#1

Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 12:21
von ABV | 4.202 Beiträge

Sonntag 08. Juli. Schon wieder ein historisches Datum. Diesmal für die Deutschen in Ost und West!

Am Abend bestritten Deutschland und Argentinien das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft. Die diesmal in Italien stattfand. Fußball interessierte mich bereits seit langem nicht mehr. Diesmal jedoch schon. Das war kein normales Endspiel. Sondern ein Politikum!

Am 05.Juli hatte ich mich für zwei Wochen in den Sommerurlaub abgemeldet. Aus dienstlicher Sicht ging mir dieser Tag also nichts an.

Privat befand ich mich trotzdem im Abschnitt. Genauer gesagt in Libbenichen. Zu Besuch bei meinen, in einem Vierfamilienhaus auf dem Gelände der ehemaligen Schäferei wohnenden Schwiegereltern.

Biertrinkend, „DAB“ aus der Büchse, gekauft im Konsum nebenan, verfolgte ich den Spielverlauf. Die Argentinier besaßen von Anfang an kaum eine Chance. Selbst Diego Maradonna, der legendäre Superstar, erwies sich als Totalausfall. Sollten die Deutschen am Ende tatsächlich den begehrten Coup nach Hause holen und Weltmeister werden?

Ganz ehrlich: ich hätte mir eine Niederlage gewünscht. Bei dem Gedanken an den nationalen Rummel, voller Deutschtümelei, fühlte ich mich nicht besonders wohl. Ich gehörte wohl zu den wenigen Ausnahmen. Der die Situation, politisch ohnehin innerlich verkorkst, völlig falsch einschätzte. Oder etwa nicht? Breitete sich nicht der unselige deutsche Nationalismus schon wieder aus? Oder sah ich bereits Gespenster?

Vergangene Woche hatte mir unser Presseoffizier, der bis vor kurzem noch als Oberstleutnant der NVA im benachbarten Wehrkreiskommando diente, folgenden Ausspruch seines früheren Vorgesetzten, einem NVA-Oberst, anlässlich der politischen Veränderungen, verraten:
„ Jetzt wird der alte deutsche Drang nach Osten endlich wieder fortgesetzt.“
Der Oberst vermutete wohl in Kürze, auch den Fall der „Oder-Neiße-Friedensgrenze.“
Offenbar ohne Skrupel! Sind denn jetzt alle verrückt geworden?

Ein deutscher Stürmer geht im Strafraum zu Boden. Any Brehme tritt, den Ball in den Händen haltend, an den Elfmeterpunkt. Held der Nation oder Arschloch? Diese Frage wird sich in den nächsten Sekunden entscheiden. (Fast) alle Deutschen halten den Atem an. Insgeheim bewundere ich diesen Brehme. Weil er in einem schweren Moment Verantwortung übernimmt. Vor der sich andere, wie der normalerweise als Elfmeterspezialist geltende Lothar Matthäus, vehement drücken.

Andy Brehme ist für die bundesdeutsche Nationalmannschaft, was Gregor Gysi für die SED war: ein Macher. Nur das Brehme mehr Erfolg beschieden war. Sicher verwandelt er den Strafstoß. Durch die dünnen Wände des Mehrfamilienhauses höre ich die Nachbarn jubeln. Draußen, von der Lindenstraße her, dringt das laute Krachen von Feuerwerkskörpern an mein Ohr.

Feuerwerk im Juli ist verboten?! Nicht an einem Abend wie diesen!

Zur selben Zeit entscheidet sich die in Kreisstadt Seelow patroullierenden Streifenwagenbesatzung, am äußersten Stadtrand Standort zu beziehen. Mitten in einem wenig genutzten Garagenkomplex. Bereits bei der Einweisung hatte der „Operative Diensthabende“, in Erwartung nationalen Freudentaumels, oder Katzenjammers, die Einschreitschwelle weit nach oben verlegt. In einer Nacht wie dieser, konnte jegliches polizeiliches Handeln zu einer ungewollten Eskalation führen. Egal wie sich die Polizei in den kommenden Stunden verhielt. Es konnte einfach nur falsch sein! Wegschauen, denen Dingen ihren Lauf lassen, würde nicht jedermanns Beifall finden. Konsequentes Einschreiten jedoch ebenso wenig. Weil es sofort als „staatliche Willkür“, „Einschränkung der Freiheit“ oder als verzweifelter Versuch „ ewig Gestriger Ost-Bullen“ die deutsche Einheit doch noch zu verhindern, ausgelegt werden konnte.

Was aber, wenn sich Anwohner vom lauten Jubel und den Krachen der Feuerwerkskörper in ihrer Ruhe gestört fühlen? Und von der, ihrer!, Volkspolizei Abhilfe erwarten. Stößt nicht die Freiheit jedes einzelnen an ihre Grenzen, wenn dadurch Interesse anderer beeinträchtigt werden? Für solche Überlegungen war im Sommer 1990 die Zeit noch nicht reif. Noch galt das Wort Freiheit für einen immer größer werdenden Personenkreis, als Synonym, wenn nicht gar als Freibrief für Rücksichtslosigkeit. Der in jeder Hinsicht „machtlosen“ Volkspolizei blieb nur eines übrig: Sich erst gar nicht blicken zu lassen!

Schiedsrichter Condesal Mendez aus Mexiko beendet schrill pfeiffend das Spiel. Unglaublicher Jubel brandet auf. Über uns wackelt die Decke. Die Obermieter führen anscheinend einen Kriegstanz auf. Unter einem Vorwand schleiche ich mich nach draußen.

Rings um Libbenichen und im Ort selbst, steigen bunte Feuerwerksraketen in den abendlichen Sommerhimmel. Die Luft hat sich nach einem kurzen Regenschauer abgekühlt. Während sich die Gemüter weiter erhitzten. „ Deutschland“, „Deutschland“, immer wieder ertönt dieser Ruf. Autokorsos rasen hupend über die mitten durch Libbenichen führende Fernverkehrsstraße 167.

Vor der Einfahrt zur Schäferei steht eine Gruppe Jugendlicher. „ Hurra, wir sind Weltmeister“, jubelt ein pickliges Bürschchen verzückt. In dem kleinen Dorf sind plötzlich ungewöhnlich viele Leute unterwegs. Man gratuliert sich gegenseitig. Erwachsene Männer liegen sich in den Armen. Das „Deutschlandlied“ wird angestimmt. Dessen Text kaum jemand beherrscht. Aus diesem Grund wird sich auf das wiederholte Absingen der ersten Refrainzeilen beschränkt. Der Begeisterung tat diese Schwäche keinen Abbruch.

Um nicht erkannt zu werden, hielt ich mich im Schutz der Dunkelheit. Was hätte ich wohl auf die Frage, „ob ich mich ebenfalls als Weltmeister fühle“geantwortet? Die Wahrheit? Oder sollte ich am Siegestaumel teilhaben? Auf keinen Fall! Nie zuvor im Leben hatte ich mich einsamer gefühlt, als in diesem, nach dem Mauerfall wohl glücklichsten Moment aller Deutschen. Beruf und Vergangenheit isolierten mich von den feiernden Menschen. Ich gehörte einfach nicht dazu. Zumindest noch nicht. Genau wie die Kollegen auf dem Streifenwagen in Seelow. Und all die anderen Repräsentanten der untergehenden DDR. Der wir uns innerlich noch immer zugehörig fühlten. Konnte man denn ehrlichen Herzens ein, noch fremdes Land bejubeln, während das eigene gerade im Sterben lag?

Fragen über Fragen. Aber zeigten die freudigen Reaktionen der Bevlkerung nicht deutlich, dass es zur Wiedervereinigung Deutschlands gar keine Alternative gibt? Egal, ob ich oder andere dieser Gedanke nun gefällt, oder nicht. Und darüber hinaus: Deutschland mochte als Staatsgebilde geteilt gewesen sein. Es hat immer nur eine einzige deutsche Nation gegeben.
Mit gemischten Gefühlen zog ich mich zurück in die Wohnung. Wo mein Schwiegervater bereits mit einer neuen Büchse Bier und einen doppelten Kognak auf mich wartete.

„ Na, du hast wohl noch schnell nach dem rechten gesehen?“, erkundigte er sich schmunzelnd. „ Ich habe doch Urlaub“, zwinkerte ich ihm zu. „ Außerdem kommt die Welt da draußen, ganz gut ohne mich klar.“

Gruß an alle
Uwe


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#2

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 13:05
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Hallo Uwe,

Vorab: Ich bin kein Fussballfan - dieser Taumel um die "bedeutenden" Spiele geht mir weit am A... vorbei. Und diese nationalistischen Auswüchse empfinde ich als peinlich. Für die Jungs der Dorfmanschaft, die aus Spass an der Sache Fussball spielen, habe ich jedoch vollstes Verständnis.
Mein Sport ist ein anderer......

Ich kann mich auch noch an diese Tage erinnern.
An den 8.Juli, das Endspiel eigentlich nicht mehr...Da war ich längst unterwegs in den Camping-Urlaub Richtung Belgien und Frankreich - es gab so vieles, was ich schon lange mal sehen wollte.
An irgendein Vorrunden-Spiel, noch im Juni, erinnere ich mich:
Ein lauer Sommerabend - auf einmal ging ein frenetisches Gebrüll durchs Plattenbau-Gebiet in Dresden-Prohlis. Ich konnte im ersten Augenblick nichts damit anfangen und fragte meine damalige Freundin, die dort wohnte, ob sie etwas wüsste.....
Nun, Deutschland - präziser gesagt: die BRD - hatte das Spiel gewonnen. Riefen die Nachbarn dann über den Balkon.
Wir schauten uns an und dachten im ersten Augenblick das Gleiche:
Die Einführung der D-Mark sei klammheimlich vorgezogen worden und die Medien hätten es soeben verkündet.
Nun, Irrtum....

Gruss HArtmut


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#3

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 13:07
von Pit 59 | 10.156 Beiträge

Uwe,Normalerweise Lese ich solche Ellenlangen Dinge überhaupt nicht,aber Deine Berichte gefallen mir sehr gut.Danke, und wenn Dir noch was einfällt


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#4

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 13:58
von Svenni1980 | 672 Beiträge

Ich kann mich auch noch gut an den Abend erinnern. Ich war 9 und habe die WM zum 1. Mal bewusst erlebt und verfolgt, das Spuckdrama im Achtelfinale, das schwache Spiel gegen Tschechien und den Elfmeterkrimi gegen England. Nun war Argentinien dran.

Selbst meine Mutter die sonst nie Fußball guckt bzw. nur nach dem Endergebnis fragt schaut mit. Maradona hatte gegen Buchwald nicht den hauch einer Chance er stand Ihm quasi immer auf den Füßen.

In der zweiten Halbzeit fiel dann meiner Mutter auf und ein das sie noch tanken musste. Sie wollte aber nicht alleine fahren, also musste ich nach einer kleinen Diskussion als Beifahrer mitfahren zur Tankstelle. Ich habe schnell WDR2 im Radio gesucht, die das Spiel im Originalton wie im TV mit Gerd Rubenbauer und Kalle Rummenigge übertrugen. Alles soweit locker, kaum jemand auf den Straßen. Dann als meine Mutter die Supertankfüllung bezahlte hieß es Rot für Argentinien. Mónzon wurde vom Platz gestellt. Meine Mutter sah mich winkend im Auto und beeilte sich. Aber der 80. Minute waren wir dann wieder live dabei. Kurz vor Ende des Spiels flog auch noch ein weiterer Argentinier runter.

In Erinnerung habe ich noch Franz Beckenbauer, der nach dem Spiel ganz allein auf dem Rasen des Römer Olympiastadions weilte. An manche Sachen kann man sich auch nach 20 Jahren noch erinnern.


Weil die Klugen immer nachgeben regieren die Dummen die Welt!!

Affen die hoch hinaus wollen, entblößen Ihren ..... (Hintern)!!
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#5

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 16:52
von GilbertWolzow | 3.633 Beiträge

@uwe, deine überschrift dürfte geschichtlich nicht korrekt sein


* User in einem Forum wo ich mich von Vollpfosten als Verbrecher betiteln lassen muss *
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#6

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 16:59
von RudiEK89 | 1.951 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow im Beitrag #5
@uwe, deine überschrift dürfte geschichtlich nicht korrekt sein

Es war halt die "Übergangszeit". Grauzone und "grünfarbene" Uniformen. Die Verbeamtung war erst 1991.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#7

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 18:26
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von GilbertWolzow im Beitrag #5
@uwe, deine überschrift dürfte geschichtlich nicht korrekt sein


Ok, Gilbert. Dann eben ehemaliger Volkspolizist. Aber 1990 war ich noch Volkspolizist, Bis zum 02. 10. 23.59 Uhr.

Viele Grüße aus dem Oderland
Uwe


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#8

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 18:38
von Zkom IV | 323 Beiträge

Hi Uwe,
interessanter Bericht. Hätte nicht gedacht, dass es an diesem Abend auch kritische Gedanken gab.
Ich sah das Spiel in einer Kneipe am Ku Damm gemeinsam mit einem Kollegen vom Ostzoll. Wir haben wahnsinnig gejubelt und anschließend den riesigen Autokorso über den Ku Damm bewundert.
War für mich und auch den Ostkollegen ein toller Abend.

Schade dass Du nicht genauso viel Spaß gehabt hast wie wir.

Gruß in den Oderbruch aus Schöneberg.
Frank



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#9

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 18:54
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Frank!
Die kritische Sicht, hing mit der damals immer stärker aufkommenden beruflichen Unsicherheit zusammen. So richtig wusste ja niemand von uns, was ihm in einem vereinten Deutschland erwartet. Die Spanne reichte von Übernahme bis zur sofortigen Entlassung. Jeden Tag gab es neue "Latrinenparolen", je näher die Einheit rückte. Wobei sich manche Vorgesetzte als besonders "kreativ" erwiesen. Alles in allem, haben wir damals jedoch viel zu schwarz gesehen.
Mhm, na ja, dass war ja schließlich auch das erste Mal, dass ich den Untergang eines Staates erlebe. Da ist man halt noch nicht so firm

Viele Grüße zurück aus dem feuchten, kalten Oderland
nach Berlin-Schöneberg
Uwe


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#10

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 20:00
von Gelöschtes Mitglied
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Mein lieber Uwe, @ABV , Deine Schilderung jenes Tages finde ich auch super.

Es war ein Sonntag, ich hatte Dienst im Krankenhaus und es war jene Zeit, als sich nur tatsächlich Erkrankte in der Notaufnahme meldeten, und auf den Stationen war es mehr als ruhig...

Mein Chef, der sog. Hintergrundsdienst hatte, vergatterte mich zuvor, ihn nur im Falle der höchsten Priorität zu alarmieren.

Das Spiel begann, und ich konnte es nonstop sehen...

Nach dem Sieg Deutschlands, damals fühlten sich auch die Bürger der DDR zugehörig, begann auch in unserer Stadt ein Hupkonzert und Autokorso...

Und dabei traten keine behandlungsbedürftigen Notfälle auf... Es war eine gute Zeit!

VG Klaus


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#11

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 20:11
von ABV | 4.202 Beiträge

Hallo Klaus!
In der Rückschau war es ja auch eine gute Zeit. Bloß ich habe das damals noch nicht so erkannt. Oder erkennen können. Im Prinzip wäre es auch seltsam, wenn ein Volkspolizist, wenige Monate nach der Wende, plötzlich behauptet, "schon immer die deutsche Einheit herbeigesehnt zu haben". Entweder hätte er vorher der Menscheit etwas vorgemacht, oder eben nachher. Ich bin überzeugt, dass ein solch flotter Sinneswandel von der Masse der Bürger eher mit Kopfschütteln als mit Anerkennung quittiert worden wäre.

Viele Grüße von der Oder in Richtung Elbe
Uwe


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#12

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 20:15
von Gelöschtes Mitglied
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Mein lieber Uwe, @ABV , es war aber jene Zeit, in der für uns alle galt, das gesamte Leben zuvor und evtl. danach neu zu ordnen, für viele Leute, nach meiner Erinnerung, öffneten sich nur wenig später Perspektiven für die neue Zeit.
Allerdings einzigartig habe ich jene Zeit ohne jedwede Anmache in Erinnerung?

VG von der Elbe an die Oder

von Klaus


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#13

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 20:27
von ABV | 4.202 Beiträge

Von der "Anmache" waren meiner Meinung nach viele Volkspolizisten in jener Zeit betroffen. Was wohl in der Natur der Sache liegt. Polizisten werden beim Einschreiten, auch heute noch, sehr oft "angemacht". Das bringt der Job so mit sich. In der Wendezeit und auch noch in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung, glaubten viele "Sünder", den einschreitenden Polizisten erstmal ihre DDR-Vergangenheit unter die Nase reiben zu müssen. Um ihnen gewissermaßen aufzuzeigen, dass sie " noch viel schlimmere Finger" sind und als Ordnungshüter nicht mehr akzeptiert werden.
Andere Berufszweige waren dieser "Anmache" weniger ausgesetzt. Ausgenommen vielleicht manch ein Lehrer. Aber da kann ich nur spekulieren.

Gruß Uwe


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#14

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 20:35
von Gelöschtes Mitglied
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Du hast recht, @ABV , man erlebte zu jener Zeit nicht selten in strittigen Situationen, dass beim Ausgehen der sachlichen Argumente, dem Kontrahenten rein unwissend und spekulativ die Zugehörigkeit zum untergegangenen System vorgeworfen wurde.

Erst viel später wurde manchen Leuten bewusst, dass wir nunmehr ein neues System haben... Euch Polizisten ist es sicher extrem diesbezüglich ergangen... In unserer Region jedenfalls kenne ich nicht wenige Polizeibeamte, teilweise schon im Ruhestand, die in beiden Systemen gedient haben, nicht allerdings ohne jeweilige Blessuren...

von der Elbe an die Oder

VG Klaus


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#15

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 22.11.2013 20:58
von ABV | 4.202 Beiträge

Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass das damals ein völlig normaler Ablauf war. Wenn die "Diener" bzw Repräsentanten eines abgewickelten Staates plötzlich den anderen, neuen Staat wieder repräsentieren dürfen, sind Reibungen einfach vorprogrammiert. Dazu kam ja noch, dass wir Polizisten, gegenüber dem "Normalbürger" tatsächlich besser gestellt waren. Während andere reihenweise ihre Jobs verloren, weil die maroden Betriebe den Sprung in die Marktwirtschaft nicht schafften, wurden ausgerechnet die ehemaligen Vertreter der DDR zu "unkündbaren" Beamten. So etwas führt zwangsläufig zu, verständlichem Sozialneid. Der sich wiederrum in "Anmache" niederschlug.

Gruß Uwe


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#16

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 23.11.2013 00:26
von Zkom IV | 323 Beiträge

Hi Uwe,
musste zwischendurch mal ein paar Einsätze fahren- zum Glück alle ruhig und ohne "Anmache".
Kann deine Situation und die Emotionen und Ängste von damals recht gut nachvollziehen. Kurz nach den großen Jubelfeiern, seis nun WM oder Wiedervereinigung wurde auch mir etwas anders zu mute.
Natürlich konnte ich nicht gekündigt werden, aber eine Versetzung/Abordnung an die schweizerische Grenze bei Basel hatte ich auch schon in der Tasche. Konnte ich gerade noch abwenden.
Die Zeit ab Herbst/Winter 90/91 war dann von viel Ungewissheit bestimmt. Immer die Frage: Muß ich weg, wenn ja, wohin? Wie mache ich das mit meiner Frau, schließlich waren wir im Begriff eine Familie zu gründen (meine Tochter wurde am 07.09.1991 geboren).
Diese Ungewissheit, was wird morgen ist schon äußerst belastend.
Nun kam ja für euch noch ein völliger Umbruch des bisherigen Lebens dazu. Wir konnten die Einheit ja eigentlich in Ruhe genießen.

Beruhigend, dass sich wenigstens einige Schicksale zum Guten gewendet haben, so wie bei Dir, wenn auch die Beförderungen zu lange haben auf sich warten lassen.

So, ich mache jetzt Feierabend. Musste nach langer Zeit mal wieder Funkeule fahren.

Gruß Frank



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#17

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 23.11.2013 09:53
von 80er | 572 Beiträge

@ ABV, @Rudi EK89

Mich würde interessieren, nach welchen Kriterien ehemalige
VP/MdI Angehörige in den Staatsdienst der Bundesrepublik
übernommen wurden.

Wenn darüber noch nicht geschrieben wurde,
könnte ja dazu ein neues Thema aufgemacht werden.

Gilt auch für ehemalige NVA/GT Angehörige bei Übernahme in die Bundeswehr.


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#18

RE: Hurra, wir sind Weltmeister! Der 08. Juli 1990 aus der Sicht eines Volkspolizisten

in DDR Zeiten 23.11.2013 20:02
von ABV | 4.202 Beiträge
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