#121

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 12:53
von seaman | 3.487 Beiträge

Wir wurden damals gegen alles Mögliche geimpft.Manche Impfungen hielten nur 6 Monate vor und mussten regelmässig erneuert werden.Hier sind schon einige Vorbeugemassnahmen aufgezählt.Geschluckt oder gestochen.
Wenn man kurzfristig zum Einsatz kam,hat man Dir 3-4 Impfungen an einem Tag verpasst und Dich in den Flieger gesetzt.Am Einsatzort angekommen ,warst Du dann nach paar Stunden Arbeit erstmal paar Tage platt.Pockenimpfung entzündete sich und eiterte,andere Einstichstellen wurden dicke Beulen.Die Malariaprophylaxe tat ihr Übriges.
Trotzdem bekam ich in all den Jahren lediglich mal eine Gelbfieberinfektion(trotz Impfung) in leichterer Variante,die seit Jahren folgenlos abgeklungen ist.
Den internationalen Impfausweis musste man immer auf dem aktuellen Stand halten sonst gab es keine Ein-bzw.Ausreise....

seaman


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#122

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 12:55
von furry | 3.580 Beiträge

Vor einer Reise durfte ich mal fünf Impfungen per Nadel empfangen, zweimal Arm, zweimal Ar... und einmal Rückenmuskel.
Zum Impfen musste ich nach Leipzig oder Erfurt. Impfungen fanden auch nur an bestimmten Tagen statt, weil einmal angebrochene Impfdosen sofort aufgebraucht oder einen Tag später entsorgt werden müssen.


"Es gibt nur zwei Männer, denen ich vertraue: Der eine bin ich - der andere nicht Sie ... !" (Cameron Poe)
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#123

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 13:02
von Gelöschtes Mitglied
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Es war schon so wie von @seaman und von Dir @furry beschrieben, wenn Du Pech hattest, dann gab es alles im Stück und hinterher hast du dich dann wie ein Zombie gefühlt.
@seaman - gegen Pocken noch einmal geimpft ??? Eigentlich war die Pockenschutzimpfung aus der Schulzeit immer noch gültig. Der mußte ich mich nicht mehr unterziehen.
Und da wundert man sich noch, dass man eine gewisse Allergie gegen Spritzen hat.

Vierkrug


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#124

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 13:07
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #123
Es war schon so wie von @seaman und von Dir @furry beschrieben, wenn Du Pech hattest, dann gab es alles im Stück und hinterher hast du dich dann wie ein Zombie gefühlt.
@seaman - gegen Pocken noch einmal geimpft ??? Eigentlich war die Pockenschutzimpfung aus der Schulzeit immer noch gültig. Der mußte ich mich nicht mehr unterziehen.
Und da wundert man sich noch, dass man eine gewisse Allergie gegen Spritzen hat.

Vierkrug



Ja,einmal in Jugendjahren und später noch eine Wiederholungsimpfung( nach ca.25 Jahren).
Weiss nicht mehr genau für welches Fahrtgebiet,denke es war für Zaire(Matadi) damals.Heute Demokratische Republik Kongo.
Irgendwann hiess es dann mal,die Pocken sind weltweit ausgerottet.....

seaman


zuletzt bearbeitet 28.10.2013 13:09 | nach oben springen

#125

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 13:33
von elster427 | 789 Beiträge

So wie furry ging es mir damals auch. Während der Frühschicht hieß es auf einmal: Du sollst zum Alten kommen!
Oh man , was hast du jetzt wieder falsch gemacht? Als ich ankam , stellten sich zwei Leute von der Abteilung Kader und Schulung vor
und eröffneten mir gleichmal: Sie sind vorgesehen als OSK für sechs Monate nach Mocambique zu gehen.
Irgendwie hats mir dann erst einmal die Sprache verschlagen , was die beiden mit einem Lächeln quitierten.
Wieder zu Luft gekommen ging es erstmal um Frau und Kinder, ob dieser Einsatz möglich wäre?
Ich erbat mir dann erst einmal Zeit um mit meiner Frau zu sprechen, welche zu diesem Zeitpunkt nach der Geburt meiner Tochter noch im Krankenhaus lag.
Dan gab es noch ein paar Fragen zu Verwandschaft im Westen. Da ich keine hatte , sollte das ja schnell gehen. Denkste: Kennen sie Familie Y
in X? Kenne ich nicht. Sie kennen nicht den Onkel ihrer Schwiegermutter? Wie meine Schwiegermutter hat nen Onkel im Westen?
Schwiegereltern beide beim Zoll ,und dann sowas? Da es keinen Kontakt gab ,war das auch erledigt.
Dann der wichtigste Satz: Mit keinem darüber reden! Alles klar? Ja!
Zurück zum Dienst werde ich gleich von meinem Gruppenführer empfangen mit der Frage: Na wo solls hingehn ,Angola oder Mocambique?
Soviel dann zur Geheimhaltung!!
mfg Jan


1981 - 1989 MfS BV Potsdam Abt, VI PKE Drewitz
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#126

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 13:40
von icke46 | 2.593 Beiträge

Bleibt nur noch die Frage: Was bedeutet OSK?

Manchmal nimmt der Aküfi hier im Forum ein bisschen überhand - nicht alle Mitglieder sind Insider.

Gruss

icke



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#127

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 13:41
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

... er kann schweigen wie ein Grab, von ihm erfährt keiner was zuletzt ...


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#128

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 13:44
von seaman | 3.487 Beiträge

Objektsicherungskräfte


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#129

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 14:02
von elster427 | 789 Beiträge

@icke46
gehe in mich und werde versuchen auf Abkürzungen zu verzichten.
Ich gestehe , manchmal denkt man beim schreiben nicht daran.
mfg Jan


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#130

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 15:11
von furry | 3.580 Beiträge

Nach Abschluss einer Reise musste binnen 3 Tagen der Sofortbericht abgegeben werden. Das war ein mit laufender Nummer versehenes Formblatt, auf dem man mit Datum die jeweiligen Aufenthaltsorte aufschreiben sollte, zu wem man Kontakt hatte usw. Diese Formulare sollten im Heimatland verbleiben und nicht mit auf Reisen genommen werden.
Welchem Zweck dienten diese Sofortberichte und wer wertete diese aus? Die Antwort ist mir fast klar, aber ich frage trotzdem.

Neben diesem Sofortbericht war auch noch ein Fachbericht zu fertigen. Um gegenseitigen Verdächtigungen aus dem Weg zu gehen, fertigten wir beide Berichte an einem der letzten Reisetage mit gleichem Wortlaut an.


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#131

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 15:12
von Gert | 12.356 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #106
Zitat von Vierkrug im Beitrag #105
Zitat von Gert im Beitrag #89
@Vierkrug heisst das , dass die DDR insgeheim in terroristische Auseinandersetzungen in der dritten Welt involviert war ?




Nein Gert, die DDR leistete im Rahmen der internationalen Solidarität und der Umsetzung des Gedankens der Völkerfreundschaft konkrete Hilfe vor Ort in Cuba, Nicaragua und anderen Ländern. So wurde mit Hilfe der FDJ-Freundschaftbrigaden das Krankenhaus in Managua errichtet und weitere Solidaritätsmaßnahmen realisiert.
Beim Aufbau der Schutz- und Sicherheitsorgane wurden auch Erfahrungen vermittelt und es waren auch Berater vor Ort.Tomas Borge, ein enger Vertrauter Daniel Ortegas und zugleich damaliger Innenminister Nicaraguas war für die DDR kein Unbekannter.
Die FSLN war für mich keine terroristische Organisation, sondern eine nationale Befreiungsbewegung, die einen erfolgreichen Kampf gegen den Diktator Somoza führte. Die Sandinisten wurden zwar im Februar 1990 von einer kriegsmüden Bevölkerung abgewählt und spalteten sich dann auch 1994. Heute tragen sie wiederum um Daniel Ortega Regierungsverantwortung.
@werner - frage mal Deine Schwester, ob sie noch "Chester" kennt - er war auch am Bogensee. Später dann wimre Botschafter Nicaraguas in Libyen.

Vierkrug



Grün--Dann frage ich, in was die BRD involviert ist .Mit ihren KSK-Gruppen, das es so Geheim ist. Sicher nicht zum Wache schieben und Brunnen bohren. Oder sind es terroristische Aktionen? Um ein Feindbild aufzubauen,ist das Wort Terrorismus ja zum Kassenschlager geworden.


tja @Rostocker danach hatte ich aber nicht gefragt


.
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#132

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 15:13
von Gelöschtes Mitglied
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@furry - kurze und knappe Antwort - wir !!! Bei gleichlautenden Berichten mußte man schmunzeln. Aber ich habe es auch nicht anders gemacht.

Vierkrug


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#133

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 15:19
von elster427 | 789 Beiträge

Tja , bei unserer Ankunft am 09.01.1990 wollte unser Betreuer vom "MfAA" - Ministerium für Auswertige Angelegenheiten
nur noch unsere Päße und das wars.
Keine Berichte , nichts mehr.
mfg Jan


1981 - 1989 MfS BV Potsdam Abt, VI PKE Drewitz
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#134

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 15:51
von Gelöschtes Mitglied
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@elster427 - Jan sei froh, dass keiner mehr einen Bericht haben wollte. Es war manchmal doch ganz schön aufreibend, dass Ding abzufassen. Es hing auch manchmal von einer Formulierung bzw. Aussage das Wohl und Wehe eines Reisekaders ab.
Wenn ich alle meine Berichte so abgefasst hätte, wie es mancher auch aus der eigenen Firma vielleicht erwartete, dann wäre es zugleich das "Aus" für manchen Reisekader gewesen.
Ich habe immer den Menschen gesehen, mit seinen Stärken und auch seinen Schwächen, seine charakterliche Vielschichtigkeit, die man auch bei solchen Auslandseinsätzen zunehmend kennen und schätzen gelernt hat. Und wenn die Zunge an der Bar mal zu locker war und es in Redseligkeit überschwappte, dann gab es mal einen kollegialen Stubbser in die Seite oder man wechselte das Thema. Nicht das Mißtrauen stand im Vordergrund sondern das gegenseitige Vertrauen, das man unbedingt untereinander haben mußte um auch komplizierte Aufgabenstellungen unter schwierigen Bedingungen zu meistern.
Eigenartigerweise fanden sich bei bestimmten Reisen auch immer dieselbigen Reisekader zusammen und da mußte man sich nicht mehr beschnuppern. Da überwog auch die Freude, dass man wieder gemeinsam eine Sache in Angriff nahm. Und nicht immer waren SED-Mitglieder von der Partie. Fach- und Sachkompetenz stand da mehr im Vordergrund, denn man präsentierte sich als Person und den Staat und da wollte sich auch keiner blamieren.
Es gab schöne Auslandseinsätze und Dienstreisen, an die man sich sehr gern erinnert und gab auch welche, die man in die äußerste Ecke der Erinnerung geschoben hat.

Vierkrug


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#135

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 15:54
von DoreHolm | 7.707 Beiträge

War zwar schon nach 89, deshalb vielleicht etwas OT, aber das ganze Prozedere war ähnlich. Geschäftliche Kontakte zu Reebok Asien. Umstellung von Lösungsmittelklebstoff auf Dispersionen. Nike war damit auf die Nase gefallen (In den Schuhkartons im Container in HH lagen die Sohlen neben den Schäften). Wir hatten was Besseres. Ich sollte für die technische Betreuung vor Ort zuständig sein, also gelegentlich mal runterfliegen. Indonesien und die Festland-Region um Hongkong vorerst. Da mir was schwante, weil ich schon annahm, daß es mit gelegentlichen Dienstreise für jeweils einige Wochen nicht getan sein kann, fragte ich vorher meine Frau, ob sie einverstanden wäre, wenn die bewußte Frage an mich käme, nämlich ob ich mit Familie für unbestimmte Zeit dort runter ziehen wollte. Zuerst war Jakarta im Gespräch. Sie sagte ja. Und die Frage kam, als ein Mann von Reebok (ein Brite) bei uns war zur großen Gesprächsrunde. So konnte ich sofort mit ja antworten. Dann ging eben auch die Impferei in mehreren Etappen los. Statt Jarkarta sollte es dann Hongkong sein, was mir und meiner Frau auch lieber war. In Jakarte waren wir vorher, dgl. in Bandung und Surabaja. Im Hotel in J. sah man noch die Einschüsse. Es war kurz nachdem die Unruhen dort losgingen, ein Supermarkt abgefackelt wurde mit ...zig Toten und eine Reisewarnung bestand. Unser Partner dort unten meinte aber, daß es nicht so schlimm wäre und wir ruhig kommen könnten. Bei Fahrten zu den Firmen, durch die Slums (kamen mir eben wie solche vor) und auch sonst, immer Türverriegelung runter.
In Hongkong wurde uns von dem dortigen Verantwortlichen eines Schwesterbriebes die Stadt und das Umland sowie die deutsche Schule von HK gezeigt. Interessant seine Antwort auf meine Frage, ob an der deutschen Schule auch chinesisch als Fach gelehrt wird. Antwort nein. Begründung: Lehrplan von NR-Westf. und in diesem Lehrplan ist kein Chinesischunterricht vorgesehen.
Daß es zum Schluss nichts wurde, lag wohl daran, daß unser Konzern damals meinte, mit wenig Aufwand viel Gewinn machen zu können und die Chinesen sollen gefälligst ihre Technologie nach unseren Klebstoff umstellen und nicht wir die Klebstoffe für die dortige Technologie. Der Wettbewerber konnte es jedenfalls, obwohl wir mit unseren lösungsmittelfreien Klebstoffen immer eine Nasenlänge voraus waren.
Es war aber eine sehr interessante und lehrreiche Zeit, die ich trotz geschäftlichem Mißerfolg nie bereut habe. Für meinen Sohn, damals 9 oder 10 jahre alt, wäre es eine ungemeine Bereicherung gewesen, später, mit fließend Englisch-Sprachkenntnissen und Kennen eines fremden Kulturkreises, Bewerbungen schreiben zu können.



elster427 hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 28.10.2013 16:00 | nach oben springen

#136

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 16:17
von elster427 | 789 Beiträge

Bei der Frage der Impfungen mußte ich mich grade an den letzten Termin im Haus der Ministerien in Berlin erinnern.
Dieser war am 10.11.1989. Ich mußte um 10.00 Uhr dort sein und habe mit dem normalen Verkehr in
Berlin an einem Freitagmorgen gerechnet.
Und dann das, fast keine Autos auf den Straßen, dafür lange Schlangen an den Grenzübergangsstellen.
Habe am Haus der Ministerien gleich einen Parkplatz gefunden, welch ein Erfolg!
Beim Warten auf den Arzt, ging mir dann so durch den Kopf - hast jetzt einen Paß mit Dienstvisum ,
fährste über Friedrich/Zimmerstraße nach Drewitz als Abkürzung und kannst noch mal Tschüß sagen vor der Abreise am 12.11.
Bin dann aber, wie ein gelernter DDR Bürger, brav über Schönefeld wieder nach Potsdam gefahren.
mfg Jan


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#137

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 16:17
von schnatterinchen (gelöscht)
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Was mich wirklich interessieren würde.
Wie hat sich den so ein NSW Reisekader gefühlt, reisen zu können wo kaum ein anderer DDR Bürger hinreisen konnte?
Mal abgesehen von den hier bereits angesprochenen "Entbehrungen" und Strapazen die der NSW Reisekader mit seinem mageren Devisenbudget auf sich nehmen mußte.
War das Prädikat NSW Reisekader nicht ständig in Gefahr bei geringsten "Vergehen" ohne Begründung entzogen zu werden?
Wie war das bei der Einreise in die DDR, stand da die innere Frage, war das jetzt das letzte Mal oder darf ich mal wieder?
Mein Schwager war bei der DSR , der hat zu mir gesagt, wenn wir nach dem Auslaufen aus Rostock nach links abbiegen ist alles prima , wenn nach rechts nicht so dolle.


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#138

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 16:31
von elster427 | 789 Beiträge

Ich muß ehrlich sagen, daß ich mich nicht als NSW Reisekader gefühlt habe.
Mein Reiseziel war eines der ärmsten Länder der Welt. Bei unserer Ankunft schlug uns als erstes das Elend
der Menschen ins Gesicht. Man hat da erst ein paar Tage gebraucht , um sich dran zu gewöhnen.
Sicher hattest du das Gefühl Dinge zu sehen welche andere nicht sehen konnten.
Der Unterschied zu normalen Reisenden bestand bei uns darin, wir hatten 24 Stunden Dienst , dann 24 Stunden Bereitschaft , welche mit etwas Schlaf und dann mit Kurierdiensten und Personenschutz für den Botschafter ausgefüllt waren. Am nächsten Tag gings wieder von vorne los und das ein halbes Jahr.
Sicher hatte man auch mal ein paar Stunden, um am Strand zu sein oder über die Märkte zu ziehen.
Dort wiederum wurdest du wieder mit der Not und dem Elend der Einheimischen konfrontiert.
Maputo ist eine Stadt, die damals aus einem drittel Steinhäusern aus der portugisischen Kolonialzeit bestand und zu zwei drittel Slums
Die Stadt zu verlassen war nicht erlaubt und dazu kam eine Ausgangssperre für DDR Bürger ab 0.00 Uhr aus Sicherheitsgründen.
mfg Jan


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1990 GT GR 44
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#139

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 17:02
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von schnatterinchen im Beitrag #137
Was mich wirklich interessieren würde.
Wie hat sich den so ein NSW Reisekader gefühlt, reisen zu können wo kaum ein anderer DDR Bürger hinreisen konnte?
Mal abgesehen von den hier bereits angesprochenen "Entbehrungen" und Strapazen die der NSW Reisekader mit seinem mageren Devisenbudget auf sich nehmen mußte.
War das Prädikat NSW Reisekader nicht ständig in Gefahr bei geringsten "Vergehen" ohne Begründung entzogen zu werden?
Wie war das bei der Einreise in die DDR, stand da die innere Frage, war das jetzt das letzte Mal oder darf ich mal wieder?
Mein Schwager war bei der DSR , der hat zu mir gesagt, wenn wir nach dem Auslaufen aus Rostock nach links abbiegen ist alles prima , wenn nach rechts nicht so dolle.


Es ist schon so, wie es Jan beschrieben hat, man hat sich nicht als besonderer Mensch gefühlt und sich schon garnicht dazu erhoben. Es war sicherlich ein Privileg gegenüber der Masse der DDR-Bevölkerung, aber mehr auch nicht. Das man dann noch Valuten bekam, war eigentlich mit dieser Tätigkeit lt. Reisekaderverordnung der DDR verbunden.
Die Gefahr, bei einem "Vergehen" oder "Fehltritt" nicht mehr als Reisekader bestätigt zu werden, schwebte wohl über jeden Reisekader. Deshalb gab es auch regelmäßige Einschätzungen und Beurteilungen zu und über die Reisekader. Sie wurden auch in periodischen Abständen immer wieder bestätigt. Zuvor mußten aber die betreffenden Parteiinstitutionen ihre Zustimmung gegeben und die Sicherheitsüberprüfungen keine neuen "negativen" Ergebnisse und Erkenntnisse erbracht haben.
Das Reisekader auch ersetzt wurden, lag in der Normalität, denn es ergaben sich oftmals auch Veränderungen in den betrieblichen Strukturen, die den Bedarf an andere Reisekader erforderten. Hat aber nichts mit Degradierung o.ä. Dingen zu tun. Es lag in der Natur der Sache.
Wenn z.B. ein 1. Stellvertreter des Generaldirektors von seiner Funktion entbunden wurde und er durch diese Tätigkeit zugleich Reisekader war, so erlosch im diesem Fall auch die Reisekadertätigkeit. Es rückte dann auch der Nachfolger diesbezüglich nach.
Es konnte auch sein, dass wie im Fall Mocambique ein zusätzlicher Reisekaderbedarf anfiel, der dann auch bewilligt und bestätigt werden mußte, bevor er zum Einsatz kam. Mocambique hatte meines Wissens nach den zahlenmäßig höchsten Einsatz von NSW-Reisekadern vor Ort.

@schnatterinchen - man konnte aber nicht immer links abbiegen, manchmal mußte man auch nach rechts abbiegen (ein schöner Vergleich).

Vierkrug


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zuletzt bearbeitet 28.10.2013 17:15 | nach oben springen

#140

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 28.10.2013 17:21
von schnatterinchen (gelöscht)
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Der Vater einer Freundin war beim DDR Außenhandel und hat DDR Pharmazeutika in Südamerika verkauft.
Der war in seiner Erscheinung und seinem Auftreten völlig untypisch für einen DDR Bürger.
Der hat ab und an mal aus dem Nähkästchen geplaudert und geklagt wenn wieder ein westdeutscher Vertreter mit Bestechungsgeldern einen Auftrag an Land gezogen hat und er mit einer Kuckucksuhr oder ähnlichen Geschenken abgeblitzt ist.


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