#1

Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 20.12.2013 13:46
von der glatte | 1.356 Beiträge

In wenigen Tagen ist Weihnachten und für mich ist das dann auch immer eine Gelegenheit in meinen Kindheitserinnerungen zu kramen. Lustige Geschichten habe ich damals erlebt, es sind Geschichten, welche wohl nicht so recht in das heute so oft dargestellte "Einheitsgrau" der DDR-Zeit zu passen scheinen. Es stellt sich die Frage, haben wir als Kinder unsere Welt eventuell viel bunter und lustiger erlebt und ist uns dieser besondere Blick heute schon etwas abhanden gekommen?

Ich glaubte damals an den Weihnachtsmann und ging ihm sogar entgegen. Aber lest selbst.

Warten auf den Weihnachtsmann.
Eine Geschichte aus der Kindheit, im Herzen bewahrt.


Laut und sehr lang gezogen war der Pfiff der Lokomotive vom nahe gelegenen Schmalspurbahnhof „Jaspisstraße“. Wenn ich mich damals auf den heimischen Küchenstuhl stellte und mir ein kleines Guckloch durch unsere angelaufene Fensterscheibe wischte, konnte ich die hell erleuchteten Fenster der kleinen Waggons sehen, die gerade von einer Lokomotive in den Bahnhof geschoben wurden. Dicke weiße Dampfwolken hüllten die wenigen Menschen, die den letzten Zug noch erreichen wollten, auf dem Bahnsteig ein. Einige Dampfwolken ließen diese dann plötzlich für kurze Zeit, teilweise oder ganz im Nebel verschwinden. Ich war damals sechs Jahre alt und fest davon überzeugt, dass der Weihnachtsmann mit der Schmalspurbahn ankam und dann hier in seinen Schlitten umstieg. Wenn ich mit meiner Oma zum Einkaufen ging, mussten wir am Bahnhof vorbei und ich konnte mir die vielen abgestellten Waggons aus der Nähe betrachten. Besonders in der Vorweihnachtszeit hatte dieses immer für mich einen besonderen Reiz gehabt. Oft lag noch Stroh, welches aus den Waggons gefallen war, neben den Gleisen im Schnee. Einmal sagte meine Oma: „Die Pferde für den Schlitten des Weihnachtsmannes sind heute früh angekommen. Nun wird auch der Weihnachtsmann bald hier aus dem Zug steigen. „Wann Oma, wann kommt der Weihnachtsmann?“, fragte ich. „Na, in drei Tagen ist der Heilige Abend. Aber der Weihnachtsmann kommt schon einige Tage vorher, um zu sehen ob die Kinder auch alle artig sind. Dann fährt er zurück und holt die Geschenke, um am Heiligen Abend die Kinder zu beschenken.“ Ich glaubte meiner Oma jedes Wort.



Den Weihnachtsmann am Bahnhof abholen. Das wäre ein Ding, dachte ich mir. Ich musste nur herausbekommen, wann er denn hier eintraf. Am nächsten Tag, stiefelte ich entschlossen zum kleinen Bahnhof, um mich nach dem Weihnachtsmann umzusehen. Alles war dicht verschneit und der Schnee knirschte unter meinen Schuhen. Der Bahnhof war leer, nur der freundliche Onkel mit der roten Mütze, welcher immer die Kelle hob und in die silberne Trillerpfeife blies, war auf dem Bahnsteig und fegte den Schnee vor dem kleinen Warteraum. Ich nahm allen Mut zusammen und fragte, mit welchem Zug denn der Weihnachtsmann ankäme. „Da, fügte ich noch hinzu und zeigte auf das Stroh. Seine Pferde sind doch gestern schon angekommen!“ „Ach so, der Weihnachtsmann“, antwortete der Mann und zog die Augenbraunen nach oben. Dann schaute er mit ernstem Blick auf seine Taschenuhr und sagte weiter: „Also, sein Schlitten kommt heute Abend mit dem letzten Zug. Aber der Weihnachtsmann selbst, kommt immer mit einem Sonderzug. Aber das musst Du für Dich behalten. Das ist ein Dienstgeheimnis!“ „Und die Geschenke, kommen die auch mit dem Zug“, fragte ich noch schnell? „Frage nicht so viel, mach dich lieber Nachhause, deine Eltern warten bestimmt schon auf dich.“ Damit hatte er Recht. Schnell machte ich mich auf den Weg. Doch die Gedanken ließen mich den ganzen Abend und auch als ich später in meinem Bett lag nicht los. „Wann kommt der Weihnachtsmann?“ In der Nacht wurde ich wach und schlich mich auf leisen Sohlen in die Küche um durch das Fenster hinüber zum Bahnhof zu blicken. Es schneite und die weißen Flocken wirbelten nur so am Fenster vorbei. Doch was war das? Im Bahnhof stand ein Zug. Ja richtig, ich konnte die roten Schlusslichter trotz Schneefalls genau erkennen. War der Weihnachtsmann gerade mit dem Sonderzug angekommen? So schnell wie nie, war ich in meine Sachen geschlüpft, streifte die Handschuhe über und war schon aus dem Haus hinaus. Der Bahnhof war trotz des frisch gefallenen Schnees schnell erreicht. Etwas außer Atem stand ich auf dem leeren Bahnsteig. Vom Zug fehlte jede Spur, aus der Ferne hörte ich noch das rhythmische Stampfen einer Lokomotive. Schnell ging ich in die noch hell beleuchtete Wartehalle. Kein Mensch war zu sehen. Die Scheibe des Fahrkartenschalters war zugezogen, überall war es still. Der Weihnachtsmann muss hier irgendwo sein, dachte ich mir und setzte mich auf eine von den braunen Bänken im Wartesaal. Hinter der Bank war eine Heizung, welche eine angenehme Wärme ausstrahlte. Ich kuschelte mich auf der Bank zusammen und sagte mir. Gleich wird der Weihnachtsmann hereinkommen und den Schnee von seinem Mantel klopfen. Dabei schlief ich ein. Ich bemerkte nicht, wie eine Stunde später der Mann mit der roten Mütze, der seinen Dienst um 4:00 Uhr antrat, mich in eine dicke Decke wickelte und in das Dienstzimmer brachte. Natürlich wusste er genau, wer der kleine Ausreißer war, der nun auf der Ofenbank schlief. Unser Ort war klein und man kannte sich eben. Zuhause hatte noch keiner etwas bemerkt, nur mein Vater der zur Frühschicht mit dem ersten Zug fahren wollte, wunderte sich über unsere nicht verriegelte Haustür, als er zum Bahnhof aufbrach. Noch erstaunter muss er dann geblickt haben, als er vom Mann mit der roten Mütze auf dem Bahnsteig mit den Worten, „Karl, dein Bengel schläft bei mir“, begrüßt wurde. Nun, der Rest vom meinem nächtlichen Ausflug ist schnell erzählt. Mein Vater weckte mich etwas unsanft, doch musste er noch so verdattert über meine Anwesenheit auf dem Bahnhof gewesen sein, dass sein von mir erwartetes Schimpfen, ausblieb. Na dann komm mal mit Nachhause, sagte er nur und zog mich von der Ofenbank. Dabei fiel eine bunte Weihnachtstüte, die unter meiner Decke gelegen haben musste, gefüllt mit Äpfeln, Pfefferkuchen und Nüsse herunter. Ein roter Apfel kullerte unter den Schreibtisch. Der Mann mit der roten Dienstmütze hob den Apfel schnell auf und steckte ihn mit den Worten zurück in die Tüte. „Ach so, ja die Tüte, die hat dir der Weihnachtsmann dagelassen. Du hattest ja geschlafen als er mit dem Zug ankam und er musste schnell weiter. So, aber nun Nachhause mit Dir ins Bett!“ Hatte ich wirklich den Weihnachtsmann verschlafen? Es musste einfach so gewesen sein, denn am Heiligen Abend kam ja der Weihnachtsmann zu uns in das Haus und wusste genau Bescheid über meinen nächtlichen Ausflug zum Bahnhof. „Na, mein Freund, wir haben uns ja schon gestern gesehen“, sprach er mich an. Ich musste ihm damals versprechen, nie wieder allein in der Nacht das Haus zu verlassen. Inzwischen ist viel Zeit vergangen.

Den Bahnhof gibt es heute nicht mehr und auch unsere Schmalspurbahn schnauft schon lange nicht mehr durch das Triebischtal. Als ich größer wurde, konnte ich mir dann auch denken, wer mir damals die Tüte mit den Pfefferkuchen unter die Decke gelegt hatte. Es konnte nur der freundliche Mann mit der roten Dienstmütze gewesen sein. Damals bekamen Schichtarbeiter, die auch ihren Dienst am Heiligen Abend antreten mussten, diese Weihnachtstüten mit dem Leckerein geschenkt. Oder war er es am Ende doch nicht?
Noch heute besitze ich diese für mich besondere Geschenktüte. Ich kann mich davon einfach nicht trennen. Damals hatte ich doch in der Nacht den Zug mit eigenen Augen im Bahnhof stehen sehen. Und warum sollte es nicht doch der Weihnachtsmann gewesen sein, der damit ankam?

Wohl dem, der sich noch Geschichten und Träume aus seiner Kinderzeit bewahrt hat und heute weitererzählen kann. Weihnachten, das ist für mich auch immer eine Reise zurück in meine Kindheit.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine schöne Weihnachtszeit.



Fotos Quelle: zwei alte Ansichtskarten ohne Autor.
Meißen-Triebischtal hatte einst einen größeren Güterbahnhof für die Normal- und Schmalspurbahn.
Die zweite Karte ist die Weihnachtskarte welche mein Onkel 1946 von seiner Frau in die Gefangenschaft, nebst einem kleinen bescheidenen Päckchen bekam.


Eventuell habt Ihr auch noch besondere Weihnachtsgeschichten in Eurer Kindheit erlebt? Oder Ihr habt noch schöne Erinnerungen an Eure Weihnachtszeit in der DDR?

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#2

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 20.12.2013 17:02
von Freienhagener | 3.861 Beiträge

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ein "richtiger" Weihnachtsmann aussieht - nicht mit Kugelbauch, kurzer Jacke und großer Gürtelschnalle, sondern schlank, mit langem Mantel und gegürtet mit einen Stück Seil.
Und "Hoho" hat der nie gerufen.

Gruß

Micha


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
nach oben springen

#3

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 20.12.2013 17:19
von Vogtländer (gelöscht)
nach oben springen

#4

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 20.12.2013 17:22
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Zitat von Freienhagener im Beitrag #2
Ich kann mich noch daran erinnern, wie ein "richtiger" Weihnachtsmann aussieht - nicht mit Kugelbauch, kurzer Jacke und großer Gürtelschnalle, sondern schlank, mit langem Mantel und gegürtet mit einen Stück Seil.
Und "Hoho" hat der nie gerufen.

Gruß

Micha


Der echte Weihnachtsmann ist auch nicht rot. Der ist eine Erfindung von Coca Cola.


nach oben springen

#5

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 20.12.2013 18:37
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

In meiner frühsten Kindheit wurde immer von meiner Großmutter das Christkind und Knecht Ruprecht angekündigt. Danach kam kurzeitig der Weihnachtsmann. Der wurde abgelöst vom Väterchen Frost und Snegurotschka. Und als wieder der Weihnachtsmann in den Mittelpunkt rückte, war ich schon etwas verständiger.

Der Zauber der Weihnachtszeit ist aber geblieben. Nicht zuletzt durch viele Rituale, die man von den Großeltern und Eltern übernommen hat und die von den eigenen Kindern ähnlich gepflegt werden.

LG von der grenzgaengerin


hundemuchtel 88 0,5, Lutze, der glatte und schulzi haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#6

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 20.12.2013 18:41
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #5
In meiner frühsten Kindheit wurde immer von meiner Großmutter das Christkind und Knecht Ruprecht angekündigt. Danach kam kurzeitig der Weihnachtsmann. Der wurde abgelöst vom Väterchen Frost und Snegurotschka. Und als wieder der Weihnachtsmann in den Mittelpunkt rückte, war ich schon etwas verständiger.

Der Zauber der Weihnachtszeit ist aber geblieben. Nicht zuletzt durch viele Rituale, die man von den Großeltern und Eltern übernommen hat und die von den eigenen Kindern ähnlich gepflegt werden.

LG von der grenzgaengerin




ja ja, der ist geblieben... die Sichtweise nur hat sich etwas geändert, aber Du hast völlig recht. Es ist etwas vom Zauber geblieben...
und das macht einen zeitweise Nachdenklich und Froh.

Danke für diese Feststellung!
gruß hundemuchtel 88 0,5


silberfuchs60, der glatte und IM Kressin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 20.12.2013 18:42 | nach oben springen

#7

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 21.12.2013 10:21
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Recht herzlichen Dank @der glatte ,

es gibt keine schöneren Geschichten als die, in denen der Erzähler mit Liebe oder zumindest tiefen Respekt über die Menschen in der Geschichte erzählt. Ich habe Deinen Eisenbahner in mein Herz geschlossen. Er ist ein sehr schöner "Weihnachtsengel". Ich revanchiere mich mit einer Geschichte aus meiner Kindheit:

Wir wohnten zu fünft in der großen Wohnung in Leipzigs Innenstadt. Kam man durch die Tür in die Wohnung im ersten Stock des gutbürgerlichen Jugendstilhauses, öffnete sich nach rechts ein fast zehn Meter langer Flur. Der Eingangstür gegenüber lag das Zimmer meiner Großmutter, ein lang gestreckter Raum von etwa zwanzig Quadratmetern. Daneben, direkt durch eine Tür verbunden, die aber von der Seite des großen Zimmers als Bücherwand genutzt und somit versperrt war, lag das Zimmer meiner Mutter, durch seine Größe auch das Wohnzimmer genannt. Es war ein Raum von achtundzwanzig Quadratmetern und hatte dazu noch einen Erker, der den Raum noch größer werden ließ, als er schon war. Daneben, auch wieder durch eine direkte Durchgangstür verbunden, die aber auch stets verschlossen blieb, da ein Schrank davor stand, war das ebenfalls etwa achtundzwanzig Quadratmeter messende, aber durch den fehlenden Erker nicht so groß wirkende Wohnzimmer meiner Tante und meines Onkels. In diesem Zimmer stand der Fernseher.

Es war Heiligabend, der fast drei Meter hohe Baum im Zimmer meiner Mutter war geschmückt, die Familie versammelte sich im Zimmer von Tante und Onkel, es wurde Kaffee getrunken, für mich gab es natürlich Kakao, denn nichts passt in einen Kindermund besser zu selbstgebackenem Stollen. Wir sprachen das damals übrigens komplett falsch aus, denn Oma lehrte mich, dass es "de Schdolle" heißt. Noch heute leide ich unter diesem Sprachfehler und bemühe mich nach Kräften, ihn zu kompensieren. Doch damals war mir das egal. Im Mund war es süß, vor den Augen war es bunt. Nun, um ehrlich zu sein, war es schwarzweiß. Aber damals empfand ich noch die Farbe hinter den Fernsehbildern und weiß bis heute nicht, ob das eine Art kindliche Magie oder einfach nur die Sehweise der Zeit war.

Meister Nadelöhr und der Schneemann Eimerhut hatten den Märchenwald und die Schneiderstube nach Kräften beschenken lassen und der Weihnachtsmann war auch dagewesen. Ich wusste also, es gibt ihn, denn ich hatte ihn im Fernsehen gesehen. Danach kam die besinnliche Musik zum Fest, die immer irgendwie von großmütterlich gekleideten Frauen mit Klöppelspitzen in einer mir fremden Sprache zum Klang von Gitarre, Akkordeon und Zither dargeboten wurde. Und so zitherten die Musikanten durch die besinnliche Zeit vor der Bescherung und ich zitterte vor Ungeduld und lernte, nein habitualisierte, erzgebirgische Lieder mit diesem Gefühl zu verknüpfen.

Meine Mutter verließ den Raum, ohne dass ich es wirklich bemerkte. Plötzlich klopft es draußen an der Wohnungstür. Ich sprang auf. Oma, die auf ihrem linken Ohr nichts hörte, seit ihr ein Lehrer in ihrer Kindheit die Schiefertafel darauf geschlagen hatte, hing mit dem noch verbliebenen Gehörsinn des rechten Ohres dicht am Fernseher und erschrak somit, da sie den Grund meiner Bewegung nicht mitbekommen hatte. Ich wandte meine großen dunkelbraunen Augen der Tante zu. Sie spielte so gut und schlecht es eben Erwachsene tun können: "Na, wer wird das wohl sein?" Blöde Frage, war doch klar um die Zeit. Ich teilte meinen gefühlten Informationsvorsprung mit, indem ich: "Der Weihnachtsmann" rief und in Richtung Zimmertür rannte. Auf dem Flur angekommen sah ich meine Mutter, die an ihrer Zimmertür stand und sie zuhielt. Sie sagte etwas wie: "Wir dürfen nicht stören, der Weihnachtsmann ist da drin." Der genaue Wortlaut entzieht sich meiner Erinnerung. Aber was dann kam, ist klar in meinen Gehirnbahnen eingebrannt: "Sag mal den anderen Bescheid!" Sie übertrug mir Verantwortung und ich wusste, dass ich der Träger des Informationsvorsprungs erster Klasse in Gold war. Anstatt nun an der Zimmertür von Tante und Onkel stehen zu bleiben und in das Zimmer die Anweisung: "Schert Euch raus, es ist Bescherung" zu rufen, rannte ich in meiner Aufregung in das Zimmer, um die schwerfällig wirkenden Bewegungen von Tante, Onkel und vor allem Oma mit dem Beschleunigungsmoment kindlicher Begeisterung zu versehen. Als wir dann endlich wieder auf den Flur kamen, stand meine Mutter an der Wohnungstür, die gerade in das Schloss eingerastet war. "Er ist schon wieder fort!" Ich war wie vom Donner gerührt. Er war fort. Ich hatte ihn verpasst. Ich hatte Verständnis für den Weihnachtsmann. Gerade war er noch im Fernsehen und er musste zu sehr vielen. Ich war sauer auf mich, dass ich in das Zimmer zurückgelaufen war und somit den Weihnachtsmann nicht gesehen hatte. Klar, er war ja schon bei der Weihnachtsfeier in der Schule meiner Mutter da gewesen. Ich kannte ihn also. Aber das hier war doch ganz was anderes. Es war der Heilige Abend! Sogar für Atheisten! Das Gefühl meines ersten großen eigenen Versagens brannte sich tief ein. Doch der Abend selbst konnte gerettet werden. Ich, noch leicht apathisch, wurde in das Wohnzimmer geführt. Der Baum stand auf dem Erker, die Kerzen flackerten. Es war das glänzende Licht und damit war auch der goldene Schein, von dem in den Weihnachtsliedern so schön gesungen wird. Der Raum war in ein unwirkliches Licht gehüllt. Und unter dem Baum lagen Geschenke ... Ich bekam aus dem größten der Pakete meinen heißgeliebten Plastebaukasten, von dem einige Teile lange genug überlebten, dass ich fast noch zehn Jahre später unter dem liebevollen Spott meiner Mutter damit spielte.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


exgakl, der glatte, schulzi, turtle, Küchenbulle 79 und küche69 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.12.2013 10:22 | nach oben springen

#8

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 22.12.2013 01:32
von der glatte | 1.356 Beiträge

Hallo Rainman2 und vielen Dank für Deine Weihnachtsgeschichte. Es ist schon komisch, aber auch bei uns war der Weihnachtsmann meist schon wieder weg. Wenn er dann einmal da und zum greifen nahe war, hatte er meist die Stiefel von Onkel Paul an. Hatte der Weihnachtsmann keine eigenen Stiefel? Diese Frage befasste mich eine gewisse Zeit. Allerdings die Geschenke auf dem Gabentisch haben mir darüber immer hinweg geholfen.

Da fällt mir noch eine andere Geschichte ein, welche ich auch zusammen mit meinem Bruder erleben durfte. Leider kam mein Bruder einige Jahre später durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben. Mit dieser Geschichte lebt er aber immer weiter und darauf kommt es an.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#9

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 22.12.2013 01:45
von der glatte | 1.356 Beiträge

Und nun die versprochene zweite Weihnachtsgeschichte aus meiner Kindheit.


Mein erstes eigenes Geld war aus Pappe – Dem Kaufmann war das egal.
Eine kleine Weihnachtsgeschichte

Kurz vor dem Heiligen Abend ging mein Vater mit uns beiden Kindern auf den häuslichen Dachboden, um nach der alten Spielzeugeisenbahn zu sehen. Unser Dachboden war für mich damals eine riesige Fundgrube, mit zahlreichen Kisten, Kartons und abgedeckten Körben. Überall warteten hier unentdeckte Geheimnisse, welche noch erforscht werden mussten. Da war die alte Truhe ohne Schloss, voller alter Bücher und mit interessanten Bildern. Obwohl die Truhe kein Schloss mehr hatte, lag der Schlüssel immer auf dem Deckel. Warum wohl? „Komm hilf mir mal“, rief mein Vater, der mit einer alten Plane kämpfte, welche sich verheddert hatte. Unter der Plane kam ein Kinderkaufmannsladen zum Vorschein und ich war begeistert. Mein älterer Bruder hatte sich inzwischen auf die Truhe ohne Schloss gesetzt und blätterte in einem Buch über Afrika. Ich dagegen versuchte im spärlichen Licht einer Taschenlampe zu erkunden, was da beim abziehen der Plane, heruntergefallen war. Es war die alte Kaufmannsuhr, die nun auf den Holzdielen lag und der das Glas fehlte. Als ich die Uhr aufhob, rasselte es im Gehäuse. „Oh, hoffentlich bekomme ich die wieder hin“, sagte mein Vater, der gerade das Uhrenglas gefunden hatte. Es war zum Glück heil geblieben. Mein Vater machte nun den Vorschlag, in diesem Jahr den Kaufmannsladen zum Spielen aufzustellen und die sonst traditionell aufgebaute Eisenbahn sollte dagegen ein Jahr im Koffer bleiben. Wir waren einverstanden und schon ging mein Vater dem groben Staub mit einem Handfeger zu Laibe. Dabei erzählte er uns, dass diese Schränke einst sein Opa, welcher Tischler war, für seine Enkel gebaut hatte. Was für Schränke? Ich sah nur einen mit vielen Schubladen! Neugierig wie ich war, wollte ich eine Lade öffnen, doch die klemmte. Natürlich musste es auch die oberste Schublade sein, an der ich nur auf Zehenspitzen herankam. Plötzlich gab es einen Ruck und ich stand im Taler-Regen. Der gesamte Schieber war mit Münzen aus bedruckter Pappe gefüllt und diese prasselten jetzt nur so auf den Holzboden. Mein Vater sprach nur ein einziges Wort. „Einsammeln!“ Mühsam machte ich mich an die Arbeit. Während ich am Boden beschäftigt war, begann mein Vater mit meinem Bruder die einzelnen Teile des Kaufmannsladens nach unten zu tragen.

Unsere Mutter war von dieser Idee nicht gerade hocherfreut und verschwand schnell wieder in der Küche. Nach einer Stunde war alles aufgebaut. Eine Ecke vom Wohnzimmer war nun zum Lebensmittelgeschäft geworden. Ein großer Schrank mit vielen Regalen stand in der Mitte und hatte drei verglaste Türen. Links und Rechts waren noch zwei Schränke, ebenfalls mit Regalen, an den Mittelschrank angebaut. Davor stand nun ein richtiger Verkaufstresen mit Schubladen und einer echt aussehenden Registrierkasse aus Holz. Wenn man da an der Kurbel drehte, klingelte es laut und man konnte die Kassenschublade öffnen. Wir staunten nicht schlecht. Inzwischen hatte mein Vater noch vier alte Pappkoffer vom Boden geholt, in denen alles zu finden war, was man zum Verkauf brauchte. Ich begann die Kasse mit dem Geld zu füllen und konnte dabei die bedruckten Pappscheiben näher betrachten. Es gab Pfennige und Markstücke, alle hatten auf einer Seite einen Adler mit kleiner Krone aufgedruckt. Dieses Geld war mir fremd doch zum Spiel sehr gut geeignet. Das Einräumen der Schubladen und Regale musste nun zügig vorangehen, denn am Heiligen Abend sollte ja Eröffnung sein und es wurden viele Kunden erwartet. Und so kam es dann auch. Pünktlich konnte das Geschäft eröffnet werden. Jeder der zu Besuch an den Weihnachtsfeiertagen kam, kaufte bei uns ein und bezahlte sogar mit richtigem Geld. Es gab immer etwas im Geschäft zu tun und als ich dann eine große Packung Spielgeld mit Geldscheinen und Münzen unter der Weihnachtstanne zur Bescherung fand, gab es auch einen richtigen „Währungswechsel“ im Laden. Es war ein lustiges Weihnachtsfest und jeder war begeistert vom Kaufmannsladen. Besonders meine Tante und mein Onkel, die Geschwister meines Vaters, waren sehr ergriffen. Still in den Gedanken vertieft standen sie vor dem Tresen. Meine Tante Elsa hatte sogar Tränen in den Augen, als sie mit der Hand liebevoll über die hölzerne Registrierkasse streichelte. „Das Du das noch alles hast“, sagte sie. Die drei Geschwister standen stumm und mit freudigen Augen vor den Regalen und heute weis ich, dass sie in diesem Augenblick wieder an die Zeit ihrer eigenen Kindheit zurückdachten. Für einen Moment war nur das leise Ticken der reparierten Kaufmannsuhr zu hören.



Was aus dem alten Kaufmannsladen geworden ist, kann ich nicht sagen. Vieles von unserem Spielzeug wurde später an andere Kinder verschenkt und hat diesen sicher große Freude bereitet. Als ich vor kurzem ein altes Buch, das noch von meinem Vater war, in den Händen hielt, fiel eine kleine Pappmünze heraus. Es war eine Münze aus dem finanziellen Zubehör des Kaufmannsladens. Etwas mitgenommen war das Stück schon und es handelte sich um eine 10-Pfennig-Pappmünze, aus dem Jahre 1908. Ursprünglich war es einst eine ganze Schublade voll. Welche Freude kam nun in mir auf, es gab also doch noch ein ganz besonderes Stück aus meiner Kindheit. Jetzt war ich es der sich an einen großen Moment der Kindheit erinnerte. Ich sah in meinen Gedanken den Tannenbaum leuchten und vor dem Verkaufstresen vom guten alten Kaufmannsladen stand ich wieder hinter meinem Vater, der Tante und dem Onkel. Genau so wie es sich damals zugetragen hatte und dieses mal hatte ich eine Freudenträne im Auge.
Erinnerungen an die Kindheit sind die schönsten Erinnerungen die man hat.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


Rainman2, turtle, Svenni1980, Küchenbulle 79, küche69 und EK 70 haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#10

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 22.12.2013 02:12
von schulzi | 1.759 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #8
Hallo Rainman2 und vielen Dank für Deine Weihnachtsgeschichte. Es ist schon komisch, aber auch bei uns war der Weihnachtsmann meist schon wieder weg. Wenn er dann einmal da und zum greifen nahe war, hatte er meist die Stiefel von Onkel Paul an. Hatte der Weihnachtsmann keine eigenen Stiefel? Diese Frage befasste mich eine gewisse Zeit. Allerdings die Geschenke auf dem Gabentisch haben mir darüber immer hinweg geholfen.

Da fällt mir noch eine andere Geschichte ein, welche ich auch zusammen mit meinem Bruder erleben durfte. Leider kam mein Bruder einige Jahre später durch einen tragischen Unglücksfall ums Leben. Mit dieser Geschichte lebt er aber immer weiter und darauf kommt es an.

Gruß Reiner

Hallo Glatter! Danke für den Beitrag da durch ist mir eingefallen das es bei uns so ähnlich war .Meine Schwester und ich wunderten uns immer das der Weihnachtsmann immer die Polizeistiefel von unseren Vati anhatte(war die Zeit als die VP noch mit hochgeschlossnen Kragen undTschako rum lief), als wir das einmal sagten kam er nicht mehr sondern legte die Geschenke wärend des Abendbrotes in der Küche heimlich in die Stube


der glatte hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.12.2013 02:13 | nach oben springen

#11

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 22.12.2013 02:23
von der glatte | 1.356 Beiträge

Hallo schulzi,

oder eventuell war es doch der Weihnachtsmann, welcher in seiner Freizeit ein "Helfer der VP" war!

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


nach oben springen

#12

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 22.12.2013 08:05
von schulzi | 1.759 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #11
Hallo schulzi,

oder eventuell war es doch der Weihnachtsmann, welcher in seiner Freizeit ein "Helfer der VP" war!

Gruß Reiner

Ne das war mein Vater , meine Eltern schwärmten immer "als ihr noch klein ward und an den Weihnachtsmann glaubtet waren die schönsten Weihnachten"


nach oben springen

#13

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 22.12.2013 10:41
von Rainman2 | 5.762 Beiträge

Zitat von der glatte im Beitrag #8
... Es ist schon komisch, aber auch bei uns war der Weihnachtsmann meist schon wieder weg. Wenn er dann einmal da und zum greifen nahe war, hatte er meist die Stiefel von Onkel Paul an. Hatte der Weihnachtsmann keine eigenen Stiefel? Diese Frage befasste mich eine gewisse Zeit. ...

Hallo der Glatte,

ja, die Stiefelfrage ist scheinbar sehr wichtig, weswegen ich die aktuellen Weihnachtsmannkostüme hochgradig albern finde, bei denen die Stiefel lediglich als Gamaschen ausgelegt sind. Und die sehen, selbst bei höherpreisigen Kostümen, sei es nun Weihnachtsmann oder Nikolaus, immer unecht aus. Mir ging es selbst so, als ich Mitte der 90er selbst noch richtig Weihnachtsmann gespielt habe. Figur und Stimme passten, als Mantel lieh mir ein Freund einen russischen Bojarenmantel mit Pelzbesatz und Orden aus dem Theaterfundus. Mütze, Bart und Haare wurden selbst gebastelt, ich hatte ja das Problem, dass ich einen damals noch schwarzen Bart verstecken musste. Da half nichts Vorgefertigtes. Das einzige Problem, was ich nicht hatte, waren die Stiefel. Das waren noch die Diensttreter aus der Offizierszeit. Nicht die Chromelackstiefel. Die sahen viel zu "geleckt" aus. Der Weihnachtsmann ist ein Arbeiter. Da mussten die normalen Dienststiefel ran. Und richtig, einer der zu beschenkenden Jungs, damals 5 Jahre alt, kam auf mich zugestürmt, riss mir ohne Respekt den Mantel hoch, sah die richtigen Stiefel, riss die Augen auf und hatte dann Respekt. Ich war der richtige Weihnachtsmann.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


der glatte hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.12.2013 10:42 | nach oben springen

#14

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 22.12.2013 11:22
von Rostocker | 7.720 Beiträge

Hier im Harz,in den Ort wo ich 4 Jahre wohnte,gab es zum Nikolaus und am 24.12. vom Weihnachtsmann, den einer von der FF-spielte. Für die Kinder bis 6 Jahren immer einen kleinen Beutel mit Süßigkeiten.Der Weihnachtsmann ging dann von Tür zu Tür. Und nebenbei bezog er bei jeder Familie noch 2 bis 3 Korn. Also war er immer gut abgefüllt. Und dann gibt es noch eine Tradition. Am 1.Weihnachtstag morgens gegen 6 Uhr ist Umgang der Weihnachtsmänner,mit Glockengeschier und Peitschenknallerei, was sich über 2 Orte hinzieht. Dazu wird die Straßenbeleuchtung abgeschaltet. Und wenn der Spuk vorbei ist , geht es zum Umtrunk. Wo auch bei Neuaufnahme,-- die Mitglieder übers Fass gerollt werden.

Angefügte Bilder:
b1 002.jpg

zuletzt bearbeitet 22.12.2013 12:11 | nach oben springen

#15

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 22.12.2013 12:10
von turtle | 6.961 Beiträge

Weihnachten !
Mit Opa vorher in den Wald mit dem Schlitten fahren und den Tannenbaum raussuchen gefiel mir besonders. Opa nutzte immer die Gelegenheit zu einem Besuch der Dorfkneipe aus. Da war für mich immer eine Wurst und Limo drin. Natürlich kannte Oma die Geflogenheiten von Opa, deshalb sagte sie schon vorher zu mir „pass auf Opa auf, er ist krank 3 Bier mehr darf er nicht“ Wenn ich drängelte sagte er nur von nur 3 Korn hat sie aber nichts gesagt. Recht hatte er, und es kam die nächste Limo und der Korn für Opa. Das hatte aber irgendwann ein Ende, mit dem Ergebnis ich saß mit Opa auf dem Schlitten und Oma musste uns Nachhause ziehen. Ich liebte zur Weihnachtszeit die Düfte welche durch die Weihnachtsbäckerei durch das Treppenhaus zogen. Das Geheimnisvolle Getue, dabei war das Versteck lange gefunden. Die Geschenke waren damals bescheidener aber mit viel Mühe bereitet. Da musste Opa z.B. einen Pullover opfern, der wurde aufgetrennt und die Wolle neu verstrickt. Opas Pullover reichte dann gleich mit für eine Pudelmütze und Handschuhe. Viel Schokolade oder Süßigkeiten waren nicht dabei. Aber Kaninchen, Gänsebraten oder Ente gab es. Wir hatten selber Kleinvieh. So richtig einmal voll stopfen, das war schon was in einer Zeit als Schmalhans oft Küchenmeister war. Den Weihnachtsmann erkannte ich immer sofort, er hinkte genau wie der Vater vom Klaus.. Nach Omas und Opas Tot war nichts mehr wie es war. Verschweige lieber diese Zeit, Weihnachten in dieser Zeit ist eher schmerzhaft in Erinnerung.
Eines Tages, für mich meinen Bruder und Schwester kam es völlig überraschend als wir ohne Vorankündigung im Auftrag des Jugendamtes abgeholt wurden und in ein Kinderheim kamen. Nicht einmal von den Freunden verabschieden konnten wir uns. Nein es war kein politischer Grund für unsere Heimeinweisung. Es war gerechtfertigt, da war uns oft allein überlassen waren und Mutter lieber wieder einen neuen Onkel suchte. Im Heim war Weihnachten nicht einmal übel. Ich durfte zum ersten Mal einen Wunschzettel schreiben. Mein erstes selber gewünschtes Geschenk war der Fotoapparat Pouva Start. Im Heim durften wir das Zimmer wo der Tannenbaum stand und die Geschenke darunter lagen nur betreten nachdem ein Gedicht aufgesagt wurde. Zugeben die Geschenke waren fast gleich da wir vorher auf dem Wunschzettel nur unter drei Sachen wählen durften. Es war aber toll ein eigener Fotoapparat. Klamotten brauchten wir uns nicht wünschen, da wir vom Heim alle in Einheitskleidung gekleidet wurden. Ein Weihnachtsmann kam allerdings auch in das sozialistische Kinderheim. Versteht sich Krippenspiele oder derartiges was so alles zum christlichen Weihnachtsfest gehört gab es natürlich nicht. Oh Tannenbaum wurde aber gesungen, vom trauten hochheiligen Paar sangen wir nicht. Das Weihnachten im Kinderheim und bei Oma und Opa bleiben in guter Erinnerung.


exgakl, Rainman2, Svenni1980, der glatte, Küchenbulle 79, hundemuchtel 88 0,5 und ati79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.12.2013 12:12 | nach oben springen

#16

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 24.12.2013 07:20
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Morjen ins Forum,

Peter, Deine Geschichte rührt mich sehr. Gerade die Stellen wo Du über den Tod der Großeltern und der Heimeinweisung schreibst.

Allen besinnliche Festtage.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
turtle hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#17

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 11.12.2014 16:28
von bingernhier | 246 Beiträge

[rot]Nur noch 13 Tage...[rot]

He an alle, nur noch 13 Tage dann kommt die schöne Zeit.
Weihnachten ist nicht mehr so weit.,
Und wenn ihr alle artig gewesen seid
hält der Weihnachtsmann auch ein Geschenk bereit.

Also ich wünsche allen hier im Forum ob aus Nord Ost Süd oder West,
das aller aller Best und dazu ein ruhiges und besinnliches Fest.
Es möge Frieden sein auf dieser Erde,
das wir auch im nächsten Jahr hier schreiben werde.

Es ist die Zeit angekommen und......

Alles Gute wünscht euch
bingernhier


der glatte hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#18

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 11.12.2014 22:18
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von schnatterinchen im Beitrag #4
Zitat von Freienhagener im Beitrag #2
Ich kann mich noch daran erinnern, wie ein "richtiger" Weihnachtsmann aussieht - nicht mit Kugelbauch, kurzer Jacke und großer Gürtelschnalle, sondern schlank, mit langem Mantel und gegürtet mit einen Stück Seil.
Und "Hoho" hat der nie gerufen.

Gruß

Micha


Der echte Weihnachtsmann ist auch nicht rot. Der ist eine Erfindung von Coca Cola.


Wie sah dann,Dein Weihnachtsmann aus?
Welche Farbe hatte er denn?
Gruß Rei


nach oben springen

#19

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 11.12.2014 22:41
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Am 24.12. wurde der Baum geschmückt,damit war die Stube für die Kinder Sperrgebiet.Meine Frau nörgelte immer,wenn ich das Lametta nicht einzeln auf den Baum verteilte.Das ging mir gewaltig auf den Kranz.An den Baum kamen auch Süßigkeiten.
Geschenke unter dem Baum verteilen,Weihnachtsteller füllen usw.
War das alles erledigt,zog etwas Ruhe ein,hatten natürlich eins nicht bedacht,unser Hund.Er holte sich die Weihnachtsmänner,ruck zuck waren sie ausgepackt und verspeist.3 Tage hat er gebraucht,bis es hinten wieder ging.
Als Weihnachtsmann kam unser Nachbar,dann saßen die Kinder schön still auf dem Sofa und mussten ein Gedicht aufsagen,dafür gab es ein Geschenk.Das beste aber war,ob die Mutti immer lieb war und wenn sie dann mit der Rute bekam,war alles in Ordnung.
Schöne Weihnachten
Rei


zuletzt bearbeitet 14.12.2014 18:50 | nach oben springen

#20

RE: Warten auf den Weihnachtsmann

in DDR Zeiten 11.12.2014 22:46
von der glatte | 1.356 Beiträge

Hallo in die Runde.

Da es ja nun wirklich bald Weihnachten ist, dachte ich Euch könnte eine neue Weihnachtsgeschichte ein wenig einstimmen. Als kleiner Junge war ich natürlich, wie sicherlich viele von Euch auch in Goldfieber-Stimmung. Das ging auch im Osten.
Alles hat sich natürlich einmal wieder in der Umgebung von Meißen abgespielt, die hier genannten Örtlichkeiten gibt es also wirklich.

Goldrausch im Triebischtal

Die kleine Weihnachtsgeschichte erzählt davon, wie ich im Winter 1969 auf der Suche nach Gold, den Triebischtaler entdeckte.

Am Ende des Jahres 1969 brach bei meinem Freund Roy und mir das Goldfieber endgültig aus. Angestachelt durch die gerade überall in den Kinos laufenden Indianerfilme, gab es für uns nur das eine Thema. Wir waren auf der Suche nach Gold. Allerdings gab es in Meißen keinen Klondike-River, sondern nur einen Fluß den man Triebisch nannte. Dieser schien in der Stadt selbst zum Goldwaschen weniger geeignet zu sein, denn unser geplantes Vorhaben hätte bestimmt viele Schaulustige angelockt. Wir mussten also unser Eldorado weit vor der Stadt finden. Wie der Zufall es so wollte, hatten die Eltern von meinem Freund Roy damals ein kleines Häuschen sowie Garten in Rothschönberg, einem kleinen Dorf im Triebischtal. Geheimnisvolle Dinge konnte der Großvater von Roy über einen dort existierenden langen Stollen erzählen. Über viele Kilometer bis nach Freiberg sollte er reichen, immer tief in der Erde durch Fels und Gestein. Bei einem Spaziergang im Sommer, waren wir schon einmal dort und bestaunten das große verschlossene Tor im Wald, welches der Großvater von Roy immer „Hauptmundloch“ nannte. Vom Freiberger Bergbau hatten wir ebenfalls schon oft gehört und natürlich auch von der Tatsache, dass man dort einst Silber gefördert hatte. Das klang für uns alles hochinteressant, denn wir erfuhren durch unsere Fragerei, dass im Stollen selbst jede Menge Wasser aus dem Freiberger Bergrevier, eine Reise unter der Erde von über 50 Kilometern unternimmt, um dann endlich in die Triebisch zu fließen. Selbst mit kleinen Booten soll der Stolln befahrbar sein. Allerdings wurde uns gleichzeitig ganz deutlich klar, wie gefährlich solch ein Ort sein kann. Der Stolln war für uns Kinder somit völlig tabu! Natürlich hatten wir auch keine allzu große Lust in die sicher dort vorherrschende Dunkelheit des feuchten Stollens einzufahren, aber das war für unsere Goldsucherei auch vollkommen unnötig. Unser bisheriges Wissen genügte vollkommen, denn was hatten wir herausbekommen? Also, das Wasser vom Bergbaurevier floß in die Triebisch und wir mussten eigentlich nur diese Stelle finden und dort unsere Netze auswerfen. Wir waren felsenfest davon überzeugt, dass das Wasser schon etwas brauchbares auf seiner langen unterirdischen Reise mitbringen wird. Wir schmiedeten einen Plan. Anfang Dezember wurde spätestens das kleine Haus und der Garten bei Rothschönberg „winterfest“ gemacht und meist war dabei auf dem Dach einiges auszubessern. Der Vater von Roy nebst Großvater wären also einige Zeit beschäftigt gewesen. So könnte unser Vorhaben gelingen.

An einem sonnigen, aber kaltem Samstagmorgen machte man sich zur Reparatur des Daches auf den Weg und ich war mit dabei. Eine alte MZ brummte durch das Triebischtal und mir tat im Seitenwagen der Rücken weh, weil das große Sieb in meinem Rucksack, welches ich aus unserem Küchenschrank geborgt hatte, böse drückte. Als wir ankamen lag auf der Wiese im Garten schon etwas nasser Schnee. Es bestand kein Zweifel, trotz der warmen Sonnenstrahlen, stand der Winter vor der Tür. Die Erwachsenen machten sich auch gleich an die Arbeit und wir trollten uns davon. „Macht keine Dummheiten und seid gegen Mittag zurück“, rief uns der Vater von Roy noch hinterher. Nun konnte es also losgehen. Am Flußbett der Triebisch angekommen, hörten wir schon ein lautes Rauschen ganz in der Nähe. Dort hinten also floß das Wasser aus dem Freiberger Revier in die Triebisch. Der Fluß selbst war hier breit und eher flach, also stauten wir mit einigen Steinen das Wasser an einer Stelle auf und brachten ein großes Stück vom engmaschigen Drahtgeflecht in Stellung. Dabei kam auch Mutters Küchensieb zum Einsatz. Nun hieß es abwarten und immer ein Auge auf die Siebe zu haben. Das Wasser war klar und sehr kalt, doch wir froren nicht, denn der mitgebrachte Fußball heizte uns mächtig ein. Nach einer Weile war es Zeit für eine erste Inspektion. Leider war das Ergebnis kläglich. Viele kleine Holzstücke waren im Drahtgeflecht hängengeblieben und in Mutters Küchensieb lag sogar eine tote Maus. Der erste Versuch ging also daneben. Wir brachten unsere Siebe wieder in Ordnung und kehrten zum Haus zurück. Dort wurden wir bereits mit Bratwurst vom Grill und einem Glas heißen Tee empfangen. Der Schornstein rauchte und im Hause spendete der kleine Ofen wohlige Wärme. Zünftiger konnte es beim Goldsuchen gar nicht zugehen. Wir fühlten uns wie im Wilden Westen und die aufkommende Müdigkeit, zwang uns für Minuten in den Schlaf. Der Großvater von Roy schnarchte plötzlich laut und alle erwachten aus ihrem Schlummer. Uns zog es nun sofort wieder an die Triebisch und die Erwachsenen stiegen erneut auf das Dach.

Ein freudiger Schreck durchfuhr mich und ich starrte ungläubig in mein Küchensieb. Dort glänzte doch etwas? Tatsächlich, zwischen kleinen Steinen blinkte etwas silbernes, was sich sofort als eine Münze entpuppte. Daneben lag gleich noch ein Stück und dann noch eine braune Scheibe. Ich jubelte Roy herbei, der ebenfalls strahlte und mir seine drei Schätze zeigte. Auch er hatte Glück und fand Münzen aus der Kaiserzeit und dazu ebenfalls eine braune Scheibe im Drahtgeflecht. Hier waren wir also goldrichtig, obwohl wir kein richtiges Gold gefunden hatten! Wir fielen uns in die Arme und freuten uns wie sich nur Kinder freuen können. Inzwischen war die Sonne verschwunden, die nun grauen Wolken brachten Schneeregen und der Wind die Kälte mit. Es wurde Zeit den Gold Claim zu verlassen und zum Haus zurückzukehren. Langsam tauten wir am warmen Ofen wieder auf. Der Großvater von Roy stand schmunzelnd am Fenster, paffte mit seiner Tabakspfeife blaue Kringel in die Luft und sah hinaus. „Na, was gefunden?“, fragte er so ganz nebenher. „Ja!“, antworteten wir wie aus einem Munde. Wir legten unsere Ergebnisse der Goldsucherei auf den Tisch. Komischerweise kannte sich der Großvater von Roy gut mit den Münzen aus und erklärte uns die einzelnen Stücke. Es handelte sich somit um vier 10-Pfennig-Stücke aus dem deutschen Kaiserreich von 1911 aus der Prägestätte Berlin. Die beiden braunen Scheiben waren Notgeldmünzen aus Böttgersteinzeug, die einmal in der Porzellanmanufaktur Meißen hergestellt worden sind. Obwohl auf den beiden Steinzeugmünzen „1 Mk.“ stand, bezeichnete sie der Großvater als „Taler“. Das klang gut, wir hatten also im Triebischtal, im Fluß Triebisch, jeder einen Taler gefunden. Es waren sozusagen echte „Triebischtaler“! Ich war damals über meinen Fund so sehr erfreut, dass ich die Münzen am Heiligen Abend unter den Weihnachtsbaum legte. Insgeheim hatten mein Freund Roy und ich ja den Großvater im Verdacht, dass er uns die Münzen in die Goldsiebe gelegt hat. Das er selbst ein Münzsammler ist, war ja im allgemeinen bekannt. Oftmals hatte er uns einige Stücke gezeigt, allerdings hatte ich damals noch kein großes Interesse an Münzen. Diese Leidenschaft kam bei mir erst viel später. Aber eventuell hat mein jugendliches Goldsuchabenteuer und das Finden vom Triebischtaler, doch etwas dazu beigetragen?



Fotoquelle: Privatarchiv

Heute habe ich leider keine Ahnung mehr, wo die Münzen von damals abgeblieben sind, aber die Geschichte wird in mir immer wieder lebendig, wenn ich meine Heimatstadt besuche und dabei in Rothschönberg Station mache. Das Hauptmundloch ist heute noch zu sehen und noch immer fließt dort das Wasser nach seinem kilometerlangen Weg aus dem Freiberger Revier in die Triebisch.

Übrigens, die tote Maus im Küchensieb habe ich Zuhause nie erwähnt und das Sieb war weiterhin noch einige Jahre in häuslicher Funktion.

Bewahren wir weiterhin solche Geschichten aus der Kindheit im Herzen auf, damit diese einmal später erzählt, anderen Menschen Freude bringen.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


furry und bingernhier haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen


Ähnliche Themen Antworten/Neu Letzter Beitrag⁄Zugriffe
Aquarienpolizist-Meine Zeit im "Wachkommando Missionschutz Berlin"
Erstellt im Forum DDR Zeiten von ABV
326 10.02.2016 14:55goto
von S51 • Zugriffe: 36673
Das unendliche Warten auf den DDR-Lohn
Erstellt im Forum DDR Staat und Regime von Angelo
0 17.09.2012 08:43goto
von Angelo • Zugriffe: 483
Wenn man Jahre auf den Trabant warten muss
Erstellt im Forum Leben in der DDR von Angelo
21 31.08.2010 08:52goto
von 94 • Zugriffe: 6372

Besucher
25 Mitglieder und 59 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: gerhard
Besucherzähler
Heute waren 1225 Gäste und 112 Mitglieder, gestern 3956 Gäste und 189 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14369 Themen und 557971 Beiträge.

Heute waren 112 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen