#81

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 24.06.2014 12:04
von Rostocker | 7.734 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #80
Zitat von seaman im Beitrag #14
Beeindruckend ist für mich immer wieder:
Der Roman von Erich Maria Remarque,Im Westen nichts Neues, der die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert.
Habe dieses Buch mehrfach gelesen.Als Jugendlicher,als junger Soldat,als Erwachsener mit den unterschiedlichsten Erfahrungen zum Thema Krieg und auch jetzt aktuell,nach 100 Jahren dieses Völkermordens,entdeckt man immer wieder Aussagen und Parallelen die betroffen machen.


seaman

http://de.wikipedia.org/wiki/Im_Westen_nichts_Neues




Daher kann man nicht oft genug daran erinnern. Ich "lese" heute einfach mal vor:

Endlich ist der Augenblick da. Wir stehen stramm, und der Kaiser erscheint. Wir sind neugierig, wie er aussehen mag. Er schreitet die Front entlang, und ich bin eigentlich etwas enttäuscht: nach den Bildern hatte ich ihn mir größer und mächtiger vorgestellt, vor allen Dingen mit einer donnernden Stimme.
Er verteilt Eiserne Kreuze und spricht diesen und jenen an. Dann ziehen wir ab.
Nachher unterhalten wir uns. Tjaden sagt staunend: "Das ist nun der Alleroberste, den es gibt. Davor muß dann doch jeder strammstehen, jeder überhaupt!" Er überlegt: "Davor muß doch auch Hindenburg strammstehen, was?"
"Jawoll", bestätigt Kat.
Tjaden ist noch nicht fertig. Er denkt eine Zeitlang nach und fragt: "Muß ein König vor einem Kaiser auch strammstehen?"
Keiner weiß das genau, aber wir glauben es nicht. Die sind beide schon so hoch, daß es da sicher kein richtiges Stammstehen mehr gibt.
"Was du dir für einen Quatsch ausbrütest", sagt Kat. "Die Hauptsache ist, daß du selber strammstehst."
Aber Tjaden ist völlig fasziniert. Seine sehr trockene Phantasie arbeitet sich Blasen.
"Sieh mal", verkündet er, "ich kann einfach nicht begreifen, daß ein Kaiser auch genauso zur Latrine muß wie ich."
"Darauf kannst du Gift nehmen", lacht Kropp.
"Verrückt und drei sind sieben", ergänzt Kat, "du hast Läuse im Schädel, Tjaden, geh du nur selber rasch los zur Latrine, damit du einen klaren Kopp kriegst und nicht wie ein Wickelkind redest."
Tjaden verschwindet.
"Eins möchte ich aber doch noch wissen", sagt Albert, "ob es Krieg gegeben hätte, wenn der Kaiser nein gesagt hätte."
"Das glaube ich sicher", werfe ich ein, - "er soll ja sowieso erst gar nicht gewllt haben."
Na, wenn er allein nicht, dann vielleicht doch, wenn so zwanzig, dreißig Leute in der Welt nein gesagt hätten."
"Das wohl", gebe ich zu, "Aber die haben ja gerade gewollt."
"Es ist komisch, wenn man sich das überlegt", fährt Kropp fort, "wir sind doch hier, um unser Vaterland zu verteidigen. Aber die Franzosen sind doch auch da, um ihr Vaterland zu verteidigen. Wer hat nun recht?"
"Vielleicht beide", sage ich, ohne es zu glauben.
"Ja, nun", meint Albert, und ich sehe ihm an, daß er mich in die Enge treiben will, "aber unsere Professoren und Pastöre und Zeitungen sagen, nur wir hätten recht, und das wird ja hoffentlich auch so sein; - aber die französischen Professoren und Pastöre und Zeitungen behaupten, nur sie hätten recht, wie steht es denn damit?"
"Das weiß ich nicht", sage ich, "auf jeden Fall ist Krieg, und jeden Monat kommen mehr Länder dazu."
Tjaden erscheint wieder. Er ist noch immer angeregt und greift sofort wieder in das Gespräch ein, indem er sich erkundigt, wie eigentlich ein Krieg entstehe.
"Meistens so, daß ein Land ein anderes schwer beleidigt", gibt Albert mit einer gewissen Überlegenheit zur Antwort.
Doch Tjaden stellt sich dickfellig. "Ein Land? Das verstehe ich nicht. Ein Berg in Deutschland kann doch einen Berg in Frankreich nicht beleidigen. Oder ein Fluß oder ein Wald oder ein Weizenfeld."
"Bist du so dämlich oder tust du nur so? knurrt Kropp. "So meine ich das doch nicht. Ein Volk beleidigt das andere -"
"Dann habe ich hier nichts zu suchen", erwidert Tjaden, "ich fühle mich nicht beleidigt."
"Dir soll man nun was erklären", sagt Albert ärgerlich, "auf dich Dorfdeubel kommt es doch dabei nicht an."
"Dann kann ich ja erst recht nach Hause gehen", beharrt Tjaden, und alles lacht.
"Ach, Mensch, es ist doch das Volk als Gesamtheit, also der Staat -", ruft Müller.
"Staat, Staat" - Tjaden schnippt schlau mit den Fingern -,
"Feldgendarmen, Polizei, Steuer, das ist euer Staat. wenn du damit zu tun hast, danke schön."
"Das stimmt", sagt Kat, "da hast du zum ersten Mal etwas Richtiges gesagt, Tjaden, Staat und Heimat, da ist wahrhaftig ein Unterschied."
"Aber sie gehören doch zusammen", überlegt Kropp, "eine Heimat ohne Staat gibt es nicht."
"Richtig, aber bedenk doch mal, daß wir fast alle einfache Leute sind. Und in Frankreich sind die meisten Menschen doch auch Arbeiter, Handwerker oder kleine Beamte. Weshalb soll nun wohl ein französischer Schlosser oder Schuhmacher uns angreifen wollen? Nein, das sind nur die Regierungen. Ich habe nie einen Franzosen gesehen, bevor ich hierherkam, und den meisten Franzosen wird es ähnlich mit uns gehen. Die sind ebensowenig gefragt wie wir."
"Weshalb ist dann überhaupt Kreig?" fragt Tjaden.
Kat zuckt die Achseln. "Es muß Leute geben, denen der Krieg nützt."
"Na, ich gehöre nicht dazu", grinst Tjaden.
"Du nicht, und keiner hier."
"Wer denn nur?" beharrt Tjaden. "Dem Kaiser nützt er doch auch nicht. Der hat doch alles, was er braucht."
"Das sag nicht", entgegenet Kat, "einen Krieg hat er bis jetzt noch nicht gehabt. Und jeder größere Kaiser braucht mindestens einen Krieg, sonst wird er nicht berühmt. Sieh mal in deinen Schulbüchern nach."
"Generäle werden auch berühmt durch den Krieg", sagt Detering.
"Noch berühmter als Kaiser", bestätigt Kat.
"Sicher stecken andere Leute, die am Krieg verdienen wollen dahinter", brummt Detering.
"Ich glaube, es ist mehr eine Art Fieber", sagt Albert. "Keiner will es eigentlich, und mit einem Male ist es da. Wir haben den Krieg nicht gewollt, die andern behaupten dasselbe - und trotzdem ist die halbe Welt fest dabei."
"Drübern wird aber mehr gelogen als bei uns", erwidere ich, "Denkt mal an die Flugblätter der Gefangenen, in denen stand, daß wir belgische Kinder fräßen. Die Kerle, die so was schreiben, sollten sie aufhängen. Das sind die wahren Schuldigen."
Müller steht auf. "Besser auf jeden Fall, der Krieg ist hier als in Deutschland. Seht euch mal die Trichterfelder an!"
"Das stimmt", pflichtet selbst Tjaden bei, "aber noch besser ist gar kein Krieg."
Er geht stolz davon, denn er hat es uns Einjährigen nun mal gegeben. Und seine Meinung ist tatsächlich typisch hier, man begegnet ihr immer wieder und kann auch nichts Rechtes darauf entgegnen, weil mit ihr gleichzeitig das Verständnis für andere Zusammenhänge aufhört. Das Nationalgefühlt des Muskoten besteht darin, daß er hier ist. Aber damit ist es auch schon zu Ende, alles andere beurteilt er praktisch und aus seiner Einstellung heraus.
Albert legt sich ärgerlich ins Gras. "Besser ist, über den ganzen Kram nicht zu reden."
"Wird ja auch nicht anders dadurch", bestätigt Kat.

aus: Erich Maria Remarque. Im Westen nichts Neues.


LG von der Moskwitschka





Diese Passage kam gestern Abend in den Film--Im Westen nichts Neues---vor.Als sich die Soldaten in einer Kampfpause über Krieg unterhielten. Der Film war die Erstausstrahlung und in Schwarzweiß. Hinterher lief eine Sendung,warum der Fim öfters in verkürzter Form ausgestrahlt wurde, wird wohl den Mächtigen nicht gefallen haben.


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#82

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 24.06.2014 13:07
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #81

[...]
Diese Passage kam gestern Abend in den Film--Im Westen nichts Neues---vor.Als sich die Soldaten in einer Kampfpause über Krieg unterhielten. Der Film war die Erstausstrahlung und in Schwarzweiß. Hinterher lief eine Sendung,warum der Fim öfters in verkürzter Form ausgestrahlt wurde, wird wohl den Mächtigen nicht gefallen haben.



Guten Tag,

unsere Gesellschaft liebt die Polarisierung, denn sie bildet «Gefolgschaft(en)» - ein schönes deutsches Wort übrigens, aus einer anderen Zeit..

Pazifismus ist in diesem Blickwinkel unehrenhaft, denn er kann auch zur Desertion führen. Dort enden dann die sehr schönen juristischen Dispute über die «intelligenten» Baionette. Wann wurden Deserteure der deutschen Wehrmacht rehabilitiert, weil sie nicht mehr dem «nationalsozialistischen Unrechtssystem» (politically correct term) dienen wollten... ?

Interessant ist nun, dass irakische Sunniten in der Zeit der amerikanischen Besatzung ausgegrenzt wurden, weil sie auch (Polizei, Armee) nicht desertiert sind.

Ach, diese veränderliche Geography unserer besten aller Welten!
Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#83

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 24.06.2014 13:13
von Moskwitschka (gelöscht)
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Den Mächtigen scheint so einiges nicht zu gefallen. Ich habe vor einiger Zeit auf arte eine österreichische Dokumentation über die Macht der Bilder gesehen. Das hat mein Bild vom 1.Weltkrieg nachhaltig geändert. Denn an was denkt man - an Schützengräben, Soldaten im Dreck, Einsatz von Giftgas, Krankenschwestern in weißen, gestärkten Schürzen, Kriegsinvaliden mit behelfsmäßigen Krücken, traumatiesierte am ganzen Körper zuckende Soldaten, deren Leiden man hilflos gegnüberstand.

Und auf einmal kommen in der Dokumentation Bilder von Hinrichtungen von Zivilisten, die ich spontan dem 2. Weltkrieg zu geordnet hätte. Da wird von einer Magd berichtet, die hingerichtet wurde weil sie im Verdacht stand mit Lichtzeichen dem Feind Nachrichten übermittelt zu haben. Dabei hat sie nur, als sie am Morgen in den Stall zum Kühe melken gegangen ist, dort das Licht angemacht. Geschehen in Jugoslawien.Und das scheint kein Einzelfall gewesen zu sein.

Im ersten Moment habe ich gedacht, was ist an mir in all den Jahren vorbei gegangen. War der erste Weltkrieg soweit weg, dass es mich nicht interessiert hat? Zusätzlich kam hinzu, dass mein Großvater im ersten Weltkrieg in Jugoslawien war. Er hat nicht viel erzählt, denn überschattet war alles von dem Krieg der danach folgte. Er sagte nur immer: "Krieg ist etwas ganz schlimmes. Ich bin heilfroh, dass ich damals verwundet wurde, aus diesem Hexenkessel rauskam und man mich im 2. Weltkrieg wegen meiner Kriegsverletzung nicht wollte."

Ich frage mich nun immer, und die Frage wird nie beantwortet werden - Hat er das gesehen und erlebt, was ich 100 Jahre später auf dem Bildschirm gesehen habe? Hat er davon erzählt oder hat er diese Bilder sein Leben lang mit sich rumgeschleppt? Zumal später noch mehr Grausamkeiten dazu kamen.

Die o.g. Dokumentation beschäftigte mich daher immer wieder. Heute bin ich ihr mal auf die Spur gegangen. Und siehe da. Ich habe nicht weggesehen. Die Bilder vom Leid der Zivilisten im ersten Weltkrieg scheinen ein Tabu zu sein:

Feldpostgrüße von der Hinrichtung: Morde an Zivilisten waren im Ersten Weltkrieg gang und gäbe, doch bis heute sind diese Verbrechen ein Tabu. Dabei gab es Tausende Augenzeugen - Soldaten überlieferten unzählige Fotos von den Gräueltaten.

http://www.spiegel.de/einestages/erster-...g-a-947918.html

Zum Weiterlesen:

Anton Holzer: "Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918", Primus Verlag, Darmstadt, 2. Auflage 2014.

LG von der Moskwitschka


Kalubke hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.06.2014 16:27 | nach oben springen

#84

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 24.06.2014 20:44
von eisenringtheo | 9.187 Beiträge

Viele starben in den Schützengräben an "Fussbrand". Das stelle ich mir schrecklich vor. Man wartet und wartet. Man friert und es ist nass. Die Füsse sterben wegen Kälte und Nässe langsam ab. Das verursacht grauenhaft Schmerzen. Bakterien gelangen in die Blutbahn und man ist innert weniger Stunden tot. - Antibiotika gab es damals noch keine

http://www.science-at-home.net/gallery/h...?album=1&page=1
Theo


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.06.2014 20:45 | nach oben springen

#85

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 25.06.2014 02:44
von Moskwitschka (gelöscht)
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Man kann glaube unzählige Beispiele über das Leid der Soldaten bringen, die im wahrsten Sinne des Wortes Kanonenfutter waren.

Was mich so erschüttert, weil es vielleicht auch eine Bildungslücke von mir ist, dass es bereits im ersten Weltkrieg antislawische und antisemitische Vorurteile in einem Ausmaße gab, die besonders in Jugoslawien bzw. Serbien zu massiver Gewalt gegen die Zivielbevölkerung führte. Die zwar nicht vergleichbar mit dem Vernichtungskrieg 35 Jahre später ist, aber zumindest dort schon die Wurzeln für das brutale Vorgehen gegen als eine "feindlich" eingestellte Zivilbevölkerung hatte.

Das es bei Kriegshandlungen auch immer unzählige Opfer unter der Zivilbevölkerung gibt ist das eine. Das aber systematisch Massaker an der Zivilbevölkeung begangen wurden ist das andere.



In Galizien und in Bosnien wurden viele Zivilisten der eigenen Bevölkerung von der k.u.k. Armee ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Schätzungen vermuten bis zu 60.000 Opfer.[13] Die Vorwürfe waren „russophile“ Neigungen, „Spionage“ und „Kollaboration“ mit dem Feind. Die „Strafaktionen“ und Repressalien gegenüber der Zivilbevölkerung nahmen derart drastische Ausmaße an, dass von einem systematischen Krieg gegen die Zivilbevölkerung gesprochen werden kann. Wie viele zivile Opfer dieser Krieg forderte, ist bis heute nicht bekannt. Zeitgenössische Berichte sprechen allein für die k. u. k. Monarchie von bis zu 36.000 Menschen, die in den ersten Kriegsmonaten am Galgen starben.[14] Zehntausende Ruthenen wurden ins k.k. Internierten-Lager Thalerhof verschleppt.

Am 17. August 1914 kam es im serbischen Städtchen Šabac zu einem Massaker an den Bewohnern. Massenhinrichtungen gab es in den ersten Kriegstagen in zahlreichen nordserbischen Orten; sie erfolgten planmäßig und auf höheren Befehl hin.[14]

In der Region herrschte auch eine rege Partisanentätigkeit. Die Hinrichtung bewaffneter aber nicht als Kombattanten gekennzeichneter Kämpfer war zu dieser Zeit auf allen Kriegsschauplätzen üblich.


http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96sterr...rsten_Weltkrieg

Ich will jetzt nicht weiter darauf rum reiten. Es beschäftigt mich einfach. Und es ist schon ziemlich auffällig, dass man fast alle Einzelheiten des militärischen Verlaufs mit all seinen Opfern und Entbehrungen der beiden Weltkriege kennt, aber die Verbrechen an der Zivilbevölkerung im Osten und Südosten Europas zumindest in unseren Breitengraden in der Erinnerungspolitik kaum eine Rolle spielen.

Es mag sein, dass es von mir eine Bildungslücke ist. Daher finde ich es letztendlich gut, dass 2014 ein Erinnerungsjahr ist, in dem all die Ereignisse in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden. Was der einzelne für sich daraus macht, ist letztendlch jedem selbst überlassen.

Da bekommen aber die Äußerungen von Herr Gauck bei mir einen noch schaleren Beigeschmack, wenn er in den letzten Monaten immer wieder für Auslandseinsätze der Bundeswehr wirbt:

Im Kampf für Menschenrechte oder für das Überleben unschuldiger Menschen sei "es manchmal erforderlich, auch zu den Waffen zu greifen." Da dürfe Deutschland nicht abseits stehen. Schließlich sei Deutschland inzwischen eine "solide und verlässsliche Demokratie und ein Rechtsstaat."

Was waren wir denn vorher - bis vor einem halben Jahr? Barbaren? Das scheint er aber nicht gemeint haben. Also wenn er meint, ich sei nicht solide und nicht verlässlich, weil ich solche Einsätze nicht unterstütze, wie große Teile der deutschen Bevölkerung, dann hat er mal (ungewollt) recht. Mein Vertrauen in den Staat hat erheblich gelitten, nicht zuletzt weil seine Erinnerungspolitik sehr seletiv ist.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 25.06.2014 02:59 | nach oben springen

#86

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 25.06.2014 08:07
von eisenringtheo | 9.187 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #85
(..)

Was mich so erschüttert, weil es vielleicht auch eine Bildungslücke von mir ist, dass es bereits im ersten Weltkrieg antislawische und antisemitische Vorurteile in einem Ausmaße gab, die besonders in Jugoslawien bzw. Serbien zu massiver Gewalt gegen die Zivilbevölkerung führte. (..)
LG von der Moskwitschka



Der Darwinismus kam im 19. Jahrhundert auf. Die Aussage war, dass eine natürliche Selektion stattfindet: Die genetisch "starken" überleben und werden stärker, die "schwachen" werden stärker und sterben aus.
http://de.wikipedia.org/wiki/Darwinismus
So weit so gut. Schon bald kam die Kritik das dieser Mechanismus in der entwickelten, zivilisierten Gesellschaft nicht mehr funktioniert. Geld oder Herkunft können für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Fortkommen wichtiger sein, als die "natürliche" Stärke. Somit bestehe die Gefahr, dass (genetisch) schwache Personen und ganze Völker die Herrschaft übernehmen und die Zivilisation an die Wand fahren würden. Gerne wurde mit dem Untergang der antiken Hochkulturen argumentiert.
Diese weitverbreiteten Überlegungen wurden der Nährboden für Nationalismus und Rassismus: Jede Nation und jede Rasse hielt sich für die beste. Es gab viele populärwisschenschaftliche Pamphlete
http://de.wikipedia.org/wiki/Protokolle_der_Weisen_von_Zion
http://de.wikipedia.org/wiki/Berner_Prozess
Es waren Ideen mit Langzeitwirkung. In den dreissiger Jahren glaubten sehr viele an den Unsinn.
Theo


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#87

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 25.06.2014 09:07
von Stringer49 | 700 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #85

[...]
Und es ist schon ziemlich auffällig, dass man fast alle Einzelheiten des militärischen Verlaufs mit all seinen Opfern und Entbehrungen der beiden Weltkriege kennt, aber die Verbrechen an der Zivilbevölkerung im Osten und Südosten Europas zumindest in unseren Breitengraden in der Erinnerungspolitik kaum eine Rolle spielen.

[...]




Guten Tag,

Wer ist "man"? Wenn das die grosse, schweigende Mehrheit bezeichnet, so sehe ich das auch so. Jedoch gibt es sehr viele Veröffentlichungen dazu und auch, leider weniger (wer bezahlt schon nicht « populäre» Themen ???) Dokumentarfilme. Das ist ein anderes Problem, das Problem der Medienpolitik

Der Genozid an den Armeniern war der französischen Nationalversammlung die Abstimmung eines Gesetzes wert. Dieses Gesetz untersagte das Leugnen des Genozides. Das Verfassungsgericht erkannte dieses Gesetz als verfassungswidrig an (art. 1, Décision n° 2012-647 DC du 28 février 2012). Allerdings hat hier der bemerkenswerte politische Wille versucht, die juristischen Bedingungen ausser Wirkung zu setzen.

Das Wort «Erinnerungspolitik», ich komme auf meinen ersten Absatz zurück, gefällt mir. Es gibt jedoch immer zwei Seiten: Eine Seite betreibt diese Politik, die andere Seite, die «konsumiert», akzeptiert den angebotenen Cocktail von Erinnerungen oder nicht.

Ich sehe gern ARTE und, wenn ich in D. bin, Phönix und die Informationskanäle des ersten und zweiten staatlichen Fernsehens. Ich war (bin) stets überrascht, wie oft und wie direkt die deutsche Okkupationspolitik in Ost- und Südosteuropa gezeigt wird.

Es gab im französischen Fernsehen zwei bemerkenswerte Dokumentation (gegenwärtig wohl mit Erfolg als BlueRay und DVD verkauft) :
Apocalypse, la Première Guerre mondiale (WW 1)
Apocalypse, la seconde guerre mondiale (WW 2)
Dort wird das Leiden der Zivilbevölkerung nicht nur in D. oder F. gezeigt.

Stringer49


Wenn das Wort das Mittel gegen die Stille und das Getöse ist, so ist die Flut der Wörter im Stakkato seine dialektische Umkehrung.


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#88

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 25.06.2014 09:47
von Kalubke | 2.301 Beiträge

Zu #86 wäre vieleicht noch o.T. hinzuzufügen, dass der Mensch fatalerweise dazu neigt, naturwissenschaftliche Erkenntnisse politisch zu mißbrauchen. Nur gut dass das mit der Einsteinschen Relativitätstheorie nicht passiert ist (von der Bombe mal abgesehen). Dazu waren die Politiker offensichtlich zu blöd, diese überhaupt richtig zu kapieren. Sie war auch ungeeignet zur Ausgrenzung von Völkern und Bevölkerungsgruppen. Bei den Klimawissenschaften sieht das schon wieder ganz anders aus. Da konnte man wirtschaftspolitisch was draus machen.

Gruß Kalubke



IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.06.2014 10:01 | nach oben springen

#89

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 12.07.2014 20:06
von Barbara (gelöscht)
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noch ein "bevor ich es vergesse" :-)

eine sehr empfehlenswerte Arte-Doku:

Jean Jaurès. Die Flamme des Sozialismus

http://www.arte.tv/guide/de/048631-000/jean-jaures-die-flamme-des-sozialismus?autoplay=1


Eine der großen französischen Persönlichkeiten, ein leidenschaftlicher Kämpfer gegen den drohenden Weltkrieg, der sein soziales und politisches Engagement - wenige Tage vor Ausbruch des I. WK - mit dem Leben bezahlt hat.


-------

den folgenden Spielfilm habe ich auch noch nicht gesehen:

Jean Jaurès - Mein Leben für Frieden und Gerechtigkeit
http://www.arte.tv/guide/de/051674-000/jean-jaures-mein-leben-fuer-frieden-und-gerechtigkeit
.


damals wars hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#90

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 12.07.2014 20:37
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #71
Zitat von Georg im Beitrag #70
Weitgehend unbeachter Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges ist Mittel- und Südamerika gewesen.


https://amerika21.de/analyse/101012/weltkrieg-amerika?page=1

Nicht vergessen sollte man auch die Kampfhandlungen in und um die deutschen Kolonien/Schutzgebiete in Asien,Afrika und dem Pazifik.

seaman



Im Dschungel von Papua Neuguinea (damals Kaiser- Wilhelm- Land) kapitulierte übrigens der letzte Deutsche.
Hauptmann Hermann Detzner wurde von den Briten am 10. Dezember 1918 in die von ihnen besetzte Station Morobe zitiert und dort festgesetzt, nachdem er sich jahrelang im Urwald versteckt und von Missionaren hat aushalten lassen.
Eigentlich können die Deutschen froh sein, diese Kolonien wieder losgeworden zu sein, sie sollen über all die Zeit mehr Geld verschlungen als eingebracht haben, so die Historiker.
Das Ziel "Überschuß an Menschen" dort anzusiedeln, wurde ebenfalls verfehlt, das Volk ohne Raum hat es eigentlich zu keiner Zeit gegeben.
In den Überseegebieten lebten ganze 24.000 Menschen, die klimatischen Gegebenheiten eigneten sich kaum für eine Besiedlung, man kann es faktisch als eine reine Prestigeangelegenheit abtun.
Natürlich gab es in den völlig unvorbereiteten Kolonien kaum eine nennenswerte Armee, bis auf die Region Kiautschou in China.
Die Schutztruppen vor Ort konnten bestenfalls noch die Einheimischen tyrannisieren, für eine militärische Auseinandersetzung mit europäischen Truppen, z. B. der britischen Militärflotte reichte es bei weitem nicht aus.
Es gab aber auch beinahe schon "freundschaftliche" Aufforderungen, per Übergabeprotokoll das Feld zu räumen wie z. B. gegenüber den australischen Truppen in Papua.
Zu den Kuriositäten dieses Kriegsschauplatzes zählte auch, daß die Deutschen Kolonialherren nach der Räumung der Insel friedlich in ihr kaputtes Deutschland zurück kehren durften, selbst Privateigentum blieb weitgehend unangetastet.

Quelle "Epos" App (Ausgabe Welt- Gruppe) 2014 Kapitel 8 "Weltkrieg im Paradies"



IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 12.07.2014 20:58 | nach oben springen

#91

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 13.07.2014 12:45
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Kalubke im Beitrag #88
Zu #86 wäre vieleicht noch o.T. hinzuzufügen, dass der Mensch fatalerweise dazu neigt, naturwissenschaftliche Erkenntnisse politisch zu mißbrauchen. Nur gut dass das mit der Einsteinschen Relativitätstheorie nicht passiert ist (von der Bombe mal abgesehen). Dazu waren die Politiker offensichtlich zu blöd, diese überhaupt richtig zu kapieren. Sie war auch ungeeignet zur Ausgrenzung von Völkern und Bevölkerungsgruppen. Bei den Klimawissenschaften sieht das schon wieder ganz anders aus. Da konnte man wirtschaftspolitisch was draus machen.

Gruß Kalubke



Hallo Kalubke,

egal ob OT. Ich versteh aber inhaltlich nicht ganz was du meinst, kannst du nochnmal etwas dazu sagen?


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#92

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 13.07.2014 12:49
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Hackel39 im Beitrag #90
Zitat von seaman im Beitrag #71
Zitat von Georg im Beitrag #70
Weitgehend unbeachter Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges ist Mittel- und Südamerika gewesen.


https://amerika21.de/analyse/101012/weltkrieg-amerika?page=1

Nicht vergessen sollte man auch die Kampfhandlungen in und um die deutschen Kolonien/Schutzgebiete in Asien,Afrika und dem Pazifik.

seaman



Im Dschungel von Papua Neuguinea (damals Kaiser- Wilhelm- Land) kapitulierte übrigens der letzte Deutsche.
Hauptmann Hermann Detzner wurde von den Briten am 10. Dezember 1918 in die von ihnen besetzte Station Morobe zitiert und dort festgesetzt, nachdem er sich jahrelang im Urwald versteckt und von Missionaren hat aushalten lassen.
Eigentlich können die Deutschen froh sein, diese Kolonien wieder losgeworden zu sein, sie sollen über all die Zeit mehr Geld verschlungen als eingebracht haben, so die Historiker.
Das Ziel "Überschuß an Menschen" dort anzusiedeln, wurde ebenfalls verfehlt, das Volk ohne Raum hat es eigentlich zu keiner Zeit gegeben.
In den Überseegebieten lebten ganze 24.000 Menschen, die klimatischen Gegebenheiten eigneten sich kaum für eine Besiedlung, man kann es faktisch als eine reine Prestigeangelegenheit abtun.
Natürlich gab es in den völlig unvorbereiteten Kolonien kaum eine nennenswerte Armee, bis auf die Region Kiautschou in China.
Die Schutztruppen vor Ort konnten bestenfalls noch die Einheimischen tyrannisieren, für eine militärische Auseinandersetzung mit europäischen Truppen, z. B. der britischen Militärflotte reichte es bei weitem nicht aus.
Es gab aber auch beinahe schon "freundschaftliche" Aufforderungen, per Übergabeprotokoll das Feld zu räumen wie z. B. gegenüber den australischen Truppen in Papua.
Zu den Kuriositäten dieses Kriegsschauplatzes zählte auch, daß die Deutschen Kolonialherren nach der Räumung der Insel friedlich in ihr kaputtes Deutschland zurück kehren durften, selbst Privateigentum blieb weitgehend unangetastet.

Quelle "Epos" App (Ausgabe Welt- Gruppe) 2014 Kapitel 8 "Weltkrieg im Paradies"





Diese Geschichten von denen, die das Kriegsende nicht mitbekommen haben....

Das ganze Thema Kolonien finde ich übrigens, ganz abgesehen vom I WK, sehr interessant.
Dieser ist ja in vielerlei Hinsicht eine Zeitenwende gewesen.

Ich freu mich Hackel, dass du mal wieder schreibst!
.


Hackel39 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#93

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 13.07.2014 13:21
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #92
Zitat von Hackel39 im Beitrag #90
Zitat von seaman im Beitrag #71
Zitat von Georg im Beitrag #70
Weitgehend unbeachter Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges ist Mittel- und Südamerika gewesen.


https://amerika21.de/analyse/101012/weltkrieg-amerika?page=1

Nicht vergessen sollte man auch die Kampfhandlungen in und um die deutschen Kolonien/Schutzgebiete in Asien,Afrika und dem Pazifik.

seaman



Im Dschungel von Papua Neuguinea (damals Kaiser- Wilhelm- Land) kapitulierte übrigens der letzte Deutsche.
Hauptmann Hermann Detzner wurde von den Briten am 10. Dezember 1918 in die von ihnen besetzte Station Morobe zitiert und dort festgesetzt, nachdem er sich jahrelang im Urwald versteckt und von Missionaren hat aushalten lassen.
Eigentlich können die Deutschen froh sein, diese Kolonien wieder losgeworden zu sein, sie sollen über all die Zeit mehr Geld verschlungen als eingebracht haben, so die Historiker.
Das Ziel "Überschuß an Menschen" dort anzusiedeln, wurde ebenfalls verfehlt, das Volk ohne Raum hat es eigentlich zu keiner Zeit gegeben.
In den Überseegebieten lebten ganze 24.000 Menschen, die klimatischen Gegebenheiten eigneten sich kaum für eine Besiedlung, man kann es faktisch als eine reine Prestigeangelegenheit abtun.
Natürlich gab es in den völlig unvorbereiteten Kolonien kaum eine nennenswerte Armee, bis auf die Region Kiautschou in China.
Die Schutztruppen vor Ort konnten bestenfalls noch die Einheimischen tyrannisieren, für eine militärische Auseinandersetzung mit europäischen Truppen, z. B. der britischen Militärflotte reichte es bei weitem nicht aus.
Es gab aber auch beinahe schon "freundschaftliche" Aufforderungen, per Übergabeprotokoll das Feld zu räumen wie z. B. gegenüber den australischen Truppen in Papua.
Zu den Kuriositäten dieses Kriegsschauplatzes zählte auch, daß die Deutschen Kolonialherren nach der Räumung der Insel friedlich in ihr kaputtes Deutschland zurück kehren durften, selbst Privateigentum blieb weitgehend unangetastet.

Quelle "Epos" App (Ausgabe Welt- Gruppe) 2014 Kapitel 8 "Weltkrieg im Paradies"





Diese Geschichten von denen, die das Kriegsende nicht mitbekommen haben....

Das ganze Thema Kolonien finde ich übrigens, ganz abgesehen vom I WK, sehr interessant.
Dieser ist ja in vielerlei Hinsicht eine Zeitenwende gewesen.

Ich freu mich Hackel, dass du mal wieder schreibst!
.




Nunja, ich bin ja auch in einer Kolonie tätig, zwar überwiegend Deutscher aber hauptsächlich Eisenbahnlegionär, vor allem aber nirgendwo zu Hause.
Aber egal, für die nächsten zehn Tage meiner Abwesenheit, werfe ich mal einen weiteren Schauplatz dieses unerwartet komplexen Kriegsgeschehens in die Diskussion ein, ohne lange daran teilhaben zu können.
Auf einem Teil der eroberten Gebiete verwirklichte Ludendorf seinen Traum von der Schaffung eines Militärstaates, einem Sparta der Neuzeit.
In jenem Bereich Litauens, Kurlands und Teilen Nordpolens mit ca. 3 Mio Einwohnern wollte Ludendorf eine deutsche Verwaltung installieren, die jeden Bereich des Lebens genau regeln sollte und in dem nur das Militär das Sagen hatte, so wie später im GST- Lager oder in der NVA- Kaserne, nur bezogen auf einen gesamten Staat, der sogenannten Region Ober- Ost.
Davon hörte ich beim Studium meiner vormals genannten Quellenangabe ("Epos") zum ersten Mal, immerhin stand ja der erste Weltkrieg seitens der Aufarbeitung immer im Schatten des Hitlerreiches.
In diesem Staat Ober- Ost waren aus der Sicht Ludendorfs die Juden "ziemlich nützlich" als Zwischenhändler, während der Rest der Bevölkerung "dumpfe Masse" war.
Sein Projekt sollte aus diesem Landstrich einen sauberen, disziplinierten, deutschen Musterstaat machen scheiterte natürlich nachdem die Besatzer wieder weg waren, so wie die US- Army später daran scheiterte, dem Irak westliche Vorstellungen von Demokratie herbeizubomben.
Können die nicht einmal vorher in die Geschichtsbücher gucken, bevor sie ihre Bomber bestücken und die Raketengeschütze ausrichten ?
Zwar schuf man Eisenbahnstrecken, entlauste die Bevölkerung und führte eine eigene Währung ein, die Ausbeutung funktionierte perfekt, solange die Besatzer in dieser "Zuchtsstätte" vor Ort waren, eine Lösung für die Ewigkeit wurde es bekanntlich nicht, aber interessant sind solche Nebenschauplätze allemal.
Was mich etwas stutzig machte, war die Fläche dieses Staates und der Umstand, daß jene 108 000 km³ genauso groß war wie die spätere DDR, über die bekanntlich die siegreiche Rote Armee das Sagen hatte und später natürlich die sowjetische Besatzungsmacht.
Leider fand ich nirgends so recht eine Antwort darauf, auf welcher Basis sich die Siegermächte des Deutschen Reiches 1945 ihre Besatzungsflächen gemeinsam ausgemacht hatten,ich denke aber aus beiden identischen Flächen einen Zusammenhang zu konstruieren zu wollen, können wir in das Reich der Spekulation verweisen, oder weiß jemand mehr darüber ?



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#94

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 13.07.2014 14:07
von Barbara (gelöscht)
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Ich muss das in Ruhe nachvollziehen, was du da geschrieben hast, Hackel. Ich habe schonmal eine Karte hochgeladen, damit wir wissen um welches Territorium es sich handelt:






zu Ludendorff, eine der ganz düsteren Figuren des völkisch-nationalistischen Lagers:

[...] Zur Zeit der Weimarer Republik betätigte er sich in der völkischen Bewegung, nahm 1923 am Hitlerputsch teil, war Reichstagsabgeordneter der Deutschvölkischen Freiheitspartei und Mitbegründer des Tannenbergbunds.[...]


http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Kaiserreich


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#95

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 13.07.2014 14:35
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #94
Ich muss das in Ruhe nachvollziehen, was du da geschrieben hast, Hackel. Ich habe schonmal eine Karte hochgeladen, damit wir wissen um welches Territorium es sich handelt:






zu Ludendorff, eine der ganz düsteren Figuren des völkisch-nationalistischen Lagers:

[...] Zur Zeit der Weimarer Republik betätigte er sich in der völkischen Bewegung, nahm 1923 am Hitlerputsch teil, war Reichstagsabgeordneter der Deutschvölkischen Freiheitspartei und Mitbegründer des Tannenbergbunds.[...]


http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Kaiserreich



Ja, Barbara aber das Territorium das gemeint ist schließt sich östlich daran an und zwar mit einer Fläche eben dieser 108.808 km².
Dieses Land war den Besatzern zutiefst unheimlich, es schreckten sie die tiefen Wälder, die Vielfalt der Völker, Sprachen und Religionen.
Es lebten dort Polen, Russen, Juden, Weißrussen und Litauer und man betrachtete diese Völker als zukünftiges Sklavenheer aus dem sich die Juden als nützliche Zwischenhändler abheben sollten.
Nach der Entlausung begann man mit der Bürokratie, es gab ein "Militärisches Paßkommando" das kartierte, vermaß und fotografierte um alle arbeitsfähigen Teile der Kolonie für den Frondienst zu erfassen.
Man führte Steuern und Abgaben ein und erhob Zölle auf Milch, Getreide und Eier und es wurden Waren- Monopole vergeben, alles was wir heute auch schon kennen, nur daß man damals den Hammer nahm und heute die Pinzette.
Ausbeutung bleibt Ausbeutung, das Niveau ist egal und wir sind effektiv keinen Schritt weiter heute.
Es tut uns nur nicht mehr weh, weil diejenigen die es uns heute erträglich machen weit weg sind, sagen wir mal in Bangladesh oder vor Lampedusa, das aber nur nebenbei, ich will am heiligen Sonntag nicht streiten und muß auch gleich los.



zuletzt bearbeitet 13.07.2014 14:37 | nach oben springen

#96

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 14.07.2014 11:10
von Barbara (gelöscht)
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Sieh mal, hier das Territorium auf Karte.


(größer klicken auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Ober_Ost)


Ich habe noch folgenden Artikel dazu gefunden,dort wird noch näher gehend erläutert, was von dir bereits angemerkten Instrumentalisierung-Absichten der jüdischen Bevölkerung in Wahrheit nach sich zog


Im Reich Ober Ost

Vorspiel zum Holocaust: Während des Ersten Weltkriegs führten die Deutschen in den besetzten östlichen Gebieten ein erbarmungsloses Regime. Vor allem die Juden hatten darunter zu leiden

[...]Der großen jüdischen Bevölkerungsgruppe hatte man zu Beginn des Krieges noch Toleranz zugesagt. In einem Aufruf, den die Oberste Leitung der verbündeten deutschen und österreichisch-ungarischen Armeen im Herbst 1914 in Russland verbreiten ließ, hatte sie ihr freie Entfaltung des kulturellen Lebens versprochen. Bis in die Gegenwart hieß diese Proklamation gern "Ludendorff-Aufruf", tatsächlich ging sie auf die Initiative und auf Entwürfe führender deutscher Zionisten zurück.

Juden sind die einzigen, denen die deutsche Armee trauen kann

Die deutschen Zionisten hatten bereits vor dem Krieg ein "Komitee zur Befreiung der russischen Juden" gegründet; Mitte August 1914 war es in "Komitee für den Osten" (KfdO) umbenannt worden. Sie sahen die Ostjuden als "Pioniere deutscher Kultur". "Es ist anerkannt worden", heißt es in einer Denkschrift des KfdO, "daß das Deutschtum in der neuen Ostmark sich auf keine andere Bevölkerungsschicht mit so großem Vertrauen stützen kann als auf die Juden." Anfang Oktober 1914 war eine kleine zionistische Delegation im Hauptquartier Ost empfangen worden. Der Kölner Max Bodenheimer trug Hindenburg und Ludendorff entsprechende Gedanken vor. Die beiden Herren zeigten sich geneigt, zumal die anwesenden Offiziere bestätigten, dass die jüdische Bevölkerungsgruppe die einzige sei, der das deutsche Armee-Kommando trauen könne. Die christlich-polnische Bevölkerung erweise sich hingegen als "wenig zuverlässig".[...]


[...]Bei der Einrichtung von Ober Ost 1915/16, aber auch im Generalgouvernement, waren die Versprechen von Toleranz und Autonomie für die Juden längst vergessen. Militärs und Beamte führten sich wie Kolonialherren auf, die glaubten, "primitive" Völker mit den Segnungen deutscher Kultur beglücken zu können. Vor allem aber begannen die Deutschen in Abstimmung mit der Wirtschaft, kriegswichtige Ressourcen und technisches Gerät zu plündern. Dabei traf es besonders die Juden. Waren und landwirtschaftliche Produkte wurden requiriert, etliche Geschäfte und Fabriken mussten schließen. So raubte man den Juden langfristig ihre Existenzgrundlage und beschleunigte den Verarmungsprozess rapide.

Auch das "Menschenmaterial" selbst geriet in den Blick. Tausende jüdischer Männer und Frauen wurden zur Zwangsarbeit gepresst. Mancher wurde von der Straße weg verschleppt. Wer sich weigerte, so hieß es in einer Bekanntmachung der Besatzungsbehörde, hatte mit empfindlichen Strafen zu rechnen. Beim Entweichen eines "Zivilarbeiters" vom Heimatort drohte Sippenhaft: Aus der betroffenen Familie wurde eine "Ersatzperson" so lange zur Zwangsarbeit herangezogen, bis sich der Entwichene der Ortskommandantur gestellt hatte.[...]



http://www.zeit.de/2014/09/erster-weltkr...tpreussen-juden
.


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#97

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 14.07.2014 21:31
von eisenringtheo | 9.187 Beiträge

Spannendes Dokudrama von 1931
http://de.wikipedia.org/wiki/1914,_die_l...r_dem_Weltbrand
http://www.filmportal.de/film/1914-die-l...a365a6e0a639fb6

(Die ersten sechs Minute der Rede des Professors kann man sich sparen. Er gibt die offizielle Regierungsversion durch...)
Theo


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#98

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 15.07.2014 14:07
von Barbara (gelöscht)
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Puh, für die Doku muss ich mir Zeit nehmen...

Zu der einleitenden Rede aber schonmal:
Die hält Eugen Fischer, "ein deutscher Mediziner, Anthropologe und "Rassenhygieniker"

[...]1933, als Rektor der Berliner Universität, sorgte Fischer für die Entlassung vieler jüdischer Wissenschaftler. 1937 setzte er mit anderen Professoren die (auch damals illegale) Zwangssterilisierung vieler sogenannter „Rheinlandbastarde“ durch.

1934 schrieb er in der badischen Zeitschrift Mein Heimatland, die Bekämpfung der Juden habe nicht das Ziel, „wirtschaftliche Gewinner, geistige Konkurrenz loszuwerden“, sondern es gehe um „die Rettung der Rasse, die das Deutschtum geschaffen (hat), und ihre Reinigung von Fremdem, rassenmäßig anderem, das ihre geistige Entwicklung in andere Bahnen zu bringen drohte und teilweise gebracht hat. Viele persönlich hochachtbare Menschen werden hart und grausam getroffen. Ist das Opfer zu groß, wenn es gilt, ein ganzes Volk zu retten?“[7]

Auf der ersten Tagung der Anthropologie nach dem Kriege in Weingarten 1949 - noch immer wurde er als Kopf des Faches hofiert - gab er die Parole aus: „Über Politik reden wir hier nicht, das haben wir hinter uns“.[...]


[..]Fischer legte Wert darauf, dass die Rassentheorie dem Nationalsozialismus vorausgegangen war. Als ein nationalsozialistischer Redner die Eugenik als Erfindung der NSDAP darstellte, unterbrach ihn der aufgebrachte Fischer mit den Worten: „Sie (die NSDAP) besteht lange nicht so lang wie unsere eugenische Bewegung.[...]


(Welch eine Konkurrenz!)


http://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_Fischer_%28Mediziner%29
-


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#99

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 04.08.2014 19:17
von Barbara (gelöscht)
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http://www.google.de/imgres?imgurl=http%...ved=0CCgQrQMwAg

Wie schnell es letzlich ging...

28. Juni: Attentat von Sarajevo auf Thronfolger Franz Ferdinand
5./6. Juli: „Mission Hoyos“ und der deutsche „Blankoscheck“
20. bis 23. Juli: Besuch der französischen Regierung in St. Petersburg
23. Juli: Österreichisches Ultimatum an Serbien
25. Juli: Russische Einleitung der Teilmobilmachung
25. Juli: Vorbehalte Serbiens gegen Teile des Ultimatums
25. Juli: Serbische Generalmobilmachung
25. Juli: Österreichische Teilmobilmachung
28. Juli: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien
29. Juli: Beschießung Belgrads
29. Juli: Fünfter britischer Vermittlungsvorschlag (von insgesamt sieben): „Halt in Belgrad“
30. Juli: Russische Generalmobilmachung
31. Juli: Österreichische Generalmobilmachung
31. Juli: Deutsches Ultimatum an Russland, seine Mobilmachung einzustellen
31. Juli: Deutsches Ultimatum an Frankreich, sich neutral zu erklären
1. August: Generalmobilmachung und Kriegserklärung Deutschlands an Russland
2. August: Deutsches Ultimatum an Belgien, Deutschland Durchmarschrechte zu gewähren
3. August: Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich
3. August: Einmarsch deutscher Truppen in Belgien
4. August: Kriegserklärung Großbritanniens an Deutschland
6. August: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Russland
8. August: Kriegserklärung Großbritanniens an Österreich-Ungarn

http://www.google.de/imgres?imgurl=http%...ved=0CDQQrQMwBg



Bündnissituation:



http://www.google.de/imgres?imgurl=http%...ved=0CDQQrQMwBg


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#100

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 04.08.2014 19:45
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Erschreckend ist aber auch die Duplizität der Ereignisse vor hundert Jahren bezogen auf die aktuellen Krisenherde, ohne daß man nun gleich eine globale Gefahr sehen muß.
Hätte man das Attentat von Sarajevo schnell gesühnt und Serbien die Drahtzieher ausgeliefert oder anderweitig für Genugtuung in Richtung Österreich gesorgt, so wären die Falken im Käfig geblieben und die gemäßigten Kräfte, die bis zu dessen Tod von Franz Ferdinand angeführt wurden, hätten trotz dieses kriminellen Aktes den Frieden bewahren können.
Natürlich kam zu allem noch das elende Taktieren im Juli 1914 dazu und vor allem die Zusicherung Wilhelms des II. und somit der Deutschen, ein militärisches Vorgehen gegen Serbien zu unterstützen, das war den Falken mit Blick auf Rußland als Verbündeten Belgrads enorm wichtig.
Mir der o.g. Duplizität meine ich übrigens u.a. die aktuellen Ereignisse im Gazastreifen, wo auch nur ein einziger krimineller Akt (auf den viele wohl nur gewartet haben) genügt hatte, um einen solchen Flächenbrand auszulösen.
Die haben nichts, aber auch gar nichts dazu gelernt und machmal kotzt es einen einfach nur an, einer so selten dämlichen Rasse anzugehören.



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