#241

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 20:38
von Kimble | 397 Beiträge

Zitat von Vogtländer im Beitrag #219
Mal das Beispiel des Erzeugers meines Cousins!
2 abgelehnte Ausreiseanträge.Was macht der Mann?Will stiften gehen mit nem Kundenauto!Ergebnis:Ausfahrt BRD nicht erreicht,Einfahrt Bau erreicht.
War er nun ein Politicher?Ich sag es mal so: im entferntesten Sinne,aber nur im entferntesten,ja!
Freigekauft wurde er übrigens nicht,der 3. Antrag wurde genehmigt 2 Monate nach Haftentlassung (3 Jahre bekam er).

Edit:Rechtschreibung



Du verstehst sicher, dass ich deine Ansicht nicht teile. Und ich sage dir auch gleich warum.
Weil er alles Recht der Welt dazu hatte, die Diktatur auf diesem Weg zu verlassen, oder es wenigstens zu versuchen.
Solange er dabei durch seine Fahrweise nicht andere in Gefahr bringt finde ich das überaus legitim.

Ein Graf Stauffenberg zum Beispiel wird insbesondere gerade dafür gefeiert, weil er unter bewuster Mißachtung der Gesetze
gegen eine Diktatur tätig geworden ist. Das er dabei Unschuldige in Kauf genommen hat, finde ich pers. unschön.

Abgesehen davon interessierte damals einen Republikflüchtling das Gesetzbuch der DDR wohl einen Sch....
Und diese Einstellung war zum Gelingen einer Flucht unbedingt erforderlich.
---


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
Gert und Grenzverletzerin haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.11.2013 20:39 | nach oben springen

#242

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 20:42
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #168
Ich habe damals mit Hoheneck angefangen und alles berichtet was ich weiß und kaum jemand hat sich dafür interessiert, erst als die andere Frau was erzählte kamen zig Fragen und manchmal einige Antworten. Ich habe nur gefragt ob sie Larissa kennt (hoffe der Name stimmt, ist schon lange her) und sie den Namen bestätigte wußte ich Bescheid

Meinste nicht, daß die Wachtel 'Lissy' hieß? Na gut ist auch SS drinne im Namen.


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 09.11.2013 21:04 | nach oben springen

#243

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 20:56
von Kimble | 397 Beiträge

Zitat von Lutze im Beitrag #216
ich bin kein Pressesprecher,
auch war ich kein Inhaftierter in Hohenschönhausen,
nur zum Verständnis,
ich habe aber einige Inhaftierte kennen gelernt,
die dort eingessen hatten,
die meisten Delikte hatten was mit Republikflucht zu tun,
wer es nicht glaubt,dann issis so......
Lutze



Die Hälfte ganz bestimmt, wenn man einer Publikation der BSTU über die UHA Rostock glauben darf.

Dort steht für die 80er Jahre eine Angabe:
Im Republik- Durchschnitt hatten etwa 50% der EV mit Haft einen 213er Hintergrund.
Der Bezirk Rostock lag leicht darüber, was in der nahen Seegrenze seine Ursache hatte.
(Und wozu ich auch meinen bescheidenen Anteil mit dazu beigetragen habe.)

Wenn man dann noch die ganzen anderen politischen Gründe für ein EV mit U-Haft dazu nimmt
wird klar, daß LPG- Anzünder und gewöhnliche Mörder nicht zum Kerngeschäft der Abteilung IX gehörten.
---


Kannten Sie die DDR ? "Ja, flüchtig"
zuletzt bearbeitet 09.11.2013 20:59 | nach oben springen

#244

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 22:16
von Vogtländer (gelöscht)
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@Kimble:
Welche Ansicht Teile ich denn,wenn ich es nicht gut heisse,zu Wahrung eigner Interessen (und dazu gehört auch meine Freiheit in jeglicher Form) anderer Mitmenschen Eigentum wiederechtlich zu nutzen,es zu beschädigen und unter Suff Auto zu fahren und dabei eventuell noch Unschuldiger Leben zu gefährden?
Freiheitswille ist das eine und auch akzeptabel!
ABER:
Nicht mit jedem Mittel und nicht um jeden Preis!
Und ja,ich habe eine Abneigung gegen Menschen,die unter Suff Auto fahren.Die Gründe dafür gehören hier aber nicht hin.
PS:
Für Eigentumsdelikte wurde man schon unter Cäsar belangt und das ist heute zu Bundeszeiten auch noch so.Es braucht sich also keiner zu beschweren über eine Verurteilung bei diesen Dingen.Alles andre ist doch unsinnig zu diskutieren.
Worüber hier man sich noch stundenlang streiten kann,das ist das Thema RF.Und selbst da werden wir alle nicht unter einen Hut bekommen.
Noch irgendwas?

Also bitte nicht Apfel und nasse Anna vergleichen!


Hans und Krepp haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 09.11.2013 22:39 | nach oben springen

#245

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 22:30
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Lutze im Beitrag #235

halte dich bitte raus, wenn du keine Erkenntnisse zum verhaften,
in Hohenschönhausen berichten kannst
Lutze


Gerne @Lutze , "Asoziale" haben bei den Republikflüchtlingen und Inhaftierten nichts zu suchen. Die waren sogor so blöd und haben keinen Ausreiseantrag gestellt, weil sie die Hoffnung nicht aufgegeben haben. Einfach Abschaum für die damals Herrschenden und genauso Abschaum für Republikflüchtigen.

LG von der grenzgaengerin


Hans und Hapedi haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#246

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 22:33
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Na, ihr habt euch wohl richtig lieb?


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#247

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 22:40
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von berlin3321 im Beitrag #246
Na, ihr habt euch wohl richtig lieb?


Alles gut, Thomas Ich mach mich ja schon vom Acker. Am besten zur Entspannung in Lutzes Koch - thread. Weiber gehören ja sowieso an den Herd.

LG von der grenzgaengerin


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#248

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 23:07
von Vogtländer (gelöscht)
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Da biste mir sowieso noch ne Antwort schuldig!


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#249

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 23:17
von 94 | 10.792 Beiträge

Könntet'ers ma gut sein lassen, hä?!

Kaum ist der eine friedlich kommt die andere ums Eck, und sach ma, Du ggin; Du nimmst aber schon die Inhalte der von Dir eingestellten Verknüpfungen zur Kenntnis? Also ich lese in dem PDF verlinkt in #82 nichtemal zwischen den Zeilen was vom §249. Also 'Assoziale' dürften in den wenigsten Fällen ins Beuteraster der IX gefallen sein. Ich meine das ist ja alles recht interessant, so mit Hoheneck, Snowdens Freundin (scheint's der Kerl ist doch nicht schwul), Turtels/Larrisas Buchprojekt und so weiter. Aber meint ihr nicht auch das dann noch solche gegenseitigen Anpisserein zusätzlich dazu leicht (das war ironisch gemeint) die Übersichtlichkeit und den Lesegenuß Aussenstehender trüben könnte? Na egal, aber das größte (...) im Forum ist doch wohl der Herr mit der XXXV im Wappen. Kündigt erst großspurig vor übern Jahr und Tag an, einen Besuch mit Insidern fürs Forum zu organisieren. Es ist reichlich Interesse da, auf Nachfragen kommen Larifari-Ausreden und nu ... 'nur für Freunde des MfS'. Also ich weiß auch nicht genau, wie Aufarbeitung funktionieren könnte, ABER SO GEWISS NICHT!


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


exgakl, furry, Altmark01 und Grenzverletzerin haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#250

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 09.11.2013 23:22
von damals wars | 12.206 Beiträge

Es ist doch allgemein bekannt ,das auch nomale Straftäter (Kriminelle) freigekauft wurden. Und da die Bundesrepublik bereitwillig auch für die bezahlte, wurde da sicher auch beim Transport in Richtung Westen kein Unterschied gemacht. Oder?


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#251

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 10.11.2013 07:22
von Alfred | 6.855 Beiträge

Zitat von 94 im Beitrag #249
Könntet'ers ma gut sein lassen, hä?!

Kaum ist der eine friedlich kommt die andere ums Eck, und sach ma, Du ggin; Du nimmst aber schon die Inhalte der von Dir eingestellten Verknüpfungen zur Kenntnis? Also ich lese in dem PDF verlinkt in #82 nichtemal zwischen den Zeilen was vom §249. Also 'Assoziale' dürften in den wenigsten Fällen ins Beuteraster der IX gefallen sein. Ich meine das ist ja alles recht interessant, so mit Hoheneck, Snowdens Freundin (scheint's der Kerl ist doch nicht schwul), Turtels/Larrisas Buchprojekt und so weiter. Aber meint ihr nicht auch das dann noch solche gegenseitigen Anpisserein zusätzlich dazu leicht (das war ironisch gemeint) die Übersichtlichkeit und den Lesegenuß Aussenstehender trüben könnte? Na egal, aber das größte (...) im Forum ist doch wohl der Herr mit der XXXV im Wappen. Kündigt erst großspurig vor übern Jahr und Tag an, einen Besuch mit Insidern fürs Forum zu organisieren. Es ist reichlich Interesse da, auf Nachfragen kommen Larifari-Ausreden und nu ... 'nur für Freunde des MfS'. Also ich weiß auch nicht genau, wie Aufarbeitung funktionieren könnte, ABER SO GEWISS NICHT!



94,

wie ich meine Freizeit gestalte bleibt doch wohl noch immer mir selbst überlassen.
Die Besichtigung der Zentrale ist aufgeschoben. Ich bin bei dieser "Maßnahme" auch auf andere Personen angewiesen und bis jetzt konnten wir uns nicht auf einen entsprechenden Termin einigen.
Und noch eins. In Vorbereitung dieser Besichtigung bekam ich auch die eine oder andere "nette" PN. Und alles muss ich mir auch nicht gefallen lassen.


zuletzt bearbeitet 10.11.2013 07:34 | nach oben springen

#252

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 10.11.2013 10:09
von Vogtländer (gelöscht)
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Anscheinend haben wir mal ein dünnhäutiges Wochenende.Erstaunlich,wie sensiebel WIR sind.
Und das Knäblein ist schuldig zu sprechen dafür!


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#253

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 10.11.2013 12:53
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Vogtländer im Beitrag #244

Worüber hier man sich noch stundenlang streiten kann,das ist das Thema RF.Und selbst da werden wir alle nicht unter einen Hut bekommen.



Wer sich mit Thema beschätigt hat, ob nun aus allgemeinen Interesse oder um Ereignisse seiner eigenen Biografie zu begreifen, der kann jedoch feststellen, dass bei der Behandlung der Menschen, die die DDR verlassen wollten, aus was für Gründen und auf welchem Weg auch immer, es ein System gab, dass sich auch dem Wandel der Zeit anpasste. Das kann man sehr gut in folgender Studie nachlesen:

Zentrale Koordinierungsgruppe - Bekämpfung von Flucht und Übersiedlung

Die Zuständigkeit der ZKG bei Ausreisen, die "aus politisch-operativen Gründen und aus anderem staatlichen Interesse" genehmigt wurden, hatte sowohl eine deutlichere Abgrenzung zur Aufgabenstellung gegenüber dem MdI als auch eine Verschärfung der Vorgaben zur Folge. So verlangte die ZKG 1984 in einer "Orientierung", daß in jedem Einzelfall exakt geprüft werden müsse, ob keine andere Lösung möglich sei und ob die Kosten-/
Nutzenrechnung zugunsten der DDR ausfalle. Gemeint war damit eine Bilanzierung in "Hinblick auf innere Stabilität und auch im Hinblick auf das internationale Ansehen der DDR" wie hinsichtlich des "Aufwands an politisch-operativer und allgemein-gesellschaftlicher Zeit und Kraft zur Kontrolle der Person". Ohne entsprechende Beweisführung sollten Vorschläge der MfS-Kreisdienststellen zur Bewilligung von Ausreisen von den BKG
zurückgewiesen werden. Die ZKG berief sich in diesem Zusammenhang auf die "Vollmacht des Ministers", derartige Vorschläge nicht mehr zu bestätigen, und verwies darauf, daß Ausreisen aus den genannten Gründen "alleinige Sache der Staatssicherheit" seien.

Die Entscheidungen in Ausreisefällen wurden von der ZKG nach wie vor in Abstimmung mit dem Stellvertreter des Ministers, Gerhard Neiber, gefällt. In Sonderfällen bedurfte es der Zustimmung Mielkes. Das letzte Wort für die Ausreise von Bürgern der DDR behielt sich schließlich Erich Honecker vor. Die auf zentralen Listen zusammengestellten Fälle wurden über Egon Krenz (Sekretär für Sicherheitsfragen des ZK) Generalsekretär Honek-
ker zur Kenntnis gebracht und von diesem letztlich mit einer Einverständniserklärung abgesegnet. Allein im Jahre 1985 gingen der ZKG Bewilligungsvorschläge aus "politisch-operativen Gründen" zu 12.791 Personen zur weiteren Bearbeitung zu.

Für die praktische Realisierung der Ausreise blieb allerdings das MdI und damit auf der Seite des MfS die HA VII verantwortlich. Das Verfahren sollte
gewährleisten, "die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt gehen zu lassen, bevor sie uns politischen Schaden zufügen können"


http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...publicationFile

Wenn man sich die gesamte Studie durchliest, dann kann man zu dem bösen Schluß kommen, dass jeder, der die DDR verlassen wollte, eine Planziffer war. Und je nachdem auf wen der einzelne Betroffene und besonders wann getroffen ist, wurde er in die Reihe Flucht, Haft, Freikauf , Ausreise eingeordnet.

Noch böser wird es, wenn man die Freikäufe von politischen Flüchtlinegn betrachtet.

Nur wenige Politiker in Bonn und Ost-Berlin waren eingeweiht in den widerlichsten Staatsdeal in 40 Jahren Bundesrepublik - den An- und Verkauf von Landeskindern der Deutschen Demokratischen Republik. "Jeder Mitwisser", befand ein Bonner Minister, "ist ein Wissender zuviel."

....

Anfangs zahlte die Bundesregierung für jeden aus der DDR Freigekauften 40 000 Mark, später exakt 95 847 Mark. Ost-Berlin kassierte genau 3,4369 Milliarden Mark und 12 Pfennige. So jedenfalls verbreiten es bislang die Herrschenden von Bonn.


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13682979.html

Da bekommt die oben erwähnte Kosten/ Nutzenrechnung einen ganz bitteren Beigeschmack. Veraten und Verkauft ist mein persönliches Resümee, egal von wem.

Eine Aufarbeitung sehe ich deswegen hier im Forum als sehr schwierig, weil die Mitarbeiter des MfS auch nur Segmente kannten, wie sie oft betonen. Daher kann man auch keine konkreten Antworten von den usern erwarten. Einen Gesamtüberblick werden wohl nur wenige gehabt haben, aber die werden sich wahrscheinlich nicht im Kreise unserer User befinden. Daher bleibt uns nur eins übrig - sich intesnsiv mit den Veröffentlichungen zu beschäftigen.

LG von der grenzgaengerin

EDIT Tippfehler


Lutze, Hans und 94 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 10.11.2013 13:09 | nach oben springen

#254

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 10.11.2013 15:42
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #253
Zitat von Vogtländer im Beitrag #244

Worüber hier man sich noch stundenlang streiten kann,das ist das Thema RF.Und selbst da werden wir alle nicht unter einen Hut bekommen.



Wer sich mit Thema beschätigt hat, ob nun aus allgemeinen Interesse oder um Ereignisse seiner eigenen Biografie zu begreifen, der kann jedoch feststellen, dass bei der Behandlung der Menschen, die die DDR verlassen wollten, aus was für Gründen und auf welchem Weg auch immer, es ein System gab, dass sich auch dem Wandel der Zeit anpasste. Das kann man sehr gut in folgender Studie nachlesen:

Zentrale Koordinierungsgruppe - Bekämpfung von Flucht und Übersiedlung

Die Zuständigkeit der ZKG bei Ausreisen, die "aus politisch-operativen Gründen und aus anderem staatlichen Interesse" genehmigt wurden, hatte sowohl eine deutlichere Abgrenzung zur Aufgabenstellung gegenüber dem MdI als auch eine Verschärfung der Vorgaben zur Folge. So verlangte die ZKG 1984 in einer "Orientierung", daß in jedem Einzelfall exakt geprüft werden müsse, ob keine andere Lösung möglich sei und ob die Kosten-/
Nutzenrechnung zugunsten der DDR ausfalle. Gemeint war damit eine Bilanzierung in "Hinblick auf innere Stabilität und auch im Hinblick auf das internationale Ansehen der DDR" wie hinsichtlich des "Aufwands an politisch-operativer und allgemein-gesellschaftlicher Zeit und Kraft zur Kontrolle der Person". Ohne entsprechende Beweisführung sollten Vorschläge der MfS-Kreisdienststellen zur Bewilligung von Ausreisen von den BKG
zurückgewiesen werden. Die ZKG berief sich in diesem Zusammenhang auf die "Vollmacht des Ministers", derartige Vorschläge nicht mehr zu bestätigen, und verwies darauf, daß Ausreisen aus den genannten Gründen "alleinige Sache der Staatssicherheit" seien.

Die Entscheidungen in Ausreisefällen wurden von der ZKG nach wie vor in Abstimmung mit dem Stellvertreter des Ministers, Gerhard Neiber, gefällt. In Sonderfällen bedurfte es der Zustimmung Mielkes. Das letzte Wort für die Ausreise von Bürgern der DDR behielt sich schließlich Erich Honecker vor. Die auf zentralen Listen zusammengestellten Fälle wurden über Egon Krenz (Sekretär für Sicherheitsfragen des ZK) Generalsekretär Honek-
ker zur Kenntnis gebracht und von diesem letztlich mit einer Einverständniserklärung abgesegnet. Allein im Jahre 1985 gingen der ZKG Bewilligungsvorschläge aus "politisch-operativen Gründen" zu 12.791 Personen zur weiteren Bearbeitung zu.

Für die praktische Realisierung der Ausreise blieb allerdings das MdI und damit auf der Seite des MfS die HA VII verantwortlich. Das Verfahren sollte
gewährleisten, "die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt gehen zu lassen, bevor sie uns politischen Schaden zufügen können"


http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...publicationFile

Wenn man sich die gesamte Studie durchliest, dann kann man zu dem bösen Schluß kommen, dass jeder, der die DDR verlassen wollte, eine Planziffer war. Und je nachdem auf wen der einzelne Betroffene und besonders wann getroffen ist, wurde er in die Reihe Flucht, Haft, Freikauf , Ausreise eingeordnet.

Noch böser wird es, wenn man die Freikäufe von politischen Flüchtlinegn betrachtet.

Nur wenige Politiker in Bonn und Ost-Berlin waren eingeweiht in den widerlichsten Staatsdeal in 40 Jahren Bundesrepublik - den An- und Verkauf von Landeskindern der Deutschen Demokratischen Republik. "Jeder Mitwisser", befand ein Bonner Minister, "ist ein Wissender zuviel."

....

Anfangs zahlte die Bundesregierung für jeden aus der DDR Freigekauften 40 000 Mark, später exakt 95 847 Mark. Ost-Berlin kassierte genau 3,4369 Milliarden Mark und 12 Pfennige. So jedenfalls verbreiten es bislang die Herrschenden von Bonn.


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13682979.html

Da bekommt die oben erwähnte Kosten/ Nutzenrechnung einen ganz bitteren Beigeschmack. Veraten und Verkauft ist mein persönliches Resümee, egal von wem.

Eine Aufarbeitung sehe ich deswegen hier im Forum als sehr schwierig, weil die Mitarbeiter des MfS auch nur Segmente kannten, wie sie oft betonen. Daher kann man auch keine konkreten Antworten von den usern erwarten. Einen Gesamtüberblick werden wohl nur wenige gehabt haben, aber die werden sich wahrscheinlich nicht im Kreise unserer User befinden. Daher bleibt uns nur eins übrig - sich intesnsiv mit den Veröffentlichungen zu beschäftigen.



LG von der grenzgaengerin

EDIT Tippfehler





ist Gold - Geschwätzigkeit noch nicht einmal Silber !!!


Feliks D. und Pitti53 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#255

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 10.11.2013 16:00
von Lutze | 8.039 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #254
Zitat von grenzgaengerin im Beitrag #253
Zitat von Vogtländer im Beitrag #244

Worüber hier man sich noch stundenlang streiten kann,das ist das Thema RF.Und selbst da werden wir alle nicht unter einen Hut bekommen.



Wer sich mit Thema beschätigt hat, ob nun aus allgemeinen Interesse oder um Ereignisse seiner eigenen Biografie zu begreifen, der kann jedoch feststellen, dass bei der Behandlung der Menschen, die die DDR verlassen wollten, aus was für Gründen und auf welchem Weg auch immer, es ein System gab, dass sich auch dem Wandel der Zeit anpasste. Das kann man sehr gut in folgender Studie nachlesen:

Zentrale Koordinierungsgruppe - Bekämpfung von Flucht und Übersiedlung

Die Zuständigkeit der ZKG bei Ausreisen, die "aus politisch-operativen Gründen und aus anderem staatlichen Interesse" genehmigt wurden, hatte sowohl eine deutlichere Abgrenzung zur Aufgabenstellung gegenüber dem MdI als auch eine Verschärfung der Vorgaben zur Folge. So verlangte die ZKG 1984 in einer "Orientierung", daß in jedem Einzelfall exakt geprüft werden müsse, ob keine andere Lösung möglich sei und ob die Kosten-/
Nutzenrechnung zugunsten der DDR ausfalle. Gemeint war damit eine Bilanzierung in "Hinblick auf innere Stabilität und auch im Hinblick auf das internationale Ansehen der DDR" wie hinsichtlich des "Aufwands an politisch-operativer und allgemein-gesellschaftlicher Zeit und Kraft zur Kontrolle der Person". Ohne entsprechende Beweisführung sollten Vorschläge der MfS-Kreisdienststellen zur Bewilligung von Ausreisen von den BKG
zurückgewiesen werden. Die ZKG berief sich in diesem Zusammenhang auf die "Vollmacht des Ministers", derartige Vorschläge nicht mehr zu bestätigen, und verwies darauf, daß Ausreisen aus den genannten Gründen "alleinige Sache der Staatssicherheit" seien.

Die Entscheidungen in Ausreisefällen wurden von der ZKG nach wie vor in Abstimmung mit dem Stellvertreter des Ministers, Gerhard Neiber, gefällt. In Sonderfällen bedurfte es der Zustimmung Mielkes. Das letzte Wort für die Ausreise von Bürgern der DDR behielt sich schließlich Erich Honecker vor. Die auf zentralen Listen zusammengestellten Fälle wurden über Egon Krenz (Sekretär für Sicherheitsfragen des ZK) Generalsekretär Honek-
ker zur Kenntnis gebracht und von diesem letztlich mit einer Einverständniserklärung abgesegnet. Allein im Jahre 1985 gingen der ZKG Bewilligungsvorschläge aus "politisch-operativen Gründen" zu 12.791 Personen zur weiteren Bearbeitung zu.

Für die praktische Realisierung der Ausreise blieb allerdings das MdI und damit auf der Seite des MfS die HA VII verantwortlich. Das Verfahren sollte
gewährleisten, "die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt gehen zu lassen, bevor sie uns politischen Schaden zufügen können"


http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Publik...publicationFile

Wenn man sich die gesamte Studie durchliest, dann kann man zu dem bösen Schluß kommen, dass jeder, der die DDR verlassen wollte, eine Planziffer war. Und je nachdem auf wen der einzelne Betroffene und besonders wann getroffen ist, wurde er in die Reihe Flucht, Haft, Freikauf , Ausreise eingeordnet.

Noch böser wird es, wenn man die Freikäufe von politischen Flüchtlinegn betrachtet.

Nur wenige Politiker in Bonn und Ost-Berlin waren eingeweiht in den widerlichsten Staatsdeal in 40 Jahren Bundesrepublik - den An- und Verkauf von Landeskindern der Deutschen Demokratischen Republik. "Jeder Mitwisser", befand ein Bonner Minister, "ist ein Wissender zuviel."

....

Anfangs zahlte die Bundesregierung für jeden aus der DDR Freigekauften 40 000 Mark, später exakt 95 847 Mark. Ost-Berlin kassierte genau 3,4369 Milliarden Mark und 12 Pfennige. So jedenfalls verbreiten es bislang die Herrschenden von Bonn.


http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13682979.html

Da bekommt die oben erwähnte Kosten/ Nutzenrechnung einen ganz bitteren Beigeschmack. Veraten und Verkauft ist mein persönliches Resümee, egal von wem.

Eine Aufarbeitung sehe ich deswegen hier im Forum als sehr schwierig, weil die Mitarbeiter des MfS auch nur Segmente kannten, wie sie oft betonen. Daher kann man auch keine konkreten Antworten von den usern erwarten. Einen Gesamtüberblick werden wohl nur wenige gehabt haben, aber die werden sich wahrscheinlich nicht im Kreise unserer User befinden. Daher bleibt uns nur eins übrig - sich intesnsiv mit den Veröffentlichungen zu beschäftigen.



LG von der grenzgaengerin

EDIT Tippfehler





ist Gold - Geschwätzigkeit noch nicht einmal Silber !!!

daher werden wir bei dieser Gedenkstätte nicht weiter kommen,
ein ehemaliger Inhaftierter,
oder ein ehemaliges Mitglied vom MfS,
ich kann nur was zum Knast-Wagon etwas beitragen
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#256

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 10.11.2013 20:18
von Vogtländer (gelöscht)
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Nun,Erfahrungen können wir schon beitragen zur Geschichtsufarbeitung.Nur gefallen werden sie nicht jedem.
Beachten sollten wir ein paar GAAANZ wichtige Dinge:

-Fakten/Realitäten und damit verbunden Kampf gegen Geschichtsverdrehung/"Verblödung" der Nachkommen und Interessierten
-Respekt dem jeweils Anderen gegenüber
-Zuhören/Nachdenken/Mitdenken
-auch Eier inne Hose haben und zu eignen Fehlern stehen

Danke und habt nen guten Abend/Start inne neue Woche!


Küchenbulle 79, DoreHolm, Hans und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#257

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 10.11.2013 21:23
von Schuddelkind | 3.516 Beiträge

Geschichtchen oder Geschichte?

Wie Vergangenes durch Zeitzeugen lebendig wird und verfälscht werden kann

Von Andrea und Justin Westhoff

Geschichtsthemen haben noch immer Hochkonjunktur und in den Medien kommen in allen Programmen Zeitzeugen zu Wort: Überlebende des Holocausts, Zeugen des Mauerbaus, ergraute Angehörige der 68er-Generation und Opfer der Stasi. Ihre Erinnerungen lassen das Geschehene lebendig werden. Aber wie authentisch sind die Erinnerungen von Zeitzeugen tatsächlich?



Walter Winter, Überlebender des so genannten Zigeunerlagers in Auschwitz, bezeugt:

"Wir kamen da auf dem Bahnhof an. Da war alles war eingezäunt. Da haben wir die Schrift gelesen: 'Arbeit macht frei!' Und da sind wir da reinmarschiert. Da kamen diese Kolonnen an. Die hatten da Tote an Stangen hängen: blutüberströmt, wie so ein Rehwild. Das war das für uns, also das kann man gar nicht wiedergeben, das war ein Schock. Und am anderen Morgen haben sie uns die Nummer eintätowiert."

Marga Becker-Ambrock, die nach Ende des Krieges als 15-Jährige aus der Evakuierung nach Berlin West zurückkam, erinnert sich:

"Diese ewige Angst: Was machen die Angehörigen, existiert die Wohnung noch, also die Existenzangst, die kam ja auch sofort. Keiner wusste ja, wie es weiter geht. Und ich hatte Hunger! Und man ist zwischen Ruinen gelaufen. Ich hatte gar keinen Zukunftsglauben mehr. Aber meine Mutter, die sagte immer: 'Du musst weiterdenken - und ich sage dir, in 20 Jahren wird das hier alles anders sein, da werden wieder Lichter in den Häusern sein.'"

Im Osten Deutschlands wurde binnen kurzer Zeit abermals eine Diktatur errichtet. Die Folgen für viele Bürger hat zum Beispiel Klaus Behnke erlebt.

"Ich gehörte zu einem Kreis städtisch vernetzt von Oppositionellen. Wir wussten, dass in der Regel am frühen Morgen, halb mitten in der Nacht, gegen fünf Uhr morgens, die Verhaftungen durchgeführt worden sind. Ich saß also und wartete darauf, was da möglicherweise mir entgegenkam: Zersetzungsmaßnahmen wie Einbrüche in die Wohnung, plötzliche Verhaftungen, Drohungen und Drangsalierungen gegenüber Freunden. Die Folge war natürlich massive Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, eine ganze Palette von psychosomatischen Störungen traten ein, Herz-Kreislauf-Störungen und so weiter und so weiter."

Drei Schilderungen von Menschen, die Ereignisse der jüngsten Geschichte persönlich erlebt haben.

"Der Zeitzeuge ist in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg allmählich geformt worden als eine mediale Figur."

Zeitzeugen sind seitdem besonders gefragt, wenn an etwas erinnert werden soll, wenn Gedenktage anstehen.

"Der Zeitzeuge ist jemand, der nicht unbedingt ein konkretes Ereignis gerichtsfest beglaubigen kann, sondern der in allgemeiner Weise über die Atmosphäre und die Verhältnisse einer Zeit Auskunft geben kann. Wenn wir in seine Augen sehen, scheint in ihnen uns die Vergangenheit direkt offenbar zu werden, und er ist ein Brückenbauer."

So definiert Professor Martin Sabrow, Leiter des Instituts für Zeitgeschichtliche Forschung in Potsdam, den Zeitzeugen. Der Begriff ist noch recht neu.

"Früher sprach man von Akteuren, von Tätern, von Beteiligten, von Zuschauern, von Tatzeugen, von Ohrenzeugen."

Zuvor hatten sich Historiker mit mündlichen Erzählungen von persönlich Erlebtem kaum auseinandergesetzt. Das änderte sich mit der Oral-History-Bewegung, die schon in den 30er-Jahren in den USA begonnen hatte, zunächst als Teil der Bürgerrechtsbewegung: Minderheiten wollten über ihre Geschichte sprechen. Mit der Zeit wurde "die Historie von unten" dann in die Geschichtsforschung einbezogen. Nicht mehr nur Herrscher und Militärerfolge sollen für die Geschichte stehen.

"Wir haben uns viel Mühe gegeben, die Äußerungen der Ohnmächtigen in der Geschichte so genau wie möglich zu protokollieren, um die Systematik dieser anderen Lebenserzählungen gegen die Erzählungen der großen Geschichte zu halten."

Aber auch die Rolle des Zeitzeugen hat sich mittlerweile gewandelt, es geht nicht mehr generell um die Sicht der "kleinen Leute". Im Zusammenhang mit dem Holocaust und nun auch mit der DDR-Diktatur sind überwiegend Erzählungen von Opfern gefragt. Andere, die für sich in Anspruch nehmen, Zeugen der Zeit zu sein, müssen - so der Historiker Martin Sabrow - zumindest die Fähigkeit zur kritischen Reflexion mitbringen.

"Wenn ein Zeitzeuge der NS-Zeit sich als Nazi aufführt, hat er seine Zeitzeugenschaft verloren. Oder nehmen wir den Fall der DDR: Wenn in einer Bezirksverordnetenversammlung zu gegebenem Anlass, als es um die Ausstellungs- und Dokumentationsstelle in Hohenschönhausen geht, das ehemalige MfS-Untersuchungsgefängnis, und dort ehemalige Stasileute aufstehen und dort skandierend oder kommentierend ihre Sicht bringen, dann werden sie gar nicht als Zeitzeugen angesehen."

Grundsätzlich jedoch stellt sich bei allen Zeitzeugen - wie für alle Quellen - die entscheidende Frage: Wie zuverlässig können sie sein?

"Das habe ich getan", sagt mein Gedächtnis. "Das kann ich nicht getan haben", sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. - Endlich gibt das Gedächtnis nach. (Friedrich Nietzsche)

Historiker und Zeitzeugen verstehen sich als Partner im Bemühen um eine vollständigere Geschichtsbetrachtung. Inzwischen aber kennt fast jeder Wissenschaftler, der einen Vortrag zu einem Ereignis der Zeitgeschichte hält, die Situation. Irgendwann steht jemand aus der Zuhörerschaft auf und sagt:

"Das war ganz anders. Ich muss es wissen, ich war ja dabei."

Dass jedoch Erinnerungen täuschen können, kennt man von widersprüchlichen Zeugenaussagen vor Gericht. Die Hirnforschung kann dieses Phänomen mittlerweile erklären. Und es trifft auch auf jene zu, die aus der Vergangenheit berichten. Martin Sabrow:

"Wir erinnern ja nicht das damalige Geschehen direkt, sondern wir erinnern es über die Brücke der letzten Erinnerung an unser Reden. Und so ist jede Erinnerung eine Art stille Post, in der sich die Erinnerungen ein stückweit verschleifen und verschieben, ohne dass wir das aber merken können. Ich denke, dass der Zeitzeuge dem Gedächtnis schon sehr treu ist, das Gedächtnis selbst ist es, das ganz trügerisch eine Wahrheit vortäuscht, die bestenfalls Wahrhaftigkeit sein kann."

Historiker entwerfen ein umfassendes Bild der Geschichte. Sie befolgen dabei wissenschaftliche und handwerkliche Regeln, auch wenn sie keine unumstößliche Objektivität für sich in Anspruch nehmen können. Hingegen erzählen Zeitzeugen ernst zu nehmende Geschichten.

"Es ist selbstverständlich: Ich muss im Umgang mit dem Zeitzeugen Empathie haben, denn er hat Schreckliches erlebt",

betont Professor Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin. Was ein Zeitzeuge aber nicht leisten kann, das ist die historische Deutung des von ihm Erlebten.

"Der Zeitzeuge, der in Auschwitz war, hat eine Botschaft für uns, diese Botschaft lautet aber nicht: 'Ich erkläre euch jetzt, wie und warum Adolf Hitler zur Macht kam.'"

Als Holocaustexperte trifft Benz besonders häufig Zeitzeugen. Trotz höchster Wertschätzung kann es dabei zu schwierigen Situationen kommen, etwa bei öffentlichen Veranstaltungen:

"Ich hab das verschiedentlich erlebt. Ich sitze neben einer das Publikum stark in ihren Bann ziehenden Frau, die Unsinn erzählt, ich weiß das als Historiker besser. Was tue ich? Wenn ich jetzt sage: 'Also gute Frau, das hat es so nicht begeben, auch wenn Sie daran vielleicht glauben, weil Sie das später irgendwann vielleicht mal gelesen haben.' Also wenn ich das tue, dann zerreißt mich das Publikum in der Luft, solidarisiert sich sofort. Dann bin ich der arrogante Besserwisser, der versucht, eine ungeheuer sympathische Frau zu beschädigen."

Doch Wolfgang Benz ist vollkommen klar, dass es bei Zeitzeugen gar nicht auf jedes Detail ankommt, sondern auf die Gefühle, die das unstrittig Erlebte hinterlassen hat. Und:

"Der Zeitzeuge hat ja heute vor allem die Funktion, dass er in Schulklassen, in Gedenkfeiern, vor Auditorium mit seiner Person dafür einsteht und sagt: 'Seht mich an, es ist geschehen.'"

"Als Historiker hab ich doch die Aufgabe herauszufinden, nach welchen Mechanismen die Vergangenheits-Vergegenwärtigung in meiner Zeit geschieht. Und da spielt der Zeitzeuge eine zentrale Rolle. Also: Der Zeitzeuge ist kein Feind des Historikers, aber er ist ein Konkurrent."

Und bei dieser "Konkurrenz" haben Zeitzeugen in einer Hinsicht die Nase vorn: wenn es darum geht, die jüngste Geschichte nachvollziehbar zu machen, auch emotional. Martin Sabrow selbst hat so seinen Anstoß erlebt, um sich später als Geschichtsprofessor mit dem Phänomen Zeitzeugen zu befassen.

"Ich war früher Studienrat an einem Berliner Gymnasium gewesen, und ich habe zu denen gehört, die einen Verfolgten, ein jüdisches Opfer des NS-Regimes, als Zeitzeugen in die Schulklasse eingeladen haben, der erzählt hat, wie es war, als er in Berlin zur Schule ging und seine Eltern deportiert wurden, und als er zurückkam, waren sie nicht mehr da. Das sind so bewegende Momente, dass ich das mein Lebtag nicht vergessen werde."

Zeitzeugen in der Schule und von Überlebenden geführte Besuche in KZ-Gedenkstätten gehörten nach 1945 in beiden deutschen Staaten zum Geschichtsunterricht. Die lebendige Schilderung sollte Erinnerung wach halten und Verantwortungsbewusstsein stärken.

Diese pädagogische Funktion aber stößt an ihre natürliche Grenze - derzeit, was die Zeitzeugen des Nationalsozialismus angeht. Das hat der Schriftsteller Jorge Semprun, selbst einst Häftling im KZ Buchenwald, 2005 auf einer Gedenkfeier eindrucksvoll angesprochen:

"Wir wissen es alle, dass diese 60. Wiederkehr des Tages, an dem die nationalsozialistischen Konzentrationslager befreit wurden, dass diese Gedenkfeier die letzte sein wird, an der Zeugen teilnehmen werden. Niemand wird mehr sagen können: 'Ja, so war es, ich war dabei.'"

Der Holocaustforscher Wolfgang Benz hingegen verweist auf andere Wege, Zeitzeugenschaft zu sichern:

"Man muss nicht so tun, als würden die Zeitzeugen ihr Wissen und ihre Authentizität ein für alle Mal mit ins Grab nehmen. Wir haben ja Archive, etwa das Spielberg-Archiv, die Shoah-Foundation, das sind 52.000 Aufnahmen, wo man also auch ganz gezielt nach Ort und Lebensumständen das Passende für den Unterricht, die passende Person sich suchen kann",

deren Aussagen in den Unterrichts-Kontext eingebettet werden können:

"Man muss ein bisschen Zeit investieren, um das vorzubereiten und nachzubereiten, dann funktioniert das sicherlich nicht genauso gut, als wenn die alte Dame jetzt persönlich zur Tür hereinkommt, aber es funktioniert. Und das hat eine unmittelbare sowohl kognitive wie emotionale Wirkung."

Über den Zugang der Freien und Technischen Universität Berlin zu den Archiven der Shoa-Foundation können Lehrer dies bundesweit nutzen.

Daneben gibt es inzwischen eine Vielzahl von weiteren Bemühungen, die Erinnerungen von Zeitzeugen als Ton- oder Videodokumente festzuhalten: staatliche Projekte ebenso wie private Initiativen, in denen zum Beispiel Jugendliche selbst die Interviews führen.

Noch mehr wird heute versucht, Geschichte über Fernsehen und Film zu vermitteln. Aber hier spielen Zeitzeugen eine bedenkliche Rolle, meint Historiker Martin Sabrow:

"Diese ursprünglich so kritische Funktion der Gegenerzählung hat der Zeitzeuge längst verloren. Er ist als mediale Figur zu einem Schnipselprodukt geworden. Dort werden Zeitzeugen vor neutralem Hintergrund als eine Sammlung von Äußerungen und Illustrationen benutzt, die affirmativ zu jeder beliebigen Aussage dazu geschnitten werden können."

Vor lauter Eifer, Geschichte mit "human touch" zu zeigen, irgendwen als angeblichen Kenner aufzubieten, konterkariert insbesondere das Fernsehen die Funktion der Zeitzeugen - nämlich aufzuklären über die Vergangenheit - ärgert sich Wolfgang Benz:

"Um zu illustrieren, wie das mit dem Luftangriff auf Essen war, da sucht man sich einen alten Mann, der wackelt dann mit dem Kopf und sagt 'Ja, ja ich bin in Essen gewesen, das war schrecklich.' Dann erklärt ein Mensch, der Fahnenjunker im Zweiten Weltkrieg war die Strategie des Generals Rommel in ganz Afrika, und das dann zwölf mal pro 40 Minuten Sendung, das ist also dann nur ein Eintopf, ein Brei. Das dient also weder der Information noch der Aufklärung. Das ist einfach Blödsinn."

Hinzu kommt, dass immer abwegigere angebliche Zeitzeugen präsentiert werden. Dazu bemerkte der Jenaer Zeithistoriker Norbert Frei einmal etwas süffisant:

"Es ist nicht so aufschlussreich, die Tochter des Gärtners von Heydrich im Fernsehen zu zeigen, wenn man den Umstand des Attentats auf den SS-Führer Heydrich in Prag erläutern will. Das sind Authentizitätsfiktionen."

"Wir preisen nicht mehr die Helden, sondern wir leiden mit den Opfern."

In jeder Gesellschaft gibt es eine Kultur des öffentlichen Erinnerns, orientiert an Wertvorstellungen, die sich jedoch wandeln können. Das Ende des Zweiten Weltkrieges zum Beispiel wurde von vielen Deutschen als "Zusammenbruch" empfunden und bezeichnet, nicht als Ende einer Diktatur und als Beginn von Freiheit. Am 8. Mai 1985 aber stellte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker klar:

"Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte. Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft."

Längst symbolisieren Holocaust-Überlebende die für Deutschland so besondere Funktion der "Vergangenheitsbewältigung". In dem man die Opfer zu Wort kommen lässt, zeigt man, dass man sich dieses "dunklen Kapitels" der Geschichte bewusst ist und glaubt, es überwunden zu haben.

Martin Sabrow, Leiter des Potsdamer Instituts für Zeitgeschichtliche Forschung, beobachtet allerdings, dass der Begriff Zeitzeuge unzulässig ausgeweitet, indem jeder zum Leidenden stilisiert wird.

"Wir erleben eine Victimisierung, also eine Verwandlung der Akteure in Opfer bis hin zu Hitler selbst, der in einer wichtigen Szene des Films 'Der Untergang' eine Träne verdrückt, als sein Männerfreund Albert Speer sich von ihm verabschiedet."

Im Großen und Ganzen scheinen jedoch die wirklichen Opfer mehr Gehör zu finden. Ein Zeitzeuge der jüngsten Geschichte, der in der DDR verfolgte, heutige Psychotherapeut Klaus Behnke, hat da andere Erfahrungen.

"Es gibt die generelle Meinung, Opfer stören nur, Opfer nerven, und: Die Opfer sind konfrontiert - aus der DDR - mit ihren Tätern auf allen möglichen Ebenen. Vor einiger Zeit war ein Mann bei mir, der in der Zwischenzeit nun 70 Jahre alt geworden ist, der aufgrund einer geringen Kleinigkeit eines Witzes in der Kneipe für eineinhalb Jahre ins Gefängnis gewandert ist. Der Denunziant fährt heute, wohl situiert, in einem großen deutschen Auto an ihm vorbei und wird in keiner Weise zur Rechenschaft gezogen. Wenn wir heute unseren Kindern darüber berichten, was das heißt, in so einer Diktatur zu leben und was einem da passieren kann, dann kann man eigentlich nur eins raten: 'Spielt mit, denn wenn es einmal wieder vorbei ist, dann werdet ihr auf jeden Fall zu den Siegern gehören, auch wenn ihr verloren habt.'"

Eine derart bittere Schlussfolgerung würde Zeitzeugenschaft ad absurdum führen. Doch der Historiker Martin Sabrow rät, nicht aufzugeben. Denn insgesamt könnten Zeitzeugen, nun in Deutschland die "neuen", die DDR-Unrecht erlebt haben, eine authentisch geschichtsvermittelnde Funktion haben.

"Ich sehe für den Zeitzeugen auch in der Auseinandersetzung mit der DDR und dem Staatssozialismus eine wichtige Rolle. Ich glaube, dass es für Heranwachsende außerordentlich wichtig ist, sich mit diesen Lebenserzählungen auseinanderzusetzen, und herauszufinden, dass gegen die ganzen zum Beispiel Lebenslügen der Altvorderen es richtig ist, auf den Normen des Rechtsstaates und dem Begriff der Wahrheit zu beharren, und um in der Auseinandersetzung mit Menschen einer anderen Generation ihren eigenen Standpunkt herauszuarbeiten."
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/studiozeit-ks/948031/


Intellektuelle spielen Telecaster
Hans und 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#258

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 10.11.2013 21:56
von Major Tom | 855 Beiträge

Zitat von damals wars im Beitrag #250
Es ist doch allgemein bekannt ,das auch nomale Straftäter (Kriminelle) freigekauft wurden.


Wenn das angeblich so allgemein bekannt ist dann ist es wohl bis zu mir noch nicht durchgedrungen. Hast Du denn auch einen Beleg fuer diese Behauptung? Ich habe damals seltsamerweise nicht einen einzigen Kriminellen kennengelernt welcher freigekauft wurde, das waren ausnahmslos Haeftlinge welche wegen Paragraf 213 oder aehnlichem verurteilt wurden.


Man sollte den Kopf nicht hängen lassen wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.
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#259

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 11.11.2013 00:29
von turtle | 6.961 Beiträge

Zitat von Major Tom im Beitrag #258
Zitat von damals wars im Beitrag #250
Es ist doch allgemein bekannt ,das auch nomale Straftäter (Kriminelle) freigekauft wurden.


Wenn das angeblich so allgemein bekannt ist dann ist es wohl bis zu mir noch nicht durchgedrungen. Hast Du denn auch einen Beleg fuer diese Behauptung? Ich habe damals seltsamerweise nicht einen einzigen Kriminellen kennengelernt welcher freigekauft wurde, das waren ausnahmslos Haeftlinge welche wegen Paragraf 213 oder aehnlichem verurteilt wurden.



http://17juni1953.wordpress.com/2012/09/...i-spitzel-frei/


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#260

RE: Gedenkstätte Haftanstalt Hohenschönhausen

in DDR Staat und Regime 11.11.2013 00:38
von Grenzverletzerin | 1.182 Beiträge

Schade, dass es bei so einem ernsten Thema immer zu Differenzen und Manifestierung der eigenen Befindlichkeiten geht...oder eben auch eskaliert. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, muss doch merken, dass es einigen Usern um Aufarbeitung geht und um echte/ehrliche Antworten!!
Wir sollten uns vielleicht bemühen den 'Größten gemeinsamen Nenner' zu finden und uns nicht mit dem 'Kleinsten gemeinsamen Nenner' zufrieden geben.
In diesem Sinne: Have a nice week!!


Unter Chemikern funktioniert die Evolution noch: Dumme Experimentierer werden natürlicherweise und rasch eliminiert.

Küchenbulle 79, turtle und Hans haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 11.11.2013 00:54 | nach oben springen



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