#1

Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 08:44
von Waldmeister | 149 Beiträge

@all

Nach Schalk-Golodkowski hat der Kapitalismus nicht gesiegt sondern ist nur übrig geblieben. Diese Essenz der Geschichte finde ich ziemlich zutreffend. Aber weshalb musste (so sehe ich es) das Experiment auf deutschem Boden oder vielleicht sogar der Sozialismus/Kommunismus weltweit scheitern? War es die Schuld der Führung? Ist es gar ein gereller Konstruktionsfehler? Nimmt der Sozialismus das Individuum nicht ernst und schafft damit eine Gegenmacht?

Aus meiner Sicht haben auch das wirtschaftliche Unvermögen unserer Lenker sowie die Grenze und die damit verbundene Bindung von wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, neben allen anderen Kosten für NVA, MFS, GT, VP, ZOLL usw. dazu geführt, das wir total Pleite waren. Und das ideologische Brett vorm Kopf der Führenden.

Oder hat der Opportunismus der Zwischenschicht dazu geführt, das die da Oben sich nicht klar waren darüber? Was meint ihr?

Waldmeister


User, der keine Fremdzitate für sein Selbstwertgefühl benötigt.
zuletzt bearbeitet 10.01.2014 08:45 | nach oben springen

#2

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 09:06
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.490 Beiträge

moin, ich meine erstmal, daß eine Planwirtschaft zum Scheitern verurteilt ist gegenüber einer Freien! Nur ganz grob gesagt, weitere Punkte sind Bevormundung, Keine Meinungsfreiheit und die verordnete Begeisterung für unseren ehem. soz. Staat. Das war ein Experiment und es scheiterte.
Gott sei Dank, daß es jetzt anders ist !!!

gruß h.


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#3

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 10:22
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Suizid infolge Konstruktionsfehler


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#4

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 10:32
von Rüganer (gelöscht)
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Ironiemodus an:

Lies aufmerksam das Forum und du stellst fest:
Die SED war es nicht, das MfS war es auch nicht, innere Feinde wurden rechtzeitig erkannt und kaltgestellt, bzw. es gab sie gar nicht. Unfreiheit gab es auch nicht, man konnte alles sagen, man konnte sogar im Falle eines Users Mineralien mit dem Ausland tauschen, es war alles bunt und schön, auch Reisemöglichkeiten waren da, wie du an Berichten mehrerer User erkennen wirst, die sogar mit Jugendtourist in das kapitalistische Ausland gefahren sind.
Eigentlich waren alle DDR-Bürger zufrieden, einen kannst du hier im Forum ja noch selbst befragen, ja was hat die DDR umgebracht? Auch darauf gibt es hier die Antwort – das waren die bitterbösen Klassenfeinde, die von Anfang an etwas dagegen hatten, dass der Versuch, ein anderes Gesellschaftssystem auf deutschem Boden zu errichten, so scheitern musste. Zu meinen Jugendzeiten hieß dieser Feind noch „Bonner Ultras“. Schuld waren also immer die Anderen, nach dem Motto: Es kann der sozialistischte und gerechteste Staat nicht überleben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt...

Ironiemodus aus.

Aber dies ist alles schon hundert mal durchgekaut und das Thema ist ausgelutscht, selbst hier wird die Forengemeinde sich nicht einig. Zum Glück ist eines unstrittig, die DDR gibt es nicht mehr, als Staat.


Schuddelkind, Gert, grenzgänger81, matloh und EK 70 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.01.2014 10:33 | nach oben springen

#5

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 10:55
von Gelöschtes Mitglied
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Viele Punkte haben die "DDR umgebracht"....

Diese Dinge lagen im inneren und auch in äußeren Faktoren begründet. Aus meiner Sicht einige innere Faktoren:

- Verlust des Leistungswillens durch übertriebene Subventionspolitik
- zu große Angst vor dem "inneren Gegner", Kritiker wurden zu Gegnern "gemacht" und ohne Kritik und willen zur Änderung/ Verbesserung ist Stagnation
- Individualität wurde zu sehr gehemmt
- Parteikompetenz ging zu oft vor Fachkompetenz
- Gesell. mit höherer Produktivität wird siegen, der Kapitalismus konnte neben der wiss. Entwicklung auch auf die höhere Produktivität durch Ausbeutung zurück greifen
- menschliche Schwächen, wie Neid und Gier konnten nicht zum "Wohle" der gesellschaft genutzt werden, wie im Kap.

Ein interessantes Thema, gab es zwar schon öfters, nur selbst im "Ironiemodus" von "Rüganer" ist ein Körnchen Wahrheit. Was lernen wir daraus, "Kinder und Ironie sagen oft die Wahrheit" (leicht der Situation angepasstes Sprichwort).


hundemuchtel 88 0,5, Hans, DoreHolm und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#6

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 11:51
von Streckmetall | 99 Beiträge

Ich hab jetzt hin und her überlegt, und für jeden (konkreten oder abstrakten) Grund schien es immer einen noch
abstrakteren Grund zu geben. Vielleicht, ins Blaue hinein geraten, könnte der abstrakteste aber immer noch
einigermaßen transparente Grund dahingehend formuliert werden, dass innerhalb einer Gattung (z.B. Menschen)
die Dominanz über andere Lebewesen gegenüber der Gleichgestelltheit einen evolutionären Vorteil besitzt.
Man wird wohl den naturgegebenen Trieb, seine eigenen Gene weiterzugeben, erfolgreicher umsetzen können,
je höher der eigene Status im Vergleich zur restlichen Bevölkerung ist, bzw., anders formuliert, je mehr Ressourcen
man im Vergleich zu seinen Mitmenschen anhäufen kann.


Alles Weitere wäre dann nur eine Konkretisierung dieser Ausgangsbedingungen im jeweiligen ökonomischen
Umfeld. Der obengenannte Trieb kann im Kapitalismus einfach deutlich besser verfolgt werden als im Sozialismus
oder Kommunismus. Das qualifizierte und ökonomisch potente Individuum wird sich daher stärker vom Ersteren
angezogen fühlen als von den Letzteren. Moralische Ansprüche / Philosophien mögen diesem Gefühl vielleicht
entgegenwirken, sind ihm gegenüber aber grundsätzlich im Nachteil, weil sie nur erworben / anerzogen sind,
während das Streben nach Dominanz genetisch determiniert ist. Was folgt also? --> Die Intensivierung der
sozialistischen Erziehung, wie z.B. die fast schon fanatische sozialistische Indoktrinierung in der DDR. Doch
selbst das hält die motivierteren und potenteren Individuen nicht auf Dauer davon ab, in Richtung ökonomisch
freierer Systeme abzuwandern. Ohne diese leistungsfähige Gruppe fehlt dem sozialistischen Staat jedoch
das entscheidende ökonomische Rückgrat. Mit zufriedenen, antriebsärmeren und weniger leistungsfähigen
Menschen lässt sich im globalen wirtschaftlichen Wettbewerb nicht bestehen. Daher ist der Sozialismus
gezwungen, Emigrationsbewegungen einzuschränken, bzw. zu unterbinden. Die Schotten werden dicht
gemacht. Nun kann das Individuum sein natürliches Ziel sozialer Dominanz nicht mehr erreichen, egal wie
sehr es sich anstrengt. Folglich strengt es sich nun auch nicht mehr an. Somit ist die Produktivität geringer
als in kapitalistischen Staaten und in Folge natürlich auch der Wohlstand und die Konsumvielfalt. Manche
Güter (z.B. Baumaterialien) sind nun aufgrund des hohen Preises und / oder des geringen Angebotes
leichter auf illegalem Wege zu erlangen, als durch ehrliche Arbeit (Bauholz war z.B. in der DDR horrend
teuer). Ressourcen, die für die Gemeinschaft vorgesehen waren, gelangen nun immer mehr "hinten herum"
in private Taschen. Die Betriebe bluten aus, was die ökonomische Situation zusehends verschlechtert, sich
aber allein durch sozialistische Erziehung und Indoktrinierung nicht mehr aufhalten lässt, da Einsicht und
Akzeptanz auf breiter Bevölkerungsebene wegbrechen. Also muss nun die staatliche Kontrolle weiter
erhöht werden und die persönliche Freiheit weiter eingeschränkt werden, um sozialistisches Verhalten
zu "erzwingen". Freie Meinungsäußerungen wirken auch der Indoktrinierung entgegen, also werden
auch diese eingeschränkt und das Individuum immer mehr überwacht. Diese Überwachung ist in einem
solch großen Umfang vonnöten, dass der staatliche Apparat allein überfordert ist, also wird die
Bevölkerung selbst in die Überwachung mit eingebunden - mit Zuckerbrot (Vergünstigungen) - notfalls
aber auch mit der Peitsche (Drohung, Nötigung und soziale Ausgrenzung). Der Indoktrinierung schädliche
Informationen, egal ob es sich um wirtschaftliche Realitäten, Wahlergebnisse, oder Vorfälle an der Grenze
handelt, müssen unterschlagen oder gefälscht publiziert werden. Da der Mensch aber nun mal eine
gewisse Intelligenz besitzt und auch von außerhalb ganz andere Informationen durchdringen (was vom
"Klassenfeind" natürlich gewollt ist und zum Teil auch mit Übertreibungen geschmückt wird), durchschaut
der Durchschnittsbürger diese propagandistische "Veralberung".


Letzten Endes befindet sich das Individuum also in folgender Situation:
- In meinem Land herrscht deutlich geringerer Wohlstand als im "Schaufenster" gegenüber.
- Ich könnte diesen Wohlstand durch eigene Kraft durchaus auch erreichen und das möchte ich.
- Ich werde aber davon abgehalten, dorthin zu gehen, wo das möglich ist.
- Stattdessen bin ich gezwungen, dort zu arbeiten, wo meine Leistung mir selbst weniger einbringt.
- Ich kann auch kaum größeren Wohlstand erreichen als meine Mitmenschen.
- Ich werde ständig moralisch beschallt und unter Umständen sogar genötigt.
- Ich werde von oben dreist belogen.
- Meine persönlichen Freiheiten schwinden immer mehr dahin.
- Ich bin vollkommen machtlos dabei, dieser frustrierenden Gesamtsituation auszuweichen.
- Ich kann nicht mal mehr öffentlich die Klappe aufmachen, um mir Luft zu machen über das, was mir stinkt.


Was folgt, ist ein drastisches Absinken der Motivation zur Leistung und zum sozialistischen Handeln. Die
Spirale staatlich verursachten Ungemachs und wirtschaftlicher Talbewegung dreht sich immer weiter und
verstärkt sich wechselseitig. Irgendwann dann eben totaler ökonomischer Kollaps und / oder kollektiver
Widerstand des Volkes (Revolution).


Meine Meinung über die Ursache des sozialistischen Zusammenbruchs ist also, dass der Kapitalismus
die natürliche Ordnung des Lebens im Zusammenhang mit der Verfolgung wesentlicher evolutionär
gewachsener Triebe authentischer abbildet. Kommunismus könnte somit eventuell funktionieren, aber
nur, wenn er global, und zwar ohne Ausnahme, praktiziert wird. Sobald man versucht, ihn parallel zur
Existenz kapitalistischer Systeme umzusetzen, muss er scheitern.


Ich bitte darum, meinen "kleinen Text" nicht als von mir im Brustton der Überzeugung gemeintes Dogma
zu verstehen, sondern als das, was er ist: Als aufgrund von Bauchgefühl spontan ins Blaue hinein geratenes
Rumspinnen. Dazu ist ein Forum ja schließlich da.


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#7

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 12:07
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

Streckmetall in #6, es ist so im Wesentlichen. Das thema hatten wir zwar so ähnlich schon mal und ich hatte diesebezüglich auch vor allem ökonomische Gründe für das Scheitern dieser neuen Gesellschaft aufgeführt. Alles andere wie Überwachung und Einschränkung öffentlicher Meinungsbekundungen und angeblicher oder auch tatsächlich staatsfeindlicher Aktivitäten, keine Reisefreiheit, Mangel u.s.w., ist m.E. nicht der primäre Grund, sondern nur eine Auswirkung der Ignorierung ökonomischer Gesetze und menschlicher Eigenschaften, wie Du so schön dargestellt hast.
Beim letzten Abschnitt, daß eine solche Gesellschaft nur möglich ist, wenn die Konkurrenz fehlt und zwar weltweit, kommt wieder die These von olle Marx zum tragen, daß die Umwälzung weltweit nahezu gleichzeitig erfolgen muß. Lenin hatte gemeint, daß beide Systeme eine Weile nebeneinander existieren können, was eben zum Wettbewerb um die besten Köpfe und fleißigsten Arbeitskräfte geführt hat. Nun, da aber auch dem Kapitalismus der Wettbewerber abhanden gekommen ist, muß der sich nun auch nicht mehr sonderlich anstrengen, seinen Leuten mehr zu bieten, als unbedingt notwendig zu seinem Erhalt.



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#8

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 16:04
von eisenringtheo | 9.156 Beiträge

Die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik wurden 1949 von den jeweiligen Siegermächten als Retortenstaaten gegründet und waren von 1949 bis 1989 komplett von ihnen abhängig. Eine Folge staatlich gelenkter Wirtschaft im Ostblock ist, dass wirtschaftliche Ineffektivät, Mangelwirtschaft und Korruption aufblüht, denn die Mächtigen haben kein Interesse ihren Einfluss zu verlieren., sondern sie wollen ihn festigen, mit wirkungsvollem Einsatz der Sicherheitskräfte. Jeder der Kritik übt, und ist sie noch so berechtigt, stellt deshalb eine Bedrohung dar und wird bekämpft. Die DDR und die anderen sozialistischen Staaten verharrten deshalb in einer wirtschaftlichen Kältestarre und je länger sie bestand, desto grösser wurde das Wohlstandsgefälle zum Westen. Ende der achtziger Jahre folgte der Bankrott und die Insolvenzerklärung zuerst der UdSSR und anschliessend aller anderen sozialistischer Staaten in Europa.
Theo


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#9

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 16:13
von Gelöschtes Mitglied
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Theo hat es im #8 für mich auf den Punkt gebracht,da gehe ich mit.


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#10

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 17:38
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von Streckmetall im Beitrag #6
Ich hab jetzt hin und her überlegt, und für jeden (konkreten oder abstrakten) Grund schien es immer einen noch
abstrakteren Grund zu geben. Vielleicht, ins Blaue hinein geraten, könnte der abstrakteste aber immer noch
einigermaßen transparente Grund dahingehend formuliert werden, dass innerhalb einer Gattung (z.B. Menschen)
die Dominanz über andere Lebewesen gegenüber der Gleichgestelltheit einen evolutionären Vorteil besitzt.
Man wird wohl den naturgegebenen Trieb, seine eigenen Gene weiterzugeben, erfolgreicher umsetzen können,
je höher der eigene Status im Vergleich zur restlichen Bevölkerung ist, bzw., anders formuliert, je mehr Ressourcen
man im Vergleich zu seinen Mitmenschen anhäufen kann. ...

Hallo Streckmetall,

glaube ich nicht, denn dann hätten auch Sklavenhalterordnung oder Feudalismus mehr Existenzrechte gehabt. Hat aber auch nicht funktioniert, obwohl die beiden recht lange durchgehalten haben, wie man zugeben muss. Sklaverei eignete sich, um große Flächen mit einfachen Werkzeugen zu bearbeiten. Die Sklavenhalterstaaten mussten ihr Territorium immer mehr erweitern, weil die Bearbeitung des Bodens mit Sklaven die Böden auslaugte. Als das römische Reich sich nicht weiter ausdehnen kann, stirbt auch die Sklaverei in Europa. In den expandierenden Kolonien hält sie sich noch lange. Der Feudalabsolutismus setzt den Glauben an eine gottgewollte Ordnung voraus. Zwei grundlegende Erfindungen, die mit der Entwicklung der Produktivkräfte einhergehen, bringen ihn zu Fall: Der Buchdruck, der die Glaubensgrundlagen erschüttert, indem er erlaubt, jede Idee schnell zu verbreiten, und die Erfindung der Dampfmaschine, die dem Bürgertum eine neue, zunächst schier unbegrenzt scheinende Kraft in die Hand gab. Parallel zur Dampfmaschine breitet sich die Aufklärung aus.

Der Sozialismus begann an einem Punkt, wo die Vorkämpfer der Revolution glaubten, der Kapitalismus hätte sich erschöpft (siehe Lenins Imperialismusanalyse). Pustekuchen! Der Dreckskapitalismus hatte noch nicht einmal richtig losgelegt. Von Anfang an stand der Sozialismus in einem ungleichen Wettbewerb. Die von den Sozialisten gepredigte Kraft, die aus der Befreiung der Arbeiterklasse "objektiv" erwachsen sollte, kam irgendwie nicht zustande. Zunächst verursachte man es mit sozialistischer Askese (siehe Pavel Kortschagin), als sich das nicht als flächendeckend funktionierendes Modell erwies, schwenkte man um auf die Bedürfnisbefriedigung (siehe Hauptaufgabe des IX. Parteitages - Immer bessere Befriedigung der materiellen und kulturellen Bedürfnisse ... usw.). Derweil geriet man immer mehr unter Druck und die immer mehr einer Oligarchie gleichende Nomenklatura der sozialistischen Parteien musste immer restriktiver agieren. Das Ende ist bekannt.

Nun steht uns eine weitere industrielle Revolution ins Haus. Die neue IPv6-Adressierung schafft für die Vernetzung einen Namensraum von mehr als 660 Billiarden Internetadressen pro Quadratmillimeter der Erdoberfläche und wird in wenigen Jahren für vollkommen neue Produktionsabläufe sorgen, sowie einen neuen Typus des Arbeiters verlangen. Für die Menschen sind schon seit fast 2 Jahrzehnten die Schranken des Wohnortes oder des Landes gefallen. Ideen verbreiten sich in Sekunden weltweit. Den Möglichkeiten für eine freie Entwicklung der Menschheit stehen zum einen die Verführbarkeit der Menschen und zum anderen die Fähigkeit des Kapitals, Menschen zu verführen, gegenüber. Keine Ahnung, wie das weitergeht. Aber, es könnte spannend werden.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


DoreHolm, Hackel39 und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#11

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 17:47
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

Letztlich umgebracht hat die DDR das Ende der UdSSR. Ohne SU keine SED-Diktatur des Proletariats mehr und mit der freien Wahl 90 war das Ende da. Zweites Problem war die immer schlimmere Wirtschafts- und Finanzlage. Drittes Problem die Flüchtlinge, die sich nicht mehr aufhalten ließen. Viertes der moralisch-ideologische Bankrott: Überwachung, Unterdrückung, Bonzen, Waffenhandel, Doping etc. (Ja ich weiß, im Westen gibt es auch Probleme...)


zuletzt bearbeitet 10.01.2014 17:52 | nach oben springen

#12

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 17:49
von icke46 | 2.593 Beiträge

Hallo, rainman,

das ist eine lesenswerte und bedenkenswerte Analyse von Dir. Ich möchte nur zwei Sachen anmerken:

Du schreibst:

Die Sklavenhalterstaaten mussten ihr Territorium immer mehr erweitern, weil die Bearbeitung des Bodens mit Sklaven die Böden auslaugte.

Die Auslaugung des Bodens hat wohl nichts mit der Bearbeitung durch Sklaven zu tun, sondern eher damit, dass das Prinzip der Fruchtfolge damals noch nicht bekannt war.

Und zu der industriellen Revolution im Zusammenhang mit IPv6:

Ich hoffe, die hält sich noch 5 Jahre zurück - dann bin ich Rentner und sie kann mir am Allerwertesten vorbeigehen.

Gruss

icke



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#13

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 17:54
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Wieso umgebracht , Ja sie lebt noch , sie lebt noch , sie lebt noch ....


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#14

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 18:05
von Greso | 2.377 Beiträge

Schlicht und einfach,der Unterhalt für die Mauer.
Greso


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#15

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 18:16
von Rainman2 | 5.753 Beiträge

Zitat von icke46 im Beitrag #12
...
Die Sklavenhalterstaaten mussten ihr Territorium immer mehr erweitern, weil die Bearbeitung des Bodens mit Sklaven die Böden auslaugte.

Die Auslaugung des Bodens hat wohl nichts mit der Bearbeitung durch Sklaven zu tun, sondern eher damit, dass das Prinzip der Fruchtfolge damals noch nicht bekannt war.
...


Nun ja, icke,

ein bisschen abstrahieren muss man schon wenn es kein Roman werden soll. Aber die Zweifelderwirtschaft, die es damals schon gab, wurde nach meinem Wissenstand eher von freien Bauern, die sesshaft bleiben wollten, als auf den großen Latifundien mit Sklaven angewendet. Aber, wie gesagt, wenn man Geschichte verknappt und nur einen Ausschnitt nimmt, bleibt immer was auf der Strecke.

Danke für den Hinweis!
Grüße aus dem Friedrichshain!
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#16

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 18:17
von DoreHolm | 7.676 Beiträge

[quote=Harzwanderer|p320308]Letztlich umgebracht hat die DDR das Ende der UdSSR. Ohne SU keine SED-Diktatur des Proletariats mehr und mit der freien Wahl 90 war das Ende da. Zweites Problem war die immer schlimmere Wirtschafts- und Finanzlage. Drittes Problem die Flüchtlinge, die sich nicht mehr aufhalten ließen. Viertes der moralisch-ideologische Bankrott: Überwachung, Unterdrückung, Bonzen, Waffenhandel, Doping etc. (Ja ich weiß, im Westen gibt es auch Probleme...)[/quote]

Grün: Insofern halte ich diese Ansicht als richtig, wenn es sich um die vor allem wirtschaftliche, insbesondere materielle (Rohstoffe) Abhängigkeit handelt. Wir hatten mal gelernt bekommen, daß es auf der Welt eigentlich nur 2 oder drei Staaten gibt, die völlig autark existieren könnten, die USA, die Sowjetunion und ich würde heute China mit dazuzählen. Bricht die SU ökonomisch zusammen, wäre auch die Wirtschaft und damit die Gesellschaftsordnung der DDR nicht mehr zu halten, es sei denn, auf einem Niveau wie damals z.B. Albanien.
Was ich aber anders sehe und so würde ich den Beitrag von Streckmetall auch sehen, nur die DDR zu betrachten, wäre zu kurz gegriffen. Die sozialistische Gesellschaftsordnung als Ganzes sollte hier gesehen werden, denn diese vor allem ökonomischen Fehler und die dadurch entstandene Unmotiviertheit für Leistung wurden in m.E. allen diesen Staaten gemacht.



zuletzt bearbeitet 10.01.2014 18:18 | nach oben springen

#17

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 18:33
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

China autark? Es braucht Energie und Rohstoffe von außen. Ohne Ende.


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#18

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 18:36
von matloh | 1.203 Beiträge

Sozialismus/Kommunismus hat aus meiner Sicht ein paar Konstruktionsfehler. Diese verhindern, dass derartige Staaten langfristig existieren können:

zentrale Planwirtschaft
Eine zentral gesteuerte Wirtschaft muss aus meiner Sicht unweigerlich zur Überlastung der zentralen Steuerung führen. Es ist nicht möglich, dass die zentrale Steuerung alle notwendigen Informationen, die zur Steuerung notwendig sind, zur Verfügung hat. Schließlich ergeben sich aus jeder einzelnen Transaktion (selbst wenn sie nicht stattfindet, z.B. "Was, Sie haben keine Brötchen mehr?") Informationen; Mit einem sehr effizienten Kommunikationssystem könnte zumindest die Weiterleitung der Informationen verbessert werden, aber letztlich müssen diese Informationen auch noch schnell verarbeitet und wieder "nach unten" zurückgeleitet werden.

Schwaches Anreizsystem
Durch die Vergemeinschaftung der Produktionsmittel und das damit einhergehende (weitgehende) Ausschalten von Privateigentum, werden die Anreize zum Erbringen von hoher Leistung stark vermindert. Auch z.B. das "Recht auf einen Arbeitsplatz" (so wie es im Sozialismus gehandhabt wurde) trägt nicht dazu bei, gute Leistungen im Job zu bringen (manche hatte ja nichts zu verlieren und bekamen trotzdem ein Gehalt).

keine Demokratie
In dem Punkt bin ich mir nicht ganz sicher: Sind Kommunismus/Sozialismus und Demokratie (inkl. Opposition, freier Presse, unabhängige Justiz usw.) miteinander zu vereinbaren? Nur weil es in keinem der bisherigen sozialistischen Systeme der Fall war, heißt es ja nicht unbedingt, dass es nicht theoretisch möglich wäre.
Wenn keine Demokratie möglich, dann ist es ebenfalls ein Punkt, der sozialistische Systeme langfristig zum Scheitern verurteilt da sich der Wille des Volkes nicht bei Wahlen "sanft entladen" kann sondern in einer Revolution schlagartig.

Just my 2ct.

cheers matloh

ps: Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit...


Aus gegebenem Anlass temporär: Nein, die Erde ist keine Scheibe!

"Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)
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#19

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 18:47
von Freienhagener | 3.851 Beiträge

Wer in den 80ern in der Produktion war, hat sich zwar gewundert, wie schnell das ging. Die Anzeichen hatte man aber erkannt und wunderte sich über die Gründe schon damals nicht mehr.


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 10.01.2014 18:48 | nach oben springen

#20

RE: Was hat die DDR umgebracht?

in DDR Staat und Regime 10.01.2014 19:08
von Harzwanderer | 2.921 Beiträge

Mich wundert, wieviel Geld die DDR in den 80ern, als es ihr schon erkennbar schlechter ging, noch in die Rüstung gesteckt hat. Neue Hubschrauber, neue Düsenjäger, neue Panzer, neue Kasernen. Hätte man daran nicht etwas sparen können?


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