#41

RE: Schattenläufer

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 24.10.2013 21:03
von ABV | 4.202 Beiträge

10.Fortsetzung

[b]Drei Tage später
Redaktion der Politzeitschrift „Aufmerksam“
Düsseldorf[/b]


Voller Anspannung betrachtete Lowinsky auf seinem Rechner die von Siebenschuh während seines „Einsatzes“ in Brandenburg gefertigten Aufnahmen. Der Chefredakteur stieß einen leisen Pfiff aus: „ Willst du mir eine geschickte Fotomontage unterjubeln, oder hält der Kerl tatsächlich eine Maschinenpistole in der Hand?“ Siebenschuh spielte den Beleidigten: „ Bei mir ist alles echt! Soweit solltest du mich eigentlich kennen“, schmollte er mit vorgeschobener Unterlippe.

Lowinsky klickte sich weiter durch die digitale Ausbeute.
„ Leider besitzen deine Fotos einen kleinen, aber feinen Schönheitsfehler: bei einer Veröffentlichung verlierst du auf ewig deinen Undercoverstatus. Familie Burghard erfährt zwangsläufig, dass du ihr die Suppe eingebrockt hast.“

Siebenschuh grinste breit. „ Wirf doch bitte mal das Internet an. Und rufe deinen Facebookaccount auf.“ „ Ich verstehe nicht...“, erwiderte Lowinsky verwirrt. „ Tue es einfach.“

Über Siebenschuhs Gesicht huschte einmal mehr das für ihn typische fiese Grinsen..
Der Chefredakteur folgte Siebenschuhs Ansinnen. „ Ok, ich bin drin. Und wie weiter?“ „ Gebe in die Suchleiste den Namen Andrea Brand ein.“
„ Andrea Brand ist fünfmal vorhanden“, maulte Lowinsky.

Siebenschuh warf einen kurzen Blick auf den Monitor: „ Die dunkelhaarige Dorfpomeranze, dort an zweiter Stelle.“

„ Andrea Brand, dass ist doch die Frau von diesem Mauerschützen?“ „ Aus dir wird eines Tages noch was“, witzelte Siebenschuh respektlos.
Er fühlte sich offenbar unangreifbar. Auf einem hohen Ross sitzend. „ Schau dir bitte die letzten von der Dame geposteten Fotos an. Und dann sagst du mir, was dir auffällt?“ „ Das kann doch nicht dein Ernst sein? Diese Schlampe hat doch deine Fotos längst bei Facebook veröffentlicht. Hast du ihr die Aufnahmen etwa überlassen?“
„ Nicht alle. Nur die, auf die es besonders ankommt.“

Lowinsky zitterte vor Wut. Mit einer knappen Handbewegung fegte er auf seinem Schreibtisch ausgebreitete Papiere hinunter auf den Teppich. Polternd fiel der schwarze Chefsessel zu Boden. „ Bin ich den von allen guten Geistern verlassen? Seid ihr alle unfähig? Da können wir doch gleich Konkurs anmelden!“

Unbewegt betrachtete Siebenschuh den ungestümen Wutausbrauch. Lääsig mit den Fingern schnippend, verschaffte er sich Gehör: „ Statt hier wie ein Stier zu brüllen, solltest du mir lieber erstmal zuhören. Das ganze ist Teil meines Planes. Ein guter Reporter überlässt eben nichts dem Zufall.“ „ Na da bin ich aber gespannt“, keuchte Lowinky kurzatmig und wischte sich dein Schweiß von der Stirn.

„ Den Plan den Brand zu der Militärshow zu locken, hatte ich bereits Tage vor meiner Abreise ausgetüftelt. Als mir am Abend zuvor dessen Frau unter höchstem Bedauern von ihrem kurz zuvor kaputt gegangenen Fotoapparat und ihrer Leidenschaft für soziale Netzwerke, insbesondere Facebook berichtete, stand das weitere Vorgehen fest. Ich gab mich als leidenschaftlicher Fotograf zu erkennen. Großmütig bot ich der Bedauernswerten an, einige Schnappschüsse zu überlassen.“

„ Ja und?“ Lowinsky verstand noch immer nur Bahnhof. „ Damit sind sie doch für uns wertlos.“ Eben nicht!“ Siebenschuh bemühte sich angestrengt um einen moderaten Tonfall. „ Frau Brand lädt die Fotos hoch in das schöne Weltweite Netz. Wo sie, zumindest theoretisch, jeder sehen kann. Wer sagt denn, dass unter den vielen neugierigen Usern nicht jemand ist, der über die dunkle Vergangenheit ihres Mannes Bescheid weiß? Dieser jemand wendet sich voller Empörung an unser Blatt. Wir sehen uns in der Pflicht der Sache nachzugehen. Der Schwarze Peter fällt der Brand zu. Wegen ihrer Facebook-Manie. Auf mich fällt absolut kein Verdacht. Und andere Reporter können sich hochoffiziell um die weitere Berichterstattung kümmern. Wer weiß, ob Mutti Mehnert, oder deren Tochter nicht doch zu einem Interview bereit sind, wenn sie sehen das der Mörder ihres Sohnes und Bruders noch immer gern mit Waffen spielt. Und völlig ungeniert als Hotelportier internationalen Gästen die Hände schüttelt. Wie einer der Schnappschüsse ebenfalls zeigt. Das Foto von ihm im Hotel ist kurz vor meiner Abreise entstanden. Ich habe ihn noch kurz auf seiner Arbeitsstelle besucht. Diesmal brauchte ihn nicht wegen des Fotos zu überreden. Der Gast aus Italien war ebenfalls mit Feuereifer dabei. “

Lowinsky schnitt eine Grimasse. „ Wow! Bist du ein Genie? Oder komplett wahnsinnig?“
Siebenschuh bediente sich frech an Lowinskys Kognak und entgegegnete süffisant:. „ Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich dicht beisammen, Chef“.

Fortsetzung folgt

Gruß an alle
Uwe


www.Oderbruchfotograf.de

http://seelow89.wordpress.com/tag/volkspolizei-seelow/


94, bendix und Damals87 haben sich für diesen Beitrag bedankt
zuletzt bearbeitet 24.10.2013 21:04 | nach oben springen

#42

RE: Schattenläufer

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 29.10.2013 17:16
von berlin3321 | 2.519 Beiträge

Super Geschichte Uwe.

Mfg Berlin


Dieser Beitrag ist eine Meinungsäußerung, nicht repräsentativ, im Sinne des Art. 5 des Grundgesetzes und durch diesen gedeckt !
ABV hat sich für diesen Beitrag bedankt
nach oben springen

#43

RE: Schattenläufer

in Mein Leben als DDR Grenzsoldat 02.12.2013 10:53
von 94 | 10.792 Beiträge

Zitat von ABV im Beitrag RE: Psychologische Hilfe?
... Und wenn man nur einfach darüber redet.
Oder schreibt?

Zitat von ABV im Beitrag #41
Fortsetzung folgt
Noch dieses Jahr?


Verachte den Krieg, aber achte den Krieger!


zuletzt bearbeitet 17.12.2013 14:07 | nach oben springen


Besucher
22 Mitglieder und 54 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: TalSiar
Besucherzähler
Heute waren 1706 Gäste und 126 Mitglieder, gestern 3936 Gäste und 179 Mitglieder online.

Forum Statistiken
Das Forum hat 14372 Themen und 558429 Beiträge.

Heute waren 126 Mitglieder Online:

Besucherrekord: 589 Benutzer (24.10.2016 20:54).

Xobor Ein eigenes Forum erstellen