#1

Arrest im Kupfergraben

in Grenztruppen der DDR 31.10.2013 12:36
von RiFu | 203 Beiträge

Je mehr ich hier rumstöbere und lese umso mehr kommen alte Erinnerungen wieder hoch. So wie auch diese hier, ich durfte in meinem letztem Dhj noch 3 Tage im Arrest im Kupfergraben verbringen. Das kam so:
Wir waren ja mit im GR36 in Rummelsburg stationiert. Das war eine relativ moderne Kaserne, die Unterkünfte waren aus Großplattenbauweise gebaut. Jede Stube hatte über der Tür ein Radio mit 4 Festsendertasten, dort war Berliner Rundfunk, Radio DDR 1 und 2 und Stimme der DDR fest eingestellt. Mit einer kleinen Verstimmung von 2 dieser Tasten ließ sich durch ds gleichzeitige Drücken von 2 Tasten der Regiments Informations und Ausbildungssender (RIAS) empfangen. Das hat immer gut funktioniert, da ja die OVD Rundgänge zu 99 Prozent gemeldet wurden. Nur ein einziges Mal ging das schief, der OVD kam rein, einer brüllt Achtung, alle stehen stramm, Meldung, und in dem Moment tönt es von oben "hier ist RIAS Berlin mit den Nachrichten". Das Gesicht Vom OVD war göttlich, tiefrot, dann haut er sofort auf den Ausknopf. Er hat dann selbst versucht durch wildes Tastendrücken den Feindsender wieder zu hören, da er immer nur eine Taste drückte ging das halt nicht.
Wir waren drei E beim Skatspielen, und durften dann halt kurz vor der Entlassung noch den Kupfergraben kennenlernen.
Die Tage dort waren sehr entspannt, tagsüber Küchendienst, abends halt der Sackgang mit dem Einschluss.
Wenn ich mich recht erinnere waren das sechs Zellen. Die Betten wurden erst zum Schlafen runtergeklappt.


EK 88 I


Feliks D., eisenringtheo, GZB1, andyman, tesssi55 und kassberg haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#2

RE: Arrest im Kupfergraben

in Grenztruppen der DDR 31.10.2013 13:41
von Grenzwolf62 (gelöscht)
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Zitat von RiFu im Beitrag #1
Je mehr ich hier rumstöbere und lese umso mehr kommen alte Erinnerungen wieder hoch. So wie auch diese hier, ich durfte in meinem letztem Dhj noch 3 Tage im Arrest im Kupfergraben verbringen. Das kam so:
Wir waren ja mit im GR36 in Rummelsburg stationiert. Das war eine relativ moderne Kaserne, die Unterkünfte waren aus Großplattenbauweise gebaut. Jede Stube hatte über der Tür ein Radio mit 4 Festsendertasten, dort war Berliner Rundfunk, Radio DDR 1 und 2 und Stimme der DDR fest eingestellt. Mit einer kleinen Verstimmung von 2 dieser Tasten ließ sich durch ds gleichzeitige Drücken von 2 Tasten der Regiments Informations und Ausbildungssender (RIAS) empfangen. Das hat immer gut funktioniert, da ja die OVD Rundgänge zu 99 Prozent gemeldet wurden. Nur ein einziges Mal ging das schief, der OVD kam rein, einer brüllt Achtung, alle stehen stramm, Meldung, und in dem Moment tönt es von oben "hier ist RIAS Berlin mit den Nachrichten". Das Gesicht Vom OVD war göttlich, tiefrot, dann haut er sofort auf den Ausknopf. Er hat dann selbst versucht durch wildes Tastendrücken den Feindsender wieder zu hören, da er immer nur eine Taste drückte ging das halt nicht.
Wir waren drei E beim Skatspielen, und durften dann halt kurz vor der Entlassung noch den Kupfergraben kennenlernen.
Die Tage dort waren sehr entspannt, tagsüber Küchendienst, abends halt der Sackgang mit dem Einschluss.
Wenn ich mich recht erinnere waren das sechs Zellen. Die Betten wurden erst zum Schlafen runtergeklappt.



Köstlich.


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#3

RE: Arrest im Kupfergraben

in Grenztruppen der DDR 31.10.2013 14:00
von GZB1 | 3.287 Beiträge

Jo, RiFu die Arrestanstalt war in der Kaserne am Kupfergraben ( NVA-Wachregiment "Friedrich Engels") Vorher war dort das GR-33 untergebracht.

Friedrich Engels hat dort 1841-42 als Artillerist in der 10. Kompanie des 4. Artillerieregiments gedient.


zuletzt bearbeitet 31.10.2013 14:20 | nach oben springen

#4

RE: Arrest im Kupfergraben

in Grenztruppen der DDR 31.10.2013 14:06
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von RiFu im Beitrag #1
... Jede Stube hatte über der Tür ein Radio mit 4 Festsendertasten, dort war Berliner Rundfunk, Radio DDR 1 und 2 und Stimme der DDR fest eingestellt. ...

-> Rundfunkübertragungsgerät


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#5

RE: Arrest im Kupfergraben

in Grenztruppen der DDR 31.10.2013 14:22
von HP6666 | 191 Beiträge

Ich mußte mal einen Uffz. hin bringen . Trotz Liste hatte er keine Schuhcreme mit . Um ihn nicht wieder mitnehmen zu müssen , rief ich im Wachregiment an , in dem ein Freund aus meiner Heimat gerade diente . Sie holten ihn ran , und als er hörte das ich im Knast bin , lachte der sich halb krank , brachte mir aber nach "Klärung des Sachverhalts" . eine Dose runter und gab sie mir durchs Gitter . Gittertür auf- und zu , nächste auf - wieder zu , und noch mal - das blieb mir sehr deutlich im Gedächnis haften . trotz der Kontrollen hat er Klamotten aus der B/A - Kammer mitgehen lassen . Die zeigte er mir in der S-Bahn.
Ein verrückter ... .

HP6666


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#6

RE: Arrest im Kupfergraben

in Grenztruppen der DDR 31.10.2013 14:29
von stutz | 568 Beiträge

Zitat von GZB1 im Beitrag #3
Jo, RiFu die Arrestanstalt war in der Kaserne am Kupfergraben ( NVA-Wachregiment "Friedrich Engels")


Bis zum März 1971 saß man seine Strafe in der Ernst Schneller Kaserne, in der sogenannten "Brigade" ab. Bis zu diesem Zeitpunkt war in der Friedrich Engels Kaserne am Kupfegraben das GR 33 stationiert.
Wir, das Gr 33, zogen dann nach Treptow um. Ab da wurde die jeweilige Strafe am Kupfergraben verbüßt.
Das absolute Orginal dieser Arrestanstalt zu meiner Zeit, war ihr Leiter, der sogenannte Knast-Ernst.
Eventuell kann sich noch einer erinnern.


"Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk;
und meine Nation, die ich mit großen Stolz verehre, ist die deutsche Nation.
Eine ritterliche, stolze und harte Nation." ( Ernst Thälmann )
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#7

RE: Arrest im Kupfergraben

in Grenztruppen der DDR 31.10.2013 14:35
von andyman | 1.880 Beiträge

der Regiments Informations und Ausbildungssender (RIAS)[/rot]

Hallo.War auch bei uns beliebt,leider gab es kaum Radios auf den Stuben durch die des Öfteren nicht angekündigten Kontrollen.Vom Kupfergraben hörten wir als unterschwellige Drohung bei nicht ordnungsgemäß funktionierenden Ablauf im Kompaniealltag.Der Fernsehempfang war da schon einfacher zB. bei Innendienst oder an Urlaubswochenenden wenn die halbe Kompanie weg war,konnte man schon mal den Stecker ziehen und siehe da mit ein bischen Draht war der Feindkontakt(Kupfergrabenwürdig) hergestellt.In der Praxis kam es eher selten vor weil Angst u. Schrecken vor allgegenwärtig war.LG andyman


Gruß aus Südschweden
Was nützt alles Hasten und Jagen,auch du bist nur ein Tropfen im Meer der Unendlichkeit. Confuzius
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#8

RE: Arrest im Kupfergraben

in Grenztruppen der DDR 02.11.2013 10:00
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Kupfergraben sagt mir auch was. Meinen einen Tag Knast durfte ich aber in der Arrestzelle unserer Kompanie absitzen und musste den auch nicht nachdienen.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#9

RE: Arrest im Kupfergraben

in Grenztruppen der DDR 12.06.2014 18:43
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Zitat von stutz im Beitrag #6
Zitat von GZB1 im Beitrag #3
Jo, RiFu die Arrestanstalt war in der Kaserne am Kupfergraben ( NVA-Wachregiment "Friedrich Engels")


Bis zum März 1971 saß man seine Strafe in der Ernst Schneller Kaserne, in der sogenannten "Brigade" ab. Bis zu diesem Zeitpunkt war in der Friedrich Engels Kaserne am Kupfegraben das GR 33 stationiert.
Wir, das Gr 33, zogen dann nach Treptow um. Ab da wurde die jeweilige Strafe am Kupfergraben verbüßt.
Das absolute Orginal dieser Arrestanstalt zu meiner Zeit, war ihr Leiter, der sogenannte Knast-Ernst.
Eventuell kann sich noch einer erinnern.



Hallo!
Eine Frage
Am Kupfergraben gab es nur zwei Zellen,soweit ich mich errinnen kann.
Wurde der Zellentrakt später erweitert ?
Gruß + Danke Rei


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