#81

RE: Schatten der Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.07.2009 00:52
von Rainman2 | 5.761 Beiträge

Hallo zusammen,

nicht nur GW ist bissig. Ich bin es auch langsam. Die Stärke dieses Forums WAR es mal, dass mehr Geschichten erzählt wurden, als Wertungen verteilt. Das war bisweilen auch eine Toleranzübung, eine sehr wertvolle übrigens, wie ich in Eisenach bei unserem Treffen erfahren durfte. Leider entfernen wir uns in den Threads vor allem über die Stasi-Vergangenheit immer mehr davon. Ich meine, wer etwas weiß, soll etwas sagen. Wer etwas zu wissen glaubt, soll es so sagen, dass man Wissen von Glauben unterscheiden kann. Wer etwas nachfragen will, fragt nach. Wer eine Quelle findet, stellt sie zur Verfügung. Wer Spuren findet, zeigt sie. So können Diskussionen für Leute, die etwas über die Vergangenheit erfahren wollen, interessant bleiben. Alles andere macht die Sache auf die Dauer langweilig und ärgerlich.

Noch halte ich diesen Hinweis allgemein. Wenn jetzt einer zu sich sagt: "Aber der andere hat doch angefangen", dann fühle er sich mit meiner folgenden Antwort angesprochen: "Genau das und Dich meine ich."

Moin - ich muss ins Bett.
ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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#82

RE: Schatten der Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.07.2009 01:48
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Ich bin der Meinung,bissig muß keiner werden.Aber man sollte sich in den Diskussionen und was hier geschrieben wird gegenseitig akzeptieren auch wenn es schmerzlich ist.Aber in erster Linie,sollten wir uns als Menschen sehen auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.
Ich sagte es schon mal--lieber eine vernünftige Diskussion führen,als sich Knüppel in den Weg werfen.
Ob nun einer angefangen hat oder nicht,das spielt doch keine Rolle.Spielen tut das,das wir uns als Mensch --achten und repektieren.


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#83

RE: Schatten der Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 14.07.2009 11:38
von dein1945 (gelöscht)
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[quote="Rostocker"]Ich bin der Meinung,bissig muß keiner werden.
Hallo Rostocker und rainman,
dem kann ich nur Zustimmen, alle sollten sich an das halten, was sie selbst erlebt haben, so habe ich das Forum eigentlich gesehen. Sind es keine eigenen Erlebnisse kann ich auch mal googl. Aus dem STASI Tread halte ich mich deshalb schon raus, ich habe da nur das berichtet, was ich aus Erzählungen anderer weis, die Personen waren absulut glaubwürdig. Hier habe ich oft den Eindruck das mit Halbwahrheiten opperiert wird.
Noch einen schönen Tag aus Berlin


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#84

RE: Schatten der Vergangenheit

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 07.04.2014 00:45
von Gelöschtes Mitglied
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Hallo manudave!

Die Seiten sind so unterschiedlich nicht. Bezogen auf die damalige Zeit, habe ich mal alles dick markiert.
Das bedeutet jedoch NICHT!!! daß ich das Verhalten hier wie dort in irgendeiner Weise rechtfertige. Ganz im Gegenteil! Aber man sollte IMMER beide Seiten der Medaille sehen !

Schöne Grüße,
Eckhard


manudave:
Hier mal ein paar Beispiele für Haftgründe:

Mai 1952 – Schauprozess mit Todesurteil gegen die Christdemokraten
Johann Muras und Ernst Wilhelm, die man –
ohne jeden Tatbeweis – bereits auf einer 1.-Mai-Demonstration
des Totschlages an einem Gewerkschaftsfunktionär
bezichtigte, der offenbar jedoch einem Herzinfarkt erlag.
(Hmm.... offensichtlich kann die Hummel nicht fliegen ....)

März 1953 wurde ein Maschinenschlosser inhaftiert und
verurteilt zu vier Jahren Zuchthaus. Er hat laut Stasi „in
Ellrich die Ehrenwache aus Anlaß des Todes des Genossen
Stalin belästigt und sagte ‚mit dem Gewehrkolben müssten
sie eins über den Kopf bekommen
ú. Weiterhin machte er
unflätige Äußerungen über das Leben Stalins.“
(Was glaubst Du, was der mit gleicher Handlung vor einem Besatzungsobjekt im Westen erhalten hätte? Am besten noch mit kommunistischem "Hintergrund", in der McCathy Ära!)


Mai 1953 – Schauprozess gegen sieben Bauern wegen
„Widerstands gegen die Kollektivierung der Landwirtschaft“
mit zwei Strafurteilen auf Lebenslänglich gegen zwei
Bauern, die „den Parteifunktionär Hübel wegen seines aktiven
Eintretens für die sozialistische Entwicklung in der
Landwirtschaft überfallen“ hätten.
(Was glaubst Du, was die mit gleicher Handlung an einem Besatzerlakaien im Westen erhalten hätten? Am besten noch mit kommunistischem "Hintergrund", in der McCathy Ära!)


Juni 1953 erfolgten viele Inhaftierungen von protestierenden
Arbeitern des 17. Juni. Zuchthaus von 1½, 4 und 6
Jahren erhielten z.B. die drei Wortführer der streikenden
Belegschaft des Weimar-Werkes. Ein Pfarrer, der schon in
der Vorwoche politische Forderungen formuliert hatte, musste
bis 1956 ins Zuchthaus. Insgesamt inhaftierten Erfurter
Stasi-Mitarbeiter 204 „Provokateure“, von denen 112 länger
in der Erfurter Stasi-Untersuchungs-Haft eingesperrt waren.
(Hier erhielten Kommunisten Berufsverbote, was einer gesellschaftlichen und ökonomischen Ächtung entsprach.)

September 1955 wurde ein Bahnrangierer verurteilt zu vier
Jahren Zuchthaus wegen „Verbreitung tendenziöser Gerüchte
und Auflehnung gegen Maßnahmen der Regierung der
DDR“. „Er hetzte im April 1955 die Belegschaft des Bahnhofs
Nordhausen auf, den neueingeführten Schichtplan durch die
Regierung der DDR nicht durchzuführen
und machte verschiedene
hetzerische Äußerungen.“
(Hier erhielten Kommunisten Berufsverbote, was einer gesellschaftlichen und ökonomischen Ächtung entsprach.)


1957 wurde ein Erfurter Optima-Arbeiter ins Stasi-Gefängnis
gebracht und zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er hatte – wie
es auch wörtlich im Urteil hieß – den 17. Juni 1953 als
Arbeiteraufstand bezeichnet, den Ungarnaufstand 1956
begrûßt und politische Witze ûber SED-Chef Ulbricht erzählt
(Hier wurden FDJ Mitglieder verfolgt und beim Besuch des Jugendfestivals in der DDR krankenhausreif geprügelt.)

1959 ff. wurden mehrere Menschen festgenommen, verhört
und ins Gericht geführt, weil sie Freunde und Nachbarn einluden,
die ersten Fernsehapparate mitzunutzen. Funktionäre,
Stasi-Mitarbeiter und Richter sahen nämlich im „organisierten
Westfernsehen
“ eine staatsbedrohliche Handlung
(wiederum siehe Berufsverbote für Andersdenkende in der BRD.)


1961 fand im benachbarten Bezirksgericht ein Spionage-
Schauprozess gegen Manfred Smolka statt, dessen Todesurteil
schon im Vorfeld von Ulbricht „aus erzieherischen Gründen“
festgelegt war. Smolka war als ehemaliger Grenzpolizist in den
Westen geflohen und wurde verhaftet, als er seine Familie
nachholen wollte. Der Vorwurf: Smolka hätte angeblich auch
eine sowjetische Gasmaske bei sich gehabt, um westliche
Militärstellen darûber zu informieren.
Allein im Jahr 1962 befanden sich in der Erfurter Stasi-Haft
mehr als 50 Menschen, die die Stasi-Verantwortlichen wegen
„Staatsverleumdung“ verhörten und zumeist auch verurteilen
ließen. Offenen Protest wagte zu dieser Zeit kaum noch ein
Bûrger, so dass zumeist Flugblätter mit SED-Kritik oder denunzierte
Privatgespräche zu Ausgangspunkten dieser Strafverfahren
wurden.
(Alles was sich im Dunstkreis der "Spionage" befand, wurde hier wie dort "gesondert" behandelt. Und über des Tischlers "Rechtsverständnis", brauchen wir hier nicht diskutieren. Besondes in diesem Falle. )
.......

1977 kam es in Altenburg zu mehreren Verhaftungen
und zur Verurteilung eines jugendlichen Bauarbeiters zu 9
Monaten, weil er Polizisten beschimpft hatte. 1978 wurden
Jugendliche wegen „asozialen Verhaltens“ und „Rowdytum“
inhaftiert und bestraft, weil sie beim IGA-Pressefest
auf den Grûnflächen kampiert und Verbote ignoriert hatten
(Diesen Straftatbestand gibt es hier auch. Beamtenbeleidigung, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung ...... usw. usf.)


1981 wurde ein Erfurter von der Staatssicherheit festgenommen
und später wegen „Beeinträchtigung staatlicher
Tätigkeit“ verurteilt. Die „Beeinträchtigung“ lag
darin, dass er nach langer Hinhaltetaktik von der
Stadtverwaltung eine schriftliche Antwort auf die
Ausreiseanträge gefordert und andernfalls einen öffentlichen
Hungerstreik
angedroht hatte.
(hier würde man es auch zu der Zeit als "Erpressung" von Behördenmitarbeitern gesehen haben und ggf. noch andere Aktivitäten entwickelt hätte. Wenn es auch nicht diesen "Tatbestand" gab, sondern ggf. um andere behördliche Maßnahmen ging..)

1982 wurde ein junger Christ wegen “Wehrdienstverweigerung
eingesperrt. In den Haftzellen begegnete er
mehreren jungen Männern mit dem gleichen Haftgrund,
die wie er verhört wurden und später vor Gericht kamen.
Nach seiner Verurteilung musste er im Strafvollzug
schwere und gefährliche Arbeiten verrichten.
(Zitat Wiki: Am 7. September 1964 ordnete der Nationale Verteidigungsrat die Aufstellung von sogenannten Baueinheiten im Bereich des Ministeriums für Nationale Verteidigung an (GBl. d. DDR Teil I Nr. 11 vom 16. September 1964 [Ausgabetag], S. 129). Diese „Bausoldaten“ mussten keinen Waffendienst leisten, sondern wurden innerhalb der NVA unter anderem als Gärtner, Krankenpfleger oder bei Bauvorhaben eingesetzt.)

(BRD Wehrpflichtgesetz 21. Juli 1956 in § 25) (Und lt. Wiki: Die Totalverweigerung ist in Deutschland kein eigener als solcher benannter Straftatbestand. Sie gilt juristisch dennoch als strafrechtlich relevant und wird vor Gericht meist unter der Anklage der Dienstflucht (bei Verweigerung des Zivildienstes) oder Gehorsamsverweigerung verhandelt. Im letzteren Falle kommt es selten vor, dass die einzelnen Gehorsamsverweigerungen getrennt verurteilt werden.)
......


zuletzt bearbeitet 07.04.2014 12:13 | nach oben springen



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