#621

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:22
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #614
So, wie versprochen hier mal mein kleiner Bericht zum Besuch von HSH.
Samstag gegen 14:00 fanden wir uns in HSH ein, flankierender Sekundantenschutz erschien in Form von Moskwitschka, ExGakl und Altmark01. Eine brisante Mischung, jedenfalls waren wir die Einzigen, deren Betroffenheitsfaktor eher gering war, die öfters mal ein Grinsen im Gesicht hatten oder wo schon mal losgelacht wurde. Wir fanden dann unsere Gruppe auf dem Hof rumstehend, vor dem Modell von HSH, Erst mal stellte sich unser Zeitzeuge vor, im folgenden ZZ abgekürzt, obwohl mir im nachherein noch ganz andere einfallen würden ...... Er war 1986 als Westberliner wegen Spionage festgenommen worden und war Häftling in HSH. Uhuuu, dachte ich mir, wegen Spionage, klingt ja mal spannend. Dann erklärte er uns, dass er die Führung in zwei Zeitabschnitte teilen würde, einen in die Zeit von 1945 bis 1960 unter der Hoheit der UdSSR und den anderen in die Zeit danach unter Führung des MfS. Anhand des Modells erklärte er erst mal die Geschichte der früheren Nutzung des Gebäudkomplexes, die Um-und Ausbauten, sowie die Gebäude außerhalb der eigentlichen Haftanstalt und deren Nutzung durch das MfS. Soweit ganz okay.
Dann ging es in das Kellergeschoß des Altbaus. Dort erklärte unser ZZ, das es damals keine Heizungsanlage im Keller gab und das man sich vorstellen könne, wie die klimatischen Bedingungen gewesen seien.......nur um 1 Minute später zu erklären, dass es Heizzellen gegeben hätte, in denen es die Häftlinge kaum ausgehalten hätten vor Hitze. Erstes großes Fragezeichen! Wie denn nun, Heizung oder nicht? Irgendwie nicht so ganz glaubhaft, die Geschichte. Es folgte die Erklärung der einzelnen Zellentypen, die von ihm versprochene Hockzelle unter einer Treppe bekamen wir aber nicht zu Gesicht(?), Dann rein ins U-Boot. Naja, eigentlich eine etwas größere Zelle, in der es nach kurzer Zeit so feucht gewesen sein soll, das bei einigen Häftlingen die Haare geschimmelt haben sollen ( wahrscheinlich aber nur, wenn die Heizung gerade kaputt war..... Gut, ehrlich gesagt möchte ich zu Zeiten des NKDW nicht dort inhaftiert gewesen sein, auch nicht mit 7 Anderen in so einer kleinen Zelle. In Kombination mit Schlafentzug und einer ständig brennenden Lampe war das schon eine harte Nummer. Wasserfolter wurde auch angesprochen. Die chinesische Methode ist bekannt und wenn sie dort angewandt wurde ganz klar zu verurteilen. Bei einem Kübel Wasser über den Kopf des Gefangenen kann man sich streiten, ob das schon Folter ist. Spontan schoß mir durch den Kopf: Nach Verhören unter dem Einsatz von körperlicher Gewalt kann es schon mal passieren, das der Verhörte ohnmächtig wird. Wenn dann ein Eimer Wasser über ihn geschüttet wird, damit er wieder zu Bewusstsein kommt, ist das dann Wasserfolter? Ähnliches gab es bei den Verhören der Gestapo auch.
Schade war, das man die Stehlen mit den Schicksalen einiger Gefangener nicht durchlesen konnte, da es viel zu schnell weiterging. Die Grenzverletzerin bohrte dann beim ZZ noch mal nach, ob denn dieser Trakt vom MfS weiterbenutz wurde. Dies wurde vom ZZ verneint. Allerdings hatte man den Eindruck, etwas zähneknirschend. Dem etwas unbedarften Besucher kann es durchaus passieren, das er mit der Vorstellung nach Hause geht, der Zellentrakt wäre auch vom MfS genutzt worden. Ähm, nun ja........
Nächste Station der Neubau von 1960. Erst mal rauf auf den Rosenhof, den außer Mielke wohl kein Häftling gesehen hat. Verpasst haben sie dann auch nix. Dort wurde dann per Bild die Gummizelle gezeigt, besichtigen konnte man sie nicht. Dann noch der Hinweis auf die Zellenfenster, die aus Glasbausteinen bestanden, um so keinen richtigen Blick nach draußen zu haben. Ferner noch der Hinweis, das mit Übernahme durch das MfS die Zeit von körperlicher Gewalt vorbei war und von nun an psychologisch gearbeitet wurde. Ich denke auch, das entspricht den Tatsachen.
Als nächstes ging es zur Schleuse und der ZZ zeigte uns die Wege, die er auch gegangen war, als er in HSH ankam. Ob das stundenlange Kutschieren der Gefangenen durch Berlin zur Verwirrung nun stattgefunden hat, kann ich nicht beurteilen, den Barkas kannte ich schon aus Bautzen. Die übrigen Stationen und Begebenheiten wie die Ampel kannte ich auch schon aus Bautzen, also nix Neues. Ansonsten machte alles einen Eindruck einer normalen Haftanstalt, von den Vernehmerzimmern mal abgesehen. Was unserer kaputten Truppe alllerdings sofort aufgefallen ist, war der schöne "DDR-Geruch", der aus den Zellen strömte. Wie Intershop, nur andersrum .
In dem Raum zur Erkennungsdienstlichen Behandlung kams dann. Die Sprache kam auf das Röntgengerät, mit dem Leute wie Rudolf Bahro verstrahlt worden seien. Erst mal musste ich nachfragen, wo die sich denn befunden haben soll. Zwischen Wand und dem Stuhl. Aha. Dann der Satz des ZZ: " In diesem Raum wurde dann das Todesurteil über die Leute entschieden." Aha. Leider musste er dann nach einer kleinen Diskussion eingestehen, das in HSH kein solches Gerät gefunden wurde, eigentlich nirgends außer in Gera..........Also die ganze Geschichte macht mir Bauchschmerzen. Denn selbst wennn es so gewesen sein sollte, hätte wohl kaum der kleine Bedienstete vor Ort entschieden, wer verstrahlt wird und wer nicht. Das wäre wohl an ganz anderer Stelle geschehen. Für mich machte die ganze Sache eher den Eindruck, als wenn da eine Sache effekthascherisch aufgeblasen wird. Kommt ja auch gut, nach dem Motto, seht, die pöse,pöse Stasi hat die Leute verstrahlt. Zu der Röngenproblematik werde ich aber nochmal getrennt äußern.
Zum Abschluss gab es dann die Geschichte unseres ZZ zu hören. War etwas langatmig (Hey ExGakl........AUFWACHEN ). Kurz zusammengefasst: Wessi fährt auf Ost-Tussi ab, die immermehr "Geschichten" auspackt, mehrmals verheiratet gewesen sein soll, inklusive eines Mannes beim MfS. Die will dann in den Westen türmen, verkauft ihr Haus, sagt der Stasi, sie habe in West-Berlin ein Schriftstück hinterlegt, was aber nicht stimmt. Unsere ZZ nimmt also das nachträglich gefertigte Schriftstück und das Geld vom Hauskauf und will es nach West-Berlin schmuggeln und wird natürlich an der Grenze gefasst. Wie blöd muss man eigentlich sein. Der Typ hat so ziemlich jede rote Ampel überfahren, die auf seinem Weg lag. Nach der Wende stellt sich natürlich raus, das die Tussi die Topspionin des MfS war. Aber keine Angst, die Geschichte wird verfilmt und wird uns wohl 2015 im Bundesdeutschen Bildungsfernsehen ereilen . Gut, 13 Monate in Stasi Untersuchungshaft sind Scheiße und tauschen möchte ich mit ihm auch nicht! Aber immerhin hat er zumindest ein fettes Devisenvergehen begangen und saß nicht so ganz unschuldig. Hier mal ein Link zum ZZ mit Video-Interview: http://www.ddr-zeitzeuge.de/ddr-zeitzeug...hulze-421.html
So, dit muss jetzt aber langen.




Schuddel,

Dank für den Bericht.

Ja, wegen Spionage hochgenommen, drunter macht es keiner.

Der Zeitzeuge wurde nach eigener Aussage zu 2 Jahren und 5 Monaten Haft verurteilt.

Die Mindesthaftstrafe für Spionage § 97 lag aber bei 5 Jahren Haft .....

Kannst ihn ja das nächste mal drauf hinweisen..


zuletzt bearbeitet 03.03.2014 21:24 | nach oben springen

#622

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:26
von SET800 | 3.104 Beiträge

Hallo,
allgemein Zeitzeugen. Gehören nicht zum realistischen Bild über die Zeit der Teilung Deutschlands mit zwei Staaten auch vor würrtembergischen, NRW- oder Pfalzschülern Berichte von Zeitzeugen darüber wie das tägliche Leben ablief?

Zwar mit Jagd auf Orangen, manche Ersatzteile und gute Schuhe, aber ohne Angst vor Entlassungen, Mieterhöhungen, Banker-Gangster, Drückerkollonen,wenig Räuberei, mit Zugang auf Kultur, Breitensport usw.

Ein Land das im Lebenstandard und breiter Bildung für die 15 Mio Menschen weltweit in der absoluten Spitzengruppe sich befand.

Auch die jungen Pioniere empfingen ja nicht nur Rotlichtbestrahlung sondern es gab als Beispiel in mehr als einer Stadt die Pioniereisenbahn.



PKE hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#623

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:31
von Lutze | 8.039 Beiträge

konnte dieser Zeitzeuge auch den Grothewohl-Waggon erklären?,
habt ihr ihn mal von innen betrachtet?,
mal nachgedacht,18 Stunden damit unterwegs zu sein?,
und im Sommer?,wie oft standen wir auf ein Abstellgleis?,
über eine Käfigzelle macht man sich lustig,
im Nachhinein,und wer es nicht persöhnlich kannte,
kann man vieles runterspielen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#624

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:41
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Nochmal zur Röntgenproblematik. Ich habe folgenden Artikel gefunden: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13395385.html
Daraus mal folgendes:
"Aber hinter der Pappwand war noch ein Vorhang. Als der aufgezogen wurde, entdeckten die Bürgerrechtler - in Kopfhöhe hinter dem Stuhl - ein merkwürdiges Röntgengerät."
"Eine Reihe von Indizien spricht seiner Ansicht nach dafür, daß mit der Strahlenkanone mißliebige Häftlinge im Rahmen von "MfS-Zersetzungsmaßnahmen" unbemerkt verseucht wurden - um ihnen langfristig Schäden zuzufügen."

Ein Röngtengerät ist erst mal keine Strahlenkanone. Laienhaft betrachtet vielleicht schon, tatsächlich ist es aber etwas anderes. Ein Röntgengerät arbeitet mit Röntgenstarahlung. Punkt. Ein Röntgengerät nur auf den Kopf auszurichten ist schon etwas komisch. Ich arbeite ja als Krankenpfleger im OP. Dabei hab ich ständig mit Röntgengeräten zu tun. Klar tragen wir dabei Bleischürtzen. Allerdings nicht um den Kopf . Muss ich mir jetzt Gedanken um meine Gesundheit machen und verstrahlt mich gar mein Arbeitgeber? Gut, ich stehe ca.2m von dem Gerät weg, aber der Operateur steht direkt daneben und hat auch nix um den Kopf..........also wenn überhaupt würde eine Ganzkörperbestrahlung Sinn machen.
Weiter:
"Aber drei der prominentesten DDR-Dissidenten sind in den letzten Jahren in der Tat an seltenen Arten von Leukämie oder anderen Krebsleiden erkrankt. So starb Rudolf Bahro 1997 an einem Non-Hodgkin-Lymphom, vergangenes Jahr verstarb der Leipziger Liedermacher Gerulf Pannach ebenfalls an Krebs. Letzte Woche erlag schließlich der Schriftsteller Jürgen Fuchs, erst 48 Jahre alt, einer seltenen Blutkrebsart, dem Plasmozytom. "
Alle der genannten verstarben ca. 20 Jahre nach ihrer Inhaftierung. Da einen Zusammenhang herzustellen gestaltet sich, rein wissenschaftlich sehr schwierig. Der Zeitraum ist zu lang. Da ich am ASSE-Schacht wohne, weiß ich, das ein Mitarbeiter mal geklagt hatte, er hätte sich seine Krebserkrankung unten im ASSE-Schacht zugezogen, weil er mal da gearbeitet hätte. Ein Gutachten konnte das nicht bestätigen. Genau so gut könnte man behaupten, die Musiker von Renft wären verstrahlt worden, starben doch 3 Mitglieder an Krebs. Aber nicht, dass ich jetzt für eine neue Verschwörungstheorie verantwortlich gemacht werde......

"Alle drei Krebsopfer saßen längere Zeit in Stasi-Haft. Einige Ex-Oppositionelle mögen ihr Schicksal nicht als Zufall abtun: Eindeutige Belege für Langzeit-Mordanschläge sind in den Akten der Betroffenen zwar nicht zu finden, doch es gibt Indizien. Auch läßt sich beweisen, daß die Stasi überlegte, wie Menschen durch Strahlen geschädigt werden können - etwa durch eine Ausarbeitung, die 1988 bei der Stasi-nahen "Sektion Kriminalistik" der Ost-Berliner Humboldt-Universität entstand.

Auf 911 Seiten wird da unter dem Studien-Titel "Toxdat" jede nur erdenkliche Möglichkeit aufgeführt, wie man Menschen durch Gift ums Leben bringen kann. Die Studie nennt mehr als 200 toxische und strahlende Substanzen und beschreibt detailliert, wie sie eingesetzt werden könnten.

Im Kapitel "Schädigung durch Beibringung radioaktiver Stoffe" werden in dem Toxdat-Papier Radionuklide besonderer Gefährlichkeit genannt, von Strontium-90 bis Plutonium-238 - aber auch "Mikromengen abgebrannter Brennstäbe" aus Kernkraftwerken. Solche Stoffe würden beim Menschen eine "kombinierte Schädigung" hervorrufen, "da der resultierende biologische Effekt aus einer chemischen (Gift) und einer physikalischen (Energie) Wirkung resultiert". Beigebracht, "beispielsweise in Speisen und Getränken", bewirkten sie "zu Siechtum führende Blut/Knochenmarkschäden und Krebs".
Ja eben, wenn es so tolle Möglichkeiten gibt, warum dann mit so einem blöden Röntgengerät rumdaddeln?

"Wurde der Primärstrahl auf einen Menschen gerichtet, der auf dem Stuhl saß, betrug die Dosis bei einstündiger Bestrahlung 1,1 Gray. Krebspatienten erhalten in der Strahlentherapie 40 bis 60 Gray pro vierwöchigen Behandlungszyklus. Die Geraer Maschine war somit viel zu schwach, um zu töten, dazu bedarf es intensivster Ganzkörperbestrahlung. Auch um einen heftigen Strahlenkater, Hautrötung oder Haarausfall zu erzeugen, hätte das Opfer mindestens zehn Stunden lang damit traktiert werden müssen."

Aha, sag ich doch. Also insgesamt sehr unglaubwürdig, die ganze Geschichte!


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#625

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:42
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #623
konnte dieser Zeitzeuge auch den Grothewohl-Waggon erklären?,
habt ihr ihn mal von innen betrachtet?,
mal nachgedacht,18 Stunden damit unterwegs zu sein?,
und im Sommer?,wie oft standen wir auf ein Abstellgleis?,
über eine Käfigzelle macht man sich lustig,
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Lutze


Hallo Lutze,
den Waggon haben wir stehen gesehen, gesagt wurde dazu nix. Auch zum Haftkrankenhaus nicht.


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zuletzt bearbeitet 03.03.2014 21:43 | nach oben springen

#626

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:43
von Grenzverletzerin | 1.182 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #623
konnte dieser Zeitzeuge auch den Grothewohl-Waggon erklären?,
habt ihr ihn mal von innen betrachtet?,
mal nachgedacht,18 Stunden damit unterwegs zu sein?,
und im Sommer?,wie oft standen wir auf ein Abstellgleis?,
über eine Käfigzelle macht man sich lustig,
im Nachhinein,und wer es nicht persöhnlich kannte,
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Lutze


@Lutze , der ZZ wurde in Drewitz gestellt und mit einem KFZ nach HSH gebracht.


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.

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#627

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:47
von exgakl | 7.237 Beiträge

Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
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#628

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:48
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #621


Schuddel,

Dank für den Bericht.

Ja, wegen Spionage hochgenommen, drunter macht es keiner.

Der Zeitzeuge wurde nach eigener Aussage zu 2 Jahren und 5 Monaten Haft verurteilt.

Die Mindesthaftstrafe für Spionage § 97 lag aber bei 5 Jahren Haft .....

Kannst ihn ja das nächste mal drauf hinweisen..



Hallo Alfred,
naja, laut ZZ war die Anklage wegen Spionage schon recht frühzeitig vom Tisch. Drangekriegt haben sie nach seinen Aussagen wegen Devisenschmuggels und Beihilfe zur Flucht.


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#629

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:52
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von Schuddelkind im Beitrag #624
Nochmal zur Röntgenproblematik. Ich habe folgenden Artikel gefunden: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13395385.html
Daraus mal folgendes:
"Aber hinter der Pappwand war noch ein Vorhang. Als der aufgezogen wurde, entdeckten die Bürgerrechtler - in Kopfhöhe hinter dem Stuhl - ein merkwürdiges Röntgengerät."
"Eine Reihe von Indizien spricht seiner Ansicht nach dafür, daß mit der Strahlenkanone mißliebige Häftlinge im Rahmen von "MfS-Zersetzungsmaßnahmen" unbemerkt verseucht wurden - um ihnen langfristig Schäden zuzufügen."

Ein Röngtengerät ist erst mal keine Strahlenkanone. Laienhaft betrachtet vielleicht schon, tatsächlich ist es aber etwas anderes. Ein Röntgengerät arbeitet mit Röntgenstarahlung. Punkt. Ein Röntgengerät nur auf den Kopf auszurichten ist schon etwas komisch. Ich arbeite ja als Krankenpfleger im OP. Dabei hab ich ständig mit Röntgengeräten zu tun. Klar tragen wir dabei Bleischürtzen. Allerdings nicht um den Kopf . Muss ich mir jetzt Gedanken um meine Gesundheit machen und verstrahlt mich gar mein Arbeitgeber? Gut, ich stehe ca.2m von dem Gerät weg, aber der Operateur steht direkt daneben und hat auch nix um den Kopf..........also wenn überhaupt würde eine Ganzkörperbestrahlung Sinn machen.
Weiter:
"Aber drei der prominentesten DDR-Dissidenten sind in den letzten Jahren in der Tat an seltenen Arten von Leukämie oder anderen Krebsleiden erkrankt. So starb Rudolf Bahro 1997 an einem Non-Hodgkin-Lymphom, vergangenes Jahr verstarb der Leipziger Liedermacher Gerulf Pannach ebenfalls an Krebs. Letzte Woche erlag schließlich der Schriftsteller Jürgen Fuchs, erst 48 Jahre alt, einer seltenen Blutkrebsart, dem Plasmozytom. "
Alle der genannten verstarben ca. 20 Jahre nach ihrer Inhaftierung. Da einen Zusammenhang herzustellen gestaltet sich, rein wissenschaftlich sehr schwierig. Der Zeitraum ist zu lang. Da ich am ASSE-Schacht wohne, weiß ich, das ein Mitarbeiter mal geklagt hatte, er hätte sich seine Krebserkrankung unten im ASSE-Schacht zugezogen, weil er mal da gearbeitet hätte. Ein Gutachten konnte das nicht bestätigen. Genau so gut könnte man behaupten, die Musiker von Renft wären verstrahlt worden, starben doch 3 Mitglieder an Krebs. Aber nicht, dass ich jetzt für eine neue Verschwörungstheorie verantwortlich gemacht werde......

"Alle drei Krebsopfer saßen längere Zeit in Stasi-Haft. Einige Ex-Oppositionelle mögen ihr Schicksal nicht als Zufall abtun: Eindeutige Belege für Langzeit-Mordanschläge sind in den Akten der Betroffenen zwar nicht zu finden, doch es gibt Indizien. Auch läßt sich beweisen, daß die Stasi überlegte, wie Menschen durch Strahlen geschädigt werden können - etwa durch eine Ausarbeitung, die 1988 bei der Stasi-nahen "Sektion Kriminalistik" der Ost-Berliner Humboldt-Universität entstand.

Auf 911 Seiten wird da unter dem Studien-Titel "Toxdat" jede nur erdenkliche Möglichkeit aufgeführt, wie man Menschen durch Gift ums Leben bringen kann. Die Studie nennt mehr als 200 toxische und strahlende Substanzen und beschreibt detailliert, wie sie eingesetzt werden könnten.

Im Kapitel "Schädigung durch Beibringung radioaktiver Stoffe" werden in dem Toxdat-Papier Radionuklide besonderer Gefährlichkeit genannt, von Strontium-90 bis Plutonium-238 - aber auch "Mikromengen abgebrannter Brennstäbe" aus Kernkraftwerken. Solche Stoffe würden beim Menschen eine "kombinierte Schädigung" hervorrufen, "da der resultierende biologische Effekt aus einer chemischen (Gift) und einer physikalischen (Energie) Wirkung resultiert". Beigebracht, "beispielsweise in Speisen und Getränken", bewirkten sie "zu Siechtum führende Blut/Knochenmarkschäden und Krebs".
Ja eben, wenn es so tolle Möglichkeiten gibt, warum dann mit so einem blöden Röntgengerät rumdaddeln?

"Wurde der Primärstrahl auf einen Menschen gerichtet, der auf dem Stuhl saß, betrug die Dosis bei einstündiger Bestrahlung 1,1 Gray. Krebspatienten erhalten in der Strahlentherapie 40 bis 60 Gray pro vierwöchigen Behandlungszyklus. Die Geraer Maschine war somit viel zu schwach, um zu töten, dazu bedarf es intensivster Ganzkörperbestrahlung. Auch um einen heftigen Strahlenkater, Hautrötung oder Haarausfall zu erzeugen, hätte das Opfer mindestens zehn Stunden lang damit traktiert werden müssen."

Aha, sag ich doch. Also insgesamt sehr unglaubwürdig, die ganze Geschichte!


Zur Zeit wo Fuchs und Bahrow in HSH einsaßen gab es noch keine "Röntgengeräte" .


PKE hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 03.03.2014 22:00 | nach oben springen

#630

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 21:53
von exgakl | 7.237 Beiträge

also @Grenzverletzerin und @Schuddelkind ihr habt euch mit euren Beiträge richtig Mühe gegeben, so dass ich gar nichts mehr schreiben muss ... außer, daß es wieder ein gutes Treffen war....


Man sollte niemanden mit Tatsachen verwirren, der sich seine Meinung schon gebildet hat....
Grenzverletzerin, Schuddelkind, Altmark01 und Duck haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#631

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 22:00
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Zitat von Alfred im Beitrag #629


Zur Zeit wo Fuchs und Bahrow in HSH einsaßen gab es noch keine Röntgengeräte.



Wie jetzt. Also Bahrow saß in Bautzen. Und außerdem hatte ich doch geschrieben, das man in HSH kein Röntgengerät gefunden hat. Weißt du da mehr ? Und in der DDR gab es keine Röntgengeräte? Armes Land.........


Intellektuelle spielen Telecaster
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#632

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 22:02
von Altmark01 | 1.166 Beiträge

Zitat von exgakl im Beitrag #630
also @Grenzverletzerin und @Schuddelkind ihr habt euch mit euren Beiträge richtig Mühe gegeben, so dass ich gar nichts mehr schreiben muss ... außer, daß es wieder ein gutes Treffen war....


wie sagt man so schön,........dem ist nichts hinzuzufügen...... War ein super Treffen, die Anreise nach Berlin hatte sich mal wieder gelohnt!
Danke Euch

VG Heiko


02.89 - 04.89 GAR 40 / 05.89 - 01.90 GR 34
Grenzverletzerin, Schuddelkind und Duck haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#633

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 22:03
von 94 | 10.792 Beiträge

Beiträge nur aus einem Schleimy, einfach toll! Und das wo ich'm Lutzle gerade erklären will: keiner macht sich hier über Dich lustig, weil Knast ist nicht lustig. Hier mal ein Bild einer Zelle aus Bautzen, so wie ich das sehe war der Wasserhahn bissels weiter weg ...


Quelle: http://www.pitopia.de/scripts/pictures/detail.php?pid=579274 (Danke für die PN)

Zum Thema Transport nach HSH, Euer ZZ hat aber (dürfte bei verhäftelten NSW-Bürgern generell so gewesen sein) erstmal als Quarantäne sozusagend einen Zwischenhalt über ein konspiratives Objekt gemacht, nix da mit direkt nach HSH, beschreibt er ja auch so in seinem ZZ-Video (ab 4:12) ...
http://www.ddr-zeitzeuge.de/uploads/tx_n..._Schulze_01.mp4

Und nun vollkommen daneben (hier zumindest) zum Thema 'Parkeisenbahn', zum Beispiel Großer Garten. Die Liliputbahn gabs schon vor und auch nach der DDR und ist gewiß KEINE Erfindung der Verflossenen ...
Ja, auch in Dresden gibts einen Bahnhof Zoo

P.S: @Alfred, da in der UHA in HSH es kaum Besucher gab, dürfte es dort auch später keine Röntgentechnik gegeben haben, außer natürlich im Haftkrankenhaus. Und wieso stellstn Deine Fragen nicht selber, oder haste Hausverbot?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 03.03.2014 22:17 | nach oben springen

#634

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 22:03
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von Lutze im Beitrag #623
konnte dieser Zeitzeuge auch den Grothewohl-Waggon erklären?,
habt ihr ihn mal von innen betrachtet?,
mal nachgedacht,18 Stunden damit unterwegs zu sein?,
und im Sommer?,wie oft standen wir auf ein Abstellgleis?,
über eine Käfigzelle macht man sich lustig,
im Nachhinein,und wer es nicht persöhnlich kannte,
kann man vieles runterspielen
Lutze

Ob Hoheneck oder wie hier Hohenschönhausen , stimmt was nicht ????????????????


zuletzt bearbeitet 03.03.2014 22:06 | nach oben springen

#635

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 22:10
von SET800 | 3.104 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #623
konnte dieser Zeitzeuge auch den Grothewohl-Waggon erklären?,
habt ihr ihn mal von innen betrachtet?,
mal nachgedacht,18 Stunden damit unterwegs zu sein?,
und im Sommer?,wie oft standen wir auf ein Abstellgleis?,
über eine Käfigzelle macht man sich lustig,
im Nachhinein,und wer es nicht persöhnlich kannte,
kann man vieles runterspielen
Lutze


Gab es Wasser zum Trinken, gab es Nierengeschädigte oder Tote wegen Dehydrierung? Oder waren im Waggon die Bedingungen
schlechter als für Zigelbrenner, Unterwellenborner Stahlwerker, Schweißer des Shiffsbau im Hochsommer? Im Prinzip waren ja fast
alle Täter oder Tatverdächtigte ja Männer im leistungsfähigsten Alter...



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#636

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 22:33
von Grenzverletzerin | 1.182 Beiträge

Nun, wenn wir dann schonemal beim Erbsenzählen sind, ich benutzte nicht das Wort 'direkt'. Ich wollte dem Lutze nur sagen, dass unser ZZ mit dem KFZ gebracht wurde und vermutlich deshalb nichts über den Waggon erzählte.

Ich möchte auch betonen, dass es mir völlig fern liegt, mich über ZZs oder dort ehemalige Inhaftierte lustig zu machen. Mich ärgert die Art der Aufbereitung. Es soll nichts runterspielt werden aber Übertreibungen sind ebenfalls fehl am Platze.

Was die Beiträge vom 'Pioniereisenbahner' betrifft, kann ich dir 94er, nur zustimmen!!


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.

Schuddelkind hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#637

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 22:41
von Alfred | 6.853 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #633
Beiträge nur aus einem Schleimy, einfach toll! Und das wo ich'm Lutzle gerade erklären will: keiner macht sich hier über Dich lustig, weil Knast ist nicht lustig. Hier mal ein Bild einer Zelle aus Bautzen, so wie ich das sehe war der Wasserhahn bissels weiter weg ...


Quelle: http://www.pitopia.de/scripts/pictures/detail.php?pid=579274 (Danke für die PN)

Zum Thema Transport nach HSH, Euer ZZ hat aber (dürfte bei verhäftelten NSW-Bürgern generell so gewesen sein) erstmal als Quarantäne sozusagend einen Zwischenhalt über ein konspiratives Objekt gemacht, nix da mit direkt nach HSH, beschreibt er ja auch so in seinem ZZ-Video (ab 4:12) ...
http://www.ddr-zeitzeuge.de/uploads/tx_n..._Schulze_01.mp4

Und nun vollkommen daneben (hier zumindest) zum Thema 'Parkeisenbahn', zum Beispiel Großer Garten. Die Liliputbahn gabs schon vor und auch nach der DDR und ist gewiß KEINE Erfindung der Verflossenen ...
Ja, auch in Dresden gibts einen Bahnhof Zoo

P.S: @Alfred, da in der UHA in HSH es kaum Besucher gab, dürfte es dort auch später keine Röntgentechnik gegeben haben, außer natürlich im Haftkrankenhaus. Und wieso stellstn Deine Fragen nicht selber, oder haste Hausverbot?






Es gab in HSH keine Besucher, weil die UHA in einen milit. Objekt lag.

Besuch wurde in der Lichtenberger Magdalenenstraße empfangen

Warum soll es z.B. für die Gegenstände der U- Häftlingen keine Röntgentechnik gegeben haben ?

Aber das Thema hatten wir schon ausführlich.


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#638

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 22:47
von Alfred | 6.853 Beiträge

" "Strahlungsgeräte" des Ministeriums für Staatssicherheit und der Tod von J. Fuchs"



In der Nr. 4/99 des "Deutschland Archiv", im Teil Kommentare und aktuelle Beiträge kam auf S. 544 ff. Herr Hubertus Knabe von der Behörde des "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR" mit einem Thema zu Wort, das wegen seiner Brisanz seit Monaten Gemüter erregt.

Will man der Wahrheit auch in Ihrer Zeitschrift näherkommen, darf das, was dort behauptet wird, nicht unwidersprochen bleiben.

Wieder einmal geht es um die "Röntgenkanonen", mit denen angeblich "Stasi"- Untersuchungshäftlinge bestrahlt wurden, die so langfristig zu Tode gekommen seien.

Genannt werden immer die "Regimekritiker" Jürgen Fuchs, Rudolf Bahro und Gerolf Pannach, die an einer sehr heimtückischen, seltenen Krebsart verstorben seien.

Der böse Verdacht gegen Mitarbeiter des MfS wurde - so weiß man - im Kreise der Länderbeauftragten der Gauck-Behörde, auch gegen den Willen von Zweiflern am Wahrheitsgehalt, losgetreten und vom "Spiegel" Nr. 20/99 vom 17. Mai 1999 in die Öffentlichkeit gebracht.

Sehr viele Medien, auch Funk und Fernsehen kolportierten dieses Thema in den verschiedensten Varianten. Grundtenor war immer: das MfS verursachte mit "Bestrahlungen" den Tod der drei Menschen.

Trotz gegenteiliger kompetenter Bekundungen wird nun auch im "Deutschland Archiv" dieses Thema erneut behandelt.

Deshalb sollte auch ein Wort ehemals kompetenter leitender Mitarbeiter des MfS, zu denen auch ich gehöre, angebracht sein.

Zuvor jedoch in aller Sachlichkeit ein Blick auf jene "Indizien", die für einen solchen Verdacht herangezogen wurden und sogar zum Teil recht locker, unkritisch und verantwortungslos als "Beweise" für die Behauptungen benutzt werden.



•Bei der Auflösung der Bezirksverwaltung Gera des MfS im Jahre 1989 wurde im Fotoraum der dortigen Haftanstalt ein Durchleuchtungsgerät vorgefunden, über das auch eine - nicht öffentlich bekannte - Einschätzung eines "Physikers" vorliegt.


•In einigen anderen Untersuchungshaftanstalten des MfS, auch in Berlin-Hohenschönhausen, wurden gleichartige Geräte an die Beauftragten für die Auflösung des MfS und die Bürgerrechtsgruppen übergeben.


•Jürgen Fuchs, der ebenso wie Rudolf Bahro, zeitweilig in der Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen untergebracht war, hatte im Kreise von Gleichgesinnten die Vermutung ausgesprochen, daß sein Krebsleiden ursächlich mit einer "Verstrahlung" mittels eines solchen Gerätes während seiner U-Haft zusammenhänge


•Durch ehemalige Bürgerrechtler wurde mehrfach der Verdacht geäußert, daß auch Rudolf Bahro und Gerolf Pannach solchen "Verstrahlungen" ausgesetzt worden waren und deshalb verstarben.


•Es meldeten sich einige Leute in der Öffentlichkeit als fragwürdige Zeugen, die, nachdem sie die Bilder in den Medien gesehen hatten, sogar mehrere Stunden einer solchen Verstrahlung ausgesetzt gewesen sein wollen.


Es wird eigentlich immer wieder - wie aus heiterem Himmel - behauptet, die "Stasi" habe in den Untersuchungs- Haftanstalten "Regimekritiker" verstrahlt, nicht etwa viel gefährlichere Spione oder Terroristen. Niemand käme jemals auf den Gedanken, daß die gleichartigen Geräte - bekannt seit 1974 - in den bundesdeutschen Haftanstalten jemals zur "Verstrahlung" von Menschen eingesetzt werden.

Emotionen werden mit diesem Thema immer wieder - mit oder ohne Gitarre - regelrecht hochgekocht. Jeder, der das hört oder liest spürt, das wäre eine Ungeheuerlichkeit, so heimtückisch und hinterhältig, daß man die Täter bestrafen müßte.

Kenner der Szene, auch aus den alten Bundesländern, die alle Verdächtigungen dieser Art als Phantastereien beurteilen, stellen die Frage: warum lassen sich das die Mitarbeiter des MfS gefallen, warum setzen sie sich nicht zur Wehr und gehen gegen diese Beleidigungen vor.

Das wollen wir - als ehemals Verantwortliche in Berlin-Hohenschönhausen - auch tun.

Deshalb haben wir öffentlich begrüßt, daß die mangels Beweisen vor Jahren schon eingestellten Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft wieder aufgenommen wurden.

Deshalb haben wir uns auch - das waren Generalmajor K. Coburger, Generalmajor G. Niebling und Oberst S. Rataizik - in der Presse angeboten, an der Aufklärung dieses ungeheuerlichen Verdachtes mitzuwirken.

Das taten wir in der noch immer währenden Überzeugung, daß sich ein solcher Verdacht niemals bestätigen wird.

Die Staatsanwaltschaft hat dieses Angebot auch angenommen und entsprechende Untersuchungshandlungen geführt.

Was gibt es nun aus der Sicht kompetenter ehemals leitender Mitarbeiter zu diesem Thema zu sagen ?

Anfang der 80ger Jahre entstand bei verantwortlichen Mitarbeitern der Untersuchung und des Untersuchungshaftvollzuges, nach positiven Erfahrungen bei der Zollverwaltung und in Strafvollzugsanstalten des Ministeriums des Innern, der Gedanke "Durchleuchtungsgeräte" zur intensiven Kontrolle von Effekten inhaftierter Personen anzuschaffen und einzusetzen.

Das erfolgte deshalb, weil zunehmend Beweismittel in Schuhen, anderen Bekleidungsgegenständen und Taschen usw. durch die Festgenommenen versteckt worden waren.

Das war häufig bei inhaftierten Spionen der Fall, die bestimmte nachrichtendienstliche Hilfsmittel auf diese Weise versteckt mit sich trugen.

Durch die Leitung des Untersuchungshaftvollzugs wurden solche Geräte für die Anstalt in Berlin-Hohenschönhausen und für einige weitere der insgesamt 15 Haftanstalten der Bezirksverwaltungen des MfS beschafft.

Das in der U-Haftanstalt Gera des MfS vorgefundene Gerät gehört sicher auch dazu.

Welche anderen Haftanstalten solche Geräte erhielten ist ohne die entsprechenden Dokumente für uns als Ehemalige nicht nachzuvollziehen.

Die Anschaffung und die Vorbereitung des Einsatzes geschah in enger Zusammenarbeit und ständiger Konsultation mit wissenschaftlich ausgebildeten Experten des zuständigen Operativ-Technischen Sektors (OTS) des MfS. Durch Spezialisten dieses Bereiches wurden auch - ähnlich wie bei den Zollorganen an den Grenzübergangsstellen - jene Mitarbeiter des Untersuchungshaftvollzugs ausgebildet, geschult und trainiert, die mit solchen Geräten zur Kontrolle der Effekten zu arbeiten hatten.

Diese Geräte bewährten sich jedoch nicht, oder deren Benutzung wurde zunehmend unnötig, so daß man die Arbeit damit wieder einstellte.

So wurden sie in Berlin- Hohenschönhausen z. B. neben der sogenannten Effektenkammer, in Gera eben im Fotoraum und anderenorts sicher auch an ähnlichen Stellen und Räumen stehen gelassen und aufbewahrt.

Es müßten also noch genügend derartige Geräte zur Verfügung stehen, die auf ihre Einsetzbarkeit begutachtet werden könnten.

In voller Verantwortung für unsere ehemalige Tätigkeit im MfS, Bereich Untersuchung und U-Haftvollzug erklären wir - natürlich in Übereinstimmung mit unseren Bekundungen gegenüber der Ermittlungsbehörde: Solche "Durchleuchtungs-Röntgengeräte" wurden in den Untersuchungshaftanstalten des MfS niemals gegen Menschen eingesetzt. Die Gründe dafür lassen sich wie folgt zusammenfassen:



1.Unsere politisch-moralische Auffassung und Haltung als Mitarbeiter des Untersuchungsorgans und des Untersuchungshaftvollzuges des MfS, unsere Erziehung zur Achtung der Würde des Menschen, zur Korrektheit und Anständigkeit auch gegenüber Inhaftierten, Gegnern und Feinden der DDR verbot es uns, über die Anwendung solcher Dinge gegen Menschen überhaupt nachzudenken geschweige denn solche anzuwenden.


2.Die sozialistische Gesetzlichkeit, die mit dem Völkerrecht in Übereinstimmung stehenden, für die Untersuchung bedeutenden Rechtsvorschriften der DDR, z. B. Artikel 4 des Allgemeinen Teils des STGB der DDR - ("Schutz der Würde und der Rechte des Menschen") sowie die auch für diesen Bereich in der Aktenbehörde nachlesbaren Befehle und Weisungen ließen derartige Dinge nicht zu und bedrohten sie natürlicherweise mit Strafe. Eben wie in jedem zivilisierten Staat.


3.Die im Zusammenhang mit den Beschuldigungen immer wieder angeführten technischen Geräte sind von ihrer Konstruktion, Beschaffenheit und Handhabung absolut ungeeignet, gegen Menschen eingesetzt zu werden. Die Strahlendosis ist nach Experteneinschätzung viel zu schwach, Schäden der beschriebenen Art bei Menschen herbeizuführen, ähnlich den auf Flughäfen gebräuchlichen "Durchleuchtungsgeräten".


Vielleicht erhellt das die ganze Unhaltbarkeit der Beschuldigungen gegen das MfS, wenn definitiv und - natürlich auch nachvollziehbar durch die Gauck-Behörde - festgestellt werden muß, daß es zu den Zeiten der Untersuchungshaft von

J. Fuchs (1976) und R. Bahro (1978) in der MfS-Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen überhaupt noch keine solchen Geräte gab.

Um diese Feststellungen der ehemaligen Mitarbeiter des MfS nicht einfach und allein gegen die aufgestellten Behauptungen zu setzen, sollen noch einige Dinge - überwiegend aus Medien - angeführt werden, die zumindest beachtenswert sind, ohne den Ermittlungsergebnissen vorgreifen zu können oder zu wollen.



•Die Fotos im "Spiegel" Nr. 20/99 mit der vielsagenden Überschrift "In Kopfhöhe ausgerichtet" die ein solches Gerät zeigen sind - nach Eingeständnissen eines Einsenders - als gestellt gekennzeichnet. Das läßt die Schlußfolgerung zu, daß sie die Verstrahlung beim Betrachter suggerieren sollten.


•Die Einschätzung eines " Physikers", die nach dem Auffinden des Gerätes 1989 in Gera gefertigt wurde, spielte in der öffentlichen Kampagne bisher noch keine Rolle. Sie wurde nicht zur Begründung der Argumentation benutzt.


•Das Bundesamt für Strahlenschutz - zweifellos eine seriöse Einrichtung, die sicher nicht vom MfS unterwandert ist, hält die Behauptungen für "unwahrscheinlich" und ließ verlauten: Wir haben bisher keine Hinweise darauf, solche Diskussionen verlassen die sachliche Ebene.


Wir, die wir uns öffentlich gemeldet haben, wollen diese sachliche Ebene trotz der ungeheuerlichen Behauptung auch nicht verlassen, und sehen den Ergebnissen der Ermittlung mit Ruhe und Gelassenheit entgegen.

Es gibt, so hoffen wir sehr, genügend Beweise für unsere Darstellung einschließlich der Begutachtung der Geräte.

Will man dennoch weitere Informationen über die Untersuchungshaft des MfS, so soll man objektive Menschen befragen, die beispielsweise als Diplomaten bei ca 3500 Besuchen ihre Landsleute in den Haftanstalten des MfS sprachen oder man stütze sich auf Menschen, die sich unter den ca. 32000 freigekauften ehemaligen Häftlingen aus der DDR befinden, und ohne Voreingenommenheit bereit sind zur Wahrheit beizutragen.





Dr. Gerhard Niebling"

Quelle : mfs-insider.de


passport und PKE haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#639

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 23:24
von damals wars | 12.198 Beiträge

"Nach dem Tod von Fuchs waren Vermutungen laut geworden, die Stasi habe Röntgenstrahlungen gezielt zur Ausschaltung von Systemkritikern eingesetzt. Die Gauck-Behörde konnte nach umfangreichen Recherchen aber nicht feststellen, dass radioaktive Substanzen und Röntgenstrahlen gezielt zur Schädigung von Oppositionellen eingesetzt wurden. Die Art der in Stasi-Gefängnissen gefundenen Röntgengeräte und die Ergebnisse von Akten-Auswertungen sprechen gegen diese Annahme, erklärte Gauck. "

http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...in-a-69457.html


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#640

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 03.03.2014 23:52
von Moskwitschka (gelöscht)
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Von mir auch ein paar Zeilen zum Samstagnachmittag in Hohenschönhausen.

Ich war schon erstaunt, dass am Samstag zur besten Familienzeit um 14 Uhr sich ca. 50 - 60 Menschen eingefunden haben, die in 2 Gruppen aufgeteilt wurden und durch die Untersuchungshaftanstalt geschleust wurden. Das Publikum war gemischt. Fragen wurden kaum gestellt, so dass wir schon fast aufgefallen sind.

Auffällig war das viele Personal, das dort auf dem Gelände war - angefangen vom Wachschutz bis zum Ticket - und Literaturverkauf.

Natürlich hatte ich auch viele Fragen. Doch die hätte ich dem Zeitzeugen nicht stellen können, weil er einerseits überforfert gewesen wäre, andererseits streng seiner Dramaturgie der Führung folgte. Und diese Dramaturgie störte mich am meisten. Es wurde ein Spannungsbogen gespannt, dass man als normaler Besucher zwangsläufig glauben musste, wenn man die Kellergewölbe verlässt, es nur schlimmer werden kann. Ich habe mal auf die Uhr geschaut. Die wenigste Zeit nahm die Führung durch das vom MfS geführten Untersuchungsgefängnisses ein.

Eines hat mich aber doch einmal überwältigt. Als wir den Treppe zu den Vernehmerzimmern hochgingen empfing uns ein Geruch, der nach 24 Jahren dort immer noch in den Gängen hing - es roch wie in vielen anderen Verwaltungsräumen der ehemaligen DDR.

Ich habe mich lange gewehrt, Hohenschönhausen zu besuchen. Auch wenn ich nie inhaftiert war, hatte ich Angst, dass alte Wunden aufreißen. Ich habe mich erst am Samstagmittag kurzfristig und spontan dazu entschlossen. Ich kann mich @Grenzverletzerin nur anschließen - die Führung wurde den Opfern und ihren Familien nicht gerecht.

Wunden sind bei mir nicht aufgerissen worden. Ich bin eher darin bestätigt worden, dass wenn eine solche Gedenkstätte erhalten wird, es noch viel mehr Möglichkeiten geben wüde, die Zeit dort darzustellen.

LG von der Moskwitschka


Schuddelkind, Feliks D., Hans, Grenzverletzerin und Anja-Andrea haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 04.03.2014 00:03 | nach oben springen



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