#21

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 22.01.2014 11:06
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Vieles kann man auch kostenlos lesen oder downloaden, da die Urheberrechte erloschen sind oder die Werkevon den Verlagen kostenfrei ins Internet gestellt werden:
http://www.gutenberg.org/files/34099/34099-h/34099-h.htm
https://freeditorial.com/de/books/1726
Theo


seaman und Eisenacher haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#22

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 22.01.2014 13:48
von Barbara (gelöscht)
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Danke erstmal für all eure Beiträge! Vor allem die persönlichen! Und bitte euch auch sehr darum, damit weiter zu machen!

Mir ist wichtig zu sagen: in meinem Eingangsbeitrag wollte ich mit der Frage nach der "Kriegslüsternheit" natürlich nicht die ganze damalige Bevölkerung verunglimpfen und ich weiß, dass eine solche Betrachtung der Atmosphäre vor Ausbruch des Krieges Ergebnis einer gezielten Propaganda-Maschinerie war.



Aber zum Thema, ich habe nochmal nachgelesen, was Wilhelm II in seiner Rede vor dem Reichstag sagte:


"Thronrede Wilhelm II. am 4. August 1914 anlässlich der Eröffnung des Reichstages am 4. August 1914 im Berliner Schloß

In schicksalsschwerer Stunde habe Ich die gewählten Vertreter des deutschen Volkes um Mich versammelt. Fast ein halbes Jahrhundert lang konnten wir auf dem Weg des Friedens verharren. Versuche, Deutschland kriegerische Neigungen anzudichten und seine Stellung in der Welt einzuengen, haben unseres Volkes Geduld oft auf harte Proben gestellt. In unbeirrbarer Redlichkeit hat Meine Regierung auch unter herausfordernden Umständen die Entwicklung aller sittlichen, geistigen und wirtschaftlichen Kräfte als höchstes Ziel verfolgt. Die Welt ist Zeuge gewesen, wie unermüdlich wir in dem Dran und den Wirren der letzten Jahre in erster Reihe standen, um den Völkern Europas einen Krieg zwischen Großmächten zu ersparen.

Die schwersten Gefahren, die durch die Ereignisse am Balkan heraufbeschworen waren, schienen überwunden. Da tat sich mit der Ermordung Meines Freundes, des Erzherzogs Franz Ferdinand, ein Abgrund auf. Mein hoher Verbündeter, der Kaiser und König Franz Joseph, war gezwungen, zu den Waffen zu greifen, um die Sicherheit seines Reichs gegen gefährliche Umtriebe aus einem Nachbarstaat zu verteidigen. Bei der Verfolgung ihrer berechtigten Interessen ist der verbündeten Monarchie das Russische Reich in den Weg getreten. An die Seite Österreich-Ungarns ruft uns nicht nur unsere Bündnispflicht. Uns fällt zugleich die gewaltige Aufgabe zu, mit der alten Kulturgemeinschaft der beiden Reiche unsere eigene Stellung gegen den Ansturm feindlicher Kräfte zu schirmen [...]

Geehrte Herren! Was menschliche Einsicht und Kraft vermag, um ein Volk für die letzten Entscheidungen zu wappnen, das ist mit Ihrer patriotischen Hilfe geschehen. Die Feindseligkeit, die im Osten und im Westen seit langer Zeit um sich gegriffen hat, ist nun zu hellen Flammen aufgelodert. Die gegenwärtige Lage ging nicht aus vorübergehenden Interessenkonflikten oder diplomatischen Konstellationen hervor, sie ist das Ergebnis eines seit langen Jahren tätigen Übelwollens gegen Macht und Gedeihen des Deutschen Reichs. Uns treibt nicht Eroberungslust, uns beseelt der unbeugsame Wille, den Platz zu bewahren, auf den Gott uns gestellt hat, für uns und alle kommenden Geschlechter.[...]

Sie haben gelesen, meine Herren, was Ich an Mein Volk vom Balkon des Schlosses aus gesagt habe. Hier wiederhole Ich: Ich kenne keine Parteien mehr, Ich kenne nur Deutsche.

(Langanhaltendes brausendes Bravo.)

Zum Zeichen dessen, daß Sie fest entschlossen sind, ohne Parteiunterschiede, ohne Stammesunterschiede, ohne Konfessionsunterschiede durchzuhalten mit Mir durch dick und dünn, durch Not und Tod, fordere ich die Vorstände der Parteien auf, vorzutreten und Mir das in die Hand zu geloben."


Aus: Verhandlungen des Reichstages, XIII. Legislaturperiode, II. Session- 1914-1916. Stenographische Berichte, Bd. 306, Berlin 1916, S. 1f.


http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-ge...inn-des-krieges


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#23

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 22.01.2014 13:52
von Barbara (gelöscht)
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Und hier nochmal der ausführlichere Bericht des Pfarrers in Berlin-Moabit, seaman hatte ihn weiter oben schon zitiert, zur Stimmung in seinem Viertel:



"Bericht eines Pfarrers über die Stimmung im Berliner Arbeiterbezirk Moabit, Herbst 1914


Aus den Fenstern hängen jetzt Fahnen heraus, in manchen Häusern bis zu sechs – ein erstaunlicher Anblick für den Kenner der Verhältnisse. Sonst zeigte etwa an Kaisers Geburtstag die ganze Stadt nicht eine einzige Fahne; aus sozialistischen Parteikneipen heraus hört man die Klänge der Wacht am Rhein. Die eigentliche Begeisterung – ich möchte sagen, die akademische Begeisterung, wie sie sich der Gebildete leisten kann, der nicht unmittelbare Nahrungssorgen hat, scheint mir doch zu fehlen. Das Volk denkt sehr real, und die Not liegt schwer auf den Menschen. In den Fabriken wird freilich noch gearbeitet, meist jetzt für das Heer, daher haben noch viele Männer Arbeit – Frauen sind aber massenhaft brotlos geworden. Die Zahl der Eingezogenen ist doch ganz beträchtlich, sie schwankt in den Häusern zwischen 2 und 14, soweit ich habe feststellen können. Ansätze zu revolutionärer Gesinnung sind in keiner Weise vorhanden. Im ganzen muß man sagen; es herrscht eigentlich ein prachtvoller Ernst. Immer wieder hört man sagen: es muß sein, unsre Sache ist gerecht. Der sozialdemokratische Arbeiter ist stolz, daß er seine vaterländische Gesinnung zeigen kann. [...] Kriegslustig ist der sozialistische Arbeiter nicht, aber kriegsentschlossen. Das Kleinbürgertum, das bisher schon national war, ist eher etwas radaumäßig gestimmt. In Genossenschaftskreisen empfindet man teilweise das sittliche Problem des Krieges, auch das Unrechte des Krieges – der normale Kirchenmensch ist leider davon weit entfernt."


Aus: Monatsschrift für die Pastoraltheologie zur Vertiefung des gesamten pfarramtlichen Wirkens, hg. v. D. Paul Wurster und Prof. D. J. Schnell, 11. Jg., 2. Kriegsheft, Nov. 1914, S. 50f.


http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-ge...inn-des-krieges


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#24

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 22.01.2014 14:19
von damals wars | 12.113 Beiträge

Zitat von furry im Beitrag #13
Für Leseratten kann ich den tagebuchähnlichen Roman "Krieg - Nachkrieg" von Ludwig Renn empfehlen.
Hier schildert er seine Erlebnisse im 1. WK und die nachfolgenden politischen Wirren.
Eine Leseprobe:
http://nemesis.marxists.org/pdf/Ludwig%2...20-%20Krieg.pdf


Und zur Vorbereitung des Krieges "Adel im Untergang"!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#25

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 22.01.2014 14:22
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Ansprache seiner kaiserlichen Majestät, Wilhelm II:

https://archive.org/details/1914-08-xx-K...s-deutsche-Volk
Theo


IM Kressin hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.01.2014 14:23 | nach oben springen

#26

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 22.01.2014 14:23
von damals wars | 12.113 Beiträge

http://www.marxists.org/deutsch/archiv/l...2/reichstag.htm

Einer hat "Nein gesagt!
Genosse Liebknecht hat zur Begründung seiner verneinenden Abstimmung in der Reichstagssitzung vom 2. dieses Monats dem Reichstagspräsidenten zur Aufnahme in den stenographischen Bericht gemäß § 59 der Geschäftsordnung folgendes überreicht:

Meine Abstimmung zur heutigen Vorlage begründe ich wie folgt: Dieser Krieg, den keines der beteiligten Völker selbst gewollt hat, ist nicht für die Wohlfahrt des deutschen oder eines anderen Volkes entbrannt. Es handelt sich um einen imperialistischen Krieg, einen Krieg um die kapitalistische Beherrschung des Weltmarktes, um die politische Beherrschung wichtiger Siedelungsgebiete für das Industrie- und Bankkapital. Es handelt sich vom Gesichtspunkt des Wettrüstens um einen von der deutschen und österreichischen Kriegspartei gemeinsam im Dunkel des Halbabsolutismus und der Geheimdiplomatie hervorgerufenen Präventivkrieg. Es handelt sich um ein bonapartistisches Unternehmen zur Demoralisierung und Zertrümmerung der anschwellenden Arbeiterbewegung. Das haben die verflossenen Monate trotz einer rücksichtslosen Verwirrungsregie mit steigender Deutlichkeit gelehrt.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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zuletzt bearbeitet 22.01.2014 14:24 | nach oben springen

#27

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 22.01.2014 14:29
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von damals wars im Beitrag #26
http://www.marxists.org/deutsch/archiv/liebknechtk/1914/12/reichstag.htm

Einer hat "Nein gesagt!
Genosse Liebknecht hat zur Begründung seiner verneinenden Abstimmung in der Reichstagssitzung vom 2. dieses Monats dem Reichstagspräsidenten zur Aufnahme in den stenographischen Bericht gemäß § 59 der Geschäftsordnung folgendes überreicht:

Meine Abstimmung zur heutigen Vorlage begründe ich wie folgt: Dieser Krieg, den keines der beteiligten Völker selbst gewollt hat, ist nicht für die Wohlfahrt des deutschen oder eines anderen Volkes entbrannt. Es handelt sich um einen imperialistischen Krieg, einen Krieg um die kapitalistische Beherrschung des Weltmarktes, um die politische Beherrschung wichtiger Siedelungsgebiete für das Industrie- und Bankkapital. Es handelt sich vom Gesichtspunkt des Wettrüstens um einen von der deutschen und österreichischen Kriegspartei gemeinsam im Dunkel des Halbabsolutismus und der Geheimdiplomatie hervorgerufenen Präventivkrieg. Es handelt sich um ein bonapartistisches Unternehmen zur Demoralisierung und Zertrümmerung der anschwellenden Arbeiterbewegung. Das haben die verflossenen Monate trotz einer rücksichtslosen Verwirrungsregie mit steigender Deutlichkeit gelehrt.




Der französische Sozialistenführer Jaurès hat ebenfalls standhaft gegen den Krieg plädiert - dafür hat er u.a. ebenfalls mit dem Leben bezahlt:



"Jean Jaurès (* 3. September 1859 in Castres, Tarn, Frankreich; † 31. Juli 1914 in Paris) war ein französischer sozialistischer Politiker und Historiker. Jaurès, einer der bekanntesten Vertreter des Reformsozialismus am Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankreich, wurde unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, am 31. Juli 1914, von einem französischen Nationalisten ermordet.[..]

http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Jaur%C3%A8s
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#28

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 22.01.2014 18:55
von 94 | 10.792 Beiträge

Na bis ins Rentenalter hat's der Liebknecht ja nun auch nicht geschafft, im Gegensatz zum Pieck. Aber nochemal zurück zu den Buchempfehlungen, mir fällt da noch 'Das Attentat' von Ferdinand May ein, steht ja bestimmt noch in so einigen Bücherregalen? Was mich bissel (auch, oder gerade nach dieser Lektüre) wundert, wieso der Potiorek unverletzt überlebte? An der FN kann es nicht gelegen haben, die schießt eigentlich Loch in Loch. Weil der Potiorek wurde definitiv zu spät in Rente geschickt, konnte aber wenigstens so noch (kurzzeitig) mit seiner Unfähigkeit in Logistik und Strategie glänzen. Inwieweit er damit denoch am erstarkenden serbischen Selbstbewußtsein (Jadar, Drina, Kolubara) teilhatte und damit vielleicht auch die Grundlage für den Balkankrieg ein dreiviertel Jahrhundert später verantwortet ..., hmm?
Irgendwie ist nach dem Krieg vor dem Krieg; SCHEI*E!


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#29

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 01:08
von West_Tourist (gelöscht)
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Hätte es damals Fernsehen gegeben wäre dieses Rund um die Uhr gelaufen:

www.youtube.com/watch?v=NAslBqrbof4&rl


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#30

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 09:49
von Barbara (gelöscht)
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[quote=94|p324751]Na bis ins Rentenalter hat's der Liebknecht ja nun auch nicht geschafft, im Gegensatz zum Pieck. Aber nochemal zurück zu den Buchempfehlungen, mir fällt da noch 'Das Attentat' von Ferdinand May ein, steht ja bestimmt noch in so einigen Bücherregalen? Was mich bissel (auch, oder gerade nach dieser Lektüre) wundert, wieso der Potiorek unverletzt überlebte? An der FN kann es nicht gelegen haben, die schießt eigentlich Loch in Loch. Weil der Potiorek wurde definitiv zu spät in Rente geschickt, konnte aber wenigstens so noch (kurzzeitig) mit seiner Unfähigkeit in Logistik und Strategie glänzen. Inwieweit er damit denoch am erstarkenden serbischen Selbstbewußtsein (Jadar, Drina, Kolubara) teilhatte und damit vielleicht auch die Grundlage für den Balkankrieg ein dreiviertel Jahrhundert später verantwortet ..., hmm?
Irgendwie ist nach dem Krieg vor dem Krieg; SCHEI*E![/quote]



Meine Mutter hat das manchmal völlig ohne Zusammenhang gesagt: Hoffentlich gibt es keinen Krieg...
Ich habe das damals immer nicht verstanden. Heute denke ich: Vielleicht spürte sie instinktiv, dass Krieg eine geheime Dynamik hat...


Aus meiner Sicht ist der Balkan-Krieg in den 90gern auch eine Ursache aus den Ereignissen damals.
Gavrilo Princip, der Attentäter, wurde z.B,. als serb. Nationalheld von Milosevic missbraucht.

Der Habsburger Kaiser hätte den Krieg nicht erklären müssen, Serbien hätte bis auf die Forderung, österr.. Polizei ins eigene Land zu lassen, alle Forderungen Wiens erfüllt.

These:
Kaiser Franz-Josef wollte Krieg, ebenso wie Wilhelm II.
Ihre beiden "Reiche" waren politisch gesehen rückständig, die KuK Monarchie bröckelte, die Zeit der feudal-Monarchien in Europa war abgelaufen. (ebenso die des osmanischen Reiches!) Es gab überall Freiheitsbestrebungen.
England und Frankreich waren Demokratien.
Die innenpolitischen Spannungen in beiden Kaiserreichen brauchten ein Ventil nach außen, sonst wäre es eine Frage der Zeit gewesen, wann beide Kaiser entmachtet worden wären.

Der Zar war den Serben gegenüber Bündnis-pflichtig, somit war klar, dass der Krieg territorial nicht eingegrenzt sein würde.
Ich glaube, dass das Attentat von Sarajewo den beiden Monarchen als Auslöser für den Krieg überaus willkommen war.
.


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#31

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 10:13
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Es ist heute eigentlich müßig nach Ursachen zu suchen, nach einem Schuldigen...........schuld waren alle, dieser Krieg war von allen Beteiligten gewollt. Und dieser Krieg, wie eigentlich alle anderen Kriege davor und danach waren sinnlos...............denn eines haben alle Kriege von Anbeginn der Menschheit bis heute gemeinsam: Kriege sind grausam und immer vermeidbar!
LG Anja-Andrea


http://kaube-blog.de/


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#32

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 10:16
von Anja-Andrea | 902 Beiträge

Es ist heute eigentlich müßig nach Ursachen zu suchen, nach einem Schuldigen...........schuld waren alle, dieser Krieg war von allen Beteiligten gewollt. Und /dieser Krieg, wie eigentlich alle anderen Kriege davor und danach waren sinnlos...............denn eines haben alle Kriege von Anbeginn der Menschheit bis heute gemeinsam: Kriege sind grausam und immer vermeidbar!
LG Anja-Andrea


http://kaube-blog.de/


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#33

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 10:36
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von Anja-Andrea im Beitrag #32
Es ist heute eigentlich müßig nach Ursachen zu suchen, nach einem Schuldigen...........schuld waren alle, dieser Krieg war von allen Beteiligten gewollt. Und /dieser Krieg, wie eigentlich alle anderen Kriege davor und danach waren sinnlos...............denn eines haben alle Kriege von Anbeginn der Menschheit bis heute gemeinsam: Kriege sind grausam und immer vermeidbar!
LG Anja-Andrea


Sehr richtig, aber um Kriege vermeidbar zu machen, müssen wir ihre Ursachen verstehen, denke ich.
Wenn wir das tun, können wir rechtzeitig Strategien entwickeln, um Kriege zu verhindern.

Ich habe mir beim Erstellen des Threads nochmal ganz klar vor Augen geführt, dass nur innerhalb von 30 Jahren, das ist eine so kurze Zeit, 2 mörderische Kriege getobt haben, ein faschistischen System in Deutschland wütete, und am Ende die Teilung Deutschlands erfolgte.
Die Menschen vor ja dem WZ I waren nicht dümmer als wir, auch sie wollten eigentlich ein friedliches und glückliches Leben führen.
Warum dann eine solche Katastrophe? Die wiederum Katastrophen nach sich zog? Abgesehen von den politischen Gründen:
Warum tun Menschen das Gegenteil von dem, was ihnen gut tut?
.


eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#34

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 11:32
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Auffällig ist, dass am Ende des Ersten Weltkrieges die Kaiser abdanken mussten und in den Verliererstaaten Republiken ausgerufen wurden (mit Ausnahme des Königreichs Ungarn, wo aber Reichsverweser Admiral Miklos Horthy nie die Absicht hatte, die Regierung an den König zurückzugeben). Ich denke auch, dass sich um die Jahrhundertwende gesellschaftliche Änderungen anbahnten, welche die herrschenden Klassen nicht wünschten. Diese suchten deshalb den Krieg, um diese Veränderungen aufzuhalten. Und zwar obschon sie wissen mussten, dass es für Deutschland und Österreich böse enden könnte. Beide hatten lange Landesgrenzen und mussten einen Mehrfrontenkrieg befürchten.
Theo


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#35

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 15:43
von Rainman2 | 5.752 Beiträge

Interessant wird es durchaus, wenn man sich mal ein paar Einzelentwicklungen vor dem Krieg anschaut. Ich bin im Zusammenhang mit meinem Großvater und dem Untergang seines Schiffes vor den Dardanellen zu der Frage gekommen, warum Deutschlands Flotte eigentlich eine "Mittelmeerdivision" hatte. Wie kam es dazu?

Der Balkan war bereits vor dem ersten Weltkrieg Schauplatz blutiger Ereignisse. In den Jahren 1912 und 1913 tobten der 1. und der 2. Balkankrieg. Zur gleichen Zeit lag das Osmanische Reich auch noch mit Italien im Krieg und hatte mit inneren Unruhen und der sogenannten "Jungtürkischen Revolution" zu tun, deren führender Kopf, Enver Pascha, im ersten Weltkrieg als Kriegsminister einen harten Kriegskurs an der Seite Deutschlands steuern sollte. Dies schien für die Balkanstaaten Serbien, Montenegro, Griechenland und Bulgarien der günstigste Zeitpunkt, das noch von den Osmanen besetzte Mazedonien zu gewinnen. Die Kriegerklärungen erfolgten zwischen dem 8. und 17. Oktober 1912. Diplomatisch erhielt vor allem Bulgarien Rückendeckung durch Russland, das an einer Beherrschung der Dardanellen und des Bosporus als Handels- und Militärroute größtes Interesse hatte. Der Balkanbund hätte durchaus die Kapazitäten gehabt, die Türkei gänzlich aus Europa zu verdrängen. Aber die europäischen Großmächte England und Frankreich hatten andere Pläne. Die Passage durch Dardanellen und Bosporus war neben dem Suezkanal der wichtigste Seeweg nach Asien zu den dortigen Kolonialbesitzungen. Während die Serben und Griechen in Mazedonien einmarschierten und dort Saloniki eroberten, stießen die Bulgaren in Richtung Konstantinopel vor. Bereits im November 1912 begann an einer Front vor der Stadt, der sogenannten Catalka-Linie, die Belagerung und der Sturm. Die türkischen Truppen schienen kaum in der Lage zu sein, dem Druck standzuhalten. In dieser Situation entschließt sich Großbritannien, Kriegsschiffe in die Region zu entsenden, "zum Schutz der britischen Missionen und Einrichtungen sowie der europäischen Bürger vor Überfällen und Plünderungen".

Frankreich und Italien springen sofort auf den Zug auf und ordnen auch die Entsendung von Kriegsschiffen an. Russland schwankt zunächst noch zwischen den eigenen Machtbestrebungen und dem Wunsch, die Briten nicht zu verprellen. Zögernd schließt es sich dann aber auch der Allianz der Westmächte an. Der deutsche Kaiser will den Bulgaren und Griechen nicht in den Arm fallen. Er erteilt der britischen Anfrage zunächst eine Abfuhr. Das soll sich aber nicht lange halten. Der Chef der kaiserlichen Marine, Admiral Tirpitz, sieht die Lage anders. Er drängte schon seit einiger Zeit auf die Erprobung der neuen Kreuzer auf "Auslandsreise". Die Gelegenheit ist günstig. In das Mittelmeer kommt man von deutschen Häfen aus nur über Gibraltar, und das kontrollieren die Briten. Der Kaiser gibt nach und unterzeichnet die Order Tirpitz' über die Aufstellung der Mittelmeerdivision. Diese soll aus dem Schlachtkreuzer GOEBEN und dem kleinen Kreuzer BRESLAU bestehen ...


Ich weiß nicht, irgendwie lesen sich da einige Passagen, als wäre es erst gestern gewesen. Nun gut, gestern waren es die USA, an deren Seite Deutschland mitmachte. Aber wenn man mal so vergleicht ...

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


Damals87, seaman, 94 und eisenringtheo haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 23.01.2014 15:44 | nach oben springen

#36

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 16:24
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Es scheint so, dass die Klärung der Machtverhältnisse im Nahen Osten schon seit über 100 Jahren eine "Dauerbaustelle" sind
http://www.nzz.ch/aktuell/international/...itig-1.18226688
Deutschland ist spät in die Kolonisierung eingestiegen und hat demzufolge nur wenige Kolonien erworben/erobert. Vermutlich hat das kollektive Gefühl, "niemand" zu sein, die Kriegslust beflügelt. Die schwarz-weiss-rote Flagge wehte nur an wenigen Kolonialorten...

Originalgrösse der Karte:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/co...s_territory.png
Theo


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#37

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 16:34
von damals wars | 12.113 Beiträge

Die Kriegslust war nie groß genug , sich das kleine zänkische Volk im Süden einzuverleiben.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#38

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 20:09
von Ari@D187 | 1.989 Beiträge

Scheint es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode...
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#39

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 20:12
von stutz | 568 Beiträge

Für den Mann, der mit seinem Attentat dieses blutige Völkermorden ausgelöst hat, soll jetzt in Serbien ein Denkmal errichtet werden.

http://www.focus.de/politik/ausland/gesc...id_3565064.html

Er war sich wohl nicht der Tragweite seiner Tat bewusst, daß er damit einen 30 jährigen Krieg in Europa, der mit einem toten Östereicher begann und mit einem toten Östereicher endete, anzetteln würde.


"Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk;
und meine Nation, die ich mit großen Stolz verehre, ist die deutsche Nation.
Eine ritterliche, stolze und harte Nation." ( Ernst Thälmann )
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#40

RE: Der schöne Sommer 1914 - und dann begann der Krieg.

in Themen vom Tage 23.01.2014 20:17
von exgakl | 7.223 Beiträge

vor längerer Zeit habe ich mir mal diese Seite angeschaut http://www.verdunbilder.de/ es ist erschreckend was heute noch nach 100 Jahren dort zu sehen ist...
Wer mal in diese Gegend kommt, kann sich vor Ort ein Bild davon machen was Kriege nur in der Landschaft anrichten können, vom menschlichem Leid ganz zu schweigen...

VG exgakl


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
seaman und Diskus303 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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