#21

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 19:16
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Oh, oh Matloh du kannst aber Fragen stellen ......

Ich sollte Dir gleich mal zum Thema gefühlte zwei Tonnen Agitationsmaterial der SED schicken damit Du ungefähr eine Ahnung davon bekommst was Du da meinst .....

Da nicht alle Proletarier Basisdemokratisch den Ton angeben konnten, geht einfach nicht; irgendwie hatten sich die klassenbewußten Arbeiter organisiert und neben Gewerkschaften auch in einer Partei in welche ausschließlich ihre Interessen durch Vertreter aus ihren Reihen vertreten wurden.
Diese noch etwas klassenbewußteren der klassenbewußten Arbeiter nannten sich als Parteimitglieder folgerichtig die Avantgarde der fortschrittlichen, klassenbewußten Proletarier. Also waren die Genossen Parteimitglieder und da wiederum die führenden Genossen die Avantgarde der Avantgarde der klassnebewußtesten, fortschrittlichen Proletarier.
Da die führenden Genossen, also die Avantgarde der Avantgarde, den ganzen Tag mit dem Klassenkampf beschäftigt war, wurden sie Berufsrevolutionäre und damit alles seine Ordnung hat wurde die Partei des Neuen Typus geschaffen, also eine Kader- und Funktionärspartei. Dazu gab es gleich noch den neugeschaffenen demokratischen Zentralismus der einfach gesagt folgendes beinhaltete; wir, die Avantgarde der Partei die wir an der Spitze selbiger stehen haben den größten Überblick und sind deshalb am fortschrittlichsten und revolutionärsten. Deshalb können wir sagen welchen Weg wir zum Ziel 'Kommunistische Gesellschaft' gehen werden. Wir machen die Vorschläge, ihr habt diesen Zuzustimmen und damit ist es Demokratisch, eben nur von oben nach unten und nicht so von unten nach oben und überhaupt Fraktionen, konträre Diskussionen und solch ein Quatsch brauchen wir nicht, denn wenn ihr auf uns hört sind wir uns einig.
Denn die Avantgarde besaß einen unschätzbaren Vorteil; meinte sie; denn sie verfügte als Einzige fortschrittliche Kraft über eine wissenschaftliche, strickt materialistische, Weltanschauung: dem Marxismus-Leninismus dem wir nun wiederum zu großen Teilen dem Führer aller Führer,ähm aller Proletarier, dem größten Sohn der Menschheit, dem legitimen Erbe von Marx, Engels und Lenin, dem unvergleichlichen, gottgleichen und deshalb unsterblichen Stalin verdanken.

Irgendwie war die DDR ein gewisser Sonderfall gab es in ihr doch den Quatsch eines Mehrparteiensystems.
Die Avantgarde des Proletariats schlug dank und befähigt durch ihre unfehlbare wissenschaftliche Weltanschauung die große, richtige Linie auf dem Weg vor und in freier demokratischer,parlamentarischer Art (Volkskammer, DDR Parlament) stimmten die anderen Parteien, mit der führenden Partei in einem Block, genannt National Front, vereint meist einstimmig jubelnd den gemachten Vorschlägen zu.

Wie Du jetzt erkennen kannst Matloh hat also das Proletariat ganz demokratisch, vertreten durch Avantgarde, den Ton angegeben.
dumm war nur das in der Praxis dies viele Menschen nicht begriffen und sie mussten deshalb mit zärtlicher Gewalt auf diesen Umstand aufmerksam gemacht werden.

Ich hoffe Dir wurde geholfen.

Gruß
Nostalgiker

Fehler: Edit


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

DoreHolm, matloh, andyman, ABV, Jobnomade, Hans und diefenbaker haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.01.2014 19:21 | nach oben springen

#22

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 19:18
von Barbara (gelöscht)
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auch bzgl. des Threads: Bekenntnisse eines MfS-Offiziers:

Wollen wir nicht die Begriffe "Diktatur des Proletariats" und "Diktatur" auseinanderhalten:

der 1. ist ein weltanschaulich/programmatischer Begriff
der 2. bezeichnet eine totalitäre Staatsform

Ich denke das 2. hat Uwe mit "richtiger Diktatur" gemeint.
.

.


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#23

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 19:19
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von matloh im Beitrag #20
Zitat von DoreHolm im Beitrag #15
Nun, ich kann mich erinnern, daß nie ein Hehl daraus gemacht wurde, daß es diese Gesellschaft eine "Diktatur der Proletariates" war.
Kann mir da jemand weiter helfen? Bei einer Diktatur des Proletariats müsste ja das Proletariat den Ton angeben. Klingt für mich ein wenig nach Basisdemokratie. Inwiefern war das in der DDR der Fall? Hat sich das Proletariat bspw. dafür entschieden, die Mauer zu bauen? Wie konnte das Proletariat denn mitbestimmen? Durch Wahlen (Zettelfalten) ja wohl nicht. Über welche Gremien (in der das gesamte Proletariat, nicht nur die SED vertreten war) passierte das denn sonst? Über Eingaben? Wie wurde das Quorum dabei ermittelt?

cheers matloh


Da ja nicht jeder Proletarier ein kleiner Diktator sein konnte wurde dem einfachen Proletarier diese schwierige Aufgabe von dazu befähigten Vertretern des Proletariats abgenommen, es ging ja nun auch wirklich nicht wenn z.B. alle Proletarier mit Jagdbüchsen durch den Wald liefen, dafür war das Wild zu knapp


zuletzt bearbeitet 15.01.2014 19:19 | nach oben springen

#24

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 20:18
von DoreHolm | 7.692 Beiträge

Zitat von matloh im Beitrag #20
Zitat von DoreHolm im Beitrag #15
Nun, ich kann mich erinnern, daß nie ein Hehl daraus gemacht wurde, daß es diese Gesellschaft eine "Diktatur der Proletariates" war.
Kann mir da jemand weiter helfen? Bei einer Diktatur des Proletariats müsste ja das Proletariat den Ton angeben. Klingt für mich ein wenig nach Basisdemokratie. Inwiefern war das in der DDR der Fall? Hat sich das Proletariat bspw. dafür entschieden, die Mauer zu bauen? Wie konnte das Proletariat denn mitbestimmen? Durch Wahlen (Zettelfalten) ja wohl nicht. Über welche Gremien (in der das gesamte Proletariat, nicht nur die SED vertreten war) passierte das denn sonst? Über Eingaben? Wie wurde das Quorum dabei ermittelt?
cheers matloh


Mal meine heute Sicht dazu, die sich eigentlich nicht sooo wesentlich von der von damals unterscheidet, lediglich bewußter und weniger unterschwellig.
Prinzipiell hat das Proletariat in Einheit mit den (genossenschaftlichen) Bauernden Ton angegeben. Das wurde daraus abgeleitet, daß bei der Besetzung von Führungspositionen aus der AK (Arbeiterklasse) stammende Kader bevorzugt wurden. Da wurde natürlich so Mancher, den man politisch und fachlich für geeignet hielt, dessen Eltern aber einen anderen Hintergrund hatten (Akademiker, Selbständiger, Beamter), zur aus der AK abstammend oder zugehörig gemacht. Ich selbst könnte da als Beispiel gelten.
Es ist wie bei jeder Wahl. Die Gewählten meinen, nun das Richtige für ihre Wähler (und für ihr eigenes Wohl) zu tun, weil sie eben gewählt wurden. Ähnlich wird es in der DDR gewesen sein. Klar, die allermeisten Führungskader, vom Politbüro bis in Ebenen darunter, hatten mehrheitlich proletarische Wurzeln, waren in der NS-Zeit eingebuchtet, im KZ gesessen oder in der Emigration, waren Spanienkämpfer oder sonstwie im Widerstand. Aus dieser Herkunft leiteten sie die Befähigung ab, das Richtige für "Ihre" Klassengenossen zu tun. Basisdemokratie war es insofern, daß auch von Unten gewählt wurde. Die politischen Führer wurden offiziell von den Mitgliedern ihrer Ebene gewählt, allerdings wurde durch einige "Überzeugungsarbeit" m.E. Einfluss darauf genommen, daß auch die "Richtigen" gewählt wurden. Desto niedriger die Ebene wurde, desto eher wurde ein Führungskader aus einem einzigen Grund gewählt und der war: "Ein Glück, daß ich es nicht machen muß". Das betraf BPO, FDJ, BGL u.a. gesellschaftliche Funktionen. Ist das alte Spiel: Wenn sich einer findet, der Engagement zeigt, freuen sich alle. Sportklubs, Kultur- u.a. Freizeitvereine würden ohne einen solchen "Willigen" nicht existieren. Was als "Basisdemokratie" m.E. besser und realer war als bei heutigen Wahlen, waren die öffentlichen Auftritte von Kandidaten in ihrem Wahlkreis, in denen sie Rede und Antwort auf sehr konkrete und i.d.R. den Wahlkreis betreffende Probleme antworten mußten und auch an der Realisierung dieser gemessen wurden. Das sich Herausstehlen aus Wahlversprechen war m.E. in der DDR für gewählte Politiker ungleich schwieriger als heute. Wer diese Gespräche nicht wahrnahm, konnte sich damals genauso hinterher nicht beschweren wie heute einer, der nicht wählen gegangen ist. Weitreichende politische Entscheidungen, wie eben der Abbau der Mauer, Landesverteidigung, Außenpolitik, wirtschaftliche Grundsatzentscheidungen u. dergleichen wurden m.E. in keiner Weise eines Einflusses oder gar Entscheidung der Basis überlassen. Darüber wurde nicht offiziell entschieden oder diskutiert, wohl aber wurden dazu Meinungen geäußert, auch öffentlich, ohne Restriktionen. Der Ton macht die Musik und die Formulierung, galt natürlich auch dafür.
Mitbestimmen des Proletariates, Zettelfalten: Dazu hatte ich schon mal was geschrieben. Ja, Zettelfalten, so kann man es wohl für die meisten Wähler sagen. Ich bin auch heute noch der Meinung, auch in Kenntnis des Ablaufes in einem Wahlbüro, daß die Bürger ihre Möglichkeiten der Einflussnahme, insofern sie tatsächlich im weitestgehenden Gegensatz zu den Zielen des Politbüros lag, sehr ungenügend wahrgenommen haben. Bei einer tatsächliche Unzufriedenheit in einem Maße, wie sie heute dargestellt wird, wären nicht diese hohen Prozentzahlen der Zustimmung entstanden und die Ergebnisse um 50% zu fälschen, wäre nicht möglich gewesen. Es wurde tatsächlich in den meisten Fällen kurz draufgeschaut auf den Wahlzettel, dann ging es zumeist hinter die Kabine, Kreuzchen, ab in die Urne und das war´s. Ungültig machen oder die Parteien bzw. Namen ankreuzen, die nicht die SED vertraten, wäre ein Leichtes gewesen.
Das Gremium, in dem nicht nur die SED vertreten war, war die Volkskammer und die Nationale Front. Allerdings auch hier wurde dafür gesorgt, daß die SED nie ihren Führungsanspruch gefährdet sah. Offiziell stellte die SED nicht die Mehrheit, allerdings war diese nicht gefährdet, da zahlreiche Delegierte anderer gesellschaftlicher Organe (Frauenbund, Kulturbund, Jugend u.a.) Mitglied der SED waren. Google mal zu diesen beiden Gremien.
Was Eingaben betraf, wurden diese allerdings ernst genommen, an die zuständigen Stellen weitergeleitet und es erfolgte auf jeden Fall eine Antwort und wenn es möglich und berechtigt war, ein positiver Bescheid, denn eines war klar: Jeder Negativbescheid war ein unzufriedener Bürger und ein künftiger Nichtwähler oder gar Ausreiseantragsteller.



ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.01.2014 20:26 | nach oben springen

#25

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 20:24
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

Zitat von Barbara im Beitrag #10
Zitat von Damals87 im Beitrag #7

Und will es wirklich gelingen, "Demokratie" und "Diktatur" klar voneinander abzugrenzen?
Staaten und Gesellschaften sind Veränderungen unterworfen. Ein ehemals extrem restriktiver Staat kann mit zunehmendem Wohlstand immer mehr Freiheiten und Einflußmöglichkeiten des Einzelnen erlauben.




Bei Beibehaltung des "Gesellschaftlichen Modells" Michael?
Ein restriktiver Staat der über lange Zeit eine solche Machtstruktur aufgebaut hat, wird ebenso lange brauchen diese Machtstruktur wieder "rückzubauen". Während dessen geht ihm das Volk verloren?





Was ist das Gesellschaftliche Modell?
Die Eigentumsverhältnisse? Die sind im Faschismus und im modernen parlamentarisch "demokratischen" Staat die gleichen.
Die Gruppe (entweder eng begrenzt auf einzelne Personen, oder die ges. Schicht bzw. Klasse), die faktisch die Macht ausübt?
Oder nur der (imho austauschbare und beliebige) Name des ganzen?

Eine Machtstruktur ist imho recht schnell aufgebaut und ohne Zerstörung des gesamten Gemeinwesens überhaupt nicht "rückzubauen", wobei unter Zerstörung auch einfacher Zerfall verstanden werden kann.
Die totale Macht, vergleichbar mit göttlicher Allmacht, ist selbst für den brutalsten Diktator Illusion. Der/die Machthaber können niemals lückenlos bis in den kleinsten Teilbereich herrschen.
Durch Dosierung seiner Restriktionsmittel kann der Machthaber (stellvertretend genannt für die wie auch immer geartete machtausübende Gruppe) Macht über Teilbereiche an sich reißen, aber auch preisgeben.
Mit steigendem Wohlstandsniveau stabiler werdende Machtverhältnisse ermöglichen es, den Aufwand für die Machterhaltung, somit die Restriktion,
zu reduzieren. Umso mehr Freiheit und Demokratie werden möglich.
Umgekehrt geht es natürlich auch.

Ich denke, jeder moderne Staat, zumindest wenn er länger als 12 Jahre existierte, kann dafür als Beispiel herhalten.

Grüße aus Hessen

P.S.. Meiner Meinung nach ist jeder real existierende Staat eine Diktatur, nur durch das Maß der Restriktion und durch den Grad der Einflußmöglichkeit des Einzelnen zu unterscheiden.

Edit: P.S.


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


zuletzt bearbeitet 15.01.2014 21:35 | nach oben springen

#26

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 21:43
von Damals87 | 503 Beiträge

Hallo,

@DoreHolm, hast Du eine Erklärung dafür, daß die Möglichkeiten der Willensäußerung, die das Wahlrecht der DDR bot, kaum genutzt wurde?

Oft wird ja behauptet, diese Möglichkeiten habe es nicht gegeben.

Oder wurde das Verfahren der Stimmabgabe regional äußerst unterschiedlich gehandhabt, was so nicht zu einem Zentralstaat wie der DDR passen würde?

Grüße aus Hessen


„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“ Sören Kierkegaard


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#27

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 22:53
von DoreHolm | 7.692 Beiträge

Zitat von Damals87 im Beitrag #26
Hallo,

@DoreHolm, hast Du eine Erklärung dafür, daß die Möglichkeiten der Willensäußerung, die das Wahlrecht der DDR bot, kaum genutzt wurde?

Oft wird ja behauptet, diese Möglichkeiten habe es nicht gegeben.

Oder wurde das Verfahren der Stimmabgabe regional äußerst unterschiedlich gehandhabt, was so nicht zu einem Zentralstaat wie der DDR passen würde?


Grüße aus Hessen


Das Verfahren war m.E. einheitlich geregelt, wie eben auch alles andere in der DDR einheitlich geregelt war (Gesetze, Verordnungen, Lehrpläne an Schulen, Preise, TGL/DIN-Vorschriften u.v.m.). Deshalb gehe ich davon aus, daß mein geschildertes Erlebte allgemeingültig in der ganzen DDR war.
Bei den letzten beiden Wahlen in der DDR, also vor der Wende, war ich einmal Mitglied eines Wahllokales und einmal Leiter des Wahllokales. Es war also schon eine Zeit, als die Stimmung etwas unruhig wurde. Über Einzelheiten hatte ich vor längerer Zeit schon mal geschrieben, will es aber noch mal wiederholen. Mir ist das wie folgt in Erinnerung. Die Urne und die Wahlunterlagen wurden am Morgen des Wahltages vom zentralen Wahlbüro abgeholt. Versiegelt und gegen Unterschrift. Bei einer der Wahlen wurden wir wie folgt instruiert: Die im Vorfeld der Wahlgespräche in den Wahlbezirken sich dahingegen geäußerten Wahlberechtigten, die ihre Nichtteilnahme angekündigt hatten, wurden in den Unterlagen als nicht Wahlberechtigt eingetragen werden, stellten somit statistisch keine Nichtwähler dar. Sollte wider Erwarten einer dieser doch zur Wahl erscheinen, sollte der nachträglich als Wahlberechtigter geführt werden, was ja unproblematisch war, da offiziell sowieso im Wahlbezirk als Einwohner und Wahlberechtigter gemeldet. Ich hatte damals zu meinen Wahlbüroleuten gesagt, daß das ja eigentlich eine Manipulation ist. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich das allerdings so hingenommen und nicht protestiert hatte. Vermutlich wäre ich sofort von dieser Aufgabe entbunden worden und man hätte einen Ersatzwahlleiter eingesetzt und mir eingeschärft, daß ich das politisch sehen muß und ich tunlichst meinen Mund halten sollte. Letzteres ist nur meine Vermutung, denn ich habe später im kleinen Kreis der BPO drüber gesprochen.
Die Wahl selbst lief ab wie Wahlen eben so ablaufen. Mit dem Wahlschein zum 1. Beisitzer, Zettel in Empfang nehmen, hinter die Kabine, kurz draufgeguckt, Kreuz gemacht und in die Urne. Entgegen anderen Behauptungen kenne ich das nur so, auch bei anderen Wahlen, daß in den meisten Fällen die Kabine benutzt wurde, schon weil es bequemer war mit den Kreuzchen machen als im Stehen. Ich kenne keinen Fall, in dem ich irgendwie den Eindruck hatte, daß notiert wird, wer in die Kabine geht und wer nicht, was bei etwas Andrang auch gar nicht mehr möglich wäre. Selbst bin ich grundsätzlich in die Kabine gegangen, außer einmal, als in der GK über die Verfassung abgestimmt wurde. Da stand unser politnik hinter jedem Soldaten, grinste einfältig und guckte, daß der Soldat sein Kreuz auch and er richtigen Stelle macht. Da ich gern mal provoziere, wenn mir was gegen den Strich geht, habe ich mich danach geärgert, nicht trotzdem in der Kabine verschwunden zu sein. Sein Gesicht hätte ich sehen wollen.
Sollte es in irgendeinem Lokal vorgekommen sein, was ich nicht grundsätzlich abstreiten würde, daß ein Beisitzer die Kabinenbenutzung notiert, war das auch damals gegen die Vorschrift und eine sehr eigenmächtige Handlung eines Wichtigtuers.
Warum die Wahlen nicht zur Stimmabgabe gegen das System genutzt wurden, obwohl problemlos und gefahrlos möglich ? Frag mich was Leichteres. Erklären kann ich es mir nur durch die relative Zufriedenheit der Mehrheit der DDR-Bürger, der Gewohnheitssache, vielleicht auch aus der Meinung, daß sich ja doch nicht viel ändern würde, was weiß ich ? Mir kann keiner weismachen, daß bei einem Wahlverhalten der DDR-Bürger wie zur ersten Wahl 1990 das Politbüro nicht Kopf gestanden hätte. Bei aller Wahlmanipulation, aber aus 16,4 % für die SED (Ergebnis für PDS damals) wäre nie und nimmer 50% oder mehr zu machen gewesen. Zu viele Zeugen bei der Auszählung hätte es gegeben, die sich hinterher auch über Ergebnisse unterhielten. Die Vertreter von Blockparteien waren in den Wahllokalen Vertreten und bei der Auszählung anwesend. Diese, insbesondere eine CDU mit 40 oder mehr Prozent, wären mit einem ganz anderen Selbstbewustsein aufgetreten, trotz einiger Opportunisten in ihren Reihen und es wäre erst recht nicht mit Gewalt zu korrigieren gewesen. Die DDR in ihrer damaligen Form wäre schon in den 70ern oder gar 60ern nicht mehr haltbar gewesen.
Es scheint mir eine menschliche Eigenschaft zu sein. Lange Zeit huldigen die Untertanen ihrem König, bis der Richtige kommt, sie mit viel Polemik heiß macht und schon ist es mit aller Huldigung vorbei und ein anderer König herrscht ("der König ist tot - es lebe der König").

Eine Nichtbeachtung des Wahlgeheimnisses kenne ich insofern, weil in den nächsten Tagen in den Betrieben bekannt war, wer die Teilnahme an der Wahl verweigert hatte. Wer keine nenneswerte Funktion hatte, auf den hatte es (ich schließe andere Erlebnisse nicht aus) außer eine dumme Bemerkung vom Meister oder den Kollegen, je nach deren Einstellung, keine Auswirkungen. So meine Erfahrungen, aber ich schrieb es schon mal: Unsere Firma war politisch ein relativ liberaler Haufen, nicht zu vergleichen mit einem größen betrieb mit hauptamtlichen Funktionären (i.d.R. ab 500 Beschäftigten). Gut, der angestrebte Titel "Brigade der soz. Arbeit" konnte eventuell für diese Saison flöten gehen und damit waren Geldzuwendungen verbunden, mußte aber nicht zwangsläufig. Arbeitsrechtlich konnte natürlich nichts gemacht werden, aber ab Direktorposten konnte es schon kritisch für die Karriere werden und ein Rauschschmiss aus der Partei war dann wohl vorprogrammiert.



Pitti53, ABV, Damals87 und werner haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 15.01.2014 23:02 | nach oben springen

#28

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 23:38
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #12
Zitat von DoreHolm im Beitrag #9
Barbara, letzter Satz in #8: Ja, die Drecksarbeit machen dann, bis auf Ausnahmen, meist die "kleinen Leute", oft mit einem Hang zur Gewalt und ohne sehr viel Intellekt und ohne ein "Übermaß" an Mitgefühl und Gewissen.
Um nicht mißverstanden zu werden, solche Sachen beziehe ich auf wirkliche Diktaturen, in denen Gewalt und Tod zu den Normalitäten gehören.


Mir fällt da spontan der hohe SS-Offizier Theodor Eicke ein. Ein ebenso brutaler wie ausgesprochen dummer Mensch. Seine Lebensgeschichte vor 1933, ist die eines gescheiterten Versagers. Erst bei den Nazis gelangte der Trottel " in Amt und Würden".

Gruß Uwe



Na solche Karrieren mit anderen Vorzeichen gab es aber doch auch zuhauf in der ehemaligen DDR?!



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#29

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 23:41
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #28
Zitat von ABV im Beitrag #12
Zitat von DoreHolm im Beitrag #9
Barbara, letzter Satz in #8: Ja, die Drecksarbeit machen dann, bis auf Ausnahmen, meist die "kleinen Leute", oft mit einem Hang zur Gewalt und ohne sehr viel Intellekt und ohne ein "Übermaß" an Mitgefühl und Gewissen.
Um nicht mißverstanden zu werden, solche Sachen beziehe ich auf wirkliche Diktaturen, in denen Gewalt und Tod zu den Normalitäten gehören.


Mir fällt da spontan der hohe SS-Offizier Theodor Eicke ein. Ein ebenso brutaler wie ausgesprochen dummer Mensch. Seine Lebensgeschichte vor 1933, ist die eines gescheiterten Versagers. Erst bei den Nazis gelangte der Trottel " in Amt und Würden".

Gruß Uwe



Na solche Karrieren mit anderen Vorzeichen gab es aber doch auch zuhauf in der ehemaligen DDR?!



Ach ja? da haste sicher Beispiele aus deinen "Akten"?


elster427 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#30

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 15.01.2014 23:59
von studfri | 762 Beiträge

Ich habe keine "Akten" und in die ich Einsicht nahm wirst Du nicht erwarten, dass ich daraus etwas hier zitiere. Du solltest mich nicht mit einem Werkzeugmacher verwechseln.

Es bedarf im übrigen dazu auch gar keiner Akteneinsicht; es genügt völlig sich z.B. die (veröffentlichte oder öffentlich zugänglchen) Vitae vieler Karrieristen der ehemaligen DDR anzusehen, gleichviel ob es sich um die "Goldfasane" der Truppen, führende Mitarbeiter in Partei und Organen und andere höher gestellte "Persönlichkeiten" handelte. Da findest Du mehr als genug, wenn Du sie den suchen magst. Aber das möchtest du sicher gar nicht, weil Du das ganz genau selbst weist.



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#31

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 00:02
von Moskwitschka (gelöscht)
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Hallo Frank,

in einem anderen thread hatten wir schon einmal Wahlen in der DDR. Auch da hast Du ausführlich geschrieben. Unter anderem erwähntest Du eine "Liste der Wahlverweigerer", bei der ich aufmerksam wurde. Hier zur Erinnerung:

Zitat von DoreHolm im Beitrag RE: Warum wählst du die eine Partei?
Zitat von Moskwitschka im Beitrag RE: Warum wählst du die eine Partei?
Zitat von DoreHolm im Beitrag RE: Warum wählst du die eine Partei?
Wer schon im Vorfeld der Wahlen offen bekundete, daß er nicht zur Wahl geht, wurde in der Liste als "nicht wahlberechtigt" aufgeführt.



Eine Liste "nicht wahlberechtigt"? Dazu habe ich erst einmal drei Fragen.

Woher bekam man die Information, dass jemand öffentlich bekundet hat, nicht zur Wahl zu gehen? Was ist mit dieser Liste nach der Wahl passiert? Wurden die Listen immer wieder neu erstellt oder von Wahl zu Wahl weitergeführt?

Ehrlich gesagt, mir stellen sich im nachhinien die Nackenhaare auf.Bis jetzt bin ich davon ausgegangen, dass von solch einer öffentlichen "Wahlverweigerung" nur die Betriebe, Hochschulen, etc. Kenntnis hatten und diese evtl. an die entsprechenden Stellen weitergeleitet wurden. Aber nicht an die Wahlkommissionen.

LG von der grenzgaengerin



Meines Wissen und wimre waren das Menschen, die im Vorfeld wegen nicht erfüllter Wünsche und Forderungen (z.B. Wohnung, Ausreise u.a.) oder auch offener Opposition zur Regierungspolitik bei den Behörden schon offen ankündigten, in diesen Fällen nicht zur Wahl zu gehen. Wie gesagt, so meine Erinnerungen. Was das von mir weiter oben genannte "nerven" betrifft, zähle ich dazu auch die Wahlhelfertätigkeit, Leute aufzusuchen und sie zum Gang in´s Wahlbüro zu bewegen, die sich damit Zeit bis irgendwann um die Mittagszeit ließen. Man kann es mir glauben, das war eine der unangenehmsten Aufgaben für Wahlhelfer, die Leute zu beknien, nicht erst bis 17.00 Uhr zu warten. Für Kranke, Gehbehinderte und andere, die aus irgendwelchen Gründen nicht selbst zum Lokal laufen konnten, gab es die "Fliegenden Urnen". So eine stand in jedem Wahlbüro und wurde für solche Fälle eingesetzt. Da wurden zwei Wahlhelfer damit losgeschickt, wenn sich unter denen, die Mittags noch nicht wählen waren oder wo die Angehörigen darum gebeten hatten, Gehbehinderte befanden.


Meine Fragen hast Du damals nicht beantwortet oder nicht beantworten können. Daher frage ich an dieser Stelle noch einmal - Woher kamen diese Listen? Und ich wiederhole es in diesem Forum zum wiederholten Mal - Ich war Wahlverweigerin und habe eine Form gefunden, wo mich auch nicht eine "fliegende Wahlurne" erreichen konnte. Auch die Geschichte will ich nicht zum 3. oder 4. Mal wiederholen.

Und wenn Frank mir meine Frage nicht beantworten kann, dann vielleicht jemand anders - der vielleicht solche Listen erstellt hat.

LG von der Moskwitschka


zuletzt bearbeitet 16.01.2014 00:05 | nach oben springen

#32

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 07:01
von icke46 | 2.593 Beiträge

Ich habe hier mal 2 Wahlzettel der Volkskammerwahl von 1976. Quelle ist das Bundesarchiv.



Mich würde nun interessieren, wo man auf diesen Stimmzetteln ein Kreuz machen soll? Soweit ich weiss, gab es die Möglichkeit, auf dem Zettel einzelne Kandidaten zu streichen, oder den kompletten Wahlvorschlag zu akzeptieren, indem man den Zettel unverändert in die Urne warf.

Aber Kreuze? Ich lass mich aber gerne eines besseren belehren.

Gruss

icke

,



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#33

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 07:44
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Wurden einzelne Kandidaten auf dem Wahlzettel durchgestrichen , so galt die abgegebene Stimme trotzdem als "ja"
Nur wenn alle Kandidatennamen durchgestrichen wurden galt die abgegebene Stimme als Neinstimme.
Die bequeme gewünschte Methode ohne versteinerte Blicke der Wahlhelfer : Zettel in Empfang nehmen, falten, einwerfen, gehen.
Ich habe einen dicken schwarzen Filzer zur Wahl mitgenommen , um Missverständnisse, durch den dürrren Krakelkugelschreiber in der Wahlkabine auszuschließen.
Das Papier der Wahlzettel war so ganz dünnes Papier und nachdem ich in der Wahlkabine war sah er aus wie ein Zebrastreifen.


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#34

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 07:47
von ABV | 4.202 Beiträge

Ich habe ja nur zwei solcher Wahlen mitgemacht. Wenn ich mich recht erinnere, wurden die Wahlzettel gefaltet und in die Urne geschmissen. Darum wurden die Wahlen in der DDR ja auch "organisiertes Zettelfalten" genannt. An Kreuze kann ich mich nicht erinnern.
Anders als heute, standen die Kandidaten ja nicht wirklich zur Auswahl, sondern von vornherein fest. Deine Ablehnung konntest du nur dadurch zeigen, in dem du einen Kandidaten von der Liste streichst. Was aber angeblich nicht viel nutzte. Als Nein-Stimme galten nur die Zettel, auf denen sämtliche Kandidaten durchgestrichen waren. Das tat aber kaum jemand.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#35

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 07:50
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von Barbara im Beitrag #22
auch bzgl. des Threads: Bekenntnisse eines MfS-Offiziers:

Wollen wir nicht die Begriffe "Diktatur des Proletariats" und "Diktatur" auseinanderhalten:

der 1. ist ein weltanschaulich/programmatischer Begriff
der 2. bezeichnet eine totalitäre Staatsform

Ich denke das 2. hat Uwe mit "richtiger Diktatur" gemeint.
.

.


Stimmt! Genauso hatte ich das gemeint. Das wir in einer " Diktatur des Proletariats" lebten, erfuhr man schon als Schüler. Und auch die Abgrenzungskriterien zu anderen, "richtigen" Diktaturen.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#36

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 08:21
von matloh | 1.204 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #21
Oh, oh Matloh du kannst aber Fragen stellen ......

Ich sollte Dir gleich mal zum Thema gefühlte zwei Tonnen Agitationsmaterial der SED schicken damit Du ungefähr eine Ahnung davon bekommst was Du da meinst .....

Da nicht alle Proletarier Basisdemokratisch den Ton angeben konnten, geht einfach nicht;
.....
Ich hoffe Dir wurde geholfen.

Gruß
Nostalgiker
Deine Ironie gefällt mir! Danke für die Unterhaltung!

cheers matloh


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#37

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 08:58
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Keine Ursache @matloh , nur solltest du neben der Unterhaltung auch ein paar Erkenntnisse gewonnen haben ....., oder ist dem nicht so?

Was ich vielleicht vergessen habe; jeder der osteuropäischen Diktaturen wurden strickt nach dem Vorbild des Urlandes aufgezogen. Nicht nur Parteiherrschaft, sondern Alleinherrschaft in Gnaden des Führers aller Führer (so bekommt das nämlich einen Sinn), Personenkult gegenüber dem Landes-Partei-Führer, unglaublicher Personenkult, fast gottgleiche Verehrung des Vaters aller Völker etc., Aufbau und Anwendung eines brutalen Respirationsapparates um jegliche 'Abweichung' im Keime zu ersticken, nach dem im Urland bewährtem Muster, erzeuge Angst vor dem Apparat und lass die Masse dich als Führer lieben. (Leider war es allen Bemühungen zum Trotz in der SBZ, später DDR mehr eine ausgeprägte Hassliebe gegenüber dem 'Selbsternannten' .....)
Fehler im sozialen, wirtschaftlichen, überhaupt im gesellschaftlichen Bereich hatten ihre Ursache in der Wühltätigkeit der äußeren und inneren Feinde, nie in der Partei selber.
Äußere und innere Feinde waren all diejenigen die es wagten irgendwelche Beschlüsse, Äußerungen, Erkenntnisse, Personalentscheidungen anzuzweifeln. Sie waren bedingungslos gutzuheißen und nicht zu hinterfragen, denn das machen nur Schädlinge .....

Nur zeigten Ereignisse in verschiedenen Ländern 1953, 1956, 1968 das diese 'Neuen Länder' noch nicht bereit waren diesen konsequenten Kurs nach ihrem Vorbild auch ohne wenn und aber durchzuhalten. Hier hatte es die "Partei" nicht mit dem ungebildetem Muschik vom russischen platten Land zu tun, dem alles was hinter den Horizont seines Dorfes lag nicht interessierte und was noch schlimmer war, diese Länder waren nicht so hermetisch gegen die verderblichen, äußeren Einflüsse wie das 'Mutterland' abgeschottet.

Also kam es in der Folgezeit zu teilweiser äußerlicher Liberalisierung in diesen Ländern, was wieder in dem einen oder anderem Mißverstanden wurde und kecke Abweichler meinten in einem Frühling das sie mal was "eigenes" machen müßten. Ging natürlich voll daneben, welcher strenger aber gütiger Vater lässt es sich gefallen das ihm seine Anvertrauten, für die er Verantwortung hat auf der Nase rumtanzen. Also wurde dem Aufmüpfigen gezeigt wo der Hammer hängt und es war wieder Ruhe in der brüderlich verbundenen Staatengemeinschaft ......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#38

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 09:23
von icke46 | 2.593 Beiträge

Zitat von Nostalgiker im Beitrag #37
Aufbau und Anwendung eines brutalen Respirationsapparates um jegliche 'Abweichung' im Keime zu ersticken, nach dem im Urland bewährtem Muster,
(...)

Gruß
Nostalgiker


Es gab einen Beatmungsapparat zum Ersticken??

Ich wusste doch, dass der Sozialismus die Gesellschaftsordnung mit den wissenschaftlichen Höchstleistungen weltweit war.

Selten so gelacht am frühen Morgen.

Gruss

icke



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#39

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 09:27
von Nostalgiker | 2.554 Beiträge

Dei Rechtschreibprüfung ist auch nicht mehr das was sie mal war!
Natürlich soll es 'Repressionsapparates' heißen .......

Gruß
Nostalgiker


Aber auf einmal bricht ab der Gesang,
einer zeigt aus dem Fenster, da spazieren sie lang,
die neuen Menschen, der neue Mensch,
der sieht aus, wie er war
außen und unter`m Haar
wie er war ...

_______________
aus; "Nach der Schlacht" - Renft - 1974
Text: Kurt Demmler

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#40

RE: Das süße Gift der Diktatur

in DDR Staat und Regime 16.01.2014 09:46
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Danke für dieses interessante Thema, Uwe.

Nun, liebe Forengemeinde, dann werde ich mal meinen Senf dazugeben.

Dass die DDR eine "Diktatur des Proletariats" war ist, ist - denke ich - hinreichend geklärt.
Und wer die "führenden Proletarier" waren, auch. Nostalgiker hat in #21 das sehr anschaulich beschrieben, wie es ablief.

Ich hatte Uwe's Beitrag #1 so verstanden "Wie kann sich eine Demokratie davor schützen, wieder in eine Diktatur zurückzufallen ?"
Eine Antwort auf diese Frage gibt Uwe in #3 selbst - die Sache mit der Vollbeschäftigung...

Hier möchte ich ansetzen, da steckt für mich der Kern der Antwort.
Ich möchte mal kurz darlegen, wie die Ausgangssituatioen waren, als Diktaturen "entstanden" sind.

Und - nein ! - ich vergleiche nicht die "Diktatur des Proletariats" mit dem Naziregime. Damit das klar ist....

Deutschland 1933:
Vor 1933 hatte Deutschland gerade die Inflation und Wirtschaftskrise hinter sich, es herrschte Massenarbeitslosigkeit.
Ein passender Nährboden für Extremisten wie die NSDAP, um mit einfachen Bildern "die bösen Juden sind an allem schuld"
dem Volk die Welt zu erklären und das Himmelreich auf Erden zu versprechen, wenn sie an die Macht kommen.
Hat geklappt - und durch solche Einrichtungen wie den "Reicharbeitsdienst" wurde rasch Beschäftigung für viele geschaffen.
Das Ende ist bekannt, Details spare ich an dieser Stelle.

Ostdeutschland 1945:
Der Weltkrieg mit Zerstörungen und Millionen Toten lag hinter dem Volk, die meisten Männer im arbeitsfähigen Alter waren in Kriegsgefangenschaft, Hunger, Ungewissheit.
Jedes Angebot war den Menschen Recht, um aus dem Elend zu entkommen - auch die Versprechen einer neugegündeten SED, jetzt alles besser zu machen.
Und "Schuld an der Misere bisher waren die bösen Kapitalisten und Grossgrundbesitzer" - die sind Klassenfeinde, die müssen bekämpft werden.
Na gut, sagt der kleine Arbeiter und Bauer, "dann wird's wohl so sein. Hauptsache, wir haben das nötigste zum Leben".
Und die neugegründete SED bekam zunächst die "Blanko-Vollmacht" von der Mehrheit. Bodenreform und Enteignung des Grosskapitals waren die ersten Schritte...
Es ging aufwärts im Lande, den kleinen Leuten ging es allmählich besser. Vollbracht wurden diese Fortschritte durch die eigene Arbeit.
Die Unzufriedenheit kam später - zB. 1953. Da wurde "draufgehauen" seitens der Führung. Und 1961 der "Laden dicht gemacht".
Das Ende ist bekannt, Details spare ich an dieser Stelle.

hoppla - den Satz hatte ich schon mal geschrieben.
Welche Parallelen erkenne ich ?

Ausgangssituation ist in beiden Fällen Armut, Not, Leidensdruck, soziales Elend, Ratlosigkeit - damit die Versprechen von extremistischen Glücksbringern beim einfachen Volke Gehör finden.
Und einfache, griffige Feindbilder müssen her - differenziertes Nach-Denken ist schädlich. Das könnte ja zu alternativen Lösungsmodellen führen... Die sind wiederum für eine Diktatur schädlich - sie gefährden ihre Stabilität.
Wie 1989 geschehen....Nicht jede Diktatur wird "von aussen" beendet, so wie 1945 in Deutschland.

Meine Schlussfogerungen daraus:
1.
Wenn eine (demokratische) Gesellschaft zu viel an sozialer Schieflage zulässt, gefährdet sie sich selbst. Da helfen auch ausgeklügelte Macht - und Überwachungsstrukturen nicht viel weiter.
2.
Extremisten - gleich welcher Coleur - haben immer "einfache" Lösungen und Feindbilder parat. Und brauchen Massen, die ihren einfachen Lösungen vertrauen. Selbständiges, kritisches Denken und hinterfragen ist schädlich für ihre Konzepte.

In diesem Sinne : fröhliches "Hauen und Stechen" weiterhin...

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
DoreHolm hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 16.01.2014 10:41 | nach oben springen



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