#1

Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 12:06
von Lutze | 8.042 Beiträge

viele Soldaten haben während ihrer Dienstzeit
Bekanntschaft mit dem Alkohol gemacht,
wer hatte Familie zu der Zeit?,
hat der Alkohol danach noch eine Rolle gespielt?
gruß Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#2

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 12:25
von Fritze (gelöscht)
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Bei den Grenztruppen spielte der Alkohol nicht die grosse Geige wie so in einigen NVA Einheiten .
Aber soweit mir bekannt ist ,waren die meisten GWDler nach der Dienstzeit viel zu stark im Arbeitsalltag eingebunden und wollten sich eine Familie gründen und ein Heim schaffen !
Wenn dann später alles in den eingefahrenen Gleisen lief ,war schon eher Gefahr zum Alki zu werden . Das lag aber an der jewiligen Lebenseinstellungen des Einzelnen .
Ich war ja früher auch kein Kostverächter aber immer galt die Devise "Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps ! "


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#3

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 12:27
von Heckenhaus | 5.158 Beiträge

Bei mir hat Alkohol nie eine Große Rolle gespielt, weder damals bei der Fahne noch danach oder heute,
ich halte es für eine üble Schwäche, wenn ausgerechnet der Suff bestimmend im Leben wird.
Auf Grund der Gestaltung des Dienstplanes an der Grenze war es bei uns so gut wie unmöglich, zum Alki zu
mutieren.
"Unter Strom" bei Dienstantritt hätte ernsthafte Konsequenzen gehabt, Ausgangssperre, Urlaubssperre...
Wer wollte das riskieren ?


.
.
„Toleranz ist die letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft.”
— Aristoteles -

"Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allezeit; aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht."
— Abraham Lincoln –
.
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#4

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 12:45
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Wenn ich richtig informiert bin, ist die Gefahr, zum Alki zu werden, genetisch vorgeprägt. Das heißt, manche können saufen, bekommen sicher Leberprobleme, aber werden nicht abhängig. Andere sind schon nach relativer kurzer Zeit mit mäßigem regelmäßigem Alkoholgenuss in die Abhängigkeit gerutscht. Von den vier Geschwistern meiner Frau hatten drei damit zu tun.
Insbesondere im Kfz-zug wurde bei uns öfter gesoffen, weil in diesem Zug immer mal wieder einer raus kam und was mitbringen konnte, auch wenn ansonsten Ausgangssperre bestand. I.d.R. wurde Weinbrand Spezial getrunken. Der war am billigsten. Komisch, mit dem letzten Tag der GWD konnte ich dieses braune gesöff nicht mehr sehen und beim Anblick von Weinbrand, auch wenn es ein richtig Guter war, hob es mir schon im Magen. So richtig besoffen war ich danach auch nie mehr. Habe dann gemerkt, wenn es mir nicht mehr schmeckt, muß ich aufhören. Trinke ich den Rest im Glas noch aus, kommt er nach wenigen Minuten wieder zurück. Das merkt man sich dann. Immer nur so viel trinken, wie es einem schmeckt und man von der Erfahrung her verträgt, damit man die schönen Dinge des Abends noch mitbekommt, sich an diese am Folgetag erinnern kann und keinen Kater hat.



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zuletzt bearbeitet 20.01.2014 17:25 | nach oben springen

#5

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 12:57
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Bei uns hat der Alkohol eine große Rolle gespielt. An der Offiziershochschule gab es durchaus einen signifikanten Zusammenhang zwischen Beziehung und Alkohol. Diejenigen, die eine Frau oder Freundin hatten, hielten sich eher zurück. Es kam dann auch darauf an, wo die Frau oder Freundin lebte. War sie mit in Plauen, dann bestand ja auch die Möglichkeit, vor allem im 3. Lehrjahr, von Dienstschluss bis Dienstbeginn zuhause zu sein. Da war die Chance geringer, so richtig in den Alkohol abzugleiten. Da ich über einen großen Teil dieser Zeit einen ziemlich üblen Liebeskummer pflegte, gehörte ich eher zu denen, die sich im Ausgang desöfteren "die Kante gaben". Es gehörte damals noch dazu, stolz auf die Anzahl der getrunkenen Biere zu sein. Der nächste Tag war uns oft egal. Man konnte auch ganz gut in einer Vorlesung schlafen. Ich erinnere mich auch an eine mündliche Prüfung (Fach wissenschaftlicher Kommunismus), die ich nahezu im Vollrausch absolvierte. Ich bestand sie übrigens mit der Note "Sehr gut" und bin mir bis heute nicht sicher, ob das mehr Rückschlüsse auf mich oder das Fach zulässt. Sei es.

Im Dienst als Offizier musste man sich zwar eher zurückhalten, aber es gab durchaus noch einige Abende, an denen zu viel getrunken wurde. Es gehörte zum guten Ton, dass man am nächsten Tag entweder wieder fit sein musste, oder zumindest den Kater klaglos ertragen. Probleme im Dienst und Bestrafungen taten ein Übriges, nach Dienst zu trinken. In meinem Umfeld gab es immer auch Kontakte zur Leuten aus der Sowjetunion, Offiziere und über die Schule meiner Mutter auch Ballettspezialisten. Da ging auch schon mal bei einer harmlosen Pelmeni-Fete ein Liter Wodka durch die Kehle. Mit 26 Jahren kamen dann erste Zweifel. Der Grund: Ich lebte im Ledigenwohnheim in Dermbach und erlebte dort einige Berufssoldaten, die sich um Verstand und Leben soffen. Ich sah mich selbst auch so enden. Ab da begann ich, bewusst Phasen der Abstinenz einzulegen. In der Regel wurde dann ein viertel Jahr kein Tropfen angerührt. Beim ersten Mal, als ich das machte, wollte ich ehrlich gesagt zunächst erst einmal nur wissen, ob ich nicht vielleicht schon abhängig bin. Meine zweite dieser Phasen legte ich auf die Zeit, in der ich zum Hauptmann befördert wurde. Es war interessant zu erleben, wie man sich gegen einen kollektiven Druck durchsetzen musste.

Ich mache das bis heute immer mal wieder, zuletzt sogar über eine Phase von einem ganzen Jahr. Dabei besuchte ich nach wie vor weiterhin meine Stammkneipe, nur dass eben etwas anderes getrunken wurde. Ich trinke heute noch ganz gern mal einen, wenn die Gelegenheit da ist. Ich trinke sehr gern mein Bier in angenehmer Gesellschaft und halte da auch immer gern bis zum Schluss durch. Zuhause gibt es kein oder nur höchst selten Bier. Ein guter Whikey hält bei mir Jahre.

Aber Tatsache ist, dass die Armeezeit, vor allem in Zeiten der Einsamkeit und des Stresses, aber auch unter dem Eindruck des Freundeskreises, durchaus aus mir einen alkoholabhängigen Menschen hätte machen können. Ich bin eigentlich einem unserer Berufssoldaten aus meiner Zeit im Ledigenwohnheim fast dankbar, dass er sich immer mal wieder im Fernsehraum schlafend und trunken in die Hosen machte. Das war eklig, aber es brachte mich zu der Frage, ob ich auch mal so werden will.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 20.01.2014 12:59 | nach oben springen

#6

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 12:59
von furry | 3.581 Beiträge

Bei der BePo war ich in den 18 Monaten ganze 9 Mal im Ausgang. Was wollte man schon anstellen in der hübschen grünen Uniform, außer Druckbetankung. Dafür fuhren wir regelmäßig im Vierwochenrhythmus in den Urlaub mit Zivilerlaubnis, auch wenn es nur von Samstag nach Dienst bis Sonntag 24 Uhr war. Damit entfiel ein wesentlicher Grund für diese Frustsauferei.
Außerdem hatten wir einen doch sehr menschlichen Zugführer. Wenn die Ausbildung im Grünen gut gelaufen ist, wurde auch mal eine Dorfkneipe angesteuert. Pro Mann zwei Bier und für die Fahrer jeweils zwei Flaschen für später.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#7

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 13:19
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #1
viele Soldaten haben während ihrer Dienstzeit
Bekanntschaft mit dem Alkohol gemacht,
wer hatte Familie zu der Zeit?,
hat der Alkohol danach noch eine Rolle gespielt?
gruß Lutze


Hallo Lutze,

ich möchte nicht so weit abschweifen und direkt auf Deine Fragen antworten:
Bekantschaft mit dem Alkohol hatte ich auch schon vor der Armeezeit gemacht, als ich Soldat wurde, war ich 24, war verheiratet und hatte schon ein Studium hinter mir.
Im Ausbildungsregiment in Eisenach gab es zu meiner Zeit kaum Ausgang und Urlaub - da gab es auch nicht viel Gelegenheiten, sich vollaufen zu lassen. Und die paar Urlaubsstunden waren mir auch zu kostbar dazu - meine Frau, meine Eltern wohnten 400 km weg - an der anderen Grenze im Osten der DDR. Auf der Grenzkompanie dann hat der Alkohol auch nicht so eine grosse Rolle gespielt - jedenfalls nicht bei mir. Durch den ständig wechselnden Schichtrhytmus brauchte es ohne hin nicht viel Alkohol, um auf der Stelle einzuschlafen. Und Stunden später begann irgend eine Schicht, es gab einen Alarm oder irgen etwas anderes - da musste man wieder "funktionieren".
Nach meiner Entlassung hatte ich einen Sohn im Säuglingsalter - damit ging es dann mit gestörtem Schlarhytmus bei mir weiter. 1 1/2 Jahre später kam meine Tochter auf die Welt - das Gleiche wieder....
Mal ein "Feierabendbier" oder ein Glas Wein - das war's dann auch schon.
Alkohol hat in meinem Leben nie eine grosse Rolle gespielt - weder damals noch heute. Ich finde meine Erfüllung in vielen anderen schönen Dingen.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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#8

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 13:54
von Gelöschtes Mitglied
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Dazu ein Wessi-Erlebnis: In meinem Kompanieblock gab es einen spezielle Einrichtung für Unteroffiziere und Gleichgestellte (ich war Fahnenjunker): Zwei Räume. Der eine mit Tischen, Stühlen und einem TV und der andere mit einer Theke und ein paar Barhockern. Es galt "Selbstbedienung auf Vertrauen": Bier und härtere Sachen standen da rum und wenn sich jemand was genommen hat, wurde das von ihm selber in eine Liste eingetragen.

So weit so gut.

Doof war nur, dass meine Kameraden fast ausnahmlos Zeitsoldaten waren, ich hingegen Wehrpflichtiger. Die bekamen ihren Sold monatlich ausgezahlt, ich hingegen am 15. und am Letzten eines Monats. Und natürlich deutlich weniger. Und natürlich kam die "Kneipenabrechnung" zum Monatsende - mit dem Ergebnis, dass der ausbezahlte Betrag alles andere als üppig war: Es war auch zu verführerisch, gerade mal einen Strich zu machen und im Laufe von 4 Wochen verlor man da schon leicht mal den Überblick....


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#9

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 14:08
von Harsberg | 3.248 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #5
Bei uns hat der Alkohol eine große Rolle gespielt. An der Offiziershochschule gab es durchaus einen signifikanten Zusammenhang zwischen Beziehung und Alkohol. Diejenigen, die eine Frau oder Freundin hatten, hielten sich eher zurück. Es kam dann auch darauf an, wo die Frau oder Freundin lebte. War sie mit in Plauen, dann bestand ja auch die Möglichkeit, vor allem im 3. Lehrjahr, von Dienstschluss bis Dienstbeginn zuhause zu sein. Da war die Chance geringer, so richtig in den Alkohol abzugleiten. Da ich über einen großen Teil dieser Zeit einen ziemlich üblen Liebeskummer pflegte, gehörte ich eher zu denen, die sich im Ausgang desöfteren "die Kante gaben". Es gehörte damals noch dazu, stolz auf die Anzahl der getrunkenen Biere zu sein. Der nächste Tag war uns oft egal. Man konnte auch ganz gut in einer Vorlesung schlafen. Ich erinnere mich auch an eine mündliche Prüfung (Fach wissenschaftlicher Kommunismus), die ich nahezu im Vollrausch absolvierte. Ich bestand sie übrigens mit der Note "Sehr gut" und bin mir bis heute nicht sicher, ob das mehr Rückschlüsse auf mich oder das Fach zulässt. Sei es.

Im Dienst als Offizier musste man sich zwar eher zurückhalten, aber es gab durchaus noch einige Abende, an denen zu viel getrunken wurde. Es gehörte zum guten Ton, dass man am nächsten Tag entweder wieder fit sein musste, oder zumindest den Kater klaglos ertragen. Probleme im Dienst und Bestrafungen taten ein Übriges, nach Dienst zu trinken. In meinem Umfeld gab es immer auch Kontakte zur Leuten aus der Sowjetunion, Offiziere und über die Schule meiner Mutter auch Ballettspezialisten. Da ging auch schon mal bei einer harmlosen Pelmeni-Fete ein Liter Wodka durch die Kehle. Mit 26 Jahren kamen dann erste Zweifel. Der Grund: Ich lebte im Ledigenwohnheim in Dermbach und erlebte dort einige Berufssoldaten, die sich um Verstand und Leben soffen. Ich sah mich selbst auch so enden. Ab da begann ich, bewusst Phasen der Abstinenz einzulegen. In der Regel wurde dann ein viertel Jahr kein Tropfen angerührt. Beim ersten Mal, als ich das machte, wollte ich ehrlich gesagt zunächst erst einmal nur wissen, ob ich nicht vielleicht schon abhängig bin. Meine zweite dieser Phasen legte ich auf die Zeit, in der ich zum Hauptmann befördert wurde. Es war interessant zu erleben, wie man sich gegen einen kollektiven Druck durchsetzen musste.

Ich mache das bis heute immer mal wieder, zuletzt sogar über eine Phase von einem ganzen Jahr. Dabei besuchte ich nach wie vor weiterhin meine Stammkneipe, nur dass eben etwas anderes getrunken wurde. Ich trinke heute noch ganz gern mal einen, wenn die Gelegenheit da ist. Ich trinke sehr gern mein Bier in angenehmer Gesellschaft und halte da auch immer gern bis zum Schluss durch. Zuhause gibt es kein oder nur höchst selten Bier. Ein guter Whikey hält bei mir Jahre.

Aber Tatsache ist, dass die Armeezeit, vor allem in Zeiten der Einsamkeit und des Stresses, aber auch unter dem Eindruck des Freundeskreises, durchaus aus mir einen alkoholabhängigen Menschen hätte machen können. Ich bin eigentlich einem unserer Berufssoldaten aus meiner Zeit im Ledigenwohnheim fast dankbar, dass er sich immer mal wieder im Fernsehraum schlafend und trunken in die Hosen machte. Das war eklig, aber es brachte mich zu der Frage, ob ich auch mal so werden will.

ciao Rainman



War bei uns an der OS auch so, wir waren vorher alles Uffz., wir hatten immer Ausgang bis zum Wecken, da wurde einiges in die Kehle geschüttet.
Aber wie einer Schon sagte: Dienst war Dienst und Schnaps war Schnaps.
Zum Dienstbeginn waren wir alle wieder fit.

Später als ZF, wir waren einige Ledige im Regiment, ging das auch immer so weiter. Stammkneipe war die Schwimmhalle in Rostock, die lag gegenüber der Dienststelle. Machte aber schon um 22 Uhr dicht. Somit hatten wir es ja nicht weit.
Einer von uns hatte Beziehung zu Kumpel, der brachte aus dem Urlaub immer ein paar Flaschen Kumpeltod mit. Der wurde dann beim Skat vernichtet.

Mit dem Battalioner wurde des öfteren auch einer gezogen, aber wir wussten, dass er am nächsten Morgen um 6 Uhr im Bataillon ist, wehe wer nicht anwesend war, der hatte in den nächsten Wochen nichts zu lachen.

Aber eins muss ich sagen, hatte nie das Gefühl zum Alki zu werden, konnte auch wochenlang ohne auskommen.
Heute trinke ich höchstens mal zu Feiern im Familienkreis.


Phantasie ist wichtiger denn Wissen, denn Wissen ist begrenzt!
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#10

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 19:41
von zweedi04 | 375 Beiträge

Möchte zu dem Thema auch mal meine Erlebnisse darlegen.

Als junger Uffz. kam ich von Perleberg zu Pionierkompanie nach Dömitz. Zu der Zeit haben BU´s noch Alkohol in der Kantine kaufen können. Ich glaube es waren täglich 3 Bier erlaubt. Zur gleichen Zeit war der Schwager meines Bruders als Reservist in unserer Einheit. Mit dem habe ich dann am Wochenende öfters mal ein Bier getrunken. Nach einigen Wochen ist die Sache aber aufgeflogen und der V0 von der 2000 (MfS) hat mich gewarnt, ich solle so etwas unterlassen. In der Pionierkompanie wurde sehr viel gesoffen. Es war ja auch kein Problem für die Kraftfahrer Alkohol reinzuschmuggeln. An manchen Tagen hatten wir bei Kontrollen 30-40 Flaschen Hochprozentigen eingezogen. An den Wochenenden wurde im Ausgang (Elbcafe) oder Fritz Reuther Gaststätte gesoffen bis zum Abwinken. War eine schlimme Zeit.
Die Krönung in meiner Laufbahn war ein Lehrgang in Königswusterhausen. Ich wurde zum Filmvorführer (TK 35) ausgebildet. Die Angehörigen waren aus der gesamten Repubik zusammengewürfelt. Was da gesoffen wurde war nicht mehr normal. Nach dem Lehrgang hatte ich massive Entzugserscheinungen, von Zittern über Schlafstörungen bis zu Schweißausbrüchen. Habe mich aber wieder erholt.

Später als Gakl in der GK war Alkohol keine große Sache mehr. Es wurde mal einer getrunken, auch mit den „Freiwilligen Helfern der GT“ mal in die Dorfkneipe Zweedorf oder Schwanheide gegangen, aber als Außenschläfer mit fester Beziehung wurde Alkohol immer unwichtiger.


Lebenskunst ist - "Im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen"
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#11

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 19:54
von jecki09 | 422 Beiträge

Von zu Hause kannte ich Alkoholkonsum gar nicht. Ein Kasten Bier hielt und hält bei meinem Vater noch einen ganzen Monat oder länger.

Währen meiner Lehrzeit begann der erste- so richtig starke Kontakt zum Alkohol. Mehrere Stunden Zugfahrt, aus dem kleinen Ort in der Prignitz - über Pritzwalk - Neustadt Dosse - Rathenow - bis nach Brandenburg a. d. Havel und zurück, brachten es so mit sich, das man in der Gruppe trank, auch viel trank.
Zu dritt hatten wir einmal 3 Fl. a 0,7 l Goldbrand zu 14,50 Mark d. DDR. Die dritte hatten wir noch angefangen, fielen in Neustadt Dosse, aus Ri. Brandenburg, aber fast aus dem Zug.

Auch im Betrieb wurde mit den älteren Facharbeitern mächtig gekübelt. Immer in der Nachtschicht von Fr. zu Sa. Da wurde nur bis 2:30 Uhr gearbeitet. Dann war bereits Wochenende.

Wäherend meiner Zeit als OS habe ich dann bereits nicht mehr so zugelangt.

Wir (das waren 3 OS die zusammen hielten) hatten Kontakte zu den "Öko-miezen" in der Plauener Hammerstraße 82. Einmal pro Woche kauften die Mädels für eine große Feier (Mittwochs oder Donnerstags) ein. Die Kosten trugen wir 3 immer 3 mal im Monat und die Mädels zusammen 1 mal im Monat, da die nicht ganz soviel Geld hatten und eine komplette Wohnung stellten. Da ging es trotz gutem "Sternbier" sehr gesittet zu.

Auch bei meiner Zeit in der GK ging es ehrer ruhig ab. Von meiner Wohnung in Creuzburg brauchte ich zur Gaststädte in der Bahnhofstraße nur 70 m gehen. Aber allein war das auch nicht so angenehm. Mehr war schon los, wenn man am Ortsausgang in Richtung Mihla in die Baracke ging, wo der Jugendklub untergebracht war. Da gabs zudem auch noch aktuelle Musik. Über den Durst habe ich da selten getrunken, denn meistens rief am nächsten Tag der Dienst auf der GK.

Im GAR in Oranienburg gab es schon mehr abschreckende Beispiele wie man enden kann. Wenn einer, schon wegen des Anteils am Alkohol - Hustentropfen trank und annahm, dass die enthaltenen Kräuter den Alkoholgeruch übertünchen, war das abschreckend genug. Ich durfte auch mein Dienstzimmen mit diesem Hptm. teilen.

Gut dass ich in O-burg sofort eine Wohnung hatte und mein Frau auch dort gewohnt hat. So hatte ich "Ablenkung" genug.

Heute ist es bei mir, wie bei meinem Vater. Zur zeit steht noch ein angefangeren Kasten Bier von Oktober herum. Meistens trinken meine Frau und ich eine schöne Fl. Wein. Schnaps hat nur meine Frau - zum Backen .

Auf ein paar (Flaschen oder) Humpen Bier komme ich nur noch, wenn ich in meinem Hobby "als Musketier seiner Majestät Friedrich II." (Zeit des 7-jähr. Krieges) in einem Feldlager oder Biwag in Deutschland, Polen oder Tschechien bin. Dann wird aber auch in historisch korrekten Zelten, und machmal auch auf einem Strohsack geschlafen.


hslauch und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#12

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 20:05
von Gelöschtes Mitglied
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[quote=zweedi04|p324114]Möchte zu dem Thema auch mal meine Erlebnisse darlegen.

Als junger Uffz. kam ich von Perleberg zu Pionierkompanie nach Dömitz. Zu der Zeit haben BU´s noch Alkohol in der Kantine kaufen können. Ich glaube es waren täglich 3 Bier erlaubt. Zur gleichen Zeit war der Schwager meines Bruders als Reservist in unserer Einheit. Mit dem habe ich dann am Wochenende öfters mal ein Bier getrunken. Nach einigen Wochen ist die Sache aber aufgeflogen und der V0 von der 2000 (MfS) hat mich gewarnt, ich solle so etwas unterlassen. In der Pionierkompanie wurde sehr viel gesoffen. Es war ja auch kein Problem für die Kraftfahrer Alkohol reinzuschmuggeln. An manchen Tagen hatten wir bei Kontrollen 30-40 Flaschen Hochprozentigen eingezogen. An den Wochenenden wurde im Ausgang (Elbcafe) oder Fritz Reuther Gaststätte gesoffen bis zum Abwinken. War eine schlimme Zeit.
Die Krönung in meiner Laufbahn war ein Lehrgang in Königswusterhausen. Ich wurde zum Filmvorführer (TK 35) ausgebildet. Die Angehörigen waren aus der gesamten Repubik zusammengewürfelt. Was da gesoffen wurde war nicht mehr normal. Nach dem Lehrgang hatte ich massive Entzugserscheinungen, von Zittern über Schlafstörungen bis zu Schweißausbrüchen. Habe mich aber wieder erholt.

Später als Gakl in der GK war Alkohol keine große Sache mehr. Es wurde mal einer getrunken, auch mit den „Freiwilligen Helfern der GT“ mal in die Dorfkneipe Zweedorf oder Schwanheide gegangen, aber als Außenschläfer mit fester Beziehung wurde Alkohol immer unwichtiger.

zweedi04, da hast Du recht, wir Kraftfahrer(vor allem wir 2 Verpflegungsfahrer) hatten die besten Möglichkeiten. Denn wir mussten jeden Samstag ( später Nachmittag) von GR (Dermbach) nach Barchfeld (bei Bad Salzungen) alleine die Fleisch und Wurstkisten in die Fleischfabrik fahren. Auf dem Rückweg, wussten die einschlägigen Kneiper Bescheid und nur kurz auf die Bremse Kohle rüber, Alk rein und schon hatte der ganze KfZ-Zug fürs Wochenende genug, das es wieder ein sogenanntes schönes Wochenende wurde!
Grüsse Steffen52


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#13

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 20:35
von damals wars | 12.215 Beiträge

Wenn ich mal eine Flasche brauchte, ich kannte da einen guten Kameraden, einen Uffz. bei den Flammis!
Ansonsten waren die BU immer knapp bei Kasse. am Geldtag standen ihre Frauen immer am Tor und sie mussten zum Kopfstand antreten.
Einen habe ich mal mittels Schuldenerlass überredet,mir eine kleine Flasche Schnaps (0,3 l)? in der MHO zu kaufen. Er brachte sie ganz verschämt in einer Papiertüte.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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zuletzt bearbeitet 20.01.2014 20:36 | nach oben springen

#14

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 20:59
von hslauch | 95 Beiträge

In meiner Familie war Alkoholgenuss eher kein Problem, weil wenig bis sehr wenig getrunken.

Bei der Truppe dann schon eher.
Da ich (oder andere Hunde-Uffze) mindestens einmal pro Woche dran waren, für die Hundezwinger frische Sägespäne beim Tischler in Treffurt zu holen, war das "schmuggeln von Alkohol in die Kompanie" nicht wirklich ein Problem, wenn man(n) es einigermaßen clever anstellte....
Die Sägespäne wurden in recht stabilen braunen Papier- bzw. Pappsäcken transportiert (Größe etwas kleiner als die heutigen blauen Säcke)
Erst kam eine größere Lage Sägespäne rein, da zwei Flaschen "Schnappus" drauf, dann Sägespäne - dann 3 Fl. Bier dann oben drauf wieder eine größere Lage Sägespäne.
Damit rein auf den Kompaniehof und schnurstracks in die Hundezwinger - Säcke auf die Hundehütten gestellt - fertig - DEN SCHNAPS ABER AUSPACKEN und Nachts dann (am UvD vorbei) in die Zimmer geschmuggelt...
Es waren so im Schnitt ca. 20 Säcke per LO.

So weit so gut, ein frischer Hunde-Uffz. (wäre 91-2 gegangen) hatte diese fett geschriebene Regel nicht beachtet und als ich zur Nachtschicht
mit meinem DH Atze in den Grenzdienst wollte - roch ich schon von weitem einen üblen Geruch aus K...tze und Alkohol.

Ein Sack auf der Hütte viel runter, die letzte im Sack verbliebene Flasche zerbrach und Atze ließ es "sich schmecken" - wieviel Brauner es war ("juter Privat für ich glaube 21,- Mark ? ) den er in sich "reinschleckte" weiß ich natürlich nicht - aber er war 2 volle Tage "dienstuntauglich"

Ich mußte ja gleich raus in den Abschnitt und habe natürlich gleich nach der Nachtschicht den Zwinger richtig sauber gemacht.
Danach habe ich "Uffzig" den Ar... warm" gemacht..

Ansonsten hielt sich der Alkoholkonsum auf der Kompanie aber in einem verträglichen Rahmen...


jecki09, Rothaut und Lutze haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.01.2014 21:03 | nach oben springen

#15

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 21:37
von Wanderer zwischen 2 Welten | 2.340 Beiträge

Im alten Westen hiess es immer das man beim Bund das Saufen lernt. Habe selbst einige gekannt die vor ihrer Einziehung maessig getrunken haben. Nach ihrer Entlassung aber schon fast Alkoholiker waren. Kann mir gut vorstellen das es bei der NVA genau so war.


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#16

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 21:43
von Boelleronkel (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #1
viele Soldaten haben während ihrer Dienstzeit
Bekanntschaft mit dem Alkohol gemacht,
wer hatte Familie zu der Zeit?,
hat der Alkohol danach noch eine Rolle gespielt?
gruß Lutze



Es gab ne einfache Regel.....die ist aber nicht mit den Linieneinheiten bei uns zu vergleichen,wir waren eben "anders"....

Jo...haste Eijn da?(Also Rhöntropfen,Kreuz des Südens,nen Bierchen)jo wir haben...aber Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps...sei es beim Doppelkopf oder nur beim Ausruhen in der schoenen thueringeschen Landschaft....

Man haut sich nicht gegenseitig in die Pfanne!
Aber niemals...einen Kameraden im Suff alleine lassen!
Immer kuemmern,wenns mal darueber hinaus ging und lass deinen Kameraden nicht allein...
Morgen kannst "Du" es sein....Eine verschworene Gemeinschaft!

So ists noch heute im Zivilleben...man weiss nie was aus zu viel Suff werden kann,man kann die Ursachen vielleicht nicht selbst aendern,aber oft Schlimmes verhindern!

In diesem Sinne BO


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#17

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 20.01.2014 22:48
von studfri | 762 Beiträge

Ich habe zwar keine Erfahrung mit dem Komsumieren vom alkoholhaltigen Getränken in Verbindung mit einer Militärzeit.
Was mir jedoch aussält bei den Erzählungen hier ist die Tatsache, dass in Deutschland anscheinend sehr oft alkoholische Getränke weniger ein Genussmittel als viel mehr ein Mittel zur Veräderung des subjektiven Befindens sind. Das finde ich interessant zu lesen.

Ich selbst konsumiere nahezu jeden Tag Alkohol, weil bei uns der Wein zu jedem Essen dazu gehört. Es wäre völlig unvorstellbar, zum Essen etwas anderes zu trinken, als Wein. Ebenso greift man beim Fernsehn und/0der im Kreise der Familie in jedem Fall immer zuerst zum Glas Wein als etwa zu Coca-Cola, Fanta und Co. Nur trinkt man den Wein weder in Mengen noch schuckt man den nur so "runter", sondern man trinkt ihn ganz bewusst wegen des Geschmacks. Pro Tag kommt bei mir selbst ca. 1/4 bis zu 1/2 l zusammen, in der woche eher weniger, am we eher der halbe liter.



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#18

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 21.01.2014 10:18
von DoreHolm | 7.710 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #17
Ich habe zwar keine Erfahrung mit dem Komsumieren vom alkoholhaltigen Getränken in Verbindung mit einer Militärzeit.
Was mir jedoch aussält bei den Erzählungen hier ist die Tatsache, dass in Deutschland anscheinend sehr oft alkoholische Getränke weniger ein Genussmittel als viel mehr ein Mittel zur Veräderung des subjektiven Befindens sind. Das finde ich interessant zu lesen.

Ich selbst konsumiere nahezu jeden Tag Alkohol, weil bei uns der Wein zu jedem Essen dazu gehört. Es wäre völlig unvorstellbar, zum Essen etwas anderes zu trinken, als Wein. Ebenso greift man beim Fernsehn und/0der im Kreise der Familie in jedem Fall immer zuerst zum Glas Wein als etwa zu Coca-Cola, Fanta und Co. Nur trinkt man den Wein weder in Mengen noch schuckt man den nur so "runter", sondern man trinkt ihn ganz bewusst wegen des Geschmacks. Pro Tag kommt bei mir selbst ca. 1/4 bis zu 1/2 l zusammen, in der woche eher weniger, am we eher der halbe liter.



Grün: Eine vernünftige Einstellung zum Allolol, meine ich. Zum Abendbrot eine Flasche Porter o.a. Schwarzbier, bei Fernsehen dann am Abend ein oder auch zwei Glas Wein (meist Wermut) oder ein Whiskychen, nie beides zusammen am gleichen Abend. Wenn es sehr kalt ist, auch mal ein Tee mit Rum und Zucker.



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#19

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 21.01.2014 11:50
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von DoreHolm im Beitrag #18
Wenn es sehr kalt ist, auch mal ein Tee mit Rum und Zucker.


Rum.

Aua.

Das hat eine Erinnerung geweckt - die an den vermutlich schlimmsten Kater meines Lebens.

Nach der Durchschlageübung (180 km quer durch den Harz und das im Dezember) beschlossen zwei Kameraden und ich, prophylaktisch etwas gegen eine mögliche Erkältung zu tun. Ich hatte so einen kleinen Tassentauchsieder und in der Kantine wurde eine Flasche Rum-Verschnitt geholt. Wasser, Rum, Zucker, erhitzen und rein damit. Die erste Flasche hat nicht lange gehalten, also wurde die zweite geholt. Und das Mischungsverhältnis Wasser zu Rum kippte. Schon reichlich benebelt wurde die dritte Pulle Verschnitt geholt. Auf das Wasser haben wir dann ganz verzichtet: Rum und Zucker gut verrührt heiß gemacht und rein in den Kopf. Bis zum bitteren Ende.

Ich lag damals auf einer 6-Mann-Stube, nur 4 der Betten waren belegt - die beiden leeren gehörten ursprünglich Kameraden, die während des Lehrgangs rausgeworfen wurden. Meine beiden Mitsäufer lagen auf einer anderen Stube, eine Etage höher. Einer hat es noch geschafft, auf allen Vieren die Treppe hochzukriechen, der andere hat es erst gar nicht versucht und sich komplett angezogen einschließlich der Stiefel auf eines der leeren Betten geworfen.

Der nächste Tag war fürchterlich: Mir war speiübel und mörderische Kopfschmerzen kamen hinzu. Und auch am dann folgenden Tag ging es mir noch nicht wirklich gut; erst am dritten Tag danach fühlte ich mich wieder einigermaßen wohl.

Es hat Jahre gedauert, bis ich danach den ersten Grog getrunken habe...


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#20

RE: Familie und Alkohol nach der Armee-Zeit

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 21.01.2014 13:07
von Rainman2 | 5.764 Beiträge

Um nochmal auf die Offiziershochschule zurückzukommen - es war nicht unbedingt ehrabschneidend, wenn man da im Suff nicht mehr ganz gerade durch die Welt kam. Im Gegenteil, es wurden dann noch lange die Geschichten erzählt und es war irgendwie wie heute mit irgendwelchen Promis - egal, ob die Nachricht gut oder schlecht ist, Hauptsache der Name ist richtig geschrieben.

So war es nicht unbedingt ungewöhnlich, morgens den unverdauten Überresten einer durchzechten Nacht gegenüberzutreten. Ich schwang mich eines Morgens aus meinem Bett raus - ich schlief oben im Doppelstockbett. Im letzten Moment konnte ich mit den Füßen an den unteren Betten und mit den Ellenbogen an den oberen Betten einrasten und musste nicht mit den nackten Füßen in einer übelriechenden Lache landen. Schweinerei, ekelhaft, Zeter und Mordio? Nee. Die Übeltäter berichteten stolz von ihrer Ziehung im Siebdrucklager, während das Zimmer noch säuerlich roch. Und wir, die wir zuhörten, wünschten uns eher, bei der Fete dabei gewesen zu sein, als dass wir den Typen in den Arsch getreten hätten. So funktionierte das. Jungs in der Spätpubertät zusammen, die zu wissen glauben, was echte Männer ausmacht - das ist keine gute Mischung.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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