#1

Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 18.10.2013 18:29
von Hansteiner | 1.409 Beiträge

Hallo zusammen,
mit der Einführung der Bat.-Sich. wurden für unseren A-Zug ab und an GA ausgelöst. Es wurden festgelegte Abriegelungsvarianten im Abschnitt als auch im eigenen Hinterland "durchgespielt". Gab es sowas bei anderen GK's bzw. Bat. auch ?

VG H.



nach oben springen

#2

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 18.10.2013 18:45
von hundemuchtel 88 0,5 | 2.492 Beiträge

hallo Hansteiner, bei uns in der Sicherstellungskompanie gab`s sowas gar nicht, nur der obligate Gefechtsalarm im Halbjahr, der war aber mehr oder weniger geplant.

gruß h.


nach oben springen

#3

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 18.10.2013 18:48
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von Hansteiner im Beitrag #1
Hallo zusammen,
mit der Einführung der Bat.-Sich. wurden für unseren A-Zug ab und an GA ausgelöst. Es wurden festgelegte Abriegelungsvarianten im Abschnitt als auch im eigenen Hinterland "durchgespielt". Gab es sowas bei anderen GK's bzw. Bat. auch ?

VG H.


Ich kenne das nur so,bei der Bat. Sicherung . Nach der jeweiligen Schicht blieben nochmal 4 Mann als A-Gruppe mit draußen im Abschnitt. Die abgelöste Kompanie stellte von 4 Zügen nochmals für 8 Std einen A--Zug, der sich aber in der Kompanie aufhielt. Und bei Lagen--nochmals rausflog.


nach oben springen

#4

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 18.10.2013 19:16
von Gelöschtes Mitglied
avatar

Variantentraining meint also: Wenn an Ort X ein Grenzverletzer gesichtet wurde, irgendetwas ausgelöst wurde, dann wusstet ihr wie ihr euch zu verteilen habt? Oder lieg ich gabz falsch?


nach oben springen

#5

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 18.10.2013 19:27
von Rostocker | 7.719 Beiträge

Zitat von g.s.26 im Beitrag #4
Variantentraining meint also: Wenn an Ort X ein Grenzverletzer gesichtet wurde, irgendetwas ausgelöst wurde, dann wusstet ihr wie ihr euch zu verteilen habt? Oder lieg ich gabz falsch?


Damit liegst Du richtig. Es gab soweit ich mich erinnere, auf der Füst. Karten dafür. Wo in so einen Fall, die Abriegelung zu geschehen hat.


Hansteiner hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#6

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 18.10.2013 19:36
von Hansteiner | 1.409 Beiträge

In meiner Zeit war generell keine A-Gruppe im Abschnitt stationiert weder bei der Komp.-noch bei der Bat.-Sich.
Sie mußte immer angefordert werden.

H.



Diskus303 und utkieker haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#7

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 18.10.2013 20:30
von utkieker | 2.915 Beiträge

Als A- Gruppe sind wir generell von der Kaserne aus eingesetzt worden. Wir hatten von 1978 - 1981 Bat.- Sicherung. Allerdings gab es Bestrebungen die A- Gruppe in den Abschnitt zu belassen, wurde aber nach kurzer Zeit wieder verworfen. Als A- Gruppe wurden wir nie zur Abriegelung eingesetzt unsere Aufgabe war es die Auslöseursache des GSZ zu ermitteln. Der GSZ verlief streckenweise durch dicht bewachsenen Mischwald leicht wurde der Zaun durch kleine Zweige ausgelöst und das kam häufiger vor als man denkt. Mein Rekord lag bei vier Auslösungen in einer Nacht. "Variantentraining" war also zwecklos.
Und wenn ich nicht A- Gruppe war, dann war ich UvD, daß war auch ganz praktisch denn ich fungierte gewissermaßen als stellv. Waffenuffz. Und ehe der Waffenkeim in seiner phlegmatischen Art unten war, war die A- Gruppe schon wieder auf den Heimweg.

Gruß Hartmut!


"Die Vergangenheit zu verbieten macht sie nicht ungeschehen, nicht einmal wenn man versucht sie selbst in sich zu verdrängen"
(Anja-Andrea 1959 - 2014)
nach oben springen

#8

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 19.10.2013 00:45
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Zu den Varianten:
Es gab im Rahmen der Beurteilung der Lage Entschlussfassungen zur Wahrscheinlichen Richtung der Bewegung der Grenzverletzer und zum Raum der Hauptanstrengung. Die Überlegung ging dann soweit, dass, wenn ein Durchbruchsversuch in der erwarteten Richtung zur erwarteten Zeit erfolgen sollte, keine konkrete Einzelentschlussfassung und -meldung erfolgen sollte, sondern nur "eine Variante" ausgelöst wurde. Damit waren die Postenpunkte bestimmt, die im Falle einer Abriegelung durch einen Alarmzug zu beziehen waren.

Das war als Grundgedanke recht nett, aber in der alltäglichen Grenzdienstpraxis so nutzbar, wie ein 80er Winkeleisen als Taschentuch. Die ganze Sache setzte nämlich eine Kleinigkeit voraus: Im Fall einer Lage musste sofort der ganze Alarmzug in dem Abschnitt eingesetzt werden. Genau das war aber Mumpitz. Der Einsatz des Alarmzuges erfolgte im Rahmen einer Eskalation der Lage: Erst flog eine A-Gruppe raus, dann ggf. eine zweite, vielleicht hatte man noch den einen oder anderen Grenzposten zur Hand, der sich gerade am Grenzmeldenetz meldete und dann, wenn die Kontrollstreife etwas festgestellt hatte, oder nach einer Grenzsignalzaunauslösung im jeweiligen Abschnitt vielleicht noch Signalgeräte auslösten, oder Hunde anschlugen, oder Igel zu laut durch den Wald tapsten ... dann wurde die Abriegelung weiter verstärkt, bis irgendwann die ganze Kompanie draußen lag. Genau dann hätte man ein Variante gebrauchen können, aber wozu eigentlich? Einige der Postenpunkte waren schon besetzt. Also musste man den Posteneinsatz des Alarmzuges sowieso präzisieren und die Abweichungen extra melden. Man hätte natürlich Posten aus der bestehenden Abriegelung herauslösen können, damit man die Variante geruhsam nutzen kann (das war Ironie). Nein, die Varianten waren nach meiner Auffassung eine Art Selbstbefriedigung höherer Stabsoffiziere, die unbedingt Militärs spielen wollten. Das machte sich auch noch recht gut, wenn man an der Offiziershochschule den kleinen Offiziersschülerchen einen vom Pferd in staunende Antlitz erzählt. Mit der Praxis des Grenzdienstes hatte das wenig zu tun. Ich habe einmal eine Lage erlebt, bei der wir nahe dran kamen, die Abriegelungsvariante zu nutzen. Aber da saßen dann, wie oben beschrieben, schon 2 A-Gruppen in der Botanik und störten das militärische Planspielchen entscheidend. In der Kompaniesicherung sahen wir wenig Nutzen, den Quatsch auch noch zu trainieren. Abriegelungen gab es täglich, die mussten nicht trainiert werden.

Die Variante in der Ausbildung an der Offiziershochschule nannte sich drei Jahre lang "Variante Dobia". Das habe ich noch intus. Aus dem Grenzdienst ist mir nichts dazu in Erinnerung geblieben außer, dass es ein paar bunte Punkte auch auf unserer Karte gab. Für die Entschlussfassung eine nette Unterstützung, mehr nicht.

ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


94 und Winch haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 19.10.2013 00:47 | nach oben springen

#9

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 21.10.2013 00:14
von student | 89 Beiträge

Die "Varianten" wurden genauestens dokumentiert, der Abriegelungsabschnitt, die eingesetzten Grenzposten, die Zeiten für das Beziehen der LdA von den einzelnen Grenzkompanien aus, die Handlungen zur Überprüfung von Auslöseursachen usw. usw. War immer viel Arbeit auf der Entschlußkarte des K-GB. Ich habe meine Aufzeichnungen aus der Zeit noch, und ich fand es immer amüsant, einen Anmarsch von geplant 45 Minuten mit dem Begriff "Alarmeinheit" zu verbinden.

Besonders hartleibig wurde das bei Auslösungen der 501 gehandhabt. Wichtig war das auch gar nicht so sehr für die Grenzsicherung, sondern für den Fall, daß irgendetwas schiefging, vielleicht sogar ein "Grenzdurchbruch" passierte. Dann war der Nachweis des "Handelns nach Variante" das einzige, was den jeweils Verantwortlichen retten konnte. Ein "Nicht-Handeln nach Variante" war sogar eine "operativ bedeutsame" Wahrnehmung, besonders bei Minenauslösungen. Ich stimme rainman zu, wenn er das für reine Beschäftigungstherapie gehalten hat. Das war noch ein Überbleibsel aus der Zeit, als man sich an der OHS auf die kommende "industriemäßige Grenzsicherung" vorbereitete und mit Netzplänen und Matrizenrechnungen (war damals der letzte Schrei) die beiderseitigen Handlungen berechnen wollte. Je bunter die Grafik, desto sicherer der Erfolg.

Was es einbrachte, wenn man streng nach "Variante" handelte (und wem es wahrscheinlich am meistens genutzt hat), zeigt der Fall der Fahnenflucht meines Stellvertreters. Er hatte sich unerlaubt von der Kompanie entfernt und sich auffällig im Bereich Thandorf - Schlagsdorf von Zivilpersonen sehen lassen. Folgerichtig wurde laut Variante diese Gegend abgeriegelt. Er hatte sich aber sofort nach seiner Feststellung im weiten Bogen im Hinterland Richtung rechte Trennungslinie bewegt und ist dort (angeblich) völlig ungestört über die Grenze. Der K6 wurde mehrmals im gesamten Bereich SiA-V und VI akribisch überprüft und nichts gefunden. Dann kam ein GAZ (oder war es schon ein UAZ... weiß ich nicht mehr), und dessen Insassen haben auf dem K6 direkt an der TL nicht nur eine Spur gefunden, die auch ein extrem Fehlsichtiger nicht hätte übersehen können, sondern sie fanden dort am Kolonnenweg auch noch eine Kombizange ...


Rainman2 und Hansteiner haben sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#10

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 21.10.2013 08:27
von Hansteiner | 1.409 Beiträge

Wenn "eigene" Leute es vorhatten bzw. durchführten hast du sowieso kaum eine Chance gehabt.
Zum Glück ist soetwas in meiner DZ nicht vorgekommen.

VG H.



nach oben springen

#11

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 21.10.2013 09:04
von Rainman2 | 5.754 Beiträge

Ich muss noch einmal ergänzen, dass die Varianten in der Bataillonssicherung unter Umständen noch eine größere Bedeutung gehabt haben dürften. Das habe ich aber nicht selbst erlebt. In der Kompaniesicherung glich man allenfalls die eigene Abriegelung mit der Variante ab. Die Zeiten zum Beziehen des Abschnitts waren auch wesentlich geringer, als in der Bataillonssicherung. Dafür war der Kräfteverschleiß höher, übrigens auch in der Kompanieführung.

Ciao Rainman


"Ein gutes Volk, mein Volk. Nur die Leute sind schlecht bis ins Mark."
(aus: "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus", DEFA 1977)


zuletzt bearbeitet 21.10.2013 09:05 | nach oben springen

#12

RE: Variantentraining

in Grenztruppen der DDR 21.10.2013 09:49
von Hansteiner | 1.409 Beiträge

Ja Rainman2, da muß ich dir recht geben. Dieses "Variantraining" haben wir erst mit der Bat.-Sich. durchgeführt. In der Anfangszeit wurde es ein bischen übertrieben, bis es zu einem schweren Unfall mit LO mit dem A-Zug kam. War damals ein LO der GK Freienhagen, der LO hatte im Bat. den Spitznamen "Rakete", soll der schnellste gewesen sein.
Es gab einige Verletzte, danach wurde das "Training" deulich reduziert !

VG H.



nach oben springen


Besucher
24 Mitglieder und 68 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: loryglory
Besucherzähler
Heute waren 1982 Gäste und 138 Mitglieder, gestern 3414 Gäste und 170 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14360 Themen und 557227 Beiträge.

Heute waren 138 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen