#941

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 08.04.2014 21:37
von 94 | 10.792 Beiträge

Dazu benutze ich, wie allgemein üblich, die kursive Schrift.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#942

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.04.2014 12:21
von turtle | 6.961 Beiträge

Arbeitslager ,Arbeitserziehung, Zwangsarbeit nicht so einfach das Thema und DDR . Werkhöfe in der DDR ,kann man das vergleichen mit spezifischen Heimen in der BRD. Ich denke schon auch wenn das Wort "Erziehungsanstalt" nicht gern gehört wird. Ob nun Schläge im Namen des Herrn oder im Rahmen der sozialistischen Erziehung ,beides tat gleich weh. Das Arbeit mit zur Erziehung diente und so zur Normalität wurde betrifft auch beide deutschen Staaten. Selbst ich kenne es aus dem "normalem Kinderheim" in dem ich war das mit dem "Zwangsarbeiten" Nun mal bitte das Wort "Zwangsarbeiten" nicht überbewerten. Fakt ist regelmäßig mussten wir "Rübenverziehen" auf endlos langen Feldern der Paten LPG.Kartoffeln nach der Ernte nachlesen, oder sonst wo (Kuhstall, Schweinestall) mithelfen. Aber das nannte sich etwas später"Einführung in die sozialistische Produktion" Natürlich empfand ich das als Kind scheiße, spielen wäre besser gewesen . Als Steppke mussten wir auch noch auf den Feldern Kartoffelkäfer suchen, die der blöde Ami abgeschmissen hatte damit wir hungern müssen. Dafür hasste ich diesen blöden Ami. Lieber für den Frieden spalten sollte er sein Atom. Und so sangen wir Ami,Ami,go home, spalt für den Frieden dein Atom" Aber war das nun alles Zwangsarbeit ?
Später in meiner Haftzeit traf ich die zur AE (Arbeitserziehung) Verurteilten. Asoziale und Parasiten hatten im Staat DDR nicht so einfach wie heutzutage, Mein Mitleid mit diesen Personen war praktisch null. Die Arbeit zu meiner Haftzeit dürfte sich auch nicht wesentlich von der Arbeit in vielen Haftanstalten ob nun in der BRD oder DDR unterschieden haben. Als billige Arbeitskräfte mir sehr wenig Rechten wurden Häftlinge schon immer ausgenutzt. Es ist alles in allem nicht so einfach mit Zwangsarbeit, Arbeitslagern etc. und so wird es wie immer verschiedene Meinungen und Ansichten darüber geben. Wie es zur Ideologie passt wird es eben gesehen.


exgakl, ABV und grenzgänger81 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.04.2014 12:30 | nach oben springen

#943

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.04.2014 14:54
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von SET800 im Beitrag #914
Hallo,
ganz "boshaft" allgemein gefragt, war HSH in Einrichtung, Personal, Methoden und Verfahren vielleicht doch vorbildlich und angemessen? Ja die
Frage klingt schlimm, deshalb die Erklärung:

Entweder sieht man die Staatsbürgerpflicht der DDR seine Arbeitskraft im Lande einzusetzen als extremes Unrecht und verwerflich oder sieht es
begründet in der Souveränität des Staates als legitim, nötig und angemessen an.

Im zweiten Fall kann man HSH als effektive, diziplinierte und korrekte Umsetzung von Gesetzesvollzug ansehen.

Die volkswirtschaftliche Frage der Belastbarkeit durch "Organe" ist extra zu beantworten und welche Optionen gab es den Aufwand
zu verringern.



Der Analyst der sozialistischen Volkswirtschaft...
.


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#944

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.04.2014 15:06
von Barbara (gelöscht)
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Zitat von exgakl im Beitrag #916
die sogenannte Nasszelle (was ein herrlicher Ausdruck) wurde durch die Russen genutzt hat also nichts mit HSH als Untersuchungshaftanstalt des MfS zu tun...



Karsten, der Korrektheit halber:
das Bild entstammt lt. Bild-Unterschrift dem ehem. Frauengefängnis Hoheneck, im strengen Sinne gehört es also nicht in diesen Thread. Gleichwohl hat Bahndamm68 ja u.a. damit ziemlich emotional auf den vorherigen Beitrag reagiert, was ich ziemlich gut verstehen kann ob der Unsäglichkeit des dort eingestellten Inhalts.
In Hoheneck wurde lt. diversen Zeitzeugenaussagen, (die garantiert schon x-mal in diesem Forum verlinkt wurden), diese Art "Bestrafung/Disziplinierung" genutzt, was definitv schändlich ist, egal durch wen sie initiiert wurde.
:-)
.


Gert und Holtenauer haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#945

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.04.2014 15:15
von Gelöschtes Mitglied
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Schaut Euch die Räumlichkeiten an, dann erspar ich mir die Schreiberei[
Nun dürfte es ein Unding sein, sich heute durch einfaches Betrachten der Räumlichkeiten den seit 1990 veränderten Zustand zu erschließen. Also was konkret unterscheidet den heute präsentierten Zustand der Weichzelle von dem im Jahre 1990 Deines Wissens nach? Über die Funktion einer Weichzelle (auch Tobzelle, im Osten 'Beruhigungsverwahrraum' genannt), oder besser gesagt über die Wirksamkeit streiten auch heute noch Kapazitäten, würde jetzt aber zuweit vom Thema führen. Nur soviel, eine Weichzelle stellt eine sinnvolle Alternative dar zur starken medikamentösen Sedierung zum Beispiel bei kaltem Entzug.[/quote]

Zum Ersten von 1990:
Da war noch die Original-Beleuchtung drin, hell erleuchtet – heute ganz anders.
2.
Wie kommst Du zu den Begriff, „Weichzelle“,
Ich habe die Zelle mit Hartgummi gesehen, fast hätte ich geschrieben erlebt, war aber nicht inhaftiert. Die Hartgummi mit dem Daumen eindrücken war fast unmöglich – sehr sehr hart. Was ich aber gesehen habe waren faustgroße Vertiefungen und das an mehreren Stellen. Hat man das aus Langeweile erstellt oder war das Verzweiflung, war das sogar Terror. Ich war nicht dabei, ich habe es nur gesehen und das machte mich nachdenklich, wie man Menschen gefoltert haben muss und das im 20.Jahrhundert.
Effektiv kann nur der Mensch darüber reden und schreiben, der es erlebt hat.
Ich habe es 1990 gesehen.


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#946

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.04.2014 17:18
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat
Wie kommst Du zu den Begriff, „Weichzelle“,

Na da wollte ich einmal möglichst unverfänglich in der Begrifflichkeit antworten und nutze die aktuell politisch korrekte Bezeichnung und nun? Ach was soll's ...
(Achtung, ich zitiere!)
Der Begriff Gummizelle soll in Deutschland aufgrund seiner negativen Konnotation nicht mehr verwendet und durch den Begriff Weichzelle ersetzt werden.
Quelle: (und etwas Hintergrund zu diesem Begriff) krankheiten.de/psychiatrie/weichzelle

Zitat
Da war noch die Original-Beleuchtung drin, hell erleuchtet – heute ganz anders.

Zu dem heute ganz anders sage ich mal nix, ist ja nicht die einzige Stelle an der Dr. Knabe hat nachbessern (verschlimmbessern ?) lassen. Na oder vielleicht doch soviel, mit der Original-Beleuchtung würde ja der Gruseleffekt 'Dunkelzelle' etwa nicht ganz so gruselig rüberkommen?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#947

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.04.2014 20:01
von SET800 | 3.090 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #946

Der Begriff Gummizelle soll in Deutschland aufgrund seiner negativen Konnotation nicht mehr verwendet und durch den Begriff Weichzelle ersetzt werden.


Hallo,
of topic aber dazu vom Bodensee, Insel Reichenau, dort gibt es die Ortsteile Unterzell, Mittelzell und Oberzell, für den Ortsteil auf dem "Festland" mit dem Landeskrankenhaus für Psychatrie nehmen "böse " Ortsansässige den Namen Gummizell.....



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#948

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.04.2014 20:17
von Hans | 2.166 Beiträge

Abend, Gemeinde.....
Werner , die Gedenkstätte wurde 1994 (!) unter Frau Gabriele Camphausen als Leiterin eröffnet.
73 Hans


I´m just a truckle, but I don´t like to truckle. ( Prokop; Unterschenkel )
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#949

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 10.04.2014 16:17
von StabsfeldKoenig | 2.616 Beiträge

Zitat von Gert im Beitrag #920
Zitat von SET800 im Beitrag #914
Hallo,
ganz "boshaft" allgemein gefragt, war HSH in Einrichtung, Personal, Methoden und Verfahren vielleicht doch vorbildlich und angemessen? Ja die
Frage klingt schlimm, deshalb die Erklärung:

Entweder sieht man die Staatsbürgerpflicht der DDR seine Arbeitskraft im Lande einzusetzen als extremes Unrecht und verwerflich oder sieht es
begründet in der Souveränität des Staates als legitim, nötig und angemessen an.


Im zweiten Fall kann man HSH als effektive, diziplinierte und korrekte Umsetzung von Gesetzesvollzug ansehen.

Die volkswirtschaftliche Frage der Belastbarkeit durch "Organe" ist extra zu beantworten und welche Optionen gab es den Aufwand
zu verringern.


ich sehe keine Pflicht eines Bürgers für sein Land zu arbeiten. Jeder Bürger hat das Recht auf Faulheit. Er ist aber auch für seine Lebensunterhalt selbst verantwortlich, also Faulheit auf Kosten der Allgemeinheit geht nicht. Es war ein Privilig des Nazideutschland und der kommunistischen Staaten, eine Lagerwelt aufzubauen und sie mit Arbeitssklaven zu füllen, siehe Gulag in der SU. Offiziell wurde als Grund für die Festsetzung in den Arbeitslagern eine Umerziehung vorgegeben. Tatsächlich war man nur an der billigen Ausbeutung der Arbeitskraft für den Sieg des Sozialismus interessiert.





Die "Speziallager" der Sowjetunion (und der anderen Siegermächte) basierten auf einem gemeinsamen Beschluß, Personen, die im Verdacht von Nazi- und Kriegsverbrechen standen, zu internieren (Mittelding zwischen Kriegsgefangenschaft und Untersuchungshaft). Dabei gab es diversen Mißbrauch, sowohl duch böswillige Falschanzeigen, als auch durch die Siegermächte selber. Internierte Personen sollten überprüft und bei Schuld verurteilt werden. Es handelte sich also nicht um Arbeitslager. Zur späteren Nachnutzung der Lager: Es müßte durch eine unabhängige Expertenkommision dokumentiert werden, welche Teile, z.B. in Hohenschönhausen, überhaupt durch Organe der DDR genutz wurden, welche räume leer standen bzw. nur als Abstellräume (so vermutlich die "Wasserzellen") diensten. Die Verhärtung in den Weichzellen könnte auf Verschleiß (Kunstsoffe härten z.T. nach) 1990 entstanden sein, während vorher die Kunststoffe möglicherweise in bestimmten Fristen getauscht worden sein könnten (was könnte man da in den Akten nachlesen).
Aber solch eine Aufarbeitung ist durch die Propaganda-Abteilung der Hubertusknaben nicht gewünscht. Es wurde auch nie über Änderungen der Arbeit der DDR-Organe nach dem Rechtspflegeerlass von 1968 gesprochen.



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