#61

RE: 20 Meter und die Welt steht dir offen, oder 1, 2, 3 Chance vorbei

in Grenztruppen der DDR 25.10.2013 12:36
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

Ne hätten se nicht, hättest dann nur noch Objektwache im Regiment geschoben, wenn du mit der Knarre noch hantieren durftest.
Hatten solche Fälle.
gruß h.


zuletzt bearbeitet 25.10.2013 12:37 | nach oben springen

#62

RE: 20 Meter und die Welt steht dir offen, oder 1, 2, 3 Chance vorbei

in Grenztruppen der DDR 25.10.2013 12:41
von 4.Zug 4.Kompanie GAR-40 | 1.039 Beiträge

Das war als Uffz. schwer möglich ...

Grüße, Heiko

Wenn ich mit der Verantwortung nicht hätte leben können, dann hätte ich darum gebeten, in eine andere Waffengattung gehen zu dürfen.

Ich wollte unbedingt zu den Leuten, die etwas mit Technik zu tun haben, am liebsten wollte ich zu den Funkern, aber das ging dann nicht, also bin ich zu den Motorisierten gegangen, und das ging für mich nur an der Grenze damals.


Der Helm, den ich trage, hat viele Beulen. Einige davon stammen auch von meinen Feinden. Jürgen Kuczynski "Dialog mit meinem Urenkel"


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#63

RE: 20 Meter und die Welt steht dir offen, oder 1, 2, 3 Chance vorbei

in Grenztruppen der DDR 25.10.2013 13:11
von Wartburgfahrer | 39 Beiträge

Als Beitrag auf das Ursprungsthema:

Keine Freundin, die Eltern in den 60er Jahren schikaniert in der DDR, Großeltern enteignet. Nur wegen vorgeplanter beruflicher Zukunft, fehlender Westverwandtschaft und der Fähigkeit, das Mundwerk auf "angepassten Betrieb" umschalten zu können, bin ich wohl überhaupt zur Grenze gekommen.

Na klar, wenn die Möglichkeit GEFAHRLOS für mich bestanden hätte, wäre die Entscheidung für die Flucht wohl in der Ewigkeit mehrerer Sekunden positiv ausgefallen. Aber gefahrlos war halt nicht und mit Gewalt gegen einen anderen kam schon gar nicht in Frage.

Die zwangsläufigen Repressalien gegen die Familie hätten am Ende nur dazu geführt, dass diese dem Regime auch noch den Rücken zugekehrt hätte.

Letztlich war es nur die pure Angst (und ich meine nicht die vor der Zukunft im Westen), die mich abgehalten hat. Und sechs Monate später war alles vorbei. Unter heutigen Gesichtpunkten war ich sicher ein ganz klein wenig blauäugig, aber sicher wesentlich realistischer als die meisten, die heutzutage vollkommen desillusioniert dastehen.

Übrigens wurde in der Familie darüber nicht mal ansatzweise gesprochen. Aber auch hier nur wegen der Angst, mich auf Ideen zu bringen oder zu etwas zu raten, was im totalen Fiasko enden kann.

Grüße vom Wartburgfahrer

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #1
Jeder der bei den Grenztruppen diente kennt sicherlich dieses unterschwellige Gefühl, so nahe wie jetzt komme ich der Grenze regulär nicht mehr.
Ich differenziere mit dieser Aussage auch nicht zwischen einfachen Soldaten und hohen Offizieren, wir wissen ja welche Battallions- u. Regimentskommandeure auch über den Zaun stiegen.
Antworten werden von solchen hier aber sicherlich nicht kommen.
Also der einfache Soldat, ausgesiebt, für geeignet empfunden, meist mit Kind, aber die Masse der für den Schutz des gigantischen Bollwerkes benötigten spülte auch Singles ohne feste Bindung an dieses Bollwerk.
Schon der Gedanke an, schlimm ausgedrückt Fahnenflucht, einfach ausgedrückt Chancennutzung, war ja von vornherein verboten, aber auch in einer Diktatur sind die Gedanken schließlich frei.
Gespräche über dieses Thema waren damals heikel und daher hat man sie auch meist gelassen, aber manchmal war man sich auch sicher das der Mitgenosse kein Gummiohr war und man sprach in einsamen Nächten zu zweit auch über so etwas.
Für mich kam nicht mal ansatzweise die Möglichkeit der Wahrnehmung dieser ominösen Chance in Frage, ich liebte meinen Sohn zu sehr, Jahre ohne ihn konnte ich mir nicht vorstellen.
Also es saßen junge Männer am Waldrand oder auf Türmen und schauten auf diese nahe Grenzlinie herab, welche inneren Empfindungen hattet ihr damals dabei?
Die Polits gaben sich redlich Mühe, aber das geschätzt 80% der unfreiwillig eingezogenen Soldaten aus tiefen Glaube an den Sozialismus ihren Dienst versahen ist doch, ich zitiere mal einen harten Führungs-Genossen, Käse.
Mit einem guten Kameraden habe ich mal nachts sinniert was wäre wenn wir binnen 10 Minuten verschwunden wären, er meinte das "die" uns auch im Westen finden würden, Eigendorf war halt noch frisch.
Das Schicksal war gnädig mit mir, 6 Jahre nach dem freiwilligem Vertun dieser Chance wurde das kranke Regime hinweggespült, wenn ich heute noch in diesem sozialistischem Hamsterrad rennen müsste, würde ich eventuell wohl doch einer Möglichkeit die sich mir vor 30 auftat nachtrauern.



zuletzt bearbeitet 25.10.2013 14:02 | nach oben springen

#64

RE: 20 Meter und die Welt steht dir offen, oder 1, 2, 3 Chance vorbei

in Grenztruppen der DDR 25.10.2013 13:39
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #59
Zitat von damals wars im Beitrag #56
Schon schäbig,andere an der Flucht hindern und selbst abzuhauen.Kam für mich nicht in Frage.


Der Gedanke hat schon was, so richtig rausreden mit Wehrpflicht kann man sich ja nicht immer, man hätte auch zum Polit gehen können und sagen ich will nicht mehr da raus, den Kopf hätten sie dir wohl deshalb auch nicht abgerissen, oder doch?



Siehste Andreas und das ist das,was mich so einigermaßen wurmt. Wenn sich heute einige hinstellen und sagen ich wollte ja nicht am Kanten. Aber keiner hat den Arsch in der Hose gehabt und hat schon bei der Musterung oder während der Ausbildung gesagt--nein-- dann zieht mich liebers zu NVA. Da verdienen ja die ehm.Bausoldaten der NVA mehr Respekt. Und wenn ich auf meine Person schaue,klar habe ich bei den Grenztruppen gedient auch habe ich es nicht abgelehnt. Für mich gab es eine 18 Monatige Wehrpflicht,die habe ich runter gerissen und damit war die Sache für mich gelaufen. Aber zurück zu Grenze, ich hab zwar dort gedient,aber ich hab sie nicht gezogen. Trotzdem war ich als Soldat ein Werkzeug dieser Grenze. Genauso wie jeder Soldat heute wieder ein Werkzeug der Politik ist,der freiwillig wieder in den Krieg zieht.


Mike59, PF75 und Krepp haben sich für diesen Beitrag bedankt
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#65

RE: 20 Meter und die Welt steht dir offen, oder 1, 2, 3 Chance vorbei

in Grenztruppen der DDR 25.10.2013 13:59
von Gert | 12.354 Beiträge

Zitat von Rostocker im Beitrag #55
Zitat von linamax im Beitrag #54
Zitat von ddr-bürger im Beitrag #53
Ich denke jeder hatte schon solche Gedanken, allein dieses "wenn" was "dann", das Bedürfnis hatte ich nie. Ich war mit dem Leben in der DDR zufrieden und hoffte noch auf eine Weiterentwicklung.
Auch wenn mir im Bezug auf Reisefreiheit die Welt nicht "offen stand" so gab es genug was mich hier hielt und damit versöhnte.

Hallo ddr-bürger
Das unterscheidet uns . Mich hat nie was in der DDR gehalten und da konnte mich auch nichts versöhnen .


Ja so hat halt jeder seine Entscheidung getroffen,mich hat auch nichts in den Westen gezogen. Warum auch--hätte wenn ich einen Job gehabt hätte dort die gleiche Arbeit getan bei-- Blohm & Voss---wie im Osten auf der Warnowwerft.




@rostocker aber zu anderen Konditionen als auf der Warnowwerft. Da hättest du Sonntag Mittag schon den Montag herbeigesehnt um wieder zu schaffen, damit richtig gutes Geld in die Kasse kommt.Das DMchen war verdammt gutes Geld , da stand ein Waren-und dienstleistungsangebot dahinter , aber vom allerfeinsten.ich weiß, ich weiß Geld ist nicht alles aber ohne Geld ist alles nichts.
.


.
All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‘Ich bin ein Berliner!’”
John F.Kennedy 1963 in Berlin
Geld ist geprägte Freiheit!
Dostojewski 1866
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
Mahatma Gandhi
Eisenacher hat sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 25.10.2013 14:05 | nach oben springen

#66

RE: 20 Meter und die Welt steht dir offen, oder 1, 2, 3 Chance vorbei

in Grenztruppen der DDR 26.10.2013 19:30
von Boelleronkel (gelöscht)
avatar

Zitat von Grenzwolf62 im Beitrag #1
Jeder der bei den Grenztruppen diente kennt sicherlich dieses unterschwellige Gefühl, so nahe wie jetzt komme ich der Grenze regulär nicht mehr.
Ich differenziere mit dieser Aussage auch nicht zwischen einfachen Soldaten und hohen Offizieren, wir wissen ja welche Battallions- u. Regimentskommandeure auch über den Zaun stiegen.
Antworten werden von solchen hier aber sicherlich nicht kommen.
Also der einfache Soldat, ausgesiebt, für geeignet empfunden, meist mit Kind, aber die Masse der für den Schutz des gigantischen Bollwerkes benötigten spülte auch Singles ohne feste Bindung an dieses Bollwerk.
Schon der Gedanke an, schlimm ausgedrückt Fahnenflucht, einfach ausgedrückt Chancennutzung, war ja von vornherein verboten, aber auch in einer Diktatur sind die Gedanken schließlich frei.
Gespräche über dieses Thema waren damals heikel und daher hat man sie auch meist gelassen, aber manchmal war man sich auch sicher das der Mitgenosse kein Gummiohr war und man sprach in einsamen Nächten zu zweit auch über so etwas.
Für mich kam nicht mal ansatzweise die Möglichkeit der Wahrnehmung dieser ominösen Chance in Frage, ich liebte meinen Sohn zu sehr, Jahre ohne ihn konnte ich mir nicht vorstellen.
Also es saßen junge Männer am Waldrand oder auf Türmen und schauten auf diese nahe Grenzlinie herab, welche inneren Empfindungen hattet ihr damals dabei?
Die Polits gaben sich redlich Mühe, aber das geschätzt 80% der unfreiwillig eingezogenen Soldaten aus tiefen Glaube an den Sozialismus ihren Dienst versahen ist doch, ich zitiere mal einen harten Führungs-Genossen, Käse.
Mit einem guten Kameraden habe ich mal nachts sinniert was wäre wenn wir binnen 10 Minuten verschwunden wären, er meinte das "die" uns auch im Westen finden würden, Eigendorf war halt noch frisch.
Das Schicksal war gnädig mit mir, 6 Jahre nach dem freiwilligem Vertun dieser Chance wurde das kranke Regime hinweggespült, wenn ich heute noch in diesem sozialistischem Hamsterrad rennen müsste, würde ich eventuell wohl doch einer Möglichkeit die sich mir vor 30 auftat nachtrauern.





Nabend Grenzwolf......

Fuer diesen Beitrag bekommste den "Realitaetsorden"was immer das auch sein mag.

Ich war nicht am Zaun weil ich dort nicht hin wollte,diese Gedanken gingen aus meiner subjektiven Meinung aber "Jedem "mal durch den Kopf.
Was waere wenn?

Meine Entfernung zum Zaun war nur ein Katzensprung,aber voll aufmunitioniert mit fast Allem was die Truppe zu bieten hatte(die zu organisieren waere ein leichtes gewesen),waere eine Flucht moeglich gewesen.....nun kommt aber das ja ABER.....

Familie,Bodenstaendigkeit,gegenueber meinen Mitkameraden haette ich zum Moerder werden muessen um absolut sicher zu sein.... genuegend Zeit zu haben,jede kleine Unwegbarkeit......der uniformierte Foerster, der auf irgendeinen Hochstand sitzt,der getreue Pilzsammler oder Gakl,wer auch immer....haette einen in die Quere kommen koennen.....
Die Alarmuebung einer Kompanie,eines Zuges einer Gruppe,,,,der vorbeifahrende Zivilbeschaeftige etc.....bis zum Bauern oder ....

Wichtig war aber Familie,Freundin und die Gewissheit nicht Schuld zu sein an der Exmatrikulierung vom Studium....man selbst nimmt sich ja nicht so wichtig,mir waere es mehr um die Familie gegangen....

Aber um darauf zurueckzukommen...nee ich wollte nicht "illegal"ausreisen....ich hatte immer Angst um die "Meinen"und waere voll dabei gewesen,die Laternen mit Seile zu fuellen,haetten die Maechtigen,in den schweren Tagen gewalttaetig reagiert!

Es ist nicht dazu gekommen,aus einen Zufall der wohl einmalig in der Geschichte sein war...
fuer dies "Wunder"bin ich heut noch dankbar,man waere leicht dem Hass erlegen....

Danke fuer deine Beitrag

Gruss BO


RudiEK89 hat sich für diesen Beitrag bedankt
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