#41

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 17:09
von passport | 2.628 Beiträge

@Rainman2


Dieses Bild bröckelte er so richtig im Mai 1989, als ich u.a. durch einen Studienkollegen, der beim Wachregiment "Feliks Dzierżyński" diente, nach und nach erfuhr, wie weit der Apparat schon von der gesellschaftlichen Wirklichkeit entfernt war



Interessant was man alles so liest hier, ein SaZ des WR FED hat über die Arbeit und Tätigkeit des gesamten MfS bzw. SED ( Deutung: wie weit der Apparat?) einen Überblick besessen? Ich war selber über 2 Jahre SaZ bei einer WSE. Aber so einen Erkenntnisstand konnte man dort nicht gewinnen. Es war allgemein üblich und normal das ein Wachsoldat (galt auch für BS des MfS) nur über sein Tätigkeitsbereich informiert war. Ich maße mir selber heute noch nicht mal an die Komplexität dieses Ministeriums einzuschätzen. Auch nicht wie weit dieses Organ "von der gesellschaftlichen Wirklichkeit entfernt war". Dazu gibt es hier in diesen Forum genug Beiträge von Insidern die eine andere Aussagekraft haben.


Gruß

passport


Feliks D. und Pitti53 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#42

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 17:13
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Zitat von RudiEK89 im Beitrag #40

PS. Es hängt ein Plakat in der Ausstellung auf dem steht "Der Bürger der DDR war gläsern". Eine junge Frau sagte dazu, heute sind
wir ohne Fenster, dank der NSE. Darauf hat der Führer der Ausstellung nicht geantwortet.



Die NSA observiert Inhalte von PCs ziemlich gründlich. Mehr aber nicht bei Otto Normalo. Es liegt also an jedem selbst, in wieweit er sich im I-net selbst "nackich" macht.
Und selbst wenn - der Bürger wird heute deswegen nicht "zugeführt". Sogar gefährliche Extremisten werden jahrelang nur beobachtet, ohne Konsequenzen.
Natürlich ist das ne Sauerei, was die Geheimdienste machen. Aber viele Bürger nehmen sich da m. E. wichtiger, als sie es tatsächlich sind.
Wer nimmt denn heute was von Geheimdienstaktivitäten wahr? Früher waren die "Schlapphüte" sichtlich präsent und vor allem auch handgreiflich.

Gruß
Micha


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
zuletzt bearbeitet 01.01.2014 17:15 | nach oben springen

#43

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 17:20
von RudiEK89 | 1.950 Beiträge

Zitat von Freienhagener im Beitrag #42
Zitat von RudiEK89 im Beitrag #40

PS. Es hängt ein Plakat in der Ausstellung auf dem steht "Der Bürger der DDR war gläsern". Eine junge Frau sagte dazu, heute sind
wir ohne Fenster, dank der NSE. Darauf hat der Führer der Ausstellung nicht geantwortet.



Die NSA observiert Inhalte von PCs ziemlich gründlich. Mehr aber nicht bei Otto Normalo. Es liegt also an jedem selbst, in wieweit er sich im I-net selbst "nackich" macht.
Und selbst wenn - der Bürger wird heute deswegen nicht "zugeführt". Sogar gefährliche Extremisten werden jahrelang nur beobachtet, ohne Konsequenzen.
Natürlich ist das ne Sauerei, was die Geheimdienste machen. Aber viele Bürger nehmen sich da m. E. wichtiger, als sie es tatsächlich sind.
Wer nimmt denn heute was von Geheimdienstaktivitäten wahr? Früher waren die "Schlapphüte" sichtlich präsent und vor allem auch handgreiflich.

Gruß
Micha



Ist mir klar Micha, mir geht es auch nicht um die NSA oder das MfS aber die Aussage der jungen Frau brachte Stimmung in die Führung.


März 1986 - Herbst 1986 Uffz. Schule Perleberg, GAR5. Glöwen
Herbst 1986 - Februar 1989 GR Heiligenstadt I. GB Klettenberg, 3. GK Silkerode
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#44

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 17:31
von Freienhagener | 3.856 Beiträge

Noch ne Bemerkung zur Rolle des MfS gegen Ende der DDR:

Eine Hauptaufgabe neben der politischen Überwachung war die wirtschaftliche. Bei jedem größeren Problem in der Hinsicht, waren die sofort involviert.
Deshalb halte ich es nicht für eine Legende, daß die Führung der Dienste aufgrund ihrer allseitigen Kenntnisse der gesellschaftlichen Zustände schon Anfang der 80ger Jahre mit dem unausweichlichen Ende der DDR rechnete und rechtzeitig begann, sich auf die Zeit danach einzustellen. Deswegen auch die reibungslose Einnahme der "Runden Ecke".
Ich kann mir vorstellen, daß schon vorher auch Wachdienste mitbekamen, daß der Rückzug in Raten vorbereitet wurde.

Demnach hätte das MfS die DDR eher aufgegeben als die Bürger und auch eher als die SED-Führung mit "Ochs und Esel".

Was meint ihr dazu?


Disziplin ist die Fähigkeit, dümmer zu erscheinen als der Chef. (Hanns Schwarz)
EK 70 und thomas 48 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.01.2014 17:34 | nach oben springen

#45

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 19:24
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von thomas 48 im Beitrag #32
Hallo Rudi,
ich kenne das Gebäude nicht.
Du willst lieber das ein Bürgerrechtler die Führung macht, ok, wenn das einer machen würde, dann würde hier im Forum wieder über die schlechte Führung was stehen.
Viele Lügen und alles gegen die DDR gerichtet


Hallo Thomas, was meinst Du mit Lügen über die DDR, ich würde sagen, man spricht eigentlich die Wahrheit, was damals ablief! Oder? Wenn alles nicht wahr ist, ist das wohl alles was man da zeigt erlogen! Ich bitte Dich, bleibe doch einfach bei der Realität und schaue Dir die Sachen an.Komme aus deiner alten Scheinwelt heraus und lege Deine einseitige Sicht ab! Als ich meine Akte des MFS eingesehen habe, wurde mir klar was da alle gelaufen ist und was für sogenannte Freunde ein Scheiß über mich geschrieben haben. Verdammt traurig, habe gedacht den Leuten kann man vertrauen, aber leider es war nicht so. Du wirst wohl damit bestimmt kein Problem gehabt haben, sonst würdest Du eine andere Meinung zu der Sache haben. Nun was soll es, lese unsere Beiträge weiter und lebe in Deiner Welt! Man kann nun mal die DDR nicht schön reden, wenn sie es gewesen wäre, gäbe sie es Heute noch. Es war nicht alles schlecht, aber eben leider der größte Teil!
Grüsse Steffen52


grenzgänger81 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#46

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 19:30
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Zitat von passport im Beitrag #41
...


Dieses Bild bröckelte er so richtig im Mai 1989, als ich u.a. durch einen Studienkollegen, der beim Wachregiment "Feliks Dzierżyński" diente, nach und nach erfuhr, wie weit der Apparat schon von der gesellschaftlichen Wirklichkeit entfernt war



Interessant was man alles so liest hier, ein SaZ des WR FED hat über die Arbeit und Tätigkeit des gesamten MfS bzw. SED ( Deutung: wie weit der Apparat?) einen Überblick besessen? Ich war selber über 2 Jahre SaZ bei einer WSE. Aber so einen Erkenntnisstand konnte man dort nicht gewinnen. Es war allgemein üblich und normal das ein Wachsoldat (galt auch für BS des MfS) nur über sein Tätigkeitsbereich informiert war. Ich maße mir selber heute noch nicht mal an die Komplexität dieses Ministeriums einzuschätzen. Auch nicht wie weit dieses Organ "von der gesellschaftlichen Wirklichkeit entfernt war". Dazu gibt es hier in diesen Forum genug Beiträge von Insidern die eine andere Aussagekraft haben.


Gruß

passport

@passport

Ach Jotteken,

haben wir einem Insider aufs Schlipschen getreten, als das Wörtchen "ganze" kam?!

Natürlich ist die Sequenz "der ganze Apparat" metaphorisch gemeint und bezog nicht alle Facetten der Dienste ein. Der Mensch war übrigens Offizier und kein Soldat auf Zeit, ich studierte an der Militärpolitischen Hochschule, um das nochmal klarzustellen. Ich gestand und gestehe ihm, einem sehr intelligenten Menschen übrigens, auch zu, aus langjähriger Dienstzeit durchaus auch Rückschlüsse ziehen zu können. Mich haben damals die wesentlichen Punkte interessiert, nicht jeder Einzelschnarch. Zur für mich damals Spitze des Eisberges in unseren damaligen Gesprächen - Ich schrieb es an anderer Stelle schon einmal, dass ich im Mai 1989 mit ihm ein Gespräch hatte mit folgender Sequenz:
"Die drehen langsam durch. Wenn das so weitergeht, stellen die uns noch auf die Straße und wir müssen auf die Leute schießen."

Zu diesem Zeitpunkt und in diesem Gespräch war es das erste Mal, dass ich mit dieser Möglichkeit überhaupt konfrontiert wurde und mir auch als Offizier erste Gedanken über diese Möglichkeit machen musste. Mit fortschreitender Entwicklung im September/Oktober (Grenzsicherung an den Grenzen zur CSSR und Polen, Ausgabe von Knebelketten und Schlagstöcken an die dort eingesetzten Kräfte) musste ich mir im Klaren werden, dass diese Worte einen sehr ernsten Hintergrund hatten. Ich bin froh, dass es nicht so weit kam und sicher haben auch besonnene Leute bei der Staatssicherheit einen Anteil daran gehabt, dass es nicht zu einer schlimmeren Eskalation kam.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


RudiEK89, Hans und ABV haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#47

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 19:43
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Freienhagener im Beitrag #44
Noch ne Bemerkung zur Rolle des MfS gegen Ende der DDR:

Eine Hauptaufgabe neben der politischen Überwachung war die wirtschaftliche. Bei jedem größeren Problem in der Hinsicht, waren die sofort involviert.
Deshalb halte ich es nicht für eine Legende, daß die Führung der Dienste aufgrund ihrer allseitigen Kenntnisse der gesellschaftlichen Zustände schon Anfang der 80ger Jahre mit dem unausweichlichen Ende der DDR rechnete und rechtzeitig begann, sich auf die Zeit danach einzustellen. Deswegen auch die reibungslose Einnahme der "Runden Ecke".
Ich kann mir vorstellen, daß schon vorher auch Wachdienste mitbekamen, daß der Rückzug in Raten vorbereitet wurde.

Demnach hätte das MfS die DDR eher aufgegeben als die Bürger und auch eher als die SED-Führung mit "Ochs und Esel".

Was meint ihr dazu?


Richtig, diese Herren wussten schon ab 1986 Bescheid was abläuft und das alles nur noch eine Frage der Zeit ist bis alles den Bach runder geht.Deshalb haben sie auch vorgesorgt und ganz schnell zur Wende, den so genannten Staatsfeinden Tor und Tür geöffnet ( mit ihren wissen ) und sich ganz schnell einen schönen gut bezahlten Job in der 2 Reihe gesichert.Da kenne ich einige! Sie wussten auch, mit Gewalt vor gehen bringt nix, den man wollte ja kein Ungarn ( Laternenpfähle).
Grüsse Steffen52


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#48

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 19:54
von damals wars | 12.130 Beiträge

Schön,wer so alles Bescheid wußte, und die Flinte ins Korn warf, ich war nicht dabei. Ich war bereit, meine Arbeit weiter zu erfüllen und zu lernen, und hatte dabei tatkräftige Unterstützung, und kam auch ohne westdeutsche Beglückungen zurecht.


Als Gott den Menschen erschuf, war er bereits müde; das erklärt manches.(Mark Twain)
Ein demokratischer Rechtsstaat braucht Richter, keine Henker. Interview auf der Kundgebung Je suis Charlie am 11.01.2015
"Hass hat keinen Glauben, keine Rasse oder Religion, er ist giftig." der Witwer der britische Labour-Abgeordnete Jo Cox.
http://www.neo-magazin-royale.de/zdi/art...fur-frauke.html
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#49

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 20:03
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von damals wars im Beitrag #48
Schön,wer so alles Bescheid wußte, und die Flinte ins Korn warf, ich war nicht dabei. Ich war bereit, meine Arbeit weiter zu erfüllen und zu lernen, und hatte dabei tatkräftige Unterstützung, und kam auch ohne westdeutsche Beglückungen zurecht.


Ich will ja auch nicht alle, über einen Kamm scheren.Es gab solche und solche!
Grüsse Steffen52


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#50

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 20:33
von berlin3321 | 2.516 Beiträge

@ Steffen 52: Ich möchte mich für Deine ehrlichen und offenen Beiträge bedanken. Ich bezeichne Dich einfach mal als Gewinn für das Forum.

Leider gibt es aber den einen oder anderen User für den allem Anschein nach noch immer 1985 ist. Oder die Mauer wieder hätte, alles schön reden will.

Ich freue mich weiter von Dir zu lesen.

MfG Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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#51

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 20:48
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von berlin3321 im Beitrag #50
@ Steffen 52: Ich möchte mich für Deine ehrlichen und offenen Beiträge bedanken. Ich bezeichne Dich einfach mal als Gewinn für das Forum.

Leider gibt es aber den einen oder anderen User für den allem Anschein nach noch immer 1985 ist. Oder die Mauer wieder hätte, alles schön reden will.

Ich freue mich weiter von Dir zu lesen.

MfG Berlin


Danke, aber als erstes . Alles gute zu Deinem heutigen Ehrentag( Purzeltag haha) vor allem Gesundheit und das alle Deine Wünsche in Erfüllung gehen!
Werte weiter mein ehrliche Meinung schreiben und immer etwas zum Stoff beitragen, ob es nun einigen passt oder nicht. Ich habe in meinen Leben, fast 40 Jahre in dieser DDR gelebt und verdammt viel mit bekommen( ob bei der Fahne oder auch als einfacher Bürger) und da möchte ich für viele Jüngere was mit beitragen. Ich möchte nix schlecht und auch nicht schön schreiben, sondern einfach wie ich es erlebt und empfunden habe!
Grüsse Steffen52


Lutze, ABV und silberfuchs60 haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#52

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 21:08
von DoreHolm | 7.687 Beiträge

Hatte es schon mal geschrieben, vor einiger Zeit woanders. Ein nach der Auflösung des MfS in unserer Firma eingestellter MA sagte mir einmal zu den Gründen der auffälligen Zurückhaltung des MfS, daß sozus. einiger Frust darüber herrschte, daß über viele Jahre detailierte Berichte über Stimmungen und Meinungen zu allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens und der Wirtschaft an das Politbüro gingen, aber diese zunehmend ignoriert und nicht zum Anlaß für konstruktives Handeln genommen wurden. Namentlich unseren Bezirksfürst Müller nannte er, der alles vom Tisch gewischt hatte.
Damals vertrat ich die Meinung in den BPO-Versammlungen, daß sich mit den moderaten Kräftend der Bürgerbewegung an einen Tisch gesetzt werden sollte und diese nicht pauschal verteufelt werden dürfen. Bis zu einem bestimmten Zeitpunkt war das sicher noch möglich, eben als es vor allem um eine Reformierung der Gesellschaft unter weitestgehender Beibehaltung der Eigentumsverhältnisse an PM ging, um mehr Basisdemokratie ("wir sind das Volk"). Mir war aber damals schon klar, daß es, wenn diese Forderungen erfüllt sind, es weitergehende Forderungen geben wird bis hin zur Restauration kapitalistischer PV. Das war bisher bei allen Umwälzungen nicht nur in D so. Allein dieses Bewustsein hat mich davon abgehalten, mit auf die Demos zu gehen.



ABV, Feliks D., passport, Pitti53 und GilbertWolzow haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.01.2014 21:09 | nach oben springen

#53

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 21:50
von passport | 2.628 Beiträge

@Rainman2

Hier fühlt sich keiner auf den Schlips getreten!

Aber wenn man zu einen Thema schreibt sollte es nicht "allgemein" oder "nebulös" sein.
Da zählen nunmal Hintergrundinformationen und Fakten.

passport


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#54

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 21:53
von passport | 2.628 Beiträge

Zitat von steffen52 im Beitrag #47
Zitat von Freienhagener im Beitrag #44
Noch ne Bemerkung zur Rolle des MfS gegen Ende der DDR:

Eine Hauptaufgabe neben der politischen Überwachung war die wirtschaftliche. Bei jedem größeren Problem in der Hinsicht, waren die sofort involviert.
Deshalb halte ich es nicht für eine Legende, daß die Führung der Dienste aufgrund ihrer allseitigen Kenntnisse der gesellschaftlichen Zustände schon Anfang der 80ger Jahre mit dem unausweichlichen Ende der DDR rechnete und rechtzeitig begann, sich auf die Zeit danach einzustellen. Deswegen auch die reibungslose Einnahme der "Runden Ecke".
Ich kann mir vorstellen, daß schon vorher auch Wachdienste mitbekamen, daß der Rückzug in Raten vorbereitet wurde.

Demnach hätte das MfS die DDR eher aufgegeben als die Bürger und auch eher als die SED-Führung mit "Ochs und Esel".

Was meint ihr dazu?


Richtig, diese Herren wussten schon ab 1986 Bescheid was abläuft und das alles nur noch eine Frage der Zeit ist bis alles den Bach runder geht.Deshalb haben sie auch vorgesorgt und ganz schnell zur Wende, den so genannten Staatsfeinden Tor und Tür geöffnet ( mit ihren wissen ) und sich ganz schnell einen schönen gut bezahlten Job in der 2 Reihe gesichert.Da kenne ich einige! Sie wussten auch, mit Gewalt vor gehen bringt nix, den man wollte ja kein Ungarn ( Laternenpfähle).
Grüsse Steffen52



Wieder solche nebulösen Darstellungen. Bewise doch mal diese deine Behauptungen?

passport


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#55

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 22:05
von passport | 2.628 Beiträge

[quote=Freienhagener|p317562]Noch ne Bemerkung zur Rolle des MfS gegen Ende der DDR:

Eine Hauptaufgabe neben der politischen Überwachung war die wirtschaftliche. Bei jedem größeren Problem in der Hinsicht, waren die sofort involviert.
Deshalb halte ich es nicht für eine Legende, daß die Führung der Dienste aufgrund ihrer allseitigen Kenntnisse der gesellschaftlichen Zustände schon Anfang der 80ger Jahre mit dem unausweichlichen Ende der DDR rechnete und rechtzeitig begann, sich auf die Zeit danach einzustellen. Deswegen auch die reibungslose Einnahme der "Runden Ecke".
Ich kann mir vorstellen, daß schon vorher auch Wachdienste mitbekamen, daß der Rückzug in Raten vorbereitet wurde.

Demnach hätte das MfS die DDR eher aufgegeben als die Bürger und auch eher als die SED-Führung mit "Ochs und Esel".

Was meint ihr dazu?[

@Freienhagener


Herrlich, dieser Wissenstand. Hier ist wieder ein echte Experte am schreiben


passport


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#56

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 22:13
von thomas 48 | 3.568 Beiträge

Hallo Steffen,
du hast meine Antwort irgendwie falsch verstanden.
Ich habe Rudi angesprochen.
Wenn ein Bürgerrechtler die Führung durchführt, dann meinen die ehemaligen Genossen, das viel gegen die DDR steht und Lügen verbreitet werden.
Bei mir war es etwas anders.
Lies mal was über mich
Thomas


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#57

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 22:47
von Alfred | 6.841 Beiträge

Zitat von Rainman2 im Beitrag #46
Zitat von passport im Beitrag #41
...


Dieses Bild bröckelte er so richtig im Mai 1989, als ich u.a. durch einen Studienkollegen, der beim Wachregiment "Feliks Dzierżyński" diente, nach und nach erfuhr, wie weit der Apparat schon von der gesellschaftlichen Wirklichkeit entfernt war



Interessant was man alles so liest hier, ein SaZ des WR FED hat über die Arbeit und Tätigkeit des gesamten MfS bzw. SED ( Deutung: wie weit der Apparat?) einen Überblick besessen? Ich war selber über 2 Jahre SaZ bei einer WSE. Aber so einen Erkenntnisstand konnte man dort nicht gewinnen. Es war allgemein üblich und normal das ein Wachsoldat (galt auch für BS des MfS) nur über sein Tätigkeitsbereich informiert war. Ich maße mir selber heute noch nicht mal an die Komplexität dieses Ministeriums einzuschätzen. Auch nicht wie weit dieses Organ "von der gesellschaftlichen Wirklichkeit entfernt war". Dazu gibt es hier in diesen Forum genug Beiträge von Insidern die eine andere Aussagekraft haben.


Gruß

passport

@passport

Ach Jotteken,

haben wir einem Insider aufs Schlipschen getreten, als das Wörtchen "ganze" kam?!

Natürlich ist die Sequenz "der ganze Apparat" metaphorisch gemeint und bezog nicht alle Facetten der Dienste ein. Der Mensch war übrigens Offizier und kein Soldat auf Zeit, ich studierte an der Militärpolitischen Hochschule, um das nochmal klarzustellen. Ich gestand und gestehe ihm, einem sehr intelligenten Menschen übrigens, auch zu, aus langjähriger Dienstzeit durchaus auch Rückschlüsse ziehen zu können. Mich haben damals die wesentlichen Punkte interessiert, nicht jeder Einzelschnarch. Zur für mich damals Spitze des Eisberges in unseren damaligen Gesprächen - Ich schrieb es an anderer Stelle schon einmal, dass ich im Mai 1989 mit ihm ein Gespräch hatte mit folgender Sequenz:
"Die drehen langsam durch. Wenn das so weitergeht, stellen die uns noch auf die Straße und wir müssen auf die Leute schießen."

Zu diesem Zeitpunkt und in diesem Gespräch war es das erste Mal, dass ich mit dieser Möglichkeit überhaupt konfrontiert wurde und mir auch als Offizier erste Gedanken über diese Möglichkeit machen musste. Mit fortschreitender Entwicklung im September/Oktober (Grenzsicherung an den Grenzen zur CSSR und Polen, Ausgabe von Knebelketten und Schlagstöcken an die dort eingesetzten Kräfte) musste ich mir im Klaren werden, dass diese Worte einen sehr ernsten Hintergrund hatten. Ich bin froh, dass es nicht so weit kam und sicher haben auch besonnene Leute bei der Staatssicherheit einen Anteil daran gehabt, dass es nicht zu einer schlimmeren Eskalation kam.

ciao Rainman


Rainman,

ich möchte den Genossen von WR ja nicht auf die Krawatte treten.

Aber informiere dich doch bitte mal, welche Aufgaben das WR hatte. Auch im Bereich der Offiziere. Die meisten waren da sehr weit weg von operativen Aufgaben und hatten kaum einen Einblick in die Arbeit des MfS, sprich der verschiedenen Hauptabteilungen.


passport, Feliks D. und GilbertWolzow haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 01.01.2014 23:09 | nach oben springen

#58

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 22:54
von ABV | 4.202 Beiträge

Zitat von thomas 48 im Beitrag #56
Hallo Steffen,
du hast meine Antwort irgendwie falsch verstanden.
Ich habe Rudi angesprochen.
Wenn ein Bürgerrechtler die Führung durchführt, dann meinen die ehemaligen Genossen, das viel gegen die DDR steht und Lügen verbreitet werden.
Bei mir war es etwas anders.
Lies mal was über mich
Thomas


Vielleicht liegt es ja daran, dass beide Seiten, Bürgerrechtler und ehemalige Genossen, noch immer gewisse Klischeevorstellungen von einander im Kopf haben? Wenn der Bürgerrechtler etwas zum Thema DDR vorträgt, beschuldigt ihn der Ex-Genosse der Unwahrheit. Weil er in dem Bürgerrechtler noch immer keinen sachlichen Gesprächspartner zu erkennen glaubt. Oder viel mehr: nicht erkennen will!
Umgekehrt ist es genauso: Jeder Einwand, sei er auch noch so berechtigt, wird sofort als Verklärung oder Verteidigung der längst untergegangenen DDR angesehen.
Wenn jeder dem anderen zuhören würde, ohne gleich mit Vorwürfen um sich zu werfen, dann wären wir mit der Geschichtsaufarbeitung bereits ein Stück weiter.

Viele Grüße aus dem Oderbruch
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Rothaut, Hans, thomas 48 und Jobnomade haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#59

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 23:11
von ABV | 4.202 Beiträge

@Alfred und @Passport:
Ich denke mal, Rainman ging es nicht um irgendwelche Zuständigkeiten,bzw Einblicke in die operative Arbeit. Sondern darum, dass im Wachregiment bereits im Frühjahr 1989 eine angespannte Stimmung herrschte. Das man dort bereits, in Ansätzen erkannte, dass die DDR auf eine Konfrontation mit den eigenen Bürgern zusteuerte.
Ende Oktober 1989, sagte ein MfS-Mitarbeiter der KD Seelow den bevorstehenden Untergang der DDR voraus. Weil, nach seinen Worten, " die Karre viel zu tief im Dreck steckt. So tief, dass sie auch ein Egon Krenz oder sonst jemand, wieder heraus bekommen könnte."
Das war schon ein Schock, für einen damals fünfundzwanzigjährigen Volkspolizisten wie mich. Als er dann noch sagte, "dass man in der KD diese Entwicklung bereits seit Jahren hat kommen sehen und hinter vorgehaltener Hand gemunkelt hätte, dass nur noch ein Wunder den Plunderladen retten kann", bekam mein Weltbild heftige Risse.
Bislang hatte ich MfS-Mitarbeiter immer für "200prozentige" gehalten. Die fest und unerschüttlich zur DDR standen. Dabei wurde offenbar genauso über die DDR gedacht und geredet, wie anderswo auch.

Gruß Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


Rainman2, DoreHolm und Jobnomade haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#60

RE: "runde Ecke" in Leipzig

in Staatssicherheit der DDR (MfS) 01.01.2014 23:34
von Rainman2 | 5.757 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag #59
... Ich denke mal, Rainman ging es nicht um irgendwelche Zuständigkeiten,bzw Einblicke in die operative Arbeit. Sondern darum, dass im Wachregiment bereits im Frühjahr 1989 eine angespannte Stimmung herrschte. Das man dort bereits, in Ansätzen erkannte, dass die DDR auf eine Konfrontation mit den eigenen Bürgern zusteuerte. ...

Danke, ABV,

verstehendes Lesen ist doch eine feine Sache.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


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