#541

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 21:06
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Laut Ministerratsbeschluß waren die staatlichen Leiter der Betriebe und
Einrichtungen für die Auswahl und Bestätigung der Reisekader verantwortlich.
Gleichzeitig waren sie verpflichtet, den von ihnen ausgewählten Kaderstamm
den zuständigen Diensteinheiten des MfS zur Sicherheitsüberprüfung
zu benennen. Nach Abschluß der Sicherheitsüberprüfung erfolgte durch das MfS
eine entsprechende Einschätzung hinsichtlich der sicherheitspolitischen Eignung
an die staatlichen Leiter, die über deren Einsatz zu entscheiden hatten. Sicherlich
ließ kaum jemand die Einschätzung des MfS unbeachtet. In fast allen Fällen
wurden aus sicherheitspolitischer Sicht keine Einwände gegen einen Einsatz
der dafür vorgesehenen Personen erhoben.
Die Reise- und Auslandskader waren eine der Hauptzielgruppen des Gegners
zur Gewinnung von Stützpunkten in der Volkswirtschaft der DDR.
Bei der Koordinierung der Aktivitäten gegen die Reise- und Auslandskader
spielten die westlichen Geheimdienste eine dominierende Rolle. Sie durchsetzten
besonders die Institutionen in Politik, Wirtschaft und anderen gesellschaftlichen
Bereichen westlicher Staaten, die Kontakte und Beziehungen
zur DDR hatten. In diesen Kreisen etablierten sie vorrangig Mitarbeiter und
Agenten, die ihre Ziele getarnt realisierten und ihren wahren Charakter zu
verbergen versuchten. Der Gewinnungsprozeß von geeignet erscheinenden
Reise- und Auslandskadern durch westliche Geheimdienste vollzog sich meist
etappenweise, so daß eine nachrichtendienstliche Absicht häufig nicht sofort
erkennbar war. In gleicher Weise gingen auch Konzerne und Vertreter kleiner
und mittlerer Firmen bei der Gewinnung von personellen Stützpunkten
schrittweise vor.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#542

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 21:11
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Der inzwischen verstorbene Oberst a. D. Horst Roigk, langjähriger Abteilunsleiter
der HA XVIII, schrieb dazu: »In der DDR gab es etwa 40.000 Reisekader.
Über diese besonders zu schützenden Personen gab es natürlich
auch Unterlagen. Daß heute nahezu jede Akte zum Repressionsinstrument
erhoben und als Beweis flächendeckender Bespitzelung betrachtet wird, glaubt
nur der, der den Inhalt dieser Akten nicht kennt oder ihre realen Aussagen
nicht wahrhaben will. Wer in der DDR Reisekader war, dem wurde offiziell
und inoffiziell seine positive Haltung zum Staat bescheinigt. Setzt man die
relativ geringe Zahl der Reisekader dagegen, die von Dienstreisen in das
westliche Ausland nicht zurückkehrten, sich westlichen Geheimdiensten verdingten
oder andere kriminelle Handlungen begingen, kann durchaus gesagt
werden, daß zumindest die für diesen Personenkreis getroffenen Einschätzungen
real waren und für lange Zeit Bestand hatten…
Die zuständigen Diensteinheiten der Linie XVIII des MfS, die für die Sicherung
der Volkswirtschaft verantwortlich waren, haben eine Vielzahl von Aktivitäten
auf diese Weise feststellen können. Reisekader, die nach ihren in der
BRD erfüllten Aufträgen zurückkamen, sowie aus diesem Personenkreis angeworbene
IM berichteten über ihre Überwachung und Kontrolle durch die westliche
Seite bei ihren Aufenthalten in kapitalistischen Ländern, über schikanöse
Grenzkontrollen, über festgestellte Observationshandlungen, die konspirative
Durchsuchung ihrer Hotelzimmer, über anonyme und offene Drohungen
und Erpressungsversuche, lukrative Bestechungsangebote bis hin zu vielfältigen
unmittelbaren Werbeversuchen durch westliche Geheimdienste…
Diese Akten zeigen anschaulich, was dem MfS durch viele Erkenntnisse
aus den entsprechenden Zentren und Einrichtungen wie BND, Verfassungsschutz,
Bundesgrenzschutz, Polizei hinreichend bekannt war, wie durch enges,
arbeitsteiliges Zusammenwirken, durch ein engmaschiges System der Kontrolle
und des Informationsaustausches gegen diesen Personenkreis vorgegangen
wurde. Die Sicherung der Reisekader war für die DDR deshalb eine
legitime Aufgabe. Sie entsprach dem Verfassungsauftrag zum Schutz der
Bürger der DDR.


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#543

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 21:15
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Prof. Dr. Wolfgang Biermann, von 1976 bis 1989 Generaldirektor im VE
Kombinat Carl Zeiss Jena, bemerkte in einem Gespräch, das er am 22. September
1993 mit Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin führte: »Wir
hatten ja in Zeiss besondere Bedingungen, unsere Leute konnten überall
hinfahren, von Amerika bis sonstwohin. Und die Leute haben mich auch
nicht enttäuscht, es ist jeder wiedergekommen, das möchte ich hier klipp
und klar sagen, ich habe dadurch niemanden verloren. Das war auch eine
andere Basis für die Arbeit, die Leute waren auf Messen, Kongressen in Mün-
108
chen, Hannover, in den USA, auf den Elektronikkongressen in Japan. Sie
sind alle zurückgekommen.«120
Die Sicherheitsüberprüfungen ergaben sich eben nicht nur aus dem Erfordernis
des zunehmenden Außenhandels und des Einsatzes eines ständig wachsenden
Personenkreises in diesem Prozeß. Sie stellten zugleich eine Reaktion
auf die vom MfS erkannten und signalisierten Gefährdungen von
Dienstreisekadern der DDR dar.
Wie stark DDR-Wissenschaftler im Visier westlicher Geheimdienste standen,
soll an drei Beispielen von Reisekadern aus dem Wissenschaftsbereich aufgezeigt
werden. Die angeführten Werbungsversuche trugen sich zu unterschiedlichen
Zeitpunkten in den 70er und 80er Jahren zu.
Im Rahmen des IREX-Abkommens (Büro für internationalen Wissenschaftleraustausch),
das den Austausch zwischen Wissenschaftlern aus den
USA und der DDR vermittelte, weilte ein DDR-Spezialist für Informationsverarbeitung
und Programmiersprache in den USA.
Während seines dortigen Aufenthaltes wurde er auf offener Straße von Mitarbeitern
des BND mit seinem Namen angesprochen und zu einem Gespräch
in ein Restaurant eingeladen. Die Geheimdienstmitarbeiter bedrängten ihn
so aufdringlich, daß er keine Chance sah, sich zu entfernen, obgleich er mehrfach
bekundet hatte, kein Interesse an einem solchen Gespräch zu haben. Er
wurde zu seinem wissenschaftlichen Profil, seinen Aufgaben vor Ort sowie
dem Umfang seiner Berichterstattung nach Rückkehr in die DDR befragt. Als
er dazu die Aussage verweigerte, wurde er beschimpft.
Da er ankündigte, er werde der DDR-Botschaft von diesem unangenehmen
Gespäch berichten, versuchte man ihn zu erpressen. Er müsse mit sofortiger
Ausweisung und mit einer Einreisesperre rechnen, wenn er sich illoyal
zeige. Das Gespräch war nicht zufällig zustande gekommen. Der Wissenschaftler
war während seines Aufenthaltes in den USA fortgesetzt observiert
worden. Er unterrichtete die DDR-Botschaft.


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#544

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 21:18
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Der Direktor des Zentralinstitutes für Elektronenphysik, Prof. A., war in
den 80er Jahren nach London gereist, um als DDR-Vertreter an der Sitzung
der Europäischen Physikalischen Gesellschaft teilzunehmen.
Als er am zweiten Tag seines Aufenthaltes auf dem Weg zur Tagung war,
wurde er von zwei männlichen Personen in einwandfreiem Deutsch mit seinem
Namen auf offener Straße angesprochen. Beide Personen gaben vor,
ihn angeblich aus Hamburg zu kennen, wo er sich 1981 anläßlich einer Reise
mit mehreren Personen in einer Pizzeria aufgehalten habe. Daran konnte
sich der Professor nicht erinnern. Eine der Personen stellte sich mit dem Namen
109
»Müller« vor. Späteren Feststellungen des MfS zufolge handelte es sich bei
beiden um Mitarbeiter des BND.
Sie gaben Prof. A. zu verstehen, daß sie sich mit ihm über sein Institut
unterhalten wollten. Dieser wies das Ansinnen zurück. Die beiden ließen
sich jedoch nicht abschütteln und bedrängten ihn weiter. Auch sie drohten
mit einer Einreisesperre in NATO-Länder.
Prof. A. empfand diese Aktion als Überfall und begab sich in die DDRBotschaft,
die am Wege lag.
Ein DDR-Wissenschaftler, der in ein Forschungsvorhaben mit der UdSSR
integriert war und über sein Fachgebiet in der BRD einen Vortrag gehalten
hatte, wurde bei der Rückkehr ins Hotel auf der Straße von einer männlichen
Person angesprochen. Der Mann gab vor, den Vortrag gehört zu haben;
er wolle sich darüber mit ihm austauschen. Als der DDR-Wissenschaftler
vorschlug, dies im Foyer des von ihm und der DDR-Delegation bewohnten
Hotels zu erledigen, stieß das auf Ablehnung. Der Fremde, den der DDRWissenschaftler
für einen Geheimdienstmann hielt, schlug stattdessen vor,
mit einem Taxi in ein anderes Hotel zu fahren. Dort wies sich der fremde
»Freund« als Geheimdienstmitarbeiter aus und bot dem DDR-Wissenschaftler
an, er solle die Zentrale seines Dienstes anrufen, um sich dort die Identität
bestätigen zu lassen. Das geschah auch.
Der Geheimdienst zeigte Interesse an Informationen über das Fachgebiet
des Wissenschaftlers und das Forschungsprojekt mit der UdSSR sowie an
Namen und Aufgaben damit befaßter Mitarbeiter. Zum Zwecke seiner persönlichen
Sicherheit und zur Aufrechterhaltung der Verbindung sollte ein
Decknamen vereinbart und eine Deckadresse übergeben werden.
Das lehnte der Wissenschaftler ab und verließ das Hotel. Der Wissenschaftler
unterrichtete umgehend seinen Delegationsleiter über diesen Vorfall. Trotzdem
wurde er am darauffolgenden Tag erneut von dem Mitarbeiter des
Geheimdienstes belästigt, was er sich mit Nachdruck verbat.


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#545

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 21:33
von Harzwanderer | 2.923 Beiträge
zuletzt bearbeitet 05.11.2013 21:35 | nach oben springen

#546

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 22:08
von eisenringtheo | 9.168 Beiträge

Eine schlimme Geschichte!!!

Berlin (ND). Am 19. September publizierte ND eine Dokumentation über den rücksichtslosen Umgang der BRD mit Menschenschicksalen und mit dem Volkerrecht. Heute veröffentlichen wir auf Seite 3 zahlreiche Äußerungen von DDR-Bürgern über diese Praktiken sowie nachfolgend ein Interview mit Hartmut Ferworn, der gegenüber ND einen besonders krassen Fall von Menschenhandel zu Protokoll gab.
Hartmut Ferworn wohnt in Berlin-Mitte. Der 39jährige ist . Mitarbeiter des Mitropa-Fahrbetriebes, Mitglied der SED. Glücklich verheiratet, drei Kinder.
FRAGE Als Mitropa-Koch fahren Sie internationale Strecken, UdSSR, Polen, Ungarn. Dieser Tage kehrten Sie von der wohl ungewöhnlichsten Reise Ihres Lebens zurück..
ANTWORT: Das kann man wohl sagen. Dabei hat alles ganz normal begonnen. Am 11. September kam ich mit dem Corvina-Ex- preß in Budapest an. Bis zur Rückfahrt hatte ich rund sechs Stunden Zeit, wollte etwas essen, ein bißchen bummeln, was man eben so macht. In einem Bistro zwischen Bahnhof Nyugati und Kaufhaus Metro setzte sich plötzlich ein junger Mann zu mir.
FRAGE: Ein Ungar?
ANTWORT Nein, er sprach Leipziger Dialekt und sagte mir auf den Kopf zu : Sie sind doch der Mitropa-Koch aus dem „Corvina".
FRAGE: Welchen Eindruck machte er auf Sie?
ANTWORT Keinen schlechten. Er war Anfang 20, trug einen modernen Jeansanzug. Als wir dann ins Gespräch kamen, bot er
sich an, mir interessante Ecken der Stadt zu zeigen, die ich noch nicht kannte. Er müsse vorher nur noch Gepäck bei seiner Gastgeberin abstellen und bat mich mitzukommen. In der ganz normalen Altbauwohnung bot mir eine gut deutsch sprechende Ungarin zunächst einen Kaffee und dann eine Menthol-Zigarette an. Sie schmeckte irgendwie komisch, und nach wenigen Minuten fielen mir die Augen zu, schwanden mir die Sinne.
FRAGE: Wie und wo sind Sie wieder aufgewacht?
ANTWORT: In einem Reisebus, noch ziemlich benebelt. Mein „Fremdenführer" aus Budapest saß neben mir, schlug mir auf die Schulter und antwortete auf meine Frage, wo wir seien: In der Freiheit, auf dem Weg in die BRD.
FRAGE: Wie erklären Sie sich denn, daß Sie in der Budapester Wohnung bewußtlos wurden?
ANTWORT: Offensichtlich hat man mir ein Betäubungsmittel gegeben, wie ich jetzt erfahren habe, sine beliebte Methode westlicher Geheimdienste und ihrer Handlanger.
FRAGE: Sie wurden also nicht schlechthin .abgeworben", sondern regelrecht verschleppt?
ANTWORT Ja, ich fühle mich als Opfer von Entführern, von Verbrechern.
FRAGE: Was war im Bus Ihre erste Reaktion?
ANTWORT: Ich sagte dem „Fremdenführer": Ich will doch gar nicht in die BRD. Er feixte nur: „Mitgefangen, mitgehangen.
Jetzt geht's erst mal in die BRD- Botschaft nach Wien. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel und überlegte krampfhaft, wie ich da herauskomme.
FRAGE: Wie würden Sie die Atmosphäre im Bus beschreiben?
ANTWORT Die Stimmung im Bus war, wie soll ich sagen, merkwürdig. Sektkorken knallten, man lachte, doch das Ganze wirkte überdreht, aufgesetzt, unwirklich. Denn keiner wußte ja so richtig, was ihn erwartet. Übrigens zeigte sich im Gespräch, daß offensichtlich auch zwei junge Leipziger neben mir von meinem Entführer „angeworben" worden waren.
FRAGE: Wo wurden Sie hingebracht?
ANTWORT Der Bus hielt gegen 21.30 Uhr vor der BRD-Botschaft in der Wiener Metternich- gasse. Gleichzeitig kamen vier weitere Busse mit verleiteten DDR-Bürgern an. Wir wurden schon erwartet. Eine Frau, offenbar Konsularbeamtin der Botschaft, fragte die Ankömmlinge, wer schon einen BRD-Paß habe. Viele meldeten sich. Alles war bis aufs kleinste vorbereitet.
FRAGE Also lief alles nach Fahrplan, stabsmässig organisiert, wie in der im ND veröffentlichten Dokumentation über den Menschenhandel mit DDR-Burgern nachgewiesen wurde?
ANTWORT: Das kann man ohne weiteres sagen. Die BRD- Passe waren, wie ich sah, in Budapest ausgestellt. Ihre Besitzer hatten eine Menge Geld bekommen". Für die anderen gab die Konsularbeamtin exakte Anweisungen, was getan werden muß, um zu einen BRD-Paß zu gelangen. Sie sagte, am nächsten Morgen solle die Fahrt in das Aufnahmelager Gießen weitergehen. FRAGE: War audi für Übernachtung gesorgt« ANTWORT Selbstverständlich, es lief wie am Schnürchen. Wir wurden zum Hotel Aguila in der Wiener Pfeilgasse 1 a gebracht. Wegen der Bezahlung sollten wir uns keine Sorgen machen, sagte man uns dort, das sei alles „von anderer Stelle" geregelt. Auch im Hotel war alles bis aufs kleinste vorbereitet, an den Wänden Tafeln mit Hinweisen und Anleitungen für die Abgeworbenen, selbst an frankierte Postkarten war ge- dacht. An der Rezeption erfuhr ich endlich auch, wie sich mein Reiseführer nannte, er trug sich als „Jens Wunsch" ein.
FRAGE: Behielt er Sie weiter in seiner .Obhut"?
ANTWORT: er hatte mich ja noch nicht abgeliefert. Damit ich nicht absprang, steckte er mein Handgeld ein, das an jeden Abgeworbenen ausgezahlt wurde.
FRAGE: und was passierte dann?
ANTWORT: Mein Schlepper sagte, er müsse dringend jemanden anrufen, zog ein Notizbuch mit vielen Telefonnummern aus der Tasche. Von dem Gespräch mit dem Mann, der nach etwa einer Stunde kam und sich Stroz- zig nannte, hörte ich nur einige Satzfetzen aus dem Nachbarzim- mer des Appartements. „Wen hast du heute mitgebracht?" fragte „Strozzig". Die Antwort des inzwischen ziemlich betrunkenen „Wunsch": „Einen mit blauem DDR-Paß, Chefkoch bei der Mitropa, unseren kriegt er morgen früh vor der Abfahrt nach Gießen. Außerdem habe ich noch zwei junge Leipziger dabei, einen Maurer und einen Schlosser. Der Fischzug muß sich gelohnt haben, denn später sah ich einen Packen D-Mark-Scheine auf dem Tisch des Schleppers.
FRAGE: Wie konnten Sie diesen professionellen Mensdienhändlern aus der BRD wieder entkommen, die offensichtlich mit Ruckendeckung durch die Bonner Behörden agierten.
ANTWORT: Ich nutzte die erstbeste Gelegenheit, um telefonisch Kontakt mit der DDR-Botschaft in Waen aufzunehmen. Dort sagte man: „Selbstverständlich helfen wir Ihnen, wieder nach Hause zu kommen. " Man schenkte mir Vertrauen. Am Donnerstag, dem 14. September, war ich wieder in der Heimat.
FRAGE: Welche Gedanken bewegen Sie, wenn Sie auf diese dramatischen Tage zurückblicken?
ANTWORT Durch eine Dummheit — man soll gerade im Ausland offensichtlich nicht zu vertrauensselig sein — bin ich in die von Bonn in Ungarn langfristig vorbereitete Abwerbekampagne hineingeraten. Ich habe erlebt, wie BRD-Bürger „gemacht" werden. Ich selbst hatte keinen Augenblick die Absicht, unser Land zu verlassen, denn ich bin der Meinung, daß es dafür überhaupt keine Gründe gibt. Probleme, die wir haben, können nicht in Hamburg oder Nürnberg gelöst werden. Ich habe am eigenen Leibe erfahren, wie der Menschenhandel funktioniert, wie Bürger unseres Landes in die BBD geschleust werden — wenn es sein muß, auch gegen ihren Willen, auf verbrecherische Weise.


Das Gespräch führten Dr. Jochen Reinert und Olaf Standke
Neues Deutschland, Do. 21. September 1989


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#547

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 22:37
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Das war eine Lügengeschichte und wurde auch entsprechend dementiert.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


eisenringtheo hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#548

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 22:48
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Zitat von Ex-Huf im Beitrag #532
Zitat von DoreHolm im Beitrag #527
Zitat von Ex-Huf im Beitrag #515
Was sollen denn nun hier die Argumente mit den sich selbst erledigenden Begründungen von heute bzw. aus heutiger Sicht?

Liebe violette Genossen und den ihnen insgeheim noch heute verdeckt nahestehenden Feiglingen:

Ein Bürger der DDR, der zwischen dem 13.08.1961 und dem 09.11. 1989 nicht Rentner war, und der das besagte Land legal verlassen wollte, benötigte dazu eine Genehmigung staatlicherseits, oder?
Diese Genehmigungen erhielt er entweder bei politisch durch den Westen erzwungener Gutwetterlage in "dringenden Familienangelegenheiten" bei Zustimmung des MdI (eigentlich dem MfS), oder die Genehmigung wurde durch "die Organe" der DDR für Dienstreisen in jedwedem Sinn erteilt, was eine Überprüfung durch das MfS einschloß, oder?

Das heißt, liebe Genossen, es durften jene Herrschaften reisen, die seitens des Systems DDR genehm waren, oder?

Wer hier etwas anderes behauptet, lügt in diesem Stasi-durchsetzten Forum.
Basta!

Klaus


RUMS ! Jetzt hast Du´s aber den Ewiggestrigen und DDR-Nostalgikern und Ex-Stasileuten hier gegeben ! Die sind jetzt bestimmt ganz doll beeindruckt



Kannste noch so schäumend argumentieren, mein Geschriebenes stimmt doch, oder?
Dass Ihr so armselig noch heute reagiert, spricht Bände!

Glücklicherweise ist die Welt heute für uns alle offen, nur dass wir Eure Rente erarbeiten müssen bleibt dabei ein unangenhmer Nachgeschmack, das meine ich nur bedingt persönlich...

VG Klaus



Huf nun ist aber gut mit deinen Hetzereien!! Du bist hier im falschen Forum!


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#549

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 22:51
von Mike59 | 7.954 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #548
Zitat von Ex-Huf im Beitrag #532
Zitat von DoreHolm im Beitrag #527
Zitat von Ex-Huf im Beitrag #515
Was sollen denn nun hier die Argumente mit den sich selbst erledigenden Begründungen von heute bzw. aus heutiger Sicht?

Liebe violette Genossen und den ihnen insgeheim noch heute verdeckt nahestehenden Feiglingen:

Ein Bürger der DDR, der zwischen dem 13.08.1961 und dem 09.11. 1989 nicht Rentner war, und der das besagte Land legal verlassen wollte, benötigte dazu eine Genehmigung staatlicherseits, oder?
Diese Genehmigungen erhielt er entweder bei politisch durch den Westen erzwungener Gutwetterlage in "dringenden Familienangelegenheiten" bei Zustimmung des MdI (eigentlich dem MfS), oder die Genehmigung wurde durch "die Organe" der DDR für Dienstreisen in jedwedem Sinn erteilt, was eine Überprüfung durch das MfS einschloß, oder?

Das heißt, liebe Genossen, es durften jene Herrschaften reisen, die seitens des Systems DDR genehm waren, oder?

Wer hier etwas anderes behauptet, lügt in diesem Stasi-durchsetzten Forum.
Basta!

Klaus


RUMS ! Jetzt hast Du´s aber den Ewiggestrigen und DDR-Nostalgikern und Ex-Stasileuten hier gegeben ! Die sind jetzt bestimmt ganz doll beeindruckt



Kannste noch so schäumend argumentieren, mein Geschriebenes stimmt doch, oder?
Dass Ihr so armselig noch heute reagiert, spricht Bände!

Glücklicherweise ist die Welt heute für uns alle offen, nur dass wir Eure Rente erarbeiten müssen bleibt dabei ein unangenhmer Nachgeschmack, das meine ich nur bedingt persönlich...

VG Klaus



Huf nun ist aber gut mit deinen Hetzereien!! Du bist hier im falschen Forum!

Komm - lass ihn bitte - hab doch ein Herz.


94 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#550

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 22:56
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Ups . nun hab ich ihn gelöscht. Hat sich ausgeherzt

Die letzten Beiträge von ex Huf waren für das Forum nur schädlich. Sicher hat er uns mit einem anderen verwechselt, in dem so was normal ist


Küchenbulle 79 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#551

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 23:03
von 94 | 10.792 Beiträge

Schade, war eigentlich ein Netter. Wer weiß, was ihm heute die Stimmung verhagelt hat, sonst warer ja och nicht so ...
Tja, so langsam füllt sich die Hall of Fame des Forums ... Larissa, Bugsy, Huf ...

N8, CTRL-Z & logoff


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


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#552

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 23:22
von Gelöschtes Mitglied
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Zitat von Pitti53 im Beitrag #550
Ups . nun hab ich ihn gelöscht. Hat sich ausgeherzt

Die letzten Beiträge von ex Huf waren für das Forum nur schädlich. Sicher hat er uns mit einem anderen verwechselt, in dem so was normal ist


Finde ich überzogen. Auch wenn eine Meinung nicht passt, löschen sollte der letzte Weg sein. So hats ein Geschmäckle und bestätigt eher seine Aussagen. Denk mal drüber nach.


kassberg hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#553

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 23:27
von Pitti53 | 8.787 Beiträge

Zitat von g.s.26 im Beitrag #552
Zitat von Pitti53 im Beitrag #550
Ups . nun hab ich ihn gelöscht. Hat sich ausgeherzt

Die letzten Beiträge von ex Huf waren für das Forum nur schädlich. Sicher hat er uns mit einem anderen verwechselt, in dem so was normal ist


Finde ich überzogen. Auch wenn eine Meinung nicht passt, löschen sollte der letzte Weg sein. So hats ein Geschmäckle und bestätigt eher seine Aussagen. Denk mal drüber nach.



Es war nicht seine erste Löschung.................


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#554

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 23:39
von Mike59 | 7.954 Beiträge

Zitat von Pitti53 im Beitrag #553
Zitat von g.s.26 im Beitrag #552
Zitat von Pitti53 im Beitrag #550
Ups . nun hab ich ihn gelöscht. Hat sich ausgeherzt

Die letzten Beiträge von ex Huf waren für das Forum nur schädlich. Sicher hat er uns mit einem anderen verwechselt, in dem so was normal ist


Finde ich überzogen. Auch wenn eine Meinung nicht passt, löschen sollte der letzte Weg sein. So hats ein Geschmäckle und bestätigt eher seine Aussagen. Denk mal drüber nach.



Es war nicht seine erste Löschung.................



Naja einen Tread a la "Hab ein Herz für Huf" gründe ich sicher nicht. Aber wegen einer Zecke brenne ich doch nicht den Wald ab. Jetzt ist mir mein Methusalix abhanden gekommen. In dem Alter hat man gute und auch schlechte Tage - die letzten waren bei ihm eben alle shit.


DoreHolm und Feliks D. haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#555

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 05.11.2013 23:39
von Gelöschtes Mitglied
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Das weiß ich natürlich nicht...muss vor mir gewesen sein.


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#556

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 01:26
von diefenbaker | 584 Beiträge

Zitat von Vierkrug im Beitrag #528


Ein Umstand, der hier überhaupt noch nicht erwähnt wurde ist u.a. der, dass die Kombinate, Betriebe, wissenschaftlichen Einrichtungen etc. eine Reisekadernomenklatur hatten, in der alle Reisekader erfasst waren. Diese Nomenklatur wurde periodisch aktualisiert und spezifisiert. In dieser Nomenklatur wurden Personen als Reisekader geführt und bestätigt, die jedoch nicht immer zum Einsatz kamen. D.h., man war als Reisekader bestätigt, kam aber trotzdem nicht zum Einsatz. Der Bedarf richtete sich nach den Erfordernissen und dabei wurde von der Fach-und Sachkompetenz her in der Breite auch mit Reservekadern gearbeitet.

Vierkrug


Eine für mich interessante Aussage, da ich bisher nicht sicher war, inwieweit bei den Reisekadern quasi eine Vorratswirtschaft betrieben wurde. Macht aber Sinn.

Kann es sein, dass ein bestätigter, aber noch nicht eingesetzter Reisekader von seinem Status keine Kenntnis hatte?

Wolfgang



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#557

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 01:48
von diefenbaker | 584 Beiträge

Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #544
Der Direktor des Zentralinstitutes für Elektronenphysik, Prof. A., war in
den 80er Jahren nach London gereist, um als DDR-Vertreter an der Sitzung
der Europäischen Physikalischen Gesellschaft teilzunehmen. ...



Hallo 4. Zug,
Deine Beiträge 539 und 541 bis 544 sind sicher zutreffend, geben aber doch eine bestimmte, ich möchte sagen eingeschränkte Sicht der Dinge wieder.
Deine Hauptaussage bzw. Deine Zitate gehen in die Richtung, dass die Reisekader in NSW beschützt werden mussten. Das kann sich aber kaum auf eine persönliche Gefährdung der Person beziehen, sondern eher um den Schutz vor einer von der DDR unerwünschten, ja sogar gefürchteten Beeinflussung des Reisekaders durch materielle oder andere Zuwendungen. Insofern geht es im Kern um den Schutz der Interessen der DDR, die sich vielfach der Standhaftigkeit der Gesinnung des Reisekaders nicht sicher war und weniger um den Schutz des Reisekaders.

Wolfgang



80er hat sich für diesen Beitrag bedankt
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#558

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 03:38
von seaman | 3.487 Beiträge

Zitat von diefenbaker im Beitrag #557
Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #544
Der Direktor des Zentralinstitutes für Elektronenphysik, Prof. A., war in
den 80er Jahren nach London gereist, um als DDR-Vertreter an der Sitzung
der Europäischen Physikalischen Gesellschaft teilzunehmen. ...



Hallo 4. Zug,
Deine Beiträge 539 und 541 bis 544 sind sicher zutreffend, geben aber doch eine bestimmte, ich möchte sagen eingeschränkte Sicht der Dinge wieder.
Deine Hauptaussage bzw. Deine Zitate gehen in die Richtung, dass die Reisekader in NSW beschützt werden mussten. Das kann sich aber kaum auf eine persönliche Gefährdung der Person beziehen, sondern eher um den Schutz vor einer von der DDR unerwünschten, ja sogar gefürchteten Beeinflussung des Reisekaders durch materielle oder andere Zuwendungen. Insofern geht es im Kern um den Schutz der Interessen der DDR, die sich vielfach der Standhaftigkeit der Gesinnung des Reisekaders nicht sicher war und weniger um den Schutz des Reisekaders.

Wolfgang


gelöscht

seaman


zuletzt bearbeitet 06.11.2013 03:48 | nach oben springen

#559

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 05:16
von diefenbaker | 584 Beiträge

Zitat von seaman im Beitrag #558
Zitat von diefenbaker im Beitrag #557
Zitat von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 im Beitrag #544
Der Direktor des Zentralinstitutes für Elektronenphysik, Prof. A., war in
den 80er Jahren nach London gereist, um als DDR-Vertreter an der Sitzung
der Europäischen Physikalischen Gesellschaft teilzunehmen. ...



Hallo 4. Zug,
Deine Beiträge 539 und 541 bis 544 sind sicher zutreffend, geben aber doch eine bestimmte, ich möchte sagen eingeschränkte Sicht der Dinge wieder.
Deine Hauptaussage bzw. Deine Zitate gehen in die Richtung, dass die Reisekader in NSW beschützt werden mussten. Das kann sich aber kaum auf eine persönliche Gefährdung der Person beziehen, sondern eher um den Schutz vor einer von der DDR unerwünschten, ja sogar gefürchteten Beeinflussung des Reisekaders durch materielle oder andere Zuwendungen. Insofern geht es im Kern um den Schutz der Interessen der DDR, die sich vielfach der Standhaftigkeit der Gesinnung des Reisekaders nicht sicher war und weniger um den Schutz des Reisekaders.

Wolfgang


gelöscht

seaman



was hat "gelöscht" an dieser Stelle zu bedeuten?

Wolfgang

P.S. interessant finde ich, dass es hier so etwas wie einen 24 Std. Betrieb gibt



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#560

RE: Reisekader der DDR

in Leben in der DDR 06.11.2013 05:22
von berlin3321 | 2.516 Beiträge

Zitat
Es war nicht seine erste Löschung.....



Nun, ob erste, zweite oder vierte Löschung.......ich finde es nicht richtig, Huf zu löschen, auszusperren oder was auch immer. Verwarnung oder zeitweilige Schreibsperre, ok.

So bleibt da ein bitterer Nachgeschmack.

Mfg Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
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