#81

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.01.2014 17:06
von ABV | 4.202 Beiträge

Mielkes Rede vor der Volkskammer wurde und wird immer wieder falsch wiedergegeben. Dieses hilflose " Ich liebe, ich liebe euch doch alle. Ich liebe doch alle Menschen. Ich setzte mich doch dafür ein", bezog sich lediglich auf die höhnisch lachenden Volkskammerabgeordneten. Nicht aber auf das gesamte DDR-Volk. Auf der Seite vom Berliner Stasi-Museum konnte man sich die komplette Rede Mielkes anhören. Trotz einiger unfreiwilliger Komik, " die einen taten das eine, die anderen das andere", legte Mielke doch einige der Hauptursachen für die politische Krise in der DDR offen. Eine Ursache sah er zum Beispiel in der Ignoranz der SED bezüglich der sich immer mehr anhäufenden gesellschaftlichen Problemen im Land. Obwohl das MfS die SED-Führung immer wieder auf diese Probleme aufmerksam gemacht hat.

Gruß Uwe


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zuletzt bearbeitet 12.01.2014 17:12 | nach oben springen

#82

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.01.2014 17:06
von 94 | 10.792 Beiträge

In dem (von @Alfred schon in #73 erwähnten) Spiegel-Interview, welches E.M. in Untersuchungshaft gab, meinte er:
Für mich ist es so: Meine Ideale sind zerstört worden. Ich habe mein ganzes Leben nur der Frage gewidmet, daß es den Menschen bessergehen soll. Vor der Volkskammer habe ich zum Abschied gesagt: "Ich liebe alle." Aber das war nur die Hälfte dessen, was ich eigentlich sagen wollte. Der Satz sollte weitergehen: "Alle, die für den Sozialismus und für den Frieden sind", die beiden Worte gehören dazu. Ich habe mein ganzes Leben eingesetzt für die Menschen, damit sie besser leben. Und ich habe mich nicht gescheut, zuerst mein persönliches Ich zu opfern und selbst, wenn notwendig, in den Tod zu gehen.


Dateianlage:

Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#83

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.01.2014 20:23
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von KARNAK im Beitrag #43
Zitat von josy95 im Beitrag #33
Zitat von KARNAK im Beitrag #4
Erich Mielke ist wegen Mordes zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden.Kann mir jemand vom Fach erklären wie man für Mord 6 Jahre Gefängnis erhalten kann?Nach allem was ich von der Geschichte des Mordes weiß,erscheint es mir fraglich ob das alles die Kriterien für Mord erfüllt hat.Ich vermute da ist ein ganzer Teil "klassenkämpferischer" Populismus dahinter gewesen,der gute Erich musste nun für irgendwas verurteilt werden,dass war man sich schuldig,also hat man auf die Geschichte zurückgegriffen.



Ein Herr Erich Mielke kann wie manch andere (aber eben nicht alle, und da möchte ich ausdrücklich die Betonung drauf legen!) tapfere Erzstzalinisten froh sein, der Wischi- Waschi- Justitz dieser Bundesrepublik Deutschland nach 1990 anheim gefallen zu sein.

Er, genau so wie sein saarländischer Vornamensvetter hätten beim Fortbestand der DDR wesentlich drakonischere Strafen zu erwarten gehabt und Gnade vor Recht, besonders auf Grund ihres Lebensalters hätte es vermutlich in nur in erheblich gerringerem Umfang gegeben.

Das Rechts- oder meinethalben auch Unrechtsbewußtsein vor allem vieler DDR- Bürger und ihrer Angehörigen, und besonders derer, die gnaden- und riegeosl von diesen beiden führenden Köpfen eines Alleinherschaftsanspruches betroffen waren, hätte mit einer in fairen Prozessen erfolgten Verurteilung und Bestrafung nach DDR-Recht eine wesentlich größere Genugtuung erlangt. Denn ich denke mal, es wäre durchaus ein bestimmter Paragraph des DDR- Strafrechts zur Anwendung gekommen, und der war bekanntlich nicht von Pappe..., wurde nur jahrzehntelang gerade von diesen beiden Figuren mißbraucht.

josy95


Und kannst Du mir nun erklären warum Erich Mielke für bewiesenen Doppelmord die völlig lächerliche Strafe von 6 Jahren bekommen hat?Für Mord wird es doch wohl nach bundesdeutschen Recht eine Mindeststrafe geben und die liegt mit Sicherheit nicht bei 6 Jahren,dass träfe wohl eher für Totschlag zu.Also,warum dieses geringe Strafmaß,was hat die Richter dazu veranlasst?



@KARNAK, ohne jetzt die Prozessakten, den Prozessverlauf im Detail zu studieren sind nur im Augenblick Vermutungen, die aber wohl nicht unrealistisch sind.
So ist man vermutlich auf Grund des enormen Zeitvorlaufes zwischen Tat und Prozess und des Fehlens an Augenzeugen, von authentischen und glaubhaften Unterlagen, die im Laufe dieser langen Zeit nicht und durch wen auch immer, frisiert wurden, nur noch von Totschlag ausgegangen.
Daraus ergibt sich auch die Logik des Strafmaßes.

2. Vermutung, auch ein Erich Mielke war für die Ruhe im politisch- öffentliichen Leben der nach- Wende- BRD und einige ihrer Größen nicht ungefährlich. Wenn auch auf Grund seines Alters, seines weit bekannt gewordenenen lund schon von einer gewissen Altersenilitätb zeugenden lächerlichen Auftretens vor der Volkskammer ("...ich liebe doch alle Menschen...!") die akute Gefahr, die von ihm noch ausging, eher gering war.

josy95


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#84

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.01.2014 20:28
von 94 | 10.792 Beiträge

Nö, es ging um Mord. Alles andere ist spätestens nach 30 Jahren verjährt.


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#85

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.01.2014 20:31
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #81
Mielkes Rede vor der Volkskammer wurde und wird immer wieder falsch wiedergegeben. Dieses hilflose " Ich liebe, ich liebe euch doch alle. Ich liebe doch alle Menschen. Ich setzte mich doch dafür ein", bezog sich lediglich auf die höhnisch lachenden Volkskammerabgeordneten. Nicht aber auf das gesamte DDR-Volk. Auf der Seite vom Berliner Stasi-Museum konnte man sich die komplette Rede Mielkes anhören. Trotz einiger unfreiwilliger Komik, " die einen taten das eine, die anderen das andere", legte Mielke doch einige der Hauptursachen für die politische Krise in der DDR offen. Eine Ursache sah er zum Beispiel in der Ignoranz der SED bezüglich der sich immer mehr anhäufenden gesellschaftlichen Problemen im Land. Obwohl das MfS die SED-Führung immer wieder auf diese Probleme aufmerksam gemacht hat.

Gruß Uwe


@ABV, Deine letzten Sätze... rufen doch bei mir Widerspruch hervor.

War Mielke nicht einer mit der mächtigsten Männer nicht nur beim MfS sondern auch im Politbüro der SED?

Und hat nicht gerade er damit die Ignoranz der vom MfS zu Tage geförderten sich immer mehr anhäufenden gesellschaftlichen Problem mit zu verantworten?

Es ist schon vielfach und besonders von Insider hier herübergekommen, bestätigt wurden. Spätestens bei ihm blieben unbequeme Berichte hängen, wurden an die Verfasser zur "Korrektur" zurückgeschickt,

josy95


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#86

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.01.2014 21:10
von Alfred | 6.841 Beiträge

Josy,

Dienstags waren immer die Sitzungen vom Politbüro.

Im Anschluss an diese Sitzungen gab es immer Gespräche unter vier Augen zwischen Honecker und weiteren Mitgliedern des Politbüros.

Der erste Gesprächspartner von Honecker war stets Mielke. Bei Notwendigkeit folgten weitere.

Honecker und Mielke hatten bis 1989 immer ein gutes Verhältnis. Dies zeigte sich u.a. auch darin, dass beide nach verschiedenen Sitzungen öfters einen PKW nutzten.

Und das entsprechend Berichte auch bei Honecker ankamen, lässt sich sogar belegen.

Und welche Rolle Mielke bei der Absetzung Honeckers 1989 spielte dürfte ja bekannt sein.


zuletzt bearbeitet 12.01.2014 21:10 | nach oben springen

#87

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.01.2014 21:29
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #86
Josy,

Dienstags waren immer die Sitzungen vom Politbüro.

Im Anschluss an diese Sitzungen gab es immer Gespräche unter vier Augen zwischen Honecker und weiteren Mitgliedern des Politbüros.

Der erste Gesprächspartner von Honecker war stets Mielke. Bei Notwendigkeit folgten weitere.

Honecker und Mielke hatten bis 1989 immer ein gutes Verhältnis. Dies zeigte sich u.a. auch darin, dass beide nach verschiedenen Sitzungen öfters einen PKW nutzten.

Und das entsprechend Berichte auch bei Honecker ankamen, lässt sich sogar belegen.

Und welche Rolle Mielke bei der Absetzung Honeckers 1989 spielte dürfte ja bekannt sein.


@Alfred, danke Dir, Deine Schilderungen passen ganz gut dazu..., ich habe nämlich gerade das komplette Spiegel- Interview mit Erich Mielke gelesen. Teils sehr interessant, teils etwas unglaubwürdig.

Aber egal.

Zumindest bin ich dabei zu der Überzeugung gelangt, das es das einzigste ehrenhafte an Erich Mielke war, das er seine Mitarbeiter nicht in dem Maße im Stich gelassen hat, und nach Moskau oder anderswo gegangen ist, wo es für ihn noch problemlos möglich gewesen wäre.

Eine Frage an Dich @Alfred und alle anderen guten Kenner der Materie. Erich Mielke gibt an, das er am 07. Oktober 1989 sich unter die Demonstranten gemischt hat. Das kann ich nur sehr schwer glauben, denn allein das Gefährdungspotential war ja zu diesem Zeitpunkt schon nicht gering.

Wer weiß zu den Umständen mehr, kennt Details? Was haben seine Personenschützer dazu gesagt, getan? Wie viele waren überhaupt im Einsatz und wo genau hat sich Erich Mielke unter den Demonstranten befunden?

Bedanke mich schon mal im Voraus.

josy95


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#88

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.01.2014 21:33
von Harzwanderer | 2.922 Beiträge

Er soll aus der Feier im Palast mal kurz rausgekommen sein zu seinen Leuten. An die Spreebrücke hinten am Marstall. Da war abgeriegelt. Er blieb auf der Palastseite in den mehrreihig aufgestellten MfSlern, die Demonstranten waren aber nördlich, jenseits der Spreebrücke. Alles abgeschottet. Angeguckt hat er sich die Sache, da waren ja Sprechchöre, aber mitdemonstriert hat er nicht gerade. Und sich auch nicht "unter die Demonstranten gemischt". Er blieb auf der sicheren Seite.

So sah die Stelle aus, an der er später erschienen ist. Da war es aber schon dunkel WIMRE.
http://www.google.com/culturalinstitute/...=AQek-nBs&hl=de


zuletzt bearbeitet 12.01.2014 21:57 | nach oben springen

#89

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 12.01.2014 21:40
von josy95 | 4.915 Beiträge

Zitat von Harzwanderer im Beitrag #88
Er soll aus der Feier im Palast mal kurz rausgekommen sein zu seinen Leuten. An die Spreebrücke hinten am Marstall. Da war abgeriegelt. Er blieb auf der Palastseite in den mehrreihig aufgestellten MfSlern, die Demonstranten waren aber nördlich, jenseits der Spreebrücke. Alles abgeschottet. Angeguckt hat er sich die Sache, da waren ja Sprechchöre, aber mitdemonstriert hat er nicht gerade.


Das er (E. M) aktiv mitdemonstriert hat..., naja, das hätte ich eher als eine Kamelle in Stefan Raab`s Sendung verstanden.

Es ist aber eigentlich in der Geschichte nicht total ungewöhnlich, das sich politische Größen gern mal und mehr oder weniger als kleiner Mann getarnt
unter das Volk, unter die politischen Gegner gemischt haben. Nicht ganz ungefährlich aber vermutlich extrem ernüchternd.

josy95


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#90

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 00:11
von turtle | 6.961 Beiträge

„Ich will euch überhaupt mal etwas sagen Genossen, wenn man schon schießt dann muss man dat so machen, dass nicht der Betreffende noch bei wegkommt sondern dann muss er eben dableiben bei uns. Ja so ist die Sache, wat is denn das, 70 Schuß loszuballern und der rennt nach drüben und die machen ne Riesenkampagne.“

Ich erspare mir einen Kommentar !


Schuddelkind und josy95 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#91

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 03:49
von West_Tourist (gelöscht)
avatar

Zitat von Lutze im Beitrag #1
oft stelle ich mir die Frage,
wenn es den Mielke nicht gegeben hätte,
wer käme zur damaligen Zeit noch in Frage,
den Chef des MfS zu machen,
was mich auch verwundert,Mielke war ein Doppelmörder,
wußte man in der DDR-Führung davon?,
oder wußten die anderen Mitarbeiter des MfS davon?,
sowas als Chef wäre in einigen Augen untragbar gewesen,
was meint ihr dazu?
gruß Lutze



Mielke war nach Bülowplatzmord, in den 30er Jahren zur Fahndung per Steckbrief ausgeschrieben. Das war lange vor der Wende in der ganzen DDR und BRD bekannt. Auch das Mielke als Stasi-Verhörer in 50er Jahren Folterungen persönlich vornahm.
Auch Auftragsmorde und Entführungen in Auftrag gab. Er war schon zu DDR Zeiten, mehr als nur eine Lebende Legende. Eigentlich der Hauptverbrecher NR.1.


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#92

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 08:06
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #87
Zitat von Alfred im Beitrag #86
Josy,

Dienstags waren immer die Sitzungen vom Politbüro.

Im Anschluss an diese Sitzungen gab es immer Gespräche unter vier Augen zwischen Honecker und weiteren Mitgliedern des Politbüros.

Der erste Gesprächspartner von Honecker war stets Mielke. Bei Notwendigkeit folgten weitere.

Honecker und Mielke hatten bis 1989 immer ein gutes Verhältnis. Dies zeigte sich u.a. auch darin, dass beide nach verschiedenen Sitzungen öfters einen PKW nutzten.

Und das entsprechend Berichte auch bei Honecker ankamen, lässt sich sogar belegen.

Und welche Rolle Mielke bei der Absetzung Honeckers 1989 spielte dürfte ja bekannt sein.


@Alfred, danke Dir, Deine Schilderungen passen ganz gut dazu..., ich habe nämlich gerade das komplette Spiegel- Interview mit Erich Mielke gelesen. Teils sehr interessant, teils etwas unglaubwürdig.

Aber egal.

Zumindest bin ich dabei zu der Überzeugung gelangt, das es das einzigste ehrenhafte an Erich Mielke war, das er seine Mitarbeiter nicht in dem Maße im Stich gelassen hat, und nach Moskau oder anderswo gegangen ist, wo es für ihn noch problemlos möglich gewesen wäre.

Eine Frage an Dich @Alfred und alle anderen guten Kenner der Materie. Erich Mielke gibt an, das er am 07. Oktober 1989 sich unter die Demonstranten gemischt hat. Das kann ich nur sehr schwer glauben, denn allein das Gefährdungspotential war ja zu diesem Zeitpunkt schon nicht gering.

Wer weiß zu den Umständen mehr, kennt Details? Was haben seine Personenschützer dazu gesagt, getan? Wie viele waren überhaupt im Einsatz und wo genau hat sich Erich Mielke unter den Demonstranten befunden?

Bedanke mich schon mal im Voraus.

josy95



An dem besagten Abend soll sich Mielke hinter eine Kette von Angehörigen des MfS-Wachregimentes gestellt haben und dabei den Satz: " Haut sie doch zusammen, die Schweine" gesagt haben. So wurde es nach der Wende von Zeitzeugen die vor Ort waren, höchstwahrscheinlich Angehörige des Wachregimentes, überliefert.
Eine konkrete Gefahr bestand für Mielke zu diesem Zeitpunkt jedenfalls nicht.

Gruß Uwe


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#93

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 08:14
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von josy95 im Beitrag #85
Zitat von ABV im Beitrag #81
Mielkes Rede vor der Volkskammer wurde und wird immer wieder falsch wiedergegeben. Dieses hilflose " Ich liebe, ich liebe euch doch alle. Ich liebe doch alle Menschen. Ich setzte mich doch dafür ein", bezog sich lediglich auf die höhnisch lachenden Volkskammerabgeordneten. Nicht aber auf das gesamte DDR-Volk. Auf der Seite vom Berliner Stasi-Museum konnte man sich die komplette Rede Mielkes anhören. Trotz einiger unfreiwilliger Komik, " die einen taten das eine, die anderen das andere", legte Mielke doch einige der Hauptursachen für die politische Krise in der DDR offen. Eine Ursache sah er zum Beispiel in der Ignoranz der SED bezüglich der sich immer mehr anhäufenden gesellschaftlichen Problemen im Land. Obwohl das MfS die SED-Führung immer wieder auf diese Probleme aufmerksam gemacht hat.

Gruß Uwe


@ABV, Deine letzten Sätze... rufen doch bei mir Widerspruch hervor.

War Mielke nicht einer mit der mächtigsten Männer nicht nur beim MfS sondern auch im Politbüro der SED?

Und hat nicht gerade er damit die Ignoranz der vom MfS zu Tage geförderten sich immer mehr anhäufenden gesellschaftlichen Problem mit zu verantworten?

Es ist schon vielfach und besonders von Insider hier herübergekommen, bestätigt wurden. Spätestens bei ihm blieben unbequeme Berichte hängen, wurden an die Verfasser zur "Korrektur" zurückgeschickt,

josy95



Im Mai oder Juni holen wir den lange geplanten Besuch in Ilsenburg nach. Ich bringe dir dann ein Buch mit. Es ist Anfang der Neunziger Jahre erschienen und beinhaltet Lageberichte des MfS, welche direkt für die Führung der DDR bestimmt waren. Darin werden die bestehenden Probleme sehr deutlich benannt. So deutlich, dass selbst die senilen Tattergreise im Politbüro hätten erkennen können, "wo der Hammer hängt".
Honecker hat übrigens in einem Interview nach der Wende geäußert, "dass ihm die Lageinformationen des MfS nie interessiert hätten:"
Meiner Meinung nach hat Mielke schon sehr wahrheitsgetreu "nach oben" berichtet. Er hat sich aber tunlichst davor gehütet, dem Politbüro irgendwelche nahe liegenden Schlussfolgerungen zu unterbreiten, wie diese Probleme beseitigt werden können.

Gruß Uwe


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#94

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 08:19
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #93
Zitat von josy95 im Beitrag #85
Zitat von ABV im Beitrag #81
Mielkes Rede vor der Volkskammer wurde und wird immer wieder falsch wiedergegeben. Dieses hilflose " Ich liebe, ich liebe euch doch alle. Ich liebe doch alle Menschen. Ich setzte mich doch dafür ein", bezog sich lediglich auf die höhnisch lachenden Volkskammerabgeordneten. Nicht aber auf das gesamte DDR-Volk. Auf der Seite vom Berliner Stasi-Museum konnte man sich die komplette Rede Mielkes anhören. Trotz einiger unfreiwilliger Komik, " die einen taten das eine, die anderen das andere", legte Mielke doch einige der Hauptursachen für die politische Krise in der DDR offen. Eine Ursache sah er zum Beispiel in der Ignoranz der SED bezüglich der sich immer mehr anhäufenden gesellschaftlichen Problemen im Land. Obwohl das MfS die SED-Führung immer wieder auf diese Probleme aufmerksam gemacht hat.

Gruß Uwe


@ABV, Deine letzten Sätze... rufen doch bei mir Widerspruch hervor.

War Mielke nicht einer mit der mächtigsten Männer nicht nur beim MfS sondern auch im Politbüro der SED?

Und hat nicht gerade er damit die Ignoranz der vom MfS zu Tage geförderten sich immer mehr anhäufenden gesellschaftlichen Problem mit zu verantworten?

Es ist schon vielfach und besonders von Insider hier herübergekommen, bestätigt wurden. Spätestens bei ihm blieben unbequeme Berichte hängen, wurden an die Verfasser zur "Korrektur" zurückgeschickt,

josy95



Im Mai oder Juni holen wir den lange geplanten Besuch in Ilsenburg nach. Ich bringe dir dann ein Buch mit. Es ist Anfang der Neunziger Jahre erschienen und beinhaltet Lageberichte des MfS, welche direkt für die Führung der DDR bestimmt waren. Darin werden die bestehenden Probleme sehr deutlich benannt. So deutlich, dass selbst die senilen Tattergreise im Politbüro hätten erkennen können, "wo der Hammer hängt".
Honecker hat übrigens in einem Interview nach der Wende geäußert, "dass ihm die Lageinformationen des MfS nie interessiert hätten:"
Meiner Meinung nach hat Mielke schon sehr wahrheitsgetreu "nach oben" berichtet. Er hat sich aber tunlichst davor gehütet, dem Politbüro irgendwelche nahe liegenden Schlussfolgerungen zu unterbreiten, wie diese Probleme beseitigt werden können.

Gruß Uwe




ABV,

Honecker hat sich nicht SO geäußert.

Seine Äußerung bezog sich auf Informationen, die er auch der Zeitung entnehmen konnte.

Honecker hat Berichte des MfS immer durchgearbeitet, die werden Dir verschiedene Zeitzeugen bestätigen. Es gab andere - wie Mittag - die sahen dies wesentlich lockerer.
Zweitens wurde das Interview von Honecker nie freigegeben.


ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.01.2014 08:22 | nach oben springen

#95

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 08:30
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Warum wurden die messerscharfen Analysen des MfS den Zustand der DDR Wirtschaft und gesellschaftlichen Stimmungen betreffend nicht wirksam umgesetzt um Verbesserungen herbeizuführen?
War dieser Machtapparat in sich so geschlossen, daß keine neuen Impulse in ihn eindringen konnten, oder war die Angst der beteiligten vor Bestrafung so stark, daß sie bei Kritik in Ungnade fallen könnten und ihre Politkarriere beendet wäre?
Wurde das Politbüro als unfehlbar angesehen?


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#96

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 09:19
von Grenzwolf62 (gelöscht)
avatar

Auch wenn es mir um die Leute leid tut die echte Repressionen von "Politikern" wie E. Mielke erleiden mussten, gut war das er und seine Politbüro-Mitkämpfer letztendlich selbst, alleine durch ihr trotziges Festhalten an ihrer "Politik", der DDR den Todesstoß versetzt haben.
So haben sie am Ende doch noch ungewollt etwas gutes vollbracht.


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#97

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 09:39
von Rostocker | 7.717 Beiträge

Mich hätte gerne interessiert, was hätte Mielke für eine Strafe an den Polizistenmord denn erwartet--in der Bundesrepublik. Höher wie bei Weinhold,hätte sie ja nicht ausfallen dürfen für Doppelmord. Oder?


frank hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#98

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 10:19
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #92

An dem besagten Abend soll sich Mielke hinter eine Kette von Angehörigen des MfS-Wachregimentes gestellt haben und dabei den Satz: " Haut sie doch zusammen, die Schweine" gesagt haben. So wurde es nach der Wende von Zeitzeugen die vor Ort waren, höchstwahrscheinlich Angehörige des Wachregimentes, überliefert.
Eine konkrete Gefahr bestand für Mielke zu diesem Zeitpunkt jedenfalls nicht.



ja, ja @ABV, so ist das mit dem buschfunk bzw. angeblich gehörtem, keiner weiss anschliessend mehr, wo fing das märchen an und wo endete es.

hier sind in den letzten beiträgen einige vermutungen bzw. äusserungen des buschfunkes zum besten gegeben worden.


meine erinnerung: erich mielke sah von oben im palast der republik die demonstranten und schäumte vor wut. er hatte die feste absicht, mit diesen demonstranten zu diskutieren und stürzte nach unten aus dem volkskammereingang (dieser befand sich genau auf der anderen seite des pdr, anstatt wie hier behauptet: "erich mielke war auf der marstallbrücke"). hinter erich mielke hinterher (alle waren vom plötzlichen aufbruch überrascht) angehörige der ha ps, abt. II, ua 6, und dahinter erst seine eigentlichen begleiter.
mielke stürzte auf die demonstranten zu und wollte diskutieren. da die agressivität in diesen demonstrationszügen von etlichen teilnehmern (meistens die ersten reihen bzw. der erste block) bekannt war, hatten sämtliche begleiter mühe, erich mielke zurückzuziehen und ihn wieder in den palast der republik zu bringen.

wenn er tatsächlich diese Aussage, wie von dir @ABV geschrieben, vor ort geäussert hätte, dann wäre das auch passiert, darauf kannst du dich verlassen.



p.s. ich persönlich mochte minister erich mielke nicht, da er sich genau so gebärdete wie in dem vom @94´er eingestellten (zeitungs)link. was ich ihm aber hoch anrechne: er war soweit realist, dass er das gesamte mfs nicht zum äussersten greifen lies. er wusste auch, dass die unzufriedenheitsbekundungen auf der straße nicht durch repression zu klären waren. auch diesbezüglich gab es schon weit vorher apelle an die sed, dass man viele probleme nur durch diskussion und nicht repression klären kann.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
SCORN und Feliks D. haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 13.01.2014 10:20 | nach oben springen

#99

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 10:22
von turtle | 6.961 Beiträge

Ich hatte ja bereits eine Äußerung des Herrn Mielke reingestellt. Muss aber noch eine hinzufügen. Sie spiegelt auch die Mentalität des M. wieder. Er war für den kurzen Prozess ob damals in den 30er Jahren oder später. Seiner Linie blieb er treu. Erinnert mich an Lynchjustiz. Eine Hilde Benjamin muss ihm bestimmt gefallen haben. Verwerflich waren für mich aber auch die vielen Speichellecker die er hatte ,und die ihm später genauso charakterlos fallen ließen. Letzteres betraf nicht nur Mielke, das wird sich immer wiederholen.


"Wir sind nicht davor gefeit, dass wir einmal einen Schuft unter uns haben", gab sich Stasi-Chef Erich Mielke im Kreise seiner Spitzenkader selbstkritisch. An seinem persönlichen Patentrezept gegen Abweichler ließ der Genosse Minister seine Generäle auch gleich teilhaben: "Wenn ich das schon jetzt wüsste, würde er ab morgen nicht mehr leben. Kurzer Prozess." Formalitäten fand Mielke entbehrlich: "Das ganze Geschwafel von wegen nicht Hinrichtung und nicht Todesurteil - alles Käse, Genossen. Hinrichten, wenn notwendig auch ohne Gerichtsurteil."


zuletzt bearbeitet 13.01.2014 10:23 | nach oben springen

#100

RE: ein anderer Mielke

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 13.01.2014 10:27
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

das thema erich mielke - bülowplatz - mord - verurteilung etc. war vor langer zeit schon einmal thema hier im forum. damals stellte hier jemand zum download die gesamte urteilsbegründung ein. scheinbar wurde die nicht gelesen.

aus meiner erinnerung heraus: das urteil berief sich zum größtenteil auf indizien, die von mielke selbst verfasst waren und sich in russischen archiven befanden. mielke hatte nach seiner flucht in die sowjetunion nicht nur in verschiedenen lebensläufen, sondern auch in anderen berichten, mehrfach die sache vom bülowplatz angedeutet und beschrieben und dort seine beteiligung eingeräumt. er wurde also "opfer in einem indizienprozeß" durch seine eigenen ausführungen.


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
zuletzt bearbeitet 13.01.2014 10:28 | nach oben springen



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