#1

Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 01:01
von Batrachos | 1.549 Beiträge

Hallo @all,

Welche Dienstvergehen mußte man sich zu Schulde kommen lassen,
um unehrenhaft bei den GT entlassen bzw entpflichtet zu werden?
Die Frage richtet sich auch an ehemalige Angehörige der NVA un DVP.
Sind Euch Fälle bekannt, wo ehemalige Angehörige mit voller Absicht Dienstvergehen begangen haben,
nur um aus den Dienst auszuscheiden,weil es keine andere Möglichkeit als diese gab?
Wenn ja,welche Dienstvergehen waren das?

MfG Batrachos


Drosseln sind Vögel. Sie in Motorräder zu stecken ist Tierquälerei!!
Motorradfahren ist das schönste, was man angezogen machen kann.
45° ist das zu schräg-bist du zu schwach
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#2

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 01:17
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Wir hatten 1980 bei der NVA einen Leutnant der hatte keinen Bock mehr und so einfach scheint es nicht mit der Kündigung gewesen zu sein. Der hat dann kirchlich geheiratet und wurde dann bei einem Bataillonsappell wegen vorsätzlicher Verletzung der Dienstpflichten, vom Leutnant zum Soldaten degradiert und zum Monatsende entlassen.
Einen glücklicheren Menschen bei einer Bestrafung habe ich nie wieder erlebt. Das was als Abschreckung gedacht war, wurde für die Führung zu einem Desaster.
Das nächste Mal hat man so etwas, wohl doch lieber im kleinen Kreis und diskret gemacht.


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zuletzt bearbeitet 19.01.2014 01:19 | nach oben springen

#3

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 01:27
von ABV | 4.202 Beiträge

Im VPKA Seelow wurde noch 1989 ein junger Volkspolizist vor die Wahl gestellt, sich entweder von seiner schwangeren!! Verlobten zu trennen, oder den Dienst zu quittieren. Hintergrund: die Dame bekam hin und wieder Besuch von ihrem Cousin aus der Bundesrepublik. Was sie als künftige (Volks)polizistenfrau "disqualifizierte". Der Polizist hielt zu seiner Verlobten und kündigte freiwillig. Vor solchen Leuten kann man nur den Hut ziehen!
Volkspolizisten wurden in aller Regel entlassen, wenn sie eine strafbare Handlung begangen hatten. Auch ohne Gerichtsverhandlung!
Ein Oberstleutnant der BdVP Frankfurt (Oder) wurde entlassen, weil er beim Klauen von Autoteilen im Bezirk Dresden erwischt wurde. Zum Verhängnis wurde ihm ein scheinbar herrenlos, an einer einsamen Landstraße abgestellter PKW Lada. An dem er zufällig während einer Privatreise vorbei kam. Bekanntlich gehörten PKW-Ersatzteile in der DDR zur Mangelware. Gelegenheit macht Diebe: der Genosse Oberstleutnant hält an, packt das Werkzeug aus und fängt an zu schrauben. Ehe er es sich jedoch versah, lag er auf dem Bauch, die Arme wurden ihm auf dem Rücken verdreht und Handschellen angelegt. Er konnte ja nicht ahnen, dass der Lada ein von der Dresdener Kripo ausgelegter Köder war. Für einen lange gesuchten "Automarder". Der kam zwar nicht, dafür aber der Genosse Oberstleutnant.
Seitens der BdVP Frankfurt (Oder) zeigte man sich bemüht, den Vorfall "diskret" zu erledigen. Gegen den Oberstleutnant wurde ein Parteiverfahren eingeleitet. In dessen Ergebnis er wegen " Parteischädigendem Verhalten" aus der SED und aus dem VP-Dienst "flog". Strafrechtlich brauchte er sich jedoch zu keinem Zeitpunkt zu verantworten!
Der Ex-Oberstleutnant schlug sich die kommenden Jahre im Getränkelager einer Kaufhalle durch. Bis zum Herbst 1989. Zu diesem Zeitpunkt trat er ins " Neue Forum" ein und entwickelte sich rasch zu einer der führenden Kräfte in der Frankfurter Bürgerbewegung.
Im März 1990 gelang ihm, zum Erstaunen aller und Entsetzen vieler, die Rückkehr in den VP-Dienst.
Da er wegen eines Parteiverfahrens aus dem Dienst ausscheiden musste, galt der "Arme" plötzlich als Opfer! Da es nie ein Ermittlungsverfahren, offenbar nicht einmal eine Strafanzeige wegen der Klauerei gab, war " seine Weste blütenweiß".
So etwas konnte nur in der DDR passieren!

Gruß Uwe


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#4

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 01:41
von seaman | 3.487 Beiträge

Mir ist ein Fall bekannt aus den Reihen der VPB.
Ein junger Unterleutnant(frisch von der Schule),Zugführer,hat bei Spindkontrollen Bargeld von Wehrpflichtigen gestohlen.
Musste vor dem Bataillon antreten,Vergehen wurde verlesen,Schulterstücke demonstrativ abgetrennt und als Anwärter der VP in Unehren entlassen.
Geschehen 1968.

seaman


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#5

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 01:50
von ABV | 4.202 Beiträge

Mir fällt auch ein ehemaliger Spieß in der Granatwerferbatterie des GR 38 (Hennigsdorf) ein. Ein ziemlich "scharfer" Oberfeldwebel. Der Bursche hat mehrfach Geld aus den Schränken der Soldaten geklaut. Bis ihn der Batteriechef auf frischer Tat erwischte. Der Oberfeld wurde zum Soldaten degradiert und unehrenhaft entlassen. Die letzten Tage lief er in Zivil herum und machte einen auf Kumpel. Angeblich wollte er durch die Klauerei seine Entlassung aus dem Militärdienst provozieren.

Gruß Uwe


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#6

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 01:51
von vs1400 | 2.364 Beiträge

hm Uwe,
deine beispiele lesen sich sehr angenehm,
beschreiben jedoch eher die zeit der anfänglichen bzw. der wende,
was ja nicht unbedingt als ddr- typisch bezeichnet werden kann.

danke jedoch für dein post, war halt deine zeit und daher vollkommen ok.
seaman hat es besser getroffen, denn bei kameradendiebstahl war es aus und auch aus meiner knollenzeit kann ich da gern nen beispiel beifügen, nur war es halt nen uffz- schüler und ehemaliger mit klässler der schulzeit.

gruß vom Torsten


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#7

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 02:06
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Einen Fall kenne ich noch , als sich bei uns zwei Fähnriche gegenseitig entsorgt haben. Die wohnten als Nachbarn im selben Haus. Die Kindern des Einen spielten Ball und trafen unbeabsichtigt den PKW des Anderen. Darauf setzte es ein paar Backpfeiffen für die Kinderchen. Darauf beschimpften ihn die Kinder als Judensau. Das brachte der zur Anzeige und der eine Fähnrich wurde entlassen. Der wußte nun aber wieder,das der andere Fähnrich (Chef vom Verpflegungslager) eine geklaute NVA-Kühltruhe und NVA-Edelkonserven im Keller hatte. Damit war dann auch der zweite Fähnrich (übrigens auch noch Militärschöffe) weg vom Fenster.


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#8

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 02:10
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Torsten!
Das der diebische Oberstleutnant wieder eingestellt wurde, ist tatsächlich den Wendewirren geschuldet. Unter "normalen Umständen" wäre er nie wieder in den Dienst zurückgekehrt.
Aber das jemand eine Straftat begeht ohne dafür die strafrechtlichen Konsquenzen zu tragen, dass war doch eher "DDR-typisch".
Um nicht falsch verstanden zu werden: das war nicht die Regel! Das kam anscheinend auf die Leute an. Der Oberstleutnant war nicht irgendwer. Sondern Bezirkschef der Schutzpolizei. Trotzdem sollten vor dem Gesetz alle gleich sein. Aber er war eben "gleicher", wie es so schön heißt.
Heute würden die Verantwortlichen selbst eine Strafanzeige, wegen Strafvereitelung im Amt und die unehrenhafte Entlassung riskieren, wenn sie eine Stratat bewusst "deckeln".
Jeder "kleine" VP-Angehörige hätte die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Da bin ich mir sicher.
Ach, da fällt mir noch eine Story ein:
Im VPKA Fürstenwalde sollte, nach fast dreißig Dienstjahren, ein altgedienter VP-Obermeister entlassen werden.
Wegen des Diebstahls von Volkseigentum. Der Mann hielt sich, wie so viele, privat ein paar Rindviecher. Wie so viele.
Hinter seinem Grundstück befand sich ein Maisfeld der örtlichen LPG. An dem er sich eines Abends bediente. Wie so viele. Eine Karre voll Mais. Das hatte der LPG-Vorsitzende gesehen und sich darüber im VPKA beschwert.
Der Amtsleiter, ein bei seinen Mitarbeitern beliebter, in Ehren ergraute Oberstleutnant, genoss gerade den wohlverdienten Jahresurlaub. Während seiner Abwesenheit führte ein noch sehr junger, ehrgeiziger Major das VPKA. Dessen Beiname , " der Vollstrecker", nicht von ungefähr kam.
Von einem Tag auf den anderen, wollte er den Obermeister, seiner Missetat wegen, entlassen. Gott sei Dank kam der Oberstleutnant noch rechtzeitig aus dem Urlaub zurück, um das schlimmste zu verhindern. Der Obermeister wurde zum Meister degradiert, durfte aber im Dienst verbleiben.

Gruß Uwe


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#9

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 02:13
von seaman | 3.487 Beiträge

Es gab letztendlich noch den Militärstaatsanwalt der mitunter tätig wurde.

seaman


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#10

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 02:23
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ja ,wenn etwas nicht mehr intern zu regeln war oder man ein Exempel statuieren wollte, kam auch mal der Militärstaatsanwalt zu Wort. Das war dann eine Verhandlung wie in den Guten alten Zeiten. Ich hatte mal das Vergnügen als Zuschauer nominiert zu werden und teilzunehmen.


seaman hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.01.2014 02:24 | nach oben springen

#11

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 02:49
von vs1400 | 2.364 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #8
Hallo Torsten!
Das der diebische Oberstleutnant wieder eingestellt wurde, ist tatsächlich den Wendewirren geschuldet. Unter "normalen Umständen" wäre er nie wieder in den Dienst zurückgekehrt.
Aber das jemand eine Straftat begeht ohne dafür die strafrechtlichen Konsquenzen zu tragen, dass war doch eher "DDR-typisch".
Um nicht falsch verstanden zu werden: das war nicht die Regel! Das kam anscheinend auf die Leute an. Der Oberstleutnant war nicht irgendwer. Sondern Bezirkschef der Schutzpolizei. Trotzdem sollten vor dem Gesetz alle gleich sein. Aber er war eben "gleicher", wie es so schön heißt.
Heute würden die Verantwortlichen selbst eine Strafanzeige, wegen Strafvereitelung im Amt und die unehrenhafte Entlassung riskieren, wenn sie eine Stratat bewusst "deckeln".
Jeder "kleine" VP-Angehörige hätte die ganze Härte des Gesetzes zu spüren bekommen. Da bin ich mir sicher.
Ach, da fällt mir noch eine Story ein:
Im VPKA Fürstenwalde sollte, nach fast dreißig Dienstjahren, ein altgedienter VP-Obermeister entlassen werden.
Wegen des Diebstahls von Volkseigentum. Der Mann hielt sich, wie so viele, privat ein paar Rindviecher. Wie so viele.
Hinter seinem Grundstück befand sich ein Maisfeld der örtlichen LPG. An dem er sich eines Abends bediente. Wie so viele. Eine Karre voll Mais. Das hatte der LPG-Vorsitzende gesehen und sich darüber im VPKA beschwert.
Der Amtsleiter, ein bei seinen Mitarbeitern beliebter, in Ehren ergraute Oberstleutnant, genoss gerade den wohlverdienten Jahresurlaub. Während seiner Abwesenheit führte ein noch sehr junger, ehrgeiziger Major das VPKA. Dessen Beiname , " der Vollstrecker", nicht von ungefähr kam.
Von einem Tag auf den anderen, wollte er den Obermeister, seiner Missetat wegen, entlassen. Gott sei Dank kam der Oberstleutnant noch rechtzeitig aus dem Urlaub zurück, um das schlimmste zu verhindern. Der Obermeister wurde zum Meister degradiert, durfte aber im Dienst verbleiben.

Gruß Uwe


nicht nur das er wieder eingestellt wurde Uwe,
er war zur falschen zeit am falschen punkt, was ihm ne jahr vorher nix getan hätte, eher im gegenteil.
ob er opfer seiner selbst war möchte ich nicht behaupten, doch er hatte kollegen, die wohl auch ne chance sahen und nutzten.

ich darf es ja schreiben Uwe, mir sind neue und alte bekannt und bei denen bekomme ich halt nur den böse finger gezeigt. bei unbekannten trifft mich die "brutale" härte des gesetzes.

gruß vom Torsten


04.11.1986 - 21.04.1987 Uffz. Ausbildung In Perleberg
21.04.1987 - 28.08.1989 Gruppenführer der 2. Gr./ 2.Zug/ 7. GK - Schierke/ GR 20/ GKM- N


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#12

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 10:53
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #5
Mir fällt auch ein ehemaliger Spieß in der Granatwerferbatterie des GR 38 (Hennigsdorf) ein. Ein ziemlich "scharfer" Oberfeldwebel. Der Bursche hat mehrfach Geld aus den Schränken der Soldaten geklaut. Bis ihn der Batteriechef auf frischer Tat erwischte. Der Oberfeld wurde zum Soldaten degradiert und unehrenhaft entlassen. Die letzten Tage lief er in Zivil herum und machte einen auf Kumpel. Angeblich wollte er durch die Klauerei seine Entlassung aus dem Militärdienst provozieren.
Gruß Uwe


Grün: Wann war denn das ? Muß nach meiner Zeit gewesen sein. Ich war Nov. 66 bis Apr. 67 dort zur GRA Richtschütze am Granatwerfer. Oder meinst Du die 120mm -Batterie ? Aber die war wimre nicht in Hennigsdorf im GR 38, sondern in Oranienburg stationiert.



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#13

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 13:12
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Der Begriff "Unehrenhafte Entlassung" ist schon ein mächtiger Brocken. Das werden leicht zu viele Sachen in einen Topf geworfen. Ich habe (Ende 70er und 80er Jahre) sehr verschiedene Formen der unehrenhaften Entlassung erlebt, die durchaus nach einer differenzierteren Betrachtung schreien.

Beispiel 1: Das Entpflichtungsgesuch
Jeder Berufssoldat hatte die Möglichkeit, ein sogenannten E-Gesuch zu schreiben und abzugeben. Es lief dann ein interessanter, durchaus DDR-typischer Prozess an. Zunächst versuchte man, vor allem seitens der Politabteilung, den Verfasser des E-Gesuchs von seinem Vorhaben abzubringen. Ja nach Umständen wurde da Überzeugung, Überredung, freundliches Angebot oder aber auch psychischer Druck eingesetzt. Das konnte je nach Lage der Dinge wenige Tage dauern oder sich über Wochen hinziehen. War derjenige nicht davon abzubringen, wurde in der Regel ein Parteiverfahren eingeleitet, wenn derjenige Parteimitglied war, wovon man im Regelfall ausgehen kann. Der Vorwurf lautete dann "kapitulantenhaftes Verhalten", schließlich hatte derjenige ursprünglich den Parteiauftrag, seinen Dienst gemäß seiner Verpflichtung durchzuführen. Am Ende dieses Parteiverfahrens stand in der Regel, aber nicht notwendigerweise, ein Ausschluss aus der Partei. Das ging einher mit Degradierung und Entlassung. Wenn ein Offiziersschüler ein E-Gesuch gestellt hatte, der noch keine 18 Monate Dienstzeit vorweisen konnte, musste er den Rest der Zeit bis zu 18 Monaten als Soldat dienen.

Beispiel 2: Kameradendiebstahl
Der Kameradendiebstahl führt im Regelfall zur Entlassung. Ich kenne auch Fälle, in denen lediglich ein Disziplinarverfahren durchgeführt wurde. Es kam da auf die Schwere der Tat und Reuigkeit des Sünders an, sowie auf seine Bereitschaft, den Dienst fortsetzen zu wollen. An der Offiziershochschule hatten wir in unserem Studienjahr einige Fälle, wo die Leute versuchten, mit leichterem Kameradendiebstahl (geringfügige Geldbeträge, kleine Sachwerte) aus dem Dienstverhältnis herauszukommen. Das Ergebnis war das gleiche wie im Beispiel 1 geschildert, aber man umging die leidige Überzeugungsarbeit. Zwei kleine Probleme standen dann aber noch: Der Diebstahl stand in der Kaderakte und es war durchaus auch eine riskante Methode. Ein Offiziersschüler meiner damalige Ausbildungskompanie brach mehrere Spinde auf und entnahm kleinere Sachen. Da er aber zu diesem Zeitpunkt betrunken war, brummte ihm der Militärstaatsanwalt noch ein viertel Jahr Schwedt auf. Das war die Umgehung des E-Gesuchs denn aber doch nicht wert.

Beispiel 3: "Unerwünschte" Eheschließung.
Das wurde schon genannt. In der Regel lief das ähnlich ab, wie unter Beispiel 1 genannt, nur dass zu meiner Zeit auf das Parteiverfahren verzichtet wurde. Solche Sachen wurden eher ohne Getöse erledigt. Aber auch hier gab es die Degradierung und die Entlassung. Einer meiner Studienkollegen aus Plauen, der aufgrund einer Frau mit zu viel Westverwandschaft entlassen wurde, hatte nach der Entlassung die Möglichkeit, ein anderes Studium zu beginnen. In dem damals abgeschlossenen Fach arbeitet er heute noch.

Beispiel 4: Grobe Disziplinverletzung oder Schädigung des Ansehens der Grenztruppen
Dieser Fall hätte mich selbst fast getroffen. Als ich 1984 wegen einer angeblich angedrohten Fahnenflucht vor die Parteikontrollkommission des Grenzkommandos Süd zitiert wurde, hätte diese im Parteiverfahren auch meinen Ausschluss beschließen können. Das hätte die Degradierung zum Soldaten und die Entlassung nach sich gezogen. Da ich aber u.a. in meiner Laufbahn als hoffnungsvolles Talent für einen Posten als Kulturoffizier galt, und vielleicht auch noch aus anderen Gründen, die sich meiner Kenntnis entziehen, ließ man Milde walten und ich bekam nur eine strenge Rüge.

Das die Beispiele, die ich selbst während meiner Dienstzeit erlebt hatte.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#14

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 13:42
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #12
Zitat von ABV im Beitrag #5
Mir fällt auch ein ehemaliger Spieß in der Granatwerferbatterie des GR 38 (Hennigsdorf) ein. Ein ziemlich "scharfer" Oberfeldwebel. Der Bursche hat mehrfach Geld aus den Schränken der Soldaten geklaut. Bis ihn der Batteriechef auf frischer Tat erwischte. Der Oberfeld wurde zum Soldaten degradiert und unehrenhaft entlassen. Die letzten Tage lief er in Zivil herum und machte einen auf Kumpel. Angeblich wollte er durch die Klauerei seine Entlassung aus dem Militärdienst provozieren.
Gruß Uwe


Grün: Wann war denn das ? Muß nach meiner Zeit gewesen sein. Ich war Nov. 66 bis Apr. 67 dort zur GRA Richtschütze am Granatwerfer. Oder meinst Du die 120mm -Batterie ? Aber die war wimre nicht in Hennigsdorf im GR 38, sondern in Oranienburg stationiert.



@ Dore Holm: Das war im Frühjahr 1984. Die Granatwerferbatterie befand sich in einem neueren Plattenbau. Das Gebäude wurde erst in den siebziger Jahren erbaut. Im GR 38 gab es, neben den "Granaten", zusätzlich noch eine Artilleriebatterie. Diese befand sich in einer uralten Baracke, aus der Anfangszeit der DDR und der Grenztruppen.
Schau mal hier: http://books.google.de/books?id=eIyb41jp...igsdorf&f=false

Das dürfte dich und andere natürlich auch, interessieren.

Gruß Uwe


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zuletzt bearbeitet 19.01.2014 13:49 | nach oben springen

#15

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 13:44
von Lutze | 8.027 Beiträge

auch nicht schlecht,
als Polit-Offizier bekommt man eine strenge Rüge,
wie fühlt man sich bei so einer Bestrafung?,
und im Zusammenhang mit einer Fahnenflucht
macht mich sehr neugierig
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#16

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 14:16
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #15
auch nicht schlecht,
als Polit-Offizier bekommt man eine strenge Rüge,
wie fühlt man sich bei so einer Bestrafung?,
und im Zusammenhang mit einer Fahnenflucht
macht mich sehr neugierig
Lutze


Wie soll man sich als Polit da fühlen?

Beschissen ist noch harmlos!!

Durfte es auch selbst erleben


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#17

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 14:23
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

@Pitti Auch wegen Fahnenflucht??


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#18

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 14:37
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #15
auch nicht schlecht,
als Polit-Offizier bekommt man eine strenge Rüge,
wie fühlt man sich bei so einer Bestrafung?,
und im Zusammenhang mit einer Fahnenflucht
macht mich sehr neugierig
Lutze

Hallo Lutze,

es war meine zweite Parteistrafe in kurzer Zeit und ich muss Pitti recht geben, es war ein beschissenes Gefühl. Ich fühlte mich damals mit meinen 23 Jahren als kompletter Versager. Ich wusste auch nicht, wie das alles weitergehen sollte. Dass hinter meinem Rücken schon die Fäden gezogen wurden, um mich in meine Laufbahn als Kulturoffizier doch noch einsetzen zu können, wusste ich nicht.

Zu der angedrohten Fahnenflucht hatte ich mich schon mehrfach geäußert, aber nochmal die Kurzform: Ich hatte eines Morgens im Stress bei der Lagebesprechung gesagt: "Wenn das hier so weitergeht, frühstücke ich bald in Weimarschmieden". Das wurde als Androhung einer Fahnenflucht angesehen. Ansonsten: Es ging so weiter und ich habe mit Hilfe von Leuten aus dem Forum auch schon in Weimarschmieden gefrühstückt:
siehe Anlage in: Treffen der Stedtlinger mit Frühstück in Weimarschmieden (3)

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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zuletzt bearbeitet 19.01.2014 14:38 | nach oben springen

#19

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 14:53
von Pitti53 | 8.785 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #17
@Pitti Auch wegen Fahnenflucht??


Nein,wegen VKU mit Feuerwehr..hatte schon mal dazu was geschrieben


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#20

RE: Unehrenhaft entlassen

in Mythos DDR und Grenze 19.01.2014 15:21
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #14
Zitat von DoreHolm im Beitrag #12
Zitat von ABV im Beitrag #5
Mir fällt auch ein ehemaliger Spieß in der Granatwerferbatterie des GR 38 (Hennigsdorf) ein. Ein ziemlich "scharfer" Oberfeldwebel. Der Bursche hat mehrfach Geld aus den Schränken der Soldaten geklaut. Bis ihn der Batteriechef auf frischer Tat erwischte. Der Oberfeld wurde zum Soldaten degradiert und unehrenhaft entlassen. Die letzten Tage lief er in Zivil herum und machte einen auf Kumpel. Angeblich wollte er durch die Klauerei seine Entlassung aus dem Militärdienst provozieren.
Gruß Uwe


Grün: Wann war denn das ? Muß nach meiner Zeit gewesen sein. Ich war Nov. 66 bis Apr. 67 dort zur GRA Richtschütze am Granatwerfer. Oder meinst Du die 120mm -Batterie ? Aber die war wimre nicht in Hennigsdorf im GR 38, sondern in Oranienburg stationiert.



@ Dore Holm: Das war im Frühjahr 1984. Die Granatwerferbatterie befand sich in einem neueren Plattenbau. Das Gebäude wurde erst in den siebziger Jahren erbaut. Im GR 38 gab es, neben den "Granaten", zusätzlich noch eine Artilleriebatterie. Diese befand sich in einer uralten Baracke, aus der Anfangszeit der DDR und der Grenztruppen.
Schau mal hier: http://books.google.de/books?id=eIyb41jp...igsdorf&f=false

Das dürfte dich und andere natürlich auch, interessieren.
Gruß Uwe


Rot: Das muß unsere gewesen sein. Hohenneuendorf. Sanitärtrakt in Extra-Baracke außerhalb der Mannschaftsbaracke. Kann mich noch daran erinnern, daß ich da mal zum Kloreinigen verdonnert wurde. Schade, daß ich damals nicht schon einen Liter Salzsäure dabei gehabt habe. Mann, waren die verkeimt. Aber als Chemiker sollte man sich da nicht so ekeln. Ist ja alles nur ein Gemisch chemischer Stoffe. Zum Duschen mußte man vorher erst mal Kohle schleppen und eine Weile anheizen. Wenn es dann so weit war, hatte ein Schnellerer das bischen Warmwasser schon verbraucht, also kalt duschen, wenn man sauber werden wollte. Und das im Winterhalbjahr, das härtet ab.
In der Baracke der GK waren die Toiletten und Waschräume wenigstens schon innerhalb der Baracke



zuletzt bearbeitet 19.01.2014 15:22 | nach oben springen



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