#61

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 17:41
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von Damals87 im Beitrag #60
Hallo,

@DoreHolm, ich fürchte, gegen das West-Gegenstück eines gefestigten Klassenstandpunktes wirst auch Du mit Argumenten nichts ausrichten. Unsere AgitProp war schon immer die wesentlich effizientere.

Du darft aber gewiß sein, Du hast Deine Gern-Leser.


Grüße aus Hessen


Grün: Was anderes konnte ich Dir leider nicht zu Deiner Frage antworten. Habe lediglich versucht, ohne große ideologische Wertung rein sachlich meine Erfahrungen darzulegen und es ist mitnichten so, daß ich diese Verfahrensweise damals als richtig empfand, falls das so rüber gekommen zu sein schien. Klar, es stimmt und das war in der DDR bei den meisten, deren Aufgabe es u.a. auch war, politische Überzeugungsarbeit zu leisten, auch völlig klar. Die wirksameren Argumente bei der Masse waren/ist nunmal die materielle Situation jedes Einzelnen und die Chance, die er sich zu einer weiteren Verbesserung dieser Situation ausrechnet oder erhofft. Alles andere, was mit Kapitalismus einhergeht, ist für die Mehrheit erst mal zweitrangig. Dazu kam, daß die Art und Weise der Agitation in der DDR oft phrasenhaft erfolgte, deshalb hab ich versucht, alle Theorie immer mit bekannten Beispielen aus dem Betrieb, der Familie und anderen jedermann geläufigen Zusammenhängen zu erleutern.
Da fällt mir ein Witz ein,d er in der DDR erzählt wurde. Eine DDR-Bürger und ein BRD-Bürger unterhalten sich über Olle Marx. Westman sagt zu Ostman: Wir sind doch beide Erben von Karl Marx. Ihr (die Ostdeutschen) habt das Kommunistische Manifest geerbt, wir das Kapital". Das sagt alles, meine ich.
Nun, was meine Gerne-Leser betrifft. Es wäre nichts frustrierender, als wenn sich keine Sau für geschriebene Beiträge interessiert. Aber wie ich sehe, liest Du sie auch und da ist es eigentlich zweitrangig, ob jemand die Beiträge eines anderen gerne liest oder nicht. Er liest sie, zitiert sie und schreibt seine Meinung dazu und das ist entscheidend.



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#62

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 17:45
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Zitat von Moskwitschka im Beitrag #53



Und um auf die Arbeiterklasse zurück zu kommen. Als ich sie dann ab 1977 kennen lernen "durfte, kamen mir noch größere Zweifel an der "Diktatur des Proletariats".

LG von der Moskwitschka



@Moskwitschka , hier nähern wir uns langsam aber sicher den unabdingbaren Feinheiten der Definition.
Die "Arbeiterklasse" und/oder das "Proletariat" waren der Teil der arbeitenden Masse die sich ihrer Klasse voll bewußt waren und demzufolge den revolutionären Klassenstandpunkt hatten, um es ganz einfach zu benennen. Das was Du und auch ich in den Betrieben kennengelernt hast waren Proleten oder Arbeiter ohne Klassenbewußtsein, Menschen mit kleinbürgerlichem denken und handeln ......

In seiner Schrift "Zu den Fragen des Leninismus", 1926 gibt mal wieder Stalin die Blaupause wie das mit der 'Diktatur des Proletariats' zu verstehen sei vor. Aussagen an denen weder zu deuteln noch darüber zu diskutieren ist. Die Schrift ist die Ersetzung der in Stein gehauenen 10 Gebote und ist demnach eherndes, nicht zu hinterfragendes Gesetz.(Im Lande des Ursprungs konnten Dir Zweifel am Wort schnell mal 10 Jahre nach Artikel 58-10 einbringen, wenn Du Glück hattest)
Die Partei ist die führende Kraft in der Diktatur des Proletariats. Der Führungsanspruch erhebt sich hauptsächlich auf das der Partei entgegengebrachte Vertrauen der Arbeiter. Die Partei führt die Massen und letztendlich ist die Partei ER; ihr uneingeschränkter Führer dem die Masse vertraut, liebt und von dem sie 'geführt' werden möchte. Letztendlich ist also die führende Kraft in der 'Diktatur des Proletariats' eine auserwählte Person. Zweckmäßigerweise wählte sich diese Person meist selber aus und 'Mitbewerber' um den Führungsposten wurden über kurz oder lang kaltgestellt .....

Du siehst Moskwitschka, Du lerntest zwar die arbeitende Bevölkerung kennen aber nicht den Vertreter der Diktatur des Proletariats.
Das ist wohl keinem von uns gelungen.

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#63

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 17:55
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Die "Arbeitermacht" war nur ein Phantom.

Der "Demokratische Zentralismus" funktionierte nur von oben.

Das Parlament, die "Volkskammer", war ein Feigenblatt und durfte nur "abnicken".

Die Regierung arbeitet routinemäßig, aber hatte keine wirkliche Macht.

Das Politbüro entschied ohne Parlament und Regierung.

Und heute wissen wir (von Mitgliedern dieses Politbüros!), daß in diesem Gremium der Generalsekretär das Sagen hatte und Widerspruch nicht duldete.

Arbeiterproteste gegen die SED wurden um den 17. Juni 1953 brutal unterdrückt, daß die Volksmassen bis 1989 gelähmt waren.

Die meisten, die 1989 in Massen "Wir sind das Volk" riefen, waren ganz sicher Werktätige.
Wenn sie tatsächlich die Macht gehabt hätten, wären sie nicht auf die Straße gegangen.

Die diktatorischen "Proletarier" waren keine Arbeiter - beriefen sich bestenfalls darauf, in der Jugend mal welche gewesen zu sein. Selbst Vorzeigeleute wie Adolf Hennecke waren nur Gallionsfiguren.

Aber wem muß man das sagen?


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
hundemuchtel 88 0,5, Grenzverletzerin und matloh haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 16.01.2014 18:02 | nach oben springen

#64

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 18:03
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.493 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #63
Die "Arbeitermacht" war nur ein Phantom.

Der "Demokratische Zentralismus" funktionierte nur von oben.

Das Parlament, die "Volkskammer", war ein Feigenblatt und durfte nur "abnicken".

Die Regierung arbeitet routinemäßig, aber hatte keine wirkliche Macht.

Das Politbüro entschied ohne Parlament und Regierung.

Und heute wissen wir (von Mitgliedern dieses Politbüros!), daß in diesem Gremium der Generalsekretär das Sagen hatte und Widerspruch nicht duldete.

Arbeiterproteste gegen die SED wurden um den 17. Juni 1953 brutal unterdrückt, daß die Volksmassen bis 1989 gelähmt waren.

Die meisten, die 1989 in Massen "Wir sind das Volk" riefen, waren ganz sicher Werktätige.
Wenn sie tatsächlich die Macht gehabt hätten, wären sie nicht auf die Straße gegangen.

Die diktatorischen "Proletarier" waren keine Arbeiter - beriefen sich bestenfalls darauf, in der Jugend mal welche gewesen zu sein - oder sie waren Vorzeigeleute wie Adolf Hennecke.

Aber wem muß man das sagen?


das haste gut gesagt @ Freienhagener, ich sehe es genauso!

gruß h.


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#65

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 18:08
von Freienhagener | 3.879 Beiträge

Sorry wegen der kleinen Korrektur am Ende............


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
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#66

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 18:22
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.493 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #65
Sorry wegen der kleinen Korrektur am Ende............


ne nix sorry, passt doch dazu, ist wirklich schön zusammengefasst,Spricht mir aus dem Herzen!!

Bin aber kein Schleimer!!!

schönen Abend noch in die Runde, gruß h.


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#67

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 18:43
von diefenbaker | 585 Beiträge

Die Diskussion ist bisher überwiegend rückwärts gewandt. Eigentlich wollten wir doch die Anzeichen herausarbeiten, die auf eine neue heraufziehende Diktatur hindeuten. Darauf werde ich später wahrscheinlich noch eingehen. Es ist natürlich richtig, dass neue Anzeichen eher richtig gedeutet werden können, wenn man verstanden hat, wie es in der Vergangenheit funktionierte.

Ich will aus dem Stoff der letzten Beiträge einfach mal einige Zusammenhänge aufzeigen und damit vielleicht auch einige Fragen beantworten. Was waren die Konsequenzen der Wahlverweigerung?

Das war zunächst einmal die Erkenntnis für alle staatliche Stellen, die in den entsprechenden Informationsfluss einbezogen waren, dass die betreffende Person nicht über einen gefestigten Klassenstandpunkt verfügt. Damit waren alle personlichen Veränderungen so gut wie blockiert, wo evtl. von einer SED Mitgliedschaft noch abgesehen wurde, wenn wenigstens der gefestigte Klassenstandpunkt glaubhaft war. Das waren z.B. berufliche Leitungsfunktionen über die Meister-/Brigadierebene hinaus, das war die Bestätigung als Reisekader (nicht nur) für das NSW, das war die Aufnahme eines Studiums.

Wie systematisch Wahlverweigerung in bestimmte Akten eingetragen und ausgewertet wurde, werden andere user hier besser wissen, es wurde aber eingetragen und ausgewertet. Richtig ist, dass für Wahlverweigerung alleine niemand eingesperrt wurde. Richtig ist aber auch, dass dies schon ein etwas schwerwiegenderer Mosaikstein war, aus dem eine negativ feindliche Einstellung zusammengesetzt wurde und man in den Focus bestimmter Interessen geriet. Da kommt eins zum anderen, mangelhafte gesellschaftliche Aktivitäten (FDGB, DSF etc.), kritische Äußerungen zum politischen Tagesgeschehen, die Steigerung davon sind kritische Äußerungen in schriftlicher Form, die Erwähnung in allgemeinen Spitzelberichten führt jetzt evtl. zu einem "eigenen" IM, der berichtet dann über geäußerte Zitate oder Berichte aus dem Westfernsehen, Besitz und womöglich auch noch Weitergabe westlicher Druckschriften, auf der Transitstrecke wurde man neben einem Westwagen gesehen ... jetzt ist die Nähe zu bestimmten Paragraphen des StGB der DDR wie 100, 106, 219, 220 schon bedenklich.

Gruss Wolfgang



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#68

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 18:46
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von seaman im Beitrag #18
Hatte als junger Mensch eine deutsche Diktatur theoretisch von A bis Z verinnerlicht.Mit Quellen aus beiden Gesellschaftssystemen und Zeitzeugen.
Habe Länder erlebt in denen Diktatur herrschte und habe auch die blutige Fratze einer Diktatur live erlebt(Chile).
Die DDR war dagegen ein Klacks.
Klar,Beatmusik,Nieten in Nietenhosen,Reiseeinschränkungen und etliche Restriktionen waren überzogen und sicherlich für den Einzelnen auch lästig.
Wer sich nicht mit der Staatsmacht DDR anlegte hatte überwiegend Ruhe in diesem Staat.
Ein Kollege von mir ist während der RAF Zeiten unschuldig in eine Fahndung hineingeraten.
Das hat seinen Job und fast seine gesamte Familie auf längere Zeit beeinträchtigt.
Knüppelarien,mit gezückten Waffen,habe ich in der Bundesrepublik erlebt.Startbahn West,Hamburger Kessel etc.
Berufsverbote aus politischen Gründen gab es in beiden Teilen Deutschlands damals.Genau wie Postkontrollen u.ä.
Merkmale einer Diktatur.....
Wer KZs in Hitlerdeutschland und Leichen frisch Erschossener auf den Strassen(Chile) mit dem Begriff Diktatur verbindet,wird nicht diese Messlatte damals für die beiden deutschen Staaten angelegt haben.
So war meine Denkweise.


seaman






Richtig!
Die Schlachthäuser der süd-amerikanischen und auch der afrikanischen (Militär-) Diktaturen sind ein ganz anderes Kaliber.
Diktatur ist nicht gleich Diktatur.


Wenn wir uns Spanien ansehen, wo Franko im Glauben, er habe den König Juan Carlos im anständigen "rechten" Glauben erzogen, die Macht dem jungen König Juan Carlos übergibt, und dieser reicht sie an das Parlament weiter...
Portugal, friedliche Revolution...
Die Obristen in Griechenland....


Was sind die grundsätzlichen Merkmale einer "Diktatur", egal in welcher "Ausprägung" sie sich zeigt?

Bzw. was sind die Bedingungen, diktatorische Verhältnisse zu vermeiden?

- "Ja" oder "nein" sagen können, ohne Verfolgung befürchten zu müssen
- "die Wahl" haben
- staatliches Handeln muss sich immer in Frage stellen lassen können
- jederzeit Öffentlichkeit für gesellschaftspolitische Themen herstellen können - kontrovers!
- unabhängige Gerichtsbarkeit

und:
Es gibt etwas, was der Staat nicht kann, das können nur wir selbst.
bürgerschaftliches Engagement!
.


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#69

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 19:09
von damals wars | 12.204 Beiträge

auch wenn immer alles auf Stalin geschoben wird, die sozialdemokratischen Knüppelgarden machten die Diktatur des Kapitals für die Arbeiter erlebbar, und nach dem Motto "Einer muss der Bluthund sein" auch den politischen Mord!


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#70

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 19:17
von diefenbaker | 585 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #68

Bzw. was sind die Bedingungen, diktatorische Verhältnisse zu vermeiden?

- "Ja" oder "nein" sagen können, ohne Verfolgung befürchten zu müssen
- "die Wahl" haben
- staatliches Handeln muss sich immer in Frage stellen lassen können
- jederzeit Öffentlichkeit für gesellschaftspolitische Themen herstellen können - kontrovers!
- unabhängige Gerichtsbarkeit




das sehe ich auch so,
darüber hinaus wäre darauf zu achten was im Strafgesetzbuch steht bzw. was hineingeschrieben werden soll.
Wenn Sachverhalte unter Strafe gestellt werden (sollen), die einem nicht bereits eingeschüchterten Menschen als normal und selbstverständlich erscheinen, dann sollten die Alarmglocken angehen.
Ich habe z.B. Bedenken zum heutigen §130 StGB, die Formulierung ist so gummiartig, dass da sehr viel hineininterpretiert werden kann.

Gruss Wolfgang



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#71

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 19:31
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von diefenbaker im Beitrag #70
Zitat von Barbara im Beitrag #68

Bzw. was sind die Bedingungen, diktatorische Verhältnisse zu vermeiden?

- "Ja" oder "nein" sagen können, ohne Verfolgung befürchten zu müssen
- "die Wahl" haben
- staatliches Handeln muss sich immer in Frage stellen lassen können
- jederzeit Öffentlichkeit für gesellschaftspolitische Themen herstellen können - kontrovers!
- unabhängige Gerichtsbarkeit




das sehe ich auch so,
darüber hinaus wäre darauf zu achten was im Strafgesetzbuch steht bzw. was hineingeschrieben werden soll.
Wenn Sachverhalte unter Strafe gestellt werden (sollen), die einem nicht bereits eingeschüchterten Menschen als normal und selbstverständlich erscheinen, dann sollten die Alarmglocken angehen.
Ich habe z.B. Bedenken zum heutigen §130 StGB, die Formulierung ist so gummiartig, dass da sehr viel hineininterpretiert werden kann.

Gruss Wolfgang




Das verstehe ich, ist sicher ein ganz schwieriges Thema, ich lese das nochmal ausführlicher.
Ich denke die Demokratie mit all ihren Instanzen - und wir leben in einer Demokratie, allen Unkenrufen zum Trotz - ist angreifbar, verletzlich und unperfekt. Das ist glaube ich auch so eine Sache, dass wir immer das absolut Perfekte, Unverrückbare und ewig Gültige wollen. Da die Menschen selbst es nicht sind, kann die Demokratie es auch nicht sein.

Man muss für die Demokratie kämpfen, auch in dem wir ihre "Umsetzung" immer wieder kritisch hinterfragen.
.
.


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#72

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 20:08
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von damals wars im Beitrag #69
auch wenn immer alles auf Stalin geschoben wird, die sozialdemokratischen Knüppelgarden machten die Diktatur des Kapitals für die Arbeiter erlebbar, und nach dem Motto "Einer muss der Bluthund sein" auch den politischen Mord!


Du bist doch gebildet, warum schreibst du immer so einen Mist den du irgendwann damals im Parteilehrjahr aufgesogen hast?
Versteh ich nicht, man muss sich doch auch mal weiterentwickeln im Alter.


zuletzt bearbeitet 16.01.2014 20:11 | nach oben springen

#73

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 20:22
von diefenbaker | 585 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #71


Man muss für die Demokratie kämpfen, auch in dem wir ihre "Umsetzung" immer wieder kritisch hinterfragen.
.
.


Demokratie und ihre Umsetzung !

Demokratie hat auch etwas mit Freiheit zu tun. Ja ich weiss, ein fast unendlicher Begriff, aber in konkreten Ausprägungen evtl. leichter (be)greifbar.
Mir fallen so ein
- Bewegungsfreiheit
- Meinungsfreiheit
- Entscheidungsfreiheit
- Pressefreiheit
- Versammlungsfreiheit
- ...
Meine Freiheit soll erst da enden, wo die von anderen beginnt.

Bei der Umsetzung des staatlichen Handelns bleiben so manche Freiheiten auf der Strecke. Die Regelungsdichte wird immer größer.
Der Politiker weiss besser was gut ist für mich als ich selbst (Daseinsvorsorge).
Seine Beamten wissen es im Detail noch viel besser.
Verbote, Gebote, Verordnungen, Anträge, Bewilligungen, Genehmigungen, Ausnahmegenehmigungen, Übergangsvorschriften, Kostenbescheide, Gebühren, Strafen ...
Ich werde entmündigt,
begleitet durch Beschneidung meiner finanziellen Handlungsfähigkeit (Steuern, Abgaben, Umlagen, Zwangsmitgliedschaften, ...).

Die Bürokratie blüht auf. Über andere zu bestimmen gibt Macht und steigert das Selbstwertgefühl. Die zu regelnden Sachverhalte auszuweiten sichert den eigenen Arbeitsplatz. Z.B. da das EU Glühlampenverbot durch das Ausweichen auf Industrieglühlampen (noch zugelassen) unterlaufen wurde, hat man Kontrollen gefordert, würde alleine in Brandenburg Brot für acht Leute schaffen.

Wir geraten in eine Diktatur der Bürokratie. Meine an der Oberfläche vorhandenen demokratischen Rechte werden unter der Decke so reglementiert, dass ich sie nicht mehr ausüben kann.

Aber ich merke gerade, meine ganze Richtung stimmt ja nicht. So würde ja nur jemand schreiben, der das süße Gift der Diktatur nicht verträgt.

Gruss Wolfgang



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#74

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 20:29
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von diefenbaker im Beitrag #73


Wir geraten in eine Diktatur der Bürokratie. Meine an der Oberfläche vorhandenen demokratischen Rechte werden unter der Decke so reglementiert, dass ich sie nicht mehr ausüben kann.




Eine Frage dazu.
Du kannst nicht mehr frei deine Meinung äußern, frei deinen Wohnsitz wählen, bei Wahlen frei den deine Stimme geben den du dafür geeignet hältst?


zuletzt bearbeitet 16.01.2014 20:30 | nach oben springen

#75

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 20:32
von seaman | 3.487 Beiträge

Demokratie vom wahren Inhalt her bedeutet für mich nicht nur "etwas Freiheit" sondern uneingeschränkte Herrschaft des Volkes.
Also eine Staatsform mit einer vom Volk abgesegneten Verfassung, die allgemeine persönliche und politische Rechte garantiert, mit fairen Wahlen und unabhängigen Gerichten.
Ohne ketzerisch zu sein,bei unabhängigen Gerichten alleine schon fällt mir der Begriff Heuchelei ein.
Wenn dann einem Volk nicht mal eine Volksbefragung gestattet wird,ob ihre Töchter und Söhne in einen Krieg geschickt werden....

Die alten Griechen waren da weiter.

seaman


werner und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#76

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 20:36
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

Zitat von diefenbaker im Beitrag #67
Die Diskussion ist bisher überwiegend rückwärts gewandt. Eigentlich wollten wir doch die Anzeichen herausarbeiten, die auf eine neue heraufziehende Diktatur hindeuten. Darauf werde ich später wahrscheinlich noch eingehen. Es ist natürlich richtig, dass neue Anzeichen eher richtig gedeutet werden können, wenn man verstanden hat, wie es in der Vergangenheit funktionierte.

Ich will aus dem Stoff der letzten Beiträge einfach mal einige Zusammenhänge aufzeigen und damit vielleicht auch einige Fragen beantworten. Was waren die Konsequenzen der Wahlverweigerung?

Das war zunächst einmal die Erkenntnis für alle staatliche Stellen, die in den entsprechenden Informationsfluss einbezogen waren, dass die betreffende Person nicht über einen gefestigten Klassenstandpunkt verfügt. Damit waren alle personlichen Veränderungen so gut wie blockiert, wo evtl. von einer SED Mitgliedschaft noch abgesehen wurde, wenn wenigstens der gefestigte Klassenstandpunkt glaubhaft war. Das waren z.B. berufliche Leitungsfunktionen über die Meister-/Brigadierebene hinaus, das war die Bestätigung als Reisekader (nicht nur) für das NSW, das war die Aufnahme eines Studiums.

Wie systematisch Wahlverweigerung in bestimmte Akten eingetragen und ausgewertet wurde, werden andere user hier besser wissen, es wurde aber eingetragen und ausgewertet. Richtig ist, dass für Wahlverweigerung alleine niemand eingesperrt wurde. Richtig ist aber auch, dass dies schon ein etwas schwerwiegenderer Mosaikstein war, aus dem eine negativ feindliche Einstellung zusammengesetzt wurde und man in den Focus bestimmter Interessen geriet. Da kommt eins zum anderen, mangelhafte gesellschaftliche Aktivitäten (FDGB, DSF etc.), kritische Äußerungen zum politischen Tagesgeschehen, die Steigerung davon sind kritische Äußerungen in schriftlicher Form, die Erwähnung in allgemeinen Spitzelberichten führt jetzt evtl. zu einem "eigenen" IM, der berichtet dann über geäußerte Zitate oder Berichte aus dem Westfernsehen, Besitz und womöglich auch noch Weitergabe westlicher Druckschriften, auf der Transitstrecke wurde man neben einem Westwagen gesehen ... jetzt ist die Nähe zu bestimmten Paragraphen des StGB der DDR wie 100, 106, 219, 220 schon bedenklich.

Gruss Wolfgang


Rot: Aktion = Reaktion, Reaktion = weitere Aktion u.s.w. So konnte sich da ein Teufelskreislauf aufbauen, der eigentlich von keiner der beiden Seiten so gewollt war. Jeder wollte "das letzte Wort" haben, Dickköpfigkeit, wenn man es mal so nennen will, auf beiden Seiten. Es ist bedauerlich, daß gerade der Stärkere hier nicht rechtzeitig, noch auf niedrigerem Niveau der Eskalation, die Notbremse gezogen und den Anderen in Ruhe gelassen hat



zuletzt bearbeitet 16.01.2014 20:37 | nach oben springen

#77

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 20:39
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Zitat von seaman im Beitrag #75
Demokratie vom wahren Inhalt her bedeutet für mich nicht nur "etwas Freiheit" sondern uneingeschränkte Herrschaft des Volkes.
Also eine Staatsform mit einer vom Volk abgesegneten Verfassung, die allgemeine persönliche und politische Rechte garantiert, mit fairen Wahlen und unabhängigen Gerichten.
Ohne ketzerisch zu sein,bei unabhängigen Gerichten alleine schon fällt mir der Begriff Heuchelei ein.
Wenn dann einem Volk nicht mal eine Volksbefragung gestattet wird,ob ihre Töchter und Söhne in einen Krieg geschickt werden....

Die alten Griechen waren da weiter.

seaman


Das wäre dann aber die Anarchie.


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#78

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 20:55
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #77
Zitat von seaman im Beitrag #75
Demokratie vom wahren Inhalt her bedeutet für mich nicht nur "etwas Freiheit" sondern uneingeschränkte Herrschaft des Volkes.
Also eine Staatsform mit einer vom Volk abgesegneten Verfassung, die allgemeine persönliche und politische Rechte garantiert, mit fairen Wahlen und unabhängigen Gerichten.
Ohne ketzerisch zu sein,bei unabhängigen Gerichten alleine schon fällt mir der Begriff Heuchelei ein.
Wenn dann einem Volk nicht mal eine Volksbefragung gestattet wird,ob ihre Töchter und Söhne in einen Krieg geschickt werden....

Die alten Griechen waren da weiter.

seaman


Das wäre dann aber die Anarchie.


Das ist nicht ganz richtig.
Anarchie bedeutet im eigentlichen Sinne Nichtherrschaft oder Herrscherlosigkeit. In ihr können sich die Menschen frei von Gesetzen, Grenzen und Normen bewegen und sich so frei und ohne Zwang entwickeln.

Ich schrieb von uneingeschränkter Herrschaft des Volkes.Ein Volk(als Herrscher) also,dass sich Regeln des Zusammenlebens selbst und frei mehrheitlich gibt.

seaman


exgakl hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 16.01.2014 21:02 | nach oben springen

#79

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 20:57
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #63
Die "Arbeitermacht" war nur ein Phantom.

Der "Demokratische Zentralismus" funktionierte nur von oben.

Das Parlament, die "Volkskammer", war ein Feigenblatt und durfte nur "abnicken".

Die Regierung arbeitet routinemäßig, aber hatte keine wirkliche Macht.

Das Politbüro entschied ohne Parlament und Regierung.

Und heute wissen wir (von Mitgliedern dieses Politbüros!), daß in diesem Gremium der Generalsekretär das Sagen hatte und Widerspruch nicht duldete.

Arbeiterproteste gegen die SED wurden um den 17. Juni 1953 brutal unterdrückt, daß die Volksmassen bis 1989 gelähmt waren.

Die meisten, die 1989 in Massen "Wir sind das Volk" riefen, waren ganz sicher Werktätige.
Wenn sie tatsächlich die Macht gehabt hätten, wären sie nicht auf die Straße gegangen.

Die diktatorischen "Proletarier" waren keine Arbeiter - beriefen sich bestenfalls darauf, in der Jugend mal welche gewesen zu sein. Selbst Vorzeigeleute wie Adolf Hennecke waren nur Gallionsfiguren.

Aber wem muß man das sagen?


Da habe ich mal in Youtube einen alten Werbespot für eine Zeitung gesehen. Da sagte immer einer "Faklten, Fakten, Fakten und immer an den Leser denken". So ist das wohl einzuordnen, was Du da schreibst. Es sind einfach Tatsachen.



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#80

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 21:05
von diefenbaker | 585 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #74
Zitat von diefenbaker im Beitrag #73


Wir geraten in eine Diktatur der Bürokratie. Meine an der Oberfläche vorhandenen demokratischen Rechte werden unter der Decke so reglementiert, dass ich sie nicht mehr ausüben kann.




Eine Frage dazu.
Du kannst nicht mehr frei deine Meinung äußern, frei deinen Wohnsitz wählen, bei Wahlen frei den deine Stimme geben den du dafür geeignet hältst?


Gute Fragen.
Hier kann ich evtl. den Unterschied zwischen der freiheitlichen Oberfläche und der einschränkenden Reglementierung verdeutlichen.
Die Antworten lauten ja aber

Ich kann meine Meinung frei äußern wenn
- mir nicht jemand den Par. Volksverhetzung vorwerfen kann
- es mich nicht stört, in das Visier von Staats- und Verfassungsschutz zu geraten
- mir als Podium der Kneipenstammtisch oder dieses Forum (nicht abwertend gemeint) ausreicht
- wenn es mich nicht stört, dass die öffentlich rechtlichen Medien weitgehend gleichgeschaltet sind und meine Meinungsäußerungen übertönen

Ich kann meinen Wohnsitz frei wählen, wenn
- ich den gewünschten Wohnsitz von den mir vom Staat belassenen Mitteln finanzieren kann, der Steuzahler Gedenktag verschiebt sich immer weiter in Richtung Jahresende, 2013 war es der 8. Juli
- ich nicht in einer Umweltzone lebe und nur ein altes Auto habe, das da nicht rein darf
- ich nicht eine entfernte Arbeitsstelle annehmen muss und mir die Fahrt zw. bisheriger Wohnung und Arbeitsstätte nicht mehr leisten kann

Ich kann bei Wahlen meine Stimme an geeignete Kandidaten geben, wenn
- ich einen geeigneten Kandidaten finde
- es mich nicht stört, wenn der Kandidat unter die 5% Klausel fällt
- es mich nicht stört, dass sich die voraussichtlich regierungsbildenden Kandidaten kaum noch unterscheiden
- wenn es mich nicht stört, dass durch steuerfinanzierte Wahlversprechen ganze Wählergruppen geködert werden

es ließe sich fortsetzen

Gruss Wolfgang



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