#1

Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 22.12.2013 19:26
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Hallo Forum,

ich habe eine Doku gefunden Westware aus dem Ostknast. Falls das schon mal Thema war löschen.



MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#2

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 22.12.2013 22:42
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Meine Frau hat Bettwäsche und Strümpfe hergestellt
thomas


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#3

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 08:48
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Morjen ins Forum,

ist schon irre. 0,65 DM bzw. Valuta Mark für ein Hemd wurde seitens des Westens bezahlt, 10,99 DM wurde dann im Katalog dafür verlangt. Die haben sich dumm und dämlich verdient, kein Wunder das Quelle und Co danach pleite gingen.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen, ein Häftling in Hoheneck (?) hat über 1 Mio Mark erwirtschaftet. Das ist einfach eine Riesensauerei was da abging. Die Häftlinge wurden mit monatlich 20- 40 M abgespeist während das Regime die Millionen abgesahnt hat.

War Deine Frau in Haft, Thomas? Mir war so als hätte ich das gelesen.

MfG Berlin


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#4

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 09:03
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

hallo und Guten Morgen, ich sah mal eine Doku, wo berichtet wurde, dass auch die Gehäuse der Pentacon Fotoapparate im Strafvollzug hergestellt wurden.
Was da geschah ist eine Riesensauerei, wie Du schon sagst @berlin3321, und die Versandhäuser wurden immer fetter, nach der Wende brach dieser "Zulieferer" weg und die Versandhäuser ein!
Die Gewinne aus der unmenschlichen Knastarbeit wurden schon von vorn herein mit Einkalkuliert...

gruß h.


zuletzt bearbeitet 23.12.2013 09:03 | nach oben springen

#5

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 09:20
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von hundemuchtel 88 0,5 im Beitrag #4
hallo und Guten Morgen, ich sah mal eine Doku, wo berichtet wurde, dass auch die Gehäuse der Pentacon Fotoapparate im Strafvollzug hergestellt wurden.
Was da geschah ist eine Riesensauerei, wie Du schon sagst @berlin3321, und die Versandhäuser wurden immer fetter, nach der Wende brach dieser "Zulieferer" weg und die Versandhäuser ein!
Die Gewinne aus der unmenschlichen Knastarbeit wurden schon von vorn herein mit Einkalkuliert...

gruß h.


Das Häftlinge nicht viel verdienen ist doch keine Eigenheit der DDR.

Hier mal einige Zahlen : http://www.wer-weiss-was.de/Anfragen/www...haeftlinge.html


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#6

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 09:22
von Speedbus | 98 Beiträge

Rohe aus dem Strafvollzug Zeithain für Mannesmann und Thyssen...habe sie selbst gefertigt!


Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.

Konfuzius
zuletzt bearbeitet 24.12.2013 09:09 | nach oben springen

#7

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 10:16
von Telamon | 129 Beiträge

Wir haben im Strafvollzug Cottbus Gehäuse für Pantacon Fotoapparate und Kleinteile (Stanzerei) hergestellt. Ich weiß nicht mehr wie wir dafür entlohnt wurden.
Man bekam eine Einkaufswertkarte und konnte dann in einem Laden in der Arbeitspause in einem Laden einkaufen. Diese Karte wurde dann entsprechend dem Wert des Einkaufs entwertet. Was es alles in dem Laden gab kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich habe hauptsächlich Rauchware ( die kleinen Juwel, mit Filter) geholt. Zu besonderen Anlässen auch schon einmal eine Schachtel Club. Die Juwel kosteten 2,50 M und die Club 4,00 M, wenn ich mich noch recht erinnere.
Gruß Winfried



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#8

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 10:26
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

Zitat von Telamon im Beitrag #7
Wir haben im Strafvollzug Cottbus Gehäuse für Pantacon Fotoapparate und Kleinteile (Stanzerei) hergestellt. Ich weiß nicht mehr wie wir dafür entlohnt wurden.
Man bekam eine Einkaufswertkarte und konnte dann in einem Laden in der Arbeitspause in einem Laden einkaufen. Diese Karte wurde dann entsprechend dem Wert des Einkaufs entwertet. Was es alles in dem Laden gab kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich habe hauptsächlich Rauchware ( die kleinen Juwel, mit Filter) geholt. Zu besonderen Anlässen auch schon einmal eine Schachtel Club. Die Juwel kosteten 2,50 M und die Club 4,00 M, wenn ich mich noch recht erinnere.
Gruß Winfried


@ Telamon, die Preise sind korrekt, das kosteten die kippen draußen auch, und die Preise waren stabil, bis zum Schluß!

gruß h.


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#9

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 10:31
von DoreHolm | 7.696 Beiträge

Was ihr eigentlich dagegen habt, daß im Knast auch gearbeitet wird ? Unmenschlich ?? Das würde ich so sehen, wenn die Häftlinge NICHT arbeiten dürften. Häftlinge, auch heute, sind ja nicht ohne Grund dort. Die haben was angestellt, haben einen Schaden angerichtet, der beglichen werden muß falls überhaupt noch möglich, der Knast und seine Angestellten selbst kostet nicht wenig. Ich glaube auch nicht, daßß die Arbeit dort um sooo viel härter gewesen ist (von Ausnahmen abgesehen), daß von Unmenschlichkeit gesprochen werden muß. Diese ganze Aufregung, welche westeuropäische Firmen zu Vorwendezeiten ihre Produkte in Ost-Knästen herstellen ließen, kann ich nicht nachvollziehen. Das ist gewollte politische Schlammschlacht heute.
Dienstlich hatte ich nach der Wende mehrfach in zwei Knästen in Berlin und Crailsheim zu tun, direkt in den Arbeitsabteilungen. Das war ganz normale Arbeit wie in den zivilen Produktionsabteilungen auch und mir soll keiner Erzählen, daß das ja jetzt gaaanz anders und viel humaner ist als vor 1990. Gearbeitet wird auch heute zu Löhnen, die für ein winziges Zubrot reichen und nach der Entlassung, je nach Sitzzeit, der Häftling nicht mittellos dasteht.
Anmerkung: Ich habe hier ganz bewußßt einmal außen vor gelassen, bezüglich des angerichteten Schadens zwischen politischen oder kriminellen Gründen der Inhaftierung zu unterscheiden, falls mir das gleich wieder einer um die Ohren hauen will.



zuletzt bearbeitet 23.12.2013 10:32 | nach oben springen

#10

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 10:39
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Zitat
Das Häftlinge nicht viel verdienen ist doch keine Eigenheit der DDR.



Alfred, Deine Einstellung ist hinreichlich bekannt. Nur nützt hier weder der Link etwas noch der Versuch, etwas schön reden zu wollen, wie Du es immer wieder versuchst.

Man kann es doch wohl nur als Sauerei bezeichnen wenn der Häftling oder der weibliche Häftling im Monat 100 M der DDR bekommt, also max 1200 M im Jahr, aber Ware für mehr als 1 Mio Valuta Mark produziert.

Wenn Du die Doku gesehen hast, es wird da von einem Vertrag berichtet den die DDR nicht unterzeichnet hat, es ging da um die Gewinnerzielung von Produkten aus dem Strafvollzug.

Zitat
Was man lange schon vermutet hat, gibt es nun Schwarz auf Weiß. Der Staat DDR hat in seinen Gefängnissen junge und ältere Häftlinge systematisch unter Zwang arbeiten lassen. Eine "Geheime Verschluss-Sache" von 1976 etwa belegt, dass das Zentralkomitee der SED den einzelnen Industriezweigen eine bestimmte Zahl von Häftlingen zuteilte:

Übersicht und Vorschläge für den Einsatz Strafgefangener

Industrieministerien: 25.075,

davon Ministerium für Erzbergbau, Metallurgie und Kali: 3.560, Ministerium für Elektrotechnik und Elektronik: 5.720,
Bauwesen: 2.170,
Verkehrswesen: 485,
Örtliche Versorgungswirtschaft: 900 Strafgefangene

Geheim war das Dokument deshalb, weil die DDR in den 70er-Jahren international bereits anerkannt war und sich in der KSZE-Schlussakte unter anderem zur Wahrung der Menschenrechte verpflichtet hatte.

"Unrecht wird Zwangsarbeit dann, wenn sie politische Zwecke verfolgt, rein wirtschaftliche Zwecke verfolgt und wenn sie dazu dient, Menschen zu diszplinieren. Wenn man diese drei Dinge sozusagen auf die DDR anwendet, sind sie alle drei dort zu finden. Und da würde ich davon sprechen, dass in der DDR Zwangsarbeit in einem Bereich ausgeübt worden ist, der Unrecht war."

Auch ob der Begriff Zwangsarbeit zur Beschreibung der DDR-Haft nützlich ist, gilt derzeit als umstritten – ist er doch eng verbunden mit der Ausbeutung von Gefangenen und Arbeitssklaven in den Arbeits- und Konzentrationslagern unter den Nationalsozialisten.



Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/zwangsarbe...ticle_id=269536

Wenn Du jetzt behauptest das die Entlohnung in Höhe von weniger als 0,01 % des Wertes der produzierten Ware wäre i.O. lügst Du Dir wohl selber die Tasche voll.

@ DoreHolm: Ich glaube es geht hier in keinster Weise um die Arbeit an sich. Arbeit in Haftanstalten ist definitiv sinnvoll. Du wirst mir aber hoffentlich zustimmen das es wohl nicht angehen kann das Arbeit verrichtet werden muss und der Arbeitsschutz vernachlässigt wird. Oder Dinge zum Arbeitsschutz wie Handschuhe nicht vorhanden sind. So wird das jedenfalls bei der Cameraproduktion Pentacon berichtet.

Es wird auch von Unfällen in der Stahlproduktion berichtet, ich vermute aber das diese Unfälle einfach jederzeit passieren können.

Ich kann mir auch nicht vorstellen das der Arbeitsschutz in Westdeutschland derart vernachlässigt wurde. Wer was anderes weiß, ich lasse mich gern überzeugen das es hier nicht anders war.

MfG Berlin

Edit: Wort eingefügt


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
zuletzt bearbeitet 23.12.2013 11:00 | nach oben springen

#11

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 11:21
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von berlin3321 im Beitrag #3
Die Häftlinge wurden mit monatlich 20- 40 M abgespeist während das Regime die Millionen abgesahnt hat.



Hallo,
das Regime hat "abgesahnt"? So wie die Bilder von Wandlitz oder Jagdrevier Schorfheide zu sehen waren, sah das nur
nach recht bescheidenen Wohlstand aus. Von Bereicherung und Prassen dürfte kaum die Rede sein.

Interssant wäre die Frage warum sich der COMECON auf solche Handelsstrukturen mit dem "Westen" einliess, warum
es nicht gelang die Technologielücke so zu schliessen daß "Schwarzgeld" für Embargowaren nicht nötig gewesen wäre.

Mit dem MegaChip war ja Zeiss schon auf einem guten Weg und der Gesamtmarkt von Sachalin bis Meiningen dürfte doch für
Eigenproduktion genügend groß gewesen sein.... ( Aller high-tech )



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#12

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 11:22
von Telamon | 129 Beiträge

In dem Bericht vom Deutschlandfunk stehen Informationen die sind korrekt und welche die ich nicht bestätigen kann.
Bei den Entgratungsarbeiten der Gehäuse für die Fotoapparate ging es um folgendes. Das Gehäuse kam aus der Gießerei und die Aufgabe war es die Grate zu entfernen, dafür gab es 2 Feilen und ein 3 Kant-Schaber. Bei den Feilen war eine große und eine kleine. Nur mit einen großen wäre es unmöglich den feinen Grat zu entfernen, man hätte das komplette Gehäuse unbrauchbar gemacht. Mit dem Akkord war das so eine Sache, es ging nicht um eine bestimmte Anzahl sondern um Qualität. Ich habe nie erlebt das jemand bestraft wurde weil er eine bestimmte Anzahl nicht geschafft hat. Aufsichtspersonen waren auch zivile Meister von Pentacon, das einzige Ziel war Qualität. Ist man mit dem Schaber einmal abgeruscht war das gesamte Gehäuse Schrott. An manchen Tagen waren von den 5 Kisten mit Gehäuseteilen, (komplette Tagesproduktion) 2 Kisten Schrott. Wenn die Schicht zu Ende war, haben alle haben ihre fertigenGehäuse in die Kisten getan und die wurden vom Meister die Gehäuse kontolliert.
Der zivile Meister hatte also gar kein Interesse auf schnelles Arbeiten, im war es wichtiger genau zu arbeiten. Auch bei soviel Schrott gab es keine Bestrafungen. War jemand absolut nicht in der Lage diese Teilei in Qualität zu fertigen, kam er in eine andere Abteilung, wie zum Beispiel in die Stanzerei.
Ich war die letzten Monate auch in der Stanzerei, dort wurde an Stanzmaschinen Kleinteile für die Camera hergestellt. Da galt das gleiche, nur Qualität war wichtig. Ist doch eigentlich logisch.
Gruß Winfried



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#13

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 11:35
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Hast recht, meine Frau war viele Jahre in Hoheneck.
Sie waren froh das sie arbeiten durften, nur die Norm war sehr hoch. Es gab aber einen Unterschied, die kriminellen Häftlinge haben normal schnell gearbeitet, die politischen Häftlinge haben mal zu schnell oder zu langsam gearbeitet. Entweder wurde die Norm danach erhöht oder die Brigade hat weniger Geld erhalten.
Zwischen den beiden Gruppen gab es oft Ärger.
Meine Frau hat in den letzten Jahren in der Wäscherei gearbeitet, dort wurden mit sehr großen Waschmaschinen Uniformen und Häftlingskleidung gewaschen. Bei dieser schweren Arbeit wurde der Unterleib vieler Frauen beschädigt.
Den genauen Verdienst und die Norm weiß ich nicht mehr, habe alle Unterlagen dem Verantwortlichen in den Briefkasten geworfen.


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#14

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 11:38
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Ich war viele Jahre in einem Uhrenwerk tätig und weiß das Häftlinge in Untermaßfeld für uns gearbeitet haben. Was weiß ich nicht


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#15

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 14:22
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

@ SET800: Deine komischen Auffassungen kann ich in keinster Weise nachvollziehen.

Warum die Handelsorganisation so niedrige Preise akzeptiert hat steht auf einem anderen Blatt. Eröffne dazu meinetwegen einen anderen Fred und stelle das zur Diskussion.

Es steht auch nicht zur Debatte wie Erich und Co in Bonzentown (Wandlitz) und den Jagdrevieren gelebt haben.

Hier geht es einzig und allein darum das Häftlinge Millionen Valuta Mark erwirtschaftet haben und mit weniger als 0,1 % abgespeist wurden.

Die erwirtschafteten Millionen wurden im Staatshaushalt der DDR verbraucht. Sofern Du die Doku gesehen hast und auch den Hinweis auf den nicht unterschriebenen Vertrag zur Häftlingsarbeit registriert hast würdest Du solche Post´s nicht verfassen. Denn da ist nichts schön zu reden.

Denn darum geht es. Das ist moralisch verwerflich.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
matloh hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#16

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 17:37
von passport | 2.634 Beiträge

@berlin3321

Entschuldige mal, was ist daran moralisch verwerflich?
Es werden heute Milliarden erwirtschaftet durch die Arbeitnehmer! Und was bekommt er davon zurück als Gehalt/Lohn?
Denkst Du das NUR Strafgefangene für den Export gearbeitet haben?
Kosten für Unterkunft und Verpflegung mussten ebenfalls erarbeitet werden. (natürlich in Mark der DDR). Umsonst war nichts, auch nicht in der DDR!
Ausserdem wurden SV-Beiträge abgeführt.

Hier ein Auszug von D. Winderlich

Chefinspekteur a. D.



Wie sah es in der DDR in den 70-er Jahren aus?

Die Verfassung der DDR garantierte jedem Bürger ein Recht auf Arbeit. Dies galt auch für gerichtlich zu Freiheitsentzug verurteilte Bürger. Der Strafvollzugeinrichtung war es nicht erlaubt, einen Gefangenen vom Arbeitsprozeß auszuschließen. Dieses Verfassungsrecht konnte in den Mauern der Gefängnisse nicht verwirklicht werden und führte zu dem breiten System des Einsatzes Strafgefangener in den volkseigenen Betrieben fasst aller Wirtschaftszweige. Mehr als 65 % aller Strafgefangenen arbeiteten außerhalb der Vollzugseinrichtung in volkseigenen Betrieben. Dort wurden sie von Betriebsangehörigen fachlich angeleitet und kontrolliert, arbeiteten teils gemeinsam mit ihnen. Während des Arbeitseinsatzes galten die gleichen Lohnbestimmungen, Arbeitszeit-, Arbeitsschutz und Gesundheitsbestimmungen wie für freie Bürger/Arbeiter dieses Betriebes. Was und wie produziert wurde, entsprach den Richtlinien der Betriebe für ihre Arbeiter. Über den Verkauf der produzierten Güter entschied der Betrieb. Viele Betriebe, in denen auch Strafgefangene arbeiteten, lieferten ihre Waren oft unter hohen Verlust zu Niedrigpreisen an Unternehmen der BRD und des westlichen Auslandes, weil Devisen gebraucht wurden. Wenn alle Strafgefangenen eines Landes nicht in gefängniseigenen Werkstätten, sondern integriert in den Betrieben fasst aller Wirtschaftszweige arbeiten, dann bleibt es nicht aus, dass sie durch Teilprodukte und Zulieferketten an einer breiten Warenpalette beteiligt sind. In der DDR waren Strafgefangene in Bezug auf die produktive Arbeit gleichberechtigte Arbeitskräfte und wurden zentral vermittelt.

Das Strafvollzugsgesetz der DDR legte, wie auch das der Bundesrepublik Deutschland, für alle Strafgefangenen eine Arbeitspflicht fest. Warum nun die Arbeitspflicht im Strafvollzug der DDR Zwangsarbeit sein soll und die der Gefangenen in der Bundesrepublik nicht, entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Der Unsinn geht ja noch weiter: Alle Strafgefangenen, egal nach welchem Gesetz sie verurteilt waren, mit oder ohne politische Hintergründe und Begleitumstände, waren zur produktiven, gesellschaftlich nützlichen Arbeit eingesetzt und erhielten die gesetzlich festgelegte Vergütung (18 % des Lohnes eines freien Arbeiters und 100% aller Zuschläge und Prämien). Warum nun politische Gefangene eine Entschädigung bekommen sollen und die anderen Gefangenen nicht, kann uns bisher keiner sagen.


Wer Gefangenen während der Haft einen bezahlten und mit freien Arbeitern vergleichbaren Arbeitseinsatz ermöglicht, macht nichts moralisch oder juristisch Anstößiges. Gesellschaftlich nützliche Arbeit trägt zur Resozialisierung bei, dies weiß jeder, der sich mit Fragen der Behandlung von Strafrechtsverletzern und deren Wiedereingliederung beschäftigt.

Der Arbeitseinsatz machte erst die sozialen Komponenten für den Strafgefangenen und deren Angehörige möglich. Wie in jedem Strafvollzug dieser Welt, erhielten die Strafgefangenen in der DDR nicht den vollen, erarbeiteten Lohn ausgezahlt, sondern nur einen kleinen Prozentsatz. Die Masse behält der Staat als Kompensation für seine Aufwendungen für Unterbringung, Versorgung, med. Betreuung, Bewachung und Sicherstellung ein. Strafgefangene in der DDR erhielten 18 % des Nettolohnes eines vergleichbaren freien Arbeiters, jugendliche Strafgefangene 35 % des vergleichbaren Lehrlingsentgeltes als Vergütung ausgezahlt. Alle Zuschläge wegen Nachtschicht, gesundheitsgefährdender Arbeit und alle Prämien ( für Materialeinsparungen, Planerfüllung, Neuerervorschläge usw.) wurden zu 100 % gezahlt.




passport


Batrachos und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#17

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 18:05
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Also das ein Strafgefangener in der DDR im Knast eine Wertschöpfung von 454M je Stunde schaffte, halte ich für ein Gerücht. Oder hatten die im Knast die geheime Hochtechnologie, die man der normalen Wirtschaft vorenthalten hat??


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#18

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 19:02
von Telamon | 129 Beiträge

Man kann das so nicht stehen lassen:

[gruen]"Wer Gefangenen während der Haft einen bezahlten und mit freien Arbeitern vergleichbaren Arbeitseinsatz ermöglicht, macht nichts moralisch oder juristisch Anstößiges. Gesellschaftlich nützliche Arbeit trägt zur Resozialisierung bei, dies weiß jeder, der sich mit Fragen der Behandlung von Strafrechtsverletzern und deren Wiedereingliederung beschäftigt."

Als ich das erste Mal 1969 wegen versuchter RF verhaftet wurde war ich 15 Jahre.
Was hatte ich getan, ich bin in einen Zug gestiegen, der nach Bad Brambach fuhr, von dort wollte ich über die grüne Grenze in die Tschechoslowakei und dort dachten wir leichter in die BRD zu kommen wegen der Krise, von dort nach England und weiter nach Australien.
Ich würde es einen Dummenjungenstreich bezeichnen, was er ja auch war.
In Plauen war Schluss, was wir nicht bedacht hatten, der Zug war nur bis Plauen für den Binnenverkehr freigegeben.
Was war das Ergebnis 1 Jahr (ohne Bewährung) und 1969 mußten wir als Jugendliche wirklich wie Zwangsarbeiter schuften.
Was will ich damit sagen, man muss immer betrachten zu welcher Zeit war es und weswegen derjenige in Haft war.
1988 hatte ich schon mehr Verstand und wusste was mich erwartet, derjenige aber der ein falsches Plakat aufgehängt hat und noch dazu sehr jung war wusste es aber nicht. So gibt es bei diesem sehr komplexen Thema viele Betrachtungsweisen. Für mich war 1969 Zwangsarbeit aber 1988, darüber kann man sich, in meinem Fall, streiten.
Gruß Winfried



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#19

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 23.12.2013 19:27
von Lutze | 8.034 Beiträge

irgendwo hatte ich es schon mal getextet,
wir hatten in der Jugendstraf- Anstalt
Kleinteile für RFT zusammengebaut,
die Arbeit war sehr eintönig,
mir ging es darum,das dadurch die Haft schneller verlief,
vielleicht auch dies,viele Jugendliche konnten dort
eine Facharbeiterausbildung machen,es waren nicht wenige,
an Zerspanungsfacharbeiter kann ich mich erinnern
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#20

RE: Doku Westware aus dem Ostknast

in DDR Staat und Regime 24.12.2013 06:19
von Major Tom | 853 Beiträge

Ich habe damals in Halle Werkeugkaesten fuer ein westdeutsches Versandhaus zusammengestanzt. Da gab es eine bestimmte Norm die zu erfuellen war und wer die nicht erfuellte oder die Arbeit verweigerte bekam ein Gespraech mit dem ''Erzieher'' ja so hiess das damals wirklich. Der Erzieher war in meinem Fall ein Hauptmann des Strafvollzuges, ein arrogantes ****loch welcher mir androhte noch ein paar Monate draufzupacken wenn ich weiter so langsam arbeiten wuerde. Ich habe den einfach nur ausgelacht, wusste ich doch dass dieser kleine Hanswurst nichts zu melden hat und ausserdem hatte ich beim Rechtsanwalt Vogel schon in der U-Haft meine Uebersiedlung unterschrieben.

In Karl-Marx-Stadt bekam ich dann fuer 4 Monate Kisten stanzen 100 Alumark ausgezahlt welche ich dann im Delikatladen im Stasiknast auf der Stelle ausgeben musste. War eine nette Party die letzte Nacht dort, Jakobs Kaffe mit lauwarmen Wasser, Clubzigaretten stangenweise, das sah in der Zele aus wie nach einem Jungesellenabschied. Nur die Maedels fehlten


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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