#21

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 23.01.2014 23:34
von harzstreuner | 45 Beiträge

Hier noch ein Nachtrag zur Grenzkompanie Weilrode, die dem III. GB, also der Hinterlandssicherung zugeordnet gewesen sein soll:
Nach meiner Erinnerung (April 1987/88) war die Hinterlandssicherung der GK Weilrode geradezu ein Mysterium. In den ganzen 12 Monaten bin ich ein einziges Mal auf Kräfte der GK Weilrode getroffen, als diese, in Zugstärke und in Zweier- und Dreierposten, am Bohlweg, also freundwärts GSZ/K2, aber schon innerhalb des Schutzstreifens, eingesetzt waren. Wir zwei Grenzer der GK Silkerode waren in dieser Nachtschicht eigentlich in den "gewohnten" Abschnitt "Rechts", das war der Bereich Kolonnenweg / GZ 1 zwischen PP 13 (Zugang über Tor 38, Weilrode) und RTL geplant, erfuhren dann aber Minuten vor dem Abmarsch, daß wir bis auf weiteres "außerhalb", also entlang GSZ/K2 handeln sollten, Anmarsch mit Dienstfahrrad über Hinterlandspunkt "Weißer Stein". Absolut ungewöhnlich, - dazu weiter unten mehr. Da uns die Anwesenheit der "fremden" Kräfte vorher nicht mitgeteilt wurde, trafen wir nach dem Einbiegen in den Bohlweg unvorbereitet und in weit fortgeschrittener Dämmerung auf "Leute", die wir, reichlich verunsichert, zunächst einmal aus der Deckung "aufklärten": Felddienstuniform, MPi mit Kolben über der Schulter, aber kein Funkgerät erkennbar, - zuerst nur drei "Leute", danach entdeckten wir noch einen Zweierposten. Beide Posten handelten offen und ungedeckt auf dem Bohlweg herum ... und wir fragten uns: Wer ist das? Sind das Grenzer? Oder Grenzverletzer? Was machen die hier? Ungemeldete Kräfte im Postenbereich, so etwas kannten wir zuvor nicht! Kein GMN in der Nähe! Laute Rufe, offenes Zigarettenfeuer. Mein PF meinte sinngemäß: Irgendwie aber doch Grenzer. Also haben wir nach ein paar Minuten langsam, Waffe im Hüftanschlag, unsere Deckung verlassen und uns ganz offen angenähert. Parole abgefordert. Als Antwort kam: "Wir sind von der Kompanie Weilrode." Auf unsere Fragen hin, u.a. "Was macht ihr hier, ist eine "Lage", von wem werdet ihr geführt?", wurden wir zu ihrem Zugführer weitergeschickt, der gegenüber Tor 31, also an der RTL am GSZ, aus dem Führerhaus eines Lkw heraus "führte". Auf dem kurzen Weg bis dahin trafen wir noch auf einige Posten, die in nächtlicher Sicht- und Rufweite voneinander entfernt standen. Der Leutnant war überrascht, aber auch etwas "sackstandig" aufgelegt und verlangte erst mal eine ordentliche militärische Meldung. Nein, keine "Lage". Er erklärte uns dann, sein Zug sei auf Bataillonsbefehl die ganze Nacht hier am Bohlweg, vom rechten Nachbarn her bis zur Straße zum Weißen Stein eingesetzt.
Na toll! Nun waren wir "Liniengrenzer" es gewohnt, zu zweit mehrere Kilometer Grenze alleine abzusichern, folglich fühlten wir uns in diesem Grenzerauflauf, in den uns unser nun umso merkwürdigerer Einsatzbefehl geführt hatte, reichlich fehl am Platze. Zumal bei der Art der Absicherung: "Mit viel Lärm und Licht machen wir die Grenze dicht". Deshalb meldete sich mein PF am GMN, erklärte dem ebenfalls überraschten KGsi die Situation, und schlug vor, daß wir Richtung Tor 38 handeln, und dann unsere gewohnten Streifen am Kolonnenweg durchführen. Der KGsi, unser StZF, bestätigte dies, und so waren wir, statt wie üblich gegen 21 Uhr dann um etwa 23:30 Uhr am GSZ-Tor 38 angelangt, passierten, und bezogen zunächst am Postenpunkt 13, also dort, wo der Weg vom Tor auf den Kolonnenweg trifft, Stellung. Wir tranken Tee und lauschten wie gewohnt in den stockfinsteren Wald hinein, als uns ein Fahrzeuggeräusch auffiel, das näherkam. Nun ist diese Stelle mitten in einer Senke, so daß wir zunächst nicht genau orten konnten, woher das Fahrzeug kam, waren uns dann aber bald sicher, daß es von der RTL her auf dem Kolonnenweg fahren mußte. Schon wieder Kräfte, von denen uns zuvor nichts mitgeteilt wurde! Wir gingen im Graben neben dem Kolonnenweg in Deckung, stellten eine Taschenlampe mit rotem Licht auf den Kolonnenweg und erwarteten das Fahrzeug. Für eine Meldung am GMN blieb keine Zeit. Als das abgeblendete Fahrzeug, ein UAZ, anhielt, fragte mein PF die Parole ab, die diesmal auch geliefert wurde. Während ich die Szene noch über Kimme und Korn verfolgte, stand mein PF auf und wollte ins Kfz leuchten. Unser StKC als Fahrer! Er befahl, sofort die Taschenlampe auszumachen und fragte dann in barschem Ton, was wir hier machen. Eine oft gestellte Frage an diesem Abend! Also wurde noch die "Meldung" nachgeliefert, abschließend befahl er uns, keinesfalls sofort Meldung an den KGsi zu machen. Und fuhr weiter Richtung FüSt. Wer noch im Kfz saß, konnten und durften wir wohl auch nicht sehen. Da der KGsi uns aber sehr vertraut war und wir von ihm auch vorwarnende Tips bekamen (dafür ebenfalls ein Dankeschön!), meldeten wir ihm das Vorgefallene per GMN auf die FüSt. Der StKC soll auch dort unwirsch gewesen sein. Was aber genau der Grund für die unangemeldete Fahrt durch den Abschnitt war, und warum wir eigentlich zu dieser Zeit nicht auf dem Kolonnenweg sein sollten, habe ich nie erfahren. Am PP 13 war eine kleine Tür im vorderen Grenzzaun, mit Vorhängeschloß, und von jenseits der Grenze sehr schlecht einzusehen. Kann sein, muß aber nicht sein. Oder wollte man den KGsi oder die A-Gruppe irgendwie überraschend prüfen?
Um wieder zum Einsatz der GK Weilrode zurückzukommen: Wenn wir an dem GK-Gebäude vorbeikamen, schauten durchaus ab und zu ein paar Grenzer aus den Fenstern, die GK war also besetzt, ob aber in Kompaniestärke oder geringer, war nicht erkennbar.
Auf dem Hin- und Rückweg durch das Hinterland in unseren Abschnitt traf ich nie auf "fremde" Grenzer.
Wenn ich mit dem Fernglas aus unserem Abschnitt heraus das Hinterland beobachtete, sah ich zwar ab und zu mal einen Gakl, aber nie einen Doppelposten.
Und als wir mal zu Fuß zum Tor 31 und von dort zurück Kontrolle K2 bis zu unserer GK in Silkerode liefen (das waren so 25 km), trafen wir kurz vor Weilrode auf zwei Dorfschönheiten auf dem Weg nach Bockelnhagen, der Bus war ihnen weggefahren. Da ich mit ihnen etwas ins Gespräch kommen wollte, bat ich sie, mir doch einmal ihren Ausweis mit Grenzgebietsstempel zu zeigen, tat also das, was wir auf unseren Wegen über die Dörfer häufig machen sollten, aber eigentlich nie machten: "Kontrolle Kfz und Personen". Im weiteren Gespräch ergab sich - unter anderem -, daß dies die erste Kontrolle für sie war und daß eine solche Kontrolle absolut unüblich zu sein schien. Also auch hier keine Spur von einer hinterlandssichernden Kompanie.
Und Soldaten der GK Weilrode haben in der GK Silkerode auch nicht die Objektwache übernommen, so wie das zuvor mal gewesen sein muß, und ich mir auch gewünscht hätte, denn Objektwache war der stumpfsinnigste Job überhaupt.
Es gab also eine Grenzkompanie Weilrode, aber ...


Gruß, der harzstreuner (April 1987/88 GK Silkerode)
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zuletzt bearbeitet 24.01.2014 19:36 | nach oben springen

#22

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 24.01.2014 00:11
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Danke dir für deinen Bericht, einfach Klasse
Wenn sich eine Kontrolle auf der Fürst aufhielt, meldete ich mich mit 49 hört.
Ansonsten mit 49 oder ja. Da wussten die Posten bescheid, wie sie ihre Meldungen am GSM abzugeben haben.
Unser StKC Hptm. Wö.. sah es z.B. hörte es z.B. gar nicht gern, wenn ich sagte "X+60 am PP XY" sondern er forderte z.B. "X+ 56 am PP XY über GMN".
Erklärung dafür war, dass die A-Gruppe nicht schlief und Wecker stellte sonern munter waren und ständig auf die Uhr sahen.

Andreas


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#23

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 24.01.2014 20:24
von Gelöschtes Mitglied
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@Harzstreuner:

Jepp, das liest sich gut und ist nachvollziehbar. Eine Frage: kommst Du voran mit den PP auf der "Karte" ?

mfG U.


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#24

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 24.01.2014 20:35
von harzstreuner | 45 Beiträge

Ja, Rudi, das was du beschreibst, war der nicht offizielle Teil des "Zusammenwirkens" im Abschnitt. Eine wichtige Rolle spielte auch die Betätigung der Sprechtaste des UFT-Funkgeräts in bestimmten Takten, ohne daß dabei gesprochen wurde, - allein das Rauschsignal reichte schon für die wichtigsten "Durchsagen". Die X60-Zeitangaben kenne ich aber als Richtzeiten, d.h. es kam auf 5 bis 10 Minuten Differenz nicht so an. Schließlich hatten nicht alle Grenzer eine beleuchtete digitale Armbanduhr aus dem Westen, und die Herumleuchterei mit der Taschenlampe wäre kontraproduktiv gewesen. Meist warteten wir in den links der FüSt gelegenen Abschnitten auf die Meldung des A-Gruppen-Führers, und schlossen unsere Meldung dann an. So wußten wir auch gleich, was die A-Gruppe gerade macht.

Heute habe ich mein Grenzdienst-Notizbuch gefunden und festgestellt, daß ich in meinen bisherigen Beiträgen die Nummern der Postenpunkte falsch aus der Erinnerung vorgekramt habe, leider lassen sich die älteren Beiträge nicht mehr korrigieren, im letzten ging es noch. Der PP in der Morichschlucht hatte nicht die Nr. 38 sondern die Nr. 13, die Tor-Nummern sind aber richtig angegeben.

Rudi, versuch dich mal zu erinnern: Die "Alten" haben mir damals von einem erfolgreichen Grenzdurchbruch entlang der RTL erzählt, im Winter 1986/87, als sich - wie im Winter darauf auch - Unmengen von Schnee im Abschnitt "niedergelassen" hatten. Beim rechten Nachbarn soll der Suchtrupp ein paar hundert Meter von der Trennungslinie entfernt am halb zugewehten GSZ eindeutige Spuren der Übersteigung festgestellt haben. Daraufhin wurde auch die A-Gruppe der GK Silkerode alarmiert, soll allerdings Schwierigkeiten gehabt haben, über den zugeschneiten Kolonnenweg (insbesondere in den Senken erreichten die Schneewehen schon mal Mannshöhe) in den Abriegelungsbereich vorzudringen. Nun war der Weg vom GSZ bis zum vorderen Grenzzaun an dieser Stelle ziemlich lang, der Weg des bzw. der GV schwer einzuschätzen. Deshalb soll Befehl ergangen sein, über Tor 31 den GV durch den zugeschneiten Wald nachzufolgen. Weißt du was davon?


Gruß, der harzstreuner (April 1987/88 GK Silkerode)
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zuletzt bearbeitet 24.01.2014 20:47 | nach oben springen

#25

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 24.01.2014 20:40
von harzstreuner | 45 Beiträge

Grauer, die Karte ist in Arbeit.
Muß mich in manchem Detail erst noch vergewissern, siehe oben.


Gruß, der harzstreuner (April 1987/88 GK Silkerode)
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#26

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 24.01.2014 23:34
von icke-ek71 (gelöscht)
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hallo kameraden,ich war von mai1970-mitte märz 1971 in der 8.gk Jützenbach!!unser abschnitt ging vom der zigelei zwinge bist hinunter zum soolbach(fuhrbach) die karte, die ihr von teilen dieses abschnittes eingestellt habt finde ich hochinteressant!!!allerdings sah der abschnitt damals ganz anders aus!!zu meiner zeit wurde der metallgitterzaun gebaut und die minensperre samt stacheldraht beseitigt!!mitte märz 1971wurde unsere 8.gk urplötzlich aufgelöst und alle soldaten und uffze wurden auf andere gk s versetzt.ich hatte das vergnügen ca 35 tage vor meiner entlassung aus dem wehrdienst, zur 7.gk silkerode versetzt zu werden!!das war damals eine sogenannte sackstandskompanie und das als ek..das ging schief..nur 5 tage war ich dort ..dann wurde ich nach eisenach verdonnert...das war kurz meine geschichte!!ich hatte in der 8.gk im sommer 1970 einen gdb ost west am bahnhof zwinge und im winter 1971 einen gdb west ost in der wolfsschlucht nähe der rodelbahn!!!gruß aus berlin von Bernd


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#27

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 29.01.2014 01:16
von harzstreuner | 45 Beiträge

Hallo icke-ek71,
klingt wiederum für mich hochinteressant: Welche GK war denn damals euer rechter Nachbar, Silkerode oder Weilrode? War die Trennungslinie am ehemaligen Bahndamm vor der Ziegelei, also an der Mauer, die damals keine Öffnung für den Kolonnenweg hatte - oder woanders? Unser linker Nachbar war 1987/88 die GK Ecklingerode. Die GK Jützenbach war aber auch besetzt, auf der Fahrt zum Dienstfrei-Ausgang in Worbis sind wir vorbeigefahren.

Hast du die GDB schon hier im Forum beschrieben? Würde mich sehr interessieren!

Karte ist weiter in Arbeit, noch etwas Geduld!
Habe inzwischen in meinen Unterlagen "Verstärkung" gefunden: 5 Mann BGS bei Einweisung ggüber GSä 1127, August 1987.


Gruß, der harzstreuner (April 1987/88 GK Silkerode)
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#28

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 29.01.2014 02:05
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von harzstreuner im Beitrag #3
Im Sommer 1987 war ein Grenzdurchbruch zweier ortskundiger ehemaliger Grenzer in einem unbesetzten Grenzabschnitt der GK Silkerode (zwischen der Straße BB und dem PP 38 nahe Weilrode) erfolgreich. Sie unterquerten K2 und GSZ in unmittelbarer Nähe des GSZ-Tors an der Straße Bockelnhagen-Bartolfelde durch ein Wasserdurchlaßrohr. Das im Rohr befindliche Sperrgitter verdrehten sie in Flußrichtung, und konnten so hindurchschlüpfen. Danach marschierten sie in der Deckung des Waldes, der sich vom GSZ bis zum Kolonnenweg erstreckt, entlang des Wasserlaufs der Bartolfelder Eller. Der Kolonnenweg schneidet hier zwei tiefe Schluchten. Entweder durch aufheulende Motoren oder lautes Stiefelklappern wären hier evtl. durchhandelnde Grenzer aufgefallen. Schließlich überkletterten sie den vorderen GZ, und dies so anständig (waren halt Grenzer), daß nicht mal Spuren auf dem K6 zu finden waren, und nach allen Erfolglosen erst der Regimentskommandeur die Spurensuche beendete, nachdem er direkt zwischen K6 und GZ entlanggegangen und dort Erdspuren im Streckmetall festgestellt hatte.
Erst die Rückmeldung von drüben machte auf diesen Grenzdurch aufmerksam!

In der Folge mußten die Gakl alle Wasserdurchlässe dokumentieren und mit Signaltechnik sichern, und die Kontrolle der Wasserdurchlässe wurde Bestandteil der Kontrolle K2 und K6. Vielleicht hat man später noch stabilere Konstruktionen davor gesetzt, zu meiner Zeit blieben sie ein Schwachpunkt, denn nur die festgerosteten Schrauben verhinderten die Demontage der eingesetzten Gitter. Es gab in diesem ewig feuchten Abschnitt viele Wasserdurchlässe, öfters floß das Wasser nach heftigen Regenfällen auch direkt über die Kontrollstreifen, einmal hatte die Geröllflut auch ein Gitter herausgerissen.


Versteh ich nicht, warum muss ein Grenzer den GSZ in einem Wasserrohr unterqueren, der kann doch einfach über den GZ steigen, dauert ohne Anstrengung maximal 5 Minuten mit Steighilfe.
Ok, nachgelesen, ehemalige Grenzer.
Die kamen 87 zu zweit wirklich dahin zu dem Rohr?
Glückspilze.
Da war wohl schon die Hinterlandsicherung etwas schwächlich am fast Ende der DDR.


zuletzt bearbeitet 29.01.2014 02:17 | nach oben springen

#29

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 29.01.2014 03:46
von harzstreuner | 45 Beiträge

Grenzwolf62, der Schlüssel zum Verständnis liegt in dem Begriff "ehemalige Grenzer" weiter vorn im Text.
Da es i.d.R. nicht erlaubt war, einen Grenzsignalzaun-Torschlüssel und einen Grenzmeldenetz-Hörer zum Ende der Dienstzeit in den Grenztruppen mit nach Hause zu nehmen, - um sich dann später, falls es notwendig erschiene, wieder Zugang zum vertrauten Abschnitt zu verschaffen, - standen ehemalige Grenzer, die diesen Weg der "ständigen Ausreise" planten, eben auch vor dem Problem: Wie überwinde ich den GSZ?
Den GZ 1 zu überwinden dauert tatsächlich mit etwas Übung und ein wenig Seilzeug nicht mehr als eine Minute, das habe ich selbst probiert, allerdings nicht am echten GZ 1, denn als ich noch vor diesem stand, hatte ich wenig Veranlassung, die DDR zu verlassen, und als es dann später schien, als könnte es doch notwendig werden, war die DDR schneller, und hat mich verlassen.
Die beschriebenen ehemaligen Grenzer haben das Problem GSZ in diesem Falle und meiner Meinung nach mustergültig gelöst.

Da du obiges inzwischen selbst bemerkt hast, gleich weiter zur Hinterlandssicherung: Als Grenzer konnte man ja nicht nur seinen Abschnitt entsprechend "aufklären", man konnte dies auch insbesondere nach Urlaub und Dienstfrei bei der Wiedereinreise ins Grenzgebiet mit den Staffeln der Hinterlandsabschottung tun. Die waren, im Vergleich zur auslösefreien Überwindung des GSZ, ein geringes Problem. "Gedeckt-getarntes Handeln im Gelände" haben altgediente Grenzer ja "im Blut", und bei guter Überlegung, Dienst- und Geländekenntnis war das Ganze nach meiner Meinung eben kein Glücksspiel, wie es das bei jedem Anderen unweigerlich sein mußte.
Sollte die Hinterlandssicherung fünf Jahre zuvor wirklich so dicht gestaffelt gewesen sein? Erzähl mal ...


Gruß, der harzstreuner (April 1987/88 GK Silkerode)
zuletzt bearbeitet 29.01.2014 04:19 | nach oben springen

#30

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 29.01.2014 18:45
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Hallo @Harzstreuner,
dieser Vorfall ist mir ehrlich geschrieben, nicht mehr in Erinnerung.
Ich weiß noch, dass wir die Wasserdurchlässe extra kontrollieren mussten.

Gruß Rudi


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#31

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 29.01.2014 19:38
von icke-ek71 (gelöscht)
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hallo harzstreuner,also der abschnitt der damaligen 8.gk ging in richtung duderstadt genau bis zum soolbach..das war der letzte postenpunkt der 8.gk danach kam die 9.gk ecklingerode!!der abschnitt richtung 7.gk silkerode endete anfang 1970 an der zigelei zwinge..das war die trennungslinie zur 7.gk!!zu unserem abschnitt gehörte auch der bahnhof zwinge und am ortseingang von zwinge auf der straße nach weißenborn hatten wir eine straßensperre als postenpunkt!!das änderte sich dann als die flucht der beiden lokführer und heizer vom personenzug nach zwinge gelang!!das war wenn ich mich nicht täusche ende juni 1970..danach wurde der personenverkehr mit der eisenbahn eingestellt...danach wurde die trennungslinie zur 7.gk silkerode vorgeschoben so das unsere 8.gk bis zum postenpunkt rodelbahn ging!!mit diesem gdb hatte ich als posten zu tun..das würde ich aber dann lieber per pm schreiben!!LG Bernd(icke-ek71)


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#32

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 30.01.2014 09:16
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von harzstreuner im Beitrag #29

Sollte die Hinterlandssicherung fünf Jahre zuvor wirklich so dicht gestaffelt gewesen sein? Erzähl mal ...


Die Hinterlandsicherung ging ja theoretisch schon los wenn du daheim zur Haustür raus bist
Auf dem Weg an den Zaun gab es schon paar Hürden zu nehmen, Trapo, VP, Grenzhelfer, Gakels und zu meiner Zeit auch noch relativ dicht stehende Hinterland-Posten und irgendwann war doch im Sperrgebiet auch "Einschluss" wo jeder auffiel der herumlief.
Da beschäftigten sich ja richtig Leute damit herauszufiltern aus welcher Richtung die verirrten DDR-Schäfchen wohl angetrottet kommen werden, wie nannte sich das, Hauptdurchbruchsrichtung?
War schon ein gigantischer Aufwand nur um sicherzustellen das niemand dem gelobten Sozialismus entschlüpft


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zuletzt bearbeitet 30.01.2014 09:35 | nach oben springen

#33

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 30.01.2014 09:25
von Hansteiner | 1.412 Beiträge

Ich stelle mir bei der Staffelung der "Kräfte" das ZW untereinander ziemlich schwierig vor, wie wurde denn das sichergestellt ?

VG H.



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#34

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 06:24
von harzstreuner | 45 Beiträge

Hier die ersten drei Teile meiner Karte des Abschnitts der GK Silkerode, Stand 1988: Auf Grund der Beschränkung auf 2 MB für Bilder im Thread habe ich die Karte in 9 Teile gesplittet. Diese drei Bilder passen genau untereinander, und stellen den rechten Teil des Abschnitts dar. Mittlerer und linker Teil folgen demnächst.





Legende:
Grenzzäune sind hellgrün,
Kolonnenweg (zwischen den Zäunen) und Anfahrtsstraßen der Grenzposten sind rot, als Feldwege rot gepunktet,
Grenzerpfade sind gelb gepunktet dargestellt.
An jedem Postenpunkt und jedem Tor im hinteren Grenzzaun gab es einen Anschluß ans Grenzmeldenetz.
Der "Brautweg" ist nicht mit der rechten Trennungslinie identisch. Die Kreisgrenze Nordhausen entspricht der damaligen RTL.

Die Karte ist mittels zuverlässigen Notizen von damals und nicht ganz so zuverlässigen Erinnerungen an damals erstellt.
Einige GMN-Säulen (PP 2stellig) und Grenzsäulen (4stellige Nr.) können auch leicht versetzt gestanden haben. Korrekturen sind willkommen!
Der Hintergrund besteht aus Satellitenaufnahmen von 1994, auf denen sind im Gelände noch deutliche Spuren zu finden.
Der Verlauf der Grenze (violett) ist insbesondere an den Bachläufen geglättet, GoogleEarth ist wesentlich genauer.

So, habe doch noch den richtigen Weg gefunden, die Karten detailscharf hochzuladen. Man darf die Voransicht im Thread nicht schon größer darstellen wollen, sondern muß die Einstellung der Bildgröße auf "auto" belassen.


Gruß, der harzstreuner (April 1987/88 GK Silkerode)
RudiEK89, Schreiber und Rodelli 85/2 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.02.2014 22:45 | nach oben springen

#35

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 01.02.2014 22:37
von harzstreuner | 45 Beiträge

und hier noch der linke und mittlere Teil des Abschnitts:







(leider hat es nicht funktioniert, alle neun Teile der Karte in einen Beitrag zu packen)
Karten zur freien Verwendung innerhalb des Forums.


Gruß, der harzstreuner (April 1987/88 GK Silkerode)
Schreiber, RudiEK89 und Rodelli 85/2 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.02.2014 22:38 | nach oben springen

#36

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 01:30
von suentaler | 1.923 Beiträge

Hallo harzstreuner

Vielen Dank für deiner Karten.
Ich habe angefangen es in GEarth umzusetzen. Mit den Karten aus deinem Beitrag #34 bin ich fertig.
2 Fragen habe ich dazu.
Die Tore 32, 33, 34 gab es wohl nicht ? Habe sie jedenfalls nicht gefunden.
Gehörten die 2 Häuser südl. der Kompanie Weilrode noch mit zum Kompaniegelände ? (evtll. Offizierswohnhäuser)


[rot]Vielen Dank für die Sperrung.
Noch nicht einmal einen Grund konntet ihr angeben.
Andersdenkende mundtot machen - wie erbärmlich - selbst für euch ![/rot]
.
MfG Suentaler
.
[gruen]Leider kann ich nicht auf die mich erreichenden PN's antworten.
Man kann mich aber direkt unter suentaler@emailn.de anschreiben.[/gruen]
Schreiber und RudiEK89 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#37

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 08:43
von Hansteiner | 1.412 Beiträge

Meinen großen Respekt, Euch beiden für eure Arbeit !
Tolle Taemarbeit.
Da kann man nur hoffen, dass so etwas auch noch weiterhin zu stande kommt.

Ihr beiden verdient mehr als nur einen "Dank vor der Front"

VG H.



RudiEK89 und LO-Wahnsinn haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.02.2014 08:56 | nach oben springen

#38

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 09:00
von Gelöschtes Mitglied
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Dem kann ich mich ohne wenn und aber anschließen.

mfG U.


LO-Wahnsinn hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#39

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 11:43
von icke-ek71 (gelöscht)
avatar

hallo freunde,meine anerkennung für diese tolle umfangreiche arbeit!!Iso viele postenpunkte gab es in meiner zeit nicht.für die 8,5 km des grenzabschnittes der 8.gk jützenbach gab es bei normalen grenzdienst 3 postenpunkte!!1 pp wolfsschlucht,2.pp ruschenhain und 3. pp soolbach ...anbei ein foto vom bt11 ziegenberg als er noch am tage besetzt war..LG Bernd


harzstreuner hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 02.02.2014 11:45 | nach oben springen

#40

RE: Harzstreuners Silkerode-Thread

in Grenztruppen der DDR 02.02.2014 12:15
von Hansteiner | 1.412 Beiträge

Hallo icke-ek71,
du meinst sicherlich nur die PP die ständig besetzt wurden. In meiner DZ bei uns waren es auch "nur" max. 4 Stk. pro Abschnitt.
Die anderen wurden nur entsrechend der jeweiligen Lagen besetzt.

VG H.



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