#61

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 25.01.2014 21:35
von Diskus303 | 485 Beiträge

Es muß 1978 gewesen sein, als im Zwickauer Dom Fotografien über die Schrecken des 1. Wetkrieges ausgestellt wurden. Viele Zwickauer Bürger/ Zeitzeugen hattten damals Ihr Fotoalben für die interressierte Öffentlichkeit geöffnet. Es waren wirklich schreckliche Aufmahmen von schwerstverstümmelten Soldaten - sowohl aus der aktiven Kriegszeit als auch aus der frühen Nachkriegszeit. Es war so ziemlich alles zu sehen was man sich (auch nicht) vorstellen kann: Menschen ohne Gliedmaßen (fehlende Hände, Füße Beine Arme), ohne Unterkiefer, ohne Nase, fehlende und/ oder deformierte Schädeldecken, verätzte Gesichter, Gliedmaßen, Oberkörper. .. und, und, und
Und im weiteren Verlauf mußten die meißten dieser Menschen teilweise ohne Hilfsmittel ihr weiteres ziviles Leben bestreiten...
Diese Bilder- so habe ich es in Erinnerung - haben eine bleibenden und nachhaltigen Eindruck des Entsetzens und "Schlechtwerdens" bei mir hinterlassen (es gibt tatsächlich nur noch ein Erlebnis, welches ähnliche "Körperreaktionen" bei mir ausgelöst hatte- das war der Besuch des KZ Buchenwald)


Gruß Axel
zuletzt bearbeitet 25.01.2014 21:36 | nach oben springen

#62

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 26.01.2014 16:23
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Heute Abend gibt es was passendes auf 3 Sat, ab 18:45. Erst "Europas letzter Sommer- Die Julikrise 1914", dann alle Teile von "Weltenbrand".
http://programm.ard.de/TV/Programm/Jetzt...800711436939955


Intellektuelle spielen Telecaster
zuletzt bearbeitet 26.01.2014 16:23 | nach oben springen

#63

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 27.01.2014 12:17
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von diegrenzgängerin im Beitrag #53
Hallo Barbara,
vielleicht wird dieser Sommer ähnlich schön, wie vor hundert Jahren. Mein Großvater, den ich nie kennengelernt habe, starb 1939 an Diabetes, war in diesem Krieg. Meine Stiefgroßmutter , älteste Tochter einer gut gehenden Bauernwirtschaft, arbeitete während des Krieges als Köchin in einem Offizierskasino in Stralsund. Ihre Verehrer, deren Karten sie lange aufbewahrte in einem schönen Holzkästchen und mir zeigte, blieben im Krieg. Das Wort "Gefallen" ist für mich ein Unwort, was die ideologischen Kriegstreiber für den Tod erfunden haben, dann kam noch dahinter, für Volk und Vaterland. Im 2. Weltkrieg gab es keine neuen Worte, nur der Führer war an die Stelle des Volkes gerückt.. Immer noch funktioniert diese Lüge, Menschen bekommen Gänsehaut oder rührselige Augen. Jedenfalls war Omi eine der besten Köchinnen, die ich kenne und von der ich meine Liebe zum Kochen lernte.
Im Juni 2011 waren mein Mann und Ich in Verdun. Ein sehr freundlicher Franzose, der das Freilichtmuseum in Verdun mit aufgebaut hat, informierte uns über den Weg dahin. Es war die Begegnung mit einer Zeit, deren Grauen unter denen der des 2. Weltkriegs begraben war. So kam ich dazu, mich mit der Decke, die über dem Grauen des ersten lag, zu beschäftigen. Mit der Geschichte meines Vaters. Mein Mann und ich reisten nach Polen: Ermland, Masuren. Was ich suchte, die familiären Wurzeln meines Vaters, fand ich nur teilweise. Ich fand etwas anderes. Von Deutschen verlassene Häuser, die immer noch so aussehen, wie 1945. Mein Mann meinte, die Häuser sehen so aus, als ob die jetzigen Besitzer darauf warten würden, dass die wirklichen kommen. Bitte, das hat nichts mit meiner Meinung zu tun, es sind Impressionen, die ich sehr ernst nehme. Der Weg zurück, den wir aus Polen nahmen, mag einer der Wege gewesen sein, den die Flüchtlingstrecks gegangen sind. Wir fuhren in einem Auto, hatten Geld für Essen und Unterkunft. Da musste ich an die denken, die weder das eine noch das andere hatten. Von diesen Menschen gibt es sehr viele, aber nur wenige mit denen man noch reden kann. Wenn ich mich dem Leid der Vergangenen beschäftige, bleibe ich nicht stehen. Ich will etwas tun, um das Leid derer zu mildern, die jetzt meine Hilfe brauchen. Zu meinem 60 Geburtstag sind 100€ gespendet worden, weil ich auf Blumen verzichtete. Die werde ich Waisenkindern spenden und ich hoffe, meine Spende versinkt nicht in dubiosen Kanälen.
Verdun war sehr wichtig für mich, aber auch die Wolfs schanze
alles gehört zusammen, Größenwahn und Betonmanie
Die Bäume haben eine Antwort gefunden, gegen den Beton., den man immer wieder vergeblich zu sprengen versuchte. Auch an diesem Ort werden Geschäfte gemacht, man kann sich in Wehrmacht - oder SS-Uniform fotografieren lassen., kann polnische Führer mieten, um in die Nähe des Führer-Bunkers zu kommen. Im April 2012 April war das kleine Restaurant noch geschlossen, sonst hätten wir speisen können, wie der GRÖFAZ und seine Getreuen. Das wäre mir egal gewesen, denn nach dem langen Entdeckungs-rundgang, war ich sehr hungrig Auf dem Weg zurück, entdeckten wir in den Wäldern weitere Reste von Betonbauten. Alle sahen so aus, also ob ein Riesenvogel, diese Bauten aus der Luft abgelegt hätte. Aber es gab keine Riesenvögel. Es gab die KZ-Häftlinge, die diese übermenschlichen Leistungen erbringen mussten, im Angesicht ihres nahenden Todes.
Die Mauer war auch aus Beton. Ein guter Baustoff, für das Wohnungsbauprogramm der DDR, von dem auch ich 1988 profitierte, genug Wohnraum für unsere Familie in Berlin Ahrensfelde. Das Wort Betonköpfe, mag ich nicht, wenn es sich auf die Menschen bezieht, die in der DDR den überwiegenden Teil ihres Lebens gestaltet haben und es nicht mehr schaffen, umzudenken, oder sich anzupassen. Niemals hat jemand, z.B. die Regierung der BRD, zuständig für beide deutschen Staaten, die Bürger der alten BRD aufgefordert, mit uns oder über uns nachzudenken. Wo sind also die Betonköpfe? Als Frau, die den überwiegenden Teil ihres Lebens in der DDR verbracht habe, erlebte ich viele Diskriminierungen, ungefragt war meine Biografie, das was ich geleistet habe, die Rentenversicherung lässt grüßen. Die drastische Konsequenz bei der Aufarbeitung der Geschichte der DDR, ist für mich ein Versuch, die mangelnde und inkonsequente Aufarbeitung des dritten Reiches wieder gurt zu machen. Aber nicht mehr auf meine Kosten und da meine ich persönlich Herrn Gauck, zu dem ich 0 Vertrauen habe, weil er über Dinge redet, von denen er keine Ahnung hat und nur darauf bedacht , gemocht zu werden, einfach widerlich. Tut so, als ob er in der DDR ein scheiß Leben gehabt hat. Wer soll das denn glauben? Ist mit seiner Frau noch verheiratet, vermutlich wegern der Rente, kann er ja gerne machen, aber er hat eine andere öffentliche Partnerin. Was will der mir von Anstand und Moral erzählen?
Nichts
Ich mach was ich will, denn ich bin der Bundespräsident, Hallo, kommt Euch das bekannt vor ? sage nur Eva von....
Grüße von Karin




Hallo Karin,

vielen Dank für deinen ausführlichen uns sehr persönlichen Beitrag.
Die Beschreibungen deiner "Ortsbegehungen" sind sehr berührend und machen wieder einmal mehr als deutlich, wie sehr alles zusammenhängt. Dass das Aufarbeiten von Geschichte mit dem Aufschreiben von Jahreszahlen und dem Aufzeigen von Fakten nicht getan ist.

Gerade was das das 20 Jht. angeht habe ich bei manchen Themen den Eindruck, dass erst jetzt die nötige zeitliche Distanz erreicht wurde, dass man wirklich darüber sprechen kann, alle Facetten benennen kann, das Tabus gebrochen werden können.
Als Beispiel: auch im Westen wurden die Vertriebenen z.T. ausschließlich als Reaktionäre, ewig Gestrige gesehen, statt sich der Tatsache zu stellen, dass diese Menschen ebenfalls großes Leid erlebt haben, dass sie mit ihrer gesamten Existenz bezahlt haben für die Verbrechen der Nazis, viel mehr als andere.

Ich finde sehr schön, dass du schreibst, ihr hättet einen "freundlichen Franzosen" als Begleiter in Verdun gehabt,

Dass Menschen lernen, miteinander zu sprechen, unterschiedliche Perspektiven aushalten können, das Leid des Anderen anerkennen, um Gemeinsamkeit herzustellen, auch z.B. durch gemeinsames Trauern.

Ich glaube, "der Frieden" wird durch solche Begegnungen viel mehr befördert, als durch große Gesten.

Herzlichen Gruß!
Barbara


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#64

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 27.01.2014 12:44
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #47
danke für das interessante Thema, liebe Barbara.
Ich habe diese Dokumentation "Die Stille vor dem Sturm" ebenfalls gesehen.
Aus dieser Darstellung entnahm ich, dass auch die bürgerliche Welt, die Intellektuellen von einer gewissen Begeisterung für den Krieg angesteckt wurden, was mich ein wenig erschreckte. Zu lange hatte offensichtlich der Frieden vorher gedauert, eine gewisse Ahnungslosigkeit ob des kommenden Grauens war für mich herauszuhören. Nach dieser Erfahrung "Weltkrieg" sah es etwas anders aus - ich möchte hier einen Literaten zu Wort kommen lassen, den ich persönlich sehr schätze:

Drei Minuten Gehör!




Drei Minuten Gehör will ich

von euch, die ihr arbeitet –!


Von euch, die ihr den Hammer schwingt,

von euch, die ihr auf Krücken hinkt,

von euch, die ihr die Feder führt,

von euch, die ihr die Kessel schürt,

von euch, die mit den treuen Händen

dem Manne ihre Liebe spenden –

von euch, den Jungen und den Alten –:

Ihr sollt drei Minuten inne halten.

Wir sind ja nicht unter Kriegsgewinnern.

Wir wollen uns einmal erinnern.



Die erste Minute gehöre dem Mann.

Wer trat vor Jahren in Feldgrau an?

Zu Hause die Kinder – zu Hause weint Mutter ...

Ihr: feldgraues Kanonenfutter –!

Ihr zogt in den lehmigen Ackergraben.

Da saht ihr keinen Fürstenknaben:

der soff sich einen in der Etappe

und ging mit den Damen in die Klappe.

Ihr wurdet geschliffen. Ihr wurdet gedrillt.

Wart ihr noch Gottes Ebenbild?



In der Kaserne – im Schilderhaus

wart ihr niedriger als die schmutzigste Laus.

Der Offizier war eine Perle,

aber ihr wart nur ›Kerle‹!

Ein elender Schieß- und Grüßautomat.

»Sie Schwein! Hände an die Hosennaht –!«

Verwundete mochten sich krümmen und biegen:

kam ein Prinz, dann hattet ihr stramm zu liegen.

Und noch im Massengrab wart ihr die Schweine:

Die Offiziere lagen alleine!

Ihr wart des Todes billige Ware ...

So ging das vier lange blutige Jahre.

Erinnert ihr euch –?



Die zweite Minute gehöre der Frau.

Wem wurden zu Haus die Haare grau?

Wer schreckte, wenn der Tag vorbei,

in den Nächten auf mit einem Schrei?

Wer ist es vier Jahre hindurch gewesen,

der anstand in langen Polonaisen,

indessen Prinzessinnen und ihre Gatten

alles, alles, alles hatten – –?

Wem schrieben sie einen kurzen Brief,

dass wieder einer in Flandern schlief?

Dazu ein Formular mit zwei Zetteln ...

wer mußte hier um die Renten betteln?

Tränen und Krämpfe und wildes Schrein.

Er hatte Ruhe. Ihr wart allein.

Oder sie schickten ihn, hinkend am Knüppel,

euch in die Arme zurück als Krüppel.

So sah sie aus, die wunderbare

große Zeit – vier lange Jahre ...

Erinnert ihr euch –?



Die dritte Minute gehört den Jungen!

Euch haben sie nicht in die Jacken gezwungen!

Ihr wart noch frei! Ihr seid heute frei!

Sorgt dafür, dass es immer so sei!

An euch hängt die Hoffnung. An euch das Vertraun

von Millionen deutschen Männern und Fraun.

Ihr sollt nicht strammstehn. Ihr sollt nicht dienen!

Ihr sollt frei sein! Zeigt es ihnen!

Und wenn sie euch kommen und drohn mit Pistolen –:

Geht nicht! Sie sollen euch erst mal holen!

Keine Wehrpflicht! Keine Soldaten!

Keine Monokel-Potentaten!

Keine Orden! Keine Spaliere!

Keine Reserveoffiziere!

Ihr seid die Zukunft!

Euer das Land!

Schüttelt es ab, das Knechtschaftsband!

Wenn ihr nur wollt, seid ihr alle frei!

Euer Wille geschehe! Seid nicht mehr dabei!

Wenn ihr nur wollt: bei euch steht der Sieg!

– Nie wieder Krieg –!



Diese Zeilen sind von Kurt Tucholsky, geschrieben 1922.

Ich möchte noch ein paar persönliche Erinnerungen anfügen. Die Doku war für mich Anlass, im einem Karton mit alten Familienfotos zu kramen. Leider habe ich nicht mehr gefunden, was ich suchte: Ein Gruppenbild meines Grossvaters im Kreise seiner Kameraden. Zog als Infantrist für "Kaiser, Gott und Vaterland" gen Frankreich. War er begeistert, dass er als junger Mann den Bauernhof allein lassen musste - im Spätsommer, zur Ertezeit ? Ich weiss es nicht, ich habe ihn nie danach gefragt - ich war noch ein Kind, als er Mitte der 60er Jahre starb.
Ich habe allerdings noch die Worte meines Vaters, Jahrgang 1922, in Erinnerung, als er von den grauenvollen Schlachten an der Ostfront des 2. Weltkrieges sprach, die er als Artilleriesoldat miterleben musste. Er hat die traumatischen Erlebnisse nie verwunden.
Ich war die 3.Soldatengeneration in der Familie und habe an der Nahtstelle der damaligen Weltmächte gestanden.
Hier hatte ich schon mal niedergeschrieben, welche Gedanken mir damals durch den Kopf gingen:
Ein Sommertag in der Rhön
Zum Glück gibt es keine 4.Soldatengeneration im meier Familie - meinem Sohn, Jahrgang 1980, ist es bisher erspart geblieben. Und ich wünsche mir, dass es so bleibt und auch meine Enkel keine Uniform anziehen müssen.

Gruss Hartmut






Vielen Dank lieber Hartmut, für Tucholsky und auch für deine persönlichen Gedanken und Erinnerungen.

Ein schönes Wort übrigens : sich er-"innern".

-----

Ich möchte Hartmuts Beitrag zum Anlass nehmen, nochmal den ganz oben genannten Aspekt der - in diesem Falle intellektuellen - Kriegsbegeisterung aufzugreifen.

In der Bundeskunsthalle in Bonn wird noch bis zum Februar die Ausstellung „Avantgarden im Kampf gezeigt“.
Sie verfolgt anhand zeitgenössischer Kunstwerke die Frage: was war der I Weltkrieg für die Kunst, was war er für die Künstler und vor allem, welche Haltung hatten sie zu ihm.
Neben der Tatsache, dass man dort die „Who is Who“ der sog Klassischen Moderne sehen kann, ist es doch beeindruckend zu erfahren, wie positiv zumindest einige einen Krieg - im Vorhinein! - gesehen haben.

Als Beispiel: Käthe Kollwitz und ihr Ehemann haben ihren 18-jährigen Sohn darin bestärkt (und sogar dafür gesorgt), in den Krieg zu ziehen. Er fiel sehr früh und wir wissen, was Kollwitz im Nachhinein für beindruckende Kunstwerke gegen den Krieg geschaffen hat.
Andere Künstler wiederum haben in apokalyptischen Bildern den Krieg in seiner ganzen Grausamkeit schon Jahre vorher dargestellt.

Ein Auszug aus der Website zur Ausstellung:
„Die Ausstellung untersucht das Schicksal der modernen Kunst in ihrem Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg. Während vor dem Krieg die europäischen Avantgarden einen engen Austausch untereinander pflegten, zerstörte der große Krieg dieses fruchtbare Zusammenspiel auf brutale Weise. Schon vor 1914 kamen in Deutschland und Österreich bedrückende Endzeitgedanken auf, andererseits finden sich vielfach Kampfmotive. Zahlreiche Künstler gingen zunächst mit Begeisterung in den Krieg – aus durchaus unterschiedlichen Gründen. Das eigentliche, das tragische Ereignis für die Moderne war der Zusammenbruch des internationalen Zusammenwirkens der Künstler: Viele von ihnen zogen aus dem Atelier ins Feld, manche von ihnen fielen. Während einige Künstler die avantgardistische Formensprache bei der militärischen Camouflage einsetzten, fertigten andere patriotisch-volkstümliche Bilderbögen.“

http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellu...n-im-kampf.html


Paralell zu dieser Ausstellung kann man dort Fotografien sehen unter dem Thema "Missing sons".

Wie gehen wir mit der Erinnerung um angesichts von Millionen Kriegstoten, deren Körper oft gar nicht mehr auffindbar waren, die keine Gräber haben... Was bleibt von ihnen und was sagt ihr Schicksal der Nachwelt auch heute.

Es geht hier nicht nur um die Toten aus den beiden Weltkriegen, sondern überhaupt um die Opfer von großen politisch motivierten Gewalttaten, zum Beispiel auch um die während der Militärdiktatur in Argentinien verschwundenen Zivilisten....
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seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#65

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 04.02.2014 00:07
von Moskwitschka (gelöscht)
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Ein Tipp:

Europeana 1914-1918 – Unbekannte Geschichten und offizielle Dokumente zum Ersten Weltkrieg

Entdecken Sie Geschichten, Filme und andere historische Dokumente zum Ersten Weltkrieg und tragen Sie Ihre eigene Familiengeschichte bei. Europeana 1914-1918 vereinigt Materialien aus Bibliotheken und Archiven aus aller Welt mit privaten Erinnerungsstücken von Familien aus ganz Europa. Entdecken. Lernen. Recherchieren. Nutzen. Teilen.


http://www.europeana1914-1918.eu/de

LG von der Moskwitschka


seaman und eisenringtheo haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.02.2014 00:08 | nach oben springen

#66

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 04.02.2014 00:12
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #65
Ein Tipp:

Europeana 1914-1918 – Unbekannte Geschichten und offizielle Dokumente zum Ersten Weltkrieg

Entdecken Sie Geschichten, Filme und andere historische Dokumente zum Ersten Weltkrieg und tragen Sie Ihre eigene Familiengeschichte bei. Europeana 1914-1918 vereinigt Materialien aus Bibliotheken und Archiven aus aller Welt mit privaten Erinnerungsstücken von Familien aus ganz Europa. Entdecken. Lernen. Recherchieren. Nutzen. Teilen.


http://www.europeana1914-1918.eu/de

LG von der Moskwitschka


Gute Sache!

seaman


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#67

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 20.05.2014 21:04
von Barbara (gelöscht)
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Mit Jubel in die Hölle

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2120282/Mit-Jubel-in-die-Hoelle#/beitrag/video/2120282/Mit-Jubel-in-die-Hoelle


Mit ungewöhnlich vielen (wahrscheinlich nachkolorierten) Dokumentarfilmsequenzen von 1914.....


Schuddelkind hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#68

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 27.05.2014 14:53
von Barbara (gelöscht)
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Bertha von Suttner: Ein Leben für den Frieden

"Das Jahr 2014 steht in ganz Europa im Zeichen des Gedenkens an den Weltkrieg der Jahre 1914–1918. Wenig wird hingegen über die bedeutende Friedensaktivistin Bertha von Suttner geschrieben, die diesen Krieg verhindern wollte.

Im Jahr 1905 wurde erstmals der Friedensnobelpreis verliehen – an Bertha von Suttner.

Wer war diese Frau, die als erste Frau und einzige Österreicherin den Friedensnobelpreis erhalten hat?

Bertha Felicita Sophie Kinsky wurde am 9. Juni 1843 in Prag in einer Familie mit langer militärischer Tradition geboren. Verheiratet war sie mit Artur von Suttner, sieben Jahre jünger und ihre große Lebensliebe. Schicksalhaft war ihre Begegnung mit Alfred Nobel, für den sie kurz als Sekretärin in Paris arbeitete. Bis zu seinem Tode verband sie eine enge Freundschaft mit ihm. Es war ihr Einfluss, welcher den Erfinder des Dynamits dazu bewegte, einen Preis auch für denjenigen zu stiften, der am meisten zur Verbrüderung der Völker beiträgt und sich um den Frieden verdient macht."

Die Waffen nieder

Bertha von Suttner gelang es, eine bedeutende Rolle als Frau zu spielen und weltweit das Wort zu ergreifen, als das gesellschaftliche Bild einer Frau noch ein ganz anderes war. Frauen hatten kein Wahlrecht, keinen Zugang zu öffentlichen Ämtern und Universitäten.
Ihre größte Aufgabe sah sie darin, dem Krieg den Krieg zu erklären und den Frieden zu erhalten.

1889 erschien ihr elftes Buch, welches Suttner mit einem Schlag weltberühmt machen sollte: „Die Waffen nieder“. Eine Anklageschrift gegen die Gräuel des Krieges. Ihr Roman wurde sofort zum Bestseller und in alle Sprachen der Welt übersetzt. „Die Waffen nieder“ gab weltweit der Friedensbewegung großen Auftrieb und von nun an fand sie selbst in den höchsten politischen Kreisen Anerkennung.

Bertha von Suttner gründete 1891 die österreichische Friedensgesellschaft, mit Alfred Fried gründete sie die deutsche Friedensgesellschaft sowie eine ungarische. Sie war Mitbegründerin des internationalen Friedensbüros in Bern und Mitorganisatorin der ersten Friedenskonferenz in Den Haag 1899, an der sie auch selbst teilnehmen konnte. Sie war zu dieser Zeit nicht nur die berühmteste Österreicherin, sondern auch die bekannteste Frau Europas und wurde in Amerika als die bedeutendste Europäerin anerkannt.

Die Friedensnobelpreisträgerin kämpfte mit ihrer gesamten Persönlichkeit und ihrem Sein gegen den Krieg und für die Idee des Friedens. Sie starb am 21. Juni 1914. Sieben Tage nach ihrem Tod fielen die Schüsse in Sarajevo und der Erste Weltkrieg begann.

Auch wenn Bertha von Suttner den Ersten Weltkrieg nicht verhindern konnte, so war ihr Kampf doch nicht umsonst. Wesentliche Institutionen der Friedenssicherung und der internationalen Zusammenarbeit gehen auf ihre Anregungen zurück. Man kann auch davon ausgehen, dass die Schaffung der Europäischen Union und die Gründung der Vereinten Nationen ganz in ihrem Sinne wären.

Viele Rechte der Frauen gehen ebenso auf ihre unermüdlichen Bemühungen zurück. Mit der Währungsumstellung in Österreich auf den Euro ist das Bild Bertha von Suttners auf der Tausend-Schilling-Note verloren gegangen. Es ist zu hoffen, dass diese bedeutende Persönlichkeit trotzdem nicht in Vergessenheit gerät.





gelesen in:

http://kurier.at/meinung/kommentare/gast...eden/62.848.179

Foto:
http://www.google.de/imgres?imgurl=http%...ved=0CGsQrQMwBA


seaman, Rainman2 und katerjohn haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#69

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 27.05.2014 18:50
von FRITZE (gelöscht)
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heute in der ARD 21.45 Uhr

"14-Tagebücher des Ersten Weltkrieges ! "


glasi hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#70

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 07:38
von Georg | 1.003 Beiträge

Weitgehend unbeachter Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges ist Mittel- und Südamerika gewesen.


Einen Dummen anzuhören ist anstrengender, als einen Klugen zu widersprechen. ( W.Eckert )
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#71

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 07:45
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Georg im Beitrag #70
Weitgehend unbeachter Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges ist Mittel- und Südamerika gewesen.


https://amerika21.de/analyse/101012/weltkrieg-amerika?page=1

Nicht vergessen sollte man auch die Kampfhandlungen in und um die deutschen Kolonien/Schutzgebiete in Asien,Afrika und dem Pazifik.

seaman


zuletzt bearbeitet 28.05.2014 07:48 | nach oben springen

#72

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 12:29
von SET800 | 3.094 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #1

Was waren die Ursachen für diesen Krieg - nach einer vergleichsweise längeren friedlichen Periode in Europa?

Kunst und Kultur waren in voller Blüte, der technische Fortschritt rasant, in der Wissenschaft gab es bahnbrechende Entdeckungen, das Tempo beschleunigte sich, die Zeit stand auf „Zukunft“ gerichtet.

Neben den aufzählbaren Gründen von (geo-)politischen Interessen, Nationalismus und Militarismus und sozialer Spannungen:
Warum gab es dieses freudige und erwartungsvolle Marschieren in den Krieg? Durch alle gesellschaftlichen Gruppen hindurch?
Wie wird „die Lust am Krieg“ erzeugt?




Wie, erfolgreiche Propaganda! Durch die Brille Rosa Luxemburgs betrachtet: Die Mächtigen sahen in der Emanzipation der Sozialdemokratie in vielen europäsichen Ländern ( 2. Internationale ) ihre Felle, Pfründe und Privilegien davonschwimmen. Ein kleiner Krieg kam da gerade recht, das der größer und schrecklich wurde war nicht vorstellbar. Schreckgespenst für die Mächtigen war die wachsende internationale Solidarität der Arbeiterschaft, nach meiner Ansicht wäre 5 Jahre später ein Krieg von den Völkern verweigert worden, steigender Wohlstand, Reisemöglichkeiten liessen Solidarität anwachsen.

Für die Reaktionäre in England, Frankreich, und den drei Kaiserreichen war das die letzte Gelegenheit...., allerdings verkalkuliert mit einem fürchterlichen Preis für die Völker.



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#73

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 13:17
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von FRITZE im Beitrag #69
heute in der ARD 21.45 Uhr

"14-Tagebücher des Ersten Weltkrieges ! "



Fritze, danke für den Tipp, das ist wirklich empfehlenswert.



"Der Erste Weltkrieg gilt heute als die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts. Er hinterließ Millionen von Toten und auf Jahre verwüstete Landschaften, führte zum Untergang alter Monarchien und legte den Keim für den noch gewaltigeren Zweiten Weltkrieg.

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal.
Aus diesem Anlass präsentieren ARTE und Das Erste die mehrteilige Fernsehproduktion und das multimediale Webspecial
"14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs".

Ab dem 29. April beleuchtet dieser große Themenschwerpunkt im Fernsehen und Web den bis dahin größten Krieg der Menschheit – "zum ersten Mal aus multinationaler Perspektive und aus der Sicht von Menschen, die ihn erlebt haben."


Die Homeopage zu diesem Projekt:
http://www.14-tagebuecher.de/page/de/about/

Auch hier wieder sehr viel Dokumentafilmmaterial, neu bearbeitet.




Die erste Folge in der Mediathek:

Hier werden u.a. Auszüge aus dem Tagebuch von Käthe Kollwitz zitiert und von dem eines jungen russischen Mädchens, das seinen Vater in den Krieg ziehen sieht...

Käthe Kollwitz
“Die Jungen werden in diesem Tollwerden doch nicht mittun! Dann wie ein kalter Strahl: Sie müssen.“


Marina Yurlova
“Ich schrie nach den Händen meiner Mutter, den kühlsten Händen der Welt...“


Angucken 1. Folge:

http://www.ardmediathek.de/tv/14-Tageb%C...castId=20282330


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#74

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 13:18
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Georg im Beitrag #70
Weitgehend unbeachter Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges ist Mittel- und Südamerika gewesen.




Darüber weiß ich ehrlich gestanden gar nichts...


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#75

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 13:29
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von SET800 im Beitrag #72
Zitat von Barbara im Beitrag #1

Was waren die Ursachen für diesen Krieg - nach einer vergleichsweise längeren friedlichen Periode in Europa?

Kunst und Kultur waren in voller Blüte, der technische Fortschritt rasant, in der Wissenschaft gab es bahnbrechende Entdeckungen, das Tempo beschleunigte sich, die Zeit stand auf „Zukunft“ gerichtet.

Neben den aufzählbaren Gründen von (geo-)politischen Interessen, Nationalismus und Militarismus und sozialer Spannungen:
Warum gab es dieses freudige und erwartungsvolle Marschieren in den Krieg? Durch alle gesellschaftlichen Gruppen hindurch?
Wie wird „die Lust am Krieg“ erzeugt?




Wie, erfolgreiche Propaganda! Durch die Brille Rosa Luxemburgs betrachtet: Die Mächtigen sahen in der Emanzipation der Sozialdemokratie in vielen europäsichen Ländern ( 2. Internationale ) ihre Felle, Pfründe und Privilegien davonschwimmen. Ein kleiner Krieg kam da gerade recht, das der größer und schrecklich wurde war nicht vorstellbar. Schreckgespenst für die Mächtigen war die wachsende internationale Solidarität der Arbeiterschaft, nach meiner Ansicht wäre 5 Jahre später ein Krieg von den Völkern verweigert worden, steigender Wohlstand, Reisemöglichkeiten liessen Solidarität anwachsen.

Für die Reaktionäre in England, Frankreich, und den drei Kaiserreichen war das die letzte Gelegenheit...., allerdings verkalkuliert mit einem fürchterlichen Preis für die Völker.




Bestimmt ist das auch eine der Ursachen für den Krieg.
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#76

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 13:56
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

"erfolgreiche Propaganda".... nur mal so zum Nachdenken, wie man damit Feindbilder schafft:
"Asylflut stoppen - Grenzen sichern !" - les ich auf den Wahlplakaten einer gewissen Partei.
Und schon hat der Nachplapperer wieder ein Feindbild und es kann wieder losgehen.
Man braucht dann nur noch die Mehrheit, die nichts mehr hinterfragt.
Die Geschichte wiederholt sich, leider... sobald die Generation, die das vorige Desaster miterlebt hat, verstorben ist.
Traurig.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
Lutze hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#77

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 14:02
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Jobnomade im Beitrag #76

"erfolgreiche Propaganda".... nur mal so zum Nachdenken, wie man damit Feindbilder schafft:
"Asylflut stoppen - Grenzen sichern !" - les ich auf den Wahlplakaten einer gewissen Partei.
Und schon hat der Nachplapperer wieder ein Feindbild und es kann wieder losgehen.
Man braucht dann nur noch die Mehrheit, die nichts mehr hinterfragt.
Die Geschichte wiederholt sich, leider... sobald die Generation, die das vorige Desaster miterlebt hat, verstorben ist.
Traurig.

Gruss Hartmut




So ist es Hartmut!

Zumal wenn wir uns erinnern, welchern "Auftakt" der 1. Wk für das 20. Jhdt. bedeutete! Das entfesselte Gewalt umso mehr Gewalt entfesselt...
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zuletzt bearbeitet 28.05.2014 14:05 | nach oben springen

#78

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 14:24
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Ja, noch ist es nicht zu spät.
Wir sollten wachsam sein, Zivilcourage bewahren.....
solange solche Gesetze noch nicht per "Ermächtigung" http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/ermaechtigungsgesetz/
abgeschafft sind:
- Grundgesetz Artikel 21 http://dejure.org/gesetze/GG/21.html
und
- Strafgesetz § 130 http://dejure.org/gesetze/StGB/130.html

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#79

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 28.05.2014 21:38
von FRITZE (gelöscht)
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Ich sehe seit 20.15 Uhr "Auf den Schienen des Doppeladlers " auf 3 Sat.
Sehr interessante Dokumentation über die Eisenbahn in der K.u K.Monarchie .
Auch mit viel Hintergrundwissen zu Bahn und I. Weltkrieg .


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#80

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 24.06.2014 11:36
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von seaman im Beitrag #14
Beeindruckend ist für mich immer wieder:
Der Roman von Erich Maria Remarque,Im Westen nichts Neues, der die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert.
Habe dieses Buch mehrfach gelesen.Als Jugendlicher,als junger Soldat,als Erwachsener mit den unterschiedlichsten Erfahrungen zum Thema Krieg und auch jetzt aktuell,nach 100 Jahren dieses Völkermordens,entdeckt man immer wieder Aussagen und Parallelen die betroffen machen.


seaman

http://de.wikipedia.org/wiki/Im_Westen_nichts_Neues




Daher kann man nicht oft genug daran erinnern. Ich "lese" heute einfach mal vor:

Endlich ist der Augenblick da. Wir stehen stramm, und der Kaiser erscheint. Wir sind neugierig, wie er aussehen mag. Er schreitet die Front entlang, und ich bin eigentlich etwas enttäuscht: nach den Bildern hatte ich ihn mir größer und mächtiger vorgestellt, vor allen Dingen mit einer donnernden Stimme.
Er verteilt Eiserne Kreuze und spricht diesen und jenen an. Dann ziehen wir ab.
Nachher unterhalten wir uns. Tjaden sagt staunend: "Das ist nun der Alleroberste, den es gibt. Davor muß dann doch jeder strammstehen, jeder überhaupt!" Er überlegt: "Davor muß doch auch Hindenburg strammstehen, was?"
"Jawoll", bestätigt Kat.
Tjaden ist noch nicht fertig. Er denkt eine Zeitlang nach und fragt: "Muß ein König vor einem Kaiser auch strammstehen?"
Keiner weiß das genau, aber wir glauben es nicht. Die sind beide schon so hoch, daß es da sicher kein richtiges Stammstehen mehr gibt.
"Was du dir für einen Quatsch ausbrütest", sagt Kat. "Die Hauptsache ist, daß du selber strammstehst."
Aber Tjaden ist völlig fasziniert. Seine sehr trockene Phantasie arbeitet sich Blasen.
"Sieh mal", verkündet er, "ich kann einfach nicht begreifen, daß ein Kaiser auch genauso zur Latrine muß wie ich."
"Darauf kannst du Gift nehmen", lacht Kropp.
"Verrückt und drei sind sieben", ergänzt Kat, "du hast Läuse im Schädel, Tjaden, geh du nur selber rasch los zur Latrine, damit du einen klaren Kopp kriegst und nicht wie ein Wickelkind redest."
Tjaden verschwindet.
"Eins möchte ich aber doch noch wissen", sagt Albert, "ob es Krieg gegeben hätte, wenn der Kaiser nein gesagt hätte."
"Das glaube ich sicher", werfe ich ein, - "er soll ja sowieso erst gar nicht gewllt haben."
Na, wenn er allein nicht, dann vielleicht doch, wenn so zwanzig, dreißig Leute in der Welt nein gesagt hätten."
"Das wohl", gebe ich zu, "Aber die haben ja gerade gewollt."
"Es ist komisch, wenn man sich das überlegt", fährt Kropp fort, "wir sind doch hier, um unser Vaterland zu verteidigen. Aber die Franzosen sind doch auch da, um ihr Vaterland zu verteidigen. Wer hat nun recht?"
"Vielleicht beide", sage ich, ohne es zu glauben.
"Ja, nun", meint Albert, und ich sehe ihm an, daß er mich in die Enge treiben will, "aber unsere Professoren und Pastöre und Zeitungen sagen, nur wir hätten recht, und das wird ja hoffentlich auch so sein; - aber die französischen Professoren und Pastöre und Zeitungen behaupten, nur sie hätten recht, wie steht es denn damit?"
"Das weiß ich nicht", sage ich, "auf jeden Fall ist Krieg, und jeden Monat kommen mehr Länder dazu."
Tjaden erscheint wieder. Er ist noch immer angeregt und greift sofort wieder in das Gespräch ein, indem er sich erkundigt, wie eigentlich ein Krieg entstehe.
"Meistens so, daß ein Land ein anderes schwer beleidigt", gibt Albert mit einer gewissen Überlegenheit zur Antwort.
Doch Tjaden stellt sich dickfellig. "Ein Land? Das verstehe ich nicht. Ein Berg in Deutschland kann doch einen Berg in Frankreich nicht beleidigen. Oder ein Fluß oder ein Wald oder ein Weizenfeld."
"Bist du so dämlich oder tust du nur so? knurrt Kropp. "So meine ich das doch nicht. Ein Volk beleidigt das andere -"
"Dann habe ich hier nichts zu suchen", erwidert Tjaden, "ich fühle mich nicht beleidigt."
"Dir soll man nun was erklären", sagt Albert ärgerlich, "auf dich Dorfdeubel kommt es doch dabei nicht an."
"Dann kann ich ja erst recht nach Hause gehen", beharrt Tjaden, und alles lacht.
"Ach, Mensch, es ist doch das Volk als Gesamtheit, also der Staat -", ruft Müller.
"Staat, Staat" - Tjaden schnippt schlau mit den Fingern -,
"Feldgendarmen, Polizei, Steuer, das ist euer Staat. wenn du damit zu tun hast, danke schön."
"Das stimmt", sagt Kat, "da hast du zum ersten Mal etwas Richtiges gesagt, Tjaden, Staat und Heimat, da ist wahrhaftig ein Unterschied."
"Aber sie gehören doch zusammen", überlegt Kropp, "eine Heimat ohne Staat gibt es nicht."
"Richtig, aber bedenk doch mal, daß wir fast alle einfache Leute sind. Und in Frankreich sind die meisten Menschen doch auch Arbeiter, Handwerker oder kleine Beamte. Weshalb soll nun wohl ein französischer Schlosser oder Schuhmacher uns angreifen wollen? Nein, das sind nur die Regierungen. Ich habe nie einen Franzosen gesehen, bevor ich hierherkam, und den meisten Franzosen wird es ähnlich mit uns gehen. Die sind ebensowenig gefragt wie wir."
"Weshalb ist dann überhaupt Kreig?" fragt Tjaden.
Kat zuckt die Achseln. "Es muß Leute geben, denen der Krieg nützt."
"Na, ich gehöre nicht dazu", grinst Tjaden.
"Du nicht, und keiner hier."
"Wer denn nur?" beharrt Tjaden. "Dem Kaiser nützt er doch auch nicht. Der hat doch alles, was er braucht."
"Das sag nicht", entgegenet Kat, "einen Krieg hat er bis jetzt noch nicht gehabt. Und jeder größere Kaiser braucht mindestens einen Krieg, sonst wird er nicht berühmt. Sieh mal in deinen Schulbüchern nach."
"Generäle werden auch berühmt durch den Krieg", sagt Detering.
"Noch berühmter als Kaiser", bestätigt Kat.
"Sicher stecken andere Leute, die am Krieg verdienen wollen dahinter", brummt Detering.
"Ich glaube, es ist mehr eine Art Fieber", sagt Albert. "Keiner will es eigentlich, und mit einem Male ist es da. Wir haben den Krieg nicht gewollt, die andern behaupten dasselbe - und trotzdem ist die halbe Welt fest dabei."
"Drübern wird aber mehr gelogen als bei uns", erwidere ich, "Denkt mal an die Flugblätter der Gefangenen, in denen stand, daß wir belgische Kinder fräßen. Die Kerle, die so was schreiben, sollten sie aufhängen. Das sind die wahren Schuldigen."
Müller steht auf. "Besser auf jeden Fall, der Krieg ist hier als in Deutschland. Seht euch mal die Trichterfelder an!"
"Das stimmt", pflichtet selbst Tjaden bei, "aber noch besser ist gar kein Krieg."
Er geht stolz davon, denn er hat es uns Einjährigen nun mal gegeben. Und seine Meinung ist tatsächlich typisch hier, man begegnet ihr immer wieder und kann auch nichts Rechtes darauf entgegnen, weil mit ihr gleichzeitig das Verständnis für andere Zusammenhänge aufhört. Das Nationalgefühlt des Muskoten besteht darin, daß er hier ist. Aber damit ist es auch schon zu Ende, alles andere beurteilt er praktisch und aus seiner Einstellung heraus.
Albert legt sich ärgerlich ins Gras. "Besser ist, über den ganzen Kram nicht zu reden."
"Wird ja auch nicht anders dadurch", bestätigt Kat.

aus: Erich Maria Remarque. Im Westen nichts Neues.


LG von der Moskwitschka


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