#381

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 21.11.2013 17:15
von Schuddelkind | 3.507 Beiträge

Das Handikap des Kommunismus...........



Das größte Handicap des Kommunismus

Was die Erfinder der kommunistischen Lehre vor 150 Jahren nicht richtig eingeschätzt haben und zu der damaligen Zeit mangels fehlender Beispiele vielleicht auch gar nicht erkennen konnten, ist die Bedeutung des Egoismus für die volkswirtschaftliche Entwicklung.
Die Chance auf persönlichen Reichtum und gesellschaftliche Anerkennung ist die treibende Kraft, die Menschen immer wieder zu Höchstleistungen anspornt. Das Streben nach Erfolg bringt Kämpfernaturen hervor, die sich voll und ganz der Erfüllung ihres Traumziels verschreiben, die Tag und Nacht darüber brüten, wie sie ein Produkt erschaffen, verbessern oder neue Märkte erschließen können.

Diesen enormen Kräften der Mobilisierung des menschlichen Geistes hat der Kommunismus wenig entgegenzusetzen. Die kommunistischen Länder haben versucht, diesem Dilemma zu entgehen und sich immer neue Anreize zur Leistungserhöhung ausgedacht. Es wurden Mindestnormen eingeführt, 5-Jahres-Pläne aufgestellt, Prämien und Auszeichnungen vergeben, Eliten herangezüchtet und mit Privilegien geködert - aber es brachte alles sehr wenig.

In der breiten Bevölkerung herrschte trotz idealisierender Propaganda weitgehende Resignation. Nachdem mehr und mehr die Illusion eines wohlstandsmehrenden Kommunismus verblasste, verfestigte sich die Abwendung und Abneigung vom eigenem Staat und seiner herrschenden Klasse.
Die Idee des Volkseigentums wich einer leistungsfeindlichen Mentalität nach dem Motto, "wie schummele ich mich durch, ohne mich groß anstrengen zu müssen". Der wachsende Phlegmatismus und Egoismus der in den Staatsbetrieben Beschäftigten gepaart mit einer wachsenden Korruptionsmentalität hat schließlich zum Niedergang des Kommunismus entscheidend beigetragen.



Das zweite Handicap des Kommunismus: die Planwirtschaft

Als ob der Kommunismus nicht bereits durch die ungenügende Motivation der Bevölkerung genug gebeutelt wäre, musste mit dem Instrument der Planwirtschaft noch ein zusätzliches Hindernis geschaffen werden.

Wie konnte man nur annehmen, dass sich der Bedarf der Bevölkerung und der Wirtschaft im voraus präzise errechnen und dies dann auch noch in einen Einklang mit der Produktion bringen ließe.
Das Bestreben, solche Planungen überhaupt durchzuführen, verrät bereits das geringe Vertrauen an die eigene Innovationskraft - mit Neuerungen, die alte Techniken ablösen, wurde anscheinend kaum gerechnet.
Ungenügend einkalkuliert wurde auch die Nichterfüllung von Normen, die zu einer ewigen Mangelwirtschaft in der Zulieferindustrie führte und oft ganze Produktionsanlagen für Tage und Wochen stilllegte.

Ich verstehe nicht, warum der Kommunismus überhaupt an der Planwirtschaft festgehalten hat. Auch staatliche Betriebe können schließlich einen nachfrageorientierten Markt schaffen. Man müsste lediglich akzeptieren, dass staatliche Firmen gegenseitig in einen echten Wettbewerb treten und dürfte auch Firmenkonkurse nicht ausschließen.
Hat man diese Konsequenz gescheut? Wusste man nicht die aus einem Konkurs freigesetzten Leute an anderer Stelle unterzubringen?



Das dritte Handicap des Kommunismus: Das Recht auf Arbeit

Das Recht auf Arbeit, die Beschäftigungsgarantie für jedermann, scheint mir indes eines der größten Systemfehler des existierenden Kommunismus gewesen zu sein.

Sicher, für die Arbeiter war es beruhigend zu wissen, bis zur Rente versorgt und in den Arbeitsprozess eingebunden zu sein. Aber diese staatliche Vollversorgung und Garantieerklärung reduziert natürlich die Motivation der Arbeiter auf ein Minimum.
Wer kaum entlassen werden kann, der muss sich auch nicht sonderlich anstrengen. Und eine Minderheit von Idealisten kann in einer solch leistungsfeindlichen Atmosphäre wenig ausrichten.

Das zweite Riesenproblem dieser verhängnisvollen Arbeitsplatzgarantie: Die staatlichen Unternehmen hatten kein effizientes Ventil, um durch Rationalisierung überflüssig gewordene Mitarbeiter zügig abzubauen. Somit wurde der größte Segen des produktiven Fortschritts weitgehend vergeudet.



Das vierte Handicap des Kommunismus: Demokratie und Kommunismus vertragen sich nicht!

Es ist sicher kein Zufall, dass in den kommunistischen Ländern des 20. Jahrhunderts immer nur Diktaturen am Werk waren. Das einzige demokratische kommunistische Experiment (Chile) wurde leider von außen gestürzt - das ist sehr bedauerlich, denn höchstwahrscheinlich hätte sich auch dort schnell gezeigt, dass der Kommunismus in einer freiheitlichen Demokratie auf Dauer nicht bestehen kann.

Die Ursache hierfür findet sich wiederum in der mangelnden Leistungsfähigkeit des Kommunismus. Da der Lebensstandard auf Dauer (wegen der bereits aufgeführten Ursachen) mit dem Kapitalismus nicht mithalten kann, können die Machthaber sich in einem freiheitlichen System nicht behaupten.

Die Wähler würden bei den sich zwangsläufig einstellenden Misserfolgen wieder zu den kapitalistischen Parteien überlaufen. Um dieser ständigen Bedrohung zu entkommen und um sich ohne großen Erfolgs- und Zeitruck entwickeln zu können, muss eine marxistisch orientierte kommunistische Regierung notgedrungen zu diktatorischen Mitteln greifen.

Es kann ja auch nicht sein, dass sich konträre Wirtschaftssysteme alle paar Jahre je nach Wahlausgang abwechseln oder zumindest zur Disposition stehen. Sowohl der Kommunismus als auch der Kapitalismus brauchen ein hohes Maß an Kontinuität und Sicherheit, um sich entfalten zu können.



Das fünfte Handicap des Kommunismus: Der fehlende Gegenpol zur politischen Macht

Leider ist es tatsächlich so: Der Kommunismus beschert ein tiefes Machtvakuum, weil das Kapital als Machtfaktor ausfällt. Wenn selbst die Medien dem "Volk" gehören, ist auch von dieser Seite keine Korrektiv zu erwarten. Denn "Volk" bedeutet letztlich "Volksvertreter", das Volk selbst hat leider keinen Zugriff.

Da also im Kommunismus den obersten Volksvertretern alle Verantwortung aufgetragen wird, kann eine echte Opposition nirgends aufkeimen. Etwaige Unzufriedenheiten in der Bevölkerung finden kein Ventil und keine organisierte Anlaufstelle, Proteste und Aufstände werden rigoros unterdrückt und niedergeschlagen.

Würde man freie Parteien zulassen, würde das kommunistische Machtfundament schnell ins Wanken geraten - eine kommunistische Regierung wird das aber selten zulassen, weil sie damit ihren eigenen Untergang besiegeln würde.



Das sechste Handicap des Kommunismus: Die kommunistische Diktatur benötigt zur eigenen Absicherung einen starken Geheimdienst

Ohne einen starken Geheimdienst kann keine Diktatur existieren. Die Machthaber müssen schließlich informiert sein, wo sich Gegner formieren und wo sich Widerstand bildet. Das bedarf auch einer regiden Bespitzelung der eigenen Bürger, was wiederum eine breite Atmosphäre des Misstrauens in der Gesellschaft trägt.

Es ist ein Teufelskreis: Die für den Machterhalt unentbehrliche Observierung der Bürger verstärkt die Abneigung und Leistungsverweigerung gegenüber dem kommunistischen System.
http://www.kapitalismus-online.de/kommunismus.html


Intellektuelle spielen Telecaster
studfri, Gert, Jobnomade und matloh haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#382

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 21.11.2013 19:03
von studfri | 762 Beiträge

Darf ich Dich mal zu einem offenen Seminar des Studium Generale an die Geisteswissenschaftliche Fakultät der Uni Freiburg einladen @Schmuddelkind? Besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können. Es ist eben wie ich schon immer sagte: Der Faktor "Mensch" stört den Kommunismus am meisten und da der Kommunismus diesen eben nicht berücksichtigt (nicht berücksichtigen kann, da nicht systemimmanent), deswegen wird das nie was werden und deswegen waren alle Mühen völlig umsonst. Die Menschenopfer die diese "Expirimente" gekostet haben, kann man nur zutiefst bedauern.



zuletzt bearbeitet 21.11.2013 19:07 | nach oben springen

#383

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 21.11.2013 19:06
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ganz gute Zusammenfassung zum Thema Kommunismus


Gert hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.11.2013 19:09 | nach oben springen

#384

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 21.11.2013 19:16
von schnatterinchen (gelöscht)
avatar

Lieber gut kopiert , als schlecht selber gemacht.


Gert und Eisenacher haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#385

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 21.11.2013 19:41
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #381
Das Handikap des Kommunismus...........



Das größte Handicap des Kommunismus

Was die Erfinder der kommunistischen Lehre vor 150 Jahren nicht richtig eingeschätzt haben und zu der damaligen Zeit mangels fehlender Beispiele vielleicht auch gar nicht erkennen konnten, ist die Bedeutung des Egoismus für die volkswirtschaftliche Entwicklung.
Die Chance auf persönlichen Reichtum und gesellschaftliche Anerkennung ist die treibende Kraft, die Menschen immer wieder zu Höchstleistungen anspornt.
Das Streben nach Erfolg bringt Kämpfernaturen hervor, die sich voll und ganz der Erfüllung ihres Traumziels verschreiben, die Tag und Nacht darüber brüten, wie sie ein Produkt erschaffen, verbessern oder neue Märkte erschließen können.

Diesen enormen Kräften der Mobilisierung des menschlichen Geistes hat der Kommunismus wenig entgegenzusetzen. Die kommunistischen Länder haben versucht, diesem Dilemma zu entgehen und sich immer neue Anreize zur Leistungserhöhung ausgedacht. Es wurden Mindestnormen eingeführt, 5-Jahres-Pläne aufgestellt, Prämien und Auszeichnungen vergeben, Eliten herangezüchtet und mit Privilegien geködert - aber es brachte alles sehr wenig.

In der breiten Bevölkerung herrschte trotz idealisierender Propaganda weitgehende Resignation. Nachdem mehr und mehr die Illusion eines wohlstandsmehrenden Kommunismus verblasste, verfestigte sich die Abwendung und Abneigung vom eigenem Staat und seiner herrschenden Klasse.
Die Idee des Volkseigentums wich einer leistungsfeindlichen Mentalität nach dem Motto, "wie schummele ich mich durch, ohne mich groß anstrengen zu müssen". Der wachsende Phlegmatismus und Egoismus der in den Staatsbetrieben Beschäftigten gepaart mit einer wachsenden Korruptionsmentalität hat schließlich zum Niedergang des Kommunismus entscheidend beigetragen.



Das zweite Handicap des Kommunismus: die Planwirtschaft

Als ob der Kommunismus nicht bereits durch die ungenügende Motivation der Bevölkerung genug gebeutelt wäre, musste mit dem Instrument der Planwirtschaft noch ein zusätzliches Hindernis geschaffen werden.

Wie konnte man nur annehmen, dass sich der Bedarf der Bevölkerung und der Wirtschaft im voraus präzise errechnen und dies dann auch noch in einen Einklang mit der Produktion bringen ließe.
Das Bestreben, solche Planungen überhaupt durchzuführen, verrät bereits das geringe Vertrauen an die eigene Innovationskraft - mit Neuerungen, die alte Techniken ablösen, wurde anscheinend kaum gerechnet.
Ungenügend einkalkuliert wurde auch die Nichterfüllung von Normen, die zu einer ewigen Mangelwirtschaft in der Zulieferindustrie führte und oft ganze Produktionsanlagen für Tage und Wochen stilllegte.

Ich verstehe nicht, warum der Kommunismus überhaupt an der Planwirtschaft festgehalten hat. Auch staatliche Betriebe können schließlich einen nachfrageorientierten Markt schaffen. Man müsste lediglich akzeptieren, dass staatliche Firmen gegenseitig in einen echten Wettbewerb treten und dürfte auch Firmenkonkurse nicht ausschließen.
Hat man diese Konsequenz gescheut? Wusste man nicht die aus einem Konkurs freigesetzten Leute an anderer Stelle unterzubringen?




Das dritte Handicap des Kommunismus: Das Recht auf Arbeit

Das Recht auf Arbeit, die Beschäftigungsgarantie für jedermann, scheint mir indes eines der größten Systemfehler des existierenden Kommunismus gewesen zu sein.

Sicher, für die Arbeiter war es beruhigend zu wissen, bis zur Rente versorgt und in den Arbeitsprozess eingebunden zu sein. Aber diese staatliche Vollversorgung und Garantieerklärung reduziert natürlich die Motivation der Arbeiter auf ein Minimum.
Wer kaum entlassen werden kann, der muss sich auch nicht sonderlich anstrengen. Und eine Minderheit von Idealisten kann in einer solch leistungsfeindlichen Atmosphäre wenig ausrichten.


Das zweite Riesenproblem dieser verhängnisvollen Arbeitsplatzgarantie: Die staatlichen Unternehmen hatten kein effizientes Ventil, um durch Rationalisierung überflüssig gewordene Mitarbeiter zügig abzubauen. Somit wurde der größte Segen des produktiven Fortschritts weitgehend vergeudet.



Das vierte Handicap des Kommunismus: Demokratie und Kommunismus vertragen sich nicht!

Es ist sicher kein Zufall, dass in den kommunistischen Ländern des 20. Jahrhunderts immer nur Diktaturen am Werk waren. Das einzige demokratische kommunistische Experiment (Chile) wurde leider von außen gestürzt - das ist sehr bedauerlich, denn höchstwahrscheinlich hätte sich auch dort schnell gezeigt, dass der Kommunismus in einer freiheitlichen Demokratie auf Dauer nicht bestehen kann.

Die Ursache hierfür findet sich wiederum in der mangelnden Leistungsfähigkeit des Kommunismus. Da der Lebensstandard auf Dauer (wegen der bereits aufgeführten Ursachen) mit dem Kapitalismus nicht mithalten kann, können die Machthaber sich in einem freiheitlichen System nicht behaupten.

Die Wähler würden bei den sich zwangsläufig einstellenden Misserfolgen wieder zu den kapitalistischen Parteien überlaufen. Um dieser ständigen Bedrohung zu entkommen und um sich ohne großen Erfolgs- und Zeitruck entwickeln zu können, muss eine marxistisch orientierte kommunistische Regierung notgedrungen zu diktatorischen Mitteln greifen.

Es kann ja auch nicht sein, dass sich konträre Wirtschaftssysteme alle paar Jahre je nach Wahlausgang abwechseln oder zumindest zur Disposition stehen. Sowohl der Kommunismus als auch der Kapitalismus brauchen ein hohes Maß an Kontinuität und Sicherheit, um sich entfalten zu können.



Das fünfte Handicap des Kommunismus: Der fehlende Gegenpol zur politischen Macht

Leider ist es tatsächlich so: Der Kommunismus beschert ein tiefes Machtvakuum, weil das Kapital als Machtfaktor ausfällt. Wenn selbst die Medien dem "Volk" gehören, ist auch von dieser Seite keine Korrektiv zu erwarten. Denn "Volk" bedeutet letztlich "Volksvertreter", das Volk selbst hat leider keinen Zugriff.

Da also im Kommunismus den obersten Volksvertretern alle Verantwortung aufgetragen wird, kann eine echte Opposition nirgends aufkeimen. Etwaige Unzufriedenheiten in der Bevölkerung finden kein Ventil und keine organisierte Anlaufstelle, Proteste und Aufstände werden rigoros unterdrückt und niedergeschlagen.

Würde man freie Parteien zulassen, würde das kommunistische Machtfundament schnell ins Wanken geraten - eine kommunistische Regierung wird das aber selten zulassen, weil sie damit ihren eigenen Untergang besiegeln würde.



Das sechste Handicap des Kommunismus: Die kommunistische Diktatur benötigt zur eigenen Absicherung einen starken Geheimdienst

Ohne einen starken Geheimdienst kann keine Diktatur existieren. Die Machthaber müssen schließlich informiert sein, wo sich Gegner formieren und wo sich Widerstand bildet. Das bedarf auch einer regiden Bespitzelung der eigenen Bürger, was wiederum eine breite Atmosphäre des Misstrauens in der Gesellschaft trägt.

Es ist ein Teufelskreis: Die für den Machterhalt unentbehrliche Observierung der Bürger verstärkt die Abneigung und Leistungsverweigerung gegenüber dem kommunistischen System.
http://www.kapitalismus-online.de/kommunismus.html


Alle Farben: Schuddel, ich bin fast geneigt, den bedankenknopf zu drücken, insbesondere wegen deiner m.E. recht zutreffenden Darstellungen der ökonomischen und menschlichen Gründe, warum der im letzten Jahrhundert mehrfach unter etlichen Varianten unternommene Versuch, etwas Sozialeres und Menschlicheres auf die Beine zu stellen, vorerst gescheitert ist. Ich will dazu noch einige Anmerkungen aus meinen eigenen Erfahrungen beisteuern.
Rot: Es scheint typisch zu sein, daß euphorisch und mit tiefster Überzeugung für eine bessere Gesellschaft kämpfende Menschen schnell vergessen, daß die große Masse, für deren Interessen sie sich engagieren, sehr oft weniger euphorisch veranlagt ist. Diese wollen Verbesserung ihrer Lage und sie wollen es sehr schnell und wenn es nicht so schnell geht, werden sie unzufrieden und wenden sich teilweise anderen Führern zu. Es wird vergessen, daß allein durch die Aussicht nach einem besseren Leben, welches teilweise auch realisiert werden konnte, noch kein "neuer Mensch" entstanden ist. Da hatten sich nahezu alle kommunistischen Führer sich selbst etwas vorgemacht, sie waren einem Wunschdenken verfallen. Die alten archaischen Verhaltensweisen waren nach wie vor vorhanden (dazu hatten wir woanders schon geschrieben).
Deine Passage "wie schummle ich mich durch, ohne mich groß anstrengen zu müssen" ist eine dieser o.g. archaischen Eigenschaften aller höherentwickelten Lebewesen, mit geringstem Energieaufwand seine Existenz sichern. Das gilt immer, auch heute im Kapitalismus. In dieser Hinsicht irrt m.E. der US-Historiker Andrew I. Port in seiner Untersuchung mit dem Titel "Die rätselhafte Stabilität der DDR", in der er diese Arbeitsweise der Arbeiter als "Widerstand gegen das System" auslegte. Nein, es war der innere Schweinehund in fast jedem von uns. Warum es in diesem jetzigen System besser funktioniert, hat einzig etwas mit der Tatsache zu tun, daß Schlendrian i.a.R. spürbare Konsequenzen hinsichtlich sozialem Standard hat. Dadurch resultiert natürlich mehr Leistung und auch mehr Wohlstand für alle. zumidnest wäre das der Idealzustand, der seit der Wende und mit der Globalisierung zunehmend untergaben wird. Der Tritt in den Ar... hat gefehlt.
Grün:
Was die Planwirtschaft betrifft, halte ich das nicht als grundsätzlich falsch. Falsch war es, wenn der Plan zum Dogma erhoben wurde. Andererseits gab es ja die berühmte sog. "Planreduzierung", ( an unseren Produktionsdirektor kam mal ein Schreiben mit der Anrede "Direktor für Planreduzierung", also so war dieser Begriff mancherorts schon im Gehirn verankert), die nach Antrag und unwiderlegbaren erheblichen objektiven Gründen auch gewährt wurde, insbes. wenn die Gesamteinheit (Kombinat, VVB) den Plan wohl trotzdem erfüllen würde. Es ist heute eigentlich auch nicht sooo viel anders. Es war für uns Außendienster immer ein Saugen am Finger, wenn wir schon im August die Vorschau der wichtigsten Kennziffern für das kommende Jahr aufstellen mußten und wußten, daß wir dumme Fragen erwarten mußten, wenn die Kunden da nicht so planmäßig mitspielten. Aber auch da war es weniger tragisch, zumindest, wenn das über die Jahre kein Dauerzustand wurde, wenn der Konzern als Ganzer den geplanten Gewinn erwirtschaftet hatte und so seine Aktionäre zufriedenstellen konnte.
Was die angeführte "Nichterfüllung der Normen" betrifft, sehe ich das etwas anders. Die Normen wurden durch die Arbeiter, die nach solchen arbeiteten, m.E. in aller Regel erfüllt und übererfüllt, zumindest war das in der regulären AZ weitestgehend möglich. Klar gab es permanente Untererfüller, aber das waren wohl nicht die Masse. Dann wären die Normen m.E. korrigiert worden, wenn sie von den Meisten nicht erfüllt werden konnten.
Nächstes Grün: Du verstehst nicht, warum die VEBs überhaupt an der Planwirtschaft festgehalten haben. Ich würde da eher fragen warum sie nicht nach marktwirtschaftlichen Kriterien geführt wurden, was eine Planwirtschaft, so wie sie heute auch gemacht wird (heißt nur anders) nicht ausschließt. Hatte es woanders schon mal angemerkt, auch wenn das einige User hier kategorisch ausschließen: Es gibt m.E. keinen keinen Grund dafür, sozialistische Eigentumsverhältnisse an den PM und marktwirtschaftliches Wirtschaften als unvereinbar anzusehen. Wobei ich hier gleich die Verbindung zu Orange habe.
Orange: Stimmt, aus eigener Erfahrung. Neuerungen, die eine AZ-Einsparung ausweisen, neue AK-einsparende Technik und Technologie führte nicht immer zur Freisetzung von AKen. Wurde z.B. tatsächlich der AK-Aufwand von 10 auf 6 reduziert, waren es tatsächlich dann nur 7 oder 8, auf die reduziert wurde. Die Differenz waren längere Pausen, Schaffung künstlichen AK-Bedarfes (neue Planstelle) oder andere Maßnahmen, die den Effekt verkleinerten. Meine offene Ansicht dazu war auch zu DDR-Zeiten, daß 2 oder 3 % Arbeitslose sich durchaus positiv auf die Arbeitsmoral einiger Leute auswirken würden.
Lila: Die Allende-Regierung war m.E. keine kommunistische Regierung. Es war ein Linksbündnis einschl. der Sozialdemokraten und die KP Chiles war da nicht mal die stärkste Kraft. Ein wirtschaftliches Versagen war m.E. mehr der wenig konsequenten Entmachtung alter Strukturen und den zögerlichen Maßnahmen gegen Sabotage aller Art durch oppositionelle Kräfte als wirtschaftlicher Inkompetenz. Diese genannte "freiheitliche Demokratie" war hier vielleicht ein Fehler, diese vollständig auch der Opposition gewährt zu haben. Diese "Demokratie" hatte zur Folge, daß die Opposition diese gewählte Regierung nicht als gewählt Regierung akzeptiert hatte, sondern mit allen, wirklich allen, auch völlig undemokratischen, Mitteln an ihrer Beseitigung gearbeitet hatte. Wie Du schon schriebst, wenn es mit sozialen Verbesserungen nicht schnell genug klappt oder diese durch andere Kräfte vereitelt werden, durchschauen viele Bürger nicht das Spiel, verwechseln Ursache und Wirkung und rennen den Rattenfängern nach. Was in einer solchen Situation bei zu reichlich gewährter Demokratie rauskommt, kennen wir ja. Wer wen ? Ich glaube, Vierkrug hatte dazu schon einige Zusammenhänge geschildert.
Als Letztes zu den wechselnden Wahlausgängen: Es klappt schon nicht unter einer Beibehaltung des Wirtschaftssystems, wenn jedesmal eine andere Parteienkonstellation die Führung übernimmt. Mal Schwarz, mal Schwarz/rot, mal Schwarz/gelb, mal grün dabei und irgendwann auch mal rot-rot-grün und was noch so denkbar ist. Wie soll es dann erst klappen, wenn die Eigentumsfragen alle vier Jahre geändert werden ? Du hast recht, sowohl Kapitalismus als auch Sozialismus brauchen in dieser Hinsicht Kontinuität und die schaffen sie sich durch ihren Staat (Machtorgan der herrschenden Klasse), jeder auf seine Weise, hier die "Diktatur des Proletariats", da die Verfassung und das Grundgesetz, notfalls durch die "Notstandsgesetze" ergänzt und wenn das alles nicht hilft, putscht das Militär.



Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.11.2013 19:52 | nach oben springen

#386

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 21.11.2013 19:56
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #380
DoreHolm, ich lernte ja nach meiner "Übersiedelung" in den anderen Teil Deutschlands auch die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen kennen. Dore , du wirst es nicht glauben, es hat riesig Spass gemacht, ich hatte Freude an der Arbeit und erst an der Belohnung!




Hier scheinen wir ja mal ähnlicher Meinung zu sein. Die Arbeit hat mir auch Spaß gemacht, auch wenn das Familienleben darunter zu leiden hatte. Ich habe aber ein bischen was von einem Vagabunden im Blut. Du siehst, ich versuche aber nicht, hier irgendwas schlechtzureden.
Was die "Belohnung" allerdings betrifft (ich hatte es schon mal geschrieben), bin ich skrupellos über den Tisch gezogen worden. Hier wurde meine Unerfahrenheit mit den Gepflogenheiten im Kapitalismus schamlos ausgenutzt. Ich muß Dir aber sagen, wie ich es schon immer gehalten habe, das kreide ich nicht dem System an, sondern ganz konkret handelnden Personen, nämlich meinem damaligen GF. Und da muß ich ebenso sagen, in der DDR hätte ein Direktor solche Spielchen nicht gemacht.



Jobnomade und Küchenbulle 79 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 21.11.2013 22:50 | nach oben springen

#387

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 10:25
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Aus @Schuddels Quelle:

1.So wird der ursächliche Faktor für die Knechtung der Menschheit und den schleichenden Niedergang der westlichen Welt von den Medien weiterhin totgeschwiegen und die fanatische Freihandels-Ideologie als große Errungenschaft verkauft.

Und alles nur, weil die großkapitalistisch orientierten Konzernchefs der modernen Medienfabriken ihre Sprachrohre (Journalisten) auf die internationale Verständigung einschwören.

2.....Fazit: Wenn Pkws wirklich zu 100 % in China hergestellt werden, können die Preise ins Bodenlose purzeln. Ich vermute, dass chinesische Autohersteller in spätestens 10 Jahren ein Auto in der Golfklasse für 5000 Euro auf den Markt bringen können, das sogar schon den deutschen Modellen technologisch und qualitativ überlegen ist. Es geht schon los...
(eigene Anmerkung: Zitat von 2006)

aus http://www.anti-globalisierung.de/globalisierung-china.html

Nach allem, was Herr Müller schreibt, der hier 1:1 zitiert wurde kann man nur resümieren, daß er ein recht aufmerksamer systemkritischer Beobachter ist, wie es tausende in Deutschland geben mag, allein die Schlußfolgerungen machen den Wert dieser Analysen aus und damit geht Herr Müller recht sparsam um.
Auch sein Versuch, alle Themen abzuarbeiten, macht ihn schon zum Zehnkämpfer, um es mal in sportliche Kategorien zu kleiden, die einen haben großen Respekt vor dieser Königsdisziplin und die Spötter (LA- Spezialisten) sagen: "Er kann alles, nur nichts richtig"
Bezogen auf das Thema und meine o. g. Auszüge frage ich nun,
1. Wie schlimm müßte es denn eigentlich kommen, damit sich der Kommunismus mit Blick auf den Status Quo vom Verbrechen zur Rettung wandelt ?
2. Die Prognose mit dem Auto stimmt, man ist auf Kurs (siehe unten im Link...VW plant Billigmarke), wird aber dieses Modell tatsächlich für diesen
Preis auf den deutschen Markt kommen und sich VW selbst des Wasser abgraben oder wird das Gebietskartell der Autoindustrie halten, was ich eher vermute, verbunden mit der Anschlußfrage - Was wäre jetzt noch der Unterschied zur Kommandowirtschaft ?
Oder will man alternativ dazu die Perspektiven des fernöstlichen Automarktes gar als Drohkulisse in Richtung Gewerkschaften aufbieten um denen zu zeigen, daß nur bei Lohnverzicht der europäische Standort gerettet werden kann, hat man möglicherweise sogar den (erpressbaren) Staat im Blick der mit Subventionen eingreifen möge ?
VW ist das kapitalkräftigste deutsche Unternehmen (Platz 17 der Forbes- Weltrangliste) und hat damit einhergehend sogar Politiker im Boot (20 % von VW gehören Niedersachsen), mithin alles ein recht explosives Gemisch und ein spektakuläres Abhängigkeitsverhältnis.
Und macht es überhaupt einen Unterschied ob chinesische Kommunisten oder deutsche Landespoliker Anteilseigner privater Konzerne sind ?
Ist der Sprung zum Kommunismus am Ende gar nicht so spektakulär wie er oft dargestellt wird, immerhin sind 20 % von VW Volkseigentum, z. Z. 17 % der zweitgrößten Bank Deutschlands u.a. ?



zuletzt bearbeitet 22.11.2013 10:28 | nach oben springen

#388

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 14:23
von RUnger | 66 Beiträge

Hallo 4. Zug

Richtig charakterisiert. Die Menschen müssen auch dafür reif sein. Kann man aber auch in einer sozialistischen Entwicklungsstufe aufgrund des Egoismus auch nicht reif sein. Heute noch schlimmer, da man für seine Sünden an der Menschheit "Buse tun kann" oder sich anderweitig rein waschen kann. Die heutige Gesellschaftsordnung, die es viel länger gab und gibt, hat noch viel mehr Verbrechen am Stecken, die nicht nur ein Buch füllen würden.Ach ja-der Besitz der PM,die Erzeugung und die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums sind ja die größten und grundsätzlichsten Widersprüche.Gab es ja auch in der Entwicklungsstufe der DDR.

MfG R. Unger



Feliks D. hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#389

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 17:21
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Zitat von Hackel39 im Beitrag #387
Aus @Schuddels Quelle:

1.So wird der ursächliche Faktor für die Knechtung der Menschheit und den schleichenden Niedergang der westlichen Welt von den Medien weiterhin totgeschwiegen und die fanatische Freihandels-Ideologie als große Errungenschaft verkauft.

Und alles nur, weil die großkapitalistisch orientierten Konzernchefs der modernen Medienfabriken ihre Sprachrohre (Journalisten) auf die internationale Verständigung einschwören.

2.....Fazit: Wenn Pkws wirklich zu 100 % in China hergestellt werden, können die Preise ins Bodenlose purzeln. Ich vermute, dass chinesische Autohersteller in spätestens 10 Jahren ein Auto in der Golfklasse für 5000 Euro auf den Markt bringen können, das sogar schon den deutschen Modellen technologisch und qualitativ überlegen ist. Es geht schon los...
(eigene Anmerkung: Zitat von 2006)

aus http://www.anti-globalisierung.de/globalisierung-china.html

Nach allem, was Herr Müller schreibt, der hier 1:1 zitiert wurde kann man nur resümieren, daß er ein recht aufmerksamer systemkritischer Beobachter ist, wie es tausende in Deutschland geben mag, allein die Schlußfolgerungen machen den Wert dieser Analysen aus und damit geht Herr Müller recht sparsam um.
Auch sein Versuch, alle Themen abzuarbeiten, macht ihn schon zum Zehnkämpfer, um es mal in sportliche Kategorien zu kleiden, die einen haben großen Respekt vor dieser Königsdisziplin und die Spötter (LA- Spezialisten) sagen: "Er kann alles, nur nichts richtig"
Bezogen auf das Thema und meine o. g. Auszüge frage ich nun,
1. Wie schlimm müßte es denn eigentlich kommen, damit sich der Kommunismus mit Blick auf den Status Quo vom Verbrechen zur Rettung wandelt ?
2. Die Prognose mit dem Auto stimmt, man ist auf Kurs (siehe unten im Link...VW plant Billigmarke), wird aber dieses Modell tatsächlich für diesen
Preis auf den deutschen Markt kommen und sich VW selbst des Wasser abgraben oder wird das Gebietskartell der Autoindustrie halten, was ich eher vermute, verbunden mit der Anschlußfrage - Was wäre jetzt noch der Unterschied zur Kommandowirtschaft ?
Oder will man alternativ dazu die Perspektiven des fernöstlichen Automarktes gar als Drohkulisse in Richtung Gewerkschaften aufbieten um denen zu zeigen, daß nur bei Lohnverzicht der europäische Standort gerettet werden kann, hat man möglicherweise sogar den (erpressbaren) Staat im Blick der mit Subventionen eingreifen möge ?
VW ist das kapitalkräftigste deutsche Unternehmen (Platz 17 der Forbes- Weltrangliste) und hat damit einhergehend sogar Politiker im Boot (20 % von VW gehören Niedersachsen), mithin alles ein recht explosives Gemisch und ein spektakuläres Abhängigkeitsverhältnis.
Und macht es überhaupt einen Unterschied ob chinesische Kommunisten oder deutsche Landespoliker Anteilseigner privater Konzerne sind ?
Ist der Sprung zum Kommunismus am Ende gar nicht so spektakulär wie er oft dargestellt wird, immerhin sind 20 % von VW Volkseigentum, z. Z. 17 % der zweitgrößten Bank Deutschlands u.a. ?





Monopole und Globalisierung schalten das marktwirtschaftliche System aus, Konkurrenz wird solange vernichtet, bis der Anreiz zu Innovation weg fällt. Dann geht es nach unten. Der Staat hilft solange bis er bankrott ist. Dann gibt es eine kleine Revolution und eine Aufteilung in kleinere überblickbare Wirtschaftseinheiten und das Hamsterrad kann sich weiter drehen.
Der Kapitalismus in seiner Endstufe führt zwar nach Marx zwangsläufig zum Sozialismus, da hat er vielleicht recht. Nur ist eben der entstehende Sozialismus nicht die Lösung, sondern das entstehende Problem. Deswegen gibt es das Kartellrecht, als Versuch dieses Problem zu bekämpfen.
Soweit meine Theorie, auf die Schnelle.


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#390

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 18:08
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #389
Zitat von Hackel39 im Beitrag #387
Aus @Schuddels Quelle:

1.So wird der ursächliche Faktor für die Knechtung der Menschheit und den schleichenden Niedergang der westlichen Welt von den Medien weiterhin totgeschwiegen und die fanatische Freihandels-Ideologie als große Errungenschaft verkauft.

Und alles nur, weil die großkapitalistisch orientierten Konzernchefs der modernen Medienfabriken ihre Sprachrohre (Journalisten) auf die internationale Verständigung einschwören.

2.....Fazit: Wenn Pkws wirklich zu 100 % in China hergestellt werden, können die Preise ins Bodenlose purzeln. Ich vermute, dass chinesische Autohersteller in spätestens 10 Jahren ein Auto in der Golfklasse für 5000 Euro auf den Markt bringen können, das sogar schon den deutschen Modellen technologisch und qualitativ überlegen ist. Es geht schon los...
(eigene Anmerkung: Zitat von 2006)

aus http://www.anti-globalisierung.de/globalisierung-china.html

Nach allem, was Herr Müller schreibt, der hier 1:1 zitiert wurde kann man nur resümieren, daß er ein recht aufmerksamer systemkritischer Beobachter ist, wie es tausende in Deutschland geben mag, allein die Schlußfolgerungen machen den Wert dieser Analysen aus und damit geht Herr Müller recht sparsam um.
Auch sein Versuch, alle Themen abzuarbeiten, macht ihn schon zum Zehnkämpfer, um es mal in sportliche Kategorien zu kleiden, die einen haben großen Respekt vor dieser Königsdisziplin und die Spötter (LA- Spezialisten) sagen: "Er kann alles, nur nichts richtig"
Bezogen auf das Thema und meine o. g. Auszüge frage ich nun,
1. Wie schlimm müßte es denn eigentlich kommen, damit sich der Kommunismus mit Blick auf den Status Quo vom Verbrechen zur Rettung wandelt ?
2. Die Prognose mit dem Auto stimmt, man ist auf Kurs (siehe unten im Link...VW plant Billigmarke), wird aber dieses Modell tatsächlich für diesen
Preis auf den deutschen Markt kommen und sich VW selbst des Wasser abgraben oder wird das Gebietskartell der Autoindustrie halten, was ich eher vermute, verbunden mit der Anschlußfrage - Was wäre jetzt noch der Unterschied zur Kommandowirtschaft ?
Oder will man alternativ dazu die Perspektiven des fernöstlichen Automarktes gar als Drohkulisse in Richtung Gewerkschaften aufbieten um denen zu zeigen, daß nur bei Lohnverzicht der europäische Standort gerettet werden kann, hat man möglicherweise sogar den (erpressbaren) Staat im Blick der mit Subventionen eingreifen möge ?
VW ist das kapitalkräftigste deutsche Unternehmen (Platz 17 der Forbes- Weltrangliste) und hat damit einhergehend sogar Politiker im Boot (20 % von VW gehören Niedersachsen), mithin alles ein recht explosives Gemisch und ein spektakuläres Abhängigkeitsverhältnis.
Und macht es überhaupt einen Unterschied ob chinesische Kommunisten oder deutsche Landespoliker Anteilseigner privater Konzerne sind ?
Ist der Sprung zum Kommunismus am Ende gar nicht so spektakulär wie er oft dargestellt wird, immerhin sind 20 % von VW Volkseigentum, z. Z. 17 % der zweitgrößten Bank Deutschlands u.a. ?





Monopole und Globalisierung schalten das marktwirtschaftliche System aus, Konkurrenz wird solange vernichtet, bis der Anreiz zu Innovation weg fällt. Dann geht es nach unten. Der Staat hilft solange bis er bankrott ist. Dann gibt es eine kleine Revolution und eine Aufteilung in kleinere überblickbare Wirtschaftseinheiten und das Hamsterrad kann sich weiter drehen.
Der Kapitalismus in seiner Endstufe führt zwar nach Marx zwangsläufig zum Sozialismus, da hat er vielleicht recht. Nur ist eben der entstehende Sozialismus nicht die Lösung, sondern das entstehende Problem. Deswegen gibt es das Kartellrecht, als Versuch dieses Problem zu bekämpfen.
Soweit meine Theorie, auf die Schnelle.



Aber die Existenz von Kartellbehörden und deren verhängte Strafen sind doch eine Bankrotterklärung der Marktwirtschaft, genau wie das Eingeständnis, daß es ohne Doping im Hochleistungssport nicht mehr gehen würde.
Ich formuliere es mal bildlich, indem ich es mit einem Kasino vergleiche, das nach dem existenzvernichtenden Knacken der Bank abends schließt und überlegt, wie es am nächsten Tag weiter macht.
Wird man als gebranntes Kind als Glücksspielanbieter am nächsten Morgen wieder öffnen oder lieber als Fleischerei weiter machen ?
Ich denke, ersteres passiert mit neuem Personal, anderen Geräten und Spielen aber der gleichen zwielichtigen Kundschaft, sofern es nur eine regionale Katastrophe ist, wie bisher auch bloß mit Lehmann Brothers und Griechenland.
Warum sollten die als Fleischer weiter machen, davon haben sie doch erst recht keine Ahnung aber vielleicht sind die Spielhöllenbetreiber dann so kaputt, daß sie gar keine Immobilie mehr finden für ihre Geschäfte, vielleicht haben die meisten Zocker gar kein Geld mehr für weitere Spiele und der eine, der die Bank geknackt hat, spielt doch nicht mit sich alleine, oder doch ?
Vielleicht erkennen die Zocker, daß ihre Phantomwelt ohne Bauern, Schlächter und Fleischer gar nichts wert ist, vielleicht denken sie dann mal an ihre Wurzeln, wenn sie im ausgetrockneten Wüstensand stehen ?
Alles Wunschdenken verkappter Kommunisten ?
Alles kein Problem solange die Summe der Einzelfälle nicht das System gefährdet, aber mal ganz nebenbei, Dein Hinweis auf die Innovationen ist doch bei der Bewertung der Systemstärke gar nicht mehr so relevant.
Oder fangen die unendlichen Fähigkeiten der Handys und zuweilen blödsinnige Extras unserer Autos zu Lasten der Haltbarkeit und Übersicht nicht doch langsam an zu nerven, genau wie die Werbung für Produkte, die keinen wirklichen Mehrwert zu den Vorgängererzeugnissen mehr haben ?
Ist denn diese penetrante Werbetyrannei inzwischen nicht schon genauso nervig wie der Parteisekretär mit seinem Aufnahmeantrag ?
Ist denn jemand, der sowas nötig hat, nicht auch schon mit seinem Latein am Ende ?



zuletzt bearbeitet 22.11.2013 19:05 | nach oben springen

#391

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 18:49
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Die Konzentration von Wirtschaft und Kapital schafft Probleme. Darin gehen wir konform. Nur sehe ich persönlich da keinen erstrebenswerten Ausweg in irgendwelchen sozialistischen oder kommunistischen Gesellschaftssystemen. Staatswirtschaft führt auf Dauer immer zu einem Bankrott und einer Diktatur.
Jedenfalls zeigt uns das die bisherige Geschichte.
Vielleicht mal wieder ein Jubeljahr machen und das System reseten. Ein Weltkrieg wäre auch eine Lösung, aber eben nicht so erstrebenswert.
Das ist schon ein Dilemma. Der Sozialismus geht am Mangel kaputt und der Kapitalismus am Überfluß.
Im Prinzip brauchte man nur alle virtuellen Schulden auf den Festplatten kassieren und schon könnte das Spiel von Neuem beginnen. Das wäre immer noch besser als die Gulaglösung mit den Massengräbern der Unangepassten.


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#392

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 19:46
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Kommunismus ist die halbe Strecke zwischen Weltkrieg und "weiter so".
Leider ist mir bislang noch niemand begenet, der meine Modellrechnung der Planwirtschaft wiederlegen konnte, ich meine hier mein Beispiel mit der Besetzung der ICE- Züge und den Platzkarten..
Falls wir uns einig sind, daß der Sozialismus in der DDR effektiv dazu in der Lage war, alle elementaren Bedürfnisse des Volkes bezüglich seines Konsums zu decken und daß alles nur ein Verteilungsproblem war und es eben keine Mangelwirtschaft hätte geben müssen, geht es nun weiter, ansonsten bitte diesen Text überspringen.
Im ICE, nehmen wir mal die hochfrequentierte Trasse zwischen Basel und Mannheim als Beispiel , es spielt eigentlich keine Rolle aber erleichtert die Erklärung, findet in mehr als 90 % meiner Mitfahrten jeder einen Sitzplatz, trotzdem kaufen mehr als 2/3 der überwiegend alleinreisenden Fahrgäste eine Platzkarte.
Jemand der nun ohne Platzkarte (svw. ohne Beziehungen zur HO- Verkaufsstelle) unterwegs ist, muß dort sitzen, wo gerade frei ist und in Offenburg oder Karlsruhe sogar den Platz wechseln, was er nicht müßte, wenn es keine Reservierung geben würde, er hat unnötigen Streß wegen der panischen Vorstellung von 60 % seiner Mitreisenden, die einen persönlichen Sitzplatz kaufen, den sie eigentlich auch kostenlos kriegen würden nur um das 10 %ige Risiko zu vermeiden, vielleicht 1,2 oder alle Stattionen stehen zu müssen.
Übrigens haben die Ersteinsteiger in Basel kaum Vorteile, da das Kommen und Gehen sich etwa die Waage hält.
Fakt ist, daß jeder in der Regel einen Platz bekommen würde, niemand suchen müßte oder gar den kompletten Zug abmarschieren müßte, wenn er verkehrt rum eingefahren kommt und man am Wagenende den Platz gebucht hatte und man viel schneller sitzen würde, da man keine Platznummern suchen müßte, alles wäre schön einfach.
Die Bahn hält natürlich an den Buchungen fest, hier geht es pro Fahrt ( 4 € pro Platz) um einige hundert Euro pro Zug auf dem Gesamtlaufweg), womöglich wäre meine Fahrkarte sogar teurer wenn die sie nicht mit den Platzkartenkäufen subventionieren würden, aber das nur nebenbei.
Was ich sagen will ist, daß das System für alle zufriedenstellend funktionieren würde, wenn sich niemand über Geldzahlungen einen Vorteil gegenüber Nichtbuchern verschaffen würde, ebenso hätte jeder auch 17.30 Uhr beim DDR- Fleischer noch Rouladen bekommen, wenn nicht fünf andere vorher 3 kg gehamstert hätten, obwohl morgen wieder ein neues Rind geschlachtet wird usw.
Natürlich gibt es gegen das 10 %- Risiko des Stehplatzes kein Mittel, es passen weder mehr Züge auf die Trasse, noch kann man mit einem vertretbaren Aufwand einen größeren Wagenpark herbeizaubern, auch keine längeren Züge weil die Bahnsteiglängen begrenzt sind, man könnte noch die 1. Klasse abschaffen, das geht aber zu Lasten der Einnahmen. mit denen man aber kalkuliert, will heißen, daß es nicht für alles eine gesamtgesellschaftlich akzeptable Lösung geben kann, dafür muß man erst mal Verständnis haben, es darf aber keine Eigendynamik bekommen und das ist die große Herausforderung die wir im Sozialismus nicht bestanden haben und auch heute eben nicht bestehen würden, sollte es mal wieder von vorn los gehen, wie wir an genau solchen Beispielen schon mal prognostizieren können.
Wir können uns nur wünschen, daß der ICE nicht am Prellbock endet und bis jetzt ist ja alles auch ziemlich sicher gewesen, aber die Reise bleibt spannend.



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#393

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 20:00
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Hamstern und Schwarzmarkt war nicht die Ursache , sondern die Folge der Mangelwirtschaft. Kausalen Zusammenhang beachten.


zuletzt bearbeitet 22.11.2013 20:01 | nach oben springen

#394

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 20:47
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Aber wie sind wir denn dann aus der Schieberkultur und der Phase der Lebensmittelkarten in der Nachkriegszeit überhaupt herausgekommen ?
Die Versorgungslage war doch auf einem guten Weg und bestimmte Engpässe, z. B. bei der Pkw- Produktion haben ja Massenverkehrsmittel erst mal effizient gemacht und Ressourcen geschont, wie auch in vielen anderen Zusammenhängen der ökologische Fußabdruck des DDR- Bürgers, wenn auch nur sekundär bedingt, viel kleiner war als der des vielfliegenden Bundesbürgers mit seinem 150- PS- Privat- Pkw.
In Zeiten des Überflusses mag man über solche Daten spotten, es geht aber um den verantwortungsvollen Umgang mit natürlich begrenzten Reserven über die eigene Zeit hinaus.
Die künstliche Schaffung von Engpässen haben parasitäre Elemente der kommunistisch konzipierten Zukunftsgesellschaft der DDR zur Mehrung des privaten Reichtums verholfen, heute spekuliert man halt mit Aktien, Grundstücken oder Getreideoptionen weil man hofft, es teurer wieder verkaufen zu können.
Das ist das gleiche Modell nur anonymer, mithin ein Ausdruck der Verkommenheit des Volkes.
Wir müssen das aushalten, immerhin ging es nicht um Leben und Tod bei dem 3 kg- Rouladeneinkauf des Rentnerehepaares oder den gebunkerten Trabi- Kotflügeln.



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#395

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 21:07
von Moskwitschka (gelöscht)
avatar

Zitat von Hackel39 im Beitrag #394
Aber wie sind wir denn dann aus der Schieberkultur und der Phase der Lebensmittelkarten in der Nachkriegszeit überhaupt herausgekommen ?



Da fällt mir das Beispiel mit der Guten Butter ein.

Bei der Butter kann man jedoch sehr deutlich die unterschiedliche Entwicklung der beiden deutschen Staaten erkennen.

"Der Ausdruck Gute Butter stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Gute“ (gemeint ist echte) Butter war für viele Menschen kaum erschwinglich und in Kriegs- und Krisenzeiten kaum erhältlich. Während man normalerweise auf einfache Margarine oder Ersatzfettkombinationen zurückgriff, war die Verwendung von Guter Butter besonderen Gelegenheiten vorbehalten."

http://de.wikipedia.org/wiki/Butter

Nach dem Krieg gab es die Butter auf Lebensmittelmarken. In der Bundesrepublik bis 1950 ? und in der DDR bis 1958 ?.

"16.01.1950 Beschluß der Bundesr egierung zur Abschaffung der Rationierungsmaßnahmen. In West-Berlin wurde das Kartensystem
erst im September 1950 abgeschafft.

01.03.1950 Die letzten Lebensmittelkartenin der BRD werden aus dem Verkehr gezogen....

26.05.1952 Die Regierung der DDR beschließt „weitgehende Maßnahmen zur Sicherung der Grenze zwischen der DDR und BRD“
2. Parteikonferenz der SED beschließt Bildung der „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften“ (LPG) .

01.02.1953 Lebensmittelgrundkarte in der DDR pro Monat und Person.

28.05.1958 Beschluss der Volkskammer zur Abschaffung der Lebensmittelkarten in der DDR ab 01.06.1958."

http://www.dgwev.de/dgw_pdf/Lebensmittelkarten.pdf

Parallel dazu begann man in der Bundesrepublik die landwirtschaftlichen Betriebe zu subventionieren und es kam zu Überproduktionen.

"Aufgrund der Unterproduktion der landwirtschaftlichen Betriebe in den 1950er-Jahren wurde eine Subventionspolitik ins Leben gerufen, die den Bauern den Verkauf der meisten Erzeugnisse zu staatlich garantierten Abnahmepreisen ermöglichte, so dass es zu dieser Zeit besonders bei Milch zu faktischen Festpreisen kam, die nur wenig um den jeweiligen Interventionspreis schwankten. Aufgrund dieses Anreizes stieg die Produktion an Getreide, Vieh, Milch und Milcherzeugnissen wie Butter usw. sprunghaft an, bis die Produktion gegen Ende der 1970er-Jahre den Bedarf überstieg. Als Gegenmaßnahme wurde 1984 die Milchquote eingeführt.

In den folgenden Jahrzehnten wurde wesentlich mehr produziert als benötigt. Somit sank der Preis der Waren auf dem Markt, und der Staat kaufte immer mehr überschüssige Ware, die dann gelagert wurde – der Butterberg. Andere Bezeichnungen für dasselbe Phänomen sind der Milchsee bzw. Milchschwemme für die Überproduktion an Milch und die Fleischberge."

http://de.wikipedia.org/wiki/Butterberg

Was war/ist nun besser, die Subvention von Grundnahrungsmitteln oder die Subventionierung der Erzeuger von Grundnahrungsmitteln?

LG von der grenzgaengerin


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#396

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 21:22
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Schlimm war/ ist, daß man die Eingriffe dauerhaft vorgenommen hat, ähnlich dem Baby, das mit vier Jahren noch die Windel bekommt, man favorisierte die bequeme Lösung und alles mußte von außen sauber aussehen.
Die Politiker haben sich in Abhängigkeiten begeben, die einem wollten um jeden Preis vom Volk, die anderen von den Unternehmern geliebt werden und beide Wirtschaftslenker sind von ihrer Klientel ausgekaspert worden.
Der Westbauer, der sich mit den fetten Subventionen optimal eingerichtet hat, ähnlich einer Mastsau, die jeden Morgen den Trog vollgeschüttet bekommt und der Ostbauer, der nebenbei noch privates Viehzeug mit volkseigenem Futter mästet, das dann unter der Hand verschachert wird, beides toleriert von der ebenfalls bequemlichkeitsuchenden jeweiligen Regierung.
Ich würde sagen, der Fortschritt hält sich die Waage.



Damals87, Schmiernippel, DoreHolm und grenzgänger81 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#397

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 22.11.2013 23:12
von DoreHolm | 7.681 Beiträge

Zitat von Eisenacher im Beitrag #393
Hamstern und Schwarzmarkt war nicht die Ursache , sondern die Folge der Mangelwirtschaft. Kausalen Zusammenhang beachten.



Grün: Da muß ich Dir schon im Wesentlichen recht geben. Allerdings hat Hamstern die Versorgungssituation noch zusätzlich verschärft. Da ist das Beispiel von Hackel39 mit den Platzkarten schon ziemlich treffend. Wegen den 10% Risiko wurde sich der Bedarf zusätzlich abgesichert. Wie mit den Pkw-Ersatzteilen damals. Wenn die in den Garagen und Kellern vorgehaltenen Ersatzteile noch in den Läden liegen würden, wäre so mancher Autofahrer bedient worden. Aber eben nicht jeder und das führt dann eben dazu, daß sich jeder durch zusätzlichen Kauf absichert. In der Industrie ist das übermäßige Einlagern ein Kostenfaktor, der durch "just in time" minimiert wird, aber mit zunehmender Minimierung des vorgehaltenen Lagerbestandes ebenso das Risko zunimmt, daß es mal nicht mit dem Nachschub klappt wegen klitzekleiner Ursachen. Der Wettbewerber, der sich zwar bisher höhere Lagerkosten geleistet hatte, produziert weiter und verkauft, der es mit just in time übertrieben hatte, verkauft nicht und verliert möglcherweise dauerhaft Kunden. Das Hamstern ist allerdings kein Privileg sozialistischer Eigentumsverhältnisse, das passiert sofort, wenn die Gerüchteküche wegen irgendwelcher Katastrophen oder tiefgreifender politischer Ereignisse einen Versorgungsengpass oder eine erhebliche Verteuerung befürchten läßt. Da unterscheiden sich die Reaktionen der Menschen weder im Sozialismus noch im Kapitalismus, da regieren die archaischen Urinstinkte. Warum denke ich jetzt gerade an die Greußener Salami ? Die Firma stand nach der Wende kurz vor der Schließung. Das stand in der Zeitung, es brachte das Fernsehen und was geschah ? Innerhalb weniger Tage gab es keine Greußener Salami mehr zu kaufen. Jeder, der konnte, deckte sich ein. Die zu spät kamen, bestrafte die Hamsterei. Will damit sagen, es wäre für jeden eine Salami da gewesen, aber nicht für jeden drei oder mehr, die dann wiederum wochen- oder monatelang in den Kühlschränken rumlagen. Das Resultat war, es fand sich ein Käufer und diese Salami ist heute noch ein Renner.



Hackel39 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 22.11.2013 23:15 | nach oben springen

#398

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 23.11.2013 01:05
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Immer wenn der Staat in den Markt eingreift kommt es zu Verwerfungen. Planwirtschaft, garantierte Preise und Subventionen sind immer ein Übel. In bestimmten Krisensituationen ,z.B. bei Naturkatastrophen oder in der Nachkriegszeit,mag es für eine kurze Zeit gerechtfertigt sein, aber auf Dauer gibt es immer und überall damit ein Riesenproblem.


lhsecurity hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#399

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 23.11.2013 10:21
von Hackel39 | 3.123 Beiträge

Zitat von DoreHolm im Beitrag #397
Zitat von Eisenacher im Beitrag #393
Hamstern und Schwarzmarkt war nicht die Ursache , sondern die Folge der Mangelwirtschaft. Kausalen Zusammenhang beachten.



Grün: Da muß ich Dir schon im Wesentlichen recht geben. Allerdings hat Hamstern die Versorgungssituation noch zusätzlich verschärft. Da ist das Beispiel von Hackel39 mit den Platzkarten schon ziemlich treffend. Wegen den 10% Risiko wurde sich der Bedarf zusätzlich abgesichert. Wie mit den Pkw-Ersatzteilen damals. Wenn die in den Garagen und Kellern vorgehaltenen Ersatzteile noch in den Läden liegen würden, wäre so mancher Autofahrer bedient worden. Aber eben nicht jeder und das führt dann eben dazu, daß sich jeder durch zusätzlichen Kauf absichert. In der Industrie ist das übermäßige Einlagern ein Kostenfaktor, der durch "just in time" minimiert wird, aber mit zunehmender Minimierung des vorgehaltenen Lagerbestandes ebenso das Risko zunimmt, daß es mal nicht mit dem Nachschub klappt wegen klitzekleiner Ursachen. Der Wettbewerber, der sich zwar bisher höhere Lagerkosten geleistet hatte, produziert weiter und verkauft, der es mit just in time übertrieben hatte, verkauft nicht und verliert möglcherweise dauerhaft Kunden. Das Hamstern ist allerdings kein Privileg sozialistischer Eigentumsverhältnisse, das passiert sofort, wenn die Gerüchteküche wegen irgendwelcher Katastrophen oder tiefgreifender politischer Ereignisse einen Versorgungsengpass oder eine erhebliche Verteuerung befürchten läßt. Da unterscheiden sich die Reaktionen der Menschen weder im Sozialismus noch im Kapitalismus, da regieren die archaischen Urinstinkte. Warum denke ich jetzt gerade an die Greußener Salami ? Die Firma stand nach der Wende kurz vor der Schließung. Das stand in der Zeitung, es brachte das Fernsehen und was geschah ? Innerhalb weniger Tage gab es keine Greußener Salami mehr zu kaufen. Jeder, der konnte, deckte sich ein. Die zu spät kamen, bestrafte die Hamsterei. Will damit sagen, es wäre für jeden eine Salami da gewesen, aber nicht für jeden drei oder mehr, die dann wiederum wochen- oder monatelang in den Kühlschränken rumlagen. Das Resultat war, es fand sich ein Käufer und diese Salami ist heute noch ein Renner.


Allerdings kam es auch vor, daß der eigentliche Mangel die Mangelwirtschaft auf eine fast schon amüsante Art begrenzt hat, immerhin war die Versorgung mit Tiefkühltruhen auch nicht flächendeckend, hier hatte sich die Planwirtschaft in Form von begrenzter Hamsterlagerfläche selbst geheilt, wenngleich das kein strategischer sondern ein systembedingter Engpaß war.
Ich möchte mich in diesem Zusammenhang auch outen, da ich ebenfalls wegen meiner Routineabfragen in der Expovita (Halle) nach 30er Angelschnur und ungarischen Balsaholzposen möglicherweise Engpässe mitverschuldet hatte.
Zwar nahm es nicht überhand, aber wenn pro Angelrolle drei Reservespulen mit gleicher Schnurstärke vorhanden waren und 5 Posen gleicher Bauart im Angelkasten lagen (falls man nach dem 3. Abriß keine Stahlvorfächer mehr hatte und tauschen mußte...) dann ist das genauso krank, denn solche Kleinteile waren normalerweise kein Problem für Solidor & Co.
Zu den ICE's ist noch anzumerken, daß es täglich zu einem massenhaften Verfall von Platzkarten kommt, z. B. durch verpaßte Anschlußzüge, umgeplante Reisen oder das Verhalten von bequemen Fahrgästen, die sich trotz Buchung auf unreservierte Plätze setzen sofern die direkt verfügbar sind, um nicht weiter suchen zu müssen, was gleichzeitig beweist, daß offenbar der Wohlstand und auch die Rücksichtslosigkeit überhand nimmt, da ja der gebuchte Platz noch 15 min als besetzt markiert und somit für andere blockiert ist.
Somit kann man auch resümieren, daß der Kommunismus trotz aller Überwachung an fehlender Wachsamkeit gescheitert ist, zumindest auf dem Sektor der Warenversorgung, hätte man hier die Hamsterkultur bekämpft, z. B. indem der Fischereiaufseher drei der fünf Posen beschlagnahmt hätte, um mir die strategischen Anfragen bei der Expovita abzugewöhnen, so wäre das im Einzelfall ein (kleines) Verbrechen in der Masse der Vorgänge aber eine Chance auf dem Weg zum besseren Menschen gewesen.
Das Problem ist allein die Durchführbarkeit, da die Konfiszierungsopfer nicht sofort die Ergebnisse solcher Vorgänge in Form ausreichender Warenversorgung gespürt hätten, bzw. sie andere Varianten der krankhaften Vorratswirtschaft gesucht und vielleicht auch gefunden hätten aber wie weit hätten die Kontrolleure dann mit dem erhöhten Ermittlungsaufwand gehen können, ohne selbst zu Verbrechern zu werden und was wäre geschehen, wenn sich das Hamsterkollektiv in eine Protestbewegung umgewandelt hätte ?
Zu frisch war da wohl die Erinnerung an 1953, da wurden ja die Normen auch schon am Nachmittag des 17. Juni zurückgenommen, es wollte aber keiner mehr wissen, da es um etwas ganz anderes ging, aber das soll hier nicht das Thema sein, mir geht es nur um mögliche Sanktionsmaßnahmen.
Alles in allen kann man sagen, daß man möglicherweise aus Angst nicht qualifiziert und konzentriert genug an den Aufbau des Kommunismus herangegangen ist, zu Zeiten als das noch möglich war.



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#400

RE: Der Kommunismus / ein Verbrechen an der Menschheit?

in DDR Staat und Regime 23.11.2013 16:38
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Ich bin ja auch dafür das man den Kommunismus 2.0 noch einmal ausprobiert. Man sollte für dieses neue Experiment Land bereitstellen, freiwillige Probanden rekrutieren, Gelände gut abzäunen, Anfangsfinanzierung und dann kann es los gehen. Fähige Personalchefs sollten in der Lage sein geeignete Propanden auszuwählen. Eine teilweise laufende Finanzierung könnte man über so etwas wie Big Brother gewährleisten. Dafür würde ich sogar ein Paysender abonieren. Für Zweifler könnte man Schnupperkurse über Neckermann organisieren.
Ist ja sicher interessant und für eine gute Sache.


zuletzt bearbeitet 23.11.2013 16:41 | nach oben springen



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