#61

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:18
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Und Pfarrer Eppelmann (Samariterkirche) hatte man auch noch in der Nachbarschaft.


Eisenacher hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.11.2013 21:19 | nach oben springen

#62

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:18
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Das ist Deine berechtigte Ansicht, ich wollte aber nicht wieder in einen noch so schön sanierten Altbau, in dem ich wieder Kohlen schleppen müsste.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#63

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:19
von Lutze | 8.042 Beiträge

meine erste Wohnung war sehr praktisch,
Plattenbau,Einraum-Wohnung,5 Stock,
das Sofa wurde abends zum Bett hergerichtet,
der Fernseher stand so,man konnte aus allen Ecken
auf den Fernseher schauen,selbst aus der Badewanne heraus,
und äußerst billig,etwas über 40 DDR-Mark an Miete bezahlt,
den Mietvertrag habe ich heute noch,falls es keiner glauben sollte
Lutze


wer kämpft kann verlieren,
wer nicht kämpft hat schon verloren
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#64

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:19
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Du willst es nicht begreifen, es ist müßíg. Eine Sanierung ohne Reparaturstau ist immer billiger und geht schneller als ein Neubau. Es sei denn, man muss entkernen. Dann nicht mehr.

Nur: Wenn kein Reparaturstau entsteht braucht man nicht zu sanieren, höchstens modernisieren oder reparieren.

Und solange wurde meist gewartet, dann wurde abgerissen und neu gebaut.


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#65

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:21
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Glaubst Du, das hat man aus purer Blödheit gemacht? Wenn die Kapazitäten da gewesen wären, hätte man sicher anders gehandelt.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#66

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:26
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Ich sag´ da nichts mehr dazu, ich klinke mich hier aus.

Weißt Du, warum der Teufel seine Großmutter erschlug? Weil er keine Ausreden mehr hatte. So kommt mir das hier vor.

Der Sozialismus war so toll.

Aber der Kapitalismus war so Sch...... nur hatte der Kapitalismus Material und Kapazitäten. Komisch, nicht? Ich würde das fehlen von Kapazitäten und Material als Fehler im System bezeichnen.


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
zuletzt bearbeitet 06.11.2013 21:26 | nach oben springen

#67

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:26
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

Zitat von GZB1 im Beitrag #61
Und Pfarrer Eppelmann (Samariterkirche) hatte man auch noch in der Nachbarschaft.


Und das echte Denkmal für den "Unbekannten Deserteur" in seinem Vorgarten.
Bis zum Aushang der gefälschten Wahlergebnisse in der Rigaer waren es auch nur 10min Fußweg.


zuletzt bearbeitet 06.11.2013 21:31 | nach oben springen

#68

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:34
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von berlin3321 im Beitrag #66
Ich sag´ da nichts mehr dazu, ich klinke mich hier aus.

Weißt Du, warum der Teufel seine Großmutter erschlug? Weil er keine Ausreden mehr hatte. So kommt mir das hier vor.

Der Sozialismus war so toll.

Aber der Kapitalismus war so Sch...... nur hatte der Kapitalismus Material und Kapazitäten. Komisch, nicht? Ich würde das fehlen von Kapazitäten und Material als Fehler im System bezeichnen.


Gut, die Platten aufeinander stapeln war in Serienproduktion sicherlich günstig, aber Geld hat das trotzdem auch gekostet.
Ich frage mich im Nachhinein wer die zu befriedigenden "Ansprüche" festgelegt hat, warmes Wasser aus Wand in einem fensterlosen Bad- und Küchenloch und Fernheizung kann es doch letztendlich nicht gewesen sein und ich wundere mich immer noch das auch heute damit noch jemand zufrieden ist.
Aber soviel scheinen es auch nicht mehr zu sein, die sanierten ehemaligen Satelitenviertel stehen zumal in Chemnitz recht leer, die rückgebauten Häuser weniger aber die noch vorhandenen alten 11-Geschoss-Silos schon.


zuletzt bearbeitet 06.11.2013 21:48 | nach oben springen

#69

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:41
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Andreas, im Gegensatz Trockentoilette halbe Treppe tiefer, Eisblumen am Schlafzimmerfenster, mit der WM-66 Badewasser für vier Köpfe Bad in der Zinkbadewanne in der Küche. Da habe ich das fensterlose Bad und den Einheitsbau gern in kauf genommen.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#70

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:44
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #69
Andreas, im Gegensatz Trockentoilette halbe Treppe tiefer, Eisblumen am Schlafzimmerfenster, mit der WM-66 Badewasser für vier Köpfe Bad in der Zinkbadewanne in der Küche. Da habe ich das fensterlose Bad und den Einheitsbau gern in kauf genommen.


Wir meinen ja hier auch nicht die maroden Altbauten damals sondern diese als eventuelle sanierte Alternative zu den Arbeiterschließfächern.


zuletzt bearbeitet 06.11.2013 21:49 | nach oben springen

#71

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:48
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Die hatte dann aber immer noch keine moderne Heizung, Kohlen schleppen war weiter angesagt, Fernheizung oder dezentrale Blockheizung gab es leider nicht. Erst Recht nicht zentrale Hausheizung über Gas oder Öl.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#72

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 21:58
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #71
Die hatte dann aber immer noch keine moderne Heizung, Kohlen schleppen war weiter angesagt, Fernheizung oder dezentrale Blockheizung gab es leider nicht. Erst Recht nicht zentrale Hausheizung über Gas oder Öl.


Es tut mir fast leid, aber schon wieder Einspruch, in Mehrzahl hatten die alten Häuser einen Gasanschluss und mit ein wenig ostdeutscher Ingenieurskunst und dem entsprechendem Kombinat für die Fertigung, wäre eine zentrale Beheizung durchaus möglich gewesen.
Es gab für Vitamin-B-Inhaber damals sogar schon die Forster Etagenheiztung, ein feines Teil übrigens für damalige Verhältnisse.


Diskus303 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.11.2013 21:59 | nach oben springen

#73

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 22:00
von Moskwitschka (gelöscht)
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Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #68


Gut, die Platten aufeinander stapeln war in Serienproduktion sicherlich günstig, aber Geld hat das trotzdem auch gekostet.
Ich frage mich im Nachhinein wer die zu befriedigenden "Ansprüche" festgelegt hat, Wasser aus Wand in einem fensterlosen Badloch und Fernheizung kann es doch letztendlich nicht gewesen sein und ich wundere mich immer noch das auch heute damit noch jemand zufrieden ist.



Grenzwolf, der Mensch ist eigenartiger Weise so gebaut, dass er sich immer danach sehnt, was er gerade nicht hat. Das beste Beispiel ist meine Freundin. 1986 bekam sie über ihren Betrieb eine Zuweisung für eine Neubauwohnung in Marzahn. In Mühlenbeck aufgewachsen, in Niederschönhausen im Grünen gelebt waren ihre Argumente:

-Keine Kohleheizung - kein Dreck
-Warmwasser aus der Wand
-Schule, Kindergarten und Krippe vor der Tür
-Kaufhalle in Sichtweite
-Weg zur Arbeit genauso schnell wie aus Pankow
-...

Ich fand es damals schade und sagte ihr, so eine Neubauwohnung hat auch ihre Tücken (Mängel) - da zieht es hier und zieht es dort und im Sommer kann es im Beton auch unerträglich werden. Sie ist dann weg gezogen. Glücklich ist sie nicht geworden, mein Landei.

Sie hat es gerade mal 3 Jahre in Marzahn ausgehalten und ist 1989 in ihr Kiez zurück gekehrt. Die Gründe waren vielschichtig. Der wictigste war aber - aus der Tür rausgehen und im Grünen sein (stark verkürzt) . Sie sagte, sie hat es ausprobiert und nur der Vergleich hat sie erfahren lassen, was ihr wirklich wichtig ist.

Sie hatte damals die Alternative. Viele, die in Marzahn wohnten und wohnen hatten und haben diese nicht. Und heute, bei den Mieten in Pankow schon garnicht mehr. Und so haben viele sich mit der Platte arrangiert. Und so bleibt es für sie das beste was ihnen passieren konnte. Und das sollte man ihnen auch nicht madig machen.

Im übrigen habe ich seit der Wende den unmittelbaren Vergleich zur Platte im Westen - das Märkische Viertel. Da muss ich sagen, wenn ich wählen müsste zwischen Marzahn und Märkischen Viertel würde ich mich nach Kenntnis der bausubstanz entscheiden für ?

LG von der grenzgaengerin


der glatte und Hans haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 06.11.2013 22:02 | nach oben springen

#74

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 23:06
von andy | 1.199 Beiträge

Als ich 1983 nach Potsdam kam war ich 22 Jahre und meine Eltern hatten in der Nähe von Königs Wusterhausen eine Wohnung mit ausreichendem Platz für mich. Also pendelte ich jeden Tag im Jahr von Potsdam in die Wohnung meiner Eltern. 1984 lernte ich meine Frau kennen, sie zog mangels Alternativen auch bei meinen Eltern ein und wir pendelten beide, sie nach Berlin, ich nach Potsdam. 1985 haben wir geheiratet und zwei Monate später hatten wir eine Einraumwohnung (Stasi-Block) zwei Minuten von meiner Dienststelle entfernt und meine Frau hatte einen Job in Potsdam. Als das erste Kind unterwegs war, sollten wir eine Zweiraumwohnung mit Ofenheizung in Gross Glienicke bekommen (Grenzer-Block), die Häuser wurden gerade gebaut - Kita vor der Tür aber weit ab vom Schuss. Wollten wir trotzdem haben.
Als ich den Mietvertrag unterschreiben wollte, sagte der Wohnungsmensch des GR-44, dass da gerade eine 80qm - Altbauwohnung in Potsdam - Babelsberg frei geworden wäre. Ich unterschrieb nicht, fuhr nach Klein Glienicke in Babelsberg, stand auf dem Hof des Hauses, das direkt an der Mauer lag, fuhr zurück in die Dienststelle und unterschrieb den neuen Mietvertrag, ohne die Wohnung je gesehen zu haben. Die 80qm entpuppten sich dann als 95qm-Zweiraum-Wohnung mit Loggia, 500 qm Gartennutzung, Ofenheizung und kräftigem Sanierungsbedarf. Nach knapp 7 Monaten war die mini - Sanierung mit neuen E-Leitungen (immer noch mit Alu), neuer Badewanne, neu gestrichenen Fenstern, wW in der Küche (19qm) und den rauhfaserbekleideten Wänden beendet und wir konnten glücklich einziehen. 2 Monate später wurde unsere erste Tochter geboren und bezog ein 25 qm grosses Kinderzimmer. Die Kachelöfen wurden durch eine Luftheizung ersetzt, das Kinderzimmer musste 2 Jahre später mit der kleinen Schwester geteilt werden und im Garten hoppelten die Kaninchen zur Freude der Kinder umher. Nach der Wende wurde auf eigene Kosten weitersaniert und später auf Kosten des neuen Eigentümers das Bad von Badeofen auf neuen Standart mit gefliesten Wänden gebracht. Die Ofenheizung für Wohn- und Kinderzimmer haben wir bewusst bis zum Auszug behalten und haben fast ausschlieslich Holz aus dem Babelsberger Park verfeuert. Bad und Küche wurden elektrisch beheizt.
2010 waren die Kinder groß und wir wurden durch die neuen Eigentümer rausgeekelt. Wir zogen dann von der Potsdamer Seen-Landschaft an den Zeuthener See im Südosten Berlins mit direktem Seezugang, Bootssteg und ohne Mieterhöhung im Objekt seit 1997.
Wohnungstechnisch kann ich mich über die letzten 28 Jahre also nicht beschweren - ich war wohl zwei mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
War einfach Glück.



andy


Komm, wir essen Opa. Satzzeichen können Leben retten.
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#75

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 23:12
von der glatte | 1.356 Beiträge

Leute, die Geschmäcker sind verschieden, wenigstens das sollten wir doch akzeptieren und jeder hatte eine andere, also seine Vorausetzung.
Ich persönlich hätte ja auch noch einige Jahre bei Schwiegereltern bleiben können, zog allerdings den Sechsgeschosser ohne Fahrstuhl und Balkon vor. Schön blöd, wird der eine sagen und nix wie weg der andere. Als ich 1984 von Meißen nach Berlin ging, hatte ich schon einige Jahre meiner Kindheit und Jugend in einer Wohnung mit Außenklo, Ofenheizung und ohne Badezimmer verbracht. Für mich war die Neubauwohnung wirklich ein Gewinn. Ich lasse mir meine Jahre dort in der Platte auch nicht kaputtreden, denn ich habe mir das Leben so eingerichtet, fertig.

Trotzdem ist die hier schon ausgiebig beschriebene Wohnraumsituation in der DDR, ein Stück Geschichte, auf das ich gerne verzichtet hätte.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


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#76

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 07.11.2013 00:02
von CASI | 78 Beiträge

Moin,

mal ein anderer Ansatz:
Warum klappte das mit den Wohnungen in der Bundesrepublik einfacher und besser: (das wird jetzte etwas länger)
Nach dem WK2 herrschte in der noch jungen Bundesrepublik heftiger Wohnungsmangel.
Hunderttausende Flüchtlinge aus den ehem. Ostgebieten, dazu kamen auch noch zigtausend Flüchtlinge aus der jungen DDR.
Auf gut Deutsch: Anfang der 50er Jahre war die Bundesrepublik voll! - und zwar bis auf die letzte Ritze!
Was machte die junge Bundesrepublik: Ein riesen Bauprogramm, um die ganzen Flüchtlinge aus den Nissenhütten und Notunterkünften herauszubekommen. Dazu kamen auch noch die Kriegsschäden.
Es gab durch die Heimstättenfürsorge, heute KFW, sehr günstige Kredite. Für Wohnungsbaugenossenschften, sowie für Privatpersonen!
Auf diese Weise war es möglich, das die Kriegszerstörten Häuser (meist in privater Hand) nach und nach wieder aufgebaut wurden, die Wohnungsbaugenossenschaften konnten mit billigem Geld Blöcke hochziehen und nun kommts: Es war fast für jeden "Arbeiter" möglich sich sein Häuslein zu bauen. Die Grundstücke gab es hinterhergeschmissen und mit etwas Hirnschmalz und selber anpacken standen die Häuser. Bedingung für die Kredite war: Es mussten Einfamillienhäuser mit "Einliegerwohnung" sein, oder 2 Familienhäuser, wobei die meist obere Wohnung an "Ostflüchtlinge" vermietet werden musste!!!
So war es möglich, das meine beiden Opas 1956, der andere 1958 sich ihr Traumhäusschen bauen konnten!
Opa 1 war Stromableser bei der VEW, Opa 2 war zu der Zeit Busfahrer, also ganz normale "Arbeiter"
Ich wohne heute im Haus vom Opa1 da es mittlerweile meines ist und kenne daher die Geschichte sehr, sehr genau.
Als die Hütte 1956 fertig wurde sind meine Großeltern mit meiner Mutter in ein Paradies eingezogen. Platz für beide Mädels, ein Bad mit warmen Wasser, Zentrahlheizung (Kohleofen im Keller), großer Garten.
Die obere Wohnung wurde vermietet. In die kleine 60m² Butze ist eine Familie mit 8! Personen eingezogen. Die kamen aus Ostpreussen und waren auch im Paradies, obwohl Bad mit Badeofen und keine Zentralheizung. Zentralheizung oben war halt oben finanziell nicht drin. Die Familie wohnte fast 10 Jahre in einer Nissenhütte!!!
1992 starb mein Opa und die Hütte war komplett Sanierungsreif (für westliche Begriffe). In der oberen Wohnung lebte noch die (mittlerweile steinalte) Oma aus Ostpreussen.
Mein Vater hat dann beschlossen: Sanierung!
Also die gesamte untere Wohnung leergemacht, Bad neu, Epilektrik neu, Heizung, etc.
Ein Mieter war schnell gefunden, liegt das Haus doch in sehr guter, ruhiger Lage.
Während der Sanierungsarbeiten, wo auch die Wohnung der Omi Zentralheizung bekam, fragte mich die Tochter der Omi, ob Sie denn nun ausziehen müsste, wegen der Sanierung?
Wir haben nur gesagt: Omi hat Bestanstschutz und die Miete bleibt bei 220DM!
1998 starb die Omi und die Wohnung oben wurde frei.
Wieder Kernsanierung. Alles raus, alles neu. Gleichzeitig zog der Mieter unten aus, also volles Programm!
Neuer Hausanstrich, Therme oben flog raus, neues Bad, Türen, etc.
Ich bin dann selber oben eingezogen, unten neu vermietet.
Die ganzen Sanierungsarbeiten kosten richtig Geld, aber ich bekomme auch seit 11 Jahren eine Miete, die das ganze halbwegs trägt und kann eine Wohnung vermieten, die auch vermietbar ist.
Letzten Monat war z.B. die Duschkabine beim Mieter unten gecrasht.
Das olle Ding aus billig Pllastik ist einfach nur auseinandergefallen, was auch nach fast 20 Jahren verständlich ist.
Also neue rein, aus Glas, richtig gut!
Auch wieder 1800€ weg! - 2 1/2 Mieten!
So, und da soll mir mal einer Erzählen, wie Kalkulation funktioniert!

Billige Mieten sind ja schön, aber der Mieter sollte auch wissen, was investiert wurde
In der DDR war es natürlich schön, billig zu wohnen, aber bei den subventionierten Mietpreisen braucht sich doch keiner zu wundern, das sowas nicht funktioniert.

Das SED Regime hat lieber Trabantenstädte hochgezogen, billigst gebaut und schon nach 10 Jahren sanierungsreif, anstatt in "Werte" zu investieren.

"Werte" können nicht geplant werden. "Werte" sind Dinge, an denen man hängt, oder aber auch abhängig ist!
Hängt man an einem "Wert"(mein Oldie) ist es egal was es kostet, ist man verantwortlich für einem Wert, rechnet man, damit das man diesen "Wert" erhalten kann und rummkommt. Dazu gehört auch das ich in den Baustoffhandel gehe und mir den benötigten Prassel einfach hole !

In einer Planwirtschaft, in der einem vorgeschrieben wird, was dieser "Wert" wert ist, braucht sich doch keiner wundern, das dieser "Wert" wertlos ist, da von oben Plan und Ziellos (gelernter Dachdecker, Automobilegenie, Baufachmann und Chipkonstrukteur als Oberhäuptling ) über diesen "Wert" entschieden wird und ich nur wertloses dafür bekomme (120 Aluchips im Monat Mierte nur als Beispiel)?
Noch Fragen?

Viele Grüße
Carsten



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#77

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 07.11.2013 00:24
von der glatte | 1.356 Beiträge

Klar reichten die 120 Blechtaler nicht aus um eine Wohnung zu erhalten. Dazu kam dann noch Heizung, Warmwasser, Müllabfuhr, etc. fast geschenkt. Das konnte nicht gut gehen. Die Miete im Neubaublock war zu billig.

Allerdings waren 120 Aluchips auch nicht so wertlos in der DDR wie Du Dir das möglicherweise denkst. Mit 120 Mark der DDR konnte man hunderte mal mit der Straßenbahn fahren.

Gruß Reiner


ACRITER ET FIDELITER


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#78

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 07.11.2013 00:39
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von der glatte im Beitrag #77
Klar reichten die 120 Blechtaler nicht aus um eine Wohnung zu erhalten. Dazu kam dann noch Heizung, Warmwasser, Müllabfuhr, etc. fast geschenkt. Das konnte nicht gut gehen. Die Miete im Neubaublock war zu billig.

Allerdings waren 120 Aluchips auch nicht so wertlos in der DDR wie Du Dir das möglicherweise denkst. Mit 120 Mark der DDR konnte man hunderte mal mit der Straßenbahn fahren.

Gruß Reiner




Stand 84 habe ich 800 Mark verdient und meine Frau nach 4 Jahren Fachschule als Krippenerzieherin lächerliche 400.
Die billige Miete war also schon auch ca. 10% vom Familieneinkommen, das Leben kostete auch, Kleidung und Möbel waren z.B. relativ teuer, also das hier oft hergebetete Schlaraffenland war es nun nicht gerade, musste man auch rechnen, zumal wenn man sich ein Auto, vollautomatische Waschmaschine oder Fernseher leisten wollte.


zuletzt bearbeitet 07.11.2013 00:45 | nach oben springen

#79

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 07.11.2013 00:39
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #65
Glaubst Du, das hat man aus purer Blödheit gemacht? .


Nein, aus purer Blödheit sicher nicht. Falsche Prioritäten, unfähige Entscheider, Vetternwirtschaft und gewiss auch Mangel an Material und Handwerkern dürften zu diesen unhaltbaren Zuständen geführt haben - neben einer ganzen Reihe weiterer Gründe.

Aber: Damit war die DDR nicht allein, das konnten und können die Wessis auch ganz gut: Die Diskussion über eine schlechte Infrastruktur, verrottete Straßen und baufällige Brücken ist ja zum Glück endlich in die Gänge gekommen. Auch hier wurde jahrzehntelang auf Verschleiß gefahren, notwendige Instandhaltungs- und Sanierungsarbeiten unterblieben und der Investitionsstau wird von Jahr zu Jahr gewaltiger. Dafür leisten wir uns aber sündteure Prestige-Objekte wie BER oder Stuttgart 21 - für mich klassische Beispiele einer fehlgeleiteten Investitionspolitik.

Auch hier war der "Mangel" ausschlaggebend: Nicht der an Menschen und Material, sondern der an Geld. Und besonders der, langfristig denken zu können, zu erkennen, dass uns das, was wir heute sparen, morgen das Mehrfache kosten wird.

Es gab mal eine Zeit, in der war die Politik langfristig orientiert, ähnelte vielleicht einem Familienunternehmen, das an die nächste Generation denkt und dem kurzfristigen Erfolg eine nicht so große Bedeutung zumaß. Heute kommen mir unsere Politiker eher wie die gehetzten Manager eines amerikanischen Konzerns vor, die ausschließlich das nächste Quartalsergebnis im Fokus haben - und sonst nichts.


Hans hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#80

RE: Meine erste Wohnung - Wohnraumsuche in der DDR

in Leben in der DDR 07.11.2013 00:42
von Eisenacher | 2.069 Beiträge

70M war die Warmmiete für 73m2 in der Platte. Also ein Aluchip pro m2. Deswegen wurden Miethäuser teilweise verschenkt oder für ein Appel und ein Ei verkauft.
Mein Bruder hat damals in Eisenach ein Dreifamilienhaus 250m2 mit Garten, vollunterkellert für 17 800M gekauft.


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