#1

Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 18:35
von der glatte | 1.356 Beiträge

Hallo in die Runde,

Die MS Arkona ist ja sicherlich bei jeden in der DDR bekannt gewesen. Ermöglichte eine Reise mit ihr, für einige ausgesuchte DDR-Bürger einen Blick in die große weite Welt. Meist handelte es sich bei solch einer Fahrt um eine Auszeichnungsreise, welche man vom Betrieb bekam. Das war dann schon etwas als es auch bei uns in der Familie hieß. "Ich habe eine Reise mit der Arkona bekommen, im Herbst geht es los!" Die Fahrt ging dann über Lissabon nach Zypern und wieder zurück. Meine Schwiegermutter war damals 52 Jahre alt und freute sich wie ein Schneekönig. Konnte ich auch verstehen, denn am liebsten wäre natürlich jeder mitgefahren.

Dazu muss ich sagen, meine Schwiegermutter war nie in der SED und hielt sich von Politik fern.

Um es gleich vorweg zu nehmen, meine Schwiegermutter kam von jeden Landgang zurück, obwohl es keine Gruppenausflüge waren. Sie schwärmte noch bis zu ihrem Tode vor einigen Jahren, von dieser großen Reise. Vor einiger Zeit haben wir dann im Nachlass einige Fotos gefunden, welche die Reise ein wenig dokumentieren. Einige Fotos möchte ich auch hier veröffentlichen.

Interessant ist für mich dabei zu erfahren, wie denn diese Leute durch die Welt kamen. Sie hatte erst ab 1989 einen Reisepass, vorher nicht. Gab es da Sonderpässe, welche die Einreise in ein fremdes Land erlaubten? Jedenfalls musste sie ihren Personalausweis mit auf die Reise nehmen und bei Landgang an Bord lassen. Man bekam für den Landgang einen Schiffsausweis, den man dann wieder abgeben musste. Sie bekamen auch die Möglichkeit für das jeweilige Land Devisen an Bord zu tauschen. Aber wie das einzeln so geregelt war, keine Ahnung.

Oh, ich hätte sie viel mehr über die Reise ausfragen müssen. Aber eventuell ergibt sich hier eine Diskussion über die Reisen mit der Arkona, wo ich noch weitere Fragen stellen kann und Antworten bekomme?

Noch einige Daten zur MS Arkona:

Von der VEB Deutfracht/Seereederei am 29. August 1985 übernommen. Das Schiff war umgebaut und hatte unter der DDR-Flagge,

32 Suiten für 3 Personen

163 Kabinen für 2 Personen

22 Kabinen für 3 Personen

23 Kabinen für 4 Personen

Auf alle Fälle stach die MS Arkona auch schon vor der Wende mit DDR-Bürgern in See um ihnen einen bescheidenen Blick in die Welt zu ermöglichen.

Wer war noch dabei und was konnte man erleben?

Hier einige Fotos.



Die Arkona in einem Hafen war für Fotografen immer ein Anziehungspunkt.



Die Arkona auf hoher See mit Regenbogen.



Der Abschied von Rostock, fiel bestimmt nicht schwer. Endlich einmal ein Stück weite Welt erleben, so haben sicherlich viele gedacht, als die Reise begann.

Weitere Fotos folgen.

Fotoquelle: Alle Fotos sind aus dem Familienarchiv

Gruß Reiner


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#2

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 18:44
von der glatte | 1.356 Beiträge

Und dazu gleich noch drei Fotos, welche alle auf der Reise meiner Schwiegermutter mit der MS Arkona gemacht worden sind.



Der Blick zurück. Das Achterdeck der Arkona.




Auf der Arkona wurde der DDR-Bürger als ausgezeichneter Werktätiger besonders verwöhnt. Da gab es Dinge am Buffet, die hatte man noch nie gesehen. Und alles war reichlich und appetitlich aufgebaut.

Fotoquelle: Familienarchiv

Gruß Reiner


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#3

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 18:51
von studfri | 762 Beiträge

Weis hier jemand, ob und ggf. wie die Menschen da überprüft wurden, die da mitfahren durften.
Wenn ich das richtig verstehe, dann wurde auch im NSA Halt gemacht und die Menschen kamen ohne weiteres von Bord, so daß ein "nicht mehr zurück kehren" ohne weiteres möglich gewesen wäre.



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#4

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 18:55
von exgakl | 7.223 Beiträge

es durften nur Nichtschwimmer und Gehbehinderte fahren....


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#5

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 18:55
von Gelöschtes Mitglied
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Dieser Thread kommt erneut und unweigerlich zum Thema von zeitweisen oder permanenten Privilegien in der DDR, von wem ausgesucht, nach welchen Kriterien und von wem bestätigt und genehmigt?
Das bezieht sich auch auf die sehr interessiante Frage nach den damaligen entsprechenden Reisepapieren...

VG Klaus


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#6

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:23
von Gelöschtes Mitglied
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Wen ich mich richtig erinnere hieß sie nicht erst Astor (BRD) damals und da alles Besteck ein A hatte, hieß sie dann Arkona!
Stimmt das?
Grüsse Steffen52


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#7

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:25
von Kurt | 933 Beiträge

Hallo Reiner,

Diese Reisen mit der Arkona gab es nicht nur als Auszeichnung. Man konnte sie ganz normal buchen, wenn man sie sich leisten wollte.
Der Klassiker waren die Cuba-Touren. Entweder flog man von Schönefeld über Gander (Kanada) nach Havanna und fuhr mit der Arkona zurück nach Rostock oder umgekehrt, in entgegengesetzter Richtung.
Der zweiwöchige "Karibik-Urlaub" kostete etwa 4800 Mark pro Person in der Doppelbettkabine, inklusive der Ausflüge auf Cuba.

Gruß,

Kurt


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#8

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:25
von schnatterinchen (gelöscht)
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Zitat von exgakl im Beitrag #4
es durften nur Nichtschwimmer und Gehbehinderte fahren....



und die die aufpassen mußten das von denen keiner abhaut.


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#9

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:26
von Greso | 2.377 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #6
Wen ich mich richtig erinnere hieß sie nicht erst Astor (BRD) damals und da alles Besteck ein A hatte, hieß sie dann Arkona!
Stimmt das?
Grüsse Steffen52


Das müsste stimmen.Ich habe sogar noch Kartenspiele von der Arkona.
Greso


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#10

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:28
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #6
Wen ich mich richtig erinnere hieß sie nicht erst Astor (BRD) damals und da alles Besteck ein A hatte, hieß sie dann Arkona!
Stimmt das?
Grüsse Steffen52


Stimmt-- das Besteck wurde gerne als Souvinier mitgenommen Aber sag es keinen weiter--sonst macht der harte Kern hier noch über Wochen ne Schlammschlacht drauß.


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#11

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:30
von manudave | 388 Beiträge

Zitat von Kurt im Beitrag #7
Hallo Reiner,

Diese Reisen mit der Arkona gab es nicht nur als Auszeichnung. Man konnte sie ganz normal buchen, wenn man sie sich leisten wollte.
Der Klassiker waren die Cuba-Touren. Entweder flog man von Schönefeld über Gander (Kanada) nach Havanna und fuhr mit der Arkona zurück nach Rostock oder umgekehrt, in entgegengesetzter Richtung.
Der zweiwöchige "Karibik-Urlaub" kostete etwa 4800 Mark pro Person in der Doppelbettkabine, inklusive der Ausflüge auf Cuba.

Gruß,

Kurt


Dafür gab es aber sicherlich Wartelisten?


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#12

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:31
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Zitat von Kurt im Beitrag #7
Hallo Reiner,

Diese Reisen mit der Arkona gab es nicht nur als Auszeichnung. Man konnte sie ganz normal buchen, wenn man sie sich leisten wollte.
Der Klassiker waren die Cuba-Touren. Entweder flog man von Schönefeld über Gander (Kanada) nach Havanna und fuhr mit der Arkona zurück nach Rostock oder umgekehrt, in entgegengesetzter Richtung.
Der zweiwöchige "Karibik-Urlaub" kostete etwa 4800 Mark pro Person in der Doppelbettkabine, inklusive der Ausflüge auf Cuba.

Gruß,

Kurt




Da hat sich manch potenzieller Republikflüchtling aber auch angeschmiert. Die dachten wohl ,die können bevor sie sich in Kanada vom Acker machen nochmal auf der Rohrinsel urlauben und dann auf dem Rückflüg die Fliege machen.
Pustekuchen, der Jetstream hat wohl sogar den sowjetischen Iljuschins den Nonstopflug nach Hause ermöglicht.
Die Gesichter hätte ich sehen mögen.


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#13

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:35
von Greso | 2.377 Beiträge

Resi88 ist auf ihr gerudert.
Greso


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#14

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:36
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Zitat von manudave im Beitrag #11
Zitat von Kurt im Beitrag #7
Hallo Reiner,

Diese Reisen mit der Arkona gab es nicht nur als Auszeichnung. Man konnte sie ganz normal buchen, wenn man sie sich leisten wollte.
Der Klassiker waren die Cuba-Touren. Entweder flog man von Schönefeld über Gander (Kanada) nach Havanna und fuhr mit der Arkona zurück nach Rostock oder umgekehrt, in entgegengesetzter Richtung.
Der zweiwöchige "Karibik-Urlaub" kostete etwa 4800 Mark pro Person in der Doppelbettkabine, inklusive der Ausflüge auf Cuba.

Gruß,

Kurt


Dafür gab es aber sicherlich Wartelisten?



Grün: Nein, gab es nicht unbedingt. Weiß nicht mehr, in welchem Thread ich ausführlich darüber berichtete,(es ging um Reisemöglichkeiten und/bzw, des Einfluss des MfS darauf). Ist schon eine Weile her. Jedenfalls hatte ich erfahrren,daß auch die Stadtbezirkbezirksleitung des FDGB über ein Kontingent verfügte. Habe beantragt, es war kein anderer Bewerber da, die Reise habe ich aber trotzdem nicht bekommen. Später habe ich nach Recherchen mitbekommen, daß es nicht das MfS war, sondern mein mißgünstiger fachlicher Vorgesetzter. Eine andere Kollegin (Arbeiterin, parteilos) fuhr mit ihrem Mann auf ein Kontingent eines anderen Stadtbezirkes. Das nur mal in Kurzfassung.



Kurt hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.01.2014 19:37 | nach oben springen

#15

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:37
von Lutze | 8.027 Beiträge

ob einige der Besatzungs-Mitglieder
Berichte an das MfS schrieben?
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#16

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:40
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #15
ob einige der Besatzungs-Mitglieder
Berichte an das MfS schrieben?
Lutze


So und nun ist das MfS wieder im spiel--nun kann losgelegt werden.


Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#17

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:42
von sentry | 1.077 Beiträge

Wir hatten in Marienborn einen Kameraden, der auf der Arkona als Besatzung fuhr. Er kam im. Herbst 87 als frischer Posten zu uns. Irgendwann machte er auch ein kleine Diashow in der Kompanie mit ner Menge Bilder aus unerreichbaren Regionen. Übrigens durfte er gelegentlich seine Frau mit auf Tour nehmen. Das kostete ihn gerademal 8,75 M der DDR pro Tag - alte Ossis ahnen, warum mir dieser Betrag heute noch in Erinnerung ist.
Als der Kamerad dann realisierte, dass die Geheimhaltungsbestimmungen ihn wohl nach dem Wehrdienst seinen begehrten Job kosten würden, ist er unseren Empfehlungen gefolgt und hat irgendwie seine Abversetzung von der Grenze forciert. So wurden wir ihn nach kurzer Zeit wieder los ohne dass er wohl viel von der Grenze gesehen hat.


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#18

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:43
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Rostocker im Beitrag #16
Zitat von Lutze im Beitrag #15
ob einige der Besatzungs-Mitglieder
Berichte an das MfS schrieben?
Lutze


So und nun ist das MfS wieder im spiel--nun kann losgelegt werden.


Rostocker, der war bestimmt mit an Bord, aber los lege ich nicht!
Grüsse steffen52


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#19

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:47
von PF75 | 3.291 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #15
ob einige der Besatzungs-Mitglieder
Berichte an das MfS schrieben?
Lutze



laut radio jerewan waren 120 % der Besatzung IM. waren aber bedeutend weniger.
Es gab da mal vor lager Zeit mal einen Bericht darüber im TV.


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#20

RE: Mit der MS Arkona in die weite Welt

in Leben in der DDR 23.01.2014 19:52
von Rostocker | 7.715 Beiträge

Zitat von sentry im Beitrag #17
Wir hatten in Marienborn einen Kameraden, der auf der Arkona als Besatzung fuhr. Er kam im. Herbst 87 als frischer Posten zu uns. Irgendwann machte er auch ein kleine Diashow in der Kompanie mit ner Menge Bilder aus unerreichbaren Regionen. Übrigens durfte er gelegentlich seine Frau mit auf Tour nehmen. Das kostete ihn gerademal 8,75 M der DDR pro Tag - alte Ossis ahnen, warum mir dieser Betrag heute noch in Erinnerung ist.
Als der Kamerad dann realisierte, dass die Geheimhaltungsbestimmungen ihn wohl nach dem Wehrdienst seinen begehrten Job kosten würden, ist er unseren Empfehlungen gefolgt und hat irgendwie seine Abversetzung von der Grenze forciert. So wurden wir ihn nach kurzer Zeit wieder los ohne dass er wohl viel von der Grenze gesehen hat.


Also wir hatten auf der GK; Zwei Kameraden die zu See fuhren und es nach den Wehrdienst auch wieder taten.Nur einer davon ist ein halbes Jahr später wieder abgestiegen und in Warnemünde bei der FPG angefangen.Aus Fam.Gründen, traf ihn öfters am Alten Strom.


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