#141

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 14:43
von Jobnomade | 1.380 Beiträge

Nachdem das Thema "Grenzdienst und Schiessbefehl" hier mal wieder hochgekocht ist - hier ein paar Gedanken von mir.
Zunächst: den Beträgen von Grenzwolf, utkieker und Rüganer zu dem Thema schliesse ich mich an.

Ich bin als 25-jähriger, verheiratet und nach Studienabschluss, Grenzsoldat geworden. Wehrpflicht, 18 Monate.
Ich brauchte nie im Grenzdienst zu schiessen - zum Glück. Und so ging es den meisten von uns.
Das typpische Bild eines Grenzverletzters, das uns durch die Vorgesetzten vermittelt wurde, war so ein Fall eines flüchtigen, bewaffneten Verbrechers a la Weinhold.
Ist ein Soldat typischerweise bereit, potentiell auf einen Schwerbewaffneten zu schiessen ?
Oder wartet er, bis der andere zuerst schiesst ?
Mag sich jeder - auch ungedienter - die Frage selbst beantworten.
Wem der juristische Sachverhalt nicht klar ist, möge sich bitte mit dem Thema Notwehr befassen.
Zum Schiessen auf Entfernungen, "in die Beine zielen" etc. ist auch genug geschrieben worden. Wer meint, dass er unter Stress, Aufregung, Angst, Zeitdruck, bei Dunkelheit auf 100...200 Meter Entfernung mit einer Kalaschnikov im Einzelfeuer zielgerichtet nach Verfolgungsjagd die Beine eines Flüchtenden trifft, ist ein ausgezeichneter, professioneller Schütze und erstklassiger Sportler. Waren wir aber nicht alle.
Zu unserem Glück (und ich spreche hier im Namen der ehemaligen wehrpflichtigen Grenzer) gab es im Hinterland des Grenzgebietes eine aufmerksame Polizei, Grenzhelfer, Transportpolizei auf den Zügen Richtung Grenzgebiet und vieles mehr, so dass die meisten potentiellen Flüchtlinge gar nicht bis zur Grenze gekommen sind. Schlecht für alle Fluchtwilligen - gut für die Grenzer, denen Stress und Konflikte erspart blieben.
Das Regime der DDR, das Einsperren des eigenen Volkes, das mangelnde Vertrauen, den harschen Umgang mit Kritikern - wird kaum einer gutheissen. Als junger Mensch damals, der in diesem Land aufgewachsen war und gar nichts anderes kannte, haben das jedoch viele von uns als normal hingenommen.
Hier habe ich mal aufgeschrieben, welche Gedanken mir damals an der Grenze so durch den Kopf gegangen sind:
Ein Sommertag in der Rhön
Die Reaktionen vieler Forumsteilnehmer auf diesen Beitrag haben mir gezeigt, das sie diese Gedanken nachvollziehen können.

Gruss Hartmut


u3644_Jobnomade.html
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zuletzt bearbeitet 11.11.2013 14:54 | nach oben springen

#142

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 15:04
von DoreHolm | 7.695 Beiträge

Zitat von Jobnomade im Beitrag #141
Nachdem das Thema "Grenzdienst und Schiessbefehl" hier mal wieder hochgekocht ist - hier ein paar Gedanken von mir.
Zunächst: den Beträgen von Grenzwolf, utkieker und Rüganer zu dem Thema schliesse ich mich an.

Ich bin als 25-jähriger, verheiratet und nach Studienabschluss, Grenzsoldat geworden. Wehrpflicht, 18 Monate.
Ich brauchte nie im Grenzdienst zu schiessen - zum Glück. Und so ging es den meisten von uns.
Das typpische Bild eines Grenzverletzters, das uns durch die Vorgesetzten vermittelt wurde, war so ein Fall eines flüchtigen, bewaffneten Verbrechers a la Weinhold.
Ist ein Soldat typischerweise bereit, potentiell auf einen Schwerbewaffneten zu schiessen ?
Oder wartet er, bis der andere zuerst schiesst ?

Mag sich jeder - auch ungedienter - die Frage selbst beantworten.
Wem der juristische Sachverhalt nicht klar ist, möge sich bitte mit dem Thema Notwehr befassen.
Zum Schiessen auf Entfernungen, "in die Beine zielen" etc. ist auch genug geschrieben worden. Wer meint, dass er unter Stress, Aufregung, Angst, Zeitdruck, bei Dunkelheit auf 100...200 Meter Entfernung mit einer Kalaschnikov im Einzelfeuer zielgerichtet nach Verfolgungsjagd die Beine eines Flüchtenden trifft, ist ein ausgezeichneter, professioneller Schütze und erstklassiger Sportler. Waren wir aber nicht alle.
Zu unserem Glück (und ich spreche hier im Namen der ehemaligen wehrpflichtigen Grenzer) gab es im Hinterland des Grenzgebietes eine aufmerksame Polizei, Grenzhelfer, Transportpolizei auf den Zügen Richtung Grenzgebiet und vieles mehr, so dass die meisten potentiellen Flüchtlinge gar nicht bis zur Grenze gekommen sind. Schlecht für alle Fluchtwilligen - gut für die Grenzer, denen Stress und Konflikte erspart blieben.
Das Regime der DDR, das Einsperren des eigenen Volkes, das mangelnde Vertrauen, den harschen Umgang mit Kritikern - wird kaum einer gutheissen. Als junger Mensch damals, der in diesem Land aufgewachsen war und gar nichts anderes kannte, haben das jedoch viele von uns als normal hingenommen.
Hier habe ich mal aufgeschrieben, welche Gedanken mir damals an der Grenze so durch den Kopf gegangen sind:
Ein Sommertag in der Rhön
Die Reaktionen vieler Forumsteilnehmer auf diesen Beitrag haben mir gezeigt, das sie diese Gedanken nachvollziehen können.

Gruss Hartmut



Rot: Mit dem Hintergrundwissen zum Fall Weinhold wird sich der Anteil derer, die in einem solchen Fall als erste schießen würden, ganz sicher deutlich erhöht haben. Ich zähle mich auch dazu, wenn ich mich zurück in eine solche Situation versetzen könnte.
Sind zwar nur "Filme", die Krimis, wo der/die Überfallene, zwar eine Pistole in der Hand haltend, aber sich diese entwenden lassend, was mir nur ein Kopfschütteln abverlangt. Sich hier nicht trauen, heißt sein eigenes Leben auf´s Spiel zu setzen, damit einem Verbrecher ja kein Leid geschehe.



zuletzt bearbeitet 11.11.2013 15:05 | nach oben springen

#143

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 15:29
von Rüganer (gelöscht)
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Schon wieder gleitet alles in theoretische Diskussionen ab...
dabei ist diese Schei... so ernst. Wie viele derer, die da rüber wollten, trugen denn eine Waffe?
gibt es darüber eine Statistik? Mir persönlich ist nur einer bekannt....
War es nicht eher so, dass man uns nur mit denjenigen, die bei CA geflüchtet waren, Angst gemacht hat und dass nur von denen echte Gefahr gedroht hätte? Weinhold, lieber Dore war nach Deiner Zeit in Berlin, vor dem kannst Du dich nicht gefürchtet haben....


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#144

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 16:03
von utkieker | 2.920 Beiträge

Zitat von studfri im Beitrag #134
Mal abgesehen vom Militärischen, @Rüganer, wenn man das alles liest, dann kommt es einem doch etwas seltsam vor, dass dieser Staat damals sich immer als "Arbeiter- und Bauernmacht" bezeichnete und wohl auch verstand. Für mich bedeutet das, dass es diesem Staat besonders um die Sorge für diese Bevölkerungsgruppen ging. Was Du da aber schilderst (und ich lese sowas ja an vielen Stellen hier nicht nur von Dir), da mutet einem das eher als das genau Gegenteil an.



Hallo @studfri

mit ihrem Offiziersdünkel und dem Kasernenhofdrill lag die NVA/ GT der DDR dem preußischen Militarismus sehr nahe. Lediglich das Offizierskorp wurde nicht mehr traditionsgemäß durch den Adel bestimmt. Durch die stalinistische Usurpation der russischen Revolution wurden auf den Bajonetten der Roten Armee ein vulgärer "Sozialismus" in den Osten Deutschlands hinein getragen. Eine Revolution wie 1918 sollte durch die Alliierten verhindert werden. Die Rote Armee, welche zuvor den Faschismus erfolgreich zerschlagen hatte, wäre auch in der Lage gewesen den Sozialismus in der damaligen Sowjetunion vom Kopf auf die Beine zu stellen. Das Wirken der Antifa- Komitees nach 1945 wurde durch die Alliierten in Ost und West eingedämmt und beschränkt.
Arbeiter und Bauern waren nicht wirklich die Herrscher im Osten Deutschlands aber die Parteibürokratie dafür der Geschäftsführer der "neuen Ordnung". Die DDR hatte sicherlich ein Recht sich zu verteidigen. Aber der Unterhalt eines stehenden Heeres ist teuer und ist eher ein Übel als eine langfristige Lösung. Genauso verhält es sich mit den pioniertechnischen Ausbau der Staatsgrenze. Wenn man schon auf Mauer und stehenden Heer zurückgreift, so kann man es nicht auf die Dauer beweihräuchern sondern sollte sich darüber Gedanken machen, die beides überflüssig macht. Mauer und Streckmetallzaun standen ja zudem für die Beschränkung bürgerlicher Freiheiten (Reisefreiheit).

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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zuletzt bearbeitet 11.11.2013 16:04 | nach oben springen

#145

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 16:42
von damals wars | 12.149 Beiträge

Die Reisefreiheit war sicher keine traditionelle bürgerliche Freiheit,sondern ist eine recht neue Erfindung.
Die im wesentlichem als Kampfbegriff gegen den Sozialismus missbraucht wurde. Wo ist die Reisefreiheit für Asylbewerber( Residenzpflicht!)
für die Flüchtlinge aus Syrien (die werden doch wie Kartoffeln genau abgezählt), und die Reisefreiheit für unsere afghanischen Askaris.
http://www.tagesspiegel.de/politik/afgha...er/8898482.html


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#146

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 17:15
von DoreHolm | 7.695 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #143
Schon wieder gleitet alles in theoretische Diskussionen ab...
dabei ist diese Schei... so ernst. Wie viele derer, die da rüber wollten, trugen denn eine Waffe?
gibt es darüber eine Statistik? Mir persönlich ist nur einer bekannt....
War es nicht eher so, dass man uns nur mit denjenigen, die bei CA geflüchtet waren, Angst gemacht hat und dass nur von denen echte Gefahr gedroht hätte? Weinhold, lieber Dore war nach Deiner Zeit in Berlin, vor dem kannst Du dich nicht gefürchtet haben....



Rüganer, Du hast hier in mein Geschriebenes etwas hineininterpretiert, was ich nicht ausgedrückt und auch nicht geschrieben habe, wenn Du es in Verbindung zu dem bringst, was ich zitiert habe.



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#147

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 17:47
von utkieker | 2.920 Beiträge

Die meisten im Dienst getöteten Grenzsoldaten starben durch den Einsatz von Schußwaffen. Seidel und Lange durch Schüsse vom Mörder Weinhold. Egon Schultz starb im Crossfire ohne selbst geschossen zu haben. Rudi Arnstadt wurde durch den BGS- Beamten P. getötet. Alle möglichen Konstellationen waren denkbar, wie das junge Leben von Grenzsoldaten ausgelöscht wurde.
Wieviel bewaffnete GV's es wirklich gegeben hat entzieht sich meiner Kenntnis und wieviele haben sie nicht angewendet, weil sie Skrupel hatten oder schon vorher gefasst wurden oder auch getötet?

Gruß Hartmut!


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#148

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 18:11
von Rüganer (gelöscht)
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Zitat von damals wars im Beitrag #145
Die Reisefreiheit war sicher keine traditionelle bürgerliche Freiheit,sondern ist eine recht neue Erfindung.
Die im wesentlichem als Kampfbegriff gegen den Sozialismus missbraucht wurde. Wo ist die Reisefreiheit für Asylbewerber( Residenzpflicht!)
für die Flüchtlinge aus Syrien (die werden doch wie Kartoffeln genau abgezählt), und die Reisefreiheit für unsere afghanischen Askaris.
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Wieder das übliche Gehetze......... mir ist nicht bekannt, dass die erwähnten Leute alle nicht aus ihren Ländern raus dürfen..... hält man die auch an deren Grenzen fest???
Ja und warum war die Reisefreiheit keine traditionelle bürgerliche Freiheit? Na? weil schon unter dem Kaiser die Menschen reisen konnten, wohin sie wollten, da war dies gar kein Thema, dies haben erst die von dir so hochverehrten Roten hier in Deutschland erfunden, wenn man mal kurzzeitig von den Beschränkungen der Besatzer absieht.


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#149

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 18:17
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #145
Die Reisefreiheit war sicher keine traditionelle bürgerliche Freiheit,sondern ist eine recht neue Erfindung.
Die im wesentlichem als Kampfbegriff gegen den Sozialismus missbraucht wurde. Wo ist die Reisefreiheit für Asylbewerber( Residenzpflicht!)
für die Flüchtlinge aus Syrien (die werden doch wie Kartoffeln genau abgezählt), und die Reisefreiheit für unsere afghanischen Askaris.
http://www.tagesspiegel.de/politik/afgha...er/8898482.html



@damals wars , du bist aber nicht ausreichend informiert. Asylbewerber können jederzeit ausreisen, etwas wovon DDR Bürger nur träumen konnten.
Solange sie aber vom deutschenStaat alimentiert werden und das Asylverfahren bearbeitet wird, haben sie mit Einschränkungen zu rechnen.Diese können sie aber jederzeit unterbrechen, wie ? siehe oben.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
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#150

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 18:41
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von utkieker im Beitrag #147
Die meisten im Dienst getöteten Grenzsoldaten starben durch den Einsatz von Schußwaffen. Seidel und Lange durch Schüsse vom Mörder Weinhold. Egon Schultz starb im Crossfire ohne selbst geschossen zu haben. Rudi Arnstadt wurde durch den BGS- Beamten P. getötet. Alle möglichen Konstellationen waren denkbar, wie das junge Leben von Grenzsoldaten ausgelöscht wurde.
Wieviel bewaffnete GV's es wirklich gegeben hat entzieht sich meiner Kenntnis und wieviele haben sie nicht angewendet, weil sie Skrupel hatten oder schon vorher gefasst wurden oder auch getötet?

Gruß Hartmut!

@utkieker ich finde deine Darstellung etwas einseitig, tendenziös. Rudi Arnstadt ist in einer Situation ums Leben gekommen, die er selbst durch Provokation herbeigeführt hat.Aber die genauen Umstände werden wohl nie geklärt, weil sich die Aussagen Ost/West nicht decken. Er hat sich die falschen "Gegner" für seine Machtspielchen ausgesucht, sie waren bewaffnet und keine Flüchtlinge. Soweit ich weiss ist es nie wieder zu einem Schusswechsel zwischen BGS und Grenztruppen gekommen. Auch Weinhold ist kein "klassischer" Flüchtling sondern ein bewaffneter Deserteur ähnlich gefährlich wie die vielen Russen. Sie hatten alle nichts mehr zu verlieren und das machte sie gefährlich. Ich habe eigentlich nie davon gehört, dass Republikflüchtlinge bewaffnet waren. Ich selbst habe bei meiner Flucht genau darauf geachtet, welche Gegenstände ich mitführe.Auf keinen Fall ein Messer oder ähnliche Stichwaffen, weil ich wusste es wird ein furchtbarer Prozess vor dem Volksgericht, wenn man mir einen bewaffneten Grenzdurchbruch anhängen will.


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#151

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 18:58
von Rüganer (gelöscht)
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[quote=Gert|
@utkieker ich finde deine Darstellung etwas einseitig, tendenziös. Rudi Arnstadt ist in einer Situation ums Leben gekommen, die er selbst durch Provokation herbeigeführt hat.Aber die genauen Umstände werden wohl nie geklärt, weil sich die Aussagen Ost/West nicht decken. Er hat sich die falschen "Gegner" für seine Machtspielchen ausgesucht, sie waren bewaffnet und keine Flüchtlinge. Soweit ich weiss ist es nie wieder zu einem Schusswechsel zwischen BGS und Grenztruppen gekommen. Auch Weinhold ist kein "klassischer" Flüchtling sondern ein bewaffneter Deserteur ähnlich gefährlich wie die vielen Russen. Sie hatten alle nichts mehr zu verlieren und das machte sie gefährlich. Ich habe eigentlich nie davon gehört, dass Republikflüchtlinge bewaffnet waren. Ich selbst habe bei meiner Flucht genau darauf geachtet, welche Gegenstände ich mitführe.Auf keinen Fall ein Messer oder ähnliche Stichwaffen, weil ich wusste es wird ein furchtbarer Prozess vor dem Volksgericht, wenn man mir einen bewaffneten Grenzdurchbruch anhängen will.

[/quote]


Gert,

ich habe zumindest mal einen bewacht, der von ablösenden Posten in einem Graben liegend, gefunden, vorläufig festgenommen und der dann auf dem Dammweg in Berlin liegend, auf die Volkspolizei warten musste. Der Junge hatte eine Pistole bei sich, woher und Details sagte er damals nicht, als der Kommandeur Grenzssicherung das Ding bei der Durchsuchung bei ihm fand. Er hat die ganze Zeit auch keine Anstalten gemacht, das Ding irgendwie zu benutzen, er hätte das Überraschungsmoment au seiner Seite gehabt. Ansonsten weiß ich auch nichts über bewaffnete Grenzverletzer. So einfach war es ja nun nicht, an etwas Schießbarem heranzukommen.
Weinhold - es gibt doch ellenlange Threads hier und anderswo. Wimre habe ich einmal gelesen, dass jemand live dabei gewesen ist, in der Kompanie, die da zur Sicherung lag und der sehr kritisch über diese ganzen Dinge berichtete. Übermüdete Soldaten, die dazu auch noch schlecht behandelt wurden, massenhafte Fehler bei der Fahndung nach Weinhold, letztendlich sollten sich kommandierende Offiziere und Entscheidungsträger für den tragischen Tod der beiden Grenzer verantwortlich fühlen, die solch einen Mord erst durch ihre Unfähigkeit ermöglicht haben.


Gert und Jobnomade haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#152

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 23:03
von utkieker | 2.920 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #150
Zitat von utkieker im Beitrag #147
Die meisten im Dienst getöteten Grenzsoldaten starben durch den Einsatz von Schußwaffen. Seidel und Lange durch Schüsse vom Mörder Weinhold. Egon Schultz starb im Crossfire ohne selbst geschossen zu haben. Rudi Arnstadt wurde durch den BGS- Beamten P. getötet. Alle möglichen Konstellationen waren denkbar, wie das junge Leben von Grenzsoldaten ausgelöscht wurde.
Wieviel bewaffnete GV's es wirklich gegeben hat entzieht sich meiner Kenntnis und wieviele haben sie nicht angewendet, weil sie Skrupel hatten oder schon vorher gefasst wurden oder auch getötet?
Gruß Hartmut!

@utkieker ich finde deine Darstellung etwas einseitig, tendenziös. Rudi Arnstadt ist in einer Situation ums Leben gekommen, die er selbst durch Provokation herbeigeführt hat.Aber die genauen Umstände werden wohl nie geklärt, weil sich die Aussagen Ost/West nicht decken. Er hat sich die falschen "Gegner" für seine Machtspielchen ausgesucht, sie waren bewaffnet und keine Flüchtlinge. Soweit ich weiss ist es nie wieder zu einem Schusswechsel zwischen BGS und Grenztruppen gekommen. Auch Weinhold ist kein "klassischer" Flüchtling sondern ein bewaffneter Deserteur ähnlich gefährlich wie die vielen Russen. Sie hatten alle nichts mehr zu verlieren und das machte sie gefährlich. Ich habe eigentlich nie davon gehört, dass Republikflüchtlinge bewaffnet waren. Ich selbst habe bei meiner Flucht genau darauf geachtet, welche Gegenstände ich mitführe.Auf keinen Fall ein Messer oder ähnliche Stichwaffen, weil ich wusste es wird ein furchtbarer Prozess vor dem Volksgericht, wenn man mir einen bewaffneten Grenzdurchbruch anhängen will.



Einseitig? Tendenziös? Wahrscheinlich, weil ich deine Kommentierung nicht benutze! Zumindestens habe ich deine Fakten noch nicht mal wiedersprochen warum auch? Auch wenn du, wie viele andere Flüchtende unbewaffnet warst, werden die Fragen (rot eingefärbt) doch wohl erlaubt sein!

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#153

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 23:21
von studfri | 762 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #145
Die Reisefreiheit war sicher keine traditionelle bürgerliche Freiheit,sondern ist eine recht neue Erfindung.
Die im wesentlichem als Kampfbegriff gegen den Sozialismus missbraucht wurde. Wo ist die Reisefreiheit für Asylbewerber( Residenzpflicht!)
für die Flüchtlinge aus Syrien (die werden doch wie Kartoffeln genau abgezählt), und die Reisefreiheit für unsere afghanischen Askaris.
http://www.tagesspiegel.de/politik/afgha...er/8898482.html


Du hast noch die mangelnde Reisefreiheit all derer vergessen, die gar nicht das Geld zum Reisen haben, Harz-4-Empfänger z.B.



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#154

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 23:22
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von utkieker im Beitrag #147
Die meisten im Dienst getöteten Grenzsoldaten starben durch den Einsatz von Schußwaffen. Seidel und Lange durch Schüsse vom Mörder Weinhold. Egon Schultz starb im Crossfire ohne selbst geschossen zu haben. Rudi Arnstadt wurde durch den BGS- Beamten P. getötet. Alle möglichen Konstellationen waren denkbar, wie das junge Leben von Grenzsoldaten ausgelöscht wurde.
Wieviel bewaffnete GV's es wirklich gegeben hat entzieht sich meiner Kenntnis und wieviele haben sie nicht angewendet, weil sie Skrupel hatten oder schon vorher gefasst wurden oder auch getötet?

Gruß Hartmut!


Wenn es nachts im Wald knackte, egal ob da Igel, Hauptmann oder GV war, da kam der "Kalte in die Kammer", also wurde durchgeladen und entsichert, jeder will einfach gesund heim und auf Nahdistanz hätte ich im Wald auch sofort ohne jeden Skrupel abgedrückt in Dauerfeuer ohne nachzudenken.
Aber so der, entschuldigt, laufende Keiler auf 100m, das wollte keiner haben.


Jobnomade hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.11.2013 23:34 | nach oben springen

#155

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 23:41
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von Rüganer im Beitrag #148
Ja und warum war die Reisefreiheit keine traditionelle bürgerliche Freiheit? Na? weil schon unter dem Kaiser die Menschen reisen konnten, wohin sie wollten, da war dies gar kein Thema, dies haben erst die von dir so hochverehrten Roten hier in Deutschland erfunden, wenn man mal kurzzeitig von den Beschränkungen der Besatzer absieht.

Iss vielleicht bissel oT und och noch etwas rethorisch dazu die Frage, aber warum nochmal ist ein Schuster als Hptm.v.Köpenik losgezogen?

So und jetzt wirklich CTRL-Z, logoff & GN8


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


utkieker hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.11.2013 23:42 | nach oben springen

#156

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 23:51
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Weil er als Assi einen PM12 hatte.


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#157

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 11.11.2013 23:54
von ABV | 4.202 Beiträge

Zumindest in einem Fall, waren zwei "Grenzverletzer" mit Messern bewaffnet. Während meiner Anfangszeit bei der VP, im Februar 1986, wurden in der Leipziger Straße in Berlin, unweit vom "Checkpoint Charly", zwei Passanten von einem Posten des " Wachkommando Missionschutz" kontrolliert. Weil die beiden widersprüchliche Angaben zu ihrem Aufenthalt in der Hauptstadt und in der Nähe der Grenze machten, rief der Posten über Funk einen Streifenwagen hinzu. Die Besatzung des Streifenwagens verbrachte die beiden Passanten zur "Wache Mitte". Ohne diese vorher zu durchsuchen! Erst auf der Wache erfolgte ein erstes "Abklopfen". Groß war der Schreck, als plötzlich zwei Messer, mit beachtlicher Klingenlänge, zum Vorschein kamen. Bei der anschließenden Vernehmung räumten beide ein, dass sie nach Westberlin "abhauen" wollten. Der Vorfall wurde am nächsten Tag groß ausgewertet. Die Streifenwagenbesatzung bekam eins auf den Deckel.
Offenbar hatten die beiden verhinderten Grenzverletzer aber nicht vor, die mitgeführten Messer auch einzusetzen. Sonst wäre es der Streifenwagenbesatzung wohl übel ergangen.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


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#158

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 12.11.2013 00:02
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Die Vernehmer waren wirklich gut. Mich wollten die Genossen mal 3Stunden lang davon überzeugen , das ich stiften gehen wollte. Dabei habe ich nur mal durch eine Sichtblende Richtung Westberlin schauen wollen. Nach 30sec. saß ich im Lada und dann 3h auf dem Polizeirevier 1 in der Friedrichstrasse.


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#159

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 12.11.2013 00:04
von utkieker | 2.920 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #145
Die Reisefreiheit war sicher keine traditionelle bürgerliche Freiheit,sondern ist eine recht neue Erfindung.
Die im wesentlichem als Kampfbegriff gegen den Sozialismus missbraucht wurde. Wo ist die Reisefreiheit für Asylbewerber( Residenzpflicht!)
für die Flüchtlinge aus Syrien (die werden doch wie Kartoffeln genau abgezählt), und die Reisefreiheit für unsere afghanischen Askaris.
http://www.tagesspiegel.de/politik/afgha...er/8898482.html

Hier möchte ich doch mal eine Lanze für @damals wars brechen. Für Viele ist trotz Reisefreiheit, ein Paß ein nicht erschwingbarer Luxus. Und wenn jemand die berühmten Ausreisedokumente sein Eigen nennt verweigern, viele Staaten auch noch die nötigen Visa um in ein Land seiner Wahl einreisen zu dürfen.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
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#160

RE: Werde ich nie vergessen,diese Zeit!

in Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR 12.11.2013 00:14
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Das soll doch aber jetzt nicht die fehlende Reisefreiheit in der DDR rechtfertigen??? odääär?


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