Küchenbulle und Grenzwolf haben sich ja schon um eine Antwort bemüht.
Die Frage lautet nach wie vor: Wie würde das Forum mit diesem Grenzer umgehen???
by the way: Der Diplomat ist mir sch ...egal.


hallo ,
ich gehöre ja auch noch zu den jungen hier im forum.ich hätte da fragen an denjenigen.

-wie entstand die situation das er die letzte möglichkeit genutzt hat(anwendung der schusswaffe)?
-hätte es andere möglichkeiten gegeben das zu verhindern(deeskaltion)?
-wie die äußeren umstände waren,würde ich fragen.
keinesfalls würde ich fragen (achtung die nächste frage ist überspitzt formuliert)
wie fühlt man sich wenn man jemanden umgepustet hat?

ps:@Udo beim fett markierten stimme ich dir uneingeschränkt zu





Zu den ersten Fragen: Zwang,Angst,Unreife
Letzte Frage: so wie Rueganer sagte,beschissen,einfach nur beschissen


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zuletzt bearbeitet 29.01.2014 08:38 | nach oben springen

#23

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:04
von Udo | 1.258 Beiträge

@turtle
Du hast ihm den richtigen rat gegeben.
Soetwas kann man nur mit verständnisvollen menschen bzw freunden aufarbeiten.


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#24

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:05
von WernerHolt (gelöscht)
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Zitat von Küchenbulle 79 im Beitrag #22


Zu den ersten Fragen: Zwang,Angst,Unreife
Letzte Frage: so wir Rueganer sagte,beschissen,einfach nur beschissen


hi küchenbulle,
wie gesagt ,die letzte frage würde ich garnicht stellen ,die kann ich mir selbst beantworten und zwar genauso wie du es auch schriebst.
ich denke hier im forum ist das auch noch nicht sehr problematisch.
anders dagegen ist es ,wenn man heute beigebracht bekommt das jeder grenzer ein schiesswütiger rambo war.sich an der grenze dran erfreut hat GV wie hasen abzuknallen,das ganze natürlich nur weil er scharf auf auszeichnungen und prämien war.
und da muss ich sagen das dieses forum doch einen recht guten beitrag leistet .
das es eben nicht so war .
hier kann man wirklich viele fragen stellen ,abwägen ,sich ein eigenes bild machen.man kann verschiedene denkweisen ,emotionen begreifen lernen.
und DAS ist auch gut so.
MkG
HG


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zuletzt bearbeitet 28.01.2014 13:07 | nach oben springen

#25

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:08
von Gelöschtes Mitglied
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Ich war kein "Mitläufer" ich war "Täter", nicht in dem Sinn auf Flüchtlinge geschossen zu haben, sondern in dem Sinn das ich diesen Staat als meinen Staat und Heimat betrachtet habe und aktiv an diesem Staat mitgewirkt habe.
Wo fängt eine (im heutigen Sinn) "Täterschaft" an?
Das arme Sch... von Grenzer der wirklich auf einen Flüchtling geschossen hat, oder auch ich der die Grenze als Baupionier gebaut hat und die Vorraussetzung geschaffen hat. Ich hätte auch an der Linie stehen können und was dann? Die Kommentare ich hätte daneben geschossen und , und....

Wer war in einer solchen Situation? Das sind Momente in denen Entscheidungen getroffen werden oder Reflexe ausgeübt werden, nächste Frage woraus resultieren die Reflexe, warum und wie antrainiert?

Für mich zählt ein wichtiger Grundsatz (gilt auch in der Rechtssprechung) , der Vorsatz und die niedere Motive/ Beweggründe. Die Idee war gut und dieser Idee sah ich mich verpflichtet, nur die Umsetzung war "grenzwertig"....
Ich stehe zu meiner DDR Vergangenheit, ich habe mich für die "gute Idee" eingesetzt und habe mich aber als ich erkannte "hier läuft etwas vor den Baum" zurück gezogen. Ich habe nicht gegen mein Gewissen gehandelt. Ich war in der SED und habe zulange "still gehalten" und zu viel toleriert, das war mein persönlicher Fehler (alles weitere ist zu persönlich und gehört nicht in einen solchen Rahmen).
Jeder hat seine persönliche Aufarbeitung, nur diese staatliche Aufarbeitung hat damit nichts zu tun, hier wird Rufmord an Menschen getrieben, hier geht es um des Verbot von Symbolen eines Staates, das erinnert mich an "Bücherverbrennungen", nach dem Motto "Es muß weg was nicht sein darf" (frei nach Ringelnatz).


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#26

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:13
von Gelöschtes Mitglied
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Ergänzung:

Es war eine Schweinerei Menschen in diesen sinnlosen Konflikt zu bringen an der Grenze schießen zu müssen!


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#27

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:21
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #1
Bin in den letzten Tagen hier im Forum wieder häufiger über den Begriff "Aufarbeitung" gestolpert.
Aufarbeitung der DDR-Geschichte,aber auch persönliche Aufarbeitung des Einzelnen wird eingefordert.
Wie muss/soll man sich das z.b. beim Letzteren vorstellen?
Eine Diskussion,die zum Täter-Opfer Tribunal mutiert?

Beispiel in etwa:
" Man wird schon sich selbst und sein Denken und Handeln damals (und teilweise wohl auch noch heute, wie man hier erschreckenderweise erleben kann) zur allgefälligen Disposition stellen müssen und zwar mit offenem Ende. "

Oder so:
"Es ging in dem Thread seinerzeit um die Erkennbarkeit der DDR als Diktatur für die jenigen, die in ihr lebten.......
Ein solcher Thread enthielte eine ganz erhebliche Menge an "Sprengstoff", was vor allem dann gilt, wenn man dieses Thema konsequent weiterentwickelt und weiter führt. Das würde keinesfalls hier geschehen, da bin ich mir völlig sicher, denn dafür müsste man (d.h. jeder Diskutant) sich selbst und sein eigenes Leben bislang kritisch hinterfragen und genau dazu wären die meisten hier nicht bereit, denn man hat sich schon viel zu sehr in einer der sehr bequemen Ecke des ehemaligen Klassenfeindes eingerichtet. Das Gras im Garten hat man so riesig wachsen lassen, dass Schilfgras da noch klein gegen ist. Da duldet man dann kein Kamel mehr, das vlt etwas von dem Gras wieder weg frisst. "Wir" hört man es immerzu zwischen den Zeilen rufen ".....wir sind Klasse und Spitze". Bei einer solchen Einstellung erübrigt sich in der Tat dann eine Diskussion.



Bedeutet also,jeder der damals in diesem Staat DDR lebte und sich bewusst engagierte,soll gefälligst ein Büßerhemd nach Aufforderung eines vorgeblichen Jugendlichen(studfri) anziehen und aktiv Reue üben.
Zur Belohnung wird er dann am Nasenring wie ein Tanzbär zum Spott des Forums(bzw.Foren) und der Öffentlichkeit zum Abschuss freigegeben.
"........und zwar mit offenen Ende"

Wie seht ihr das?

seaman

Hallo @seaman ,

ich muss nachfragen, worum es in diesem Thread nun eigentlich geht. Geht es Dir mit dem Eröffnungsbeitrag nun wirklich um eine Klärung des Begriffes Aufarbeitung? Dann schreibe auch ich gern etwas dazu. Oder geht es hier um eine simple Auseinandersetzung mit dem User studfri ? Dann ist mir dieser Thread Banane. Es wäre etwas besser gewesen, wenn Du die Zitate entsprechend nicht nur andeutungsweise als solche gekennzeichnet, sondern sie auch mit dem Urheber versehen hättest.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#28

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:24
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #26
Ergänzung:

Es war eine Schweinerei Menschen in diesen sinnlosen Konflikt zu bringen an der Grenze schießen zu müssen!



So, Bürger der DDR, und nun, nach diesem Satz, den ich vorbehaltslos unterschreibe, solltest Du aber weitere Schlussfolgerungen ziehen. Ich schreibe bewusst - solltest - denn müssen muss ja keiner. Und dann, dann kommt man eben an vieles, was diese Schweinerei erst mal möglich machte und wer diese Schweinerei an den dort einberufenen Jungs begangen hat. Und wenn man dies alles ehrlich durchkaut, dann klappt es auch mit der Aufarbeitung, zumindest für sich selber...


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#29

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:26
von Udo | 1.258 Beiträge

@bürger der ddr
Sehe ich auch so. Ich war zu wendezeiten noch zu jung und zu, tja wie soll man es sagen, zu kenntnislos. Im nachgang, schaut man sich die alte propaganda nochmal an und stellt fest, die hatten recht. Alles, was wir im stabüunterricht über den imperialismus gelernt haben, stimmt. Nur das die auswirkungen auf den einzelnen nicht ganz so extrem waren wie dargestellt.
Das letzte interviev mit honecker sollte sich jeder ossi nochmal reinziehen und darüber nacdenken.
Das problem war, dass man an den erforderlichen veränderungen , tja sagen wir mal, gehindert wurden.
Die kloppe, die mir jetzt zuteil wird, nehme ich sportlich.


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#30

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:27
von Gelöschtes Mitglied
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Bei dem Thema sollte es nicht um einen "User" gehen, auch wenn er indirekt den "Stein ins rollen" brachte. ich denke es geht prinzipell darum das Thema "Aufarbeitung" auf einen anderen Rahmen zu bringen. Aufarbeitung wird meist von der Fraktion "Knabe" ins gerede gebracht, doch Aufarbeitung ist etwas persönliches und sollte frei von der "inquisition" betrachtet werden.


Udo, seaman und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#31

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:34
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Rüganer im Beitrag #28
Zitat von Bürger der DDR im Beitrag #26
Ergänzung:

Es war eine Schweinerei Menschen in diesen sinnlosen Konflikt zu bringen an der Grenze schießen zu müssen!



So, Bürger der DDR, und nun, nach diesem Satz, den ich vorbehaltslos unterschreibe, solltest Du aber weitere Schlussfolgerungen ziehen. Ich schreibe bewusst - solltest - denn müssen muss ja keiner. Und dann, dann kommt man eben an vieles, was diese Schweinerei erst mal möglich machte und wer diese Schweinerei an den dort einberufenen Jungs begangen hat. Und wenn man dies alles ehrlich durchkaut, dann klappt es auch mit der Aufarbeitung, zumindest für sich selber...


Ich habe diese Schlußfolgerungen für mich gezogen, darum habe ich auch geschrieben "Das arme Sch... von Grenzer der wirklich auf einen Flüchtling geschossen hat, oder auch ich der die Grenze als Baupionier gebaut hat und die Vorraussetzung geschaffen hat. Ich hätte auch an der Linie stehen können und was dann? Die Kommentare ich hätte daneben geschossen und , und..."

Nicht die Idee war falsch, sondern die Umsetzung....
Und diese Klassifizierung "Täter, Mitläufer und Gegner" ist einfach Mist....


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#32

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:38
von manudave | 390 Beiträge

@werner holt:
Ich bestreite vehement, dass irgendwo in Deutschland jemandem was von Schiesswütigen rambos erzählt wird. Ich persönlich habe mittlerweile tausende interessierte Menschen zu diesem Thema getroffen, aber diese Aussage habe ich noch nie gehört - selbst von Opfern nicht.


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#33

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:39
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #27
Zitat von seaman im Beitrag #1
Bin in den letzten Tagen hier im Forum wieder häufiger über den Begriff "Aufarbeitung" gestolpert.
Aufarbeitung der DDR-Geschichte,aber auch persönliche Aufarbeitung des Einzelnen wird eingefordert.
Wie muss/soll man sich das z.b. beim Letzteren vorstellen?
Eine Diskussion,die zum Täter-Opfer Tribunal mutiert?

Beispiel in etwa:
" Man wird schon sich selbst und sein Denken und Handeln damals (und teilweise wohl auch noch heute, wie man hier erschreckenderweise erleben kann) zur allgefälligen Disposition stellen müssen und zwar mit offenem Ende. "

Oder so:
"Es ging in dem Thread seinerzeit um die Erkennbarkeit der DDR als Diktatur für die jenigen, die in ihr lebten.......
Ein solcher Thread enthielte eine ganz erhebliche Menge an "Sprengstoff", was vor allem dann gilt, wenn man dieses Thema konsequent weiterentwickelt und weiter führt. Das würde keinesfalls hier geschehen, da bin ich mir völlig sicher, denn dafür müsste man (d.h. jeder Diskutant) sich selbst und sein eigenes Leben bislang kritisch hinterfragen und genau dazu wären die meisten hier nicht bereit, denn man hat sich schon viel zu sehr in einer der sehr bequemen Ecke des ehemaligen Klassenfeindes eingerichtet. Das Gras im Garten hat man so riesig wachsen lassen, dass Schilfgras da noch klein gegen ist. Da duldet man dann kein Kamel mehr, das vlt etwas von dem Gras wieder weg frisst. "Wir" hört man es immerzu zwischen den Zeilen rufen ".....wir sind Klasse und Spitze". Bei einer solchen Einstellung erübrigt sich in der Tat dann eine Diskussion.



Bedeutet also,jeder der damals in diesem Staat DDR lebte und sich bewusst engagierte,soll gefälligst ein Büßerhemd nach Aufforderung eines vorgeblichen Jugendlichen(studfri) anziehen und aktiv Reue üben.
Zur Belohnung wird er dann am Nasenring wie ein Tanzbär zum Spott des Forums(bzw.Foren) und der Öffentlichkeit zum Abschuss freigegeben.
"........und zwar mit offenen Ende"

Wie seht ihr das?

seaman

Hallo @seaman ,

ich muss nachfragen, worum es in diesem Thread nun eigentlich geht. Geht es Dir mit dem Eröffnungsbeitrag nun wirklich um eine Klärung des Begriffes Aufarbeitung? Dann schreibe auch ich gern etwas dazu. Oder geht es hier um eine simple Auseinandersetzung mit dem User studfri ? Dann ist mir dieser Thread Banane. Es wäre etwas besser gewesen, wenn Du die Zitate entsprechend nicht nur andeutungsweise als solche gekennzeichnet, sondern sie auch mit dem Urheber versehen hättest.

ciao Rainman



Mir geht es eindeutig um den Begriff Aufarbeitung.Speziell wie man sich persönliche Aufarbeitung vorstellt.
Die Zitate sind zufällig gewählt und sind stellvertretend für ähnliche Aussagen.
Klar,hätte ich mit Zitat studfri versehen müssen,aber um ihn geht es mir eindeutig hier nicht .Sorry.

seaman


Rainman2 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.01.2014 13:41 | nach oben springen

#34

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:46
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Aufgearbeit haben wird wohl sicher fast jeder schon für sich. Vom Nachdenken im stillen Kämmerlein, nüchtern oder durch etwas Alk sentimental geworden bis zum offenen Visier, egal was andere denken. Bagatellisierend, begründend bis sich schonungslos selbst geißelnd. Das kommt wieder ganz auf den Einzelnen an, auf seinen Charakter, seine Fähigkeit zur selbstkritischen Betrachtung und natürlich auf die möglichen zu erwartenden Konsequenzen bei zu viel Offenheit.
Für mich hatte ich vor längerer Zeit schon mal eine recht ausführliche Wertung meiner Vergangenheit und meines Handelns (bzw. Nicht-handelns) eingestellt. Auch was ich heute anders sehe. Weiß nur nicht mehr genau wann und in welchem Thread.
Bisher war in unserem Forum immer nur die Rede von Aufarbeitung und Selbstkritik derer, die irgendwie zur Stabilisierung und dem Schutz der DDR-Gesellschaft beigetragen haben. Es könnten doch auch mal diejenigen ihre heutige Sicht darlegen, die aktiv an der Beseitigung mitgewirkt haben. Welche Ziele wurden wirklich verfolgt, welche Szenarien wurden diskutiert, wie weit wäre man bereit gewesen, Gewalt anzuwenden und Tote in kauf zu nehmen, wann und durch welche Ereignisse wurden Zweifel an dem eingeschlagenen Weg wach, wie wurde die Ernüchterung verkraftet bei denen, die aktiv für eine humanere und wirtschaftlich potentere Politik in der DDR kämpften ? Dazu wurde bisher nur sehr, sehr selten etwas geschrieben. Es geht mir langsam gegen den Strich und ruft, wohl nicht nur bei mir, einigen Widerspruch hervor.



seaman und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.01.2014 13:47 | nach oben springen

#35

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 13:56
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Den sogenannten Schießbefehl würde es in der DDR des Jahres 2014 nicht mehr geben.
Jene Generation, die in der DDR die Macht hatte, kannte den faschistischen Terror fast durchweg aus eigenem Erleben, einhergehend mit der Selbstverständlichkeit der Waffenanwendung, woraufhin sie auch im Nachkriegsalltag eben kein Tabu war.
Genauso wie man 1981 praktisch (letzte Vollstreckung) und 1987 gesetzlich die Todesstrafe per Volkskammerbeschluß abgeschafft hatte, u.a. um sich international ein höheres Ansehen, verbunden mit verbesserten Zugang zu Wirtschaftshilfen zu verschaffen, so hätte man auch irgendwann im weiteren Verlauf der 1990er Jahre den Grenztruppen Todesschüsse ausdrücklich verboten, das halte ich zumindest für sehr wahrscheinlich.
Der Schießbefehl, so pervers das auch klingen mag, wäre für die DDR eine Handelsware gewesen.
Zur persönlichen Aufarbeitung wurde anderswo schon sehr viel geschrieben, im Extrakt bleibt es für mich dabei, daß man sich mit der richtigen Chronologie der Ereignisse der historischen Wahrheit über Aufstieg und Untergang der DDR am meisten annähert.
Die DDR war eine einmalige Chance, unter den Bedingungen der Zivilisation einen menschenwürdigen Sozialismus zu praktizieren, allein die Verschiebung von Werten in Richtung Konsum und Bequemlichkeit seitens des Volkes im Allgemeinen sowie in Richtung Prestige und Größenwahn seitens des obersten Führungspersonals hat diese Chance für eine sehr lange Zeit zerstört.
Signale nicht zu beachten kann mit viel Dusel ein- zweimal gut gehen, aber irgendwann hätte Partei und Volk wieder aufeinander hören und sich wieder annähern sollen aber die Dichte der Signale war Ende der 1980er Jahre so verwirrend, daß es angesichts der vielen Mißverständnisse im Großen wie im Kleinen für den Dialog irgendwann zu spät war und alles am Prellbock endete.



seaman, DoreHolm und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.01.2014 13:59 | nach oben springen

#36

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 14:06
von WernerHolt (gelöscht)
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Zitat von manudave im Beitrag #32
@werner holt:
Ich bestreite vehement, dass irgendwo in Deutschland jemandem was von Schiesswütigen rambos erzählt wird. Ich persönlich habe mittlerweile tausende interessierte Menschen zu diesem Thema getroffen, aber diese Aussage habe ich noch nie gehört - selbst von Opfern nicht.


hallo david ,

ich schrieb nicht dass das auf irgendwelchen führungen erzählt wird.ich schrieb auch nicht das man es auf schulen so gelehrt bekommt.es bezog sich auf was anderes....
beispiel?
gib doch einfach mal oben in die suche "schiesswütige grenzer" ein.du wirst erstaunt sein.

ps:und bei dieser aussage musste ich doch schmunzeln...

Zitat
selbst von Opfern nicht


aber das klären wir dann lieber per pn, nicht war?


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#37

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 14:10
von Udo | 1.258 Beiträge

Ich kann dir sagen, was ich, mit meinen damals 23 lenzen wollte. Ich wollte einen sozialismus wie er propagiert wurde und nicht wie er in wirklichkeit war. Leider zwangen jedem die damals vorhandenen mängel, jeden sich selbst und eben nicht die gesamtheit zu sehen.


seaman, DoreHolm, Hackel39 und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#38

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 14:12
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #34
Aufgearbeit haben wird wohl sicher fast jeder schon für sich. Vom Nachdenken im stillen Kämmerlein, nüchtern oder durch etwas Alk sentimental geworden bis zum offenen Visier, egal was andere denken. Bagatellisierend, begründend bis sich schonungslos selbst geißelnd. Das kommt wieder ganz auf den Einzelnen an, auf seinen Charakter, seine Fähigkeit zur selbstkritischen Betrachtung und natürlich auf die möglichen zu erwartenden Konsequenzen bei zu viel Offenheit.
Für mich hatte ich vor längerer Zeit schon mal eine recht ausführliche Wertung meiner Vergangenheit und meines Handelns (bzw. Nicht-handelns) eingestellt. Auch was ich heute anders sehe. Weiß nur nicht mehr genau wann und in welchem Thread.
Bisher war in unserem Forum immer nur die Rede von Aufarbeitung und Selbstkritik derer, die irgendwie zur Stabilisierung und dem Schutz der DDR-Gesellschaft beigetragen haben. Es könnten doch auch mal diejenigen ihre heutige Sicht darlegen, die aktiv an der Beseitigung mitgewirkt haben. Welche Ziele wurden wirklich verfolgt, welche Szenarien wurden diskutiert, wie weit wäre man bereit gewesen, Gewalt anzuwenden und Tote in kauf zu nehmen, wann und durch welche Ereignisse wurden Zweifel an dem eingeschlagenen Weg wach, wie wurde die Ernüchterung verkraftet bei denen, die aktiv für eine humanere und wirtschaftlich potentere Politik in der DDR kämpften ? Dazu wurde bisher nur sehr, sehr selten etwas geschrieben. Es geht mir langsam gegen den Strich und ruft, wohl nicht nur bei mir, einigen Widerspruch hervor.


Genau dieser Personenkreis, den Du hier ansprichst Dore Holm, hat sich oft nach wenigen Versuchen, konstruktiv zu kritisieren, schnell in die Passivität verzogen und das ist die eigentliche Tragik des Geschehens, zumal ich ähnliches auch heute noch erlebe.
Das ist keineswegs als Vorwurf an die damals überparteilich aber trotzdem engagiert handelnden Personen zu verstehen.
Ich selbst hatte im Jugendverband so gut es ging eine Einbeziehung der gesamten Altersgruppe 18-30 angestrebt, angesichts meiner Beflaggung als SED- Genosse bekanntlich mit mäßigem Erfolg.
Hier hätte ich aus der Nachbewertung heraus viel mehr wagen müssen.
Leider hast Du auch Recht damit, daß man im Forum kaum etwas über alternativ zur SED- Herrschaft initiierte Projekte der Vorwendezeit erfährt, warum sie gescheitert waren und wie es mit den Protagonisten weiter ging.
Das was im Großen lief, siehe z. B. die DDR- Kabarettgruppen ist ja bekannt, aber ein Dialog über solche und ähnliche Vorgänge hier im Forum ist mir nicht bekannt.



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#39

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 14:19
von Heckenhaus | 5.112 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #1
Bin in den letzten Tagen hier im Forum wieder häufiger über den Begriff "Aufarbeitung" gestolpert.
Aufarbeitung der DDR-Geschichte,aber auch persönliche Aufarbeitung des Einzelnen wird eingefordert.
Wie muss/soll man sich das z.b. beim Letzteren vorstellen?
Eine Diskussion,die zum Täter-Opfer Tribunal mutiert?

Wie seht ihr das?

seaman

Ich bin nicht mit dem Strom der Partei geschwommen, habe nicht absichtlich sabotiert, sondern habe mein ganz
privates individuelles Leben gelebt, in Familie. Zu unserem privaten Vorteil !
Ich habe nicht applaudiert, habe nicht protestiert, genauso, wie es heute Millionen Deutsche auch tun.
Ich habe niemandem geschadet, habe ich da irgend etwas aufzuarbeiten ? Ich glaube nicht.
Und den Meisten von uns geht es ebenso.

Für mich ist die DDR politisch abgeschlossen, und ich sehe auch überhaupt keine Veranlassung, daran etwas zu ändern.
Ich bin nicht verantwortlich für das, was andere Personen taten, muß mich nicht verbiegen, nicht verbeugen, nicht entschuldigen.
Bei niemandem.
Mich interessiert auch nicht das Kabinett des Herrn Knabe. Das Wissen um die Existenz genügt mir. In meiner Verantwortung wurde
es einst nicht betrieben. Ich wußte nicht einmal davon.

Wenn wir, die Generation derer, die die DDR von Grund auf erlebt haben, jetzt anfangen sollten, "aufzuarbeiten", ist das Unfug.
Ich frage mich, warum heute immer wieder vom "Aufarbeiten" gefaselt wird, haben Generationen vor uns jemals jahrzehntelang ihre
Vergangenheit "aufgearbeitet" ?

Die Vergangenheit sollte beerdigt werden, ein paar Gedenkstätten und Schluß. Es war einmal, jetzt ist es Geschichte !
Und nicht immer das Geklage : Der war böse, der war schlecht, der hat was gemacht usw., bereut er auch genug ?


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
Eisenacher und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.01.2014 14:22 | nach oben springen

#40

RE: Aufarbeitung

in DDR Staat und Regime 28.01.2014 14:35
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Sehe ich ähnlich. Es gab mal eine DDR. Da hat sich jeder so gut er es konnte und wollte mit den Verhältnissen arrangiert. Die DDR ist Geschichte. Da können wir uns hier die alten Geschichten erzählen, wie es mal war und dabei sollte es bleiben. Ich habe Verständnis für fast alle Lebensläufe. Ich habe meinen Frieden mit allen längst geschlossen, egal in welcher Position jemand war. Interessante Geschichten lese ich immer gerne und wer möchte, kann hier viel lernen wie die Welt und die Menschen funktionieren, wie Manipulation funktioniert und über Psychologie. Wissen über Religionen und Ideologien kann nie schaden, da es universal ist und man dann die Zusammenhänge besser begreift.


DoreHolm, Heckenhaus, Damals87, SEG15D und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.01.2014 14:54 | nach oben springen



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